wandlung,
wandelung,
f. ,
verkehr, gang, lebensführung, veränderung, rückgängigmachung usw. verbalsubstantiv zu wandeln,
ahd. wantalunga,
mhd. wandelunge,
im älteren nhd. überwiegend wandelung,
jetzt meist wandlung,
doch kommt litterarisch auch noch oft wandelung
vor z. b. in verbindung mit einem andern dreisilbigen wort (wanderung und wandelung
u. dgl.)
und in versen des metrums wegen. in seinem gebrauch wird wandlung
durch das ebenfalls von wandeln
ausgegangene subst. wandel
eingeschränkt. noch jetzt üblich ist wandlung
in den verwendungen, wo es als abstractbildung zu wandeln
empfunden wird, nämlich als '
gang'
und besonders als '
veränderung',
auf die juristische sprache beschränkt es sich als '
rückgängigmachung'.
dagegen kennt nur die ältere sprache wandlung
als '
verkehr' (
nebst einigen daraus hervorgegangenen bedeutungen), '
lebensführung'
und in der aus '
änderung zum schlechten'
hervorgegangenen bedeutung '
fehler, makel'
; als '
ersatz, busze, strafe'
scheint überhaupt hd. nie wandlung,
sondern nur wandel
üblich gewesen zu sein, doch belegt Schiller-Lübben 5, 589 wandelinge
als '
schadenersatz, busze'
aus dem mnd. wo wandlung
neben wandel
steht, wird ersteres namentlich dann angewandt, wenn pluralformen gebildet werden sollen. 11)
zu wandeln
in der ursprünglichen bedeutung '
hin und her wenden'
gehört ahd. wantalunga
in einer bibelglosse, wo es die verrenkungen des körpers bezeichnet: tortiones, wantalunga Steinmeyer-Sievers
gl. 1, 619, 54.
auffallend vom antlitz (
wurde etymologischer zusammenhang mit volvere
angenommen?)
: vultus, wandelunge Diefenbach
gl. 633
a; antlitzwandlung
nov. gl. 387
b (
im voc. opt. wandel).
weiter schlieszen sich an wandeln
in der abgeleiteten bedeutung '
etwas ausführen' (
oben sp. 1590)
folgende stellen an, wo ein gen. von wandelunge
abhängig ist: alsust der werd jungevil tot zu der grne. zu rache wandelungetruc man nu wappen manigem ritter kune. der setel wurden ouch von tjoste lere.
jüng. Titurel 1319; ir tjoste wandelungeder wart daʒ velt bedacht mit kleinem holtze. 1987.
hierher gehört wol auch ein in österreich. rechtsquellen häufiges wandlung,
das ein rechtsgeschäft, wie kauf, verzicht, schenkung bezeichnet (
vgl. traditio, wandelunge Diefenbach
gl. 591
b): diser sach und diser wandlung sind auch gezeug die erbærn leut ...
urkundenb. d. landes ob der Enns 5, 118 (
Herwort .. verzichtet auf den hof ... zu gunsten des gotteshauses Waldhausen, das ihm 40
pfund pfenninge dafür gibt, 1313); daʒ dise sach und wandlung von uns also stet unzebrochen beleib, dar uber gib ich ... disen prief 5, 496 (
Wulfing ... entsagt ... der hub ..., welche Hermann der Ponhalm zu dem kloster Garsten gestiftet hatte, 1327); daʒ die wandlung und mein geschAeft stAet und unzebrochen beleib, dar uber gib ich disen brief 5, 520 (
Hartwig ... stiftet ein seelgeräth zu St. Florian mit 9
schilling und 3
dl. auf Wintersdorf, 1328); ze sicherhait diser wandlunge, und des schermes gib ich dem gotshous disen brief
urkundenb. v. Klosterneuburg (
fontes 2, 10) 153 (
Johann der schenk verkauft sein leibgedinge ... dem propste Bertold, 1316); da ward dem Georigen rbe ertailt, daʒ er den chindern von dem Purchrecht nicht mer dienn sult, denn vor geschriben stet ..., wan deu wandlung vor unser und mit unserm wiszen vor dem rat geschehen ist 238 (1330); daʒ dise red und wandlung unzebrochen peleib
stiftungsb. v. St. Bernhard (
fontes 2, 6) 246; hat er uns gepeten, daʒ wir die vorgenanten wandlunge und den chouf, der zwischen in und den vorgenanten vrown von sand Bernhart geschehen ist, under meinem insigel verschreib an disem brief 264 (1340). 22) wandlung
als '
verkehr' (
s.wandel B 1). 2@aa)
so kommt es schon im ahd. vor: commertia (
belli), wantalunga Steinmeyer-Sievers
gl. 2, 667, 23 (
zu Aeneis 10, 532);
commerciis, wantlungo 4, 200, 45; ze dîen noh súmelichero búrgo líument chómen nemág ... fóne úngewónehéite chóufes, únde állero wándelúngo (
insolentia commertii) Notker
Boetius 2, 45 (1, 113, 21
Piper); sól iz sô fáren, sô íst tíu éiniga wándelunga (
unicum illud commertium) geírret únder góte únde únder ménniskôn únde dér chóuf, tér állêr gestât an gedíngi únde án fléhôn 5, 16 (1, 322, 4
Piper). 2@bb)
ebenso auch später von dem verkehr zwischen gott und den menschen: o selige wonuonge mit got! ein wandelunge, da richeit zufluoszig ist, wollust suosze an alle frist. H. v. Neustadt
gottes zukunft 7793
Singer; ferner verkehr, umgang mit den menschen: ein prunn ist in dem mer des obern tails der stat Tyren, der springt mit gar süeʒem waʒʒer in sölicher ungestüemikait von des mers grund, daʒ er sich erhœcht über daʒ mer ... der prunn bedäutt der guoten läut wandelung under den pœsen K. v. Megenberg 485, 18; wande ir otmudekeit ferre widene unde breit ergoʒ ir suʒekeide smac ... ir wandelunge unde alle ir rede was alles mit den armen.
