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Schleifen

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Campe
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14 in 10 Wb.
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Eintrag · Campe (1807–1813)

Schleifen ntr, intrs, trs

Bd. 4, Sp. 175b
Schleifen, v. ein Wort, welches den eigenthümlichen Laut, welchen eine Sache, die über eine andere langsam hingezogen wird, hervorbringt, nachahmet und dann solche Handlungen bezeichnet, die mit diesem Laute verbunden sind, oder doch zuerst mit demselben gedacht wurden. I) ntr. mit haben. 1) Mit regelmäßiger Umwandlung, einen Laut, welchen das Wort nachahmet, von sich geben, und, sich so bewegen über die Fläche eines Körpers hin, daß dieser Laut dadurch hervorgebracht wird. Das Kleid schleift auf der Erde, hat geschleift. »Mein Kopf schleifte auf den Steinen.« Kotzebue (R.). Die Kette schleift hinten am Wagen, hängt am Wagen auf die Erde hinunter und wird über derselben fortgezogen. Der Schlitten schleift, wenn er seitwärts über den glatten Weg hingleitet. »Da hörte Erdmann schleifende Greisenschritte.« Benzel=Sternau. I manchen Gegenden wird schleifen auch für schleichen und schliefen gebraucht. Daher der Schleifhandel, Schleifhändler, die Schleiftreppe der Schleifweg in diesen Gegenden für Schleichhandel  gebraucht wird. 2) Unregelm., unl. verg. Z. ich schliff, geb. F. ich schliffe; Mittelw. d. verg. Z. geschliffen, den an seine Oberfläche gehaltenen Körper scharf oder glatt machen. Dieser Stein schleift gut. II) intrs. mit haben und sein, gewöhnlich regelmäßig. 1) Auf der Fläche oder über die Fläche eines Körpers bewegen, ziehen. So schleifen die Fischer, wenn sie das Netz auf dem Grunde hinziehen. Man schleifet auf dem Eise, wenn man auf beiden Füßen auf demselben gleitend sich hinbewegt. S. Gleiten II) 3). Außer den dort angeführten Ausdrücken gebraucht man dafür auch schameien, scharmeien, zöschen, schünschern , im Hennebergschen schabeien, im N. D. auch schliddern, schlindern. Eine Art zu tanzen, wobei man sich im Kreise herumbewegt, und mit den Füßen abwechselnd über den Boden streicht, heißt auch schleifen, in welcher Bedeutung es I P. Richter gegen die Gewohnheit unregelmäßig gebraucht hat: »— so daß also da ein lustiges Mädchen — — — doch wenigstens seine gute anderthalb Stunden gewalzt und geschliffen hätte.« 2) Von den Auerhähnen, im Balzen einen aus Zischen und Kirren zusammengesetzten Laut von sich hören lassen. Der Auerhahn schleift. III) trs. 1) Regelm. eine Handlung, Veränderung vornehmen, die mit einem Laute, welchen das Wort nachahmet, verbunden ist. Einen Buchstaben schleifen, ihn weich, ohne Stoß aussprechen. So wird das f geschleift, v aber gestoßen. Auch versteht man unter einen Buchstaben schleifen, ihn so weich aussprechen, daß er zu dem folgenden sanft übergehet, z. B. in lieb, Liebe, wo e in b und b in e sanft übergehen, was in Lippe nicht der Fall ist, ferner: sei's, mein's oder sein's, wo i mit Weglassung des e sanft in s übergehet. I der Musik werden zwei Noten geschleift, wenn sie nicht abgestoßen, sondern im Vortrage sanft mit einander verbunden werden, auf der Geige z. B. durch Einen Bogenstrich ohne abzusetzen. I engerer und gewöhnlicher Bedeutung (1) An und über der Fläche eines Körpers fortbewegen, fortziehen. Ein Kleid schleifen, den langen auf den Boden herabhangenden Theil desselben nach sich ziehen. Ein Stück Bauholz an die Baustelle schleifen, es seinem größten Theile nach auf der Erde ruhend darüber hin an die Baustelle ziehen. Einen Missethäter auf einer Haut zum Richtplatze schleifen. Der Reiter blieb in dem Bügel hangen und das Pferd schleifte ihn. Zuweilen auch in Fällen, wo man gewöhnlicher schleppen gebraucht. »Die Juden schleifeten den Jason und etliche Brüder vor die Obersten der Stadt.« Apostelg. 17, 6. I noch engerer Bedeutung, auf einer Schleife fortschaffen. Waaren schleifen. Die Sturm= oder Wasserfässer an die Brandstätte schleifen. Uneigentlich, eine Feuermauer schleifen, sie, anstatt senkrecht aufzuführen, in einer schrägen Richtung ziehen. (2) Aus einander ziehen, reißen, einreißen, zerstören. Eine Stadt, eine Festung schleifen, sie einreißen, zerstören, aus einander schleifen. »Wir müssen das Land räumen, denn sie haben unsere Wohnungen geschleifet.« Jerem. 9, 19. Die Mauern hast du ihm herunter lassen reißen, Und seine Festungen ganz schleifen und zerschmeißen, Opiz, Ps. 89. Ein Schiff slopen, d. h. schleifen, es, wenn es baufällig ist, aus einander nehmen. S. auch Schlichten und Schleißen, welche Wörter mit Schleifen verwandt sind. (3) I die Gestalt einer Schleife bringen, wie auch, mit einer Schleife, oder mit Schleifen versehen. Einen Knoten schleifen, ihn in Gestalt einer Schleife hervorbringen. Den Hut schleifen, ihn mit einer Schleife versehen. 2) Unregelm. (wie oben), an eine sich umdrehende Scheibe, an einen sich umdrehenden Stein oder an und auf ein solches Rad  halten und hin und her bewegen, damit der daran gehaltene Körper scharf oder glatt, oder sonst etwas auf seiner Oberfläche hervorgebracht werde. Messer, Scheren  schleifen. Ein scharf geschliffener Degen. Steine, Edelsteine, Marmor  schleifen. Glas schleifen. Einen Namenzug, matte Stellen  in und an ein Glas schleifen. Spiegel, Fensterglas, Brillen schleifen. Geschliffene Fensterscheiben. Uneigentlich, das Rauhe, Unebene, Eckige, Ungefällige benehmen. Er muß erst noch geschliffen werden. Ein geschliffener Mann, ein fein gebildeter, in seinem ganzen Äußern und Benehmen gefälliger, angenehmer Mann. Ein geschliffenes Wesen, Betragen. I weiterer Bedeutung, überhaupt wegschaffen, wo doch der Begriff des Rauhen, Blinden zu Grunde liegt, welches durch Schleifen weggeschafft wird. Ih will den Star von Gangolfs Augen schleifen. Wieland. D. Schleifen. D. — ung.
5528 Zeichen · 100 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Schleifen

