zeugen,
verb. ,
geht auf ahd. giziugôn
zurück und bewahrt sowohl in der vollform gezeugen
wie in dem kurzwort zeugen
die beiden begriffsbezirke des ahd. grundworts giziuc,
m., nämlich geräth, stoff und zeugnisverfahren, zeugnis. über die ablösung der form z.
aus gez.
s. th. 4, 1, 4, 7026
f. die lautentwicklung des stammvocals bietet das übliche bild, in der mundart fehlen umlautslose formen des diphthongs, s. E. Mertes
in zs. Teuthonista 7, 103.
die gelegentlich auftretende schreibung zeucht,
die sonst dem verbum ziehen
vorbehalten ist, fällt wohl nur dem setzer zur last, so bei Keisersberg
brös. (1517) 1, 61
a; Calepinus
XI ling. s. v. ornithoboscion. schwerer wiegt der durch die entrundung verursachte lautliche und graphische zusammenfall mit zeigen,
wofür H. Paul
in zs. f. wortf. 12, 66
und gramm. 1, 223
reichen stoff zusammengetragen hat; vgl. ferner für die eindeutige verbindung zeigen von
für z. von: S. Franck
sprw. (1545) 1, 15
e;
sprw. klugred. (1548) 141
b; Lehman
flor. pol. (1662) 3, 39; Hoffmannswaldau
ged. 7, 196;
Königsb. dichterkr. 29
ndr.; Henrici
ernsth. ged. 1, 37; v. König
ged. 340; Gottsched
ged. (1751) 1, 166
öft.; Lessing 9, 361
M.; J. E. Schlegel
w. 3, 419; v. Hippel
lebensl. 3, 2, 556; A. G. Meiszner
skizz. 1, 99; Herder 5, 56; 22, 132; 149
S.; Göthe 22, 145; 30, 224
W.; Tieck
schr. 3, 219; Brentano
ges. schr. 6, 207; Schubart
ästh. 67; Stifter
s. w. 3, 298,
öft.; O. Ludwig
ges. schr. 5, 362; Bauernfeld
ges. schr. 2, 10; Mommsen
röm. gesch. 1, 134; Rosegger
wildl. (1906) 158.
andere sichere fälle von zeigen
für z.
gignere: Zinkgref
auserl. ged. 13
ndr.; J. Prätorius
philos. col. 173; J. Riemer
polit. maulaffe 330; A. a
s. Clara
Judas 1, 17; 162
lit. ver.; für z.
testari Tschudi
chron. helv. 1, 277.
indessen bewahrt sich die literatursprache die fähigkeit, zwischen z.
und zeigen
zu scheiden, vgl.: wo man dir gottes werck zeiget und zeuget Luther 26, 151
W.; fr bestimbter vOegel chor ... zeugt und zeiget meine freud Harsdörfer
secret. 1, 99.
das widerspiel dieser erscheinung, die rundung in zeigen,
welche geschichtlich ohne zusammenhang mit 2zeugen
ist, kann wenigstens mit dem militärfachlichen wort ehrenbezeugung
bis in unsere zeit nachwirken; belege: einer, der mir etwas mit der hand zeugt, der macht nicht, dasz ichs thu: also, der lehret, der zeigts, machts aber nicht, das ichs thu Lehman
flor. pol. (1662) 1, 490; Schupp
schr. (1663) 3; 424; 497; zeugte ... freude A. U. v. Braunschweig
Octav. 1, 226; Lohenstein
Arm. 2, 426
a; 882
a; Rachel
sat. ged. 91
ndr.; Fleming
teutsch. sold. 167; 287; E. v. Kleist
s. w. (1760) 2, 174; Meisl
theatr. quodlib. 2, 141; Laube
ges. schr. 2, 31.