Elisabeth 1054
Rieger (
ähnlich 7170); di selege aber nu zu dal zu den gurtelmeden ginc: mit in ir kosen si gefinc unde alle ir wandelunge also, daʒ ir swiger aber do sprach ir nidecliche zuo: 'sage, Eliʒabet, waʒ mache duo, daʒ du in steteclicher frist bi den dienstmeden bist?' 1187; so hat er sich doch solichs nye überhept, sunder in wandlung mitt den armen sich bewiset als ir gesell Riederer
spiegel d. rethoric (1493) h 2
b;
conversari, wandlung furen Diefenbach
gl. 148
c;
conversatio, wandelunge
ebenda; pollicio (
für pollicia, politia '
respublica, hominum in eadem urbe simul habitatio' Ducange 5, 333 ?), wandelunge, wandlung
gl. 445
b;
secretus loco, hindan geseczt usz der gemain wandelung der menschen
voc. pred. x 6
a; umbgaen, verkeren in der wandling,
conversari Teuthonista 99;
daran schlieszt sich die bedeutung '
lebensführung' (4).
auch mnd.-mndl. wandelinge '
verkehr' Schiller-Lübben 5, 589; Oudemans 7, 848.
jetzt nd. wandelinge '
umgang' Strodtmann 278;
vläm. in de wandeling '
im gemeinen leben' De Bo 1181. 2@cc)
schlieszen sich örtliche bestimmungen an, so entwickelt sich die bedeutung '
aufenthalt',
wobei auch an wandeln '
hin und hergehen'
angeknüpft werden kann (
vgl.wandel B 1
b): diʒ sprach ouch sente Paulus: unser wandelunge ist in den himelen
d. mystiker 1, 9, 20; unser wandelung ist in den himeln (Koburger: wanderung; Luther: wandel) Mentels
bibel, Philipper 3, 20; ein himmelrich hant sú in allen dingen, und in dem ist ir wandelunge und ir wonunge Tauler
predigten 109, 12
Vetter; got hat si erwellet und fúr welt und hat si gemachet wandlend in sim gezelt ... daʒ erst ist dú erwellung; daʒ ander ist dú fúr erwellung; daʒ dritte dú wandlung in dem gezelt (
in tabernaculo suo habitare)
St. Georgener prediger 119, 7
Rieder; schlieszen sich richtungsbestimmungen an, so zeigt sich die bedeutung '
verkehr nach einem ort' (
vgl.wandel B 1
c)
s. unten 3,
Magdeburger fragen. 2@dd)
ebenso hat die bedeutung '
hin und her gehen'
eingewirkt bei wandlung '
verkehr auf den straszen' (
vgl. wandel B 1
d): ze Paden in ÆrgOew, da groʒʒe gastung und zuokunft vil volkches und ouch mangerlay wandlunge ist
stadtrecht von Baden 16, 11 (1369)
Welti; ob jemer gestúrm, gelOeyff, geschreyg oder susz argwAenig wandlungen von lúten fúrgieng, so sol er (
der zoller) die tor schnell zuoschlachen
stadtrecht von Brugg 81, 40 (1493)
Merz; so ... andere thüre und laden zu verhinderung freyer strassen und wandlung fürgenomen weren worden
Nürnberger reformation (1484)
tit. 35,
ges. 3.
vom wechsel des hirschs (
vgl.wandel B 1
e): er gehet und bestehet im holtz, wo es am dickesten ist, welches man desz hirsch wandlung heiszt
jag und weidwerckbuch (1582) 1, 36
b. 2@ee) wandlung
kann auch auf den kaufmännischen verkehr bezogen werden: daʒ sint deu recht die dew erbern burger von Wienne ze Haimburch mit irrer wandlung habent, also daʒ seu umb alle ir wandlung, eʒ sey vil oder wenich, ze Haimburch in der stat nicht gebent, wenne den jar-schilling, daʒ sint drei phennige
Haimburger handfeste (
Senckenberg vision. diversae s. 282); alle wandlung, alle choufmannschaft und niderlegung (
der kaufleute nach Ödenburg)
quellen z. gesch. d. stadt Wien 2, 1, 288 (1345); daʒ wir unsern purgern ze Waydhoven durch notdurft der stat vollen gewalt habn gegebn, ir kaufhaus ze pawend und ze peʒʒern und alle wandlung der kaufschätze, die dar inne wär oder darkeme, bestellet mug werden wie die genant sey
urkunde von 1355,
font. rer. Austr. II, 35, 304; ir freiung, recht und gewonhait, die sy mit ir wandelung und gewerb von alter gehabt und herbracht habent
quellen z. gesch. d. stadt Wien 2, 3, 445 (1368); daʒ wir in ainen offenen und gemaynen wechselbankch geben ..., an dem alle wandlunge des wechsels ... geschehe und gebet werde
stadtrecht von Baden 16, 16 (1369)
Welti; wir musten ewern burgern in unserm kunigreich und der cron czu Beheim und andern unsern furstentumen und landen wandelung vorbieten und der furbas nicht gestaten in dehein wis
archiv f. gesch. u. alterthumskunde von Oberfranken 15, III, 69 (
urkunde könig Wenzels 1413). 2@ff)
auch die bedeutung '
beruf, hantirung',
die noch um 1600
in nd. gegend erscheint, gehört wol hierher (
vgl.wandel B 1
f): ein frmAesser sol in der statt vier frgmessen haben in der wuchen ... und die also in sOelicher frger zit sumer und winter, als dan das sOelichs menklichem zuo siner arbeit oder wandlung komlichen und wol dienen mag
stadtrecht von Brugg 88, 8 (1493)
Merz; damit sie (
die tischler) mit ihren benachbarten meisteren und gesellen, sowohl ost- als west-wärts und allen umbliegenden orten, da ihre meistern und gesellen wandlung und hantierung brauchen, correspondenz, fried und einigkeit haben Krumbholtz
die gewerbe der stadt Münster 443 (1607); ein geselle aber, der ... diese gilde zu gewinnen begehret, der solle beweis seiner ehrlichen geburt fürbringen, wie auch dasz er seine 6 lehrjahre bei einem ehrlichen meister ... und sonsten seine dienst und wandlung frömblich habe vollendet 354 (1614). 2@gg)
der verbindung handel und wandel
entspricht zuweilen handlung und wandlung (
mnd. handelinge unde wandelinge Schiller-Lübben 5, 588
unten): o der freude, dich wieder zu haben ...! wie fällst du so unvermuthet (doch brauchts ja keine motive) aus diesen allerliebsten episoden hier in unsre haupthandlung und wandlung hinein! Tieck 4, 19. 33) wandlung
als '
gang'.
zuweilen noch in iterativem sinn als '
wiederholtes hin und hergehen': aller worte hœhster hort daʒ sint diu êwangeljâ. in den vindet man dâ Kristes wandelunge geschriben und swaʒ sîn zunge gelêrte ie nâch der menscheit. Rud. v. Ems
Barlaam 78, 27; wer tegelich von wochen zcu wochen unde von stetin zcu stetin, von lande zcu lande syne wandelunge hat unde in keyner stat jar unde tag wonhafftig ist, der heisszet unde ist eyn wilder gast
Magdeburger fragen 2, 5, 2 (
s. 173)
Behrend; übertragen: der stern wandelunge. Teichner
nach Lexer 3, 676.
meist erscheint aber, wie bei wandel,
die bedeutung zu '
gang, wanderung, reise'
abgeschwächt: du salt bi mir (
dem teufel) gewinnen ere und werdekeit noch me ... la din widerreden sin. du were ie miner vreuden licht, des sich noch zu dir versicht min stete hoffenunge. grif an die wandelunge und volge mir so hin dan.
