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gezeugen

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

gezeugen schw. verbum

Bd. 7, Sp. 7026
gezeugen, schw. verbum mit vielseitigen verwendungen, die einestheils auf gezeug I anderntheils auf gezeug III zurückweisen. in beiden richtungen werden sie von formen ohne präfix (s.zeugen) in der heutigen sprache fortgeführt. 11) das factitivum zu gezeug I ist auszerhalb der participialform (s.gezeugt) nur wenig mit präfix beobachtet. ohne dieses ist es litterarisch viel belegt und erschlieszt einen noch weitergehenden gebrauch der zwanglosen sprache, der für die erklärung aus anderem stamme manche stützpunkte bietet, doch ohne die ableitung von gezeug I abzuschneiden. vermuthlich wird es sich um secundär entwickelte berührungennamentlich auf dem wege der verallgemeinerunghandeln; vgl.: wer mêr dâ von well wiʒʒen, der zeug im und les daʒ däutsch puoch Conrad v. Megenberg s. 68; u. a. vgl. Schmeller 22, 1092. 1@aa) für die althochdeutsche periode kommt in betracht: ter was eques ter decem milia mahta geziugôn dero suârôn fendingo, die sestertia hiêʒên Notker Boethius s. Hattemer 3, 111b. 1@bb) mittelhochdeutsche belege mangeln; dagegen vgl. aus mittel- und niederdeutschen quellen: den der psalm gecrønet sach mit eren und mit czirde ... er geczuget undertan alle ding di wesen han. Tilo v. Kulm von den 7 ingesigeln 5037 Kochendörffer; zu irem lobe waren si das schencken ... das man eine schone kircke ufbrechte und gezeugte ouch darein was zierong davon rechte solt sein. Rothe Elisabeth 2, 2100 Mencken (vgl.gezauen); vgl. andererseits: de scal men darinne spisen, herberghen unde laven, alse men dat best ghetuoghen mach Hildesheimer ordnung 1334 s. urk.-buch 1, 503. 1@cc) strittig sowohl nach der form, als auch bezüglich der abgrenzung gegen zeigen (zu zeugen und zeigen vgl. die varianten bei Berthold 1, 282; vgl. auch H. Paul ztsch. dtsch. wortforsch. 12, 66) erscheint: wie getOerst ein armer súndiger mensch immer die baltheit gewinen, daʒ er fúr so getan lutterkeit sin unreinigkeit getOerste gezOegenn der ewigen wiszheit betbüchl. (Basel 1518) 38b. 22) ganz anders entwickelt ist der gebrauch von gezeugen, testari: 'ich geziuges iu genuoc, der in dâ jagte unde sluoc, der ist der tiurer gewesn: mîn herre ist tôt und er genesn.' Hartmann Iwein 1967 var.: bezeug es, erziuges, erzeug) u. a. s. mhd. wb. 3, 920b. 2@aa) wie schon die varianten zu Iwein 1967 zeigen, ist beim verbum das präfix ge nicht so vorherrschend wie beim subst. abgesehen von den präfixen, die an sich schon unterschiede in der bedeutung kennzeichnen, steht auch der gegensatz von gezeugen und bezeugen vielfach unter dem einflusz verschiedener auffassungen oder auch der verwendungen des verbums (gezeugen beim absoluten gebrauch, bezeugen neben objectsacc.). natürlich verschieben sich die so gewonnenen grenzen wiedernamentlich in den varianten der überlieferung: ... und was der klage begunnen und niht erziuget Schwabenspiegel cap. 151 Gengler; mag si ... ubir in vol gezeugen, irzeuget si is als recht ist, man slecht im das haup(t) ab Prager rechtsb. s. Röszler s. 126; bitet eines urteilis, wende he in ubirzugen wil Freiberger stadtrecht 8 § 2 u. a.; der kleger mac vregen: wenne he gezugen wolle 13 § 5 (überzügen C); laugent awer er des, da man in umb anspricht, also daʒ man im es abgezeugt Wiener stadtrechtbuch art. 8 Schuster; wes sich ein man vermiʒʒet zu gezugene, gezuget he als recht ist, he genuzit is billiche Freiberger stadtrecht 8 § 2 gegen: den vridebruch bezuget he wol nach der stat recht ebenda; als he des andern tages gezugen sal 12, 2 gegen: welch man auch bezugen sal, ab he ... ebenda (C. gezugen); geht iʒ aber an ein gezugen, so mac man mit ... nimande bezugen (var.: geczugen) den mit dem richtere 32 § 8; vgl. auch 2 § 3; 17 § 2; vgl.bezeugen (cod. Tepl.) für gezeugen, zeugen ( Luther) in der bibelübersetzung, vgl. Joh. 3, 11; Matth. 