selbst zeihen
gerät durch die rundungstendenz in den bann von z.: (
zeugen,) die zeugen mich, herr, sere des ich nicht schuldig bin Gamersfelder
psalt. 31 a; wir folgen alten auf den fszen, und man wil uns des lasters zeugen Stieler
geh. Venus 91
ndr.; dasz man ihn ... keiner snde z. konnte Knigge
rom. m. leb. 3, 198. II.
von gezeug I (
th. 4, 1, 4, 6987)
und zeug (
sp. 825)
gebildet; I@11)
indem als obj. der begriff zeug
vorschwebt, a)
geräthschaften für wirthschaft und haushalt, kleidung oder ausrüstungsstücke, auch bedarf für den unterhalt beschaffen, anschaffen, besorgen; ältere fälle mit dem partic. gezeugt,
wie kulm. recht 4, 51; 59
Lem.; (
Augsb.)
chron. d. st. 4, 343
sind wohl noch zu gez.
zu stellen; belege: sin gezoye zu z. zu dem werke, das er macht
Marienburg. treszlerb. 458
Joach.; (
brandenb. 1561) Kern
hoford. 1, 42; mag er ..., was ihm auf einen jeden tag nOetig (
den unterhalt), nach seinem besten z. W. Kauffmann
inquis. hispan. (1569) 56
a;
bücher: Konrad v. Megenberg
buch d. nat. 68 (
cit. th. 4, 1, 4, 7026); G. Nigrinus
widerleg. d. and. centurie ... Joh. Nasen (1571) z 2
b;
sonst: was ... in der hütten an schleiszenden gezawen abgegangen, das hat er wieder für sein eigen gelt z. müszen und darin verschaffen Hard. Hake
bergchronik 25; solch vesperbilde zusambt dem Oehlgarten ... es habens die alte herschaft helfen z. mit hilfe der kirchenbitter des kirchengeldes S. Hüttel
chron. d. st. Trautenau 36; H. Fischer 6, 1169;
häufig mit dem persönl. dativ verbunden und so im norddeutsch. gebiet in mda. und umgangssprache noch gebräuchlich: pass. 138
K; dasz jeder ihm jetzt leicht kan zeugen ein liberey, dasz ers hab eigen
M. Mangold
marckschiff (1596)
bl. E; kondte nicht so viel zusammenbringen, dasz er ihm auch ein fein, rein par beinkleider ... gezeuget hette W. Bütner
epitome hist. 144
a; Schottel
haubtspr. 1448; he tget sick een kleed Richey (1755) 317;
sich einen genusz oder sonst etwas besonderes gönnen, leisten, zu gute thun: he tügt sik n swiensbraden Mensing 5, 201; sik enen rusk tgen
brem. wb. 5, 122;
verbreitet; das ... Hans Unwirsch sich einen kleinen rausch zeugte W. Raabe
hungerpast. 2, 11; sich einen haarbeutel z.
im selben sinne; vielfach verneint: dat kAenen wi uns nig tgen Dähnert 497
b; Danneil 228
b; havannas ..., de du di sülm nich mal tügen un tähmen müchst J. Brinckman
plattd. w. 6, 58; b)
dabei stellt sich der sinn des herstellen oder anfertigen lassens ein: Lexer 3, 1142; das man ... feste mauren, schöne heusser, viel büchsen und harnisch zeuge Luther 15, 34
W.; dieweil ... die jungfrauen unvermgend halben keine sonderliche grosze glocken haben z. kOennen J. Letzner
dassel. chron. (1596) 1, 104
b; braune trauwerkleider, die ein jeder ritter selbst z. und machen lassen musz J. Rank
cosmogr. (1599) 209;
woraus der übergang zum selbstherstellen und eigenerwerb leicht folgt: und (
der erbe) kompt in einen solchen rath, den er doch nicht gezeuget hat Ringwalt
christl. warn. K 3
a;
auch auf geistige arbeit, ab-, verfassen gelegentlich übertragen: Herman von Fritschelar der hat iz (
das buch) gezuget
myst. 1, 258
Pf.; Bürger
br. 2, 14
Str.; üblich in der fachsprache des gewerbes, indem sonderbedeutungen des wortes zeug
aufgenommen werden (
s.zeug II 2): was ainr selber uf sinen werkstetten linwat wúrket und zúget (
um 1400)
bei H. Fischer 6, 1168;
eine speise zügen
schmalzen Stalder 2, 470; Hunziker 313;
refl.: s (
das mehl) zuiget sich net
mehrt sich nicht, geht nicht auf H. Fischer 6, 1168. I@22)
unter objectswechsel zum träger des zeuges
hin ergibt sich die bedeutung ausrüsten, ausstatten, auch refl.: ob er ez (
das zugvieh) ze rehte hat geziuget (
aufgezäumt)
Schwabensp. landr. 185, 3
Ge.; mer woln uns dar zu zeugen (
rüsten, bereit machen)
Alsfeld. pass. 33
Gr.; armis cingi sich zügen Frisius 222
a;
ein schiff mit dem nötigen zeuge
versehen: ein schiff z.