Passional 323, 38
Köpke; Cristoforus da hin bequam in siner wandelunge. 350, 47; Jugurtha ... thäte seine wege und wandlung (
itinera praefectosque) täglichen vonn tag zu tag verwandeln ... dan zoch er gegen den feinden, zu zeiten in die einöde D. v. Pleningen
Sallust B b 2
a;
meatio, wandelung, gaunge Diefenbach
gl. 352
b;
migratio, ganck vel wandelunge 360
c;
vagatio, wandelung, wandelinge 605
a (
auch ndl.: wandelinghe,
itio, iter, profectio, ambulatio Kilian 652).
besonders ist dies wandlung
im alemann. verbreitet, wo es auch '
abreise' (
vgl.wandeln B 2 b
ε)
bedeuten kann: wandelunge,
profectio, via, iter. Dasypodius 451
d; wandlung,
peregrinatio, itio, iter, profectio Maaler 484
a; dasz inen (
den leuten des königs Xerxes) nit gnuog was das mere zuo schiffung, noch des porten gnuog zuo lendung, noch das ertrich zuo wandlung
N. v. Wyle
translationen 147, 17
Keller; deszhalb man oben durch ein berg und wald, von sichrer wandlung wegen, ein landstrasz machen muszt Tschudi
chronicon Helveticum 1, 146
a; (
die schwäche wegen langen liegens) mit der übung, wandlung und ordnung ohn allen schaden hin wird gehn Paracelsus (1616) 1, 687 c;
ungewöhnlich im plur.: solliche bruoderschafft oder gastliche freüntschafft ward vilerley ursachen halb angestifft. dann etwa kam einer ungfar mit den andern in kundtschafft, in gsandter bottschafft, in wandlungen, do etwo einen underweg noth anstiesz Joh. Herold
heydenweldt (1554)
g 5
a.
im späteren nhd. erscheint dies wandlung
nicht häufig: wandelung,
ambulatio Stieler 2501. Steinbach 2, 926. Hederich (1753) 2578;
proménade, action de marcher Rondeau; des feldes thiere zwar sind unterstützt mit füssen, dieweil sie allezeit am trucknen lauffen müssen; hergegen darff disz nicht das kalte schuppenheer, als dessen wandelung und ruhstat ist das meer. Opitz
Hugo Grotius 292; von Schottwien bis hierher war heute in der mitte des januars eine tüchtige wandlung Seume 71 (
spazierg.).
übertragen auf abstracta: so wird die grosze umwälzung endlich um den ganzen schönen bogen des mittelmeers ihre wandelung machen Arndt
christliches u. türkisches (1828) 353;
vgl.seelen - wandelung Logau 1, 7, 71.
übertragen vom leben (
s. auch oben wandelunge
bei R. v. Ems): denn ist die wandelung der menschen gleich ein traum, so ist des vaters geist doch thätig ümb den baum. Lohenstein
hyacinthen 79. 44)
die bedeutung '
lebensführung, art sich im leben zu verhalten'
hat sich aus der von '
verkehr mit den menschen'
abgezweigt (
übertragung von '
gang'
kommt hier weniger in betracht). wandelunge
entspricht so in der älteren kirchlichen sprache dem lat. conversatio. noch die vorlutherischen bibeln gebrauchen es so neben wandel; Luther
hat immer wandel
dafür gesetzt, das wandlung
in diesem sinn ganz verdrängt. auszerhalb der geistlichen litteratur erscheint es überhaupt nur selten. 4@aa)
es kann auf die äuszere lebenshaltung, lebensgewohnheiten gehen: wi nu di dugentriche gar nach kuneclicher art geboren unde gezogen wart mit al ir wandelunge, iedoch di frouwe junge nach dirre stunde schiere alle uppeclich geziere versmehete same ein cranker mist.
Elisabeth 1971
Rieger; die welt vichtet dich an mit geistlicher hochfart, das du wilt gesehen sin ... und wol gevallen an kleidern, an wandelunge, an hohen worten Tauler
predigten 13, 19
Vetter; si ... suchent do an den lust und die gengde die in werden mag, und reissent sich selber dar zuo mit allen den wisen, worten und werken, mit kleidern, mit gelosse und mit maniger hande wise und wandelunge, in gande, in stonde, mit goben, mit botten und mit brieven 136, 12. 4@bb)
gewöhnlich wird es aber auf das sittliche verhalten bezogen, das noch durch adjectiva genauer bezeichnet werden kann: conversatio, wandelunge, gaistlich wandlung Diefenbach
gl. 148
c;
disciplina, zuchtekeit oder gut wandelunge 184
b; alsus die reine godes maget ... gnuoc frouwen von ir idelkeit, gar vil ir zu bescheidenheit kuscher wandelunge die selege unde die junge zoch mit guoder lere.
