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wandeln

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

wandeln verb.

Bd. 27, Sp. 1587
wandeln, verb. , verkehren, gehen, ändern, rückgängig machen, büszen usw. II. herkunft und form. I@11) wandeln, ahd. wantalôn, wantilôn, asächs. wandlôn (in den Straszburger glossen), ist eine ableitung von ahd. wantôn 'wenden', das seinerseits von wintan gebildet ist; es erscheint nur im deutschen und friesischen, afries. wantelia Richthofen 1124b hat nur die bedeutung 'mutare', mnd. mnl. wandelen ist 'verändern, verkehren, gehen', nnl. wandelen 'spazieren gehen' (schwed. vandla ist entlehnt). I@22) umlaut zeigt das wort zuweilen in der bedeutung 'strafen, bessern' urkundenbuch v. Freiberg 3, 163, 14 (wendeln), monum. Habsburg. 2, 336 und 937 (wendlest, wendlen), österr. weisth. 6, 282, 37 (wändlen), zurückzuführen wol nicht auf das i in wantilon, sondern auf den häufig mit umlaut gebildeten plur. von wandel 'geldbusze' (s. sp. 1525). vereinzelt wendelt 'ändert' in der Teutschen planet (1639) A 4a, wo subject Wendelin Frantzmänlein ist (s. u.C 1 b ε), vielleicht von wenden abgeleitet, dann als wendeln zu verzeichnen; vgl. auch wendelmut neben wandelmut. I@33) die umschreibung des perfects bei dem intr. wandeln 'verkehren' geschieht stets mit haben, in der neueren sprache kommt nur die verbindung handeln und wandeln in betracht, bei der das hilfsverb durch handeln bestimmt ist. bei der bedeutung 'hin und her ziehen, reisen, gehen', übertragen 'leben, sein leben führen' ist in der älteren zeit haben das gewöhnliche, Luther gebraucht es stets, und noch Adelung fordert es als regel, im 19. jh. kommt es aber bei der eigentlichen bedeutung nur noch selten vor, bei der übertragenen bedeutung, die ganz der bibelsprache entstammt, hat es sich gehalten. vgl. Paul in den abhandl. der Münchener akad. d. wiss. 22, 1, 185 und Kehrein grammatik 3, 37, § 47. I@3@aa) ich hân die welt gewandelt wol Hugo v. Montfort 27, 181 Wackernell; ich han gewandelt manig her Oswald v. Wolkenstein 59, 45 Schatz; ich han gewandelt hin und har deutsche volksbücher 196, 21 Bachmann u. Singer; der noch nie gewandelt hatte apostelgesch. 14, 8 (gewandlet hatt Züricher bibel); so lange wir bei inen gewandelt haben 1. Sam. 25, 15; durch allen weg, daher ir gewandelt habt 5. Mos. 1, 31; wir haben gewandelt wüste umwege weish. Salom. 5, 7; in allem wege, den sein vater gewandelt hatte 2.n. 21, 21; hast (du) in den fusstapffen der tieffen gewandelt? Hiob 38, 16; da David gewandelt hatte 1. Sam. 30, 31; ich habe gewandelt in den hütten 2. Sam. 7, 6; bei Luther auch mit richtungsangabe: hast du nirgend hingewandelt randglosse zu 2.n. 5, 26 (7, 497 Bindseil); die Schotten haben gern gewandlet Stumpf Schweytzer chronik (1606) 208b; hat stets von hand auf hand gewandelt Assurs stab Opitz (1690) 4, 296; hat der söhne fusz ... gewandelt Klopstock Messias 4, 963; der in dem licht eines glänzenden hofes gewandelt hat Moser beherzigungen3 33; wo er gewandelt hat J. H. Schmidt bei Herder 12, 281 Suphan; ich habe arm und unbemerkt in der welt dahingewandelt J. Stilling 1, 46; wo sie (die verstorbene) gewandelt hätte Rückert ges. ged. 2, 67; Maria, die du hast gleich mir gewandelt A. v. Droste-Hülshoff 1, 2, 75 Kreiten; wo gottes majestät gewandelt hat Fr. Ahlfeld bei Flathe deutsche reden 2, 129. I@3@bb) sein begegnet vereinzelt in oberdeutschen, besonders alemannischen quellen seit dem 15. jh., im 18. jh. wird es häufiger, Campe läszt neben haben auch sein zu, dies erscheint jetzt, wie bei andern verben der bewegung (von der übertragenen bedeutung abgesehen), als das gewöhnliche; eine bevorzugung von sein bei perfectivem sinn zur zeit des schwankens ist nicht ersichtlich, die belege zeigen vielmehr durativen sinn, auszer dem folgenden: was eins manns stieffsun von der selben gegny gewandelt 'fortgezogen' Riedrer spiegel der rhetoric 20a; im nachstehenden gehört das hilfsverb zunächst zu fahren: die irr choufmannschaft gewandelt und gevaren sind quellen zur gesch. d. stadt Wien 2, 1, nr. 288 (1345). sonst: ich bin gewandelt den weg Zainers bibel 1.n. 15, 20; du bist nit gewandelt Koburgers bibel 2. chron. 21, 12; in der Züricher bibel öfters: durch allen wäg dahär ir gewandlet sind 5. Mos. 1, 31; bist du in den wincklen der tieffe gewandlet? Hiob 38, 16 (daneben haben z. b. 2.n. 21, 21. 2. chron. 21, 12); als unser lieber hergot noch auff erdrich gewandelt ist Montanus schwankb. 25 Bolte; menschen ... die do weit gewandlet waren Münster cosmogr. vorr. 3. im 18. jh. bei dem Elsäszer Pfeffel: wenn dein tritt durch den cedernhayn gewandelt ist poet. versuche 1, 46; war gewandelt pros. versuche 9, 120; bei Schiller: von dem guten pfade, auf dem ihr vierzig jahre seyd gewandelt 12, 260 (Wallenst. tod 2, 6); doch auch bei dem thüringer Heinse: dieser jüngling will ... den weg gehen, welchen Homer, Cervantes ... gewandelt sind? bei Gleim briefwechsel 1, 19 Körte. auch bei wandeln mit adv. 'sich im leben verhalten', ist der gebrauch von sein jetzt nicht ausgeschlossen. IIII. bedeutung und gebrauch. die ursprüngliche bedeutung von wandeln ist, dem charakter der ableitung -alôn, -ilôn entsprechend (Wilmanns d. gramm. 2 § 75), ein wiederholtes oder abgeschwächtes wenden. 'hin und her wenden', das vereinzelt im ahd. und mhd. im eigentlichen sinn vorkommt (A), wird übertragen zu 'hin- und her überlegen', im bairisch-österreichischen zu 'gerichtlich eine sache erörtern, verhandeln'. der intransitive gebrauch 'sich hin und her wenden' erscheint schon ahd. und mhd. übertragen als 'sich mit etwas abgeben', 'mit einem verkehren, umgehen, verfahren' (B 1), aus dieser gruppe hat sich die verbindung handeln und wandeln als 'verkehren' bis ins 18. jh., auf den kaufmännischen verkehr beschränkt bis jetzt erhalten. das intrans. wandeln (in der ursprünglichen sinnlichen bedeutung) wird ferner seit dem 14. jh. eingeengt auf die gehbewegung von personen und thieren (B 2), als 'hin und hergehen' traf es mit wandern zusammen; wie dieses kann es auch zu 'nach einem ziele gehen, reisen' abgeschwächt werden oder das gehen schlechthin, im gegensatz zur ruhelage, bezeichnen. im älteren nhd. ist wandeln das gewöhnliche wort in alem. quellen, kommt indes auch im md., am seltensten im bair., vor. Luther, der in der bibel wandeln vor wandern entschieden bevorzugt, begründet auch die unterscheidung zwischen beiden verben, indem er wandern auf die zurücklegung gröszerer strecken beschränkt. wandeln kommt in der folgenden zeit am ersten für 'über eine kurze strecke hin- und hergehen, spazieren gehen' vor, ist sonst in der eigentlichen bedeutung nur wenig üblich. erst Klopstock hat das wort in der dichtung wieder in aufnahme gebracht, indem er es dazu verwendet eine edlere art des ganges zu bezeichnen. so zeigt es sich in gehobener sprache wieder in reicher verwendung (in der volkssprache lebt es nur im alem.). auszerdem sind dem gehobenen ausdruck aus der bibelsprache noch einige andre gebrauchsweisen zugeflossen, so die von 'sich irgendwo aufhalten'. besonders aber wird an den biblischen sprachgebrauch angeknüpft, indem man das leben des menschen als ein wandeln bezeichnet; wird dies vom religiösen und sittlichen standpunkt aus angesehen, so entsteht die bedeutung 'sein leben führen', 'sich in moralischer hinsicht irgendwie verhalten' (B 3). diese bedeutung steht auch im zusammenhang mit 'verkehren' (B 1), dann 'sich im verkehr, umgang verhalten', dieser bei den subst. wandel und wandlung zu tage liegende zusammenhang läszt sich aber bei dem späten auftreten von wandeln 'sein leben führen' hier nicht nachweisen, doch vgl. B 2 am anfang. die seit ahd. zeit belegten transitiven bedeutungen 'ändern, verwandeln, wechseln, tauschen' (C), dann auch intransitiv 'sich ändern', sind zu erklären als ein der sinnlichen bedeutung des stammwortes gegenüber abgeschwächtes wenden; das im mhd. (auch mnd.) in diesem sinn sehr häufige wort trat im früheren nhd. hinter verwandeln und ändern, verändern zurück; obwohl Luther in der bibel wandeln häufiger als verwandeln gebraucht, sind die belege, von Logau abgesehen, bis ins 18. jh. hinein selten, von Klopstock aber, der sich wol an Luther anlehnte, wurde das simplex wieder in die gehobene sprache eingeführt. aus einer besonderen art des wendens, nämlich der zum ausgangspunkte zurück, entstanden die mhd. und frühnhd. bedeutungen 'zurücknehmen, rückgängig machen, wieder gut machen, büszen' (D), besonders in rechtlichem und religiösem sinne; auf dem rechtsgebiete zweigte davon weiter ab die (bes. im bair. eingebürgerte) bedeutung 'strafen'. diese bedeutungen sind jetzt völlig verschollen (anders bei wandel und wandlung), nur die wendung ein pferd wandeln 'zurücknehmen' kommt bis in die neuere zeit vor. wandeln bietet den dichtern den einzigen naheliegenden reim auf handeln, besonders im mhd. wird er reichlich verwandt, oft aus kosten der deutlichkeit (z. b. von Ottokar); in der prosa erscheint die verbindung handeln und wandeln zunächst in der bedeutung 'verkehren' (s. die belege unter B 1), aber auch auf andere bedeutungen greift sie über, so z. b. in rechte handeln und wandeln 'anwenden' (A 2 e), 'sich verhalten' (B 3 b λ), die sacramente handeln und wandeln (C 1 g β). handeln steht jetzt immer vor wandeln, dies wird auch schon früher bevorzugt, doch kommt auch die umgekehrte stellung vor, so z. b. bei Luther 6, 261, 10 Weim. ausg., Eberlin v. Günzburg 2, 31 neudr., Fischart Gargantua 20 neudr., Bodin 593. neben dieser reimenden sind auch allitterirende verbindungen beliebt: niht gewandelt noch beweget meister Eckhart, d. mystiker 2, 346, 11; wandeln und wohnen Sacharja 7, 14 und öfters in der bibel, ferner: volksbuch v. Faust 71 neudr. Henneberger preusz. landtafel 83. Prutz in: briefe von und an Herwegh 105; nicht wechseln noch wandeln 3. Mos. 27, 10; zu wandeln, zu wallen Göthe 2, 32 Weim. ausg.; wandeln und weben Göthe 48, 218. Fouqué held des nordens (1810) 1, 108; wandeln und weiden Göthe 2, 60; wandeln und wirken Göthe 35, 242; briefe 40, 266 Weim. ausg. formelhafte verbindungen wie wandeln und kehren, wandeln und büszen, wandeln und strafen u. a. setzten sich besonders im rechtsleben (s.C 1 g γ und D 2 γ) fest; wandeln und keren auch bei Luther 7, 676 Weim. ausg. II@AA. die der ableitung des wortes entsprechende bedeutung 'hin und her wenden' erscheint II@A@11) in eigentlichem sinne noch im ahd. und mhd. II@A@1@aa) zunächst zwei glossen, bei denen nicht nachzuweisen ist, ob eigentlicher oder übertragener gebrauch vorliegt: volutat, wantalot Steinmeyer-Sievers 1, 267, 21 (volutare 'hereinwälzen' und 'überlegen'); ventilat wantalot 2, 318, 36 (ventilare 'worfeln, hin- und herbewegen, behandeln, erörtern'). II@A@1@bb) mehrfach von körperlichen bewegungen; die hände rühren: exercet, wantalota 2, 425, 34 (barbarus forum per omne tortor exercet manus Prudentius peristephanon 1, 47); vom worfeln des getreides: purgabitur, wantolod 4, 527, 18 (illius et manibus ruralis pala tenetur et propria ipsius purgabitur area frugum Juvencus evangelia 1, 343); vom heuwenden: haw auʒ (den?) pawmgarten rechen und wandlen und in ewern stadel fren codex diplom. Austriaco-Frisingensis 3, 608 (ca. 1360). auch zuweilen in der mhd. epik: dô striten sus die werden ze fuoʒ ûf der erden einen herten strît scharpf erkant, diu swert ûf hôhe ûʒ der hant wurfen dicke die recken: si wandelten die ecken ('drehten die schärfen um'). W. v. Eschenbach Parzival 706, 12; ich sol den kameræren sagen, müge er (der kranke) eʒ iemer vertragen und verdoln, daʒ man in handele und under handen wandele, daʒ sî'n uns her ûf bringen. G. v. Straszburg Tristan 7766; mit dem zusatz hin und her: mit sînes selbes hanten huob er in von der erde ... dô der kaiser ûf sînen armen chlagete Ruolanten, er begonde in wantelen al hin und her. Rolandslied 257, 32 Grimm; vielleicht auch hierher (absolut gebraucht, zu ergänzen den leffel?): maneger in der schüʒʒel wandelt und smückt daʒ beste in sînen munt: dem ist gesellikeit unkunt, der sînen gnôʒen überiʒʒet. Konrad v. Haslau der jüngling 570 (zfda. 8, 567). II@A@22) übertragene gebrauchsweisen. II@A@2@aa) in erweiterter bedeutung 'ein ding behandeln, besorgen' (kaum als 'umsetzen' zu nehmen): Joseph hieʒ daʒ chorn dresken,lutzil machin zuo eschin. er hieʒ iʒ guarlichen hantelondieʒ scolten wantilon, den armen dir mite helfin,zi den richin firchouffin. Genesis, fundgruben 2, 62, 11; eine that wandeln 'ausführen', mit dem nebenbegriff der inangriffnahme von verschiedenen seiten her: wie gar der bischolf Ruodolf von Lavent den bischolf guotlich het gehandelt, und wie er het gewandelt alle die tât, die der bischolf vor handen hât. Ottokar reimchr. 54394 Seemüller. II@A@2@bb) vereinzelt erscheint die bedeutung übertragen auf das denken als 'hin und her überlegen': volverem, wantaloti Steinmeyer-Sievers 1, 294, 25 (1. Mos. 24, 45: dumque haec tacitus mecum volverem); hiermit in merkwürdiger übereinstimmung: was wandelstu da? quid hic titubas, et meditaris, animumque occupas? Stieler 2501. II@A@2@cc) häufiger, aber ausschlieszlich im bair.-österreichischen, kommt die bedeutung 'in rede und gegenrede (besonders vor gericht) erörtern, verhandeln' vor: wurden die bischove besant, daʒ si beschieden den strît ... die rede man wandeln began mit Effrâtâ vil strange. der irrære lange manegen schilt für stieʒ. Servatius 1000 Wilhelm; wan die vorgedachten sache vor uns und mit unser gewissen geschehen und gewandelt sint, des geben wir dem oftgenanten Rugern zu einem sichtigen urchunde ... disen prief urkundenb. v. Klosterneuburg nr. 125 (1309) (fontes rer. austr. 2, 10, 116); wan dise sach geschehen und gewandelt ist zu den zeiten, do her Stephan ... brobst gewesen ist nr. 252 (1333) (2, 10, 247); wie ein igleich man vor weltleichen gericht sein sach wandeln sol, daʒ er sich wol verste ..., wenn in recht oder unrecht geschicht rechtbuch des Ruprecht von Freising v. 1332, § 70 bei Westenrieder 7, 175; di alle mit iren insigeln ... bezeugent, daʒ diser chauf recht und redlich gewandelt ist stiftungsbuch v. S. Bernhard urk. nr. 95 (1346) (fontes 2, 6, 249); fraglich ist, ob die beiden folgenden belege hierher gehören oder unter 'strafen' einzureihen sind (vgl. unten D 2 γ) 6)) besonders mon. Habsb. 2, 532): mit ... andern händeln, die ... unsre richter gewandelt und eingenommen haben Krenner bairische landtagshandl. 2, 214 (1460); dann auch einen ort wandeln 'die gerichtsfälle eines ortes verhandeln': dasselbe dorf ... an allen örtern mit demselben unserm landgerichte umgeben ist, und auch vormalen allweg in unserm landgericht Straubing gewandelt ist ebenda. auch die verbindung handeln und wandeln kommt hier vor: si (die Passeirer) sullen ouch die vorgeschriben recht handeln und wandeln und zu irem frum wenden und keren, als si das mit alter gewonhait herbracht habent österr. weisth. 