speise,
f. zubereitetes essen, nahrung; metallmischung, mörtel. lehnwort aus mittellat. spêsa = spensa
aus lat. expēnsa (pecunia)
aufwand, kosten, zu spendere = expendere,
als spensa
in der bedeutung '
aufwand, lebensmittel' 813
bezeugt, s. Weigand 2, 756,
erhalten in ital. spesa (
woraus unser spesen,
s. das., vgl. unten 4),
vgl. Diez
4 402.
das wort stammt aus der klostersprache (
s. unten)
und ist also im zusammenhange mit dem christenthum in Deutschland eingeführt, etwa im 8.—9.
jahrh., s. Seiler
lehnw. 2, 11. Kluge
6 370
a.
der übergang von vulgärlat. ê
in germ. î
wie in eichen, feier, kreide, pein, preis, seide.
ahd. spîsa Graff 6, 364,
nur einmal aus Otfrid
belegt: thaʒ ther liut zi flîʒesâʒi wechûn ûʒe mit spîsôno ginuhtin. Otfrid 3, 15, 8.
mhd. spîse Lexer
handwb. 2, 1099;
mnd. spise Schiller-Lübben 4, 329
b f., mnl. spise,
holl. spijs,
s. Franck 936,
altfries. spise Richthofen 1041
b,
vgl. Pauls
grundr.2 1, 823. 1220. (
ostfries. spiese
in einem Wurstener voc. v. 1688,
s. nd. korrespondenzbl. 11, 36.)
dem engl. und altnord. ist das wort fremd geblieben. dän. spise,
schwed. spis,
m., norw. spiss Aasen 735
b werden aus dem deutschen stammen. —
die nhd. schriftsprache bietet keine bemerkenswerten abweichungen. (spiesz
buch d. liebe 294
d,
s. unten, ist offenbar druckfehler.)
ganz vereinzelt als masc. (
durch die verbindung mit getränk
veranlaszt?): der mich lang zw im locken det mit starkem speise und getranck. H. Sachs
fabeln 1, 252, 167
neudr. mundartlich speis(e), spais
und spis(e)
in der gewöhnlichen vertheilung. zuweilen werden verschiedene formen zur bedeutungsdifferenzierung benutzt. so schwäb. speisz,
f. speisekammer neben speise,
f. proviant. Schmid 500.
als masc. meist im fränkischen in der bedeutung '
mörtel' (
s. unten 5,
e),
s. Klein 2, 161. Lenz 66
b (spais,
m.; speise
in der gewöhnlichen bedeutung ersetzt durch esə,
n., eswaa,
f., khost,
f.). Ruckert 172. Autenrieth 134 (schbeis,
m.; dagegen essenspeise,
was man iszt). Reinwald 1, 153. Schmidt 225. Kehrein 1, 381. Pfister 1.
ergänzungsh. 24. (
auch im sinne von glockenspeise. Weigand 2, 757.)
die gewöhnliche bedeutung ist daneben meist ganz aufgegeben. für das ostmitteld. fehlen die zeugnisse überhaupt. speise
im gewöhnlichen sinne scheint demnach besonders dem oberd. und dem nd. gebiete anzugehören, doch ist sie auch in letzterem nicht überall bezeugt. (
nach Danneil 204
a ist spîs'
nicht häufig im gebrauche.) —
die zahlreichen zusammensetzungen mit speise
als erstem gliede zeigen dafür im 15.—17.
jahrh. wie auch im heutigen oberd. gewöhnlich die form speis-,
während heute speise-
auch vor vocalen gilt. (
es macht dabei keinen unterschied und ist auch nicht immer mit sicherheit zu entscheiden, ob speise
das subst. oder der verbalstamm ist.)
sie sind zu besserer übersicht und ordnung nachstehend sämtlich in der form speise-
aufgeführt, auch wo diese nicht belegt ist. bei einigen, wo der begriff des plurals empfunden wird, findet sich daneben oder allein speisen-;
diese bildung ist, weil morphologisch verschieden, getrennt aufgeführt. 11) speise
geht aus von der sprache der klöster und bezog sich zunächst auf die hier übliche austheilung von lebensmitteln an arme; ist jedoch früh im begriffe erweitert, so dasz es nahrung überhaupt bezeichnet: cibus hd. nd. spise
vel kost,
hd. speise, chost. Dief.
gloss. 116
c; spisse, spise, cost, richte, gherichte.
nov. gloss. 88
a;
cibus spise
vocab. opt. 24
a Wackernagel; speisz, nahrung,
cibus, esca, edulium, epulae, ... alimentum, alimonia. Dasypodius; das zu der speisz gehöret,
escarius, cibarius. ebenda; speysz, alles das man iszt,
edulium, cibus, esca, epulae, [] cibarium. Maaler 379
b; speise,
f., speisen,
plur. cibo, vivanda, pasto, nutrimento, alimento, mangiare, vitto, v. kost, essen. Kramer
dict. 2, 855
c;
so in oberd. mundarten, s. Hunziker 246
f. Schöpf 685. Zingerle 52
b.
cimbr. wb. 234
b (spaisa,
f. cibo, alimento),
im nd. brem. wb. 6, 329. Dähnert 448
b. Mi 85
a. Danneil 204
a (
nicht häufig im gebrauch). Woeste 250
b.
mitteld. in dieser bedeutung weniger üblich, s. oben. 1@aa) speise
im allgemeinen, synonym mit nahrung, essen
u. s. w. so z. b.: ob mich got behuotetin aller miner note unde mir git fur warspise unde lipnar.
genes. 54, 23
Diemer; ohn alle speis' und kost ernehret uns die lieb'. Opitz 2, 146.
vgl. essenspeise,
theil 3, 1168
f. näher bestimmt: meine speise, die ich dir zu essen gab, semeln, ole, honig, legestu jnen fur.
Hesek. 16, 19; speise kann nur werden, was entweder die bestandtheile des bluts schon enthält oder sich doch in dieselben verwandeln läszt; mithin gallert, eyweisz und faserstoff, also knorpel und knochen, blut, eyer und nervenmasse, muskelfleisch. Oken 4, 214. speise
im gegensatz zur arznei: da soll man erstlich speisz und artzneyen nicht vermischen, dann disz were ein ungereimte sach, wo man saflorsamen, nessel oder römischen quendel, unter die speisen mengete. Wirsung
artzneyb. (1597) 348 B.
sprichwörtlich: speisz und ertzney hat jhre zeyt, wer die verseumt selten gedeyt.
froschm. Cc 7
b,
danach Petri Tt 1
a. Wander 4, 683, 44. speise
dient zur erhaltung des lebens, aber: ist nicht das leben mehr denn die speise?
Matth. 6, 25. 1@bb)
so insbesondere der in einer stadt, burg, einem schiffe u. s. w. angesammelte oder bei einer expedition mitgeführte vorrat von lebensmitteln, proviant: speysz die auff ein fürsorg wirt hindersich gehalten,
conditivus cibus. Maaler 379
c; allerley speysz, narung und profiant,
annonariae species. ebenda; werbet umbe spîse,die man haben sol.
Kudr. 250, 1; daʒ ir wellet râten nû, wie die spîse mit uns kome.
livländ. reimchron. 5355; die spîse man dô alle nam, die mit der reise was gebrâcht. 5412; wenn sie nicht so arm an geld, speise
u. a. wären.
quelle v. j. 1449
bei Schmid 500; da namen sie alle habe zu Sodom und Gomorra und alle speise.
1 Mos. 14, 11; nemet speise mit euch auff die reise.
Jos. 9, 11; aber Simon bawet und befestiget viel stedte ... und schaffet speise in die feste stedte. 1
Macc. 13, 33; der gleichen lies er befestigen, Bethzura, Gaza ... und versorget sie mit speis. 9, 52; darnach liesz sie das schlosz mit aller eyngebäw auszbereiten ... und besetzt das mit leuten, speisz und gezeug.
buch d. liebe 266
d; auf jeden fall versehn, gerüstet zu gefahren, ... mit speise für das volk, wagt er den sichern lauf, und zieht bei gutem wind die segel fröhlich auf. Lichtwer 186.
seltner im plural (
vgl. unten n): dô hîʒ er mit spîsen sîne schif bereiten. Lampreht
Alex. 6736
Kinzel (
vgl. die var.).
verproviantierung: wo si spis oder lands halb in verlikeit gefüert wurdid. Anshelm
Berner chron. 4, 133.
der vorhandene speisevorrat überhaupt: was ... der frawen gebort noch ires mannis tode ... alle gehoffte speyse yn allen hoffen und vorwerckirn eres mannes die noch dem dressigisten obirblebin ist die gebort ouch der frawen zcu musteile. Wasserschleben
rechtsqu. 1, 205; do in zerinnen begunde der spise,do sprach Jacob der wise, warumbe si niht wolden chouffen chorne si hungirs wrden vlorn?
genes. 92, 21
Diemer. sprichwörtlich: je weniger speisz, je mehr hunger. Petri Kk 1
b. Simrock 9685; wenn die speise mindert, so mehrt der hunger. 9686.
vgl. ferner g. 1@cc)
der für einen bestimmten zeitraum nötige vorrat an lebensmitteln: speysz für eyn tag,
diarium. Dasypodius; speysz oder narung für einen monat,
cibaria menstrua. speysz oder portz für einen tag,
diurnus cibus. Maaler 379
c; speisz auff einen tag,
la pitance d'un jour. Hulsius 302
a; speise auf ein jahr, auf ein monat, einen tag
etc.,
annona, vitto, provisione etc. per un anno, un mese, un giorno. Kramer
dict. 2, 856
a;
demensum Stieler 2078; also, das deine speise, die du teglich essen must, sey zwenzig sekel schweer.
Hesek. 4, 10.
vgl. auch weg speisz,
ephodion, lat. viaticum. Dasypodius.
[] 1@dd)
für das, was ein einzelner mensch zu seiner ernährung braucht, kost. Schöpf 685;
cibaria, koste
vel spise
s. Schiller - Lübben 4, 329
b;
bair. um die speis arbaiten,
um die kost, nicht um lohn. Schm. 2, 686 (
b); svie tins gut redelike hebben wel, die sal't selve arbeiden oder sine knechte, die he bekostege mit spise unde mit lone.
Sachsensp. lehnr. 60, § 2; denn ein erbeiter ist seiner speise werd.