auftakeln Röding 2, 942; een schip tuigen Winschooten
seeman (1681) 320;
vorwiegend wird das partic. prät. gebraucht: ein breit gezeugtes schiff
ein schiff, das sehr lange raaen oder breite segel hat Röding 2, 942; vele burger waelgewapent ind gezuigt (
Köln 15.
jahrh.)
chron. d. st. 12, 362; Joh. Jacobi
Vegetius Renatus (1616) E 2
b; die gesellschaft der zeügten (
gerüsteten) Frisius 612
b; ein pfAerd wol zeügt und gerüst 120
b; gewaffnet, gezeugt 224
b;
s. auch th. 4, 1, 4, 7043;
vereinzelt: ein schiff zeugt gut
die riggen oder die ganze takelung eines schiffes steht gut Friedrichson
schifffahrtslex. (1879)
bei Kluge
seemannsspr. 844. I@33)
in weiterer ausprägung des begriffes herstellen, anfertigen (1
b schlusz)
und im anschlusz an zeug II 1
b, d (
sp. 833)
lebende oder wachsende dinge aufziehen, ziehen, zum wachsen und gedeihen bringen, sodann auch hervorbringen, erschaffen, erzeugen, a)
auf-, erziehen, wobei die verwandtschaft von z.
und ziehen
zu tage tritt: wo die schuol nit wol stehen, do man die personen z. und zihen sol Luther 19, 445
W.; hastu kind, so zeuge sie S. Franck
sprw. (1541) 2, 8
b; ein fromm frau zeugt oft ein huor 2, 56
a; es kan auch wol ein huor ein fromm kind zeügen Tappius
adag. (1545) G 8
a; ein frommer man zeugt ein frommes weib Eyering
prov. (1601) 2, 69; schlimme weiber z. lincke kinder Petri
d. Teutsch. weiszh. 2, Ss 4
b; wer seinen knecht erst zAertlich helt, der zeugt einen junckern drausz 2, Iii 4
a; das amt zeugt den mann W. H. Riehl
arb. 138; b)
thiere und pflanzen ziehen, züchten, anbau und zucht betreiben: solte ... unsere meyersfrau seidenwürmlin ... z. Sebiz
feldb. 450; endten ... z. und halten
viehbüchl. (1667) 112; wer ihm khe z. will 21; eine hndin ..., davon er junge z. ... kOenne 88; (
der) garten, da viel bienen gezeuget waren v. Fleming
sold. 276; die jungfrauen z. die sammetblumen in ihren gärten Tabernämontanus 819; von den jungen setzlingen ..., welche man vom kern ... zielet und zeuget Sebiz
feldb. 313; wir z. ... eszbare krAeuter und wurtzeln Lohenstein
Arm. 1, 105
b; trauben ohne kOerner zu z. Hohberg
georg. cur. 3, 270
a; einen baum z. Steinbach 2, 1103; orte, da man holz z. will
haushalt. in vorwerk. 237; korn ... z. Schnabel
ins. Felsenb. 53
U.; der Araber zeugt ... gerste und mais Laube
ges. schr. 5, 287;
s. auch Kretschmann
s. w. 1, 117; c)
in engem sinne haare lang wachsen lassen: ob nu der man zeugt har, es ist im ain laster
1. Kor. 11, 14
cod. tepl. (das einem man eine unehre ist, so er lange har zeuget Luther); C. Spangenberg
Bonifac. (1603) 60
a; dasz bAerenschmaltz ... haar zeüge Herold
Gesners thierb. 18
b; G. Voigtländer
od. 31; bart z.: Herder 13, 243