5, 91, 30 (1363). II@A@33) reflexive verwendung der bedeutung 'hin und her bewegen' zeigt die folgende stelle: des hieʒ er Johannen sagen der cristenheit ir ungemach, waʒ her in sinen tougen sach, da zu das sine irwelten als die argen sie hi quelten und ungutlichen handelten, an irre stete sich nicht wandelten, und daʒ zie nicht vorzageten swen die tage betageten. Heinrich von Hesler Apokalypse 206 Helm. II@BB. wandeln 'hin und her wenden' bekommt intransitiv die bedeutung 'sich hin und her wenden'. dasz sie auch von leblosem gebraucht wurde, dafür ist der einzige beleg (falls nicht wadilte zu lesen ist), vom flattern eines fähnchens: ein sper vuorter an der hant (ein zeichin von rîchir habe verre wandilte drabe). Athis u. Prophilias B 90 Grimm; reich hat sich dagegen die bedeutung in bezug auf die bewegung lebender wesen entfaltet. es sind dabei zwei schichten zu unterscheiden, eine ältere und eine jüngere, die sich allerdings an einzelnen stellen berühren oder vermischen, so dasz bei manchen belegen die zuweisung schwierig ist. II@B@11) in der älteren schicht sind die belege nicht zahlreich genug, um die bedeutungsentwicklung lückenlos übersehen zu lassen; sie haben das gemeinsame, dasz bei ihnen die ausschlieszliche beziehung zur gehbewegung, die in der jüngeren schicht besteht, fehlt. darf man sie in vorlitterarischer zeit als vorhanden vermuthen, so ergäben sich parallelen zu umgehen in den übertragenen bedeutungen; doch wird man eher anzunehmen haben, dasz die entwickelung gleich der von lat. versari und conversari verlaufen ist: hier wie dort wird 'sich hin und her wenden' zu 'mit etwas sich abgeben' und 'mit einem verkehren, umgehen', was dann weiter (im deutschen besonders in der verbindung handeln und wandeln) zu 'sich benehmen' führt. zu ähnlichen bedeutungen gelangt das wort später in der bibelsprache auf dem umweg über 'gehen' (s. 2), 'den lebensweg gehen', ferner 'sein leben in irgend einer weise führen', doch wird dies auf eine vom religiösen standpunkt aus beurtheilte dauernde gesinnung bezogen, während der ältere gebrauch zunächst auf das benehmen innerhalb des bürgerlichen lebens und in bestimmten fällen zielt. für das biblische 'den lebensweg gehen' gebraucht die vulgata conversari neben allerdings viel häufigerem ambulare, das erste wort zeigt anknüpfung an den hier unter 1) behandelten gebrauch. auch die späteren wörterbücher vermischen oft die gebrauchsweisen (ihre angaben s. unter 3, doch vgl. e handeln und wandeln). in älteren glossaren: versari, wandeln Diefenbach gl. 614a; conversari, wandeln, mitwandeln 148c, nov. gl. 112b. II@B@1@aa) mit einem wandeln, 'mit ihm verkehren, umgang haben': mit uns er wantelote driu unte driʒʒich jâr, durch unser nôt daʒ vierde halp. Ezzo 241; bei Ottokar 'mit einem zu thun haben': sô si in iwern hulden allerbeste wesen wânden, sô hieʒet ir si banden und smæchlichen handeln. swer mit in wil wandeln, der leist in, swaʒ er in gelob. reimchr. 14624 Seemüller; auch in feindlichem sinne: in dem her wart vernomen, grâf Yban wær ze velde komen niht wan durch strîtens willen ... dô erkanden sâ zestet sînen argen list, die dâ sô manige frist mit im heten gewandelt. 29938; swaʒ in der von Kolne seit, daʒ was alleʒ in gelîhsenheit, wand ir wille stuont gelîche ze wandeln mit dem rîche, doch hulen si eʒ sêre. 59438; sonst 'mit jemand verkehren': diser Pippinus verliess ain zeit sein eeliche frawen und wandelt mit ainer unfertigen frawen genant Alphaidis Ulrich Füetrer bayerische chronik 65, 13 Spiller; was sy (die witwe) gar zumal ain schöne frume fraw . do wandelt der gemelt hertzog Ludwig vil mit ir . in dem sprach er der rainen frawen nach freuntlicher amorschaft 165, 1; nu diser jung Friderich wandelt vast mit graf Mänharten; das was wider seinen vater 180, 6; bei Fischart unter dem einflusz von mit einem handeln und wandeln: wie das es grob erlogen sey ... das ire heiligen und lerer ... mit niemand haben sonst gehandelt, als mit den engeln nur gewandelt. dicht. 1, 175 Kurz (von S. Dominici leben 1686); und wann ein fürst mit weisen wandelt, so wird alles fürsichtig ghandelt, bey narren gewont man mit der zeit der narheit und leichtfertigkeit. Eulenspiegel 1919 Hauffen; ganz vereinzelt steht der acc. statt mit c. dat., wol veranlaszt durch sahen: der anderen tochter frümchait und piderbchait musten jehen alle die, die sei wandelten oder sahen österr. chronik von den 95 herrschaften 136, 33 Seemüller. II@B@1@bb) wird die art und weise, wie man mit einem verkehrt, durch zusätze bezeichnet, so gewinnt wandeln die bedeutung 'mit einem verfahren, einen behandeln' (vgl. die ähnliche erscheinung bei umgehen): (die siechen) den si mit suʒer plihte sa fliʒecliche handelte, mit in so schone wandelte in sa mildeclicher ger. heil. Elisabeth 8102 Rieger; ei lieben, wi gar wole uns ist, daʒ wir unsern herren Crist (hier: die siechen) sus baden unde handelen, alsus mit ime wandelen. 8158 (in gleicher bedeutung kommt 8184 gewendeln vor); wie der phaff sich selben handelt, alsô wirt mit im gewandelt, der sich êrt den êrt man ouch. Teichner anm. 244 (Wiener denkschr. 6, 159) Karajan. II@B@1@cc) mit etwas wandeln 'verfahren': mit was wandeln nach seinem rat, disponere Scherz-Oberlin 1937; ieder man, er sy burger oder gast, mag mit den (l. dem) sinen (getreide u. dgl.) wandlon, es si mit verkouffen oder im selber ze behaben, als ir ieklichen dunket, daʒ es im fklich sy Zürcher stadtbücher 1, 355 Zeller-Werdmüller; hett er aber nit gnuog gelOest, oder die pfand nyemand koffen wOelt, so mag er ... an dem gericht erfaren, wie er mit den pfanden wandeln sOell, und was denn urteil gibt, dem sol und mag er denn nachkomen stadtrecht von Baden 58, 22 (1384) Welti. II@B@1@dd) absolut als 'sich benehmen' gebraucht es Ottokar, der in diesem sinne auch wandern hat: nû hôret mich und nemet war, wie ich gewandelt hân. eʒ weiʒ manic man ... waʒ ich wird und êren kunic Adolfen tet. reimchr. 72897 Seemüller. II@B@1@ee) im mhd. zeigt sich die bedeutung 'verkehren' noch in der verbindung handeln und wandeln (vgl.handel und wandel sp. 1529): conversari, negotiari, vivere quod appellant handeln und wandeln Stieler 2501; mit einem handelen und wandelen, usar con uno, mit verweis auf umgehen Krämer 1208a; (ebenso im älteren ndl.: handelen ende wandelen met iemanden, consuescere alicui, versari cumaliquo Kilian 174a); auch solchs des leichter inn das werck zurichten, so handelt und wandelt mit solchen leuten, die euch ... zu tugenden vorleuchten und dienen Fischart ehezuchtb. 177, 28 Hauffen; dermaszen von den waldtleuten dergleichen wie obsteht gesehen und mit ihn gehandelt und gewandelt Paracelsus (1616) 2, 186 A; mit denen gesellen soltu handlen und wandlen Guarinonius greuel der verwüstung (1610) 931; sie ... waren unter erfahrungen grau geworden, hatten mit menschen gehandelt und gewandelt Klinger 3, 175; mit adv.: der auffrecht mit jederman gehandelt, gewandelt Fischart ehezuchtb. 248, 15 Hauffen. II@B@1@ff) in diesen belegen war die bedeutung des alleinstehenden wandelns nur wenig verschoben; fehlt die angabe der person, mit der verkehrt wird, so wird handeln mit- oder hauptträger der bedeutung. II@B@1@f@aα) mit zusätzen, die die art und weise bezeichnen: ein herr, der fureth einen hauffen mit sich, der musz nit wie er wil, sondern wie der hauffe vormag wandeln und handeln, mehr yhre notdurfft und nutz, dan seinen willen und lust ansehen Luther 6, 261, 10 Weim. ausg.; was kann der mensch ewigs machen auff erden, oder auffrichten? er ist seins auffrichtens, das er morgen thut, nicht gewisz, ob es bisz zu nacht bleibt oder nicht: sondern aller dingen dermassen handeln und wandeln, wie die zeit gibt Paracelsus (1590) 9, 173; überall dir günstig weht ein gott dir zu, darum liebebrünstig handle, wandle du. Platen 10 (lied. u. rom.). II@B@1@f@bβ) gelegentlich steht nach dieser verbindung auch ein acc., doch ist dieser nur von handeln abhängig, so dasz diese gebrauchsweise also nicht mit der oben A 2 angeführten (eine that wandeln bei Ottokar) zusammenhängt: der prophet Elias kombt eins mahls zu einer armen wittib, fragt, was sie handle und wandle ... sihe, da samle ich zwey höltzer zusammen, damit ich mir darmit ein brod backe Abr. a S. Clara Judas (1687) 1, 408. II@B@1@f@gγ) dann auch absolut 'thätig sein': wir geistlichen stont im chor zuo schwatzen, und ir weltlichen ... thuont das selb ouch, und lond gott den herren do vor eüch handlen und wandlen, und kerent eüch nitt doran Keisersberg postill 2, 17b; wollen wir heutiges tages auf dem wasser handeln und wandeln, so müssen ... wir nothwendig schiffe haben Abr. a S. Clara etwas für alle (1699 f.) 2, 39; 'seinem beruf nachgehen': töchter, junckfrawen, auch megdt, die handlen und wandlen, die etwas lernen oder dienen wöllen Schumann nachtbüchlein 173 Bolte; da (in der Schweiz) sahe ich die leut in dem frieden handeln und wandeln Simpl. 2, 8, 11 Kurz. II@B@1@gg) wandeln gilt besonders vom kaufmännischen verkehr, schon ahd.: negotiabuntur, wantlon, wantlont, wantilont, wantilint, wantilotin Steinmeyer-Sievers 1, 792, 31 (zu 2. Petri 2, 3); wandeln mit einem, negotiari Scherz-Oberlin 1937; wandeln, negotiari Schottel 1440; alls waʒ die Haimburger ze wandeln habent mit fren, mit tragen, mit treiben, mit chauffen und mit verchauffen ze Wienne in der stat, oder auʒ der stat Haimburger handfeste (1351) bei Senckenberg visiones diversae 282; mit innerem acc., wandlung wandeln 'commercium habere': daʒ sint die recht umb alle die wandlung die die Wienner und die Haimburger gegen einander ze wandeln habent ebenda. II@B@1@hh) hier besonders beliebt, und bis jetzt lebendig geblieben, handeln und wandeln; im heutigen sprachbewusztsein mischt sich zuweilen die vorstellung des tauschens ein, von der auch Adelung ausgeht: handeln und wandeln, handel und wandel treiben, to trade, traffick or negotiate, and converse with people Ludwig 2379 ; s. auch oben e Stieler 2501. II@B@1@h@aα) mit einem: dasz niemant ausz seinem land mit den von Augspurg weder handlen noch wandlen soll Burk. Zink, städtechron. 5, 325; mid eme gehandelt und gewandelt, etlich gelt entpfangen Wismarer zeugeb. (16. jh.) bei Schiller-Lübben 5, 588; im gemeinen wesen aber ist viel daran gelegen, dasz man ein ansehen bey andern hat, theils wegen des credits, wenn man mit andern handeln und wandeln soll, theils ... Chr. Wolff vern. ged. v. d. gesellschaftl. leben (1725) 378; Shylock. ich will mit euch handeln und wandeln (I will buy with you, sell with you), mit euch stehen und gehen, und was dergleichen mehr ist; aber ich will nicht mit euch essen Shakespeare, kaufm. v. Ven. 1, 3. II@B@1@h@bβ) man sagt: mit einer ware handeln und wandeln, auch: in etwas (wie es in der heutigen kaufmannssprache heiszt: er macht, reist in kaffee): er handelte und wandelte besonders in pferden Frenssen Jörn Uhl 308. II@B@1@h@gγ) absolut: mit handlen, wandlen und verkauffen. H. Sachs fab. u. schw. 11, 33 Götze; wer handlen und wandlen wil auff erden, der mus mit worten keuffen und verkeuffen Agricola sprichw. 1 (1530) 74b; darumb jederman so tollgirig ... kriegt und betrgt, wlt und stilt, wandelt und handelt Fischart Garg. 20 neudr.; man denkt und liest von dieser art das meiste in blanko (ich bin ein halber kaufmann, das hören sie wohl, ich handle und wandle, wie wir cursche cavaliere alle handeln und wandeln) Hippel 1, 297 (lebensl. I); es gibt zwar noch eine dritte messe, die zu neujahr — die Leipziger sind nämlich so durch und durch handelsleute, dasz sie gleich den lieben neuenjahrstag zu handeln und wandeln anfangen Leipziger kalender 1905, 183 (aus: Europa 1836, bd. 3). die verbindung zwischen handeln und wandeln wird gelockert durch eingeschobene satztheile: zehn knechten gab er auch zehn pfund, und sprach: da könnt ihr handeln, und bisz zu meiner wiederkunfft nach nutz und vortheil wandeln. Günther 32; noch mehr, wenn die beiden wörter auf haupt- und nebensatz vertheilt sind: die zeiten sind zu schlecht, gewisz von tausenden, die auf der börse wandeln, siehst du die wenigsten aus eignen kräfften handeln. Pietsch geb. schriften (1740) 94. II@B@1@ii) da der handelsverkehr früher mehr als jetzt durch umherziehen ermöglicht wurde, so sind die bedeutungsgrenzen gegen 'umherziehen' (s. 2 a) zuweilen verwischt: ich hab selber ein gutten handel genug, wo ich im landt umb wandel. H. Sachs fab. u. schw. 5, 84 Götze; vil ... der koufflüt, die ... in demselben küngrich gewandelt hetten buch der beispiele 178, 35 Holland; es müste nymands in dem lande handlen oder wandlen, er gab dan dem abgotte den zehnden von aller wahr Kantzow chronik v. Pommern (letzte bearb.) 105 Gäbel; gebieten wir, allen churfrsten, frsten und stAenden, ... dass sie hinfro die ziegeuner ... in und durch ire landt nicht ziehen, handeln, noch wandeln lassen Nigrinus von zäuberern (1592) 53; ich bin der selbe Jud von Amsterdam, welcher nach Leibsich, Frankfort alle grosze messen handelt und wandelt A. Hartmann volksschauspiele in Bayern u. Österr. 299, 13. II@B@1@kk) der substantivirte infinitiv zeigt II@B@1@k@aα) die bedeutung 'verkehr, umgang': e ich wrd kains mannes wip denne din, e wil ich sterben. ach, waʒ muoʒ verderben an uns liepliches wandeln, sit daʒ wir baidiu handeln ain ander sn niht nach gelust! Joh. v. Würzburg Wilhelm v. Österreich 7565 Regel; auch im folgenden scheint diese bedeutung im wortspiel mit der bedeutung 'gehen' vorzuliegen (es ist die fortsetzung des unter 2 d angeführten belegs): der wec der gotheit daʒ ist diu einikeit, dâ die drîe persône inne wandeln in eime wesen under ein ander . daʒ wandeln der persônen ist daʒ si sich bekennen unde minnen under ein ander bruder Franke von Köln, zeitschr. f. d. alterth. 8, 245. II@B@1@k@bβ) ganz allgemein 'die menschliche gesellschaft': so wil (ich) der selbigen leüte gewalt und macht entwychen, ausz den höfen, ausz gemeinen versamlungen, ausz den stetten, und offentlichen wandelen (cedam malorum potentiae aulis, cedam conciliis, cedam publico) Hutten 1, 410, 21. II@B@1@k@gγ) das handeln und wandeln 'das benehmen im menschlichen verkehr': das auswendig handelen und wandelen Fischart ehezuchtb. 242, 24 Hauffen; beide wörter durch satzglieder getrennt, mit anspielung auf wandeln in der bedeutung 'gehen, einherschreiten': du muszt recht vieles in der metrik wissen ... sie giebt gemessenheit in allem handeln und sichern takt in allem unsern wandeln. A. v. Arnim 19, 173. II@B@22) die beschränkung der bedeutung 'sich hin und herwenden' auf die thätigkeit des gehens tritt am anfang des 14. jahrh. hervor (etwas früher schon bei den subst. wandel und wandlung) und zwar ziemlich gleichzeitig im bairischen, alemannischen und mitteldeutschen, so dasz die annahme, die bedeutung 'gehen' sei vom md. ausgegangen, unbegründet scheint. die entwicklung in den dialekten ist aber sehr verschieden. im alem. bürgert sich wandeln fest ein, so dasz es auch im sinne von wandern gebraucht wird; die Züricher bibel ersetzt dies wort bei Luther durch wandeln. alem. quellen haben das ganze 16. jahrh. hindurch wandeln, wenn daneben auch wandern vordringt. auch die heutigen alem. mundarten halten an wandeln fest, wandern ist kaum üblich, so singen z. b. im Elsasz die kinder (mit zerstörung des reims) wandlen vun einer stadt zer andern Martin-Lienhart 2, 834. in Schwaben dagegen gilt jetzt wandern, nur der südliche theil hat wandeln, auch in Baiern scheint wandeln als 'gehen' nirgends volksüblich zu sein. in beiden gebieten tritt es auch früher litterarisch zurück. Eck setzt in der bibel meist wandern für Luthers wandeln, auch in der übertragenen bedeutung 'sein leben führen' (doch kommt hier auch wandeln vor, z. b. spr. Sal. 20, 7. Sirach 9, 20. 1. Petr. 4, 3. Thess. 4, 12). in Mitteldeutschland steht anfangs wandeln neben wandern, doch überwiegt gerade in Luthers heimath im 15. jahrh. entschieden wandern, das Rothe, Stolle auch in übertragener bedeutung verwenden. wenn Luther in der bibel einen so reichen gebrauch von wandeln macht, so geschah das hauptsächlich unter dem einflusz der älteren bibelübersetzungen. wandeln hat zunächst als bibelwort seine verbreitung gewonnen. dem biblischen wandeln entspricht im alten testament fast durchgängig hebr. hālak, das zunächst 'umherziehen, reisen', dann auch 'verweilen, sich aufhalten' bedeutet und übertragen vom durchschreiten des lebensweges gebraucht wird; in der septuaginta wird es durch πορεύεσθαι, selten περιπατεῖν, gegeben. im neuen testament geht wandeln meist auf περιπατεῖν, seltener πορεύεσθαι, zurück, vereinzelt erscheint für die übertragene bedeutung ἀναστρέφεσθαι, während wandel am häufigsten auf ἀναστροφή zurückgeht (Luther gibt auch das verbum einigemal durch wandel füren), zweimal kommt πολιτεύεσθαι vor. in der vulgata werden die beiden ersten wörter zumeist durch ambulare, die beiden letzten durch conversari wiedergegeben. die alten bibeln geben nun conversari und ambulare in übertragenem sinn meist durch wandeln wieder, viel seltener ambulare 'gehen', wobei auf die wahl des wortes jedenfalls die unter 1. behandelte bedeutung 'verkehren', sowie die ihr entsprechende, noch reicher entwickelte des subst. wandel, von einflusz gewesen ist. Luther hat das wandeln der alten bibeln nicht nur beibehalten, sondern noch weiter ausgedehnt, indem er es sehr oft für verba des gehens und auch in fällen setzt, wo man wandern erwarten könnte (nach der konkordanz von Lanckisch stehen über 300 belegen für wandeln nur 13 für wandern gegenüber). Luthers verhalten ist für den sprachgebrauch bestimmend gewesen, soweit er direct an die bibel sich anschlieszt, in den übertragenen bedeutungen 'auf erden weilen, sich aufhalten' und 'sein leben führen' (auch in wendungen, die der grundbedeutung noch näher stehen wie einen weg wandeln) ist wandeln herrschend geworden. dagegen hat sich sein wandeln als 'einhergehen, reisen, ziehen' zunächst nicht durchgesetzt. zwar verwenden es im 16. jahrh. auch auszer den Alemannen einige neben wandern, so H. Sachs, Schwarzenberg, C. Scheit, der verfasser des Faustbuchs (neudr. 