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geiz

ahd. bis spez. · 20 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

geiz m.

Bd. 5, Sp. 2811
geiz, m. gier, habiger u. ä. 11) 1@aa) die alte form war vielmehr gît, noch im 16. jh. oberd. und landsch. dort noch jetzt geit (s. d.), die form mit -z zeigt sich gegen ende des 13. jh., wie mir F. Bech nachweist: ûf der türne (den türnen?) hôheflugen die paniere. ich enweiʒ war ich mich zôhe (für zôch),daʒ ich armer von sô rîcher ziere sprechen sol, eʒ ist mir ein hellewîze, und ich sîn hân sô kleine:doch rrt mich selten daʒ dâ heizet gîze. jüng. Tit. 3338, habsucht mit neid, in der hs. gitze und witze, sonst wîʒe (vgl. witze so Haupts hoh. lied 136, 30). dann bei Hugo v. Trimberg, und zwar neben formen mit -t, in der Erlanger hs. v. j. 1347: ein geitz ob aller geitikeit, der mir von herzen ie was leit, ist swâ priester geitich sint. Renner 21403, auch im reim verbürgt gîziclich: einem wolfe ein bein bestecket was in sîner keln, dô er ein âs het gezerret geitziclich. nu lief er und bat vleizziclich u. s. w. 1978, denn der dichter liebt solche reime, wobei die 'silben sich suchen', vgl. übrigens geitikeit 2350. 2384. 13522, geitiger 2059, die form mit -z mochte den reiz der neuheit und gröszeren kraft haben. auch in einem gedicht des 14. jh. von bair.-östr. mundart mit geit zusammen, beim sog. meister Rennaus: kaufleut und gastgebenwirt seint mit dem geiz gar verirt. J. M. Wagners archiv 1, 20 v. 114, es sei pfaff, lei, frau oder man, die mit dem geit umbe gan. v. 142, wie geitig 118. 131. 149, geitigkeit 105. 125, der schreiber war aber ein Mitteldeutscher (s. Schönbach das. s. 14). das -z scheint besonders in mitteld. rede rasch platz gegriffen zu haben, das zeigt gîzic (s. mehr unter geizig), auch im reime auf drîzic, wie im Renner vorhin auf vlîzic in einer kampfschilderung: dô lîf ouch zû di gerûte dît (eine frische heidenschar) und vîentlich dô nidir schrît (hieb), cristins blûtis gîzic, ân einen brûdir drîzic (d. h. 29 ordensbrüder). Jeroschin 25114, bei Pfeiffer s. 103 (vgl. 166, zum reim s. lxvi), also bluotes gîzic, blutgierig. dagegen z. b. in der Elisabeth, also hessisch, noch gîtekeit 9646, selbst gîdeclîche 7645. hat doch Luther noch anfangs geitig (s. d. 3) und gittig neben geizig. 1@bb) oberd. im 15. jh. in Nürnberg: geytz, bolismus. voc. th. 1482 k 6a (zur bed. s. 2, b), wie ebenda geytziger, geytzigkeit, auch in dem voc. ex quo von gleichem jahr und drucker geytzig avidus Dief. 61a (im voc. inc. teut. nur geitig); auch H. Sachs hat früh geiz, geizigkeit (s. 4, b), während noch spätere hss. von Meisterlins Nürnb. chron. geitig bevorzugen (städtechr. 3, 40. 428). aber auch im alem. gebiet schon früh im 16. jh.: darumb sind das merer teil der pfaffen und geistlichen uf den gits gericht und ir datum haben si daruf gesetzt, dasz si vil guots überkommen. Schade sat. 3, 60, v. j. 1521, aber mitten unter gît u. ä.: der grosz git, der in inen steckt. 69, 24; iederman het gnuog, wo der git nit were. 69, 36, durch den git verblendet 73, 6, du gitiger unflat. 61, 33, gitigkeit 66, 24 (vergl. kilchwie, nachkilwie 63, 33. 35), der schreibung nach scheint gits aus gehör übernommen, nicht aus schrift. bald darauf in Basel, in einer eingabe der evangelisch gesinnten zünfte an den rat i. j. 1528: was vermögen wir sin (können wir dafür), das etlich hochgelerten vor groszem gitz, nyd und hoffart die worheit nit wellen annemen? Basler chron. 1, 71, in der innern Schweiz damals gewiss noch unmöglich, wie denn noch Maalers wb. Zürich 1561 nur geyt kennt, auch Dasyp. Straszb. 