solch,
pron. adj. got. swaleiks,
correlativ zu hwileiks (hweleiks), welch;
altnord. slíkr (
dän. slig,
schwed. slik),
eine betonung auf der zweiten silbe voraussetzend, ags. swilc, swelc (
engl. such).
altfries. sullik, sellik, selk, sek, salk, sulch, suk. Richthofen 1005
b;
nld. zulk;
alts. sulîk;
mnd. solk, sulk, suck Schiller - Lübben 4, 288
a;
ahd. solih, sulih Graff 6, 18;
mhd. solich, solch, sölch (selch), sulich, sülich, sulch, sülch (silch)
mhd. wb. 2, 2, 465
b. Lexer
mhd. handwb. 2, 1053;
talis ein sollicher, sulicher, sulcher, sOelich Diefenbach
gloss. 572
a;
daneben sind bildungen wie suslich, alsolich
und sosulich
zu beachten. sollich,
eiusmodi Dasypodius; sölich,
talis Maaler 376
b; solch,
tel, tale Hulsius
dict. (1616) 299
b.
formen mit erhaltenem i
in der zweiten silbe, so wie umgelautete formen, im 16.
jahrh. noch häufig, verschwinden im 17.
jahrh. in den mundarten zeigt sich eine bunte fülle von formen, vielfach treten weiterbildungen oder auch formen auf, die dureh sinnverwandte wörter beeinfluszt sind. solch
wird andrerseits durch synonyma in einzelnen mundarten verdrängt. die niederdeutschen mundarten halten vielfach das aus u
umgelautete ü,
vereinzelt auch u
fest, während in den hochdeutschen ö
herrscht. das l
verstummt leicht, im hochd. wie im nd., vgl. engl. such.
nd. solk Schambach 202
a; solk, sollik Dähnert 442
b; sülk 472
b; sulk, suk, sük
brem. wb. 4, 1093; sülk, sük Schütze 4, 224; sülk, sükk.
plur. auch sükkse Stürenburg 272
a;
vgl. ten Doornkaat Koolman 3, 363
b; sösk, süsk Woeste 248
b. 264
a. Frommanns
zeitschr. 3, 267, 7;
diese beiden letzten formen sind wol durch süs,
so beeinfluszt; sük (
nordwestfäl.) Frommanns
zeitschr. 2, 96, 35; söke witte fOetkes (
solche weisze füszchen). 6, 423 (
Münsterland); süks, sülks 3, 40, 9 (
Jever);
vgl. 4, 478; siche haiser Hertel
thür. sprachsch. 229;
ebenso in Nordböhmen. Frommanns
zeitschr. 2, 238. 6, 174; sechene (sölch einer) Schmeller 2, 205; söchs,
solches: söchs alles eng zuosamen schuortz. Schwarzenberg 156
d; söchs hört ich von den alten offt. 157
b (sölchs 156
d und sölcher
oft: vielleicht ist söchs
nur ein druckfehler). ain sölcher Schmeller 2, 267; sölcher Schöpf 678; sölligi,
solche. Bayerns mundarten 1, 306; sölig,
talis (
schweiz.) Frommanns
zeitschr. 4, 15
a. sölischs,
genit. des neutrums. Bühler
Davos 1, 149; sölig (
ebenso allgemein söttig). Stalder 2, 376; sellig (
schweiz.),
s. oben selbig 1 (
sp. 436)
und 4,
a (
sp. 438).
der guttural wird dem vorangehenden l
assimiliert: söller, söllener
[] (solch einer). Schöpf 678;
vgl. Frommanns
zeitschr. 3, 452. 4, 501, 8. a söller (
Mittelschwaben).