Matth. 10, 10; der wilde lewe disem man sîne spîse gewan.
Iwein 3922.
dafür auch: armut und reichthum gib mir nicht, las mich aber mein bescheiden teil speise da hin nemen.
spr. Sal. 30, 8.
die beköstigung: über die speise klagen,
lamertarsi del trattamento. Kramer
dict. 2, 856
a. 1@ee)
daran schlieszen sich wendungen wie mnd.: drie dage solen sie dar bliven, manlik mit sines selves spise (
auf eigne beköstigung).
Sachsensp. 2, 71, § 4; alle die binnen deme gerichte geseten sin, die solen dar to helpen dre dage bi irs selves spise. 3, 68, § 2.
vgl. unten 4.
so auch jemandes speise essen
u. ä.: geruocht ir mîner spîse iht, sô rîtet in daʒ hûs mî
n. Stricker
pf. Amis 78.
dagegen: speysz in eines anderen kosten,
alienus cibus. Maaler 379
c. 1@ff) speise
bezeichnet im allgemeinen alles, was man iszt; das getränk wird darin entweder stillschweigends einbegriffen oder davon ausgeschlossen: speise,
cibus, viande, nourriture. in einem weiten verstande alles, was durch den mund eingenommen wird, zur nahrung und erhaltung des leibes, es sey fest oder flüszig. in einem engern verstande, wenn sie von dem trancke unterschieden wird, bedeutet es alles, was nicht flüszig, sondern einiger maszen fest ist. Jablonski 734
b.
daher die sehr gewöhnliche formelhafte verbindung speisz und tranck,
victus. Dasypodius; allerley speisz und tranck des menschen die man behalten thut,
penus. ebenda; speisz und tranck brauchen, wie die anderen, nit besunders haben,
civiliter coenare. Maaler 379
c; bAetten dasz man verguot habe an speysz und tranck oder an einem schlAechten male,
orare veniam dapibus. ebenda; victus ... alles was man darff zu täglicher unterhaltung und nothdurfft des leibes, speis und tranck. Corvinus
fons lat. 741
b; die speise und tranck,
il mangiar' e bere, il cibo e poto, gli alimenti, viveri, il vitto. v. lebensmittel. Kramer
dict. 2, 855
c; speise und trank
steht also ganz in demselben sinne, wie sonst speise
allein: speise, die,
cibus, edulium, esculenta, et potulenta, alias speis und trank. Stieler 2078;
disjunctiv: weder speise noch tranck genissen. Steinbach 2, 621.
mundartlich spis und trank. Hunziker 246
f.; spîse sunder drank, dat wêt ik den drummel dank. ten Doornkaat Koolman 3, 278
b.
belege: trinken unde spîseich in güetlîchen bôt.
Nib. 2096, 3; ouch mûʒen schif wol mite gân, die tragen spîs und tranc.
livländ. reimchron. 997; du herr könig solt die speise und den tranck selbs dar setzen.
Bel zu Babel 10 (
nachher: lies der könig dem Bel die speise fürsetzen. 13); so lasset nu niemand euch gewissen machen uber speise oder uber tranck.
Col. 2, 16; von speis und tranck. Hohberg 1, 164; nur ihm (
dem bergmann) schmeckt trank und speise recht erquicklich. Novalis 2, 89
Meiszner; die diener trugen speise und trank, polster und decken. Freytag 8, 117; ich sorge nicht, dasz uns speise und trank noch mangeln wird. 188; der hausherr ... war nicht nur spender von speise und trank. 17, 82; enthaltsam in speise und trank. 140; war er gekommen, bei der mahlzeit des königs speise und trank zu segnen. 330; müdigkeit läszt speis' und trank vergessen. Göthe 1, 243.
sprichwörtlich: wer sich mit speisz und tranck recht halt, mag wol in gesundheit werden alt. Petri Jii 8
a.
neben speise
werden bestimmte getränke genannt: speise solt jr umb geld von jnen keuffen das jr esset, und wasser solt jr umbs geld von jnen keuffen, das jr trincket.
5 Mos. 2, 6; si fuorten rîche spîse,dar zuo guoten wî
n. Nib. 369, 1; er lieʒ ôt vaste vüeren zuo ... die beste spîse den besten wî
n. Heinr. v. Freiberg
Tristan 537; do liesz Pontus einen schönen sal zuo richten ... und bestellet darzuo allerley speysz, wein und ander notturfft.
Pontus (1498) e 5
a; solchen verschaffte der könig was man jnen teglich geben solt von seiner speise, und von dem wein, den er selbs tranck.
Daniel 1, 5; wie die schrifft von der speisz, so
[] sagt sie auch an vielen enden und lobt den gebrauch des weins. Kirchhof
wendunm. 4, 115
Österley (6, 121,
überschr.: nach dem eszen ist auch vom trincken zu sagen); da wir uns oft aus lust mit speis' und wein erfüllt. Hofmannswaldau
bei Steinbach 2, 621.
vgl. ferner (
im bilde): milch hab ich euch zu trincken gegeben, und nicht speise, denn jr kundtet noch nicht (
essen).
Cor. 3, 2 (
vgl. unten 3,
f); sie gaben aber geld den steinmetzen und zimmerleuten, und speis und tranck und öle denen zu Zidon und zu Tyro.
Esra 3, 7; und setzte fürsten drein, und vorrat von speise, ole und wein.
2 chron. 11, 11.
dafür genauer: er würde zur labsal viel mehr tranck als essenspeise begeren.
anm. weish. lustg. 758. —
dagegen finden sich auch stellen, wo speise
auf getränk und flüssige nahrung geht oder solche einschlieszt: und er stund auff und ass und tranck, und gieng durch krafft derselben speise vierzig tage und vierzig nacht. 1
kön. 19, 8; du hast ziegenmilch gnug zur speise deins hauses, und zur narung deiner dirnen.
spr. Sal. 27, 27; der margraffe zuo seiner frawen sprach daz sy schafte von dem schiffe komen speyse von essen und trincken.
decamer. 94, 12
Keller (2, 6); ir spîse was von rocken und von brunnen.
Kudr. 1193, 4;
vgl. auch die zusammenstellung: der herr ... hat die frembdlingen lieb, das er jnen speis und kleider gebe.
5 Mos. 10, 18; der lôn ist alze ringe vür spîse und vür cleider.
Iwein 6401. 1@gg)
noch weitere einschränkung erleidet der begriff von speise
zuweilen in der ältern sprache, indem auch brod und getreide davon ausgenommen wird: alle speisz welche man zum brot isset,
obsonium. Dasypodius; allerley speysz on weyn und brott,
obsonium. Maaler 379
c; alle speise, so man mit brod isset, [
cibo]
companatico. Kramer
dict. 2, 855
c; und seinem vater sandte er da ... zehen eselin mit getreide, und brot und speise.
1 Mos. 45, 23.
vgl.: '
da in dieser engern bedeutung nur die nach den regeln der kochkunst zubereiteten nahrungsmittel (
s. k)
den nahmen der speisen
führen, so werden in diesem engern verstande auch brot, confect, obst, backwerk u. s. f. nicht mit zu den speisen
gerechnet, zumahl da die letztern gemeiniglich nicht sowohl zur nahrung, als zur kützelung des gaumens bestimmt sind.' Adelung (2, 2). 1@hh) speise
bezeichnet einerseits die lebensmittel in ihrem rohen zustande, wie sie die natur bietet: die sich deren speysen bengen lassend die von natur oder on arbeit der menschen hAerfür wachsend. Maaler 379
d; die speisen bringt die erde,
cibos terra fert. Steinbach 2, 621; was fur speise auff dem felde einer jglichen stad umbher wuchs.
1 Mos. 41, 48; man bringet auch fewr unten aus der erden, da doch oben speise auffwechst.
Hiob 28, 5; es ist viel speise in den furchen der armen.
spr. Sal. 13, 23,
auch Simrock
sprichw. 507. Wander 4, 682, 23; ir spîse erschôʒ in alsô wol daʒ ir vaʒ alle wege wâren vol, swie vil sî drûʒ genâmen. Hartman v. Aue
Greg. 3749; und also wächst des menschen speise, der acker selbst wird ihm zu brot.
hannov. gesangb. 562, 4.
so speise kaufen, sammeln
u. ähnl., vgl. b: speisz kauffen,
obsonare. Dasypodius; speysz eynkauffen,
opsonari. Maaler 379
c,
acheter des vivres. Hulsius 302
a; speisen einkauffen, einmarcken,
comprare viveri, provisione [
di bocca]. Kramer
dict. 2, 855
c; sie kauft speise und tranck ein,
obsonatur, quae esui et potui sunt. Steinbach 2, 621;
bair. manchə' bauə' muəs
d. speis selbə' káffə~, kà~ si' nét ə~ màl
d. speis dəʿbauə~. Schm. 2, 686 (
c); die speisen, die wir angeschafft, sind nun schon längst verdorben. Hölty 30
Halm; und du solt allerley speise zu dir nemen, die man isset, und solt sie bey dir samlen, das sie dir und jnen zur narung da seien.
1 Mos. 6, 21; und samle alle speise der guten jare, die komen werden, das sie getreide auffschütten in Pharao kornheuser zum vorrat in den stedten, und verwarens, auff das man speise verordnet finde dem lande in den sieben thewren jaren. 41, 35
f.; und da es verzeret war, was sie fur getreide aus Egypten gebracht hatten, sprach jr vater zu jnen, ziehet wider hin, und keufft uns ein wenig speise. 43, 2; speise soltu mir umbs geld verkeuffen, das ich esse.
5 Mos. 2, 28; du solt an deinem bruder nicht wuchern, weder mit geld noch mit speise. 23, 19; bringet aber die zehenden gantz in mein kornhaus, auff das in meinem hause speise sey.
[] Maleachi 3, 10; las das volck von dir, das sie hin in die merckte gehen, und jnen speise keuffen.
Matth. 14, 15. etwas ist (jemandes) speise: alles was sich reget und lebet, das sey ewre speise, wie das grüne kraut.
1 Mos. 9, 3; alle früchte sollen speise sein.
3 Mos. 25, 7; die da nesseln ausraufften umb die püssch, und wegholdern wurtzel war jre speise.
Hiob 30, 4; seine speise aber war hewschrecken und wild honig.