Elisabeth 2057
Rieger; dabi ein selic priester stunt, ein gedruwer godes frunt, an wandelunge dugentlich, an andechte lobelich. 2839; sin leben hatte er ie gekart an reine wandelunge. zu hoher predegunge was er al zu wol bereit. 3971; nu fúgt es sich zuo eynem mal, das der kaiser stuont in sym sal und ruompt Alexanders wandelunge. H. v. Bühel
Dyocletianus 8070; du unreht bobest, sit din ingang ist mit vil meineyden beflecket ... und die wandelunge het einen bösen lymuot Königshofen,
städtechron. 8, 434; sin lebin unde wandelunge was lutir und reine
leben des h. Ludwig 46, 26
Rückert; da sol sin ain viol rehter demtkait, da sol sin ain zitlos zúhtiger wandlung und erberkait
St. Georgener prediger 317, 4
Rieder; personen gudes lebens unde ersamer wandelunge Diefenbach-Wülcker 894
aus d. Frankfurter archiv (1332); so wirt der mensche also weselich und als gemein und tugentlich, gtlich und von minsamer wandelunge, mit allen menschen gemein und gesellig Tauler
predigten 176, 13
Vetter; auch dar yederman, es sien wirt oder hantwercklude und ander, die feilen kauff haben, zuchtiges wort und guter wandelung, ouch fruntlichs bescheits sien und sich ziemlicher bescheidenheit vlysze Janssen
Frankfurts reichscorr. 2, 566 (1492); dat selve ... hait die clairheit van anderen doegenden dinre hilliger wandelung mit einre swaerer dunkerheit overdecht ind verduistert
städtechron. 13, 497, 18 (
Köln 1499); alles sein geschlecht und all sein geburt belib in eim gutten leben und in einer heyligen wandlung Koburgers
bibel, Tobias 14, 17; wann ir hort etwan mein wandlung (wanderung Koburger) in der judischeit Mentels
bibel, Galater 1, 13.
pluralformen kommen vor: in worten, in werken, in gelosse, in wandelungen Tauler
predigten 62, 26
Vetter; in heiligen wandelungen und in milten Mentels
bibel, 2.
Petri 3, 11. 55)
reich entwickelt ist wandlung
als '
veränderung',
das seit der ahd. zeit vorkommt: dia wandalunga (
mutationem) gábe er ouh ín Notker
ps. 88, 52 (2, 376
Piper).
wie das ähnlich bei wandel
und wandeln
zu beobachten ist, ist das im mhd. häufige wort dann später zurückgetreten und aus dem 16., 17.
jahrh. nur selten zu belegen (Luther
scheint es nur in der bedeutung '
transsubstantiation'
zu kennen);
bei Diefenbach
gl. 374
a mutatio, 593
a transitus, 593
b transmutatio, 607
a varicatio, wandelunge.
die wörterbücher des 16.
jahrh. haben es gar nicht, Stieler 2501
führt wandelung
neben das wandeln
als '
mutatio'
an, Krämer 1208
a und Kramer (1719) 259
a verweisen von wandlung
auf verwandlung, Rondeau
hat es als '
changement',
nach Adelung
ist es '
nur in einigen zusammensetzungen üblich',
doch komme für brodwandlung
schlechthin wandlung
vor, Campe
kennt es als dichterisches wort (
mit belegen aus Schiller
und Kretschmar).
als solches war es von Klopstock
eingeführt worden (
noch 1795
verzeichnet es Kinderling
reinigkeit d. deutschen sprache 437
als ein wort Klopstocks),
ist aber jetzt in die allgemeine sprache eingedrungen, wo es in bestimmten wendungen sehr beliebt ist und gegenüber wandel
bevorzugt wird, weil es pluralformen bilden kann. 5@aa)
in activem sinn von einer änderung, die jemand vornimmt oder bewirkt. 5@a@aα)
mhd. wandelunge
zeigt sich so in verschiedenen anwendungen: dô wart von dem leide nâch vröuden gestalt ir muot. swâ sælden gunst alsô tuot, dâ ist ir wandelunge mit gar gemeiner zunge ze loben und ze êren. H. v.
d. Türlin
crone 19106; zwar noch wundirt minen sin, wie ein ding si got und gut. vrunt daʒ mache ich dir vrut. iʒ ist mit der wandelunge getan, daʒ wil ich an wise pfaffen lan: o ist giwandilt in ein u. Brun v. Schonebeck
hoh. lied 6516.
musikalisch von der übertragung einer melodie in eine andre tonart (
vgl. wandelieren): von der (
nachtigall v. Hagenau) denk' ich vil unde genuoc, (ich meine ab von ir dœnen den süeʒen, den schœnen), wâ sî der sô vil næme, wannen ir daʒ wunder kæme sô maneger wandelunge. G. v. Straszburg
Tristan 4787.
von der veränderung der stimme: dann solich wandlung yetz senfft, darnach höher und widerumb in mittler stymm zereden behelt den redner Riederer
spiegel d. rhetoric (1493) g 4
a.
von der mischung von farben (
vgl. lat. variare): ein wunderlich mixtûre ûʒ dem rîlichen apfel schein ... ir schîn was wider unde für zerdræjet und zersprenget und alsô gar vermenget mit wilder temperunge, daʒ manic wandelunge dâ fremdeclichen lûhte. K. v. Würzburg
troj. krieg 1420.
verlegung eines ortes: sô wart von ihm (
dem fürsten) herabgeleit von Aldinhûse dî stat der Colm und an berc gesat, dâ sî ouch noch huite lît. dî wandelunge in der zît was ûʒirmâʒin heilsam Colmerlande allintsam.
N. v. Jeroschin 8629
Strehlke; item den hewptluten im here von irs handels der leger halben und wandelung, die mit in furgenomen werden, und andere notturfft zuschreiben verlassen
städtechron. 10, 427,
anm. 5.
entsetzung von einem amt: von der wandelunge der commendûre, ob sie sîn bûʒwirdich (
de precep torum viciosorum deposicione)
statuten des deutschen ordens 19, 10
Perlbach. veränderung der münze: und dise munse sol stete und ewic gan in diseme bistume si enwerde danne gewelschet (
l. gevelschet), so sol man si wandelen mit wiser liute rate; und dise wandelunge geschit nach eineme anderen ceichene (
mutabitur secundum aliam formam), und niht nach der swere Gaupp
stadtrechte 1, 64 (
Straszburg 13.
jh.). 5@a@bβ)
in der bedeutung '
verwandlung der hostie in den leib Christi durch den priester' (
vgl.wandeln C 1 g
β)
ist wandlung
auch später in der katholischen kirche üblich geblieben: transsubstantiatio, wandelunge Diefenbach
gl. 592
b; bey der wandlung,
all' elevazione Krämer 1208
a; ouch bite wir dich, hêrre, durch der wandelunge êre unde sich dizze opher tuot ze Christes liche unde bluot ze sâlde aller christenhait: dû wende uns elliu unsriu leit.