1537 nur geitig, geitigkeit 338a, während Weigand schon aus Keisersberg neben geitig auch geitzig angibt (eergitig post. 3, 26b sp. 2784). auch in Baiern zeigt es sich im 16. jh. vordringend (schon im 15. jh. in einer bestimmten bed., s. 2, b), denn wenn zwar noch Aventin geitig braucht, hat doch schon Berthold v. Chiemsee daneben geiz: sy gebrauchen ainn subtilen geytz. teutsche theol. 13, 8; wie Petrus von inen schreibt, daʒ sy aus geytz .. mit den lewten handeln werden. 15, 6; aigner will des menschen liebet den geytz, nemlich gelt und zeitliche gueter. 48, 8, auch 44, 4, geytzig 15, 3, daneben aber noch geitikait 36, 11. 48, 8 u. ö., er braucht jenes vorzugsweis in stellen aus der bibel, sodasz er damit von seiner bibelübersetzung abhängig erscheint, ob von der lutherischen? im 17. jh. hat der Baier Schönsleder T 4c nur noch geytz, das nun auch Schmeller 2, 89 als bairisch gibt, »das sprachrichtigere geit hat sich mehr in einzelnen gegenden des platten landes erhalten«. am festesten ist die alte form in der Schweiz, aber auch da gibt Tobler 222b als appenz. neben gît doch ehrgîz. 1@cc) die entstehung des -z suchte schon Frisch 1, 336c nach Schilter 383b in einer bildung mit ableitendem -s, sie kannten aber nur ags. gitsung appetitus, gytsian concupiscere, gytsere avarus; später hat sich mhd. gîtsen gefunden, doch nur einmal, bei Walther vom papst und der klerisei: gîtset er, si gîtsent mit im alle. 33, 16, die hs. aber hat schon gizet, gizent, sodasz jenes eine herstellung Lachmanns ist, doch gestützt durch gîtesære altd. wäld. 3, 171. 181 (Lexer 1, 1025), woraus mhd. gîtesen, ahd. gîtisôn zu erschlieszen ist, das denn in unserm geizen für altes geiten (s. d.) nachlebt. die entstehung der ganzen z-form daraus ist wol denkbar, nur müszte dann gîtsen (gîzen) geläufig, nicht so selten gewesen sein als es uns erscheint. aber eine steigerung von t zu z ohne inneren grund zeigt sich im anlaut oft, z. b. bei zwingen, zwerg, zwagen, auch im auslaut bei seufzen, mhd. siuften, so mag die neigung dazu bei dem vordringen von geiz mitgewirkt haben. 1@dd) merkwürdig ist das fehlen des wortes im nd. wie im nl.; denn nur auf entlehnung beruht nnd. gizen geizen, mit geiz erwerben, gizer geizhals, begizen geizig leben, die das Brem. wb. 2, 514 aufführt, um sie mit den ags. wörtern zusammenzustellen; aus der Altmark bei Danneil 64b gîzen, gîzer, gîzmichel geizhals, ostfries. gitzlappe, gitzpanse (geizwanst), gitzmichel geizhals Stürenburg 70b, nordfries. gitzig Outzen 96, also nur ableitungen, nicht gîz selber; doch auch schon im 16. jh.: gitzhelse, karge viltzen unde druckpenninge. Gryse wedewenspegel Rost. 1596 D 7 (Sch. u. Lübben 1, 587b); die rein nd. form wäre ja gîd neben hd. gît. Um so merkwürdiger erscheinen jene ags. wörter, gleichfalls nur ableitung, kein gît oder gîd selber: gîtsian, gŷtsian concupiscere, vehementer appetere, gîtsung libido, avaritia, gîtsere, feohgîtsere avarus Grein 1, 512. 288 (das î nach der hd. form), altengl. mit angleichung des -ts ʒissare, ʒissunge, auch ʒiscere, giscen Stratm. 264 (267). merkwürdig auch, weil gîdsian u. s. w. zu erwarten wäre, wenigstens neben gîtsian u. s. w., wie neben miltsian auch das echte mildsian Grein 2, 251, vgl. Grimm gramm. 12, 256. das î ist übrigens nach dem hd. angenommen und vielleicht i das richtige. vielleicht liegt auch für die stammform gid ein zeugnis vor in einem nordgerm. namen des hechtes, als gefräsziges thier (vgl. 2, a): altn. gedda f., norw. gjedda, schwed. gädda, n. gedde, giedde, nordfries. gêd, schott. ged, gidd, hier auch 'a greedy or avaricious person', z. b. a perfect ged for siller (silber) Jamieson 1, 463b. 469a, suppl. 