Matth. 3, 4; obst ist nicht weit, der ebnen reife speise. Göthe 41, 225 (
Faust II, 3).
weniger deutlich in ausdrücken wie etwas dient zur speise: ich hab euch gegeben allerley kraut ... zu ewr speise.
1 Mos. 1, 29; das wild jagen und fahen sie zu jhrer speisz.
der teutschen sprach ehren-krantz (1644) 159; (
im bilde:) die kanzeln sind also gerechtfertigt, einen baum der erkenntnisz zu verwünschen, dessen faule früchte und kahle blätter weder zur arzney, noch zur speise, noch zu schürzen dienen. Hamann 6, 17; und schigket uns nach unser wise, was uns noit zu der spise!
Alsf. passionssp. 1302. 1@ii)
ausdrücke für die zubereitung der speise,
ganz allgemein: do bereite man die spîse.
Nib. 1625, 4;
sprichwörtlich: ist schon viel speise zubereit, ohn brot ist doch ein bösz malzeit.
quelle bei Wander 4, 683, 29. wol bereyte speisz,
scitamentum. Dasypodius; die speise kochen, zurichten, bereiten, zubereiten,
cucinare, preparare, allestire le vivande, il cibo, il pasto. Kramer
dict. 2, 855
c; die speisen kochen,
cibaria coquere. Steinbach 2, 621; die spehn aber von solcher erbeit, braucht er speise zu kochen, das er sat werde.
weish. Sal. 13, 12; du hast vor mich vielleicht viel angemachte speisen? Hoffmannswaldau
bei Steinbach
a. a. o. mit bezug auf die besondere art, zuthaten u. s. w.: die speisen machen, schmältzen, würtzen,
condire, stagionare il cibo. Kramer
a. a. o.; im sommer soll man die speisse mit essig bereiten. Coler
hausb. 2, 329
a; brauch gewürtzte speisz und guten tranck.
alm. 23
b;
sprichwörtlich: man kan nicht alle speisz ausz einer büxen würtzen. Henisch 577, 22. Petri Nn 7
b.
bildlich: einem gift unter die speise mischen,
mescer veleno ad uno frà 'l cibo, intossicarglielo, mettergli un' archibugiata nella minestra. Kramer
dict. 2, 856
a. — aufgewärmte speise,
cibo riscaldato. 855
c; vor zweymahl gekocht oder wiederum auf gewärmter speise soll man sich hüten. Coler
hausb. 2, 329
a;
sprichwörtlich: aufgewärmte speise wird leicht zuwider. Simrock 9689; aufgewärmte speise, ärzte, die nicht weise, und die bösen weiber sind gesundheitsräuber. Wander 4, 682, 3.
zusammenfassend: keine erbeit solt jr drinnen thun, on was zur speise gehöret fur allerley seelen.
2 Mos. 12, 16. 1@kk)
von zubereiteter speise: im öbersten korbe allerley gebacken speise dem Pharao.
1 Mos. 40, 17; und das volck trug den rohen teig ... zu jrer speise.
2 Mos. 12, 34; der gesten einer redt jn an, sprechend: 'hauszknecht, bringt mee zuo essen'. der hauszknecht fordert mee speysz in der kuchy von der wirdtin, und bringt den gesten ein reiszmuosz mit gebachnen fischen umblegt.
rollwagenb. 24, 12
Kurz; die speisz reucht nach dem fewr. Petri R 3
b. Henisch 1087, 39.
so besonders warme speise,
zum unterschiede von kalter: warme speise, (warmes)
cibo caldo, it. servitio di cucina. kalte speise,
cibo freddo, it. servitio di credenza. Kramer
dict. 2, 855
c; man sol auch in diesem monat eitel warme und wärmende speise essen. Coler
hausb. alm. 103
a; daʒ er al bereite vant spîse warm, spîse kalt.
Parz. 238, 15;
schweiz. händ-ech a de warme spise, '
ironischer zuspruch, wenn einer im spiel in verlust kömmt'. Hunziker 246. —
auch speise auftragen
u. ä. setzt voraus, dasz die speise zum essen fertig ist: die speise (speisen) machen,
id est anrichten (ausschlagen),
minestrare le vivande. (
in diesem sinne machen
nicht mehr üblich). die speisen,
id est die portionen, schüsseln austheilen,
far' i piatti, le pitanze. die speise auftragen, aufdienen,
portare, servire le vivande in tavola, imbandire. die speisen vorschneiden, vorlegen,
trinciare, smembrare, servire le vivande a tavola; trinciar' il piatto. Kramer
dict. 2, 855
c; unnd alsbald ist der vorschneider (truchses) fertig, welcher die zusammengetragene, und auffgesetzte speisen kostet (credentzet) und umbtheilet
[] (vorleget). Comenius
sprachenth. 557; er war's, der die königlichen speisen auftragen muszte. Grimm
sagen nr. 449.
dazu ferner: die speise abtragen, abdienen,
disservire le vivande di tavola, sparecchiare. Kramer
a. a. o.; sie ... trug selbst die speisen auf und ab. Freytag 8, 112; die boten bat man sitzen,spîse man in truoc.
Nib. 699, 3. 1@ll)
genusz der speise
und was damit zusammenhängt. 1@l@aα) speise essen: alle speise die man isset, so solch wasser drein kompt, ist unrein.
3 Mos. 11, 34; wenn du gleich mich hie heltest, so esse ich doch deiner speise nicht.
richt. 13, 16.
vgl. das rätsel: speise gieng von dem fresser. 14, 14.
dafür auch: speysz nemmen,
capessere cibum. Maaler 379
c; sie ... brachen das brot hin und her in heusern, namen die speise, und lobeten gott.
apostelgesch. 2, 47; (
Paulus) fieng an zu essen. da wurden sie alle guts muts, und namen auch speise. 27, 36; Lykurgus ... hörte von diesem augenblick an auf speise zu nehmen, und die republick harrte seiner rückkehr vergebens. Schiller 6, 75; hoit er auch icht zu esszen? ich neme die spise sunder spott.
Alsf. passionssp. 7832; das nimme zu spise! 7836.
so auch: man sol die spise nemen als eine artzeige. Schönbach
pred. 1, 75, 15; die suppenspeise ... nimbt man mit löffeln, die anderen speisen die man essen kan, werden mit dem messer, oder mit dem gabelchen ... genommen. Comenius
sprachenth. 558; lasz mich herr in deinem namen frölich nehmen speisz und tranck! Rist
himl. lieder s. 11 (2, 6).
veraltet: speisz einnehmen,
manger. Hulsius 302
a.
jetzt gewöhnlich: speise zu sich nemmen, niessen,
edere, comedere, cibum capere, carpere, cibo uti, manducare, prandere, caenare. Henisch 944, 35; die speise zu sich nehmen, zu leibe nehmen, einnehmen,
pigliare, prendere il cibo. Kramer
dict. 2, 855
c; speise zu sich nehmen,
corpus cibo reficere. Stieler 2078; so viel speisz und tranck sol man zu sich nehmen, dasz dardurch die kräffte erquicket, nicht aber überschüttet und gedämpfft werden. Corvinus
fons lat. 147
b; des vergangen tages darvor keinerley speisz ir leyb enpfangen het.
decamer. 92, 22
Keller (2, 6).
auch speise genieszen,
in älterer sprache mit dem gen.: auff das ... die andern aber so ein kleine zeit mangel lidden, einer newen speise mit genossen.
weish. Sal. 16, 4.
veraltete ausdrucksweisen sind: wie einer speisz braucht, also lebt er auch.
Garg. 57
a; gebrauche dich der speise, als des lebens artzney. ... der erste misbrauch der speise, hat die erste sünde in die welt gebracht. Butschky
Pathmos s. 438.
andre wendungen: mit der speise sich den hunger vertreiben, mit der speise den leib stärcken. Steinbach 2, 621. 1@l@bβ) sich von speisz enthalten,
jejunare. Dasypodius; er ... enthielt sich mehre tage jeder speise. Freytag 17, 235;
in bezug auf bestimmte speisen: er (
Pythagoras) ist auch eins solchen zimlichen, vergnügten, gnawen lebens gewesen, das er sich von aller seelhafftigen thier speisz mässiget und enthielt. S. Franck
chron. 27
a.
ferner: einer der on speysz lAebt,
expers cibi. Maaler 379
d; an der speise abbrechen,
scemare il vitto, sminuire il pasto, zimlich lang ohne speise leben können. Kramer
dict. 2, 856
a. 1@l@gγ) einem die speise wol schmecken, wol bekommen, wol gedeyhen,
trovar buono, saporito il cibo, farglielo buon prò. Kramer 2, 855
c;
obsonium optimum labor, arbeit macht, dasz die speisz wol schmäckt. Dentzler 1, 512
a; alle spysen smaken dem hungergen. Tunnicius 340. — der natürliche geschmack kann die güte der speisen unterscheiden. Hamann 1, 158; der mund schmeckt die speise.
Hiob 12, 11. 34, 3;
vgl. das sprichwort: wie das maul, also die speisz. Egenolff 240
a,
mit der erklärung: es schmeckt alles nach seinem vasz. wie das vasz, also der wein, wie der mund, also die speisz. ... alle speisz ist nach unserm munde gerichtet, spricht Salomon. ist der mund fieberig und ungeschmack, so ist jhn wol das honig bitter, gesund schmeckt jhn auch ein wasser sup.
umgekehrt: wie die speise, so das maul. Simrock
sprichw. 9690.
genauer wird der geschmack im gaumen localisiert: diu wîsheit in des herzen grunde smecket rehte als in dem munde dem guom ein guotiu spîse tuot. Lampreht v. Regensburg
tohter v. Syon 2798. 1@l@dδ) lust zu
oder nach speise,
jetzt gewöhnlich appetit,
u. ähnl.: der speysz begirig,
cibi avidus. Maaler 379
c; auff das die, so
[] nach solcher speise lüstern waren, ... lerneten auch die natürlichen notdurfft abbrechen.
weish. Sal. 16, 3; aber bei dem wohlbestellten essen wird die lust der speise nicht erregt. Göthe 1, 243.
das gegentheil: unser seele ekelt uber dieser losen speise. 4
Mos. 21, 5; (
gott) richt jm sein leben so zu, das jm fur der speise ekelt, und seine seele, das sie nicht lust zu essen hat.