messegesang (
denkmäler XLVI) 78; dâ habent die pfaffen sunder art ... si begênt anders die wandelung. Enikel
weltchronik 27567
Strauch; wein, wasser wirt zu pluot gericht mit wandlung der naturen. Hätzlerin 64, 55 (
s. 255); dreu phunt wachs ... zu einer erbern wandelchertzen, mit der man tæglich loben schol die wandlunge unsers herren gotes Jesu Christi
urkundenbuch d. landes ob der Enns 5, 431 (1325); bisz das sie (
die bauern) mit der glocken wurden beruofft zuo der wandlung Bebel
geschwenck (1558) K 6
a; so bistu (
priester) geweihet, und hast gewandlet wider die ordnung und meinung Christi, denn Christus meinung ist die, das man sol das sacrament oder die messe also halten, das es seinen christen ausgeteilet ... werde ... nu hastu ... alle wege das sacrament allein empfangen, und niemand gereicht ... was ist nu das für eine weihe und wandelung? Luther 6, 83
a; sie glauben, es sey mehr als gnug, wann man zu der heiligen wandlung ein paar klopffer oder drithalb auff die brust setzt Abr. a S. Clara
reimb dich 246 (
auff, auff, jhr christen); ich habe dich schon beobachtet, wie du beim geläute während der wandlung den hut zum beten abnahmst Ad. Pichler
allerlei gesch. aus Tirol (1867) 98; bald klang das zeichen der wandlung, wo der priester dem versammelten volke die hostie zeigt 207; nach der messe schlich er sich sachte davon ... und wagte sich erst wieder zur kirchthür hinein, als trompeten und pauken zu beginn des hochamtes laut wurden. die wandlung war schon vorüber Anzengruber
3 3, 59 (
dorfgänge I); glockenklang erhob sich, es wurde zum sanktus geläutet; nun folgte die wandlung Ebner-Eschenbach
das gemeindekind 82; die pfeiler eines gotteshauses, d'rin das knie'nde volk in priesterlichem pomp das hehre spiel der wandlung gottes sah. G. Keller 9, 230. wandlung läuten,
mit der glocke das zeichen zur wandlung geben Martin-Lienhart 2, 834. Schmeller 2, 936.
im 16.
jahrh. auch handlung und wandlung: welcher sagt, das die handlung und wandlung des hailigen fronlichnams Christi, so der pfaff in der mAess thuot, sey ein opffer für lAebendig und todt, der irt Eberlin v. Günzburg 1, 167
neudr. 5@a@gγ) wandlung
kommt auch von sprachlichen veränderungen vor (
s. auch α Brun v. Schonebeck): und ward Venecia gehaiszen usz wandlung desz buochstaben h in v Stainhöwel
de clar. mul. 53
Drescher. im 17., 18.
jahrh. ist es als grammatischer ausdruck für '
flexionsform'
üblich: die endung aller wandlungen im decliniren, compariren, conjungiren, hat unfehlbar ein e J. Bödiker
grund-sätze der deutschen sprachen (1690) 61; die fürwörter: ich, du, er, wir, ihr, sie, man, sich, sind bei einem handlungsworte fastkurz; ... alle mit ihren einsilbigen wandlungen Voss
zeitmessung d. deutschen spr. 50.
in engerem sinn: nim die beugung wol in acht, lasz die wandelung nicht streichen, heisz die fügung ziehrlich stehn, und nicht von der mundahrt weichen. Neumark
neuspr. teutsche palmbaum (1668) 339 (beugung
ist '
declinatio', wandelung '
conjugatio', fügung '
syntaxis'). sprachwandelung
gebraucht Fischart
für '
übersetzung'
ehezuchtb. 119, 23
Hauffen vgl. wandeln C 1 g
α. 5@a@dδ)
im mhd. tritt auch die auffassung als '
austausch, wechsel'
hervor vgl. wandeln C 1 f:
vicissitudo, wandelung eines dings umb das ander Diefenbach
gl. 618
a; und als er wolde rîten und von der frowen Ênîten dô begunde scheiden, von den gesellen beiden ein getriuwiu wandelunge ergie, unde sage iu rehte wie. der vil getriuwe man, ir herze fuorter mit im dan, daʒ sîn beleip dem wîbe versiegelt in ir lîbe. Hartm. v. Aue
Erec2 2362; sich huop ein wehsel von in zwein unde ein wandelunge. Dieterich der junge nam Engelhartes kleider
an. K. v. Würzburg
Engelhard 4551; und (
er) wolde stete swigen. vingern und nigen pflac er vor die zunge und dise wandelunge solde im wesen lichte.
Passional 520, 94
Köpke; rechtlich: umb einen wechsel oder umb ein wandelung des houses, das der prior und die sammung des ... chlosters habent in der Verberstrass ze Wienn umb ain ander hous in derselben stat ze Wienn
quellen z. gesch. d. stadt Wien 2, 1,
no. 132 (1331);
mutuum, wandelinge (
daneben borg, leyung, wechsel) Diefenbach
gl. 374
c,
vgl. oben sp. 1542 wandel
bei Mommsen. 5@bb)
in passivem sinn (
zu sich wandeln)
von einer veränderung, die vor sich geht oder vor sich gegangen ist. so ist das wort auch in der neueren sprache sehr üblich geworden. 5@b@aα)
von äuszerlich wahrnehmbaren veränderungen. 5@b@a@11))
wechsel der jahreszeiten, beginn des sommers: eʒ gruonet wol diu heide, mit niuwem loube stât der walt: ... gegen der wandelunge singent wol diu vogelî
n. Neidhart v. Reuenthal 11, 16; ich gesunge ir niuwen sanc gegen der wandelunge. dâ mit diente ich ir den sumer und den winder lanc. 79, 32; wol der sueʒen wandelunge! swaʒ winter truobte, daʒ tuot sumer klar. Hadloub,
minnesinger 2, 295
b Hagen. 5@b@a@22))
veränderungen der himmelskörper, der erde und des irdischen: also di sunne di hute schein, die ouch undirweilen vil dicke verwandilt ir lichten blicke. ich sage wie geheiʒen is ir wandelunge: eclipsis. Brun v. Schonebeck
hoh. lied 6527; darnach in dem prchman an dem 17 tag, da ward ein verwandelung der sunnen, die verlos gancz iren schein und geschahe an sant Allexius tag, 12 or und 4 minuten darnach do was dy wandelung am grösten
d. städtechron. 1, 388, 4 (
Nürnberg 1433); die zeit nach der jehrlichen wandelung lernen erkennen Thurneysser
magna alchymia (1583) 108; wandels dû sie (
die himmel) niht erlâst. an in wirt wandelunge erkant, sie veraltent als ein gewant, und als ein decke gar vür wâr wehselnt sie sich. dîniu jâr verwandelnt sich niemer. Rud. v. Ems
Barlaam 329, 5; jetzt musz gehandelt werden schleunig, eh' die glücksgestalt (
Jupiter) mir wieder wegflieht über'm haupt, denn stets in wandlung ist der himmelsbogen. Schiller 12, 209 (
Wallenst. tod I, 1); mit ihm, dem geisterfürsten, werd ich reisen, der welten wandlung wandellos umschweben. Arndt
werke 5, 89; diesen unverweslichen leib, den edlern genossen meiner seele, den hast du mir, vor dem tage der tage, vor der erde wandlung gegeben! Klopstock
Mess. 11, 307; mittler, der stern, des hüter ich bin, erhebt zu dem ziele seiner wandlung sich bald. des hohen sternes bewohner haben schon vorempfindung von ihrem schwunge zum urlicht. 16, 99; für die ältesten zeiten liegt jedenfalls ein haupthebel dieser veränderungen in den wandlungen, welche die oberfläche unsres planeten ... erfahren hat D.