1, 471a. vgl. auch Diefenb. goth. wb. 2, 379. 1@ee) da die bezeichnung sinnlicher begier gewöhnlich vom offnen mund oder schlund ausgeht, so stellt sich geiz, eig. gît mit seiner urspr. bed. (s. 2, a) zunächst zusammen mit hess. geipen, gîpen maulaffen feil halten, lux. geipen lungern (s. u. geifen 3, b), beides ästchen eines überaus reich entwickelten stammes, von dem das eine sich ausgebreitet und ausgebildet hat, das andere in landsch. beschränkung stecken geblieben ist, eines stammes, der, wie die ältesten stämme thun, die reichste manigfaltigkeit der ausgestaltung in auslaut und vocal zeigt, s. unter gaffen, gäuen, vielleicht gehört auch goth. gaidv n. mangel hierher, s. Diefenbach goth. wb. 2, 378 fg., der auch, in der bed.her stimmend, litt. guodas habgier, geidziu ich begehre, lett. gaidu u. s. w., altsl. ždati begehren dazu stellt, gewiss richtig, falls sie urspr. sinnliche begier bezeichnen. 22) geiz, wie geit, ist eigentlich sinnliche gier. 2@aa) aufs essen oder fressen gerichtet: der teufel saget der Eva, ihr möget die verbotten frucht wol essen, und ihr werdet dardurch klar, lauter, mächtig als euwer schöpfer. also meinete sie, er saget die warheit, ward in hoffart und geitz bewegt, im zu glauben. buch d. liebe 292a, der geiz geht auf die frucht, eszgelüste, appetit. so schweiz. er iszt uffe gît ine (hinein, eig. înhin), gierig, um alles allein zu kriegen Stalder 1, 439; ich konnte mich nie daran gewöhnen auf den geiz hin zu essen und einzupacken, als ob ich tage lang nichts gegessen und tage lang nichts mehr essen wollte. Gotthelf 5, 163. auch hd. noch im 18. jh., von thieren: dem kleinen Goldbach gegenüber sucht sich der heerde geiz am fusz des berges noch die magern halmen des grases, das im frühlings überflusz dort grünte. Karschin (1764) 205. so ahd. kît voracitas, kîtac gulosus, gîtacheit voracitas, gîtigî f. gula, fames, ingluvies, voracitas Graff 4, 145, auch deutlicher keligîtigî f. gulae ingluvies Haupt 5, 363b, mhd. kelegît, kelgît (als f.) Mones anz. 8, 424. 509, kelgîte f. Lexer 1, 1540. auch blosz gît, wie der wolf gîtslündec heiszt Helbl. 4, 419, vgl. hungergît, hungergîtic von bären u. ä. Lexer 1, 1386. auch von durst urspr., daher der wîngîte, weinschlund, schwelger Haupt 7, 407, vgl. geitiglich trinken bei Ortolf, wie noch jetzt geizig essen, mit gier, s. auch geizen gierig essen, besonders auch geizhals 1. 2@bb) daher auch für den heiszhunger, im 15. jh. geiz, βούλιμος bei Ortolf (Schm. 2, 89), als ärztlicher ausdruck, s. u. kühhunger, auch garz 3; geytz, bolismus. voc. th. 1482 k 6a, s. Dief. 84a s. v. bulimus, aus einem mrh. voc. das. 'delismus der gitze', vgl. n. gl. 62a der gicze bolismus, infirmitas (auch slintsucht). 2@cc) die ursprüngliche vorstellung von geiz als hunger ist auch in der bildlichen verwendung noch deutlich zu erkennen, noch jetzt z. b. in geizhals, s. auch geizkragen (d. i. hals), geld und gut wie unersättlich verschlingend gedacht, recht deutlich im 16. jh.: ist der fürmund der bauchs, junker Geitz, nicht ein listiger schalk? Luther 1, 554a (vgl.her Gît u. 4, b), vorher: da schnarckt der bauch (der priester) zu fast nach dem beichtpfennig; besonders auch in folg. aufgienen, den mund begehrlich aufsperren: was ist ärmers dann eins geitigen mans herz, der vil hat und aber immer zuo aufgienet wie die hell. S. Frank spr. 2, 136a; geitz will das mus gar allein essen, ander leut zähn thun ihm wehe. Lehmann flor. 1, 276; s. auch geldfrasz, gelddurst, geldhunger. in gleichem bilde geit des feuers, dieses als gefräszig gedacht, s. Thurneisser unter geit, s. auch geier 3, a von gefräszigen und geldgierigen. bemerkenswert übrigens geicz vom gierigen selber, s. u. 5, b a. e., wie frasz vom gefräszigen selbst; vgl. das mhd. adj. gîte neben gîtec. 