Bayerns mundarten 1, 60.
vgl. Schmeller 2, 267. 205; sölla, söllander Lexer 234; e solener (
ein solch einer) Frommanns
zeitschr. 6, 108 (
siebenb.). saller 2, 496 (
henneb.).
vielfach wird solcher
durch bildungen vertreten, die von mhd. sôtân
ausgehen; anlehnung an solch
zeigt sich darin, dasz umlaut eintritt: sott, der sött, söttig Schmid 496; söttig Stalder 2, 377; setti (
solche) senn dünn g'sät. Frommanns
zeitschr. 6, 166, 73 (
Franken);
vgl. 2, 85, 31; soddes, söddes Reinwald 2, 117; sötig Bühler
Davos 1, 149; sötig,
talis (
schweiz.) Frommanns
zeitschr. 4, 15
a; sötter 3, 452 (
Tirol);
vgl. 3, 329. 526, 6; söttener Schöpf 678; sötta, söttander Lexer 77;
schlesisch sitter Frommanns
zeitschr. 6, 276, 53;
aus Iglau sittener 2, 238; setter (
Egerland) 6, 174; a sötteger (
Mittelschwaben)
Bayerns mundarten 1, 60.
eine merkwürdige bildung ist sötl, setl, sedl
u. ä., wol als sôtânlich
aufzufassen. Bayerns mundarten 1, 130, 22 (140, 22,
hier anders erklärt; s. auch das register);
auch sötting
kommt im oberdeutschen vor. auf solchtan
geht zurück söltana Castelli 257;
vgl. Schmeller 2, 205; söchtener Schöpf 678; sechter
Bayerns mundarten 1, 424;
vgl. nd. sülkdanig Dähnert 472
b.
im schwäbischen und alemannischen begegnet ein adj. und adverb. söll, söllig
im sinne von auszerordentlich, besonderlich: a selles lied (
oberschwäbisch). Frommanns
zeitschr. 4, 86 (99); es ist söllig weit,
sehr weit. Schmid 492;
schweiz. sölli vil,
sehr viel. Schmeller 2, 260; gebett han si nitt selli, doch deste besser geschmuost (
Straszburg). Frommanns
zeitschr. 2, 559; am fasznet möntig gohts noh söllicher zua (
badisches Oberland). Firmenich 2, 490, 36.
ganz im gleichen sinne wird im hessischen sellig, sillig
gebraucht (selge orbet,
schwere arbeit, selge mol
oftmals; ein sillig reicher mann). Vilmar 407;
aus Schlesien kenn ich schilge môl
oftmals, das aber anders zu erklären ist, s. oben th. 9,
sp. 153 (schilling II, 4).
man hat dieses wort mit alts. seldlîk,
ags. seldlîc, sellîc, syllîc,
got. sildaleiks,
wunderbar, seltsam zusammengebracht. doch hat diese erklärung wenig wahrscheinlichkeit, da wir im älteren md. und hochdeutschen keine spur dieses adjectivums finden. näher liegt es, von solich, sulich
auszugehen und anzunehmen, dasz zunächst solch
in verbindungen wie ein solch reicher mann
als adverbium gefaszt wurde (
für so in nd.: wo sülk,
wie so? wosükken,
wie ist es damit? Schütze 4, 224;
völlig adverbial wird altnord. slíkt
gebraucht, vgl. auch die ags. adverbialform swilce).
aus dieser anwendung entwickelte sich für das wort die eigne bedeutung '
in starkem grade',
die dann auch auf das adjectivum übertragen wurde. eine besondere form des gen. n.: Luther rhümet sich wol solchesen auch. Nas
quinta centuria (
Ingolst. 1570) 8. 11)
in verbindung mit substantiven und adjectiven, zurück- oder vorweisend, häufig nicht beschaffenheit, sondern den grad anzeigend. 1@aa) solch
allein vor substantiven, die beschaffenheit bezeichnend, wie sie durch das vorhergesagte bestimmt ist; vor einem substantivum neutralen geschlechtes im nom. oder acc. sing. häufig unflectiert (
seltener vor dem m.: solch held);
in älterer sprache steht die unflectierte form auch vor m. oder f.: solche leute solte man zur stadt hinauspeitschen. Kramer
deutsch-it. dict. (1702) 2, 831
c; aber z dütsche ist lützel sollicher bcher geschriben.
d. städtechron. 8, 230, 7; sülicher mere seittent sü vil. 119, 5; er wolte lieber sterben wan solich laster liden. 43, 28; solchen glauben hab ich in Israel nicht funden.