57: Faustus durchreisete und durchwandelte manch fürstenthumb, daneben 58: was nu dem Fausto für stätt und landschaften in sinn fielen, die durchwandert er), es tritt aber dann in der litteratur sehr zurück und kommt im 17. jahrh., abgesehen von aus der bibel bekannten wendungen, auch in der dichtung fast gar nicht vor, während sich wandern, wenn auch mit beschränkung auf die bedeutung 'peregrinari, iter facere' behauptet. die wörterbücher führen zwar alle wandeln an, Stieler, der viele composita angiebt, scheint es auch noch aus lebendigem gebrauch zu kennen, sonst verdankt das wort wol hauptsächlich der bibelsprache seine erwähnung; die neusprachlichen wörterbücher am anfang des 18. jahrh. (zuerst Krämer, dann Rädlein, der das wort als veraltet oder mundartlich kennzeichnet) weisen dann auf die bedeutung 'spazieren gehen' (unten c) hin, die damals wol allein geläufig war und von der auch Schönaich ausgeht, als er den gebrauch des wortes bei Klopstock und Bodmer (ästhetik in einer nusz 157. 178 u. ö.) verspottet. Adelung kennt die bedeutung 'reisen' aus 'einigen obd. gegenden', sonst sei es 'eigentlich im hochd. veraltet', doch verhält er sich gegen den neu aufgekommenen gebrauch des wortes in der dichtung nicht ganz ablehnend. Campe definirt dies dichterische wandeln als ein leichtes, gemächliches, auch wol langsames gehen, bei dem man kein bestimmtes ziel vor augen hat. II@B@2@aa) über weite strecken sich hin und her bewegen, umherziehen: peregrinari, wandlen Diefenbach gl. 425b; vagari, wandeln, hin und her wandeln 605a; wandlen, peregrinari Maaler 483d; hin- und her-, um- sive herümwandeln, varia loca pervadere Stieler 2501. auch das 'ambulare' der älteren wörterbücher (s. u. c) wird theilweise hierher gehören. II@B@2@a@aα) da macht sich David auff sampt seinen mennern, der bey sechs hundert waren, und zogen aus von Kegila, und wandelten (umbschweiften hin und her Eck, vulg. huc atque illuc vagabantur incerti) wo sie hin kundten 1. Sam. 23, 13; er hat euch vierzig jar in der wüsten lassen wandeln 5. Mos. 29, 5; und ist das land hinder inen wüste blieben, das niemand drinnen wandelt noch wonet Sacharja 7, 14; zu Hebron, und allen orten da David gewandelt hatte mit seinen mennern 1. Sam. 30, 31; do nam ich euweren vatter Abraham ... und liesz in wandlen (Luther: wandern) im gantzen land Canaan Züricher bibel Jos. 24, 3; die Schotten haben gemeinlich allzeit gern gewandlet, und ist nach heutiges tags nit bald ein volck, dasz sich ausz seinem vatterland in weytere land hinausz lasse Stumpf Schweytzer chronik (1606) 208b. diese verwendung wird jetzt als fremdartig empfunden, bei Göthe findet sie sich unter dem einflusz des sonstigen häufigen poetischen gebrauchs des wortes (s. u. e): der alte er wandelt (vom besitz vertrieben) nun hier und bald dort; er träget in freuden sein leiden. Göthe 4, 49 Weim. ausg.; will mich unter hirten mischen, an oasen mich erfrischen, wenn mit carawanen wandle. 6, 6. II@B@2@a@bβ) die bedeutung kann durch ortsadverbien noch besonders hervorgehoben werden: deambulare, hin und her wandeln Diefenbach gl. 166c; der armer man ... getorste nit wol hin noch her wandlen von vorten eins ermúrdens von dem verruochten menschen Heinrich Seuse 148, 1 Bihlmeyer; ich bin ouch in der welt ein ritter gesin und han gewandlet hin und har und bekenne vil adels deutsche volksbücher 196, 21 Bachmann u. Singer; es ward auch das land so gar öd ..., das niemant weder hin noch här wandlet Züricher bibel Sacharja 7, 14; hin und wider: im land ich (der arzt) hin und wider wandel. H. Sachs 21, 26, 10 Götze; wäg oder straaffen von häfftigen hin und wider wandlen bösz und verschlissen, pertusa compita Maaler 483d; umher: Philippus aber ward funden zu Asdod, und wandelt umbher, und prediget allen stedten das evangelium apostelgesch. 9, 40. II@B@2@a@gγ) auf erden wandeln (in die bedeutung 'leben' übergehend s. 3), von Christus: wie aller der werlt schoppere ... gewandelt hat uf ertrich. Mone schausp. d. mittelalters 1, 73 (leben Jesu 7); als unser lieber herrgott noch auff erdrich gewandelt ist Montanus schwankb. 25 Bolte. II@B@2@a@dδ) bei, mit einem wandeln (die hiervon übertragene bedeutung s. unter 3): und hat uns nichts gefeilet an der zal (der schafe) so lange wir bey inen gewandelt haben (Mentel: in dem wir wandelten mit in), wenn wir auff dem felde waren 1. Sam. 25, 15; last euch nicht fur inen grawen, denn der herr dein gott wird selber mit dir (Israel) wandeln, und wird sein hand nicht abthun noch dich verlassen 5. Mos. 31, 6; von dem an giengen seiner jünger viel hinder sich, und wandelten (Mentel: giengen, Eck: wanderten) fort nicht mehr mit im. da sprach Jhesus zu den zwelffen, wolt ir auch weg gehen? ev. Joh. 6, 66. ähnlich unter einem wandeln: hie ist der segen, den deine magd, meinem herrn her gebracht hat, den gib den jünglingen die unter meinem herrn wandeln (nachvolgen Mentel, Eck, vulg. sequuntur te) 1. Sam. 25, 27. II@B@2@a@eε) wandeln 'umherziehen' wurde im alemannischen im besondern gesagt II@B@2@a@e@11)) von gewerbetreibenden (vgl. auch die belege oben unter 1 i): (dasz sie) halten geleyt, gut weg und ban, auff dasz der arme handwerksman mög sich nehren und sicher wandlen, von einer statt zur andern handlen. Fischart die gelehrten die verkehrten 361. 1138 Kurz. II@B@2@a@e@22)) von fahrenden schülern: do ried er mir ... ich solt sin Anni die jungfrowen nen und nit mer wandlen Th. Platter 58 Boos. II@B@2@a@e@33)) von handwerksgesellen, die nach der lehrzeit einige jahre in die fremde gehen muszten (wofür jetzt nur wandern üblich, s. d.): nüt lernen werben, werken, wandlen noch dienen, wie die alten getan, das aber alles ein rychs, wyses ... regiment macht quellen zur Schweizer geschichte 1, 118, 1 (Thüring Frickart, twingherrenstreit, 1470); sy hend nie gewandlet, sind unerfaren, nie uszkon, in summa nüt dann stattkelber 119, 12; so ein lehrknab zwey jar lang uszgelehrnet hat, soll derselbig vier jar lang wandlen stadtrecht v. Arau 307, 14 (1598) Merz; dieselbigen söllend ... nach verschinner lehrjaren die zwei bestimbten andere jar dienen und wandlen 338, 3, (1609); gestalten alle ausgelehrte und ledig gesprochene lehrjung ... wenigist 3 jahr lang wandlen sollen rechtsquellen des kantons S. Gallen 1, 1, 71, 36 (1764) Gmür. vgl. wandelgeselle. II@B@2@a@e@44)) allgemein 'in der welt herumkommen': dann wandlen ist kein sunder ere es sy dann das man sunders ler. Brant narrensch. 34, 25; man achtet die menschen für hoch verstendig, die do weit gewandlet waren S. Münster cosmogr. vorr. 3; daher gewandelt 'welterfahren', vgl. bewandert th. 1, sp. 1766 und gewandert th. 4, 1, 3 sp. 5290: by uns ist grosser mangel an chirurgis, sind schier all kind, nütz gwandlet, unerfaren, wen inen ein schwerer handel für kumpt, so zittrend sy wie ein nass kalb Thomas Platter an seinen sohn Felix 3. mai 1553 (briefe ed. Burckhardt 20). II@B@2@a@zζ) an 'umherziehen' schlieszt sich wandeln von der seelenwanderung gebraucht an: Gabalis ist ein geist, der da wandlet von leib zu leib Paracelsus (1616) 2, 333. II@B@2@bb) abgeschwächt wird die bedeutung 'hin und her ziehen' zu 'ziehen, eine gröszere wegstrecke zurücklegen, reisen'; hierunter sind auch die belege mit angeführt, bei denen iterative bedeutung zwar vorliegen kann, aber nicht deutlich hervortritt: meare, wandern, wandeln Diefenbach gl. 352b, migrare 360c, pergere 426b, proficisci 463b, viare 617a. auch einige wörterbücher des 17. jh. führen die bedeutung noch (wol aus der bibelsprache) an, obwohl sie ungebräuchlich geworden war: reisen, auf dem weg seyn Güntzel 831; wandelen, caminare Krämer 1208a; ire, iter facere Stieler 2501. im anfang des 18. jahrh. wird das wort nur noch durch 'ambulare, incedere' bestimmt; die neusprachlichen wörterbücher weisen auf 'spazieren gehen' (s. u. c). II@B@2@b@aα) allesz, das ich will fahen an, da ist das glück do vornen dran: spill ich, so hab ich gwisz gwunnen; wandel ich, so schynt gwisz dsonnen. schweiz. schausp. 2, 187, 1944; so dfrommen sich hand schlaaffen gmacht, wenn schelmen und böszwicht thuond wandlen, dann facht er an sin tück zuo handlen. H. R. Manuel weinspiel 76 (v. 2346) Odinga; und wart gros krieg und unfriden und urlüge in allen landen, das nieman geturste wandeln und die lantstrossen vol grases wuohssent Königshofen, städtechron. 8, 454; erzöge dich frölich gegen dynen gesten und pilgrimen, daʒ sie dich dester gerner behalten, ob du wandeln würdest Steinhöwel Äsop 70 Österley; im wintermonat im 64. da fiel ein solcher grosser schnee, das man nit woll zusammen wandlen kundt J. Herolt chronica v. Hall 163 Kolb; ein sabbath, daran man nicht wandeln thurste Luther 15, 748, 21 Weim. ausg.; und sie zogen fort und wandelten (Mentel: fúrgiengen), und die sonne gieng inen unter hart bey Gibea richter 19, 14; der herr zoch vor inen här ... in einer fheursaulen, das er inen leüchtete zwandlen (zu reisen Luther) tag und nacht Züricher bibel 2. Mos. 13, 21. II@B@2@b@bβ) von pilgern (wo wallen das gewöhnliche ist): diser jungvrowen lîchnam lit in Tuscanjen wol zwênzic mîle von Rôme ... und andere pilgerîme di von Rôme wandelen di haben gesehen ir houbit und ir gebeine Herm. v. Fritzlar, mystiker 1, 157, 15. II@B@2@b@gγ) mit adverbialen zusätzen: aus dem erwuechs sölich unrue und unfrid, das niemant sicher in dem landt wandlen mocht Ulrich Füetrer bayerische chronik 170, 20 Spiller; als ... die loüff in Tütschland wunderbar und sorgklich warend von grosser spaltung wegen, also dasz jeder graf und herr tett was er wolt, und unsicher begund sin ze wandeln Tschudi chronicon Helveticum 1, 148b; do ist die recht stras, do ist guot wandlen Keisersberg bilgersch. (1512) B 3c; sie hielten die strasz auff, das nyemandt unberaubt wandlen mocht, man nem dann geleit von yn S. Franck chronica 209a; do ward eyn auszspeher ... geschickt solch wort zuovernemen und da derselbig nit fürsichtig wandelt und auffmercket, ward er ... begriffen Carbach Livius 423b. II@B@2@b@dδ) der raum, der durchschritten, der weg, der zurückgelegt wird, steht abhängig von präpositionen oder im acc., selten im gen.; in den biblischen und den hierauf beruhenden späteren belegen ist weg meist das bild für den lebensweg, die lebensführung (vgl. unten 3). II@B@2@b@d@11)) mit präpositionen. α)) in einem lande: sy wandletend (Luther: wanderten) drey tag inn der wüste Züricher bibel 2. Mos. 15, 22; gen Sur, das in der wüste lag. darinn wandleten sie drey tag. H. Sachs 6, 204, 12 Keller. β)) wandeln in einem wege, biblisch: das du sie lerest den weg darin sie wandeln, und die werck die sie thun sollen 2. Mos. 18, 20; aber seine söne wandelten nicht in seinem wege, sondern neigeten sich zum geitz 1. Sam. 8, 3; und wandelt in dem wege seines vaters und in seiner sünde 1.n. 15, 26; das du nicht gewandelt hast (du bist nit gewandelt Koburger) in den wegen deines vaters 2. chron. 21, 12; die gottseligen so da wandeln im wege des herren Nigrinus von zäuberern (1592) 192; o herr ..., gib dasz meine liebe kinder ... ernstlich in deinen wegen wandlen Moscherosch insomnis cura parentum 34 neudr.; der sohn hat immer in den wegen seines vaters gewandelt Liscow sat. schr. (1739) vorr. 16. γ)) auf einem wege wandeln: ein guten rath den geb ich dir, das wir uns möchten neren bas von den leuten, die auff der stras wandlen und hin und wider gien. P. Probst fastnachtsp. 3, 43 neudr.; bildlich: Joram ... wandelt (wanderet Eck) auff dem weg der könige Israel, wie das haus Ahab thet, ... und er thet das dem herrn ubel gefiel 2.n. 8, 18; ein kind, ein junger mensch, die auf ihrem eigenen wege irre gehen, sind mir lieber als manche, die auf fremdem wege recht wandeln Göthe 23, 167 Weim. ausg.; ist's wahr, dasz er heimlich auf solchen schwarzen wegen wandelt? Fr. Müller (1811) 2, 133; das er uns lere seine wege, und wir wandeln auff seinen steigen Jes. 2, 3; er war blos auf der heerstrasze der liebe gewandelt, er kannte jene zärtern gefühle nicht Pfeffel pros. versuche 9, 120; zu gut nur glückt' es ihm, euch wegzulocken von dem guten pfade, auf dem ihr vierzig jahre seyd gewandelt. Schiller 12, 260 (Wallenst. tod 2, 6); man winkt einander beifall zu, und wandelt ruhig fort auf eigner bahn G. Forster sämtl. schr. (1843) 6, 9; die freylich viel breitere und bequemere laufbahn, auf der sie wandeln v. Ayrenhoff werke (1814) 1, 38. auf einem boden wandeln: dasz sie auf einem für sie klassischen boden, auf dem der grafschaft Glatz, wandelte Holtei vierzig jahre 1, 327; übertragen: als ob man, von der ältesten zeit her, auf rein historischem boden wandele Niebuhr m. gesch. 1, 184; wer auf dem festen boden der wahrheit wandelt, miszt nicht ängstlich seine schritte ab Börne ges. schr. (1829—34) 8, 121. δ)) in den fuszstapfen wandeln; in sinnlichem bilde: bistu in den grund des meers komen, und hast in den fusstapffen der tieffen gewandelt? Hiob 38, 16; übertragen auf geistiges gebiet: ein vater ... nicht alleine dero, die von der beschneitung sind, sondern auch dero, die wandeln in den fusstapffen des glaubens, welcher war in der vorhaut unsers vaters Abrahams Römer 4, 12; in jemandes fuszstapfen wandeln, ihm (geistig) nachfolgen: durch die bemühung in ihren (der eltern) fuszstapfen zu wandeln S. v. Laroche gesch. d. frl. v. Sternheim (1771) 1, 78. ebenso auf jemandes spuren wandeln; im eigentlichen sinne: warum wandelst du auf meinen spuren? v. Ebner-Eschenbach (1893) 1, 144; übertragen: die märchen, die ich für die Kugler'schen kinder gedichtet hatte, vielfach auf den spuren Clemens Brentano's wandelnd Heyse jugenderinnerungen 105; ähnlich: ich wenigstens darf mich freuen, dasz junge, tüchtige, den gegenständen auf's mark dringende freunde auch in dem sinne wandeln, aus dem ich mich seit so vielen jahren nicht entfernen konnte Göthe briefe 31, 272 Weim. ausg. ε)) durch ein land, ein volk wandeln: da zogen wir aus von Horeb und wandelten (Mentel: übergingen) durch die gantze wüsten, ... auff der strasse zum gebirge der Amoriter 5. Mos. 1, 19; Abner und seine menner giengen ... über das blachfeld ... und wandelten durchs gantz Bithron 2. Sam. 2, 29; gehet hin, zelet Israel von Berseba an bis gen Dan ... und Joab zoch aus und wandelt durchs gantz Israel, und kam gen Jerusalem 1. chron. 22, 4; er wandelt durch ungebahnte sandigte wüsten Schiller 2, 150 (räuber 4, 4 schauspiel); wer wandeln will durch fremde land, bewar sein mund und sein hand, darzu er ein keusch leben für, das er nicht leib und gut verlier. Wander 4, 1779. durch einen weg: wes wandelst du arme also durch wege dir unbekant? N. v. Wyle transl. 264, 35 Keller; zun zeiten Jael waren vergangen die wege, und die da auff pfaten gehen solten, die wandelten durch krumme wege richter 5, 6; das man eynen weg solcher weite mache, das der feldmesser und sein gehülff bekömmlich dardurch wandlen mögen Sebiz feldbau (1579) 475. ζ)) eine feste verbindung ist über feld (lat. peregre) wandeln 'reisen', das im zusammenhange auch die bedeutung 'verreisen' (s. u.