S.; auch: ist jemand beschnitten beruffen, der zeuge keine vorhaut (
μὴ ἐπισπάσθω,
non adducat praeputium)
1. Kor. 7, 18; d)
hier schlieszt sich nun die bedeutung erzeugen, hervorbringen, α)
zunächst erst in unbestimmterer vorstellung an: das wasser zeugt auch solche fisch, die man wol auf eins frsten tisch mOecht stelln Er. Alberus
fab. 184
ndr.; viel bAeum und kreuter mancher art, viel schOener blmlein zeugt der gart
ebda; Candia ... zeugt keinen bAeren Herold
Gesners thierb. 15; J. Prätorius
glückstopf 63; A. a
s. Clara
etwas f. alle 2, 94; das eisen zeugt ihm selbst den rost, von dem es wird verzehret Logau 276
E.; Hagedorn
poet. w. 1, 108; J. E. Schlegel
w. 4, 56; Hölty
ged. 88
H.; Novalis
schr. 1, 248
M.; dichterisch von menschen: o land, das mich gezeugt Kästner
verm. schr. 1, 183; Schenkendorf
ged. 25; Rückert
w. 1, 350; volk
subj.: Haller
Usong 3
a; ein chaos zeugte alle sterblichen E.
M. Arndt 6, 31
R.-M.; in freierem gebrauche erscheinen natur-, geschichtliche und geistige kräfte u. ä. als subject: diese gedanken hatte der ... glanz der sonne in mir gezeuget S. v. Birken
ostländ. lorbeerhäyn 25; ob selbter (
der agstein) im todten meere gezeugt wrde Lohenstein
Arm. 2, 857
a; Haller
tageb. 1, 68; an solch einem tage, wie ihn das grosze jahr des himmels zeugt Gerstenberg
schlesw. literaturbr. 98
lit.-denkm.; an des warmen strahles kräften zeugt natur den goldnen wein Schiller 11, 387
G.; denn das bedürfnis zeuget die gewohnheit, und die gewohnheit zeuget das gesetz Raupach
dram. w. ernst. gatt. 5, 276; das Oeftere beysammenseyn zeugte vertraulichkeit, und vertraulichkeit zeugte freundschaft Zimmermann
ehe 1, 268; die altn. form deyja ... zeugt ein praet. vierter reihe dô dôum Jac. Grimm
kl. schr. 3, 133; W. v. Polenz
Grabenhäg. 2, 122;
in der geometrie heiszt z-der circkel,
circulus generator, ein cirkel, mit dessen hilfe eine krumme linie beschrieben wird: Wolff
math. lex. (1747) 1439;
β)
sodann als geschlechtliches zeugen, erzeugen, gignere; als subj. erscheint das elternpaar: habend ... vil schOener ... kinder ... gezeuget Wickram 2, 143
B.; Luther 10, 2, 156
W.; Adam und Eva ... mit einander zeügeten vil schOener, auch unfletiger kinder Schumann
nachtbüchl. 199
B.; Warbeck
Magel. 72
B.; —
der vater: du bist mein son, heute hab ich dich gezeuget
ps. 2, 7; vier sOene ..., die er von Marien, des kOenigs ... zu Polen tochter, gezeugt Schütz
hist. rer. pruss. 1, C 2
b; das selbig soll sein sein ehweib, mit der er kinder zeugen sol H. Sachs 1, 27
K.; von: J. Mathesius
Sarepta (1571) 7
b; mit,
das vorherrscht: Binhardus
thür. chron. 82; Rist
friedejauchz. Teutschld 39;
u. a.; wenn nicht zeugen kann der mann, nicht die frau gebAeren kann Bürger 1, 297
Bohtz; Gerstenberg