33) gier überhaupt (auch in gutem sinne). 3@aa) so noch jetzt in ehrgeiz, im 15. jh. ergeit (s. unter geit), ahd. sogar kîtag schlechthin für ambitiosus (s. unter geitig 3). im 17. jh. bei Stieler 640 auch amtsgeiz, ämtersucht, lobgeiz, lustgeiz. im 16. jh. landgeiz, ländergier (vgl. geiz der lande unter b): weil ewerm blut und landdurst ir (Spanier) wiszt nicht zusetzen masz noch gbür. wolt ir so grosze thaten wirken, laszt ewern landgeitz ausz beim Türken. Fischart 3, 360 Kz. (klost. 10, 1119), nachher v. 251 weltgeizigkeit genannt, gier nach weltherschaft, auch weltgeiz (s. unter geldgeiz); s. auch liebesgeiz, kaufgeiz, vergl. mhd. mortgîte, mortgîtic, auch sturmgîte kampfbegierig wb. 1, 537 fg. 3@bb) auch mit gen. oder nach, auf, zu (4, a), das erste mhd. z. b. der êren gît Greg. 2980, im 16. und noch im 19. jahrh.: also das ietz allein der affect geytze der ehren, der land odder des gelts und lauter tyranney kriegt (kriege führt). kriegsb. d. friedes 77; mich (Mortimer) locket nicht des eitlen ruhmes geiz. Schiller Maria Stuart II, 6; und dasz, wonach ihm pochte der ehren stolzer geiz, dasz er sichs hat erfochten, das ehrne ehrenkreuz. Rückert deutsche gedichte 1814 s. 23. mit nach, wie gier, z. b. geiz nach siegen, nach gefahren: hier lebt eine nation, fern von den schönen künsten und wissenschaften, ihre sitten sind rauh und wild und ihre weisheit ist tapferkeit und geiz nach siegen. Gellert 7, 14 (11), 16. mor. vorl.; geitz nach eigner macht. Weisze bei Lessing 6, 219; der grenadier (Gleim) redet von groszen bekannten begebenheiten ... die heroischen gesinnungen, der geiz nach gefahren, der stolz für das vaterland zu sterben ist seine einzige begeisterung. Herder fragm. 2, 347. vgl. geizen nach etwas, worin diese bedeutung noch jetzt geläufig ist. 3@cc) also auch im besten sinne, geiz nach gefahren, tirol. z. b. geit auf arbeit (s. u. geitig 3), wie im 16. jh. der geiz kunst zu lernen (s. 4, a), bei Stieler 640 kunstgeiz heftige wiszbegier, bei S. Frank kunstgeitig wiszbegierig; vgl. von sammelwut, sammlergier: man verstrickte sich in gelehrten geiz zu sammeln. Herder fragm. 3, 22. vom forschenden blick, der seinen gegenstand gleichsam verschlingt (vgl. geizig 2, c): entzückt in süszes schaun, den reinsten liebsgenusz, steht Hüon da als wie der genius der schönen schläferin, betrachtet, auf sie herabgebückt, mit liebevollem geiz das engelgleiche bild, den immer neuen reiz. Wieland Oberon 7, 65. 44) vorzugsweis aber gier auf geld und gut, worauf sich der begriff immer mehr einschränkte (während gier allgemein blieb). 4@aa) lange auch noch mit besonderer bezeichnung in geldgeiz, gutgeiz (Frisch 1, 337a), schweiz. guotgît Stalder 1, 439, vergl. mhd. schazgîtec, auch schazgîte adj. Greg. 3122 var.; im 16. 