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seufzen

nhd. bis spez. · 12 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

seufzen verb.

Bd. 16, Sp. 701
seufzen, verb. 'geschieht auf zweyerley weise, entweder dasz man den athem stark und meistens unterbrochen zurückzieht ..., oder denselben samt der stimme von sich heraus stöszt'. Frisch 2, 266a; gewöhnlich sind beide bewegungen bei seufzen verbunden: seufzen, 'den athem mit einem diesem zeitworte angemessenen klange in sich ziehen und wieder ausstoszen.' Adelung; mhd. siufzen (älteres siuften verdrängend, s. oben seuften) mhd. wb. 2, 2, 722a. 723a. Lexer mhd. handwb. 2, 947; ahd. sûftôn ist verwandt mit dem starken verb. sûfan, nhd. saufen, eigentlich schlürfen (ohne unedlen nebensinn), bezeichnet also zunächst das einschlürfen der luft. gemere, suff-, seuff-, seunffzen Dief. 259a; ingemere, sifftzen, sifczen. 298a; gemere, ersaufftzen. nov. gloss. 190a; fast seufftzen, ingemere Dasypodius; seufftzen, als vom kumber. Maaler 371b; gunsen, seufftzen Henisch 1781, 66; seufftzen, den athem tieff holen. Hulsius dict. (1616) 297a; suspirare, den athem in die höhe lassen, seufftzen. Corvinus fons lat. (1660) 626b; seuftzen, gemere Schottel 1415; sîfzen, sûfzen Liesenberg 214. vgl. auch seunften, seunfzen. 11) als zeichen unterdrückten kummers, stillen schmerzes, des bangens, des sehnens, des bedauerns, der resignation u. ähnl.: las fur dich komen das seufftzen der gefangenen. ps. 79, 11; ich wil meine aller-untertähnigste, treu-gehorsamste pflichtschuldigkeit hierinnen seufzend contestiren. Butschky Pathm. einführung; ists ein unglücklicher, der meiner hülfe bedarf? er soll nicht mit seufzen von hinnen gehn. Schiller räuber 2, 2 schauspiel; die kiusche und die kurteise ein siufzen dâ erscheinete. H. von Freiberg Tristan 1491; ich höre seines seufzens stimm. P. Gerhardt 134 Gödeke; er flieht von dannen, ich seufze. E. von Kleist 2, 24 (1760); du, der ewig um mich trauert, nicht allein, nicht unbedauert, jüngling, seufzest du. Gotter 1, 12 (1787); wie, du seufzest? — hast wohl schon gewählet? Grillparzer4 3, 15; und er kehrte langsam, seufzend heim zur vielgeliebten tulpe. Immermann 12, 18 Boxberger. mit sinnverwandten verben verbunden: klagen und seufzén, weinen und seufzen. Frisch 2, 266b; benimt traurn und üppigz seufzen. Megenberg 449, 28; du wirst heut sufzen und karmen. Homulus 656. besondere stimmungen; sehnsucht, liebesverlangen (vgl. unten nach jemandem seufzen): läuft eine fürstin Eboli gefahr, umsonst und unerhört zu seufzen? Schiller don Carlos 2, 8; hätt' ich doch nicht geglaubt, dasz eine göttin selbst mich zum senfzenden liebhaber umschaffen könnte. Göthe 20, 110; inbrünstiges beten, fromme zerknirschung: andächtiges seuftzen einer frommen seele. Kramer deutsch-ital. dict. (1702) 2, 790b; welcher heylig seufftzet, schreiet, klagt, rufft nit uber seyn eigen fleisch und boszen lust. Luther 7, 333 Weim. ausgabe. freier: und er seufftzet in seinem geist. Marc. 8, 12; dasz er das kamerale nicht zum fach genommen hat, werden die Sullys in ihren cabinetten seufzen Schiller räub. 1, 2 schausp. er seufzet sehr tief. Stieler 2012; laut seuftzen Steinbach 2, 585; innigst seuftzen, trahere suspirium ex intimo ventre. ebenda; heimlich seufzen Frisch 2, 266b; sol elend sein, und von hertzen seufftzen. Jerem. 