Hiob 33, 20; es ist gemeiniglich bey denen, die lust zu essen verlohren haben, ein solcher abscheuhe der speisz ... dasz man die weder riechen noch sehen mag. Wirsung
artzneyb. (1597) 365 A; der mage ... wenn er leer ist, so hungert und durstet jhn, ... wenn er roh, undawig ist (
crudus), so hat er ein eckel an der speise. Comenius
sprachenth. 292; verleidet sei dir alle speise. Freytag 17, 194,
anm.; ihn ekelt vor den speisen. Uz
s. 250,
var. Sauer (
kunst stets fröhlich zu seyn 3, 72 o). 1@l@eε) die speise kosten,
cibum gustare. Steinbach 2, 621; die speysz voranhin versuochen,
praegustare cibos. die speysz zum mund fren,
cibum manu ad os afferre. Maaler 379
d; die speysz klein zerküwen oder vertöuwen,
conficere cibos. 379
c;
dentibus manditur et mollitur cibus, die speise mit den zähnen zerbissen und weich gemacht. Corvinus
fons lat. 385
a; die speise, mit den fordersten breiten zähnen zerschnitten (zerbissen) und mit den backen-zähnen (kusen) gekäwet, ... wird sie durch den schlund ... zum magen hinunter gelassen. Comenius
sprachenth. 267; speise kauen,
im bilde: darzu offtere ja fast stätige betrachtung des evangelii und dessen schätze gehöret. es ist nicht gnug, dann und wann einen flüchtigen gedancken drauszuschlagen, sondern man musz die speise so zu reden lang kauen, damit man ihr einen rechten geschmack abgewinne. Spener
erkl. der ersten ep. Joh. (1699) 453. — die speisen hinunterschlucken, verschlucken, hastig
oder gierig (hinunter-, ver)schlingen. 1@l@zζ) die speise bleibt im halse hangen,
cibus faucibus inhaeret. Steinbach 2, 621.
gewöhnlich kommt sie in den magen oder bauch; daher: die speise dem bauche, und der bauch der speise.
1 Cor. 6, 13;
danach: die speisz dem bauch, und der bauch der speisz, aber der leib dem herrn, und der herr dem leib. Petri R 3
b. Henisch 208, 64; den leib, den magen mit speise überfüllen, beschweren. Kramer
dict. 2, 856
a; mit speysz überladen, der zuo vil geessen hat,
onustus cibo. Maaler 379
d. — da (
im magen) die erste däwung geschihet, eine verwandlung der gegessenen speise, dasz sie einen dicken erbsensafft gleich ist. Comenius
sprachenth. 267; seine speise inwendig im leibe wird sich verwandeln in ottergallen.
Hiob 20, 14. die speysz vertöuwen,
peragere cibum, cibum digerere, concoquere. Maaler 379
c; speisz verdäwen,
digerer la viande. Hulsius 302
a; es ist fleisz zu haben, das alles wol gekochet, gesotten und gebraten werde, dann sonst kan der magen die speisen nit ... verdäwen. Wirsung
artzneyb. 347 C; speisen so der natur angenem, werden desto begierlicher vom magen empfangen und verdäwet. D;
chylus, erst verdäute speise im magen. Corvinus
fons lat. 147
a; nach verdäuung der speisen im magen, damit die nahrung zur leber ... geführet werde, haben etliche gar kein getränck vonnöthen. Hohberg 3, 1, 114
a. 1@l@hη) speisz wider herausz geben, kotzen,
vomere, regerere. Dasypodius; die speise brechen, wieder geben, die speise nicht behalten können. Kramer
dict. 2, 855
c.
vgl.: (
quittensyrup) kräfftiget den magen, und macht die eyngenommen speisz behalten. Wirsung
artzneyb. 384 D; (
quittenöl) stillet das undäwen, also den schweisz, enthelt die speisz, dasz sie nicht unverdäwet durchlaufft. 359 B. 1@l@thθ)
von den rückständen: es (
was der mensch iszt) gehet nicht in sein hertze, sondern in den bauch, und gehet aus durch den natürlichen gang, der alle speise ausfeget.
Marc. 7, 19. —
als technischer ausdruck: in einem uneigenen und medicinischen verstande, der unverdaute unrath, so von dem menschen gehet, wenn der magen und übrigen dauungs-gefässe nicht recht beschaffen sind. Jablonski 734
b. (
vgl. speiseruhr.) 1@l@iι)
wirkung der speise: einem die speise übel bekommen. Kramer
dict. 2, 855
c; die speise macht grosze blähungen,
cibus magnam habet inflationem. Steinbach 2, 621. — die speise schlägt gut an
bei einem, der davon stark wird und einen wohlgenährten eindruck macht; die speise will bei ihm gar nicht anschlagen,
er bleibt mager und schwächlich; der die speis nicht wol anlegt,
atrophus. Dentzler 2, 268
b;
[] wir wahsen ûʒ gelîchem dinge: spîse frumet uns, diu wirt ringe, sô si dur den munt gevert. Walther v.
d. Vogelweide 22, 10.
andrerseits: viel speis und trank macht matt und krank Wander 4, 684, 51. 1@l@kκ)
mit übergang in die bedeutung des essens oder der mahlzeit. thier und vögel die sind so weis, sie ruhn ein stündlein auf ihr' speis. Simrock
sprichw. 9688. 1@mm) speise
wird in der regel zusammenfassend im collectiven sing. gebraucht. so in den meisten voranstehenden beispielen. ferner 1@m@aα)
mit adjectiven, in bezug auf den einzelnen fall: ein kostbare gasterey (bancket) hat niedliche speise und leckers wildpret (
lautas habet epulas et matteas). Comenius
sprachenth. 565; vil der edeln spîsesi von ir müede schiet, und wîn der aller beste.
Nib. 38, 2; jâ soldet ir der gestevil güetlîchen phlegen, und soldet den hêrrenguote spîse tragen. 1886, 3; man gap uns spîse, diu was guot.
Iwein 367.
mit tautologischem zusatz: item so straffet ich Hansen
N. als er ... eszige speis so zuvor beim schlosz angeboten soll haben ... doch andern verkauft 1 fl.
urk. bei Birlinger 407
d.
von der lebensweise oder diät im allgemeinen: (
er) pflac sô swacher spîse, daʒ der fürste wîse wart an sinnen gar ein kint.
Mai 197, 11; uberfülle dich nicht mit allerley niedlicher speise.
Syrach 37, 32; ymmerwärende speysz,
perpetuus cibus. Maaler 379
c; der mensch kan nicht allezeit einerley speise essen. Kramer
dict. 2, 855
c; und es ist auch einmal gewisz, dasz diejenigen, so einerley speisz zu einem mal sonderlich brauchen, viel gesundter darbey seyn und bleiben, denn die Apicii, die mit mancherley sorten der eszen sich überfüllen. Kirchhof
wendunm. 4, 114
Österley (6, 120);
sprichwörtlich: einerlei speise jeglichen tag selbst nicht des königs beichtvater mag. Wander 4, 682, 20. es mögen auch diese(n) menschen, so viel ubung haben, grobe speise viel basz, dann die so müssig gehen geringe verdäwen. Wirsung
artzneyb. 347 C; gesunde speise,
cibus medicus, salubris. Henisch 1582, 52;
in scherzhafter umdeutung: gott behüet vor gesunder speise, und starckem getränck, gesunde speise kompt von der apotecken, für kranckheit, starck getränck ist wasser, das kan mühlen umbtreiben. 55
ff.; übel speise und trank machen das jar lang. Eiselein 572. Simrock 9684.
vgl. auch: in dem reich zuo Senega ist ein volck, Azenagi genant, vast braune leüt, leben von gersten, datteln, hirsch, und camels milch, seind leüt gar weniger speisz. S. Franck
weltb. 213
a.
mit bezug auf die lebenshaltung der verschiedenen stände, die besonders im mittelalter starke verschiedenheiten in der ernährung mit sich brachte: gemeine geringe speisz die gesundeste. Petri Ff 2
a. Henisch 1582, 63. Wander 4, 683, 25;
vgl.: [Metz.] ich acht kainer kostlichen guotten speisz. ich ysse als lieb kraut, ruben, und linsen als guot fisch. [priester.] dz ist grob und peürisch. ich ysse lieber ayer dann ponen. Albrecht v. Eybe
comed. (1518) N 4
a; sie isset geringe speis mit den schiffleüten.
eheb. (1472) 10
b; Plinius und Macrobius zeygend an das dem menschen schlechte gmeyne speisz am nutzlichsten und gesundesten, unnd alle beiessen, einduncke, salsamenten, kurtze brlin, und dergleichen einmachung und verbesserung der speisz schedlich und unnutz sei. Ryff
spiegel der gesundh. (1544) 68
b; biderber liute spîsewær uns in drîen jâren niht gebrosten.
Kudr. 435, 4.
vgl.: diebische speisz, diebisch geblüt und gemüth. Petri Q 2
a. Henisch 690, 45. 1@m@bβ)
verbale fügungen sind besonders unter h, i, l aufgeführt. weiteres: das sie speise fodderten fur jre seelen.
ps. 78, 18; las sie hin und her lauffen umb speise. 59, 16; speisz suchen,
in der '
feld-sprach' nahrung thun.
Philand. 2, 650; wir willen ... alle kost hee laessen ind gan in pilgeryms wyse ind in den straessen bidden spyse.
Karl Meinet 139, 21. speise geben: aber du solt auch ... speise geben meinem gesinde.
1 kön. 5, 9; und (
gott) gibt doch speise die fülle.