ε)) annehmen kann: aufgeschürtzt als einer der über väld zewandlen (wandern Luther) bereitet ist Züricher bibel Tobias 5, 5; bemelter Jocole Schuler .. thette dergleichen, als ob er über feld wandlen und in zwaien tagen sich nit versehe, widerumb heim zu kommen Zimmerische chronik2 2, 636, 21; und welche zeit er glück mit (den tagen) hab, dasz er im schneid die negel ab, oder sunst wandel über feldt. Scheit Grobianus 2295 neudr. II@B@2@b@d@22)) der durchschrittene raum steht im acc. α)) im mhd. und älteren nhd. konnte man sagen: ein land, ein volk wandeln 'durchreisen', später ist der acc. nur von weg, strasze, spur u. s. w. möglich: im kam ûf sînen hof gegân ein edeler bilgrîn wolgetân, der was geheiʒen Wârmunt. zwei und sibenzig lant wâren im kunt, diu het er gewandelôt mit êren in dem dienste unsers lieben hêrren. S. Oswaldes leben 199 Ettmüller; ich hân die welt gewandelt wol und bkenn: es ist ein gleich. Hugo von Montfort 27, 181 Wackernell; also vil wyl ich wael eyme yecklichen pylgrym ader kouffman raiden, der die heydenschafft wandelen wulde Harff pilgerf. 160, 22; (diese länder) seindt also gemacht worden, das man die schiffen und wandlen mag W. Xylander Polybius (Basel 1574) 156. β)) einen weg, eine strasze u. dgl. wandeln: und zugent ouch wir ... für die selb vesty ... und brantent, wuostent und strâfetent siu .. in solicher mâsze, das wir getrûwent das es got loblich und allen fromen liuten die die strâsze wandelent trôstlich und nutzlich sîe Wackernagel altd. leseb.2 940, 27 (Freiburg i. B. 1388); da lieffen im entgegen zween besessene, die kamen aus den todtengrebern, und waren seer grimmig, also, das niemand dieselbigen strasse wandeln kund Math. 8, 28; ach Amaryllis hastu denn die wälder gantz verlassen, .. und wandelst frembde strassen. Venus-gärtlein 28, 1 neudr.; die strasse wandel ich gar sicher für und für. Opitz t. poem. 80 neudr.; fort! wandle deine fürchterliche strasse! Schiller 14, 421 (Tell 5, 2); und wenn er geht, so wende deine augen, dasz sie nicht sehen, welchen weg er wandelt! 14, 425 (Tell 5, 2); da geht sie hervor, ein lachender, glänzender jüngling! ein held, voll muth, ihren weg zu wandeln! Herder 6, 20 Suphan; sieh, den einsamen pfad wandelt ein pilger mir rasch entgegen — »halt an! waller, was suchst du hier?« Schiller 1, 275. bildlich: den tugendweg wandeln, honeste vivere Stieler 2501; ob unser weg den wir wandeln (Mentel: giengen), auch wolgeraten werde? richter 18, 5; und wandelt in allem wege den sein vater gewandelt hatte 2.n. 21, 21; wir haben eitel unrechte und schedliche wege gegangen, und haben gewandelt wüste unwege weish. Salom. 5, 7; der ... hat lassen alle heiden wandeln ire eigen wege apostelgesch. 14, 16; den rechten, von so viel tapferen teutschen gelehrten männern gebahnten weg zu wandeln Neumark palmbaum (1668) 102; o weg' in dem staube, die ich wandle! ich will sie wandeln! Klopstock Messias 6, 50; deutschheit find' ich auf dem wege, den ich wandle, und sonst auf keinem anderen Bürger 180b (über die deutsche Ilias); Jacobi, indem er seinen eigenen weg wandelte, nahm doch kenntnis von allem bedeutenden Göthe 33, 193 Weim. ausg.; das genie ... ist nicht ängstlich, weil es die gefahren des weges nicht kennt, den es wandelt Schiller 10, 438; die Hottentottensclaven .. nach der abschiedspredigt ihres missionars .. sagten: »wie sollen wir jetzt unsern weg wandeln?« Ritter erdkunde (1822) 1, 400; dasz wir wandlen die rechte strasz, on sünd und mackel alle zeit. Scheit Grobianus 4998 neudr.; muth genug must du haben, eine finstre strasse zu wandeln, wo dir nichts leuchtet, als deine Louise und gott Schiller 3, 475 (Fiesko 5, 1); er wandelt seine strasze unverrückt Göthe 24, 253 Weim. ausg.; inmitten einer wüste unklarer leidenschaften die reine strasze seiner überzeugung wandelnd H. Grimm Michelangelo 1, 179; Thetis die liebe mutter mein hatt mich der sach berichtet fein, darneben auch gezeiget an desz todes ein zwifache ban, deren ich eine wandlen msz. Spreng Ilias (1610) 116b (9. ges.); ohn angst und pein mag der nicht seyn, der wider gott gehandelt, wie ich gethan, da ich die bahn der schnöden welt gewandelt. P. Gerhardt, Fischers kirchenlied 3, 394b; froh, wie seine sonnen fliegen durch des himmels prächtgen plan, wandelt brüder eure bahn, freudig wie ein held zum siegen. Schiller 2, 3, v. 51 var. (an die freude) (ursprünglich: laufet); gleich ferne von verwegenheit und furcht, mit festem heldenschritte wandelt sie die schmale mittelbahn des schiklichen. 5, II, 269 (Don Karlos 2, 15); wenn von grader bahn ich irren möchte, wandelnd eure schiefe. Platen 59 (verm. ged.); die bahn der tugend wandeln Adelung; die steige, die Sined itzt wandelt, ermüden, wer wollte sie wandeln mit ihm! Denis lieder Sineds (1772) 4, 5; du zwangst mich nicht den breitgetretenen pfad zu wandeln Treitschke hist. u. pol. aufsätze 1, 3; dort ist es himmlisch! ach aus der ferne nacht, folg' ich der spur nach, welche du wandeltest. Klopstock 1, 88 (dem erlöser). γ)) einen gang, eine reise wandeln: jene (Eurydice), von allzu strenger gewalt der manen getroffen, wandelte nach dem befehle den gang: nicht wandte den wieder hinein. blick sie Voss Virgil 1, 341 (Culex 287). bildlich: nun wandl' ich ruhig meinen gang mit dir durch's leben hin. J. M. Miller gedichte (1783) 42; wir wandeln noch die reise, wie gott sie einst gebot. Arndt ged. (1860) 500; die kurzen, vorgemesznen schritte täglich zu wandeln, ich duld' es nimmer! Hölderlin ges. dicht. 1, 89 Litzmann; wandle drei gemessne schritte längs der hohen rebenwand! Mörike ged.22 121. kühn: ich han gewandelt manig her (habe manchen heerzug gen Preussen, Reussen, über mer. mitgemacht) Oswald v. Wolkenstein 59, 45 Schatz. II@B@2@b@d@33)) mit gen. eines weges wandeln: wohl uns! dort schleicht ein mann aus den cypressenschatten — er wandelt dieses wegs. Gotter 2, 42. im mhd. kann auch die thätigkeit auf der reise im gen. stehen: die kaufleute, die irr choufmanschaft gewandelt und gevaren sind uber die Leita quellen z. gesch. d. stadt Wien 2, 1, nr. 288 (1345). II@B@2@b@eε) der ausgangspunkt der reise wird durch präpositionen bezeichnet; wird kein ziel angegeben, so kann im zusammenhange die bedeutung 'fortziehen, aufbrechen' erscheinen: deambulavit, hinweg ging, von in wandelt voc. pred. e 8b; an einem ort was eins manns stieffsun von der selben gegny gewandelt. der stieffvater ward verlümpt den sun ermört haben ... darnach ... kam der stieffsun zeland Riedrer spiegel der rhetoric 20a. auch ohne ausdrückliche erwähnung des ausgangspunktes zeigt sich diese bedeutung, besonders im alemannischen (vgl. wandern 3 und oben δ 1)) ζ)): in des keisers recht stett geschriben: wer unrecht sache furt, den sal man heften, daʒ er icht wandel (var. wandere) keyserrecht von 1372 s. 120 Endemann; (ein weberknecht will bei einem weber arbeiten, wenn er einen igel aus dem hause schafft) der meister wolt es nit thuon. der knecht wandlet und kam in ein ander stat ... der knecht wandlet weiter Pauli schimpf u. ernst 335 Österley; den gürtel zuo der alben verordnen ich der rumpelmettin, dass sie ir plünderli damit zesamen bind; dann ich versich mich wol, sie werd ouch müessen wandlen N. Manuel 235, 14 Bächtold; ir solt nicht mit eilen auszihen, noch mit flucht wandeln, denn der herr wird für euch herzihen Jes. 52, 12; deinen zeüg so du dir zuobereitet hast zewandlen, trag ausz ..., du aber solt ... hinausz ziehen, wie man dann thuot so man wandlet (wandern will Luther) Züricher bibel Hesek. 12, 4; als nun Paulus (der fahrende schüler, der die heimat aufgesucht hat) wider wandlen wolt Th. Platter 14 Boos; dem wers nit wunder das er wandlet und von mir z'lauffen hette lust. Wickram 5, 184 (verl. sohn 810) Bolte. vom gesinde 'ab- und anziehen, den dienst wechseln': ein fraw ... sprach zuo irer kellerin, deren het sie auch urlaub geben: kellerin weistu was tags morgen ist. die kellerin sprach: es ist sant Steffans tag. die fraw sprach: nein, es ist der tag, das die huoren wandlen. die kellerin sprach: ja von einer huoren zuo der andern Pauli schimpf u. ernst 113 Österley; so noch jetzt im südlichen Schwaben. ähnlich elsässisch: 'umziehen, aus einer wohnung in eine andere ziehen': drei mol gewandelt ist so guet wie abgebrennt (im lothringischen wandern Follmann 529b); ferner 'mit den kühen auf die berge oder von da nach hause ziehn' Martin-Lienhart 2, 834. II@B@2@b@zζ) das ziel wird durch richtungspräpositionen bezeichnet: II@B@2@b@z@11)) in die stadt wandeln, tendere ad urbem Stieler 2501; ob ieman in unser mark oder stat wandelt, dem eʒ verbotten were oberrhein. stadtrechte 1, 94 (Wimpfen 1416); und wurdent ze rat aber einhellenklich, si wolten in iren elend also wandeln Stretlinger chronik 182, 16 (vom herkommen der Schwyzer) Bächtold; stracks gen Jerusalem zu wandeln Lucas 9, 51; und raubeten alle die auff der strassen zu inen wandelten richter 9, 25; vgl. auch: es war ein hoch uber-ausz gelehrter mann zuo Leypzyg mit nammen doctor Ochssenfart, do die esel hin wandlen Lindener Katzipori 97 Lichtenstein. wenn in der neueren sprache wandeln mit einer zielbestimmung steht, so zeigt sich der unter e behandelte nebensinn; selten fehlt er: lieber wäre ich nach Pforte gewandelt, weil Klopstock dort gewesen war Seume werke (1835) 12; sie wandelte zu dem hustenden und versetzte ihm einige sanfte schläge O. Ludwig 2, 46 (öfter so bei O. Ludwig); doch wie die mutigen Troer das blut des königes schauten, riefen sie laut einander, und wandelten (ἔβησαν) gegen ihn alle. aber Odysseus wich dem gedräng', und schrie nach den freunden. Voss Ilias 11, 460. bildlich: könnt ihr so verwegen handeln? wollt ihr denn zum tode wandeln? Göthe 1, 210 Weim. ausg. II@B@2@b@z@22)) in einen ort oder zu seinen einwohnern wandeln hat öfters den nebensinn 'mit ihnen in geschäftsverbindung stehen' (vgl.wandel II B 1, c): die kauffleüt wandlend vil zuo inen, ad eos mercatores saepe commeant Maaler 483d; unser stat und allen den, die darzu wandelnt auʒ allen landen geschichtsquellen der stadt Wien 1, 1, 89 (1320); als ietzent lange zit grosz red und clegte gewesen ist von den unsren und ouch von frOemden lten und gesten, so in unser stat wandlent, nemlich von geltschulde wegen ... stadtrecht von Bern 1, 91, 23 (1401) Welti; unser stat ze eren, den unsren und denen, so zuo ns wandlent, ze nutz und ze friden 91, 29; das im yetzund ewer stat, darein er doch langzeit als umbe sein notdurfft, kaufmannschafft und gewerbe gewandelt hat, verseyt werde städtechron. 5, 70 anm. (Augsburg 1421); ist, das die in unser statt wandlent und gand, die ir ainungen nit berichtet und gegeben händ das ältere recht der stadt Rottweil 173 Greiner (das rote buch 204); doch wandelten die baurn teglich gen Hall in die statt J. Herolt chronica v. Hall 230 Kolb, vgl. auch unter 1 i den beleg volksschauspiele in Bayern und Österr. 299, 13. ähnlich zu dem berg wandeln 'dort seinem erwerb nachgehen'(?): auch wellen wir, wer der si, der zu dem perg wandelt mit treiben oder mit tragen und des perges gemeʒʒen (genieʒʒen?) wil ..., der sol umb diselben handlung, di er durch des perges willen handelt, vor niemen recht nemen und tuen, dann vor unserm perchrichter ... wir wellen auch, das alle di, di zue dem perg wandelnt, vreiumb haben österr. weisth. 1, 200, 19 u. 39 (Gastein 1342). II@B@2@b@z@33)) im zusammenhang kann in einen ort wandeln 'dort seinen wohnsitz nehmen' bedeuten, wie in die stadt ziehen: obe wol ir ein ... einen constofeler zur ee nemen und iren sitz im lande hette und etwann har in die stat wandeln wolt Eheberg verfassungsgesch. der st. Straszburg 1, 521 (15. jahrh.); ein mann von Bethlehem zoch wandlen (wallen Luther) inn der Moabitern fäld ... (dann) wonetend sy daselbst Züricher bibel Ruth 1, 1. II@B@2@b@hη) wandeln bedeutet zunächst 'zu fusz reisen': ob du gast wandlen ver und wyt, luog das du ruowgst des nachts all zyt, stand früe uff, suoch die strassen dyn, dye herberg nym by tages schyn. Brant Facetus 253 (Zarncke narrenschiff 139). zuweilen begreift es auch andere fortbewegungsarten auf dem lande: Simon ... den do anrffen die do wandlen, rytent oder gond. und wenn sye in ein statt kumment, so bettent sye im ein pater noster, das er inen beschören wöll ein guote herberg Keisersberg postill2 114a; dasz man zun zeyten dareyn (auf die insel) zu rossz und fuosz wol wandlen mag, so der see klein ist Stumpf Schweytzer chronik (1606) 405a. das wandeln auf dem lande wird ferner der seefahrt entgegengesetzt: er wolt nu die erden machen, das man darauff schiffte, wie auff dem meer, und das meer, das man darauff wandelet, wie auff der erden 2. Maccab. 5, 21; vgl. auch oben δ 2)) α)) schiffen und wandeln W. Xylander Polybius 156. doch wird es zuweilen auch vom fahren auf dem wasser gebraucht: es geturste ouch nieman wol wandeln uf dem Ryne oder an den lantstrossen denne in geleite Königshofen, städtechron. 9, 853; dat die esellude ... die zeichen ... den tolnerssen um den porzen, dair si us und in wandelen, it si zo wasser of zo velde wart, laissen und lieveren sullen Kölner zunfturkunden 2, 543, 18 (1455) v. Loesch; viel lieber will ich wandeln über das meer A. v. Arnim 21, 133. ein wirkliches schreiten auf dem wasser berichtet die bibel von Jesus: umb die vierde wache der nacht, kam er zu inen, und wandelte auff dem meer Marc. 6, 48. ähnlich: Faustus ... wandelte also (auf dem zauberpferde) auch auff dem meer etliche tage volksbuch von dr. Faust 65 neudr. II@B@2@b@thθ) wandeln als vorwärtsschreiten, übertragen auf geistiges gebiet, 'zu einer meinung gelangen': glauben wir die werck, so glauben wir auch dem meister des wercks: dann das ist ein todter glaube, und ein kindische art, ausz den wercken zu dem meister nit zu wandelen Paracelsus (1616) 1, 86 B. II@B@2@cc) aus der grundbedeutung ist mit festhaltung der iterativen auffassung auch die bedeutung 'eine kurze strecke hin und her gehen, auf und ab gehen, einhergehen' hervorgegangen. diese bedeutung haftet am festesten und ist am fruchtbarsten für die weitere entwicklung des wortes; auf sie ist auch das 'ambulare' der deutsch-lat. wörterbücher in der hauptsache zu beziehen. seit Krämer tritt in den neusprachlichen wörterbüchern die einengung auf 'spazieren gehen' hervor, diese bedeutung war nach Schönaichs zeugnisz auch um die mitte des 18. jahrh. geläufig. sie zeigt sich auch noch in der neueren sprache, obgleich hier eine scharfe abgrenzung von dem in der dichtersprache neu aufgelebten wandeln nicht möglich ist: ambulare, spatiari, wandern, wandeln Diefenbach gl. 29b. 545a; wandlen, ambulare Maaler 483d. Dentzler 2, 342 (im lat. theil giebt dieser ambulare mit wandlen, spazieren, peregrinari mit wandern wieder); ambulare, deambulare, wandeln, spacieren, umher gehen Apherdianus methodus discendi (Köln 1601) 258; wandeln, ambulare Schottel 1440. Stieler 2501; ambulare, incedere Steinbach 2, 926. Kirsch 2, 380a (mit verweis auf wandern). Hederich (1753) 2578; wandelen, gehen, mit verweis auf spatziren gehen Krämer 1208a; wandeln, spatziren, se promener (als mundartlich oder veraltet gekennzeichnet) Rädlein 1028b; wandeln, gehen, umgehen, wandern, umhergehen, to walk or converse Ludwig 2379; wandelen, auf und ab-, hin und her-spatziren, wandelen Kramer (1719) 259a; im garten wandeln, se promener dans le jardin Rondeau. II@B@2@c@aα) do erhuob sich ein gescholle (streit) in der Brantgasze zwischent den zweien geschlehten, den von Mulnheim und den Zornen ... do gebot man den zwein parten, daʒ sü nüt zusamene soltent gon, und beschiet ieder parten ein zil, uber daz sü nüt getürstent wandeln noch gon Closener, städtechron. 