Matth. 8, 10; die bulerliedlin und sollich narren werk gern hören. Aventinus
werke 1, 331, 13; obwol alda mit der schuel beladen, bin ich dennocht solichen sachen zu müesziger zeit nachgangen.
bair. chronik 1, 8, 2; solt niemant sölchen pfaffen kain êr tuen. 2, 297, 13; ein nur etwas menschlicher feldherr würde solchen truppen vergeblich schonung anbefohlen haben. Schiller 8, 174; hôrt ên minsche sulk marot.
Theophitus 235; machstu solke spyse nicht?
Reinke de vos 832; wie meinem son geschach auch ye, den solliche lieb ermörden thet. Sachs
fastn. sp. 1, 11, 369
neudruck, schembt euch in euer hercz hinein! wie müegt ir solich pueben sein?
fabeln u. schwänke 1,
s. 234
neudruck; damit ich dich nit berschwatz, end ich mit dem sölch disputatz. Schwarzenberg 154
c (1535); der macht kurze arbeit, ist resolut, das ist mit solchem volke gut. Schiller
Wallensteins lager 11; wat do'k mit sükke krâ
m. ten Doornkaat Koolman 3, 363
b.
vor substantiven wie höhe, tiefe, menge, zahl
nimmt solch
den [] sinn von tantus an: dieweil wir solchen hauffen zeugen umb uns haben.
Hebr. 12, 1. 1@bb)
die beschaffenheit, auf die solch
hindeutet, wird durch das folgende näher bestimmt: solche ehre, wie mir, ist wenigen erwiesen worden. Steinbach 2, 601; an soliche stete die dem keiser ungelegen worent.
d. städtechron. 8, 69, 9; got brochte en to sulker êre, dat he lêt ein bedehûs mâken.
von deme holte d. h. cruzes 517; deme wart sulk gnâde bekant de eme van den rôden quam. 460; dat schaltu in solker wise vorstân: dîn levent heft einen ende unde is vorgâ
n. des dodes danz 809; an solchem freudentag, den du mir schenkst, soll meine milde keine gränzen kennen. Schiller
Turandot 5, 2. 1@cc)
in der umgangssprache attributiv, vor substantiven zur bezeichnung eines bedeutenden grades gebraucht, so dasz der deiktische sinn von solch
zurücktritt (
vgl.so II, A, 1,
f): ihr dörft kein solch wesen machen. Kramer
deutsch - ital. dict. (1702) 2, 831
c; ich habe solchen hunger, solche zahnschmerzen
u. ä.; dös is koa sölli sü
nd. Schöpf 678; ich habe solches leibschneiden, ich hab mich überlaufen, ich hab mich übergessen, es ist mir zum sterben. Brentano 5, 167.
die durch solch
angedeutete nähere bezeichnung des grades wird verschwiegen, in den negierten verbindungen aber noch ganz deutlich empfunden. 1@dd) solch
in verbindung mit ein
und kein;
letzteres steht dem solch
stets voran, ist kein
unflectiert, zeigt solch
starke form: er ist kein solcher held, wie du dachtest; macht kein solches geschrei;
beim neutrum kann auch solch
unflectiert sein: macht kein solch geschrei.
ist kein
flectiert, hat solch
schwache formen. ein
kann vor und nach solch
stehen, im ersteren falle gilt die gleiche regel wie bei kein;
vor ein
wird solch
unflectiert gebraucht: solch ein leben kann ich nicht ertragen, einem solchen herren dient man gern.
die ältere und die neuere poetische sprache ist freier, besonders in der verwendung unflectierter formen: er hat ein söliche gedächtnusz. Maaler 376
b; daʒ müeste ein solch sache wesen die in der werlte nieman mit nihte gewinnen kan.
d. arme Heinrich 442; solch ein Adon schien der assesser Zahren. Gökingk 2, 215 (1781); o, armes volk, dem je das loos solch eines herrschers fiel. Gotter 1, 64 (1787).
nd. sülkeen Schütze 4, 224; sük 'n bôk heb' ik ôk. ten Doornkaat Koolman 3, 363
b.
in den hochd. mundarten vertritt, wie wir gesehen haben, solch ein
vielfach das einfache solch; wo ist solch ein gott, wie du bist.