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Schleifen , ein Zeitwort, welches so, wie alle, eine unmittelbare Nachahmung eines eigenthümlichen Lautes ist, und herna…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    1schleifen

    Goethe-Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    1 schleifen wiederholt subst 1 eine bestimmte Bewegung mit hörbarer Bodenberührung ausführen a über den Boden hinwegzieh…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Schleifen

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +2 Parallelbelege

    Schleifen , in der Kriegswissenschaft das Zerstören von Festungswerken; in der Musik das Vortragen von 2 oder mehren Tön…

  4. modern
    Dialekt
    schleifen

    Elsässisches Wb. · +2 Parallelbelege

    schleife n , schleipfe n [laifə S. O. Bf. Str. ; lèifə M. ; læìfə K. Z. Betschd. ; lǽfə Barr Altw. ; láfə Ndrröd. ;…

  5. Sprichwörter
    Schleifen

    Wander (Sprichwörter)

    Schleifen 1. Es ist böss schleiffen ohne Wasser. – Lehmann, II, 129, 166; Petri, II, 166; Simrock; 9084. Holl. : Tis qua…

  6. Spezial
    schleifen1

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    schlei|fen 1 vb.tr. 1 (auf dem Schleifstein) amoré (-ra), aguzé (-za) 2 (schärfen) aguzé (agüza), fá tai 3 (Holzboden: g…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit schleifen

39 Bildungen · 24 Erstglied · 10 Zweitglied · 5 Ableitungen

schleifen‑ als Erstglied (24 von 24)

schleifenband

DWB

schleifen·band

schleifenband , n. : die langen rosenfarbenen schleifenbänder flatterten munter und lustig. Göthe 43, 286 .

schleifenbinden

DWB

schleif·enbinden

schleifenbinden , n. : da händezusammenschlagen und schleifenbinden dinge sind, die zu vereinigen man ein taschenspieler sein musz. Ludwig (…

schleifenblauel

DWB

schleifenblauel , m. schwelger, müssiggänger: umb der edeln zeit willen, die ein sollich schleiffenblawel sein leben lang unnutz zubrengt. J…

Schleifenblitz

Meyers

schleifen·blitz

Schleifenblitz , ein Blitz mit gewundener Bahn, der scheinbar eine Schleife bildet (vgl. Gewitter, S. 807).

Schleifenfahrt

Meyers

schleifen·fahrt

Schleifenfahrt , das Durchfahren einer aufrecht stehenden Schleife oder Schlinge in einem Schlitten oder auf einem Fahrrad, wobei der Fahren…

schleifengehen

PfWB

schleifen·gehen

schleifen-gehen st. : 'dem Ruin zutreiben, verlorengehen', schleifegehⁿ , -gihⁿ , -gehn, -gehe, -gäh, -gähⁿ , -gäi, s. gehen [verbr., Kieffe…

schleifenhaft

DWB

schleifen·haft

schleifenhaft , adj. und adv. : gegliedert schnürten goldne riemen schleifenhaft. Göthe 40, 406 .

schleifen II

RhWB

schleifen II das Wort, auf sleifen, sleipen zurückgehend, ist ausser dem Rhfrk an Nahe u. Hunsr, wo schleipen herrscht (doch selten daneben …