15, 9; bitterlich soltu seufftzen. Hes. 21, 6; sîn hôhe tugentlîche zuht twanc in sufzen vil tief. pass. 41, 31 Köpke; mit leidigem mûte sûfzete er vil sêre. 194, 77; sie seuffzten scharff und sehnten sich. Günther 58; heut ist man objectiv gesinnt, er ist denn objectiv; doch morgen ahnt die welt und minnt, da seufzt er brunnentief. Grillparzer5 2, 176. wendungen mit präpositionen; für jemanden seufzen, in liebessehnsucht: im ganzen Genua ist kein edler, der nicht einst für die närrin seufzte. Schiller Fiesko 4, 10 bühnenbearbeitung. s. unter vor. nach: nach einem seufzen, desiderio alicujus gemere; er seufzet sehr nach dem gelte; ich seufzete nach nichts mehr, als dich zusehen. Stieler 2012; nach eines wiederkunft, nach geld und gut, nach einem amt seufzen; was das aug nicht sihet, darnach seufzet das hertz nicht; nach dem himmlischen vatterland seufftzen. Kramer deutsch - ital. dict. (1702) 2, 790b; sich selb und gottis gericht nit erkennen und nach seiner barmhertzickeit nit seufftzen. Luther 7, 439 Weim. ausg.; und ob es wol unmüglich ist, das wyr so volkomen mügen werden, so sollen wyr dennoch darnach seufftzen. 15, 499; man seufzt nach einem frohen tage. Cronegk 2, 253 (1765); arme Narcissa, die in der blüthe des lebens, des alters mangel schon fühlt, nach freuden seufzet. Wieland suppl. 2, 265; nach dir seufzen, dich vermissen, wird der freundschaft treues herz. Gotter 3, lxxiv (1802). kühnere wendung: hofnung der ewigen freide, (wohin wir ohne unterlas, als nach dem einzigen zwek unserer glückseligkeit seufzen). Butschky hochd. kanz. 872. über: über sein unglück, seine sünde seuftzen. Kramer deutsch-ital. dict. (1702) 2, 790b; über des landesherren grausamkeit seuftzen. Steinbach 2, 585; die kinder Israel suffzeten uber jre erbeit. 2 Mos. 2, 23; seufzt über die elenden zeiten. Schiller räuber 1, 2 schauspiel; lasz unter der gewalt die völcker ja nicht schreyen, ihr seufftzen über dich, das wird gen himmel steigen. Olearius pers. rosenthal 1, 29. um: es seuftzen ihrer viele um sie. Kramer deutsch - ital. dict. (1702) 2, 790b; Adelung hält solche wendungen merkwürdigerweise für veraltet; seufze dabei, um kraft aus der höhe. Butschky hochd. kanz. 724; ich seufze wahrlich nicht um seltne stufenjahre: wer wohl zu sterben weisz, stirbt allzeit gnug betagt. Hagedorn 1, 29; um das pfand, das sie verloren, seufzt die mütterliche treu. Gotter 1, 184. unter: unter dem joche des eroberers, unter dem druck der armuth, unter schwerer armuth seufzen; ganz Deutschland seufzte unter kriegeslast. Schiller Piccolomini 2, 7. vor: für mitleiden seuftzen. Kramer deutsch-it. dict. (1702) 2, 790b; fur angst des geists seufftzen. weish. Sal. 5, 3; ein buhler seufz vor liebe: ich lache beim wein. Cronegk 2, 234 (1765). zu: zu gott seuftzen. Kramer deutsch-it. dict. (1702) 2, 790b; darumb is es von nothen, das wir tzu Christo seufftzen. Luther 9, 158 Weim. ausgabe. für uns fremdartig: seufftzet nicht widernandern, lieben brüder, auff das jr nicht verdampt werdet. Jacob. 5, 9. das seufzen verbindet sich mit gesprochnen worten: so seufftze du mit der jungfrau Maria: mir geschehe wie du gesaget hast. Schuppius 194; ohne an die brust zu schlagen und zu seufzen: gott sey mir sünder gnädig. Schiller räuber 2, 1 schauspiel; und also schien ihr sein — ist's möglich? in tragischem tone so herzbeweglich geseufzt, ein wenig lächerlich. Wieland 21, 51 (liebe um liebe 3, 287) denn, wer euch ziehen sieht, geweihte des vaterlandes! seufzt in sich: zu schön, zu grosz ist diese beute, du ungeheuer, krieg! für dich. Göckingk 1, 263 (1780); wie der pilger den quell suchet, so sucht' ich dich, ach, und seufzete: ruh, bist du, wie morgentraum, mit den jahren der kindheit, denn auf ewig von mir entflohn. Hölty 75 Halm; vielleicht gedenkt sie meiner, beim erwachen, und seufzet: armer jüngling, warum waltet ein anstern über unsrer liebe? 