Hiob 36, 31; es wartet alles auff dich, das du jnen speise gebest zu seiner zeit.
ps. 104, 27; speisz herfür geben,
promere cibum. speisz fürwerffen,
obsipare escam. Dasypodius
[] einem speise reichen,
cibaria alicui praebere. Steinbach 2, 621, sie assen engelbrot, er sandte jnen speise die fülle.
ps. 78, 25; die Jüden ... sollen der Römer feinden nicht speis, waffen, geld, schiff und ander ding zuschicken. 1
Macc. 8, 26; das er durch die wüste zu jnen zihen solt ... und solt jnen speise zufüren lassen. 13, 21; zû hant die spîse geteilet wart.
livländ. reimchron. 5365;
sprichwörtlich: gehe nicht zu armer bursch zu gast, so du dein speisz nicht bey dir hast. Henisch 1436, 23. Simrock 3050. die speysz meeren, mer zeessen gAeben,
adjicere cibo. Maaler 379
c; den krancken von der speysz enthalten,
cibo abstinere aegrum. ebenda; speisz entziehen,
faire faire diete. Hulsius 302
a; einem die speise entziehen,
subducere, subtrahere victum alicui, detrahere de victu. Stieler 2078. 1@m@gγ)
so ferner: mancherley und ein überflusz von speysz,
varietas cibi et copia. mangel an speysz,
penuria victus. Maaler 379
d. milch, käsz und fleisz ist mein speysz,
lacte, caseo, carne vescor. ebenda. 1@nn)
daneben wird jedoch auch speise
ganz gewöhnlich von den einzelnen eszwaren und nahrungsmitteln gebraucht; zunächst von den einzelnen arten und gattungen: allerley speisz,
epulae. dünne speisz,
puls, et pulmentum. Dasypodius; speisz mit fleysch gefüllet,
tuceta. suppige speisz,
ius, iusculum. ebenda; liebliche unnd döuwige speysz,
suavissimus et facillimus ad concoquendum cibus. maszleidige speysz die man hasset,
cibus invisus. Maaler 379
b; milte speisz, nit zesaur noch zesüsz,
lentus cibus. nachgültige speysz,
vilis cibus. schlächte speysz. starcke speysz, die wol fuoret,
robustus cibus. untöuwige (
unverdauliche) speysz,
operosus cibus. 379
c; eine neue speise. seltsame, rare speise. weiche speise, leichte speise. läre speise,
cibo vuoto. gall. viande creuse. starcke speise,
cibo forte, sostantioso di sostanza, cibo da robusti. ungesunde, raue, übeldauende speise. Kramer
dict. 2, 856
a; wolschmeckende speise,
victus lautus, opiparus, suavis. Stieler 2078; weiche speisen,
escae molliculae. leichte speisen.
ebenda; eine leicht verdauliche speise. blähende speise,
inflationem habens cibus. Frisch 2, 296
b; das brot ist die gesündeste speise. erbsen sind eine blähende speise. Adelung (2, 1); die speisen, nach denen arten, davon sie genommen sind, lassen sich in folgende vier classen abtheilen, denn sie sind entweder erden-gewächse, oder von vierfüszigen thieren, oder von vögeln, oder sie bestehen in fischen. ... einige davon sind gut, safftig und wohlnährend, ... andere sind bössafftig, und wenig nahrung gebend ... noch andere sind verdaulich, ... unverdaulich hergegen ist das grobe ochsen- und hammel-fleisch, alle geräucherte und gedörrete speisen.
öcon. lex.2 2759
f. belege: ich ass keine niedliche speise, fleisch und wein kam in meinen mund nicht.
Dan. 10, 3; der bauch nimpt allerley speise zu sich, doch ist eine speise besser denn die ander.
Syrach 36, 20; die ander regel ist vom wesen unnd eigenschafft der speisen, dasz die nicht in jrer natur hitzig oder kalt seyend. Wirsung
artzneyb. 347 C; ringdäwige speisen seynd wol gesottne gersten, wol gebachen brot, kleine fisch, rephüner.
ebenda; schleimerige speisen hencken sich lang an, kommen desto langsamer vom magen inn das gedärm. D; endtenfleisch, und andere grobe harte speise, als hirse, reisz. Coler
hausb. (1680) 2, 156
b; zwibel seynd harter däuung, aber sie bessern viel speisen, dasz sie leichter zu däuen seyn. 182
a; iedoch wüste er nicht, ob nicht etwan ein artzt oder ein nachfolger des Pythagoras gegenwärtig wäre, indem die ersten das gehirne für eine ungesunde, die letzten für eine unreine speise hielten. Lohenstein
Armin. 1, 694
a; das rathet der böse feind auch einer unmässigen fresz-wampen, sie sollen die frembde beherbergen, nicht gemeine speisen, wie vor diesem, [son]der frembde, gethulrischen spärgel, syracusische cronnabet-vögel, athische feigen
u. s. w. Abraham
etwas für alle 1, 483; viel essen, und von mancherley speisen, macht träg, traurig, verdrossen und ungesund. Hohberg 1, 164
a; jede speise hat etwas von den vier complexionen in sich.
ebenda; wie jede speise ihr eigenthümliches gefäsz hat, so sind solche alte geschichten immer am schönsten, wenn sie der vater erzählt. Brentano 5, 225.
sprichwörtlich: wenig und gesunde speisz die besten. Petri Aaa 5
b. Henisch 1582, 54; mancher ist der sawrn speisz gewohnt und gilt jhm gleich, ob mans süsz oder sawer anricht. Wander 4, 683, 15; nicht jede speise verträgt jeden wein und nicht jeder wein schmeckt auf jede speise. 37 (
aus [] Gutzkow).
im einzelnen: speis von geisz- und säublut,
sanguiculus. Dentzler 2, 268
b; honnich is eyn so söthen spyse, de ik vor alle gherychte pryse.
Reinke de vos 567.
so steht der plural oft ganz in derselben weise, wie sonst der sing.: speysen die einen lustig zeessen machend,
acuti cibi. herrliche und kostliche speysen,
dapes. lieblich speysen, da man vil und reychlichen darstelt unnd fürtregt,
benignae dapes. schädliche speysen die ein menschen als bald er sy gessen hat fast wee thuond unnd peynigend,
epulae carnifices. unangenäme oder unlustige speysen, ab denen man ein grausen und abscheühen hat,
tetri cibi. die sich deren speysen benügen lassend die von natur oder on arbeit der menschen härfür wachsend. Maaler 379
d; damit wir unsern, durch den prass, oder allzuvil niedliche speisen, erregten schlund vergnü
gen. Butschky
Pathmos s. 350; darzo sint si (
die Kölner) eindreichtich enbinnen ... unde haint van spisen al ir gevoich. Hagen
boich van Colne 799 (
vgl. oben b);
im wechsel mit dem sing., s. m, α: die fiengen nach dem nachtmal an zu reden gar mancherley weisz von natürlich gesunder speisz, die dem menschen recht wol bekömb, der sie fein messig zu jm nömb. der speisz wurden gar vil erzelt ... von gsunden speisen thun wir sagen ... in der geschrifft wir kürtzlich han neunerley ungesunder speisz ... ich bat jn die neun speisz zu nennen
u. s. w. H. Sachs 4, 3, 94
c. unterscheid unter den speisen machen,
far differenza, deletto, scelta frà i cibi. gewisse speisen zulassen, gewisse verbieten. Kramer
dict. 2, 856
a.
so unterscheiden manche religionen, z. b. die israelitische, reine
und unreine speisen: der unterscheid der speisen in reine und unreine, unter dem Levitischen gesetz, ist bekannt, welchen die völcker, so sich zu der Mahometischen lehre bekennen, zum theil auch andere daher entlehnet, und bis auf den heutigen tag behalten. Jablonski 734
b.
daher auch verbotne speisen,
jedoch auch in ärztlicher beziehung: begird verbottne speysen zeessen,
fames vetitorum ciborum. Maaler 379
d; die neun verbotten speisz. H. Sachs 4, 3, 94
c (
überschrift, vgl. oben); des vasteldages vaken gegetten hefstu klene geacht, dârto vorboden spise.
des dodes danz 963
Bäthcke. sprichwörtlich: verbotten speisz ist die beste und süssest. Lehmann
bei Wander 4, 683, 50. 1@oo)
so auch: das ist stets meine liebste speise,
isthoc me assiduo victu delecto. Steinbach 2, 621;
dafür zuweilen auch speise
allein in einer gewissen prägnanten verwendung: das ist meine speise,
hoc alimentum mihi est aptum. Stieler 2078; wunder hat mich, dasz das thier so geitzig drein frasse. aber die natur hats jhm gesagt, dasz es eselsfeigen, und also seiner speisz seye. Agyrtas
Witzenbürger (1670) 1, 266; was einer gern iszt, das ist seine speise. Simrock
sprichw. 9690 a.
daher übertragen: das ist meine speise,
questo è mio cibo, met. io amo questo. das ist meine speise nicht, ...
met. mi è contrario, non l'amo, contrario al mio genio. Kramer
dict. 2, 856
a. (
ähnlich jetzt: das ist ein gefunden fressen für mich,
s.fressen,
n., 1,
theil 4, 1, 137.) 1@pp)
dann auch von dem einzelnen stück, gericht, portion u. s. w.: kalte und übernächtige speysz,
frigidi et repositi cibi. Maaler 379
b; den tisch mit speisen besetzen,
imbandire la tavola di messi. Kramer
dict. 2, 856
b; frische speisen,
messi freschi ò cucinati di fresco. ebenda; mürbgekochte speisen,
coena ebria, i. e. madida, et bene cocta. Stieler 2078; angeschnittene speisen,
ambesa, semesa. garstige, stinkende speisen,
immunda, corrupta, rancida. ebenda; die Römer enthielten sich ... aller vom tische gefallenen speisen. Lohenstein
Armin. 1, 694
a; undankbarer weise schmeckten mir die speisen überall besser, als bei meiner mutter. jede hausfrau verleiht, auch wenn die rezepte ganz die gleichen sind, doch ihren speisen durch die zubereitung einen besondern geschmack, welcher ihrem charakter entspricht. ... die speisen meiner mutter hingegen ermangelten, so zu sagen, aller und jeder besonderheit. Keller 1, 41
f. sprichwörtliches: die speisz ist gut, wenn sie wol schmeckt. Petri R 3
b; wer einmal die speisz verschüt, der kans nicht alles rein wider aufflesen. Fff 3
b. Henisch 846, 7. Wander 4, 684, 54; dem seine speise stürzt, kann sie nicht
[] all aufraffen. Simrock 9687. (
lat. schon in der glosse zu Egrerts
fecunda ratis v. 77.)
hierher wol auch: speisz die hat ein kittel (
überzug von schimmel?) an, ein artzt der ist ein ungelert man, ein bärtig weib steht auch wol dran, die müssen eygen kirchoff han. S. Franck
sprichw. 1, 76
a;
ähnlich Zincgref
apophthegm. 4, 363,
vgl. Wander 4, 683, 43. —
in der ältern sprache auch z. b. von früchten: wô he (
Adam) umme eine cleine spîse wart gewîset ût deme paradîse.
van d. holte des hill. cruzes 13.
von rohem fleische: ab eyner eyn krang todisch rind lisz slan unde vorkouffte is den leuthen ... wy man dyselbige falsche spisze richten sal. Wasserschleben
rechtsqu. 1, 417.
jetzt kaum anders als von zubereiteten, gekochten speisen oder gerichten: wilt du ein kluge spise machen, slahe einen dünnen teic von eyern und von schœnem melwe.
buch v. guter speise 43; eine kluge spise von pflumen. 9; diz ist ein gut spise von eime lahs. 19; wilt du machen ein spise von hüenern. 28; da nu der könig kam jn zu besehen, sprach Amnon zum könige, lieber, las meine schwester Thamar komen das sie fur mir ein gemüse oder zwey mache, und ich von jrer hand esse. da sandte David nach Thamar ins haus, und lies jr sagen, gehe hin ins haus deines bruders Amnon, und mache jm ein speise.