F. Strauss
schriften 6, 129; die alten ... schäfer ... haben ... der zeit und des gewitters gestalt und tägliche wandlungen wargenommen Sebiz
feldbau (1579) 136; die betrachtung der materie in ihren mannichfachen wandlungen Lange
gesch. des materialismus 5, 112; folglich sieht man recht, mit augen, wie es möglich sey vergehen, und dennoch, als nicht vergangen, ohne wandelung bestehen. Brockes
ird. vergnügen 4, 385. 5@b@a@33))
körperliche veränderungen beim menschen: do was ein wandelunge an sime antlitze geschen so, daʒ si daʒ wunder mochten sen, wand eʒ was luter und klar und als ein engel gevar.
Passional 39, 14
Köpke; nach der groʒʒen schone so wart er an siner martere also sere missestalt ... sin minnenclich antluotze vorblaichte gar daʒ êe schone rosenvarwe hætte, ... dise maniger leie wandeluonge die an im waʒ die gab uns den schatten wider den ewigen tot Schönbach
altd. predigten 1, 83, 16; nimpt man die zeychen zuo dem ersten von der wandlung oder andrung des leibs Gersdorff
wundartzney (1517) 71
c; ich sah mein ganzes leben (
im traum)! erst erschien ich als kind, von zartem rosenlicht umflossen, das immer röther, immer dunkler ward: da waren mir die eig'nen züge fremd und bei der dritten wandlung erst erkannt' ich mich in dem gar zu jungen angesicht. Hebbel 1, 257 (
Herodes u. Mariamne IV, 7); doch werde wir vorwandelt alle die von der erden irstende danne werden. 'welche sal die wandelunge wesen?' H. v. Hesler
apokalypse 20241
Helm; der Ganges rauscht; vernimm im abendroth die lehre von der wandlung nach dem tod. was ist, das ist von anfang her gewesen, und wird im tod zu neuem sein genesen. Geibel 3, 93 (
neue ged.). '
verwandlung, metamorphose': daʒ in diu schœne Lîdâ sô herzenlîche twunge, daʒ er mit wandelunge durch ir minne wurde ein swan. Rud. v. Ems
Barlaam 251, 10; wer weysz, warumb solch wandlung (
der Melusine) gschicht? H. Sachs 12, 547, 9
Keller; ists esel oder edel? in was gestalt mir die wandlung gefallt (
ein spiel)
Garg. 268
Alsleben. 5@b@a@44))
gott ist ohne wandlung: alsô wandelt dîn gotlîchiu kraft alliu dinc nâch ir natiurlîcher art und bist dû doch in dir selben âne alle wandelunge. swâ wandelunge ist dâ niht stæter ruowe
d. mystiker 1, 365, 26; ûʒer got enist niht wan niht alleine. dar umbe ist eʒ unmügelich, daʒ in got iht müge gevallen anderunge oder wandelunge 2, 321, 13; das du, her, einig pist, doch in der einiung gedreyt in unterschidlicher dreyung, dar in du genczlich pist gefreyt vor drifeltiger wandelung. H. Folz
meisterlieder 29, 10
Mayer; dar um kein wandelung im (
Christo) nit zu zel ausz der gotheit in menschlich wot. 13, 19. 5@b@bβ)
von innerlichen vorgängen in der seele des menschen, von der stimmung, gesinnung, dem ganzen wesen: nû hâst dû dich baʒ bedâht daʒ dir sô misselunge: vil guote wandelunge hân ich nû von dir vernomen. Hartm. v. Aue
büchlein 1, 11, 54; dô wart ein wandelunge an vrœlîchem muote dâ. diu schar begunde weinen sâ. Rud. v. Ems
guter Gerhard 5612; ob si ein lip verleuset, daʒ si wandelunge verkeuset als die turteltaube tut; die gewinnet nimmer vroen mût, immer mer ist ir trauren bei.
kleinere mhd. erzählungen 3, 106, 185
Rosenhagen; sy erkunten die wandelung (bekerung Koburger, wandel Luther,
τὴν ἐπιστροφήν) der heiden Mentels
bibel, apostelgesch. 15, 3; das ewig in der seelen sein wandlung vollbringt Paracelsus
opera (1616) 2, 336; ein edler sinn, ein festes herz kennt nie die wandlung, nur den schmerz. Fouqué
altsächs. bildersaal 2, 407; ohne dasz sie es selbst wuszte, kleidete sie sich, als wär ein hoher festtag. auch darin zeigte sich ihre wandlung O. Ludwig 2, 242 (
Heiterethei); er ahnte nicht, welche wandlung sich im geiste des bündners zu dieser stunde vollzog und dasz Georg Jenatsch nach innerm schweren kampfe sich von ihm lossagte C.
F. Meyer
Jürg Jenatsch 223; mit entzücken gab er sich ihr (
der beschämung) hin als dem wahrzeichen seiner wandlung v. Ebner-Eschenbach
schriften 2, 83; niemand hat diese grosze wandlung im deutschen volksgemüthe ... mächtiger gefördert als Göthe Treitschke
d. gesch. 1, 317. 5@b@gγ)
von den lebensverhältnissen der einzelnen menschen und der menschheit, den glücksumständen (
wo sich die bedeutung oft der von '
wandelbarkeit'
nähert): unde eine wandelunge an sime lebene was geschen; man hete in arm e gesen und sach in nu an herschaft.