Micha 7, 18; (
sie) seind eyner solchen natur, das jnen kein schlangen bisz oder gifft wie bösz es ist, schadet. Franck
weltb. 5
a (1542); das er ein sOelche kunst beweisz. Alberus
fabeln 21, 372
neudruck; dasz sich ein Flemming hab' auff solch ein thun beflissen. Fleming
ged. 108 (1666); o was frommet mir solch ein trauerleben. Hölty 82
Halm. 1@ee)
in verbindung mit dem possessivpronomen pflegen wir solch
voranzustellen; solch
wird dabei mehr demonstrativ, die hinweisung auf die beschaffenheit tritt zurück (
vgl. unten 4).
die verbindung hat für uns etwas steifes: solche meine ansichten hat er miszachtet.
in älterer sprache wird auch das poss. vorangestellt: doch hat mich drungenn meinn schuldiger dienst, yhre solche schalckheit zu offenbaren. Luther 6, 619, 13
Weim. ausg. in seltener verbindung mit einig: ich habe keine lust zu eingen solchen sachen; die einen leichten schein bey gleichen leuten machen. Fleming
ged. 108 (1666). 1@ff) solch — solch,
wie beschaffen —
so beschaffen: solche herren, solche knechte. Kramer
deutsch-ital. dict. (1702) 2, 831
c; solch leben, solcher tod. Frisch 2, 284
c;
so schon in alter sprache, vgl. ags. swilc
bei Bosworth-Toller
unter III: solih diû lûta des lîchamen ist, solicha chît disêr uuesen dîa lûtun sînes herzen. Notker
ps. 37, 9. 1@gg) solch und solch,
von bestimmter beschaffenheit, die aber nicht näher angegeben wird (
vgl. die entsprechende verwendung von so und so): sollichs und sollichs soll nicht sein so und so musz man halten hausz. Sachs 2, 2, 106
d (1570); da war ein deutsches pferd, ein solch und solcher mann, dort wieder disz und das, ans land getrieben
an. Fleming
ged. 81 (1666);
[] ich treffe in ihr (
der gesellschaft) alles an, was mich über jede trennung der bürgerlichen gesellschaft erhebt, und mich zum umgange nicht mit solchen und solchen menschen, sondern mit menschen überhaupt, nicht nur einführt, sondern auch bildet. Herder 17, 130
Suphan. auf verschiedene individuen bezogen, die sich gegenseitig ausschlieszen und des gegensatzes bewuszt sind: nicht als blosze menschen gegen blosze menschen; sondern als solche menschen gegen solche menschen, die sich einen gewissen geistigen vorzug gegen einander streitig machen. 126.
zwei sich entsprechende aus der menge ausgesonderte dinge: in solichen wassern fahet man solich fisch. Franck
sprichw. 1, 81
b (1541); solch arbeit fordert solchen lohn. Waldis
Esop 4, 13, 60
Kurz. 1@hh) solch
in verbindung mit einem adjectivum vor dem substantivum; zahlangaben gehen voraus, da solch
mit dem subst. als eins gedacht wird, auch ein
als zahl steht stets voraus: unzählbare solche regenschauer. Göthe 51, 216; manche solche gefechte hatten sie noch zu bestehen; viele solche zweifler hab ich kennen gelernt.
ebenso all; solch
folgt gewöhnlich in schwacher flexion: allem solchen zureden setzte er widerstand entgegen.
vgl.: noch ein
solcher sieg,
noch solch ein sieg und ich bin verloren,
und noch
ein solcher sieg und ich bin verloren.
steht solch
ohne den unbestimmten artikel vor attributivem adjectivum, bleibt solch
in vielen fällen unflectiert, fast immer im nom. sing. m. und nom. und acc. s. n.: solch wackrer bursche, solch zartes verhältnis.