17. jh. geiz zum gelde u. ä.: weil aber der geitz zum gelde dem geitz kunst (wissenschaft) zu lernen vorgeht. Paracelsus 1, 532a; der schnöde geitz zum zeitlichen wuchert gottes zorn. Butschky Patmos 871. auch mit gen. begird, geitz und sorg des gelts S. Frank spr. 1, 119b. 4@bb) aber früh auch bloszes geiz, mhd. gît, z. b. von dem nehmen der gernden: swer nimt ze vil, nu wiʒʒet daʒ, daʒ ist der sêle ein slac, er tuot ouch niht wan gîtes vaʒ, diu nieman ûf der erde hie mit guote ervüllen mac. MSH. 2, 354a, der habsüchtige wie ein gefäsz ohne boden, vergl. geizsack und bei S. Frank spr. 2, 86a inexplebile dolium von denen die unersetlichs geitz und fraszes seind und die niemand erfüllen kan, in Kärnten heiszt ein fasz geitik, in das mehr hineingeht als man dachte Lexer 112; nu dar, her Gît, du hâst die welt mit mangem mort durchbrochen (das tuost du alles umb das gelt), erslagen und erstochen. Hugo v. Montfort 114 B., vergl.junker Geiz bei Luther u. 2, c; die da reich werden wollen, die fallen in versuchung und stricke ... denn geitz ist eine wurzel alles übels. 1 Tim. 6, 9. 10; dieberei, geitz, schalkheit. Marc. 7, 22; wer aber eins kranken wartet umb geitzs und erbteil willen. Luther bei Dietz 2, 57b; es hat auch der liebe romische geytz den brauch erdacht .. an den adel D 4b, d. i. der papst als der geiz selber; das sie den bauch und ihren geitz füllen. Melanchthon apol. der Augsb. conf. 233 im corp. doctr. christ. Lpz. 1560, vergl. die mhd. stelle vorhin; sollich auszug (ausflüchte gegen das almosengeben) sucht allein der verborgen geiz im herzen. H. Sachs dial. 55, 10; und ist alles vol geiz vom minsten bisz zum meisten. 55, 19 u. ö.; den geitz und den bettel kan niemandt erfüllen. S. Frank sprichw. 1, 44b; der geitz ist bodenlos. das.; den geitz und die augen kan niemandt erfüllen. 45a; der armuot geht vil ab, dem geitz alles. das.; dem geitz ist nicht (d. h. nichts), der natur wenig gnuog. das.; es hilft kein guot für den geitz und macht kein gelt reich. 67b; der geitz ist niemandts freund, laszt nit fromm sein. 118a; geitz wechst mit dem gelt. 118b; der geitz nimpt sich arm, auch ist ein hausunglück, stoszt eim den boden aus, ist sein selbs stiefmuotter (Scriver seelensch. 2, 824 als sprichw.) das.; geitz ist iederman schad, im selbs der tod. das., ist die gröszt armuot 119a (vgl. geizarm). eine reiche sammlung von sprichwörtern auch in Lehmanns florilegium 1, 275 ff., z. b.: geytz nimpt es gott für den füszen hinweg (kirchenraub), nimbt sich wohl zu todt, ist ein bodenlos fasz, der hoffart poszler, ein strang der seel, spannet an, aber zeucht nicht mit, ist alles bösen ein königin (es ist geizigkeit gedacht); auch bei Henisch 1448, z. b.: armut und geitz treibt zu nichts guts; der geitz betrübt sein eigen haus, dröschet allzeit ledig stro, flichtet sich weit, wird täglich jünger u. a.; des geizes schlund ist unergrundt; untrew und geitz gedeyet nicht; geitz und ehr treibt über meer; der geitz treibt manchen über see durch ungewitter, regen und schnee. noch im 18. jh. ist der begriff habsucht lange in voller frische: ein Midas trotzt auf den besitz der schätze, um die der geiz nach fernen ufern reist. Hagedorn 1, 11; er (der weise) schaut von oben länder hufen gleichen und städte löchern, in den engen reichen schaut er in haufen, heiszen geiz zu kühlen, maulwürfe wühlen. Kleist (1771) 1, 5; aber das haben wollen (statt des bloszen sehens), wovon ich rede, ist nicht geitz. dér wäre geitzig, der eine tulpe, ein edelgestein oder dukaten lieben könnte! Göthe bei Schöll br. u. aufs. 22. noch jetzt z. b. in der spielsprache, wenn einer zu scharf auf seinen vortheil spielt und verliert: das ist der geiz (der sich da strafte). 