8, 123; der (einsiedel) het ein lieben sun und do der wandelt in dem husz, do trat er mich (die maus) uff minen schwantz buch der beispiele 120, 23 Holland; Jhesus wandelte im tempel in der halle Salomonis ev. Joh. 10, 23; Mardachai wandelte alle tage fur dem hofe der frawenzimmer, das er erfüre, obs Esther wolgienge Esther 2, 11; da wandelten die drei wächter gar treulich vor der thür. Uhland ged.2 232; im zelt sie wandeln schritt bei schritt, was sie gesprochen, war nicht lang. A. v. Droste-Hülshoff 2, 312 Kreiten. die verschiedenen richtungen der bewegung können durch gegensätzliche präpositionen oder adverbien hervorgehoben werden: auf und nieder wandeln, to walk, go or wander, up and down Ludwig 2379; das ouch die statt Baden zuo allen nsern nOeten unser offen schlosz sin sol, also das wir soldner und volk dar in legen, darusz und darin und dardurch wandlen sOellen und mOegen, wie dik ns das notdurfftig ist stadtrecht von Baden 96, 10 (1443) Welti; und dem ankläger, auch dem (beklagten) der sein entschuldigung auszfüren wolt (beide in haft gehalten), solt gegunt werden, dasz die leut, so sie zuo bürgschafft oder beweisung ... gebrauchen wollen, zuo und von im wandeln mögen Carolina art. 14; durch die strasze seiner dame wandelt Zaid auf und nieder. Herder 25, 153 Suphan; nachher die ersten tage sahen wir ihn untern palmen auf und nieder wandeln. Lessing 2, 196 (Nathan 1, 1); so muszte sie mit ihm ... auf und ab wandlen Bettine die Günderode 1, 80; auch was (in dieser gegend) hin und her wandelt, erinnert einen an die liebsten bilder Göthe tagebücher 1, 177 Weim. ausg. von thieren: dasz dieselben erscheinungen sich zeigen würden, wenn jene insekten in dem leeren raume ... herumflatterten, statt auf der kugelfläche selbst herum zu wandeln F. Th. v. Schubert verm. schriften (1823) 1, 29. II@B@2@c@bβ) spazieren, d. h. zur erholung, zum zeitvertreib, im gespräch im freien hin und her oder nach einem nahen ziele gemächlich gehen (vgl.lustwandeln th. 6 sp. 1352); wandern (s. u. 2) wird hierfür nur selten gebraucht: die frömden ... wandlotend durch spatzierens willen v. Richental chronik des Constanzer concils 84; imbulus, furschupff oder laube darunter man lustiglich wandelt, spacierstede Diefenbach gl. 287b; darnach, da zween aus inen wandelten (δυσὶν ἐξ αὐτῶν περιπατοῦσιν), offenbart er sich unter einer andern gestalt, da sie auffs feld giengen Marc. 16, 12; darnach darauff ein weil umbgehn und wandelen Sebiz feldbau (1579) 64; sie wandeln zusammen unter dem laubichten Dach der alten wirthbaren linden. Zachariä schriften (1772) 2, 19; nach tisch gewandelt und gezeichnet Göthe tagebücher 1, 49 Weim. ausg.; den in der abendkühle im garten wandelnden schöpfer werke 22, 350; da ich ... die nachbarn in ihren gärten wandeln und ihre blumen besorgen ... sah 26, 16; wenn ich unsichtbar oder unerkannt an deiner seite auf und ab wandeln könnte, so sollte mir's zur groszen freude gereichen briefe 33, 107, 19; o dasz ich ihnen izt eine stund' an der seite wandeln und mit ihnen auf irgend einen stral tröstenden lichtes für sie lauern könnte Lavater verm. schriften (1774) 2, 165; so sehe ich menschen im garten hervor kommen, und mit langsamen schritten, spaziergehenden gleich, die allee herauf wandeln Schiller 4, 337 (geisterseher); zwischen den blühenden büschen wandeln Deutschlands gröszte geister Bettine Cl. Brentanos frühlingskranz (1844) 389; Münchhausen ... fand ihn drauszen im mondschein hinter dem schlosse wandeln Immermann Münchhausen2 1, 128; beide disputieren zwei, drei stunden hindurch strasz' auf strasz' ab wandelnd E. Th. A. Hoffmann 6, 16 Grisebach; eine landschaft, wie eigens geschaffen für reisende, die zwar den schwindel nicht lieben ..., aber doch gern auf den bergen wandeln L. Steub drei sommer in Tirol (1895) 1, 9; dort, in dem schatten des kastanienhains, der vor der stadt gen westen sich verbreitet, sah ich, so früh schon wandelnd, euren sohn. Shakespeare, Romeo u. Julia 1, 1; unleugbar waren diese (liebhabereien) darauf berechnet, dem wandelnden publikum, welches zwischen den beiden häusern nach der waldwiese und den grünen bäumen hinauszog, einen guten eindruck zu machen Freytag verl. handschr. 1, 35. mit zielangabe: entschlosz er sich ... zu einem spaziergang, so putzte er sich ..., nahm sein spazierstöckchen und wandelte steif ein wenig vors tor G. Keller 4, 218. nach spazieren gehen ist wandeln gehen gebildet (auch nl. wandelen gaan): dieweil er nicht arbeytet gern, gieng lieber wandeln mit den herrn auff dem marckt new zeitung hören. Fischart Eulenspiegel 5644 Hauffen; als nun der junge fürst in einem grünen garten alleine wandeln ging, der unruh abzuwarten, trat Jonadab hinzu. Rachel sat. ged. 96 neudr.; ich ging nun mit van Beers wandeln, bis wir uns gegen 9 alle wiederfanden in einem kaffeehause auszerhalb der festung Hoffmann v. Fallersleben leben 6, 101. II@B@2@c@gγ) wandeln wird gesagt von leuten, die im schlafe umhergehen, den nachtwandlern: mir ists zu zeiten wie dem menschen, der in nacht wandelt, und an gespenster glaubt Klinger theater 3, 298; gibt es unglücklichere menschen, als die in der nacht wandeln? Gutzkow ritter vom geist2 4, 172; wenn wandelte sie zum letzten mal? H. L. Wagner Macbeth 131 (5, 1). übertragen: in reiferen jahren werden wir durch schuld und erfahrung ... aus dem traume geweckt, in dem wir wandelten v. Holtei erzähl. schr. 4, 55. dann besonders von gespenstern, seelen verstorbener, von denen man glaubt, dasz sie zu bestimmten stunden 'umgehen' (schweiz. wandeln 'spuken' Stalder 2, 433, md. dafür wandern s. d. 2): so mssend ire seelen lange zyt wandlen, ee sy zur ruow kommend Lavater von gespänsten (1578) 62a; recht um dieselbe zeit pflegen sich die geister sehen zu lassen, wenn sie wandeln Creizenach schauspiele der engl. comödianten 154, 14 (bestrafter brudermord 1, 4); o gespenst, das du die gantze nacht wandelst, und keiner ruhe fähig bist Happel akad. roman (1690) 520; schon längst geht eine sage, wie sie wissen, dasz um mitternacht in den gewölbten gängen der königlichen burg, in mönchsgestalt, der abgeschiedne geist des kaisers wandle. Schiller 5, 2, 424 (Don Carlos 5, 6); nun pfeift der sturm in saal und thurm. nachts wandeln durch thüren und fenster gespenster! Körner 1, 230; auf ihrer stammburg wandelt von alters her ein geist, der längst mit klaggebärden auf schweres unheil weist. Uhland ged.2 372. für solches gespenstige hin- und hergehen auch unpersönlich es wandelt: aber mit dem letzten schlag zwölf einer aus der ferne dumpf tönenden turmuhr fing es an, in dem zimmer mit leisen abgemessenen tritten auf und ab zu wandeln E. Th. A. Hoffmann 6, 110 Grisebach. II@B@2@c@dδ) wandeln 'hin und hergehen' bekommt in verbindung mit präpositionen oder adverbien der ruhe oft die abgeschwächte bedeutung 'sich aufhalten, weilen, wohnen' in einem ort oder unter personen; auch übertragen auf ein weilen in gebilden der phantasie. die bedeutung geht in die von 'leben' (s. unten 3) über und ist von dieser zuweilen nicht scharf zu scheiden. in Luthers bibel begegnet sie häufig, und auf diese geht besonders die fügung wandeln unter zurück. häufig ist die verbindung wohnen und wandeln; auch sein und wandeln: dasz man an heiligen orten und stetten nicht leichtfertigkeit treiben, sondern mit zucht und ehrerbietung daselbsten sein und wandeln solle Sandrub hist. u. pol. kurzweil 111 neudr. II@B@2@c@d@11)) an einem orte weilen: α)) in: got hât si erwellet und fúrwelt und hat si gemachet wandlend in sim gezelt (in tabernaculo suo habitare) St. Georgener prediger 119, 7 Rieder; hab ich doch in keinem hause gewonet sint dem tag, da ich die kinder Israel aus Egypten füret, bis auff diesen tag, sondern ich habe gewandelt in der hütten und wonung, wo ich mit allen kindern Israel hin wandelt 2. Sam. 7, 6; ir aber seid der tempel des lebendigen gottes, wie denn gott spricht, ich will in inen wonen, und in inen wandeln, und wil ir gott sein, und sie sollen mein volck sein 2. Cor. 6, 16; man solle ihn in der stadt Dantzk sicher wonen und wandelen lassen Hennenberger preusz. landtafel (1595) 83; so die element ihren sitz haben, so bleibt ein hüli, in der der mensch geht, wandelt und wohnet Paracelsus (1616) 1, 524 A; ist mirs nicht die wenige stunden, die der graf in diesen mauren wandelt, als schlich immer ein spion der hölle meinen fersen nach Schiller 2, 132 (räuber, schauspiel 4, 2). β)) zu: das derselbigen eyn grosz theyl offenbAerlich zuo Carthago wandelten und giengen Carbach Livius 204b; γ)) unter 'zwischen': ich hab dich auff dem heiligen berg gottes gesetzt, das du unter den fewrigen steinen wandelst Hesek. 28, 14; der herr dein gott wandelt unter deinem lager, das er dich errette, und gebe deine feinde fur dir 5. Mos. 23, 14; das saget, der da holt die sieben sterne in seiner rechten, der da wandelt mitten unter den sieben güldenen leuchtern off. Joh. 2, 1; man wird sehr klein und verliert allen stolz auf den geist seiner zeit, wenn man unter diesen antiken, wie in einer götterversammlung wandelt Schubart leben und gesinnungen 1, 201. δ)) unter 'sub': die geister, dieweil sie der sonnen nicht unterworffen seyn, so wohnen und wandeln sie unter dem gewülcke, und je heller die sonne scheint, je höher die geister ire wonung haben volksbuch v. Faust 71 neudr.; wer ermiszt die wandelbarkeit der herzen derer, die da wandeln unter dem mondschein! E. Th. A. Hoffmann 10, 46 Grisebach; Daja. wartet doch! was eilt ihr? Tempelherr.weib, macht mir die palmen nicht verhaszt, worunter ich so gern sonst wandle. Lessing 2, 225 (Nathan 1, 6); aber auch er (der reisende) wird ein anderer mensch. es wandelt niemand ungestraft unter palmen, und die gesinnungen ändern sich gewisz in einem lande wo elephanten und tiger zu hause sind Göthe 20, 292 (wahlverw. 2, 7) Weim. ausg.; dann zum geflügelten wort geworden: wandelt man nicht ungestraft unter palmen, so noch weniger unter göttern. wer einmal vergöttert worden ist, der hat seine menschheit unwiederbringlich eingebüszt D. F. Strauss 6, 50 (der alte u. der neue glaube). ε)) vor: durch Mardachay wert bedeut Christus der herr, ihr lieben leut, der wandelt stetz vors königs thorn. Val. Voith dramen 202 (Esther v. 1445) Holstein. ζ)) zwischen: man denke sich den Orpheus, der ... durch die töne seiner leier den geräumigen marktplatz um sich her bildete ... die töne verhallen, aber die harmonie bleibt. die bürger einer solchen stadt wandeln und weben zwischen ewigen melodien Göthe 48, 218 Weim. ausg. η)) übertragen oder bildlich: mein hertz ist nicht hoffertig und meine augen sind nicht stoltz, und wandeln nicht in grossen dingen, die mir zu hoch sind psalm 131, 1; aber demnach die, so recht sprechen, im tempel der gerechtigkeit, billichkeit und warheit wandelen und handelen Bodin, daemonomania, übs. v. Fischart (1581) 593; so wandelte Ewald und Lina einige wochen lang in den vorhöfen des heiligthums der liebe Pfeffel pros. versuche (1810) 5, 183; da auch mir die freude der unsterblichkeit in allen pulsen schlug, da ich wandelt' unter herrlichen entwürfen, wie in weiter wäldernacht Hölderlin 2, 77 (Hyperion) Litzmann; 'nun ist das liebe kind gut aufgehoben!' hörte er sagen, 'nun geht sie ihrem heil entgegen und wird bald in den gärten des herrn wandeln!' (in die brüdergemeinde aufgenommen) G. Keller 2, 115. II@B@2@c@d@22)) unter lebenden wesen weilen: ich will meine wonung unter euch haben, und meine seele sol euch nicht verwerffen. und wil unter euch wandeln (Eck: wandern), und wil ewr gott sein, so solt ir mein volck sein 3. Mos. 26, 12; es war kein wort, das Mose geboten hatte, das Josua nicht hette lassen ausruffen fur der gantzen gemeine Israel, und fur den ... frembdlingen, die unter inen wandelten (wonten Mentel, Koburger, Eck) Josua 8, 35; Jhesus aber wandelte nicht mehr frey unter den Jüden, sondern gieng von dannen ev. Joh. 11, 54; da er unter den lewinnen wandelt, ward er ein junger lewe Hesek. 19, 6; was doch das sey, das ynn menschlicher gestalt offt unter den leuten wandelt Agricola sprichw. (1529) 2, 1a; lieber will ich für sie auch die leichtesten spuren der unter uns noch wandelnden Musen aufsuchen Lessing 6, 2; unser soufleur (wird) auch noch aus dem loche hervorsteigen müssen, unter uns wandeln, und zur person werden Göthe 22, 169 Weim. ausg.; die verdienste des herrn präsidenten, welcher auch eien zeitlang unter uns gewandelt, aufrichtig anerkennend briefe 34, 23; nur kurze Zeit noch, und du wandelst unter uns fürst Pückler briefwechsel u. tageb. 2, 82; auch unsere goldenen ideale steigen endlich aus ihren himmeln nieder und wandeln und wohnen unter uns Prutz briefe von und an Herwegh 105; waren freilich die meisten, in deren mitte der baron damals gewandelt, ... längst dahingegangen Justi Winckelmann 2, 1, 229. diese gebrauchsweise berührt sich auch mit der bedeutung 'verkehren' (s. oben 1), besonders nahe in der verbindung mit handeln: das pfaffen nicht vermgen keusch seyn an wunderbarliche mitwirckung gots, die er gar wenigen geben will, so mssen die pfaffen under gemeynem volck wandlen und handlen Eberlin v. Günzburg 2, 31 neudr. ähnlich unter mit acc: sie (die Beguinen) wandlen under die lewt, und schtten yhr gifft in andere weiber 3, 36. auch um einen wandeln hat im folgenden die bedeutung 'bei ihm weilen', 'um ihn sein': ihr jungfrauen, die ihr um meine göttinn wandelt, saget ihr an, o sagt Dianen, dasz ein pfeil mich, ein süszer pfeil im herzen liebe — verwundet. Herder 27, 35 Suphan. II@B@2@c@eε) eine abgeschwächte bedeutung von wandeln ergiebt sich ferner, wenn die äuszere erscheinung des wandelnden im vordergrund steht und die gehbewegung ganz zurücktritt, fast so viel wie 'erscheinen', 'sich kleiden' u. dgl.; ähnlich gebraucht man auch einhergehen und gehen (z. b. in trauer gehen): selig ist der da wachet, und helt seine kleider, das er nicht blos wandele (περιπατῇ), und man nicht seine schande sehe offenb. Joh. 16, 15; nur allzuhoch stand jene, heimlich mir durch wundersam geschick verbundne frau, um welche noch dein hof in trauer wandelt. Göthe 10, 250 (nat. tochter 1, 1) Weim. ausg.; träumend, wie im halben schlummer, wandle ich bei tag. Heine 1, 30 Elster. II@B@2@dd) am weitesten abgeschwächt erscheint die bedeutung von wandeln als 'sich mit den füszen fortbewegen', ohne rücksicht auf ausgangspunkt, ziel oder wegstrecke, nur im gegensatz zur ruhelage; jetzt nur noch in anlehnung an die bibelstelle Marc. 2, 9 verwendet: er ist so schwach dasz er nicht wandeln kann, qu'il ne sauroit marcher Rondeau; waʒ wege hât diu gotheit oder war mac sie gewandeln, wan si doch an allen steten ist, oder wâ mit wandelt si, wan si doch niht vüeʒe hât noch niht daʒ lîplich sî? bruder Franke von Köln, zeitschr. f. d. alt. 8, 245; wyle du vor beladen werd, mit swärer und unseliger burde der aigenschaft? da durch dir zuogefüget was, nit schlAvfen, nit wachen, nit essen, nit wandeln N. v. Wyle translationen 108, 20 Keller; das sie lauffen und nicht matt werden, das sie wandeln und nicht müde werden Jes. 40, 31; welchs ist leichter, zu dem gichtbrüchigen zu sagen, dir sind deine sünde vergeben? oder, stehe auff, nim dein bette, und wandele? (gee Mentel, wandere Dietenberger und Eck) Marc. 2, 9; meidlin, ich sage dir stehe auff. und als bald stund das meidlin auff, und wandelte (gieng Mentel, Dietenberger, Eck) Marc. 5, 42; es war ein man zu Lystra, der .. war lam von mutterleibe, der noch nie gewandelt (gegangen Mentel, gewandert Dietenberger, Eck) hatte Apostelgesch. 14, 8; hültzern götzen, welche weder sehen, noch hören, noch wandeln können Offenb. Joh. 9, 20; das ein solche menge der todten cörper an allen gassen lagen, das die obsiger nit platz hetten zuo wandlen S. Franck chronica (1531) 34a; ein schwilen am fusz oder an der hand, von viel arbeiten und wandeln Decimator thesaurus linguarum (1614) 253b; Rom staunt: denn schön und grosz, frisch wie der eichenbaum, wächst Teutschlands jugend auf. der knabe wandelt kaum, so stärkt ihn kampf und lauf. Kretschmann werke (1784 f.) 1, 62; Fiesko (indem er ... sie niederstöszt.) wenn du drei leben hast, so steh wieder auf und wandle! Schiller 3, 148 (Fiesko 5, 11). der gegensatz zu fallen schafft im folgenden den sinn 'aufrecht, sicher, ohne schwanken und ausgleiten gehn': die wege des herrn sind richtig, und die gerechten wandeln drinnen, aber die übertretter fallen drinnen Hosea 14, 10. ähnlich: wer des tages wandelt, der stösset sich nicht, denn er sihet das licht dieser welt ev. Joh. 11, 9. sprichwörtlich: ein gesunder ist geschikt zu wandeln, ein weiser zu handeln, ein sanftmütiger zu überkommen Schottel 1133 (sprichw.). von der gehbewegung der thiere: die schweyn kömmend zuo sölcher feiszte und schwäre, dasz sy auff inen selber nit geston auch gantz nit wandlen mögend, dermassen dasz man sy auff karren oder wägen fren muosz Forer thierb. 