2 Sam. 13, 7
f. (
buch der liebe 294
d); wie Esau, der umb einer speise willen seine erstegeburt verkauffte.
Ebr. 12, 16.
so von den einzelnen trachten und gängen einer mahlzeit: fürgesetzte speisz, tracht,
ferculum. Dasypodius; die erste speisz,
prima mensis. ebenda; speysz die man erst zuo letzt isset,
cibus summus. Maaler 379
c; gericht, essen, speisz, tafelgericht, tracht eines essens,
missus, ferculum. Henisch 1514, 11; speise, speisen,
plur. vivanda, messo, servitio, pasto, it. piatto. v. gericht, tracht. wir haben alle tag 6. speisen. Kramer
dict. 2, 856
b; speise, so fern sie aufgetragen wird,
ferculum, eine richte, eine tracht. so viel als auf einmahl speisen aufgetragen werden,
missus. Frisch 2, 296
b;
vgl. Adelung (2, 2).
dazu: man hat die beste speisz zum letzten gericht behalten. Lehmann
bei Wander 4, 683, 33; tisch mit vilen und guten köstlichen speisen oder trachten ubersetzt. Henisch 978, 39; und als die speisen des ersten ganges verzehrt waren, standen wir alle auf. Freytag 17, 167; speisen des nachtmals. Hohberg 1, 164
b. —
ähnlich wie hier steht auch speisen
von dem, was zu einer mahlzeit oder zum essen überhaupt gehört, in ganz derselben weise wie sonst der sing. speise (
vgl. k): die speisen kamen auf den wink der unholdin von selber. Hölty 26
Halm; schnell dann folgte Susanna, des tisches gedeck zu vollenden, ordnete wohl, und stellte die lieblichen speisen und gläser. Voss 1, 174 (
Luise 3, 500); ihnen hatt' in der eile mama den braten vom mittag aufgewärmt in der pfann', ... auch die übrigen speisen bewilliget, welche Susanna trüge vom bräutlichen tisch. 178 (533). 1@qq)
häufig ist die verbindung süsze speise: darumb soll man sich umb diese zeit der süssen speisen und condimentis, und desz starcken weins gäntzlich äussern. Coler
calend. 74
b; zubereitung der flammeri und kalten süszen speisen. Scheibler
kochb. 392.
der ausdruck bezeichnet süsze mehl- und eierspeisen, puddings u. ähnl., die in der regel als nachtisch gegessen werden. s. auch mehlspeise,
theil 6, 1869.
im süddeutschen gebraucht man auch speise
allein in diesem sinne, dazu dann zusammensetzungen wie äpfel-, kirsch-, pflaumenspeise
u. a. (
in Handschuhsheim ist meelspais
ziemlich häufig, während das einfache wort für essen nicht gesagt wird. Lenz 66
b.)
auch in Berlin speise,
mehlspeise. der richtige Berliner3 77
a. 1@rr)
sonst hat speise
sich nur in einzelnen mundarten anders specialisiert. 1@r@aα)
in der Schweiz für käse und brot. Stalder 2, 381. 1@r@bβ)
in Osnabrück für das eingeweide von thieren, mit kopf und füszen. auch kalver-, ossen - spyse. Strodtmann 225. Adelung (2, 3). 1@ss)
so auch bei Pritzel-Jessen
als pflanzenname: 1@s@aα)
an der Unterweser für spargel, asparagus officinalis. 1@s@bβ)
in der Eifel für die runkelrübe, beta vulgaris. 1@s@gγ)
ebenda für blumenkohl, brassica oleracea botrytis. 22)
darin schlieszen sich einige gebrauchsweisen, die eine verschiebung der beziehung enthalten. 2@aa)
in St. Galler weisthümern findet sich spîse
für die ganze haushaltung: item yeklicher husman und mit namen yegklich
[] sundrig spis, es sig frow oder man, ... sol jerlich ainem vogt ain vassnachthun geben. Grimm
weisth. 1, 198 (
Appenzell, 1379?); alle die sodann zuo Rickenbach und in denselbigen grichtsmarchen daselbs sitzend unnd wonhaft sindt, iecliche sonderige spis, es syen frowen oder mann, söllend jerlich ainem herren von sant Gallen ... ainen tagwen thuon. 209 (
Rickenbach, 1495). 2@bb)
in den heutigen oberd. mundarten ist speise
üblich im sinne von speisekammer,
vorratskammer für lebensmittel, s. Schmid 500. Klein 2, 161 (
Baiern). Schm. 2, 686 (
e). Schöpf 685. Lexer 236. Hügel 151
b. Campe (1, 3).
in Burgau dafür speisle Birlinger 407
b,
in Graubünden spense, f. aus ital. dispensa (
das wol auch sonst die bedeutung beeinfluszt hat). Stalder 2, 381. 33) speise
gilt zunächst von der leiblichen nahrung des menschen; so vom futter
der thiere geschieden: wente he was der herevart mode worden, dar umme dat he nein voder noch spise nicht vele mer enhadde. de rad van Magdeborch lende dem markgreven to der sulven reise oren hovetman Frederike Brant mit 36 perden unde mit dren wagen mit spise und haveren.
d. städtechron. 7, 412, 12. 14.
doch hat sich der gebrauch bald weiter ausgedehnt. 3@aa)
häufig von der nahrung der thiere, besonders im ältern nhd.: speysz der menschen und der thieren,
esca. Maaler 379
c; etzung, speisz,
pastus, quo pascuntur animantia. Henisch 965, 32; der gott, der allem vieh seine speise gibt. Kramer
dict. 2, 855
c; frösche sind der störche speise,
ranae ciconiarum alimenta sunt. Frisch 2, 296
b; wie ein adeler fleugt zur speise.
Hiob 9, 26; das wild in der wüsten gehet er aus wie sie pflegen, früe zum raub, das sie speise bereiten fur die jungen. 24, 5; wer bereit dem raben die speise, wenn seine jungen ... nicht zu essen haben? 38, 41; die jungen lewen, die da brüllen nach dem raub, und jre speise suchen von gott.
ps. 104, 21; weil jr meine schafe lasset zum raub, und meine herd allen wilden thieren zur speise werden.
Hesek. 34, 8; die eimmeisen (
ameisen) ein schwach volck, dennoch schaffen sie im sommer jre speise.
spr. Sal. 30, 25; die hunde die czwey iungen rechlein funden hetten die nun etwas grosse waren, die ir speise in dem walde suchten.
decamer. 93, 22
Keller (2, 6); andere vermeinend dasz der jung guggauch alle speysz ... frässe, und die übrigen (
jungen vögel) also hungers sterben mssind. Gesner
vogelb. v. Heüszlin (1582) 69
b; (
die gans) sprach zum reyher: 'ich wol weisz, der haber ist nit deiner speisz'. B. Waldis
Esop 4, 54, 8; wie dann der hüner gwonheit ist, und pflegen stets auff solche weisz im mist zusuchen jhre speisz. E. Alberus
fabeln 1, 6; ein jedes tier der trift hat seine nahrungweise; was für das eine gift, ist für das andre speise. Rückert 4, 225
Böhme. jetzt besonders von leichen, den würmern
oder, wenn unbeerdigt, vögeln zur speise dienen
u. ähnl., ausgehend von biblischen redeweisen: dein leichnam wird ein speise sein allem gevögel des himels, und allem thier auff erden.
5 Mos. 28, 26; und die leichnam dieses volcks, sollen den vogeln des himels, und den thieren auff erden zur speise werden, davon sie niemand scheuchen wird.
Jerem. 7, 33,
s. ferner 16, 4. 34, 20; dessen fleisch will ich in stücken reissen, und hungrigen geyern zur speise geben, der ihm nur die haut rizt! Schiller 2, 172 (
räuber 4, 5
schausp.); dieser leib ... ist schon ein moderndes scheusal, eine speise der würmer. Wieland
suppl. 3, 158 (
sympath. 5); da unten in der finstern erdn müsst jhr der würme speise werdn. Hollonius
somnium vit. hum. s. 27
neudr. (2, 2,
v. 443).
vereinzelt begegnet speise
für lockspeise, köder: ohn speisz ist bösz fische fahen. Petri Qq 7
b. Henisch 464, 48.
ferner: stücke speisz damit man die vögel mestet,
turunda. Dasypodius. 3@bb)
ähnlich in biblischer sprache auch speise des feuers,
was vom feuer verzehrt wird: der priester sols anzünden auff dem altar, zur speise des fewrs dem herrn.
3 Mos. 3, 11,
vgl. 16;
daher auch: denn im zorn des herrn Zebaoth ist das land verfinstert, das das volck ist wie speise des fewrs.
Jes. 9, 19; du must dem fewr zur speise werden, und dein blut mus im land vergossen werden.
Hesek. 21, 32. —
sonst selten: die wagen .., die klumpen pech, und fackeln und geballten schwefel, werch und harz, und alle speise des vulkans herbeygeführt. E. v. Kleist
3 2, 54.
[] 3@cc)
von überirdischen wesen: und der engel sprach ... es schein wol, als esse und trüncke ich mit euch, aber ich brauch unsichtbar speise, die kein mensch sehen kan.
Tob. 12, 19. —
auch toten wird speise
hingestellt: es ist eben als ein gut gericht fur einem maul, das nicht essen kan, und wie die speise, so man bey eins todten grab setzt.