84; knirschend sich den platten busen schlagen, und seufzen: sie ist wahrlich schön. 180. 22) von thieren: o wie seufftzet das vihe, die rinder sehen kleglich. Joel 1, 18; jre jungfrawen werden seufftzen, wie die tauben. Nahum 2, 7. auf die kirche gedeutet: stetes seuftzen der taube, das ist der heiligen kirche. Kramer deutsch - ital. dict. (1702) 2, 790b; so offt ich höre ein belästigtes, hungriges, oder sterbendes tier, seuffzen und schreyen. Butschky Pathm. 159; die armen (vögel), eingebauert seufzen sie um freyheit. Klinger 1, 199; besonders vom klageton der nachtigall: (sie) seufzt unaufhörlich und jammert. E. v. Kleist 2, 31 (1760). 33) auf unbelebtes übertragen; vom winde: (ich höre) den seufzenden windlaut durch die rizen des thurms. Schiller räuber 4, 5 schauspiel; wie dem, der glücklich ist, die ganze schöpfung lächelt, seufzt jenem (dem unglücklichen) Zefyr selbst, der Florens busen fächelt. Wieland 17, 139 (Idris u. Zen. 3, 11); (wenn) der west im laube seufzt. 21, 204 (Klelia u. Sinibald 2, 176) wellen: die wellen schlagen seufzend an's ufer. Bettina tagebuch 69. von abstracten: die mitternacht seufzte in den bäumen. Hebel 2, 214. knarrende geräusche: es seufzten mir die thürangeln des langsam aufgehenden stadtthors .. entgegen. Arnim Hollins liebeleben 78 Minor; man schreibt, es seufzen pult und pressen. Cronegk 2, 253 (1765); vermenschlicht: seufzet er mit, wenn von erndtelasten der wagen seufzt. Klopstock 2, 45. 44) freierer gebrauch in gehobener sprache; besondere wendungen, mit dem accusativ des objects: seufzer seufzen; kein printz wird leichtlich gefunden, der nicht einen von diesen dreyen seufzern müsse seufzen. Butschky Pathmos 715; der arme dulder zieht zuvor aus tiefer brust den längsten seufzer heraus, der je geseufzet worden. Wieland 4, 136 (Amadis 6, 24); mit einem empor geseufzeten dank für diese pfingststunden. J. Paul Hesp. 3, 200; was sie weint, das weinet sie mit wonne; was sie seufzt, das wehet himmelan. Bürger 98b; liebe seufzet ihre kehle; o wie könnt' es klage seyn. 115b; schon vor der morgen-sonn, hab' ich einsamer ihren nam am wasser-fall geseufzt. Geszner 3, 126; seufzt ihr dem heuchler jedes hohle ach mit der geschwätz'gen echo redlich nach. Arndt ged. 403 (1840). ungewöhnlich für beseufzen: mag seufftzen einen streit, den wieder sich noch führt die arme christenheit. P. Fleming 197 (1666). der kummer selbst ist es, der seufzt: tief seufzt aus mir der kummer: o himmel, wär ich noch ein kind. Gotter 1, 175 (1787); kühner: sag' es mit einem durchdringenden ach, das meinem ach gleichet, das aus innerster brust klage seufzet. Klopstock 1, 22. angabe der wirkung: einem die ohren voll seufzen; ach mademoiselle, sie würden mich zu tode seufzen. Möser patriot. phant. 3, 51 (1778); reflexiv: wo liebende sich zu schatten seufzten. quelle bei Campe; ich seufftze mich müde und finde keine ruge. Jerem. 45, 3; von jungen stutzern, die sich fast zu krüpeln seufzen. Rabener schriften 1, 124 (1777); wir sehnen und seufzen uns krank. Bürger 56a. besondere wendung: (die nachtigall) scheint bey jeglichem seufzer aus sich ihr leben zu seufzen. E. v. Kleist 2, 32 (1760). einem seufzen: nicht mehr nach ihm weinend, nicht mehr ihm seufzend. Klinger theater 2, 326; gott, sein gott, du hast ihn verlassen! dir, dir seufzet er. Klopstock Mess. 10, 700. freierer gebrauch des part. präs.: so seer erbeite ich in einem seufftzenden leben. Luther 3, 17b; ein seufzender roman zu dieser zeit gelesen. Göthe 7, 17.
10647 Zeichen · 209 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Seufzen