26, 62 u. a. (s. u.); testari bezügen Cholinus-Frisius (1540) 856; desgl. Dasypodius u. a.; vgl. auch bezeugen theil 1 sp. 1798. 2@a@aα) ebenso setzen die formen ohne präfix hier früh ein: das wir wissen, das sprechen wir, und das wir sehen, das zúgen wir, und unser gezúgnisse hant jr nút genomen Tauler predigten 298 Vetter (vgl.daʒ wir sachen, das bezeugen wir cod. Tepl. Joh. 3, 11; zeugen, das wir gesehen haben Luther); dazu vgl. das zúgen wir (var.: bezugen wir) 301 u. a.; was ein man gegen dem richter zeugen sal ... das gezeugt er selbdritt Sachsenspiegel Augsburg 1517 s. 78b (desgl. Leipzig 1528 s. 85a; vgl. aber [s. u.] gezeugen ... gezeugt Leipzig 1561); was man ouch mit gerichte zeugen sol, das sol man gezeugen mit zweien scheppen Jenaer gerichtsordnung (15. jahrh.) Michelsen 75. 2@a@bβ) bei Luther ist das verbum ohne präfix durchgeführt, ebenso (soweit nicht bezeugen vorherrscht s. o.) in den wörterbüchern: ich zeug, testor ... beruff mich uf zeugen Erasmus Alberus nov. dict. (1540) m 1b. nur vereinzelt tauchen dort noch formen mit präfix auf: gezeugen, zeugen, testari, attestari, ferre testimonium Henisch 1611; vgl. auch: gezeugen, das ist beweisen Schottel 634b. aus neuerer zeit vgl. noch die mundartliche feststellung: gezeien, zeugen Follmann wb. d. deutsch-lothring. mda. 204a. 2@bb) zum gebrauch 2@b@aα) ist die vorherrschaft von gezeugen gegen bezeugen beim absoluten gebrauch schon sp. 7026 festgestellt; dem entspricht auch die grosze zahl absoluter verwendungen, die hier beobachtet sind: als verre der sin mîn mohte geziugen, sô hân ich sunder liugen ir deheinen hin lâʒen, die an dem gewalte sâʒen. Ottokar 21; wie verre gesworen leut, sie sein steiger, huter oder ander amptleut, gezugen mugen in dem lehen oder auf der zeche weisthum v. Iglau (14. jahrh.) cod. dipl. Siles. 20, 23; dazu vgl. die varianten (s. o.) zum Freiberger stadtrecht; das ein man gegen den richter geczeugen sOel (geczugen Basel 1474) Sachsensp. Augsb. 1481 (landr. 2 art. 22, 1); wo man mit siben mannen gezeugen sol, da mag man wol 21 man umb den gezeug fragen Sachsenspiegel Augsburg 1517 s. 78b (getügen 2, 22 § 4 Homeyer; bezeugen Leipzig 1561 s. 227a); ein iglich man, der den andern beklaget umb geldt und verreumet sich gezeugen, der magk nicht gezeugen, mit denselbigen leuten, und die gesellen an dem gelde seindt stadtrecht v. Eisenach (14. jahrh.) § 20; Thür. gesch.-quell. n. f. 6, 41; von neunerlei leuten, die nicht geczeugen mugen in gerichte verdeutsch. des böhmischen bergrechts 4, 12, 9 Jelinek; käme auch die person, so gezeugen soll, ungeladen, ... ist derhalben jhre ... aussage nicht verwerfflich Schickfus chron. v. Schlesien 3 buch 535. 2@b@bβ) mehrfach ist die person, auf die das zeugnis zielt, im freien dativ, oder in präpositionalverbindungen gekennzeichnet; zu den letzteren tritt gern noch ein acc. des objects. 2@b@b@11)) das czwene nahe freunde nicht schepfen sein sullen, noch in selber gezeugen ... is en mack ouch kein pruder dem andern mit nichte gesten, noch mit im erczeugen Iglauer bergrecht s. Zycha 2, 36; waʒ unser vrowe e beiach und klagete uber disen man, da wolle wir ir gezugen an, wand wir horten unde sân. pass. 476, 54 Köpke. 