vgl. aber: wer hätte doch gedacht, dasz solcher falscher schein in dieses schöne bild solt eingepflantzet sein? Opitz 2, 150 (1690).
s. auch weiter unten. im f. flectiert und unflectiert: solche üble lage, solch üble lage entschuldigt.
häufig sind flectionslose formen im acc. sing., nom. und acc. plur. Adelung
meint, das geschehe in '
vertraulicher sprechart',
jetzt wird grade diese ausdrucksweise als eine gewählte empfunden: solch tapfren helden, solch schöne frau, solch artiges kind; solch elende landwege, solch stümperhafte zeichnungen, solch wackre kinder;
doch wird die flexionslosigkeit im plural ziemlich hart empfunden. es ehrt mich sehr bey mir solch' groszen krieger zu bewirthen.
Shakespeare Heinrich VI., lh. 1, 2, 3.
im dativ: solch schönem kind kann man nichts verweigern, solch unverschämtem burschen musz man die thür weisen.
das ältere nhd. bei seiner neigung zur apokope kann der endungen sowol bei solch
wie bei dem adj. gleichzeitig entbehren: sölich grosz schätz.
Pontus g 6
b (1498).
steht solch
flectiert vor attributivem adjectivum, so zeigt dies in neuerer sprache gewöhnlich schwache formen: mit solchem groszen geschrey.
Jerem. 51, 55; fur solchem groszen volck. 1
Macc. 10, 73; vor den ohren solcher geübten kenner. Göthe 18, 265; mit solker gotlîken sâge lêrde he se alle dâge.
van S. Marinen 85; die treue brach ich solchem gnäd'gen kaiser. Schiller
Wallensteins tod 2, 6.
in älterer sprache sind dagegen starke formen des adjectivums nach flectiertem solch
ganz gewöhnlich, und auch im ausgebildeten nhd. kommen sie vor, besonders im plural; vgl. Kehrein
gr. 3, § 154: solche vortreffliche männer. Stieler 2051; nach solcher langer zeit.
Hebr. 4, 7; fur solcher küner that.
Jud. 16, 12; desgleichen sölche freventliche wort.
tir. weisth. 4, 1, 447, 16; solche schlanke zierliche personen. Göthe 26, 172; solche tödtliche beleidigungen. Schiller
Macb. 5, 2.
wenn das adj. begrifflich von solch
scharf gesondert und herausgehoben werden soll, ist starke flexion für beide das natürliche: solcher unverantwortlicher leichtsinn, bei solcher übergroszer begeisterung.
vor dem unbestimmten artikel unflectiert: solch ein verdammter kerl.
nach dem unbestimmten artikel kann solch
unflectiert stehen im nom. m. und nom. und acc. des n.: ein solch edler character, ein solch elendes stück,
neben ein solcher braver mann, ein solches gutes stück;
nur in gehobener sprache ein solch elend stück (
in anlehnung an den gebrauch der älteren sprache: ein sölch guot mann
u. ä.); kein
steht in neuerer sprache stets vor solch. wer wolt ein sollich alt ding für gewisz bezeugen. Aventin
werke 1, 332, 8; ein sölcher storriger,
[] und unartiger mensch. Gretter
erkl. d. ep. a. d. Römer (1566) 678; mit einer solchen verstohlenen wollüstigen furcht. Göthe 18, 21; zu einer solchen unruhigen zeit. 264; man sol ein sollichen alten man mit einem eisern flegel zu der hindern thür naus schlan.
bergreihen 97
neudruck; ein solch geringes ungemach, das läst sich leicht verschlafen. Weise
kl. leute 365 (1679); eh' er dieses von ihm, von einem solchen lieben vater, argwohnen lass'. Lessing
Nathan 3, 7. 22) solch
alleinstehend oder mit ein (kein)
verbunden; aus dem zusammenhange ergibt sich das zu ergänzende nomen: solche dergleichen ich noch nicht gesehen. Frisch 2, 284
c; ich bin kein solcher nicht, wie ihr vielleicht vermeinet. Kramer
deutsch-ital. dict. (1702) 2, 832
a;
in bösem eingeschränkten sinne: meint ihr eine solche (
eine hure; vgl. die folgenden belege)? solches kocht meine mutter net. Wander
sprichw.-lex. 4, 597; solke, solke, seggt Leppert, on schmêt de flöhe ût de böxe.
ebenda; einen solchen, der von jnen gewichen war in Pamphylia.
ap. gesch. 16, 38; wer ein solcher ist.