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Seufzen , verb. regul. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert, den Athem mit einem diesem Zeitworte angemessenen K…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    seufzen

    Goethe-Wörterbuch

    seufzen flekt Formen auch mit e-Einschub 1 seinem Schmerz, Kummer Ausdruck verleihen a kummervoll schwer ein- u wieder a…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Seufzen

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Seufzen , eine Form der Atmung, wobei Atemzüge mit tiefer und gedehnter Inspiration und Exspiration erscheinen, die von …

  4. modern
    Dialekt
    seufzenschw.

    Pfälzisches Wb. · +2 Parallelbelege

    seufzen schw. : wie schd., seifze (saifdsə) [mancherorts, Christmann Kaulb 23 Mang 127 Lambert Penns 149 Krämer Gal 198]…

  5. Sprichwörter
    Seufzen

    Wander (Sprichwörter)

    Seufzen 1. Es kompt nicht alles Seufzen von Kranckheit. – Petri, II, 840. 2. Er seufzt wie ein Esel, dem ein Sack entfäl…

  6. Spezial
    seufzen

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    seuf|zen vb.intr. 1 (schwer ein- und ausatmen) sospiré (-ra) 2 (stöhnen) jemé (jëma), süsté (-ta) , trá süs ć .

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit seufzen

13 Bildungen · 1 Erstglied · 8 Zweitglied · 4 Ableitungen

seufzen‑ als Erstglied (1 von 1)

seufzendsüsz

DWB

seufzendsüsz , adj. : leise wallend wie der ton der seufzendsüszen laute. Herder 16, 106 Suphan.

seufzen als Zweitglied (8 von 8)

abseufzen

DWB

abseufzen , suspiriis impetrare, durch seufzer abnehmen: aber lasz sie schreien, sie haben noch lang zu schreien, ehe sie das herwider schre…

aufseufzen

DWB

auf·seufzen

aufseufzen , alte suspirare: aufseufzende abendwinde. Bettine tageb. 52 ; als von der obersten höhe Saturnius schauet die greuel, seufzet er…

beseufzen

DWB

beseufzen , gemere, lugere aliquid, beklagen: die thorheiten der menschen, die vergänglichkeit des lebens beseufzen; wenn andre stehn und zi…

durchseufzen

DWB

durch·seufzen

durchseufzen , die zeit mit seufzen hinbringen. 1 1. untrennbar. zu freuden ungeschickt und ungeschickt zu pflichten durchseufzt er ( der th…

erseufzen

DWB

erseufzen , mhd. ersiuften. 1 1) ingemiscere, aufseufzen: da erseufzet Tobias tief und hub an zu weinen und zu beten. Tob. 3, 1 ; da erseufz…

herseufzen

DWB

her·seufzen

herseufzen , verb. durch seufzen herholen: den abgeschiedenen seufzen wir nicht wieder her.

hinseufzen

DWB

hin·seufzen

hinseufzen , verb. seufzend hinsprechen: seine klagen hinseufzen; seufzend verbringen: voll von beständigem jammer seufzet sie ( die gattin …

verseufzen

DWB

ver·seufzen

verseufzen , verb. , mhd. versiufzen Lexer mhd. handwb. 3, 231 ; ingemere, versufftzen Diefenbach gloss. 298 a ; mnd. vorsuchten Schiller-Lü…

Ableitungen von seufzen (4 von 4)

beseufzen

DWB

beseufzen , gemere, lugere aliquid, beklagen: die thorheiten der menschen, die vergänglichkeit des lebens beseufzen; wenn andre stehn und zi…

entseufzen

DWB

entseufzen , ingemere, erseufzen: Euriolus erschrack des und ward krank und entsufzet aller siner kreften ( vehementer ). Wyle transl. ( Luc…

erseufzen

DWB

erseufzen , mhd. ersiuften. 1 1) ingemiscere, aufseufzen: da erseufzet Tobias tief und hub an zu weinen und zu beten. Tob. 3, 1 ; da erseufz…

verseufzen

DWB

verseufzen , verb. , mhd. versiufzen Lexer mhd. handwb. 3, 231 ; ingemere, versufftzen Diefenbach gloss. 298 a ; mnd. vorsuchten Schiller-Lü…