149b. II@B@2@ee) seit Klopstock dient wandeln in der gehobenen sprache häufig zur bezeichnung einer edleren art des ganges; es ist, alleinstehend oder durch adverbien ergänzt, ein mittel, wesen, stimmung oder haltung des subjects anzudeuten. drei hauptarten kann man unterscheiden: das majestätische, das gemessene, das graziöse wandeln. bei der ersten und zweiten konnte Klopstock an Luthers bibel anknüpfen, die das wort überhaupt in eine höhere sphäre gehoben hatte, bei der zweiten auch an die bedeutung 'lustwandeln, spazieren', Adelung erwähnt die dritte art und meint, wandeln wäre in der dichtkunst beibehalten 'weil die in dem baue des wortes liegende onomatopöie eine anschauliche darstellung des mit leichtigkeit verbundenen gehens ist.' Klopstock folgten im gebrauch des wortes zunächst die Schweizer Bodmer und Gessner, denen dies wandeln schon durch ihre mundart vertraut war, dann schon in den fünfziger jahren auch Mittel- und Norddeutsche wie Uz und Zachariä; der späteren dichtersprache ist es unentbehrlich. II@B@2@e@aα) von gott (vgl. auch die belege unter c δ 1): was weis gott? solt er das im tunckel ist richten können? die wolcken sind seine vordecke, und sihet nicht, und wandelt im umbgang des himels Hiob 22, 14; (gott) du ... wandelst auf den fittichen des windes (nach ps. 104, 3 wo Luther gehest hat) Th. Abbt 1, 104; in den sternen da, wo der ewige wandelt. Klopstock Messias 2, 881; bei Hiob ist gott der hohe unbegreifliche, der ... auf den rollenden himmelskörpern wandelt Herder 12, 39 Suphan; im wetter ist sein gang, und in den grosen tiefen sein pfad; noch sieht man seinen gang, im wetter nicht, noch in den grosen tiefen, wo er gewandelt hat. J. H. Schmid bei Herder 12, 281 Suphan; was hat witz, der zwerg, auf den feldern zu thun, wo gottes majestät gewandelt und gerichtet hat? F. Ahlfeld bei Flathe deutsche reden 2, 129. von übermenschlichen wesen: die drei nornen um sie (Brynhildis) her wandelnd und singend Fouqué held des nordens (1810) 1, 60. von gestalten der vision: der du dort wandelst, ernstvoll und heiter doch, das auge voll von weiser zufriedenheit ... wer bist du, schatten? Klopstock 1, 15 (Wingolf 5); und an den hügeln wandelt ein hoher schatten her mit schwert und purpurmantel. Geibel (1883) 1, 1; Ägypten sah ich auf einmal vor mir stehen .. da sah ich den Grosz-Cophta wandeln; ich sah ihn umgeben von schülern Göthe 17, 134 (Grosz-Cophta 1, 4) Weim. ausg. grauenerregend, gespenstisch daherschreiten (vgl. oben c γ 'spuken'): was wandelt durch die nacht so ernst und schwer? um dunkle mäntel weisze nebel rollen, ein trüber strahl flirrt um die schwerter her, dem höllenreiche scheint die schaar zu zollen; sind's geister ..? A. v. Droste-Hülshoff 2, 66 Kreiten. ehrfurchtgebietend: durch nährende äcker, durch schlacht und tod, wandeln ihre (der vehme) boten unverletzt Göthe 13, I, 339 (Götz 5, 9 bühnenbearb.) Weim. ausg.; so wandelst du, dein ebenbild zu schauen, das majestätisch uns von oben blickt, der mutter urbild, königin der frauen. 2, 152 (einer hohen reisenden). II@B@2@e@bβ) langsam, bedächtig, gemessen schreiten: so schreitet in dem engen breterhaus den ganzen kreis der schöpfung aus, und wandelt mit bedächt'ger schnelle vom himmel durch die welt zur hölle. 14, 16 (Faust 1, 241); da rauschten sammt und seide, so wie hier ... und ritter wandelten und holde frauen. Bauernfeld 5, 64 (geschwister v. Nürnberg 3, 8); gestern noch im kurzen kleide hüpfte es (das mädchen) ausgelassen und kindlich umher, heute trägt es ein langes, wandelt mit sittigen schritten H. Seidel 3, 84; sicher: so wandle du — der lohn ist nicht gering — nicht schwankend hin, wie jener sämann ging. Göthe 2, 147 Weim. ausg. behaglich: doch indem ich so behaglich, aufgeschmückt stolzirend wandle. 2, 105; ernst, traurig: ich wandle auf einem kirchhofe, und schaue traurig zur erde nieder Herder 17, 17 Suphan; dieser kommt mit munterm wesen und mit offnem heitrem blicke; diesen seh' ich ernster wandeln. Göthe 2, 24 Weim. ausg.; in dem stillen mondenscheine wandl' ich schmachtend und alleine. 5, 1, 6; wandelt sie im walde gedankenvoll, betrübt, allein? 11, 289 (Erw. u. Elm. 1, 1); am leuchtenden sommermorgen geh' ich im garten herum. es flüstern und sprechen die blumen, ich aber, ich wandle stumm. Heine 1, 83 Elster; betend: jeder fromme weise wandelt betend, in der stoa, die ihm Carl erbaut. Schubart ged. (1825) 2, 4; im zuge, wallen: die wir freundlich mit einander waren unter uns, wir wandelten (haben gewandert Eck) im hause gottes zu hauffen ps. 55, 15; nun ordnet die züge, dasz jeder sich füge und einer mit allen, zu wandeln, zu wallen die fluren entlang. Göthe 2, 32 Weim. ausg.; vorüber wandelt dir ein zug von groszen, gröszern meistern. 4, 37; wie ... die völker zur versammlung wandelten. Bürger 150, 126; mische dich, o muse, in die reihen, die der bahre folgen, wandle auf den kirchhof ... Hölty ged. 53 (15, 19) Halm; die brüder wandeln mann für mann und ziehn die kappen in den nacken. A. v. Droste-Hülshoff 2, 1532 Kreiten; habt ihr auf der landstrasze nicht die fülle der leute bemerkt, die wie auf einer pilgerfahrt nach dem lieben Nürnberg wandeln? E. Th. A. Hoffmann 14, 203 Grisebach. II@B@2@e@gγ) leicht, schwebend gehen: wandeln wird er wie mit blumenfüszen über Deukalions fluthschlamm, Python tödtend, leicht, grosz, Pythius Apollo. Göthe 2, 67 Weim. ausg.; lasz sie sich drehen, und lasz du uns wandeln! wandeln der liebe ist himmlischer tanz. 1, 28. von elfen: dann leuchtet uns (den elfen) der stern, wir wandlen und singen und tanzen erst gern. Göthe briefe 4, 314 Weim. ausg.; über thäler und höhn durch dornen und steine, über gräben und zäune, durch flammen und see'n, wandl' ich (elfe), schlüpf' ich überall, schneller als des mondes ball. Shakespeare, sommernachtstr. 2, 1; sonst von weiblichen wesen, der geliebten: ich spähe nach ihr. da kommt sie und wandelt. Göthe 1, 89 Weim. ausg.; sie wandelt am bache die wiesen entlang. 1, 90; wie sie (die geliebte) wandelt auf den birkenhöhen. v. Salis ged. (1793) 32; seh' ich sie zum garten wandeln, mit dem körbchen in der hand. W. Müller verm. schr. 1, 17; blick' und lächele (geliebte)! komm und wandele! mach' im gang, blick und lächeln die lust von Eden den menschen klar. Rückert ges. ged. 4, 161; vom leichten dahingleiten auf dem eise: auf gewässer, welche ruhen, weil gebändiget vom eise, zieht die jugend leichte kreise, wandelnd auf den flügelschuhen. Platen 14 (lied. u. rom.). II@B@2@e@dδ) ganz vereinzelt ist ein abschwächendes beiwort: und oft, erschöpft von den vielen gefechten, wandelt er kraftlos schon, mit zu dem schmause gesellt. A. W. Schlegel im Athenäum 1, 120. II@B@2@e@eε) das ruhige, graziöse, stolze u. s. w. wird zuweilen durch ein danebenstehendes verbum mit gegensätzlicher bedeutung noch besonders hervorgehoben: o ihr wandelt nicht, fliegt! doch wie strebet er, euch zu nahn. Klopstock 1, 266; sie ging nicht, sie wandelte, wenn man verstehen will, was ich damit auszusprechen meine; — ihr kleid war ein gewand, was sie in schmeichlenden falten umgab, das kam von ihren weichen bewegungen her Bettine briefe 1, 77; sie kamen daher wie dampfkessel ..., sintemal sie aufgeblasen waren ... sie bildeten sich auch wirklich ein, solche wie sie seien noch nie diese wege gewandelt, denn sie gingen nicht, sie wandelten Gotthelf 3, 80 (Uli der pächter); nicht gegensätzlich, sondern nur modificirend: und engel mit den breiten schwingen werden um uns sich lagern, wo wir wandeln gehn. Grillparzer 6, 62 (weh dem, der lügt! III). II@B@2@e@zζ) auch vom schweren, stolzen, schnellen, zierlichen gange der thiere: aber Alkinoos gab zwölf weidliche schafe zum opfer, acht weiszzahnige schwein', und zween schwerwandelnde stiere. Voss Odyssee 8, 60; als in ein waldthal kamen, die jagenden. immer voran nun wandelten ihnen die hund', und spüreten. 19, 438; da kommt muthwillig durch die myrthenäste dahergerauscht ein taubenpaar, läszt sich herab und wandelt nickend über goldnen sand und bach. Göthe 2, 71 Weim. ausg.; stolz wandelt der pfau durch silbernen sand und er schlägt goldaugige räder Platen 259 (verh. gabel 2); hirsche wandeln dort am hügel, blicken in die nacht empor. Lenau ged. (1857) 1, 35; inmitten einer grünen weitumfassenden welt muszten die herden wandeln fürst Pückler briefw. u. tageb. 1, 129. II@B@2@ff) subject von wandeln 'gehen' können zunächst nur lebende wesen sein, in mannigfaltiger übertragung wird es seit Klopstock auch von anderen concreten und von abstracten gesagt. II@B@2@f@aα) von gliedern, sinnen, seele, gedanken, gefühlen, leidenschaften des menschen: II@B@2@f@a@11)) aber auch die sind gestorben, und über ihren gebeinen hat der söhne fusz, mit säumendem schritte, gewandelt. Klopstock Messias 4, 963; sey mir gegrüszt, vaterlands-erde! ... halt ein Moor! dein fus wandelt in einem heiligen tempel Schiller 2, 128 (räuber 4, 1 schauspiel); das steinbild hatte ... am boden gelegen, und vieler menschen füsze waren darüber hingewandelt F. Anders (Allihn) skizzen 3, 80, vgl. unten i β wandelnden fuszes; ähnlich: oftmals, wenn dein tritt durch den cedernhayn gewandelt ist. Pfeffel poet. versuche 1, 46. II@B@2@f@a@22)) und Wolo auf den zinnen, hielt zwang den leib zurück, liesz frei im freien wandeln den sehnsuchtsfeuchten blick. Halm 1, 282; von dem ... Jura bis in die fernsten gebirge des osten wandelt dein auge überall in ewiger umkränzung des schönen Hülsen im Athenäum 3, 34. II@B@2@f@a@33)) die ... seele, die ... ganz in Eden mitten unter engelchören wandelt Fr. Müller 1, 8; selig, wer sich von der welt ohne hasz verschlieszt, einen freund am busen hält und mit dem genieszt, was, von menschen nicht gewuszt oder nicht bedacht, durch das labyrinth der brust wandelt in der nacht. Göthe 1, 101 Weim. ausg.; in seinen zügen wandelte der zorn, erzwungne kälte lebt' in seiner stimme, in thränen schwamm sein abgewandter blick. 9, 428 (Tancred 4, 5); welch fieber wandelt durch dein angesicht. A. v. Arnim 5, 178. II@B@2@f@bβ) von gesichts- und gehörseindrücken, von düften: II@B@2@f@b@11)) wenn in dem finstersten wald ein flimmernder sonnenblick wandelt. Zachariä bei Adelung; durch den himmel wild jagen blitze, bleich; ihr vergänglich bild wandelt durch den teich. Lenau ged. (1857) 1, 34; wie's dunkelt! wie schon von den höh'n herab die schatten wandeln in gewalt'gen massen. Waiblinger gedichte aus Italien 2, 96 Grisebach. II@B@2@f@b@22)) horch' — es wandelt in den lüften hohes kriegs- und siegsgeschrei. v. Schenkendorf gedichte (1815) 19; und drinnen wandelt durch die hallen der messe lauter friedensgrusz. Rückert werke 3, 23; in vielen melodischen gängen wandelt der ton auf und nieder Herder 23, 21 Suphan; donner wandelt langsam von ihr (der wolke) an den bergen herüber Fr. Müller 1, 368. II@B@2@f@b@33)) hier (in der felsenwildnis) wandelte nimmer der odem des mais; hier wiegt sich kein vogel auf duftendem reis. Matthisson ged. 172. II@B@2@f@gγ) von geisteserzeugnissen: die Xenien sie wandeln zahm, der dichter hält sich nicht für lahm; belieben euch aber geschärftere sachen, so wartet, bis die wilden erwachen. Göthe 3, 309 Weim. ausg.; wohlauf, wohlauf denn mein gesang, und wandle klingend deinen schritt! Geibel 1, 192; die allegorie wandelt immer zwischen zwei klippen Göthe 40, 220 Weim. ausg. II@B@2@f@dδ) von personificirten abstracten: alsdann wandelt die kunst auf dem rechten wege zum ziele Göthe 48, 13 Weim. ausg.; ehre wandelt den eignen pfad. Grabbe 2, 25 (don Juan u. Faust 1, 1) Blumenthal; lasz die zeit im fluge wandeln fort und fort. A. v. Chamisso werke (1888) 3, 17; das ist der geist des misbehagens, der unter den völkern wandelt, der nicht zu fürchten, aber zu achten ist Börne ges. schr. (1829—34) 4, 97; die schrecken der barbarei wandelten vor ihnen her J. v. Müller 3, 360. II@B@2@f@eε) von dingen. II@B@2@f@e@11)) die wolke, der wind, der rauch, der nebel wandelt: und nun schweigen sie (die gewitterwinde). langsam wandelt die schwarze wolke. Klopstock 1, 141 (frühlingsfeyer); morgenwinde wandeln wehend am gestade. Fouqué held des nordens 3, 63; balsamwolken wandelten zum himmel ein festgeruch dem herrn! Herder 29, 16 Suphan; wie die abendnebel an dem einen ende (des thals) hereintraten und langsam an den bergen hinwandelten R. Volkmann träumereien an franz. kaminen (1881) 14. II@B@2@f@e@22)) von sich auf dem wasser bewegenden dingen: rauscht doch wohl auf meeres-wellen rasch ein schiff hinan, fühlet seine segel schwellen, wandelt kühn und stolz. will's der Ocean zerschellen, schwimmt es, morsches holz. Göthe 6, 279 Weim. ausg.; das geistermäszige der wenigen hin und wider wandelnden schwarzen gondeln vermehrte das eigenthümliche dieser scene 32, 347; statt jener unnützen, theillosen obelisken wandte sich die baukunst auf theilvolle, und in jedem theil nutzbare schiffe. aus der stummen, stehenden pyramide ward der wandelnde, sprechende mast Herder 5, 493 Suphan. II@B@2@f@e@33)) vom flieszen des wassers selbst. der flusz personificirt: vom fluszgott Alpheus, welcher tief durch's land von Pylus wandelt. Bürger 164, 674. ferner: mitten durch das land wandelt ein strom klares lebendiges wassers Bürger briefe 1, nr. 281 Strodtmann; holde quelle! wandle langsam, höre deinem lobe zu! ... o wie deine münzen duften! wie dein weidrich dich umblüht. Denis lieder Sineds (1772) 198; so wandelt der funkelnde felsenstrom in den distelgefilden. Kretschmann werke (1784) 1, 246; er (der strom) wandelt unaufhaltsam fort zu thale. Göthe 2, 3 Weim. ausg.; was unterscheidet götter von menschen? dasz viele wellen vor jenen wandeln, ein ewiger strom. 2, 82; wo die sanften wellen wandeln. Tieck 1, 113. II@B@2@f@e@44)) sehr gebräuchlich von der bewegung der himmelskörper: natur, dich hört' ich im unermeszlichen herwandeln, wie, mit sphärengesangeston, Argo, von dichtern nur vernommen, strahlend im meere der lüfte wandelt. Klopstock 1, 19 (Wingolf 8); um erden wandeln monde, erden um sonnen. 2, 102 (psalm); als er über dir (der erde) ging, als sein erhabneres antlitz wandelnde himmel umflossen, als seine göttliche rechte sonnen hielt und wog. Messias 5, 193; wir sehn der sterne lauf mit schauderndem ergötzen: sie wandeln heut, wie stets. Uz, werke 260 (97, III, 287) neudr.; wandelt der mond und bewegt sich der stern, junge wie alte sie schlafen so gern. Göthe 16, 338 (Epimenides 1, 3, 71) Weim. ausg.; wie der gestirne helle schar, die ihren schöpfer wandelnd loben und führen das bekränzte jahr. Schiller 11, 319 (glocke); wie herrlich, sonne, wandelst du nicht daher! Hölderlin 1, 47 Litzmann; es glänzet hoch und hehr im sonnenstral allvaters saal, die sterne wandeln unter ihm. Uhland ged.2 208; die sonn' im westen wandelt ihre neige, die gräber noch bestrahlend. Lenau ged. 1, 221 (1857); o komm zu mir, wenn durch die nacht wandelt das sternenheer. Geibel 1, 63; die empfängliche leichtbewegliche seele des dichters (schreitet) wie die wandelnde sonne von nacht zu tag fort Göthe 21, 129 Weim ausg.; da die 4 sterne ... mit ungleicher geschwindigkeit eines verschiedenen weges wandeln A. v. Humboldt kosmos 3, 264; das herz in seinem himmel sieht wie die wandelnde sonne vom thau bis zum meere nichts als spiegel, die es wärmt und füllt J. Paul Titan 2, 242. II@B@2@f@e@55)) weiterhin übertragen vom tage und den tageszeiten: vieles scheint (hier) natur, und ist doch kunst ...; aber der tag wandelt so sanft unterm freundlichen gemurmel des bachs, an der hand einer freundin ..., dasz wir ... vergessen, wie wir hingekommen sind Sturz (1779) 1, 264; o wie segn' ich euch, ihr tage, die ihr reich und reicher blühend still durch hain und garten wandelt! Geibel 2, 7; über die berge wandelt die warme frühlingsnacht. 4, 96; im garten wandelt hohe mittagszeit. 