1 Cor. 10, 11; aug-teuffel, ein solcher hat den David überwunden. Abrah. a S. Clara
reimb dich 435; weil ein bedürfnisz nach solchem ist, werden sie gedruckt. Brentano 9, 220; sol mich ein solher nennen, swie sô im gelust? Ottokar
reimchron. 13150, solstu nu zur zeit deiner höchsten ern für ein sölche erst gehalten werdn, die du hast von jugent dein lebn gefürt keusch, wie einer frummen fraun gebürt? Rebhun
Susanna 3, 4; das sie potz! wer het sich des vertraut, das sölchs stecken sol in alter haut?
ebenda; preisen doch alle dich in Ithaka's volk den trefflichsten deiner gespielen, so an verstand wie an reden; allein nie warst du ein solcher. Voss
Odyss. 16, 420; nie ist zwischen den Atriden und mir ein solches unterhandelt worden. Schiller
Iphig. 4, 2.
mit dem bestimmten artikel: die solchen sind fürwahr als wie ein ziper-kätzchen. Wiedemann
gefang. april 1, 22 (1689). 33) solch
mit vorhergehendem als: ich bin nur ein fremder zeuge, nur ein mensch. als solcher frage ich sie. Gotter 3, 88 (1802). solch
mit als
einem substantiv nachgesetzt, einschränkend auf den eigentlichen begriff: die psychologie als solche (
ihrem streng umschriebnen wesen nach) hat mit dieser frage nichts zu schaffen. 44)
das auf die qualität hinweisende element im begriff von solch
kann mehr und mehr zurücktreten, bis solch
ein bloszes rückweisendes demonstrativum ist. dieser gebrauch entwickelt sich besonders beim alleinstehenden n. solches.
schon im altnord. wird das neutr. slíkt
als demonstrativum verwendet. in der neueren zeit beginnt man diesen gebrauch von solch
als steif zu empfinden, schon Adelung
tadelt ihn: er machte sich über den alten lustig, solchen scherz wiederholte er mehrmals; ich hab mich darüber öffentlich erklärt und solche meine ansicht blieb bisher unwidersprochen
u. a. noch pedantischer klingt uns die verwendung von sothan
in zurückweisendem sinne: ich habe heute seinen brieflichen bescheid erhalten und sothanes schreiben weitergeschickt.
leicht erfolgt der übergang zum demonstrativen gebrauch in verbindungen wie solchergestalt, solchermaszen, solchenfalls,
die oft in der schrift znsammengerückt sind und unten für sich verzeichnet werden. oft ist nicht auszumachen, ob solch 'dieser'
oder 'ein derartiger'
bezeichnet, der übergang ist manchmal kaum merklich: welchirleye schaden, vorlust oder brant von iren wegen in sulichem kriege den sie mit iren vienden furmals gehabt haben ... geschehen ist.
d. städtechron. 4, 174, 21; welliche aber solliches überfuehren und nit halten.
tirol. weisth. 1, 30, 18; welche solliche zu bestätten hat.
steir. taid. 21, 10: hat er sOelchen sein eegemahel so hertzlich lieb gehabt. Schwarzenberg 149
a (1535); da sprachen sie unternander, lasset uns den (
rock) nicht zuteilen, sondern drumb lossen, wes er sein sol ... solchs theten die kriegsknechte.
Joh. 19, 24 (
ταῦτα ἐποίησαν); lasset die kindlin, und weret jnen nicht zu mir zu komen, denn solcher ist das himelreich (
hier beschaffenheit einschlieszend: τῶν γὰρ τοιούτων).