Ugolino 240
Ham.; A. v. Arnim
s. w. 1, 135;
in dieser verwendung allein noch üblich; kinder z. Schottel
haubtspr. 1448; Stieler 2627;
u. a.; frei mit prädicativ. adj.: die könige Frankreichs sind gebohrne helden, du aber bist unkriegerisch gezeugt Schiller 13, 207
G.; dichterisch mit verhüllendem subject: denn zeugt nicht manches schlechte haus oft kinder mit den grOeszten gaben? Gellert
w. 1, 220; in der liebesnächte kühlung, die dich zeugte, wo du zeugtest Göthe 6, 28
W.; —
früher und neuzeitlich vereinzelt von der mutter: 1. Timoth. 5, 14; sie ... habe ... etliche kinder gezeuget Nigrinus
zäuber. 40; J. Letzner
dassel. chron. (1596) 192
b; Creizenach
schausp. engl. com. 41, 22; ist es denn ein mägdelein, das Ursel hat gezeuget Chr. Reuter
Harl. kindb.-schmausz 78
ndr.; die bettlerin zeugte mir bettlergeschlecht Göthe 3, 5
W.; jede frau hat das recht, kinder zu z., wo und wann sie will H. v. Kahlenberg
Eva Sehring 60;
veraltend junge z.
von thieren: alle andere thiere haben ein bestimpte gewisse zeit, zu tragen und junge zuo z. Heyden
Plinius 16; ein jedes (
tauben-) paar ... nistet und junge zeuget
viehbüchl. (1667) 118;
sprw.: katzen beiszen und kratzen sich und z. gleichwol jungen Petri
d. Teutsch. weiszh. 2, L l 2
b; bunte bullen z. bunte kelber 2, L 6
a; —
partic. präs.: da die z-de natur unsere gezeugte natur ... gleichsam als mit einem grffel eingegrbelt Zesen
rosenmând 39; Jung-Stilling
s. schr. 4, 188
Gr.; '
eltern': denn Epimetheus nannten mich die zeugenden Göthe 50, 299
W.; z-de kraft
gespr. 6, 275
Bied.; Fr. Schlegel
pros. jugendschr. 2, 431
M.; diese sonne so heisz und z-d Laube
ges. schr. 5, 269;
belege für das partic. prät. s. th. 4, 1, 4, 7042;
inf.: generation das z. Spanutius 262; behüte gott! wie sonst das zeugen mode war, erklären wir für eitel possen Göthe (
Faust 6838) 15, 102
W. —
zss.: auf-, erzeugen. IIII.
von gezeug III (
th. 4, 1, 4, 7007)
und zeuge
abgeleitet; zeugnis ablegen, zeuge sein, be-, erzeugen; über den vorgänger gez.
und dessen gebrauch s. th. 4, 1, 4, 7026;
wird in den maa. als fremdling gefühlt und daher z. th. umgeformt, so schwäb. zuignen H. Fischer 6, 1169;
die verwendung im gerichtlichen und privatrechtlichen bereich und den verhältnissen des allgemeinen lebens ist wie bei zeuge
durchgeführt. II@11)
absolut, a) es mOegen nit zeügen kinder, die under vierzehen jaren seind, noch weyber, dann in etlichen sachen S. Münster
cosmogr. 379; vor dem siebzehnten jahre durfte niemand im gerichte z. Raumer
gesch. d. Hohenst. 5, 327;
sprw.: es ist besser stehlen denn z. Eisenhart
grundsätze (1759) 546; — magister Cunradus ... zeugt in einer urkunde von 1289 Jac. Grimm
kl. schr. 4, 96; — erd und himmel sollen zeugen E.