Passional 54, 46
Köpke; sine (
die welt) mach keine wis an ein dingen bliben; houte niemet sie zu, morgin abe; huote stet iʒ uobele, morgin baʒ; huote ist urlouge, morgin anders. duorch dise manige wandelunge so hat sie die heilige scrift geebinmaʒit dem mane Schönbach
altd. predigten 1, 125, 25; ellú wandilunge und unstetekait der welt wil sie (
die minne) niht wiʒʒin
St. Georgener prediger 140, 28; die Römer wolt er ain weil erhöhen .. doch hat ünser herr darnach die Römer mit den Deütschen genidert . die wandlung die fürsten aller zergenchleichen herschefften für sich süllen nemen .., damit si und ir nachkömen nicht auch sölich wandlung verdienen
österr. chronik von den 95
herrschaften 24, 4
und 7
Seemüller; die verstellung befuget uns vielfältig, das glück unser unglück, und das unglück glückselig zu nennen: in betrachtung ... des gebrauchs und miszbrauchs; wodurch beydes, das gute und wiederliche glück, zur wandelung kan gereitzet werden v. Butschky
Pathmos 25; wir ... verlängerten in unberechenbarer weise die periode, während welcher unsre truppen den wandlungen des geschicks ausgesetzt blieben v. Bismarck
ged. u. erinn. 2, 121
volksausg.; die gröszte schuld an den raschen wandlungen, denen sein stern unterworfen war, trugen die mitglieder des hauses selbst v. Ebner - Eschenbach
schriften 4, 3; wie entzückt über die wandlungen meines schicksals, wie dankbar wallt mein freudiges herz in mir! Klopstock 1, 84 (
der verwandelte); o der wandlung! graun und nacht umdüstern nun den schauplatz jener herrlichkeit. Matthisson
ged. 50; jetzt streuen sie (
die klöster) aus dummheit und verderb, einst säten sie wissen und geist aus. so wechselt die zeit und der welt umschwung und der menschheit ewige wandlung. Platen 316 (
parabase). 5@b@dδ)
von urtheilen und reden: ein wandelunge an im geschach: daʒ man im ê sô wol sprach, daʒ verkêrte sich ze schanden wider die die in erkanden. Hartm. v. Aue
Erec2 2984; in den wandlungen der urtheile über dieses kunstwerk spiegeln sich die wandlungen des kunstlebens Justi
Winckelmann 1, 451; eine sehr alte .. erzählung .., die in zahllosen wandelungen und steigerungen bei den späteren wiederkehrt Mommsen
röm. gesch. 1, 82. 5@b@eε)
von der sprache: der einflusz, welchen dieser brauch auf die wandlung der sprache haben musz, ...... leuchtet ein Ratzel
völkerkunde 2, 62; die bairische wandelung des ablauts iu in eu Weinhold
mhd. grammatik2 114; das i einer zweiten silbe, von welchem die wandlung des u der ersten in v abhieng J. Grimm
kl. schr. 3, 104;
vgl. auch 5
a, γ. 5@b@zζ)
juristisch bezeichnet mhd. wandelunge
einen wechsel bei dem lehnsherrn oder dem belehnten, wie auch die dann fällige abgabe (
laudemium): es ist ouch eines aptes recht, das er do (
l. dü) ampt, dü die burger von im hant, lichen sol ir sünen, swen ein wandlung beschicht, es si an dem apt oder an dien burgeren so si sterbent
weisth. 4, 367 (
Luzern); und dis selbe var ist och dem selben vorgenanten Kuonrate Brógelin verlúhen und treit es an siner und an sins bruoder seligen kinde und Briden siner wirtin stat, der och das selbe var halbes ist, nu wande er es an irre stat treit an siner hant von der wandelúnge und des erschazzes wegen
urkundenbuch der stadt Basel 2, 56, 26 (1273); super domibus, de quibus domino nostro Wormatiensi episcopo jus, quod vulgariter dicitur wandelunge, non est dari consuetum Baur
hessische urkunden 2, 545 (
Worms 1297).
so auch allgemeiner gefaszt: in welcher wîs daʒ heilige lant ofte sî von hant in hant mit wandelunge kumen.
N. v. Jeroschin 21, 466
Strehlke. 5@b@hη)
im nhd. sind jetzt bestimmte wendungen besonders üblich. etwas ist in wandlung: der grund der seele ist in steter wandelung, ist keinen augenblick derselbe Eberhard
allg. theorie des denkens und empfindens (1786) 176. eine wandlung geht vor sich, findet statt, vollzieht sich
usw.: dasz die wandelung, die bei mir vorgeht, schwerlich bloszes phänomen sei Herder
in Mercks briefsammlung 1, 40; eine gröszere wandlung könnte mit mir nicht vorgegangen sein v. Ebner-Eschenbach
schriften 4, 117; sobald in Frankreich eine entsprechende wandlung der form und der prinzipien der staatsleitung eingetreten wäre v. Bismarck
ged. u. erinn. 2, 263
volksausg. eine wandlung erfahren, erleiden, durchmachen
usw.: die schon viele wandelungen durchgegangen sind Tieck
novellenkr. 4, 164; das verhältnis des königs zu seinem volke erfuhr eine bedauerliche wandlung Prutz
preusz. gesch. 3, 211. 5@cc)
im mhd. tritt bei dem wort häufig die auffassung '
wendung zum schlechten'
hervor (
s. oben b, β.
γ.
δ),
woraus sich verschiedene besondere bedeutungen entwickelt haben. '
verführung': si heiʒet wandelunge baʒ danne minne. si verkêret rehte sinne ze wunderlîchen dingen.
die gute frau 106 (
zeitschr. f. d. alt. 2, 396). '
abfall': 'wiltu den goten opfer geben, so wil ich nu ufhoren, min ungemute storen, daʒ ich vor uf dich truc'. die rede im gar nidersluc Vincencius und sprach 'o nu habe din gemach und swic du valsche zunge, wand mir die wandelunge durch din smeichen gar versmat.'