Syr. 30, 18. 3@dd) speise
in freierem sinne; wovon ein wesen lebt: der luft ist ein speis des menschen, der himmel die ander, die erden die dritte, das wasser die vierte. Paracelsus (1589) 1, 194; swaʒ inder lebe enzwischen himel und erden, der aller leben ist dir (
gott) bekant, dien allen birstu spîse, der aller leben stât unverwant in dîner gotelîchen hant. Gottfrieds
lobges. 71, 10 (
zeitschr. f. d. alterth. 4, 539). 3@ee)
gern wird speise
auf das sacrament des abendmahls angewandt, wo leibliches essen zugleich geistige nahrung einschlieszt; vielleicht im anschlusse an Joh. 6, 55: denn mein fleisch ist die rechte speise, und mein blut ist der rechte tranck.
so schon mhd.: daʒ ich enpfâhen müeʒe die gotes spîse süeʒe, sînen wâren lîchnam. Heinr. v.
d. Türlin
krone 19570; swer nach die spise fronean lutter ruwe enpfahet, der wirt von gotes thronegeworfen und mit Judas gar versmahet.
jüng. Tit. 6171.
vgl.: daʒ in (
Christus) beginnet schieben der priester mangem in den munt; er senket sich biʒ an den grunt der sêle zeiner spîse. Konr. v. Würzburg
gold. schmiede 1501,
vgl. 553; du solt gleuben und nicht wancken, das ein speise sey der krancken. Luther 8, 363
b; o wundersahme speise, o süsser lebens trank! Rist
neue himl. lieder (1651)
s. 78; bei dir hab ich gegessen die speise der unsterbligkeit. 79.
so jetzt in der volkssprache katholischer gegenden. sonst himmelsspeise, seelenspeise (
sp. 31)
oder ähnl.: so ... kniet er hin, die hostie zu empfangen; und dasz ja das geheimnisz dieses hohen actes noch gesteigert werde, sieht er den kelch nur in der ferne, es ist kein gemeines essen und trinken, was befriedigt, es ist eine himmelsspeise, die nach himmlischem tranke durstig macht. Göthe 25, 120; des sakramentes heil'ge himmelspeise verschmäh' ich aus den händen falscher priester. Schiller
M. Stuart 5, 7. 3@ff)
so auch häufig auf geistiges angewendet: geistliche speise, seelen-speise,
cibo spirituale dell' anima. Kramer
dict. 2, 856
a.
meist in geistlicher sprechweise. so von gott, Christus, vgl. d. e. in ausgeführtem bilde, siehe z. b. Heinrich v. Krolewiz
vater unser 2969—3140.
so auch: und (
unsre väter) haben alle einerley geistliche speise gessen, und haben alle einerley geistlichen tranck getruncken, sie truncken aber von dem geistlichen fels, der mit folget, welcher war Christus.
1 Cor. 10, 3
f. im ewigen leben: gott selbst wird sein mein speis und trank.
hannov. gesangb. 295, 8.
ferner vom worte gottes u. ähnl.: dirre lembern herren spise gotes wortes gib libliches zite lebens (
hic agnis domini pabula verbi dona corporeae tempore vitae). Kehrein
hymnen aus dem 12.
jahrh. 100, 3;
vgl.: da bedarff ich des trosts, das ich fest halte am wort und mir die speisse nütz mache. Luther 24, 564, 9
Weim. ausg.; das evangelium ist nit ydermans speis. 15, 454, 18 (
vgl. 1,
o); und die jr soltet lengest meister sein, bedürffet jr widerumb das man euch die erste buchstaben der göttlichen wort lere, und das man euch milch gebe, und nicht starcke speise. ... den volkomen aber gehört starcke speise, die durch gewonheit haben geübete sinnen, zum unterscheid des guten und des bösen.
Ebr. 5, 12. 14; dein wortt mein speisz lasz alweg seinn, damitt mein sell zuo neren. Agricola
bei Wackernagel
kirchenl. 3,
nr. 79, 3.
ferner: Jhesus spricht zu jnen, meine speise ist die, das ich thu den willen des der mich gesand hat, und volende sein werck.
Joh. 4, 34; ich hon sin spise, der ist mer mit vorgesszen. mines vatter wiln wel ich volnbrengen.
Alsf. passionssp. 1387;
[] speysz des geistes sind werck der gerechtikeit. Keisersberg
seelenpar. 186
a.
unbestimmter: wircket speise, nicht die vergenglich ist, sondern die da bleibet in das ewige leben.
Joh. 6, 27. —
im bilde: dessen überzeugung ... auf wort und that eines mannes beruht, der, als ein gott der lebendigen und nicht der todten, ... eine allgemeine tinctur der unsterblichkeit gegen den stachel des todes ... und aus dem aase und knochengerippe des würgers und despoten speise und süszigkeit zum nutrimentum spiritus hervorgebracht hat. Hamann 7, 117. —
im mhd. wird sogar die marter als spîse
bezeichnet: wanne ich (
Laurencius) zu dirre spise mochte vrolich sin gewant, die du martere hast genant, mit gutem willen ich sie nime.
passional 382, 42
Köpke. wegzehrung, bildlich: gebet mir zu einer speis' den segen auf die reis'. Schade
handwerkslieder s. 107. 3@gg)
weitere bildliche und geistige, aber nicht geistliche ausdrucksweisen. aus der bibelsprache stammt die wendung: meine threne sind meine speise tag und nacht.
ps. 42, 4; seufftzen und weinen war bey etlichen tägliche speise. Olearius
pers. reisebeschr. 385
b; nun werden mein tegliche speisz seuftzen und zagen, wein und klag. H. Sachs 3, 2, 49
c. speise der augen: ach! Glycera, was sind diese farben, diese stoltze bildung? eine gemahlte speise der augen, und wie oft ein köder lüsterner, nach wollust wiehernder blicke. Wieland
supplem. 3, 158 (
sympath. 5).
ähnlich in bezug auf einen '
ohrenschmaus': sie (
die nachtigall) træget auf den tisch nicht zwier gekochte speise, nicht aufgeglüten köhl den ohren zum verdrusz. Klaj
bei Wackernagel
leseb. 2, 410, 21.
der sinn wird durch den gegensatz genauer bestimmt: übrigens sind sie ganz treffliche leute! salz aller gesellschaften — aber nicht speise! Lavater
physiogn. fragm. 1, 142; man nimmt dieses büchlein wie andre, für speise, da es eigentlich die schüssel ist. Göthe 29, 115.
weiteres: es ist eine wunderliche speise um ein amt, das bald fett macht. Wander 4, 682, 22.
besonders abstracte und unbildliche verwendungen finden sich im mhd.: dîner minnen spîse nam mir dicke mînen sin.
Wigalois 246, 34; doch an im ze prîse dem knehte stêt sîn stolzer muot, niht in schanden spîse. Frauenlob 67, 5; der dritte (
sprung gottes) was in die meit; der vierde kam in âles wîse spîse,kriuze, dîner hôhen wirdekeit.
kreuzl. 13, 5.
von der bedeutung '
köder, lockspeise' (
s. oben a zu ende)
ausgehend: wie er (
der eheteufel) auch täglich seinen angel auszwerffe, und so manchen tapfferen jüngling, so manche schöne holdselige jungfrau, durch die süsse und gifftige speisz der unzucht fange. Schuppius 649. 44)
vereinzelt findet sich im oberd. des 15.
jahrh. auch speise
ganz im sinne des ital. spese,
d. h. spesen (
vgl. das.),
unkosten, doch nur unter unmittelbarem einflusz des ital.: e no guadagnerave niente desso in Alemagna e si haverave la briga e la spese per niente, ich gebunn nithz daran in deuczen landen und ich hiet die mue und die
speiz umbsust.
voc. venet.-todesco v. 1424
bl. 94
b bei Schm. 2, 686 (
e)
und Drescher (
s. unten) 168;
senza ogn altra spese in fina qua, an all ander speiz hincz her. 97
b s. ebenda. sonst häufig in der Steinhöwel
zugeschriebenen decamerone-übers. (
hrsg. v. Keller),
vgl. Drescher
Arigo (
Straszburg 1900)
s. 167
f.: wes wilt du dich zeichen dir dise müe zenemen; und in also grosse speise und sorge zekomen als dir zuo sten wirt gen Rome ze zichen. 30, 29; also in kurcze ir schacze und reichtum abgenomen het und der angefangen speyse (
alle cominciate spese) nicht mer ertragen mocht. 66, 17,
vgl. 67, 8; so will ich daz ir eüer hochzeit hie pey mir machet auf meines mannes Liello speyse (
alle spese di Liello). 333, 23; wo er das thet on czweyfel sein grosse unmessige speyse und liebe nachlassen würde (
scemerebbe l'amore e le spese). 359, 1; die grefin in der meinung ist auf ir speysz und kost euch zuo ritter ze machen. 528, 24; er dem neüen preütigan alle gethone speyse wider keret. 656, 32.
andre stellen nähern sich der gewöhnlichen bedeutung: do er sich ... auf der herber mit groser speisz und zerund ligen sache. 44, 33; damit sy
[] auff Calandrin speise ire peüche gar wol füllen und ire münde neczen möchten. 554, 35.
lebensweise: ein söliche unörnliche speyse in die lenge noch ewig nicht geweren mocht (
nè lungamente fecer cotal vita). 66, 15; do sy ein heuszlein auf namen und gar subtile ir speyse und leben furten. 33. 55)
mannigfache bedeutungen hat speise
in gewerblicher sprache entwickelt, wobei der grundbegriff überall der einer mischung ist. Adelung
sieht hierin ein besonderes wort. 5@aa)
insbesondere metalllegierungen, die zum gieszen verwendet werden, hauptsächlich die kupferzinnmischung für den glockengusz. Karmarsch-Heeren
3 8, 347; 'speise
der rothgieszer, ein aus zinn und kupfer gemischtes metall (
s. glockenspeise).' Jacobsson 4, 204
b.
so schon im 12.
jahrh.: aes campanum spisa
vocatur. quelle bei Schm. 2, 686 (
d);
es ... spise ... clocken-, klocspise. Dief.
gloss. 210
a;
metallum ... erczt o. glock spysse, golt sypse, spisze, speis (
i. es), speiz;
hd. nd. metal, alse klockenspise. 359
b (
quelle von nach 1400, 1420, 1425, 1429,
s. Weigand 2, 757); speyse,
es. voc. v. 1420
bei Dief.-Wülcker 857; speise, ...
it. metalli misti, bronzo. ... glocken-speise,
metallo campanaio, bronzo da fonder campane. Kramer
dict. 2, 856
b;
aes ad campanas fundendas. Frisch 2, 296
c; speise, glockenspeise, ein vermischtes metall von zinn und kupfer, kömmt von dem polnischen worte spiza, welches spischa gelesen wird, her und heiszt dorten eigentlich
aes caldarium, eine art von kupfer. G. Körner
böhm. bergwerck (1758) 26.
dasz vielmehr poln. śpiż
aus dem deutschen entlehnt ist, hat schon Adelung
richtig erkannt, vgl. das. (1, 4),
sowie Weigand 2, 757.
tirol. glogk'nspeis Schöpf 685. —
mhd. spîse: er gap im einen spiegel dar, der was zuo beiden siten gar gesazt in eren spise.