M. Arndt 4, 17
R.-M.; —
berichten, gewähr leisten, verbürgen: wer ein tútel oder buchstaben wegthut oder endert, der sol des teufels sein, wie Christus zeugt Luther 26, 614
W.; Jesus zeugete und sprach
Joh. 13, 21; ir gall ist seer scharpf, ... als Galenus züget Heuszlin
Gesners vogelb. (1582) 1
b; Micrälius
alt. Pommerland 1, 2; Schubart
leb. 1, 4; wie die tAegliche erfahrung zeuget J. Prätorius
saturn. 337; die waage schwankt, damit sie in ruhe sicher zeuge Herder 23, 91
S.; sprw.: das angesicht macht rechnung, die gestalt zeuget Körte
sprw. 19; b)
wozu eine person als ziel im dat. tritt: er will mir gar gern z.
libenter vult mihi esse testimonium Stieler 2614; Kramer
teutsch-it. 2, 1448
a; Steinbach 2, 1089; A. U. v. Braunschweig
Octavia 3, 351; so zeugen töchter ihren müttern nicht? Heinr. v. Kleist 1, 380
Schmidt; — bei den unsterblichen, die hold auch meinem leben sind! — sie zeugen mir! Bürger 41
a Bohtz; v. Ayrenhoff
w. 2, 278;
u. a.; dichterisch: des Satans glatten worten z.
für sie zeugen: E.
M. Arndt 4, 7
R.-M.; sonst steht ein sächl. dativ für etwas bezeugen: nicht die jubelnde menge nur zeugt dem ruhm der athleten: seht, es bevOelkern den hain schaaren der sieger aus erz Aug. Wilh. Schlegel
im Athenäum 2, 184; kundige zeugen dem ruf, dasz oft im lispel des haines und in des baches geräusch göttliche stimmen ihm wehn J. H. Vosz
s. ged. 3, 128. II@22)
mit sächlichem object, a)
das sich zuerst schüchtern als neutrum eines pronomens od. ä. einstellt: mhd. wb. 3, 919
b; Lexer 3, 1142; diss alles aber zeugen wir H. Sachs 15, 280
G.; das czget richter, scheppin unde eyn gehegit ding czu Schippenpil
handelsrechn. d. deutsch. Ord. 228
Sa.; das wir sehent, das zúgen wir Tauler
pred. 115
Ve.; das z. meyne bcher anders Luther 15, 260; 18, 549
W.; wohl aus dem aug, wohl aus dem sinn! das zeuget meine nachbarin H. Chr. Boie 317
Weinhold; Hölty
ged. 85
Halm; Herder 5, 11
S.; mit folgendem nebensatz, s. c; häufig tritt dazu ein persönlicher dativ: zeugt mirs, ihr helden (
corr.: bezeugt mirs, Trojas heilge trümmer) Schiller 6, 367
G.; der himmel zeuge mirs O. Ludwig
ges. schr. 5, 156;
veraltet; b)
danach in eine sache übergeht; in der figura etymologica: 1.