Matth. 19, 14; da er solchs mit jnen redet (
ταῦτα αὐτοῦ λαλοῦντος αὐτοῖς). 9, 18; solch mein geschrey horten
[] etlich.
buch d. liebe 182
a; denn jn gedeucht solchs sein brieff seyn. 236
c; solches musz er auch steiff und unverbrüchlich halten,
pers. rosenth. 5, 14
anm. b; das heute, worinnen wir leben, müssen wir alleine rechnen, und solches woll anlegen.
pers. baumg. 9, 6; dasz Mercurius, unterwegens, iemaln die briefe verlohren; welches andern, die solche gefunden, wachend gemacht. Butschky
Pathmos 20; di entlegenheit des ohrtes hat uns zwar geschieden, doch kan solche unsere unverrükte freundschaft nicht entzweyen.
hochd. kanz. 78; alleine mit diesem unterscheide, dasz das vieh mit dem maule, sie aber solches mit den händen abgerissen. Sperling
Nicodemus quaerens 2, 303 (1719). Franz (dringt ihm einen beutel auf) Hermann (wirft ihm solchen verächtlich vor die füsze). Schiller
räuber 4, 8
trauersp.; diese haben nicht so gute gaben, suchen aber solche durch fleisz zu verbessern.
werke 1, 18; sie verfiel in eine wehmuth, die ihr um desto ängstlicher ward, als sie solche zu verbergen ... suchte. Göthe 16, 185; weil die menschen zu nachlässig sind, ihre zwecke recht kennen zu lernen, und wenn sie solche kennen, ernsthaft darauf los zu arbeiten. 19, 339; die empfindung war bei ihm höchst angenehm, ob er sich gleich solche weder gestehen noch erlauben wollte. 22, 36; innig verschmolzen mit musik heilt sie (
die dichtkunst) alle seelenleiden aus dem grunde, indem sie solche gewaltig anregt, hervorruft und in auflösende schmerzen verflüchtigt. 91; sodann erfahren wir gar manches von gewerben und handwerken, und wie solche durch fabriken überflügelt ... werden. 26, 241; gedenck an deines ordens ayd, und bisz gehorsam, arm und keusch, sölh pflicht halt fast. Schwarzenberg 139
a (1535); gott sey danck! das alte jahr, ists auffs neue nun verstrichen, gott sey danck! viel arges ding ist mit solchem hingewichen. Logau 2, 35, 28; wehr-lehr-nähr-stand; jeder stand hat sein eigen ehr in sich; nim w. l. und
n. weg, lehrt der name solches dich. 163, 21;
besondere anwendung: in solchem (
während dessen), als der keyser nun vor jhr stunde.
buch der liebe 2
b. 55)
im friesischen wird der plural von selik
im sinne von einige gebraucht (Richthofen 1005
b);
mnld. selc,
ein gewisser, dieser und jener. ebenso mehrfach sulch
in Hagens
reimchron. im plur. und sing.: dat meiste deil voir us der stat: sulche voiren in Nederlant da sie waren wail bekant, de anderen voeren up den Rin da si wisten den besten win.
d. städtechron. 12, 66, 1543; ich weine ir sulch bas wissen sulde, we manich herinc einen virlinc gulde. 1402; des is sulchen manne leide. 2668.
doppelsetzung: sulch droich dat bette, sulch den pot. 1341; das wollent soliche (
einige) us würken mit bichtend. Tauler
in Wackernagels
leseb.2 1, 860, 5;
vgl. noch Bech
beitr. zu Vilmars idiot. xxii.
es ist nicht notwendig, an eine durch assimilierung von m
und l
entstandene verschmelzung von sum(e)lich
mit sulich
zu denken, sondern von einer unbestimmten qualitätsbezeichnung auszugehen: ein so und so beschaffner, ein gewisser; besonders bei der doppelsetzung ist der übergang ganz leicht, vgl. den gebrauch von franz. un tel.