3, 237; II@B@2@gg) wandeln kann auch von dingen gesagt werden, die nicht durch naturkräfte, sondern von menschenhand bewegt werden, zunächst 'umhergegeben werden' (vgl.herumgehen), dann 'gebracht, mitgenommen werden'; üblicher ist dafür wandern (s. d. 16); seit dem 17. jh. vorkommend, in älteren belegen liegt noch persönliche auffassung vor: als ich aber in mir selbs vor betrachtet het, dises bchlin an dyne genad zekeren; damit es by mir nit verlAege, sunder mit hilff günstliches gelaites sicherer in die welt wandeln und gemainer syn mOechte Steinhöwel de claris mulieribus 16 Drescher; der stockfisch sagt von grossem handel, wie er durch ferre lAender wandel. Fischart Flöhatz 68, 108 neudr.; von tausend und mag sein dreyhundert jahren ab hat stets von hand auf hand gewandelt Assurs stab. Opitz ged. (1690) 4, 296; um mitternacht halten wir mahl und rath! und die barden singen uns siegsgesang! die krieger singen ihn nach, dann wandelt das horn des uhrs umher, oder ein jüngling tanzt das waffenspiel. Klopstock 8, 204 (Hermannsschl. 11); herrn Windischmann grüszen sie ... auch sein werk soll mit in die fremde wandeln Göthe briefe 38, 133 Weim. ausg.; auf dem Kapitol vermiszte ich den schönen Brutus. dieser ist nach Paris gewandelt, hiesz es Seume 164 (spazierg.); sie ... sandten zur heimat höchst vertrauliche briefe in hut und felleisen wandernder handwerksburschen, welche zuverlässig der polizei in die hände wandelten Freytag 22, 73 (K. Mathy). II@B@2@hh) zuweilen steht nach wandeln der acc. des pron. refl. und, zur bezeichnung des folgezustandes, ein adj.: als sie ... in der warmen luft ... sich trocken wandelte, sich ankleidete Heinse 3, 6 (Hildegard I) Laube; wo kein mond strahlt, keine sonne leuchtet, die täglich, hat sie sich müde gewandelt, zur ruhe geht in unserm meer. Grillparzer 3, 42 (Argonauten I); ähnlich: dasz ich blos spazieren gehen wollte, um mir das zwerchfell auseinander zu wandeln Seume 69 (spazierg.). II@B@2@ii) das part. praes. wandelnd 'sich fortbewegend' kommt noch in einigen besonderen verwendungen und festen verbindungen vor. II@B@2@i@aα) substantivirt: 'der wanderer', alemannisch: dise gspänst ... haltend etwan den wandlenden die straassen vor, frend sy ab dem rächten wäg Lavater von gspänsten (1578) 62a; alda seind guote herbergen, darinn die pilgram und andere wandlende aufgenommen werden Guler von Weineck Raetia (1616) 174. in der neueren sprache: manches verwelkende blatt umwirbelt dich, grab, flüstert dem wandelnden süsze schwermuth entgegen. Hölty ged. 57 (17, 6) Halm; auch kehrten die beiden wandelnden am ende des ganges um Göthe 24, 252 Weim. ausg.; so dasz (auf dem bilde) die wandelnden (die den triumphzug begleitenden) nach der linken zu schreiten 49, 288. II@B@2@i@bβ) wandelndes fuszes 'im gehen': er ... führte sie die treppe hinauf, erklärte ihr wandelndes fuszes seine liebe Langbein schriften 5 (1841) 186. II@B@2@i@gγ) ein sehr abgemagerter mensch kann einem wandelnden gerippe, d. h. zunächst einem gerippe, das wandelt (s. o. c γ) verglichen werden, wird diese beziehung undeutlich oder ganz aufgehoben, so verallgemeinert sich die bedeutung von wandelnd zu 'lebendig, menschgeworden' (vgl. die ausdrücke: er sieht aus wie der lebendige oder leibhafte tod u. a.; vgl. auch wandelleiche). II@B@2@i@g@11)) fernhin schlich das hagre gebirg, wie ein wandelnd gerippe Hölderlin 1, 155 Litzmann; er, der seinen freund in voller blüthe der jugend verliesz und ihn jetzt einer wandelnden leiche gleich wieder findet Schiller 6, 45; dich abzuholen hat er (der tod) keine eil'; es macht ihm spasz, dich als wandelnden leichnam zu sehn! v. Holtei erzähl. schriften 1, 80; einzig er ist ein mann, die andern sind wandelnde schatten (Odyssee 10, 495; flatternde Voss) Mommsen, m. gesch.2 2, 33; noch mehr verändert als die stadt, sind mir die menschen erschienen, sie gehn so betrübt und gebrochen herum wie wandelnde ruinen. Heine 2, 476 Elster. II@B@2@i@g@22)) ein uhrwerk, das zwar richtig fortgeht, aber keinen zeiger hat, eine wandelnde maschine B. Mayr päckchen satiren (München 1769) 62; kriegsgurgeln entmenschten ihre soldaten zu lebendigen wandelnden waffen, lieszen sie nicht gatten ... werden Jahn volksthum 300; in eltern, oheimen und andern verwandten, so sie nur geld haben, nichts anderes als wandelnde versorgungsanstalten zu erblicken Leipz. neueste nachrichten 23. 4. 1910, 6. beil.; verzeihe, meister, wie du weiszt, dasz ich mich oft vermesse, wenn sie das auge nach sich reiszt die wandelnde cypresse. Göthe 6, 43 Weim. ausg. II@B@2@i@g@33)) er (der wirt) war die wandelnde chronik des städtchens, und wuszte, was von dem einen thore bis zum andern sich ereignete, oder doch hätte ereignen können Immermann epigonen2 1, 14; sie wurde das wandelnde intelligenzblatt von Rockendorf. alle neuigkeiten des ortes flossen in ihrem laden zusammen F. Anders (Allihn) skizzen 3, 100. II@B@2@i@g@44)) im folgenden bedeutet es nicht 'lebendig geworden', sondern nur 'fortbeweglich': eine grosze ... noth musz diese anstrengung der erfindsamkeit zuwege gebracht haben, welche dazu gehöret, ein wandelndes haus zu erschaffen Sonnenfels ges. schr. (1783) 2, 290; welch ein ungethüm! rief Dankmar. das ist ja kein wagen! das ist ein wandelnder salon, in dem man tanzen könnte Gutzkow ritter vom geist2 2, 197. von einem lager: du sehnst dich nach den fesseln Mahomets, dem lärm des lagers, nach der wüste schrecknisz? ein wandelnd vaterland, reizt es so sehr? Göthe 9, 281 (Mahomet 1, 2) Weim. ausg. II@B@2@i@dδ) fortschreitend, von wahrgenommenem, das sich in bewegung befindet: in der tiefe zeigten sich nämlich wandelnde schimmer; bergleute mit ihren grubenlichtern kamen allmählich in die höhe Heine 3, 30 Elster; die kinder gingen nun in das eis hinein ... sie waren winzig kleine, wandelnde punkte in diesen ungeheuern stücken Stifter werke (1901 f.) 5, 1, 286. II@B@2@i@eε) sich fortpflanzend, von klängen, bewegungen: dort war gott. dort betet' er (Christus). unter ihm tönte die erde, und ein wandelndes jauchzen durchdrang die pforten des abgrunds. Klopstock Messias 1, 74; schnell empfindet er unter sich wandelndes beben; dann stürzen neben ihm felsen hin. 9, 438. II@B@2@i@zζ) wandelnde kette, ambulante chaine, 'eine von mannschaften zu beiden seiten eines feierlichen aufzuges gebildete kette ... zur aufrechterhaltung der ordnung' Brockhaus conv. lex.14 1, 506. II@B@2@i@hη) in der zoologie heiszt das wandelnde blatt die heuschreckengattung phyllum, deren arten einem baumblatte oder reise ähneln: mantis, locusta, folium ambulans, die fangheuschrecke, der gezpenstkäfer Nemnich 3, 503; phyllum sinifolium L., blattheuschrecke Leunis, zool.3 2, 507; schröter grünen im sand; und 'das wandelnde blatt' an dem waldrand, kopf aufrecht und brust, mit zusammengefalteten füszen, wie im gebet, trägt zackige haken und feurige augen. K. J. Schuler die jahreszeiten (1869) 25. II@B@2@i@thθ) ein wandelnder stern, wandelstern (s. d.): im griechischen alterthum ... wurden alle gestirne eingetheilt in wandelnde (ἄστρα πλανώμενα oder πλανητά) und in nicht wandelnde, feste sterne (ἀπλανεῖς ἀστέρες oder ἀπλανῆ ἄστρα) A. v. Humboldt kosmos 3, 37. II@B@2@i@iι) wandelnde hügel 'flugsand': die wegweiser .. richten sich, weil hier .. nur wandelnde hügel .. nach dem fluge der vögel Ritter erdkunde (1822) 1, 1033. II@B@2@i@kκ) übertragen von der bewegung im raum auf zeitliches vor- und zurückgehen: beibehaltung des wandelnden ostertermins A. Jeremias, Leipz. neueste nachrichten 27. 3. 1910. vgl.wandelbar B 1 ε. II@B@2@kk) der substantivirte infinitiv erscheint in den verschiedenen oben angeführten bedeutungen: die wandelung et das wandeln, ambulatio Stieler 2501. II@B@2@k@11)) das umhergehen: da leichtsinniges wandeln auf feuchtem grund und boden mir ein übel am fusze zugezogen hat Göthe briefe 28, 98 Weim. ausg.; was können die evangelisten dafür ..., dasz man diesz von einem wandeln auf dem meere selbst verstanden hat D. F. Strauzs 3, 17 (leben Jesu); zumal das verborgene wandeln in der grau verhüllten natur meinen gang einem schleichwege nach völlig ähnlich machte G. Keller 2, 40. das hin- und hergehen von dingen: das schwere, ächzende wandeln des perpendikels O. Ludwig 1, 302. II@B@2@k@22)) das gehen: und wil also by dir min leben bliben wen ich bin jarling me alt und tuot mir das wandeln we. Hans v. Bühel Dyocl. 9340; ein erfrorner fusz verhindert mich am wandeln wie am tanzen, selbst ungeschickt beweg' ich mich zum grusz. Göthe 15, I, 76 (Faust II v. 6331) Weim. ausg. II@B@2@k@33)) der gang, die gangart, in gehobener sprache: sterbliche wissen nicht, was gott thun wird; doch gewahren sie, wenn grosze dinge geschehn, jetzt sein langsames wandeln, jetzt donnernden gang der entscheidung. Klopstock 2, 128 (der freiheitskrieg); euer ruhiges wandeln, selige, streicht nun vor mir vorüber. Göthe 17, 42 (triumph der empfinds. 4) Weim. ausg.; eilfertiges wandeln, fliehen und verfolgen (ist in den kunstwerken angedeutet) .. durch weite schritte H. Meyer gesch. der bild. künste (1824) 1, 35. II@B@2@k@44)) im wandeln: im wandeln hütte ich mich, dasz das bein nicht überschlägt G. Treuer deutscher Dädalus (1675) 1, 65; das will mir nicht ganz gefallen, dasz sie im wandeln kirschen nascht E. Th. A. Hoffmann 14, 159 Grisebach; so vermag sie (die karyatide) sich in rhythmischem wandeln vorwärts zu bewegen H. Brunn kl. schr. 3, 306; denn obgleich sie in ihrem langsamen wandeln plötzlich innehielten, sich gegeneinander neigten und küszten, hätte man sie doch nicht für liebende halten mögen R. Huch liebe, in: meisternovellen 2, 175. II@B@2@k@55)) übertragen: und das wandeln meiner sandeln hemmt der dorn. Rückert werke 3, 35; ach! ich fühlt ihn (den mond) auch ganz, ganz sein segnend wandeln über meinen gedämpften busen Fr. Müller 1, 86; da flammt ein blitzendes verheeren dem pfade vor des donnerschlags; doch deine boten, herr, verehren das sanfte wandeln deines tags. Göthe 14, 20 (Faust 1, v. 266) Weim. ausg. II@B@33) auf dem bilde vom gang durchs leben beruht die bedeutung 'leben, sein leben führen'; über ihren biblischen ursprung ist das nöthige schon am anfang von 2) beigebracht; die wörterbücher beziehen sich z. th. auch auf die unter 1) behandelte bedeutung 'verkehren, umgang haben': wandeln, sein leben führen, das leben hinbringen Güntzel 831; vivere, conversari Schottel 1440. Stieler 2501; wandelen, leben, vivere, conversare Krämer 1208a; wandeln, handeln und leben, vivre, cheminer, se conduire et comporter Rädlein 1028b; wandelen i. e. leben, sich aufführen, verhalten Kramer (1719) 250a; vivere Steinbach 2, 926; ambulare, incedere, vivere, nícht so wohl mit den füssen, als in dem leben sich verhalten, in allem umgang mit andern Frisch 2, 421c. II@B@3@aa) wandeln in der bedeutung 'leben', im hinblick auf die äuszeren umstände, auf glück oder unglück u. dgl., zuweilen auch nur im gegensatz zum totsein; obgleich die gebrauchsweise auf die Lutherbibel zurückgeht, bietet sie hier nur wenig belege, da die meisten auf das religiöse und moralische zielen (s. unten b und oben 2 b δ). II@B@3@a@aα) das bild vom gange durchs leben tritt häufig noch deutlich hervor: ich bin der herr ewr gott, der euch aus Egyptenland gefüret hat, das ir nicht ire knechte weret, und hab ewr joch zubrochen, und hab euch auffgericht wandeln lassen 3 Mos. 26, 13; halt dich von denen, so gewalt haben zu tödten .. mustu aber umb in sein, so vergreiff dich nicht, das er dir nicht das leben neme, da du dichs am wenigsten versihest. und wisse, das du unter den stricken wandelst, und gehest auff eitel hohen spitzen Sirach 9, 20; hi wandel wir inn pilgerschafft, di stäts mit unruow ist behafft. J. v. Schwartzenberg bl. 151, 1; so kommt denn, freunde, wenn auf euren wegen des lebens bürde schwer und schwerer drückt, wenn eure bahn ein frischerneuter segen mit blumen ziert, mit goldnen früchten schmückt, wir gehn vereint dem nächsten tag entgegen! so leben wir, so wandeln wir beglückt. Göthe 1, 7 Weim. ausg.; jeden nachklang fühlt mein herz froh- und trüber zeit, wandle zwischen freud' und schmerz in der einsamkeit. 1, 100; alle die andern armen geschlechter der kinderreichen lebendigen erde wandeln und weiden in dunkelm genusz und trüben schmerzen. 2, 60; auch sind wir nicht bestellt uns selbst zu richten; zu wandeln und auf seinen weg zu sehen ist eines menschen erste, nächste pflicht. 10, 72 (Iphigenie 4, 4); so wandle durch das frohe leben. Körner 1, 155; doch wie der frühling wiederkehret mit frischer kraft und regsamkeit, so wandelt jetzt, verjüngt, verkläret, der sänger in der neuen zeit. Uhland ged.2 259; durch der wünsche dornenland wandle leicht geschürzten saumes. Rückert werke 1, 461. fort wandeln: der himmel will ihnen wohl, lieber mann, wandeln sie nur so fort Lichtenberg briefe 2, 142. auch vom gang ins jenseits: nieder senkt sich schon mein leben, mein gefährte, den ich hatte, ... ist dem herren übergeben und er wandelte voran. Tieck 1, 229; zu seinen vätern wandeln (vgl. oben sp. 1602 bei Göthe das nicht an die bibelsprache sich anschlieszende zum tode wandeln): wäre er ... mit dem ruhme zu seinen vätern gewandelt, selbst nichts gutes und nichts böses gethan ... zu haben Klinger werke (1809—10) 6, 4. II@B@3@a@bβ) soll nur der gegensatz des lebens zum tode bezeichnet werden, so sind verdeutlichende zusätze beliebt: auf erden, unter den menschen, im lichte wandeln u. dgl. (vgl. 2 c δ 'weilen'). II@B@3@a@b@11)) das wir nicht in fleischlicher weise, sondern in der gnade gottes auff der welt gewandelt haben, allermeist aber bey euch (ἀνεστράφημεν) 2. Cor. 1, 12; da der sohn gottes auff erden wandelte, und offt einen gantzen tag zu Jerusalem gepredigt hatte Schupp schriften 136; wie man mit vorsicht auf der erde wandelt: Göthe 7, 222 Weim. ausg.; nicht den menschen sowohl, die da leben und wandeln auf erden. Mörike ged.22 83; die elternliebe hat aber, so lange menschen auf erden wandeln, stets in süszer täuschung das kind miszverstanden O. Peschel völkerkunde (1874) 114. redensartlich: so bist du der ärgste narr, der auf dem erdboden wandelt Lenz 1, 34 (hofmeister 2, 7) Tieck. II@B@3@a@b@22)) jener grosze könig ... wandelt längst nicht mehr unter den sterblichen Göthe 41, I, 5 Weim. ausg.; bey deinem gehorsam befehl ich dir, morgen darf der graf nimmer unter den lebendigen wandeln Schiller 2, 137 (räuber 4, 2 schauspiel); wandelte nicht auch ... der heilige Borromäus unter unsern vorfahren? Göthe 23, 281 Weim. ausg. II@B@3@a@b@33)) verachtet hab ich seine (Attinghausens) treue stimme, da er noch wandelte im licht. Schiller 14, 385 (Tell 4, 2). II@B@3@a@b@44)) ungewöhnlich ist es, wenn derartige nähere angaben fehlen: wie solte gott uns machen zu seinem ebenbild und laszen uns im rachen des todes? nein, so wild und hart wil er nicht handlen, den weil er ewig lebt, sol der auch ewig wandlen, der stets an ihm geklebt. Rist himl. lied. 5, 311; o Maria, mutter Christi ... die du hast gleich mir gewandelt, hast gesiegt, wo ich gesunken. A. v. Droste-Hülshoff 1, 2, 75 Kreiten. II@B@3@a@b@55)) dann auch vom leben im jenseits: Louis und ich hatten plätze zur Porta St. Martin genommen, um den (nun jenseits wandelnden) affenmazurier springen, leiden, sterben zu sehen Holtei erzähl. schriften 2, 36. unter den schatten: denn in der gestalt, wie der mensch die erde verläszt, wandelt er unter den schatten Göthe 46, 69 Weim. ausg. II@B@3@a@gγ) mit angabe des besonderen lebenskreises, wobei ebenfalls die bedeutung der von 'sich aufhalten, weilen' (s. oben 2 c δ) nahe kommt: wann ich mich nicht der worte eines philosophischen staatsmanns bedienen konnte, der in dem licht eines glänzenden hofes und unter dem erleuchtenden auge eines groszen monarchen gewandelt hat F. C. v. Moser beherzigungen3 33; unter seinen schülern wie ein vater unter seinen kindern wandlend Schubart leben und gesinnungen 1, 31; ... bin ich ohngefähr auf derselben erdscholle, wo sie mich kannten, ja selbst in dem garten an der Ilm wandle ich mit kindern und nun einem enkel Göthe briefe 29, 177 Weim. ausg.; hier solltest du wandeln dereinst, ein groser, stattlicher, gepriesener mann — hier dein knabenleben in Amalias blühenden kindern zum zweytenmal leben Schiller 2, 129 (räuber 4, 1 schauspiel); einsiedelnd auf des Aetna höhen hauszt ein frommer klausner ... welcher näher dem himmel wohnend als der andern menschen tief wandelndes geschlecht, den irdschen sinn in leichter reiner ätherluft geläutert. 