Schleifenkanäle

Meyers

Schleifenkanäle , die Nieren der Ringelwürmer, s. Nieren .

schleifenkette

DWB

schleifen·kette

schleifenkette , f. kette an der schleife, einem schlittenartigen gestell ( s. schleife 5): von einer sleipfenketten und ortscheit zu beschl…

schleifenkufe

DWB

schleifen·kufe

schleifenkufe , f. eine der beiden stangen, auf denen die schleife ( s. schleife 5) gleitet. Jacobsson 3, 618 b .

schleifenlassen

PfWB

schleifen·lassen

schleifen-lassen st. : 'nachgiebig sein, ver- nachlässigen', schlääfelosse [ RO-Obd , vereinzelt]. Er dut alles sch. [Kaislt]. RA.: Er läßt …

Schleifenreihe

GWB

schleifen·reihe

Schleifenreihe poet für Folge der Maschen, Schlaufen, Schlingen eines aus feinen (Seiden-)Fäden bestehenden netzartigen Gewebes bzw metonym …

Schleifenstellen

DRW

schleifen·stellen

Schleifenstellen, n. Auslegen von ³Schleifen (I) edict wider das unbefugte jagen ... und schleifenstellen in gehegen 1695 CCMarch. IV 1 Sp. …

schleifenswert

GWB

schleifen·swert

schleifenswert -th zu ‘ 2 schleifen’ 2 gepulverte Granaten [ Material zum Schleifen von etw ] , wobey alles [ von dem Mineral ] gebraucht we…

schleifentreiber

DWB

schleifen·treiber

schleifentreiber , m. , nd. slependriver brem. wb. 4, 823, eigentlich fuhrknecht bei einer schleife ( s. schleife 5), dann als schimpfwort f…

Schleifen und Wenden

GWB

Schleifen und Wenden Name in ‘Reineke Fuchs’ [ Martin: ] hat nun am [ päpstlichen ] Hofe|Cardinal Ohnegenüge die ganze Gewalt..Horchegenau, …

Schleifenzins

DRW

schleifen·zins

Schleifenzins, m. für die Nutzung eines Schleifsteins in einer Schleifmühle zu zahlende Pacht item damit armen stückwerkern von den reichen …

schleifen als Zweitglied (10 von 10)

abschleifen

DWB

abschleifen , acuere, deterere, mhd. abeslîfen, nnl. afslijpen, das unebene, rauhe, rohe wegschleifen, reinigen, glätten: den rost, die spit…

anschleifen

DWB

anschleifen , parum acuere, polire: einen edelstein anschleifen; der spiegel ist nur angeschliffen; der klinge, dem messer die spitze anschl…

ausschleifen

DWB

aus·schleifen

ausschleifen , ausschlif, ausgeschliffen , in verschiednem sinn, 1 1) früher intransitiv, elabi, vgl. ahd. slîfan, inslîfan ( Graff 6, 807 )…

durchschleifen

DWB

durch·schleifen

durchschleifen , durchkriechen, durch einen engen ort sich durchwinden, perrepere Stieler 1808 . an allen orten die ich durchschliffen und d…

einschleifen

DWB

ein·schleifen

einschleifen , tornando indere, part. eingeschliffen, nnl. inslijpen, dän. indslibe: buchstaben, namen, bilder ins glas einschleifen.

Glasschleifen

Adelung

glas·schleifen

Das Glasschleifen , des -s, plur. car. das Schleifen des Glases, und die Kunst, dem Glase durch Schleifen eine jede verlangte Figur zu geben…

Salzeinschleifen

DRW

salz·einschleifen

Salzeinschleifen, n. illegale Einfuhr und Verkauf, Schmuggel von Salz bdv.: Salzeinführen [Befehl,] daß sie dieses ungebuͤhrliche saltz-eins…

verschleifen

DWB

ver·schleifen

verschleifen , verb. stark flectiert. 1 1) durch abschleifen zu grunde richten, mhd. verslîfen, mnd. vorslîpen: eine degenklinge verschleife…

wegschleifen

DWB

weg·schleifen

wegschleifen ( mit starker flexion ), durch schleifen beseitigen: aber warumb schleiffen die steinschneider von denen diamanten nicht alle f…

Ableitungen von schleifen (5 von 5)

beschleifen

DWB

beschleifen , cote acuere, das messer beschleifen.

entschleifen

DWB

entschleifen , elabi, ahd. intslîfan ( Graff 6, 808 ), mhd. entslîfen, entgehen, entweichen: wand in ir vreude gar entsleif. pass. K. 16, 1 …

erschleifen

DWB

erschleifen , expolire, durch schleifen bearbeiten.

verschleifen

DWB

verschleifen , verb. stark flectiert. 1 1) durch abschleifen zu grunde richten, mhd. verslîfen, mnd. vorslîpen: eine degenklinge verschleife…

zerschleifen

DWB

zerschleifen , verb. , zu schleifen ( th. 9, 590, wo angaben über das starke und schwache verbum und die berührung mit mhd. slöufen schlüpfe…