4@cc) der begriff spitzte sich endlich nach seiner andern seite zu in der bedeutung die uns jetzt im vordergrunde steht und die ursprüngliche verdeckt: scheu vor geldausgaben, ängstliches oder gieriges festhalten des gewonnenen, z. b.: bist du wol klüger, als der geiz, der traurig darbt bei angefüllten kasten? Gökingk 3, 114; wenn dem, der in der sonne brennt, um deinen boden mühsam umzupflügen, dein geiz kaum einen labetrunk noch gönnt. das. schon wenn Rädlein 343a erklärt geitz, kargheit, avarice, mesquinerie u. ä., verdeckt die letzte bedeutung die ursprüngliche. sie kündigt sich aber auch schon früher an, z. b.: geytz lebt spärlich, er ist ein recept zur gesundheit und langem leben. Lehmann flor. 1, 278; geitz thut ihm selbs kein gut. Henisch 1448, 40; wer sich dem geitz hat ergeben, der spricht er halte das seine zu rath. das. 60. s. auch unter geizig 3, b schon im 15. jh. das ursprüngliche wort dafür ist kargheit, karg, daher noch im 18. jh.: der schlimmste geiz ist der, der sich mit kargheit paart. Lichtwer recht der vernunft 70. auch bildlich, z. b.: so mache ich es mit allen freunden (dasz ich auf viele briefe nicht antworte), theils aus obengemeldeter ursache theils aus geiz mit meiner zeit. Lessing 12, 387, mit mit wie geizen 2, e. 55) an die ursprüngliche bedeutung aber schlieszt sich noch an geiz an pflanzen, störende nebenschöszlinge, auch wasserreis M. Kramer deutsch-holl. wb. 1787, aberzähne (auch aberzangen), nepotes J. G. Haas 2, 230a. 5@aa) so am weinstock keime, die an den tragreben zwischen den blattstielen hervorsprossen und entfernt werden müssen ( Adelung), im pl. auch geizen, z. b. ausbrechen der geizen Mones zeitschr. 3, 269, der rieszling treibt wenig geizen Bronner weinbau 15; auch als fem., im Rheingau, auch an obstbäumen Kehrein Nassau 1, 157. ebenso am tabak »die nach dem erstenmahl blatten neu hervorschieszende kleine blättlein« öcon. lex. 790; die zwischen dem stengel und den blättern hervorsprossende zweige, die man geitz nennt, werden alle acht tage ausgebrochen Rüling beschr. von Nordheim 13; vgl. geizen 3. auch beim türkischen waizen die körner die sich in der obersten spitze der blüthstange ansetzen und dem übrigen kolben saft und nahrung entziehen Adelung. 5@bb) der letzte zug erklärt die benennung, es sind theile die den saft wie gierig an sich saugen und den fruchtbringenden theilen entziehen, daher jenes wasserreis und lat. nepotes, eigentlich schwelger, aberzähne (fehlt oben) weil sie mit zehren und sollen nicht, geiz aber wie im folgenden, das wol zugleich ein zeugnis ist für jenen begriff in der sprache der gärtner: verpflanze den schönen baum, gärtner, er jammert mich ... noch hat seiner natur kraft der erde aussaugendem geize .. ein gegengift, widerstanden. Göthe 56, 3 (1. ode an Behrisch). jenes geiz aber ist statt des geizigen selbst gesetzt, wie oft in den sprichwörtern unter 4, b, und wie auch im eigentlichen sinne 'vorax geicz' (auch frasz) Dief. 629b, s. auch unter 4, b der romische geytz vom papste. entlehnt nd. gîz, n. giis am tabak. 5@cc) auch andere verwendungen im leben müssen sich wol auf diesem wege erklären, wie bei Adelung geitz, eine schwarze stinkende salbe, womit man hunden die räude vertreibt, bei schäfern und jägern; bei Kehrein Nassau 1, 157 das gefühl in den fingerspitzen wenn man aus starker kälte in die wärme kommt, es ist wie nagend oder saugend; ebenda bei den metzgern eine haut in den därmen die beim schleimen entfernt wird; bair. geizen plur., ein insect das unter den flügeln der jungen gänse brütet, in ihre ohren kriecht und das gehirn anfriszt, s. Schm. 2, 89, schwäb. wassermotten an brunnquellen, von denen man glaubt dasz sie mit verschluckt die auszehrung verursachen Schmid 226; nass. der engerling des maikäfers Kehrein, weil er die wurzeln benagt.
21368 Zeichen · 545 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 8.–11. Jh.
    Althochdeutsch
    geizst. f.