Passional 123, 12
Köpke. '
unzuverlässiges verhalten': ir stæten friunt, die alten, der kan si niht behalten, und en behaltet ouch niht die jungen; mit disen wandelungen lebet ie frou Minne. Ulrich v. Türheim
Tristan 246
Hagen; namentlich auch '
unzuverlässigkeit in der rede': daʒ möhte manegem noch geschehen, der sich niht wol behüeten kan vor einem ungetriuwen man, des ungetriwiu zunge hât manege wandelunge.
mære vom bachen 116 (
zeitschr. f. d. alt. 7, 105); sol denne unsers herren tôt, der durch uns leit unschuldic nôt, uns alle sô geringe wegen, daʒ wir emʒiger eide pflegen, und bî seiner marter swern? sô wir uns swacher kriege wern, sô mane wir unsern herren got leider ofte an sînen tôt mit maniger worte wandelungen (
meineiden), die bî den alten lernent die jungen. Hugo v. Trimberg
Renner 13697
Ehrismann. am beliebtesten ist es in negativen wendungen, wie wandelunge vrî, sunder, âne wandelunge,
wo es die allgemeine bedeutung '
fehler, makel'
annimmt (
vgl. das sich länger erhaltende ohne wandel
oben sp. 1545): wol ir, si ist ein wîp in hôhem prîse, lobesam, unde ist aller wandelunge vrî. Neidhart v. Reuenthal 43, 27; sumelîche rôsen kunnen stechen; rehte rôsen die sint aller wandelunge vrî. 95, 5; ir beider blüejendiu jugent vor wandelunge frîte sich. Heinzelein v. Konstanz
ritter u. pfaffe 79
Pfeiffer; owe din suʒʒe zungesprach die wort geblmet gar sunder wandelunge.
jüng. Titurel 5393
Hahn; ouch was dar în begraben nie kein tôter mensche dannoch, dâ von si was ein maget noch, und âne wandelunge stuont, als alle kiusche megde tuont. K. v. Würzburg
Silvester 3487; und da freude ist ane traurichait, und fride ist ane mishellichait, und da reichtumb ist ane wandlung. Vintler
pluemen der tugent 9916
Zingerle. 5@dd)
die auffassung '
wendung zum bessern',
die ebenfalls im mhd. erscheint und sich in der jetzigen sprache namentlich bei '
sinnesänderung' (
s. b. β O. Ludwig
und Ebner-Eschenbach)
geltend macht, führt weniger zur entwicklung besonderer bedeutungen: wandlung, besserung,
emenda, melioratio. voc. theut. (1482)
mm 8
b. 66)
in der bedeutung '
rückgängigmachung'
ist zwar wandlung
noch der jetzigen rechtssprache bekannt, es kommt aber früher viel seltener vor als wandel
in gleichem sinn. schon ahd. als '
wiedererstattung'
: distractarum rerum reditus, dero erzogononu sahhonu wantelunga oda heimprung Steinmeyer-Sievers
gl. 2, 91, 29;
mhd. kommt es als '
recht eine für eine partei ungünstige proceszhandlung nochmals vorzunehmen' (
vgl.wandel D 1 b)
vor: eyn iczlich man unde wip unvorsprochen had wandelunge unde holunge alsolange daʒ sy volkomen wert; wert sy felligk, sy en darf dorumbe nicht wetten
rechtsbuch nach distinctionen 4, 43, 74
Ortloff; in der frühnhd. kanzleisprache wandlung '
wiedergutmachung' der scheden: so sollen die prelaten ... sie auf ansuochen der beschedigten ungesaumpt daran halten kerung und wandlung der scheden zuthuon, so ferr sein vermögen reycht
des heyligen römischen reiches ordenungen (
Worms 1535) 116
a; als '
rückgängigmachung eines kaufes'
scheint sich der ausdruck namentlich im thierhandel erhalten zu haben; nach dem vorgang älterer rechtsordnungen hat ihn das bürgerliche gesetzbuch angenommen und verwendet ihn häufig: demnach ... wegen der an denen pferden sich öffters einige zeit hernach erst hervor thuender haupt - mängel der redhibition und wandelung halber zwischen käuffern und verkäuffern vielmahls streit und disputen sich erheben
braunschw. lüneburg. gerichtsordnungen (1712) 694 (
verordnung v. 1697
wie es der pferde-mängel u. deren wandelung halber ... künfftig zu halten); wegen der im art. 1 genannten mängel kann der erwerber nur die aufhebung des vertrages (wandelung), nicht die minderung seiner gegenleistung verlangen
gesetz der stadt Frankfurt, die gewährleistung bei viehhändeln betr. vom 29.
dez. 1864,
art. 7; die ... klagen können nach wahl des klägers auf auflösung des handels (wandelung) oder verhältnismäszige erstattung der gegenleistung (minderung) gerichtet werden
kurf. hess. gesetz, die gewährleistung für mängel von hausthieren betr. 23.
okt. 1865; jeder derartige (
gewährs-) mangel berechtigt zur forderung der aufhebung des kaufes (wandlung) Krafft
landwirthschaftslex. 415
b; wegen eines mangels, den der verkäufer nach den vorschriften der §§ 459, 460 zu vertreten hat, kann der käufer rückgängigmachung des kaufes (wandelung) oder herabsetzung des kaufpreises (minderung) verlangen
bürgerl. gesetzbuch 462.
vereinzelt kommt mhd. wandelunge
in kirchlichem sinn als '
absolution'
vor (
oder ist an '
transsubstantiation'
oben 5
a β anzuknüpfen?): wan vil manegem gelîhtet, als er die spîse enpfâhet, dâ mite er sich genâhet gote durch bekêrunge, wan eʒ spricht sîn zunge, er beger der wandelunge. H. v. Türlin
crone 19617. 77)
in concreter bedeutung findet sich wandlung 7@aa)
als wandelgang, vgl. wandel E 2: auff dise ordnung möchte man, wer da wölte, ain wandlung, zuo wissen (
scilicet) ain altana machen Serlius
reglen der architectur 21
b. 7@bb)
als stockwerk vgl. wanderung 8
b (
besonders hessisch): und doch ist Cair nicht das mal so grosz gewesen, wie jetzo wird davon gehöret und gelesen, das viele volck, so jetzt darinnen wird gespürt, von achtzehn meilewegs umbfangen schwerlich wird. darzu sol jedes hausz bey drey wandlungen haben und schlaffen doch noch viel auff gassen und in graben. D. v.
d. Werder
Ariost XV, 43, 5; inwendig sind in der untersten wandelung die classes mit einer höltzernen wand unterschieden Lucae
denkwürdigkeiten 575; hinter der kirche in dem innern kreutzgange in der untersten wandelung 650.