Joh. 5, 9; bald habet ir euer zeugnisz gezeuget Klopstock
Messias 13, 109;
eine beschuldigung vorbringen: s. Sachsensp. lehnr. 55, 2
H. (
cit. u. 3
a);
rechtlich wirksam errichten: testament werden vor uns gezeuget durch die, denen wir dabei zu sein zugelassen
Breslauer gerichtsordn. v. 1591
s. 54;
durch eidliche aussage bekräftigen: wy du dyne gewere zcugen (betügen
Berl. hs.) sullest
Sachsensp. richtst. lehnr. 29, 7
H.; ein sach mit dem eyd zeügen und bestAetten Frisius 19
b;
durch aussage, that oder wirkung bezeugen, bestätigen: welche wort nichts guts, sondern alles ubel und bosheit vom Türcken ... z. Luther 30, 2, 173; 34, 2, 84
W.; ich bin dazu geboren und in die welt komen, das ich die warheit z. sol
Joh. 18, 37; G. Arnold
kirchenhist. 224
b; es soll (
jedermann) ... das end alle ding z. lassen Paracelsus
op. (1616) 2, 595
Hus.; des geschOepfs zierligkeit zeugt des schOepfers herrligkeit Petri
d. Teutsch. weiszh. 2, P 6
a; dessen triumph er mit seinem blut, der mAertyrer erstling, unter den Christen zu zeugen, erwAehlt war Klopstock
Messias 13, 780; auszerdem z. noch einzelne ... abhandlungen ... seine ... thätigkeit Jac. Grimm
kl. schr. 1, 173;
veraltet; c)
sich als nebensatz darstellt: die gantze schrift tzeugt und bedeut, das gottis szon sollt mensch werden Luther 8, 346; 18, 400; 26, 388
W., öft.; Barth
weiberspieg. (1565) D 1
b; Lohenstein
Ibrah. 116; Chr. Weise
polit. redn. 854; sie sagen, dasz ihnen meine manuscripte zeugten, dasz ich viel angefangen, aber wenig fortgesetzt hätte? Lessing 17, 13
M.; Göthe IV 41, 251
W.; Ranke
s. w. 42, 47;
mit hinweisendem pron.: wie solches die erfarung zeuget, dasz ertz selten allein liget Mathesius
Sarepta (1571) 29
b; — was ... solche leut fur andacht und ym synn haben, zeuget gnugsam solch yhr eygen bekentnus Luther 15, 28
W.; herr und freund, ihr must es zeugen, wie sich gott mit euch ergetzt Logau 348
E.; du stiller wald sollst zeugen, wie Thyrsis mich betrübt J.
N. Götz
verm. ged. 1, 97; Göthe IV 33, 211
W.; Schiller 14, 278
G.; Rückert
w. 1, 32;
in abgang gekommen. II@33)
von präpositionen bewahrt a) auf
noch die vorstellung des zeugniszuges (
bestätigt also damit die abkunft des wortes z.
vom verbum ziehen)
und zwar in dem doppelten sinne: das verfahren auf die aussage des zeugen hinziehen, -führen, d. h. sich auf einen zeugen beziehen, berufen und das zeugnis, das beweisthema auf, gegen den angeschuldigten ziehen, vorbringen; belege für den ersten fall: ich ziug ez ûf der kleinen vogellîne morgensanc Otto v. Botenlauben
in minnes. 1, 27
b H.; auf ein beschlossen mund kan man nicht z. Petri
d. Teutsch. weiszh. 2, I 7
a; er zget uff einen todten Tschudi
chron. helv. 1, 158;
auch refl.: wider den heiligen Paulum, der sich auf solchen brauch und gewonheit zeügt J. Dietenberger
wid. d. buch Luthers v. miszbr. d. mess A 3
b;
für den zweiten: ab der cleger uf in das tzuget
kulm. recht 3, 32
Lem.; al schuldegunge, die an gewedde unde binnen lenrechte geschiet, mach die herre tzugen (getügen
Berl. hs.) uph den man mit tzwen siner manne
Sachsensp. lehnr. 55, 2 (
Quedlinb. hs.)