    Althochdeutsches Wörterbuch · +5 Parallelbelege

    geiz st. f. , mhd. geiz, nhd. geiß; as. gêt ( s. u. ); mnl. geit; ae. gát; an. geit; got. gaits; vgl. mnd. gêite, gê i t…

  2. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    GEIƷstf.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +3 Parallelbelege

    GEIƷ ( goth. gaitei Gr. 1,676. 3,327. 338. Graff 4,286 ) stf. ziege. capra sumerl. 37,37. capra domestica das. 3,37. sch…

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    GeizDer

    Campe (1807–1813) · +4 Parallelbelege

    2. Der Geiz , des — es, Mz. die — e , im O. und N. D. eine Benennung verschiedener Auswüchse an den Pflanzen, besonders …

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Geiz

    Goethe-Wörterbuch

    Geiz vereinzelt -tz A als menschl Eigenschaft 1 Habsucht, Gier, einmal mit der Nuance ehrgeizigen Bestrebens (‘G. auf jd…

  5. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Geiz

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +2 Parallelbelege

    Geiz , der, ist gleich der Habsucht eine unordentliche Begierde nach zeitl. Gütern, aber von letzterer dadurch unterschi…

  6. modern
    Dialekt
    Geizf.

    Lothringisches Wb. · +4 Parallelbelege

    Geiz [gèits Rü. u. s.] f. Pflugsterz. — lux. 134; els. 1, 253 ; baier. 1, 967; mhd. geiz, geize . s. a. Gr. Wtb. 4 1 , 2…

  7. Sprichwörter
    Geiz

    Wander (Sprichwörter)

    Geiz 1. Allerwelt geitz hat keinen Boden. – Henisch, 1447, 68; Simrock, 3205. 2. Bei Geiz und Gewalt wird 's Recht nicht…

  8. Spezial
    Geiz

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Geiz m. (-es,-e) varizia (-ies) f. ✒ der Geiz hat keinen Boden la varizia n’á degun funz; der Geiz wächst mit dem Gelde …

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit geiz

209 Bildungen · 196 Erstglied · 9 Zweitglied · 4 Ableitungen

Ableitung von geiz

ge- + iz

geiz leitet sich vom Lemma iz ab mit Präfix ge-.

geiz‑ als Erstglied (30 von 196)

Geizblume

SHW

Geiz-blume Band 2, Spalte 1205-1206

Geizdrache

SHW

Geiz-drache Band 2, Spalte 1205-1206

Geizhals

SHW

Geiz-hals Band 2, Spalte 1205-1206

Geizhammel

SHW

Geiz-hammel Band 2, Spalte 1205-1206

Geizkragen

SHW

Geiz-kragen Band 2, Spalte 1205-1206

Geizkrappen

SHW

Geiz-krappen Band 2, Spalte 1205-1206

Geizkümmel

SHW

Geiz-kümmel Band 2, Spalte 1205-1206

Geizplacken

SHW

Geiz-placken Band 2, Spalte 1205-1206

Geizplatz

SHW

Geiz-platz Band 2, Spalte 1205-1206

Geizpotte

SHW

Geiz-potte Band 2, Spalte 1205-1206

Geizrebe

SHW

Geiz-rebe Band 2, Spalte 1205-1206

Geizstelle

SHW

Geiz-stelle Band 2, Spalte 1205-1206

Geiztraube

SHW

Geiz-traube Band 2, Spalte 1205-1206

Geiztrieb

SHW

Geiz-trieb Band 2, Spalte 1205-1206

geizâri

AWB

geiz·ari

geizâri st. m. , mhd. geizer, nhd. geißer. — Graff IV,287. Alle Belege nom. sg. geiz-zari, -zare ( 2 Hss. ) : Gl 3,138,20 ( SH A ); -er: Hil…

geizarm

DWB

geiz·arm

geizarm , arm durch geiz, d. i. geldgier: ist er geitzarm, so hilft aller gwin den unersetlichen ( acc. sg. ) nicht. wann gleich all berg go…

geizauge

DWB

geiz·auge

geizauge , n. gieriges auge, das geizig auf seinen vortheil sieht, geytzaugen Garg. 190 a ( Sch. 351), aber von habgierigen kaufleuten selbe…

Geizbalg

RhWB

geiz·balg

Geiz-balg Sieg-Fussh Seelschd Wahlschd , Wippf-Thier , Gummb-Faulmert , Geilk-Üb m.: -hals.

geiʒbart

Lexer

geiz·bart

geiʒ-bart stm. ziegenbart Chr. 3. 134,6. 20. 275,28. als Nürnberger familienname nachgewiesen im Anz. 4,33 ff. (14. u. 15. jh. ).

Geizbauch

Wander

geiz·bauch

Geizbauch Er ist ein Geizbauch. – Frischbier 2 , 1194; Henneberg, 342.

geizbesessen

DWB

geiz·besessen

geizbesessen , vom geizteufel besessen: solcher weibischer und geizbeseszner mensch. Fischart ehz. 535 Sch.