Elisab. 1339
Rieger. ferner glocken-, glocke-, glockspîse
mhd. wb. 2, 2, 511. Lexer
handwb. 1, 1038 (
schon Kudr. 1109, 2).
mnd. spise,
nicht selten, s. Schiller - Lübben 4, 330
a: als nu de spise gesmolten unde gar was, dat de spise lopen scholde.
d. städtechron. 7, 412, 21.
hd. belege seit dem 15.
jahrh.: in den selven jairen in dem meie, do leissen de doimheren in Coelne ir groisse gerissen clocke vergiessen, ind [gaven] derdarzo 40 zinder spisen. do weich de clocke 250 zinder do si gegossen was. 13, 175, 2 (
köln. jahrb. 1437); wann sein schalkheit rostet als die glockspeis.
bibel 1483 466
a (
sicut enim aeramentum, aeruginat nequitia illius. Syrach 12, 10); sol ich die speise alle zusamen schmeltzen, so wil ich jm eine glocken giessen, das ers hören sol, es sey keine schlechte cymbel noch schelle. Luther 6, 7
a; von guter speis (
werden) die glocken hell.
fastn. sp. 555, 17; ja lobet jhn auch jederzeit jhr ertz- und glocken-speisen, der erden reiches ingewaidt. gold, silber, stahl, und eysen. Spee
trutzn. 165; und als die stunde kommen, dasz alles fertig war, die form ist eingemauert, die speise gut und gar. W. Müller
ged. (1868) 1, 125 (
der glockengusz zu Breslau). 5@bb)
dieselbe oder eine ähnliche mischung wurde auch zu andern zwecken benutzt (
für eine spiegelfassung, s. Elis. unter a; anker von glocken spîse gegoʒʒen.
Kudr. 1109, 2): do nam koningk David utermaten vele spise (
aes multum) dar Salomon af maken let dat erne meer und sule und luchtere und alle de ernen vate de dar weren in deme tempele.
bücher der könige s. 80
Merzdorf. besonders zum gusz von geschützen und gewehren: speise, daraus stücke und mörser gegossen werden,
aes ad tormenta. Frisch 2, 296
c;
mnd. s. Schiller-Lübben 4, 330
a: summa ijc xliij mrc. j. quent. kosteden de bussen, ane de spise de dar vore was.
d. städtechron. 6,
s. 246
f., anm. 3; das alle burger ein jeglicher soll haben eine buchse vom gantzen centner, ... ein radt will sie ihnen lassen giessen, es sölle ein jeder speise von alten kesseln und töpffen zu hulffe brengen. 27, 188, 10. (
dagegen wird büxsen-spiesz
trutzn. 104
von Spee
selbst mit pulver
erklärt, s. theil 2, 478.) 5@cc)
im berg- und hüttenwesen '
eine verbindung mehrerer metalle, welche von dem vorzüglichsten derselben ihre benennung erhält. so z. b. kobaltspeise, nikelspeise, antimonspeise
u. s. w., d. i. verbindungen von kobalt, nikel, antimon mit kupfer, blei, arsenik u. dgl.' Scheuchenstuel 228
f., insbesondere '
verbindungen mit arsen und antimon, die als zwischenprodukte bei hüttenprozessen entstehen und die bei einem körnigen und blätterigen gefüge oft metallähnlichen glanz besitzen. man unterscheidet blei-, kupfer-, kobalt-
und nickelspeisen'. Lueger 7, 417,
vgl. Karmarsch-
[] Heeren
3 8, 347.
im einzelnen werden folgende gebrauchsarten bezeugt: 5@c@aα) speise, in bergwerken, taube und leere berg-art oder erz-art,
s. spiszig, eine spiszige metallische erde, die aber kein tüchtiges metall in sich hat. Frisch 2, 296
b,
vgl. Adelung (1, 1),
der darunter mit schwefel und arsenik vermischtes nickel, kobalt gleicher art, nicht genug ausgeschmelztes wismut, mischungen aus nickel, kobalt und eisen, ferner aus kobalt, nickel und wismut anführt und schlieszt: '
es scheinet hieraus zu erhellen, dasz der bergmann jede metallische vermischung, deren bestandtheile ihm unbekannt sind, speise
zu nennen pflege'; euch wird nicht marcasit betrügen noch letten, eisenschusz und speisz. Mühlpforth
hochzeit-ged. (1686) 133. 5@c@bβ)
als nebenproduct in schmelzhütten: speise, glet und werck, machet man in schmeltzhütten. Mathesius
Sar. 29
a; geschmeltzte speisz zu probirn, auch was die sey. die speisz die sich an etlichen orthen ... im schmeltzen findet, vermeinen die philosophen, dasz sie auch von einem arsenico und schweffel, mit einer subtilen terra vermischt, herkomme, unnd sich von schlacken, gleich dem rohen schlackstein abscheidet, allein in der speisz, gegen dem schlackstein sey der unterscheidt, gleichwie der schweffel den arsenicum ... ubertrifft, also inn der speisz ubertreffe der arsenicus den schweffel. derhalben ist die speisz weisser dann der schlackstein
u. s. w. Ercker
ertzt unnd bergkwercks arten (1580) 19
b; wann man aber solche speisz auff silber probirn will, soltu dieselbige klein reiben unnd abwegen, unnd mit so viel bleys, als ein schlackstein prob bedarff, in einem schirben in probirofen setzen, so wirdt sich im ansieden ein grosz kornspeisz finden, welches im bley herumb schwimmen, und davon nicht verzert wirdt. disz korn pflegen etliche probirer mit der klufft, ausz dem bley zuheben. wiewol sich nun das silber ausz der speisz in das bley saigert, so kans doch nicht fehlen, es behelt solch korn noch etwas am silber bey sich. damit man aber den völligen halt darinnen finde, unnd das kornspeisz nicht herausz heben darff, so setze der speisz auffm schirben eysenfeilig das kein silber helt, zu, so verzehrt sich die speisz gantz unnd gar, und wirdt zu schlacken.
ebenda. zunächst beim blei: 'speise,
fr. le speise, ein hüttenprodukt, so in einer von der bleyarbeit fallenden eisenhaft und arsenikalischen, regulinischen masse besteht. kömt von kiesen, hält silber, eisen und kupfer.' Jacobsson 4, 204
b,
s. auch Frisch 2, 296
c. Adelung (1, 3). 5@c@gγ)
bei den probierern der erze für eisenkönig. Frisch 2, 296
c (
vgl. könig 14,
b. c, theil 5, 1701); '
bey den probierern ist die speise
ein ähnlicher könig oder conische metallische masse, welche man von kiesigen und kobaltischen erzen in dem kupfertiegel erhält, und aus arsenik und eisen bestehet.' Adelung (1, 2); '
ein könig, welcher von den kobalderzen, so wismuth u. kupfernikel bey sich führen, in der tute erhalten wird.' Jacobsson 4, 204
b. 5@c@dδ) gelbe
bezw. weisze speise
heiszen die in den kupferschiefern enthaltenen kupfer- bezw. kupfer- und bleikiese. Jacobsson 4, 204
b f. 5@dd)
bei den glasern eine mischung aus zinnasche, talg und zinn, zum verzinnen gebraucht; auch kolbenasche. Adelung (1, 5). 5@ee)
bei den maurern für mörtel, ein gemenge aus kalk, wasser und sand zur verbindung der steine; auch mauerspeise;
auch kalk zum wandbewurf. Adelung (1, 6). Karmarsch-Heeren
3 8, 347. Lueger 7, 417: speise, [
in senso figur.]
malta da muratori. die speise anmachen,
fare, stemprare la malta. v. mörtel. Kramer
dict. 2, 856
b; diese bruck hat woll dreissig schwibbogen, ferr von eynander ausz marmelsteyn erbawen, dieselbigen schwibbogen seind zusammen verklammet mit speisz oder kalck.
Fierrabras (1533) D 3
b; dann auch keyn speisz oder kalck, auch keyn ziegel oder gebacken steyn bei jnen imm brauch seind. Micyll
Tac. 443
a (
Germ. 16:
ne caementorum quidem apud illos aut tegularum usus; lat. caementum
bedeutet indessen '
bruchstein'); als er einst in der Offenburg gefangen sasz, habe er mit einem von der wand abgebrochenen stückchen speisz ein crucifix gemalt. Kurtz
sonnenwirth s. 457; jetz fällt ein balck hinweg,dan bald ein grosser stein; den wänden mangelt speisz,dem tag-loch hälle scheiben. Rompler v. Löwenhalt
reimget. 98.
so in heutigen mundarten (
besonders mitteld.)
sehr verbreitet, vielfach nur in dieser bedeutung üblich, auch als masc. Adelung (1, 6). Weigand 2, 757. Schm. 2, 686 (
d). Schöpf 685. Sartorius 116. Ruckert 172 (
m.). Lenz 66
b (
m.). Autenrieth 134 (schbeis,
m.). Kehrein 1, 381 (
f. m.). Reinwald 1, 153. Schmidt 225 (
f.). Pfister
erg. 1, 24 ('speis,
m. in groszem teile unseres stammheitl. gebietes [] ausschlieszl. benennung des mörtels'). Klein 2, 161 (
Koblenz, Jülich, Berg).
nd. šp(e)īse,
s. Bauer-Collitz 97
a. 5@ff)
bei den färbern die kalkmilch, womit die blauküpe versetzt wird. Sanders 3, 1132
a, 3. 5@gg)
in der weidmannssprache '
eine eigene schmiere für windbüchsen'. Kehrein 275.