H.; Daniel 7550
H.; jüngerer sprachgebrauch wendet den sinn in ein zeugnis für, einen hinweis auf jemand oder etwas: sie freute sich über diese worte, die wie auf sie z-d waren Hippel
lebensl. 4, 66;
für die folgenden belege wäre von
das gewöhnliche: münzen können nicht eigentlich auf den geschmack eines volks, einer zeit z. Herder 3, 436
S.; wir beide zeugen auf ihre schande, untreu, todverbrechen Tieck
schr. 1, 80; b)
alt selten wie auf
auch an: nu ziug ich das an iuh, ob ich iuh îe beswarte an muote Rudolf v. Ems
weltchronik 23076
Ehr.; herr, ich zúgen daz an dich Seuse
d. schr. 84
B.; refl.: czeugin wir uns an unsern herren den bischoff (1451)
lehnsurk. Schles. 1, 421; wern leüt dabei gewesen, daran si sich zu beeder seit zeügen (17.
jahrh.)
österr. weisth. 7, 938; c) gegen, wider: du weizt wol, daz sie haben gezuget kein mir velschlich
Daniel 7691
Hübn.; Johannes Husz ... zeugte Oeffentlich gegen die irrthmer ... der rOemischen kirche Jung-Stilling
s. schr. 3, 228
Gr.; Göthe IV 30, 90
W.; mit solcher rede z. sie widder sich selbs Luther 26, 450
W., oft; Schiller 13, 465
G.; Chamisso
w. 4, 258; d) für: geh hin! du sollst auf erden für mich zeugen Schiller 13, 188
G.; D. Fr. Strausz
ges. schr. 3, 139; es zeugte für seine gute natur, dasz ... Melch. Meyr
erz. aus d. Ries 1, 98;
so noch üblich; e)
beliebt war und ist die verbindung mit von: er war nit das liecht, sunder das er zeügete von dem liecht
Zürch. bib. (1531)
Joh. 1, 8;
sprw.: das werck zeugt vom meyster S. Franck
sprw. (1541) 2, 14
a; der schwanz zeygt vom fuchs (1545) 1, 15
b; das ampt zeugt vom mann
sprw. klugred. (1548) 39
b; der wein zeugt vom mann 161
b; die frchte z. vom baum Petri
d. Teutsch. weiszh. 2, Q 3
b; Lessing 17, 136
M.; wunsch und vorsatz zeugt nur von ohnmacht und schwachheit, und that von kraft und stärke Heinse 9, 240
Sch.; Göthe 2, 209
W.; W. Raabe
hungerpast. 1, 19; dessen braune augen von klugheit zeugten W. Weigand
löffelstelze (1919) 85; davon: Göthe IV 28, 110
W.; f)
wenig gebraucht wurden über
und zwischen: gott ... zeugte uber sie
apost. 15, 8; dein mund hat uber dich selber gezeüget Schumann
nachtbüchl. 260
B.; H. R. Manuel
weinsp. 2230
ndr.; uber die ihr unbilliche kundtschaft zeuget Kirchhof
mil. disc. (1602) 254; ber ihre eigene tohrheit z. Schottel
haubtspr. 112; zwischen
nach 1. Mos. 31, 50 (
cit. unt. zeuge II 2
b): mit ihm (
dem Seraph) sollt er (
Noah) die wege der menschenkinder beschauen, dasz er zwischen dem richter und ihnen zeugte Bodmer
Noah 4; Zachariä
poet. schr. 5, 75. II@44)
grammatisches; a)
mit adverbialem zusatz: weil si ... so frAeudig wahr gezeuget Zesen
adr. Ros. 13
ndr.; falsch z., mit gutem gewissen z. Stieler 2614; o diese thrAenen zeugen im himmel frchterlich Schubart
s. ged. 1, 99; (
er) zeugte gut von Ludwig Schubart
bei Strausz
Schubarts leb. 2, 215; b)
verbformen: die von vieler aufmerksamkeit ... z-de tabelle Göthe IV 31, 95
W.; schon früh begegnet der inf.: ein verklagen, zeugen und rechten H. Sachs 3, 349
K.; was darf es viel z-s Fischart
binenkorb 221
a; c)
zss.: be-, erzeugen.