schlipfen,
verb. ,
ableitung von schleifen,
sich zu diesem verhaltend wie schlitzen
zu schleiszen, ritzen
zu reiszen,
ahd. slipfan,
häufiger in zusammensetzungen Graff 6, 807—809,
mhd. slipfen. 11)
die bedeutung ist meist '
gleiten, ausgleiten' (
vgl. schleifen II,
A, 1,
besonders b, ζ oben sp. 593),
so schon ahd. Graff
a. a. o. [] und mhd. Lexer
mhd. handwb. 2, 982,
ebenso: schlipffen,
labare Dief. 313
c,
labi 314
a. Dasypod., schlipffen, zuo hauffen fallen,
collabi, labi, prolabi Maaler 356
b, schlipfen,
labi Schottel 1402.
nach Stieler 1857
ist schlipfen
ungefähr dasselbe wie schlüpfen,
doch musz dabei berücksichtigt werden, dasz durch die in manchen mundarten übliche aussprache des ü
wie i
eine formale vermischung beider verben stattgefunden hat. eben diese vermischung hat wol dazu beigetragen, dasz schlipfen
in der heutigen schriftsprache erloschen ist, doch, während die ableitungen schlüpfrig
und schlüpfrigkeit
die auf schlipfen
zurückgehende bedeutung des '
glatten'
zeigen, wird schlüpfen
heute in der regel im alten, eigentlichen sinne von '
schliefen'
gebraucht, ist also in der bedeutung meist unbeeinfluszt durch schlipfen.
als '
wider willen gleiten, ausgleiten'
erscheint dies noch in heutigen mundarten Stalder 2, 329. Tobler 389
a. Hunziker 223. Seiler 255
b,
in gleichem sinne bieten es die folgenden älteren belege: der selbig schlipft ein wenig, dasz er fiel in die ebene. Th. Platter 181; ûf dem stîge er slipfte. Albertus
leben Ulrichs bei Lexer
mhd. handwb. 2, 982.
in bildlichen wendungen: und glycherwyse als die jungen zwy und schosse niderfallend und nit ufrecht belyben mugent, sy hangen danne an jren pfeln und stöcken mit den banden angeheft, also schlipft ouch die jugend der jungfrovwen und wirffet offt und dick sich selbs darnider es syge dann daʒ sy geregieret werd mit vernunft und wyszhait der alten.
N. v. Wyle
transl. 135, 1
Keller; aber jr sind ... menschen, und nicht gött: ouch nit ewig, sonder tödenlich: und jr mügend schlipffen, jrren, betrogen werden und verfueret.
derselbe in Wackernagels
altd. leseb. 1041, 8 (
bei Keller an der stelle 223, 15
wol fälschlich schippfen); der dunckt mich sicherlîch nit beis (
weis), und möcht wol slipffen auf dem eys. O. v. Wolkenstein 19, 4, 6; wer uberhebt sich das er stand der luog und schlypff nit uff den sand. Brant
narrensch. 56, 81
Zarncke. zweifelhaft bezüglich der bedeutung ist die glossierung des worts durch lubricare Dief. 337
a und Stieler 1857.
kaum wird hier lubricare im eigentlichen sinne von lubricum facere zu nehmen sein, es scheint vielmehr als '
ausgleiten'
verstanden zu sein, wofür die glossen gliten, glitschen,
lubricare Dief.
a. a. o. sprechen. auch im weiteren sinne von '
gleiten'
erscheint das wort und nähert sich so der bedeutung von schlüpfen: schlipffen,
redare est cum reda vehere. vocabularius ante. lubricitate sua elabi Wachter 1433: o wär ein giftig pfeil durch lung und herz geschlipft. Lohenstein
Ibr. Bassa 1, 227; als neulich Cälius vor meiner thüre wetzte, und mir den pasz verbog, war ich ihm so behend durch seinen arm geschlipfft, wie einer, dem es brennt. Günther 1038;
bildlich: dan es ist am tag und ist wâr, das reichtumb, gewalt und êr diser welt zergenklich und unbestendig sind, schlipfen gar liederlich hinweck und zelest zergêns wie der leib, so tödlich ist. Aventin 2, 39, 14
Lexer. die bedeutungen '
gleiten'
und '
schlüpfen'
hat schlipfen
nach Schm.
2 2, 532
auch im heutigen bair., wo es daneben eine weiterbildung schlipffezen
gleiten auf dem eise, ausgleiten gibt. ebenda, östr. schlipfitzen Höfer 3, 96.
dazu schlipfezer,
lapsus Schm.
a. a. o. 22) schlipffen, reiszen,
facere crenam Apherdiani
tyrocin. (1580) 105,
eine bedeutung, die schwer mit der vorigen zu vereinigen ist. vgl. schlippen 2.