2@b@b@22)) he mac niht me uf in gezugen Freiberger stadtrecht cap. 12 § 10 s. 102; man mag es auf in auch wol gezeugen Sachsenspiegel Augsb. 1517 s. 78b (up ine getügen 2, 22 § 3 Homeyer; auff jhn wol gezeugen Leipzig 1561 s. 227a); antwortes du nicht zuo den dingen di dise wider dich geczuogen? Beheim Matth. 26, 62 (di dise bezeugent cod. Tepl.; das diese wider dich zeugen Luther); ab er durch genies ader gunst willen geczeuge, ab er feint sei des, wider den er gezeug verdeutschung des böhm. bergrechts 4, 12, 9 Jelinek; hörest nit, was die zw hant auff dich getzewgent all sambt? Stertzinger pass. 1064 (var.: tzeugen, betzeugen) Wackernell. 2@b@gγ) als object kommen zunächst nur abstracta, satzinhalte in betracht. personen sind in der stelle des objectes bei dieser bedeutung kaum denkbar. anders bei überzeugen, dessen entwicklung gerade vom persönlichen object ausgeht. vielleicht ist das folgende aus analogie mit diesem zu erklären: wie du einen menschen von ander liuten liebi geziugist beichtebuch 56 Oberlin. auch beim abstracten object ist die anknüpfung im genetiv (vgl. oben z. Iwein 1967), die der grundbedeutung des verbums entspricht, früh durch den accusativzumeist auch von pronominalformenverdrängt; auffallend sind im gleichen casus die mannigfachen substantiva zur kennzeichnung des gegenstandes, auf den sich die zeugenschaft bezieht. 2@b@g@11)) ab he icht benennen sulle, waʒ he gezugen wolle Freiberger stadtrecht 17 § 2 s. 116 Ermisch (var.: beczugen, zeugen); was auch di scheppen halden adir getzugen, das sol der richter auch halten und getzugen Kulmisches recht 2 buch 56 Leman; was ein man wider dem richter gezeugen soll ... das gezeuget er selbdritt Sachsenspiegel Leipzig 1561 s. 226a (getügen sal ... dat getücht er 2 art. 22 § 1 Homeyer; zum Augsburger druck s. o.); das wil ich gezeugen Freiberger stadtr. 17 § 2 s. 116: was die scheppen zeugen, das soll der richter ouch gezeugen Jenaer gerichtsordnung s. 75 Michelsen (s. auch sp. 7027); diʒ gezûget diʒ buoch myst. 138, 32. 2@b@g@22)) er musz die eigentlichen gewer mit sechsz schöpfenbaren freien mannen gezeugen Sachsenspiegel Augsb. 1517 s. 99b; (die ... gewere ... getugen II 44 § 3 Homeyer; gezeugen Leipzig 1561 s. 275b); mag aber iener ... sein farend gutt daran gezeugen 17a (getügen, gezeugen); wie ein man daʒ guot ader die gewer des guotes gezeugen sol 76a; wann auch die geczeugen sich vorpergen, ... so sol der richter twingen, die warheit czu geczugen verdeutsch. des böhm. bergrechts 4, 13, 1 s. Jelinek a. a. o. dazu vgl. (sp. 7021 gotteszeuge): maht du in (Jhesus) gezeugen baʒ Heinrich v. Neustadt gotes zuk. 4167; aber unsir bapst, der setzet sich ubir die engel, und ubir die knecht und bruder, die got getzeugen Carlstadt von bepstlicher heilickeit D 1a; gott getzeugen, bezeugen deum testari, invocare, adhibere deum testem Henisch 1611.
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    Neuhochdeutsch
    gezeugenschw. verbum

    Grimm (DWB, 1854–1961)

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit gezeugen

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Ableitung von gezeugen

ge- + zeugen

gezeugen leitet sich vom Lemma zeugen ab mit Präfix ge-.

gezeugen‑ als Erstglied (1 von 1)

gezeugensage

DWB

gezeugen·sage

gezeugensage , f. , zusammensetzung zu der nominalverbindung ( s. sp. 7021 f. ): in ordennlicher besichtigung der gezeugensagen Rottweil 154…

gezeugen als Zweitglied (2 von 2)

abgezeugen

DRW

abgezeugen nd. afgetü̂gen durch Zeugnis abgewinnen mit ses mannen mut die herre sinen manne af getügen sin gut 1224/35 (Hs. 1369) SspLehnr. …