Geizbeutel

RhWB

geiz·beutel

Geiz-beutel -bę·i.dəl Kobl-Bend ; -by·l. MGladb ; -bl Elbf m.: dass. RA.: De es en Gitzböl fir sin eigen Därm Elbf .

geizblāse

KöblerMhd

geiz·blāse

geizblāse , st. F. nhd. „Geißblase“, Ziegenblase Q.: SalArz (Anfang 13. Jh.) E.: s. geiz, blāse (1) W.: nhd. DW- L.: MWB 2, 304 (geizblāse)

geiʒboc

Lexer

geiz·boc

geiʒ-boc stm. ziegenbock Mgb. 141,23. Gr.w. 5,105.

geiʒbœnelîn

LexerN

geiʒ-bœnelîn stn. nembt gaiszpônlein und syed die in esseich Pract. 156. 66.

geizborste

KöblerMhd

geiz·borste

geizborste , sw. F. nhd. „Geißborste“, Ziegenborste Q.: Renner (1290-1300) E.: s. geiz, borste W.: nhd. DW- L.: MWB 2, 304 (geizborste)

geizboum

AWB

geiz·boum

geizboum st. m. , vgl. nhd. geißbaumesche. — Graff III,120. Alle Belege nom. sg. geiz-poum: Gl 4,76,20 ( Sal. a 1 ); -boum: 149,32 ( Sal. c …

geiz als Zweitglied (9 von 9)

ahageiz

AWB

aha·geiz

ahageiz st. f. ; vgl. ae. wætergát. — Graff IV, 287. aha-geiz: nom. sg. Gl 2,9,3 ( Sg 242, 10. Jh.; lat. abl. ). ‘ Wassergeiß ’, eine auf de…

ehrgeiz

DWB

ehr·geiz

ehrgeiz , m. ambitio. Henisch 808, 41 . Stieler 640 . denen nachzulallen des jünglings frommer ehrgeiz war. Gotter 1, 451 ; ihr habt vor sei…

geldgeiz

DWB

geld·geiz

geldgeiz , m. habsucht, geldgier: ehrgeiz und geldgeiz ist beides geiz. Luther 3, 324 b ; nun ehrgeiz ist eben so wol ein geiz als geltgeiz,…

mangeiʒ

Lexer

mang·eiz

mangeiʒ stn. s. v. a. manger Wwh. 103,24 ( var. manzeiz, manscheiʒ).

rēchgeiz

KöblerMhd

rēch·geiz

rēchgeiz , st. F. nhd. Rehgeiß ÜG.: lat. caprea Gl Hw.: vgl. mnl. reegeit Q.: Will (1060-1065) (FB rēchgeiz), BdN (1348/1350), Gl E.: ahd. r…

rēhgeiz

KöblerAhd

rēhgeiz , st. F. (i) nhd. Rehgeiß, Reh, weibliches Reh, Ricke, Geiß, Gemse, Gämse ne. doe ÜG.: lat. capra Gl, caprea Gl Q.: Gl, WH (um 1065)…

schāfgeiz

KöblerMhd

schāf·geiz

schāfgeiz , st. F. nhd. Schafgeiß, Kreuzung zwischen Schaf und Geiß Q.: BdN (1348/1350) E.: s. schāf, geiz W.: nhd. (ält.) Schafgeiß, F., Sc…

steingeiʒ

Lexer

stein·geiz

stein-geiʒ stf. BMZ ibex Dfg. 283 b . silvatica Voc. 1482. Karaj. 91,17.

waltgeiʒ

Lexer

walt·geiz

walt-geiʒ stf. BMZ waldziege: reh oder dgl. Myst. 1. 56,32.

Ableitungen von geiz (4 von 4)

begeizen

DWB

begeizen , invidere, aus geiz nicht gönnen, gebildet wie beneiden: wenn man den armen zwengt und seinen schweisz begeizt. Wiedemann dec. 88 …

ergeizen

DWB

ergeizen , comparcere, durch geiz erwerben, zusammen scharren. Henisch 1447, 10 : dasz ich die städt in den flammen verneue, dasz ich ergeiz…

geize

DWB

geize , f. der pflugsterz. 1 1) geytze am pfluog, stiva Dasyp. 338 a , die geytze 233 a , die geitze des pfluogs, stiva, bura Maaler 164 c ,…

Vergeizen

Campe

Vergeizen , v. I) ntr . mit sein , sich in Geiz gleichsam verlieren. Vergeizet sein , höchst geizig sein. Stieler. II) trs . geizend versche…