14, 97 (braut v. M. IV, 1); ein recht zu klagen hat jedwede stätte, wo sie (die verstorbene) gewandelt jemals, oder wo sie in zukunft je gewandelt hätte. Rückert ges. ged. 2, 67. von gestalten der phantasie: ich will damit nicht sagen, ihre gestalten müszten auf westphälischem boden wandeln A. v. Droste-Hülshoff briefe an Schücking 226. II@B@3@a@dδ) es folgen belege, in denen das bildliche mehr oder weniger zurücktritt; ich wil dein gesetz halten alle wege ... und ich wandele (wandere Eck) frölich, denn ich suche deinen befelh ps. 119, 45; wenn ich mitten in der angst wandele, so erquickestu mich 138, 7; niemands gezime ausserhalb des (ehe-)stands zuwandeln, er were dan von gott begnadt Luther 23, 456, 25 Weim. ausg.; liebe mich, sage mirs, dasz ich lebe und mit freuden wandle Göthe briefe 8, 162 (an Charl. v. Stein 1787) Weim. ausg.; der glanz der gröszten kunstwerke blendet mich nicht mehr, ich wandle nun im anschauen, in der wahren unterscheidenden erkenntnisz werke 32, 160; wie sprach dort gott der schOepffer werht? es ist nicht gut auf dieser erd, dasz ein mensch wandel gar allein, es sollen je zwey und zwey seyn. J. Gilhusius grammatica (Frkf. 1597) 3, 35; wer sich auf gott verläszt, der wandelt ohn gefahr. Stoppe Parnass (1735) 367; und von dem niedern volk, das in der irre wandelt, wird recht und eigenthum, amt, rang und glück verhandelt. Göthe 16, 23 (jahrmarkts-fest 310) Weim. ausg. II@B@3@a@eε) mit einem wandeln 'mit ihm zusammenleben', berührt sich mit 'verkehren' (oben 1, vgl. auch oben 2 a γ und unten b δ): sie werden mit mir wandeln in weissen kleidern, denn sie sinds werd offenb. Joh. 3, 4; ach wie gern gehe ich mit dir auf einem wege ... meine seele hat mit niemand noch so gewandelt als mit deiner seele Caroline Flachsland an Herder (aus Herders nachlasz 3, 211); da liegt (tot) euer begünstete mann, der mit königen stets und mit huldgöttinnen gewandelt. Herder 26, 23 Suphan; dieser ist mir der freund, der mit mir strebendem wandelt; läd't er zum sitzen mich ein, stehl' ich für heute mich weg. Göthe 1, 353 Weim. ausg.; götter sollten nicht mit menschen, wie mit ihres gleichen, wandeln. 10, 16 (Iphigenie 1, 3); der poete, warum scheut er nicht, sich mit solchen leuten einzulassen! weisz denn der, mit wem er geht und wandelt, er, der immer nur im wahnsinn handelt? 6, 35; Klinger kann nicht mit mir wandeln, er drückt mich briefe 3, 91. ähnlich: wollen wir ... die uns noch gegönnte zeit fröhlich zusammen wandeln 41, 52; fahren sie fort mir, insofern ich noch in ihrer nähe wandle und wirke, ein gleiches (vertrauen) zu erhalten 40, 266. II@B@3@a@zζ) übertragen, in der erinnerung wandeln: nun er das ewige mir abgewann, und jenseits alles wettstreits wie ein gott in der erinnerung der menschen wandelt. Schiller 14, 123 (braut v. M. IV, 9); II@B@3@a@hη) ungewöhnlich ein leben wandeln: auch der riesenmächt'ge Dahmen wandelt dort sein geistlich leben; schreckhaft zittern seine jünger, wenn er schwingt die musengeiszel. Heine 2, 54 Elster. II@B@3@bb) in der bibelsprache wird die bedeutung 'leben' meist eingeschränkt auf 'sein leben in irgend einer vom religiösen und moralischen standpunkte aus beurtheilten weise als ausflusz einer dauernden gesinnung führen'; diese gebrauchsweise ist der biblischen sprache schon vor Luther eigen, wenn auch nicht in gleicher ausdehnung wie bei diesem, auch wechselt früher wandeln mit wandern: si wâren beide gerecht vor gote unde wandelnde (vulg. incedentes, Luther: und giengen) in allen geboten und gerechtikeit des herren Matth. v. Beheim evangelienb., Luc. 1, 6; darumb wil ich dir geben langes leben, richtuom, gesig ..., die wile du wandelst in mime gebotte Königshofen, städtechron. 8, 271 (1.n. 3, 14, vulg. ambulaveris, Luther: so du wirst in meinen wegen wandeln); das wir haben guott gewissen: und wol wellen wandeln in allen dingen Mentels bibel (ca. 1466), Hebr. 13, 18; wandelt in der vorcht in dem zeyt eúwers ellendes 1. Petri 1, 17; die sún der ungeleubigen, in dem wir auch etwenn all wandelten in den begirden unsers fleisches Eph. 2, 3 (ähnlich codex Teplensis und die Nürnberger bibel 1483 bei Koburger; die vulgata hat an allen drei stellen conversari, Luther umschreibungen mit wandel); die Augsburger bibel von ca. 1475 bei Zainer giebt häufig ambulare mit wandeln wieder, z. b.: die do haben gewandlet in den unkeuscheyten 1. Petri 4, 3; die do nit wandlent nach dem flaisch Römer 8, 1 (ähnlich bei Koburger, auch Luther wandeln); auch: ob du reyn und gerecht wandlest Hiob 8, 6 (vulg. incesseris, Koburger: wanderst, Luther: bist); daʒ ain mensch, der closterleben fuoret, behuotsamlicher wandelet, dann in der weldt Keisersberg predigen 80b. während aber die älteren bibeln neben wandeln sehr häufig andere wörter, besonders gehen, verwenden, drückt Luther diesen begriff fast regelmäszig durch wandeln oder durch wandel führen (s. sp. 1538) aus; die belege für in, auf einem wege, einen weg wandeln sind schon oben 2 b δ angeführt. II@B@3@b@aα) mit folgendem wie oder als: wandeln wie Christus gewandelt hat, to walk, live, act or do, as Christ walked Ludwig 2379; wandelt, wie die kinder des liechts Eph. 5, 9; halt jedermann politisch fried und ärgre seinen nächsten nit und wandle, wie ein biedermann. Opel u. Cohn 30 jähr. krieg 366, 27; es gehet mir (dem götzendiener) wol, weil ich wandel, wie es mein hertz dünckt 5. Mos. 29, 19; darumb lieben freundt, wandlet nit als die unweysen, aber als die weysen Eberlin v. Gürzburg 3, 138 neudr. II@B@3@b@bβ) in einem wie-satz: das du gebest einem jglichen, wie er gewandelt hat, wie du sein hertz erkennest 1.n. 8, 39; er beugt der sünder wilden muth, er weiset, wie sie wandeln sollen. Neukirch auserlesene gedichte (1744) 83; wer ward nicht irr' an ihr und hätte nicht gewankt an diesem unglücksel'gen tage ... jezt kehrt uns die besonnenheit zurück, wir sehn sie, wie sie unter uns gewandelt, und keinen tadel finden wir an ihr. Schiller 13, 321 (jungf. v. Orl. V, 7). II@B@3@b@gγ) mit adverbien: erbarlich wandelen, viver honestamente, v. leben Krämer 1208a; ehrbar, behutsam, fürsichtig, ordentlich, christlicb, exemplarisch etc. wandeln, to live, or walk, honestly, heedfully ..., exemplarily Ludwig 2379; unordentlich wandeln, den lüsten des fleisches nachwandeln, to lead ill course of life, ebenda; löblich wandeln, integre vivere Steinbach 2, 926; aufrichtig, unsträflich, wandeln, cheminer droit; tenir une conduite droite (irreprochable) Rondeau; sie sind allzumal abtrünnige, und wandeln verrheterisch Jerem. 6, 28; die gerechten werden weggerafft, fur dem unglück, und die richtig fur sich gewandelt haben, komen zum friede Jes. 57, 2; ich handel fursichtig und redlich bey denen die mir zugehören, und wandel trewlich in meinem hause ps. 101, 2; lasset uns ehrbarlich wandeln (περιπατήσωμεν, Mentel: gen, Eck: wandern, vulg.: ambulemus), als am tage, nicht in fressen und sauffen Römer 13, 13; als wandelten (Mentel: geen, Zainer: wandlen, Koburger, Eck: wandern) wir fleischlicher weise 2. Cor. 10, 2; wandelt (πολιτεύεσθε, schon Mentel: wandelt, vulg.: conversamini) nur wirdiglich dem evangelio Christi Phil. 1, 27; das wir .. uns fleyssend erbarlich bey euch allen zewandlen (wandel führen Luther) Züricher bibel Hebr. 13, 18; der ainfeltig wandelt, ist seelig S. Franck das verbütschiert buch (1539) 11a; er soll .. lernen wie er christlich wandeln .. könne Mathesius Sarepta (1571) 7a; das sage ich ... dasz du vorsichtig wandelst, und dich nicht also betriegen lassest Schupp freund in d. not 43 neudr.; das er endlich in sein urteil fallen mus, er wandele auch so vorsichtig er immer wolle Butschky Pathmos (1677) einführung 3a; seyd gerecht, seyd gewissenhaft, wandelt unsträflich, so werden wir uns in der ewigkeit wieder begegnen Schiller 8, 153; ausz dem volget inn allem handel, das er ehrlich und bider wandel. H. Sachs 4, 151, 20 Keller; schawt das ihr wandelt fein gewis. Ringwaldt christl. warnung K 8b; ein schlimmes hertz, an narr- und grobheit reich, musz allenthalb ihm selbs gleich schandtlich wandlen. Weckherlin 1, 65 Fischer; lasz mich bescheiden wandeln und redlich allermeist mit meinem nechsten handeln. S. Dach 368 Österley; sihe, mein getreuer knecht, der wird weiszlich handeln, ohne tadel, schlecht und recht auf der erden wandeln. P. Gerhardt, Fischers kirchenlied 3, 336a; recht zu handeln, grad zu wandeln, sei des edlen mannes wahl. Göthe 5, 23 Weim. ausg. sprichwörtlich: wiltu sicher und wol wandeln, so fleug nicht zu hoch Luther tischreden 265b Selneccer; wer einfeltig wandlet, der wandlet am sichersten Henisch 844, 28. von den präpositionellen fügungen weisen die meisten, die mit in, vor, unter, mit, gegen, noch deutlich auf ihren ursprung aus dem gleichnisz vom lebenswege hin, während bei nach diese beziehung verblaszt ist. II@B@3@b@dδ) in tugenden oder lastern wandeln: im glauben wandeln, to live, or walk, in faith, by faith Ludwig 2379; wir wandeln im glauben, und nicht im schawen 2. Cor. 5, 7; ein gerechter, der in seiner fromkeit wandelt, des kinder wirds wol gehen nach im sprüche Salom. 20, 7; es ist nicht gut das ir thut, solt ir nicht in der furcht gottes wandeln Nehemia 5, 9; habe ich gewandelt (Koburger: gieng ich, Eck: hab ich gewandert) in eitelkeit, oder hat mein fus geeilet zum betrug? Hiob 31, 5; und wandelten in bosheit und neid, und hasseten uns unternander Titus 3, 3; da wir wandelten in unzucht, lüsten, trunckenheit 1. Petri 4, 3; wir, in aller ainfalt und gotselikait wandlende Melissus psalmen 51 neudr.; mache das wir wandeln inn der liebe, gedult, und fester hoffnung des ewigen lebens Ringwaldt handbüchlin d 7 a; denen die nit in der einfalt, sondern in der weissheit wandlen Paracelsus (1616) 2, 630; alle wege bahnen sich vor mir, weil ich in der demuth wandle Göthe briefe 8, 13 Weim. ausg.; jedoch insonderheit vermerck, das du in aller tugent wandelst. Spreng Ilias (1610) 113a (9. ges.); ehrwürdiger mann gottes! euren segen! euch trifft man immer auf dem rechten platz, wer euch will finden, musz im guten wandeln. Schiller 13, 256 (jungf. v. Orl. III, 3); o herr! lasz mich auch heute in deiner liebe wandeln treu. Arndt ged. (1860) 448. II@B@3@b@eε) im licht, in der finsternis, im geist, in gott wandeln u. ä.: wol dem volck, das jauchzen kan, herr sie werden im liecht deines andlitz wandeln ps. 89, 16; lasst uns wandeln im liecht des herrn Jes. 2, 5; so wir sagen, das wir gemeinschafft mit im haben, und wandeln im finsternis, so liegen wir ... so wir aber im liecht wandeln, wie er im liecht ist, so haben wir gemeinschafft unternander 1. Joh. 1, 6 u. 7; darumb laszt uns nun im liecht wandeln, ehe es für über gehet S. Franck chron. Germaniae (1538) 3a; und (Jesus) sprach, weh euch, die ir im licht des evangeli wandelt, und doch nach diesem lebet nicht. Ringwaldt evangelia J 7a; sonderlich sollen die es lesen, die da wöllen in den liechtern wandlen der kirchen, der künsten, der gerechtigkeit Paracelsus (1616) 2, 320 C; das volck so im finstern wandelt, sihet ein grosses liecht Jes. 2, 5; wir harren auffs liecht ..., sihe, so wandeln wir im tunckeln Jes. 59, 9; ich bin das liecht der welt, wer mir nachfolget, der wird nicht wandeln im finsternis ev. Joh. 8, 12; so wir im geist leben, so lasset uns auch im geist wandeln (στοιχῶμεν) Gal. 5, 25; gleich wie Christus ist aufferweckt von den todten .., also sollen ouch wir in einem newen leben wandeln Römer 6, 4; wie ir nu angenomen habt den herrn Christum Jhesum, so wandelt in im, und seid gewurtzelt und erbawet in im Col. 2, 6. II@B@3@b@zζ) im gesetz wandeln u. ä.: das ichs (das volk) versuche, obs in meinem gesetze wandele oder nicht 2. Mos. 16, 4; werdet ir in meinen satzungen wandeln, und meine gebot halten und thun 3. Mos. 26, 3; wirstu in meinen geboten wandeln, und nach meinen rechten thun, und alle meine gebot halten, drinnen zu wandeln 1.n. 6, 12; ewr hertz sey rechtschaffen mit dem herrn unserm gott, zu wandeln in seinen sitten, und zu halten seine gebot 8, 61; man muosz in gottes gesetzen wandlen S. Franck chronicon Germaniae (1538) 155b; meinen kindern .. beschere gehorsame hertzen, .. in deinen gebotten zu wandlen Moscherosch insomnis cura parentum 21 neudr. II@B@3@b@hη) nach den gesetzen, sitten, nach dem fleisch wandeln u. ä.: Salomo aber hatte den herrn lieb, und wandelte nach den sitten seines vaters David 1.n. 3, 3; und wandelten nach der heiden weise .. und wie die könige Israel theten 2.n. 17, 8; und werden nicht mehr wandeln nach den gedancken ihres bösen hertzen Jerem. 3, 17; gehorchten sie deiner stimme nicht, wandelten auch nicht nach deinem gesetze 32, 23; der nach meinen rechten wandelt, und meine gebot helt Hesek. 18, 9; so ist nu nichts verdamlichs an denen, die in Christo Jhesu sind, die nicht nach dem fleisch wandeln, sondern nach dem geist Römer 8, 1; wenn aber din bruoder von der spysz wegen truret oder verletzt wirt, so wandlest du nit nach der lieby Zwingli von freiheit d. speisen 24 neudr.; den weg der warheit werden sie verlestern, und aller meyst werdens die sein, so nach des fleysch lust in begird wandlen Eberlin v. Güntzburg 3, 113 neudr.; eine familie, die beständig nach deinen (gottes) geboten zu wandeln beflissen gewesen Nicolai Seb. Nothanker (1773) 1, 62; lasz das (dein wort) unser lucerne sein, darnach wir wandlen all gemein! H. Sachs 1, 67, 18 Keller; dann ist das nach Jesu gewandelt, wann man so ungestmmig handelt? Fischart Nachtrab 28, 969 Kurz; weil sie in städten so ruchlos leben und alle wandeln nach ihrem trieb. Göthe 16, 77 (Satyros 6) Weim. ausg. II@B@3@b@thθ) mit gott, mit, bei, unter den gottlosen wandeln (vgl. oben α ε): gottfürchtig, oder mit gott, wandeln, to walk worthy of god Ludwig 2379; Enoch gebar Matusulam und wandelte mit gotte (1. Mos. 5, 21; ambulavit vulg., bleib er in eim göttlichen leben Luther) wol drü jore, und wart Enoch donoch gezucket in das paradys Königshofen städtechron. 8, 241; wer da wandlet bey dem hochfertigen, der thuot die hochfart an Keisersberg predigen 65a; der ... auff dem wege gehet mit den ubelthetern, und wandelt mit den gottlosen leuten Hiob 34, 8; da wurde ich verdammt, zu wandeln unter den unheiligen E. Th. A. Hoffmann 1, 20 Grisebach; ihr verlieset den herrn (gott); er euch, wer nicht mit ihm wandelt, sinket. Müllner dramat. werke (1828) 1, 72 (29. febr. 9). II@B@3@b@iι) vor gott wandeln: ich bin der allmechtige gott, wandele (Mentel: ge, Eck: wandere) fur mir, und sey from 1. Mos. 17, 1; dein haus und deines vaters haus solten wandeln fur mir ewiglich 1. Sam. 2, 30; werden deine kinder ire wege behüten, das sie fur mir trewlich ... wandeln 1.n. 2, 4; ich aber wandl unschuldig vor dir. H. Sachs 18, 117, 20 Keller-Götze; lasz uns leben in der welt, und doch vor dem herren wandeln. Neukirch ged. (1744) 67. vor den menschen: das wird sein, welcher-da wándelt fụrn leuten auf-richtig uont ruonde, daer nichts dan recht tuot uont hándelt. Melissus psalmen 51 neudr.; sey redlich, wie du mich vor gott und menschen wandeln gesehn Fr. Müller 3, 289. II@B@3@b@kκ) gegen jemand wandeln: wandelt weislich gegen die draussen sind, und schicket euch in die zeit Col. 4, 5; und arbeitet mit ewren eigen henden ..., auff das ir erbarlich wandelt gegen die, die draussen sind, und irer keines bedürffet 1. Thessal. 4, 12. anders entgegen wandeln: und wo ir mir entgegen wandelt und nicht hören wolt 3. Mos. 26, 21. II@B@3@b@lλ) auch hier begegnet die verbindung handeln und wandeln: das wir ... nie erkandt haben, das er anders dan eym cristlichen ... geziempt, gehandlet oder gewandlet sölt haben U. v. Hutten 2, 89 Böcking; dasz ich in solchem dienste nicht ehrlich, treulich und aufrichtig gehandelt und gewandelt habe Schweinichen 2, 330; diese regel streichen heiszt: wider besser wissen und gewissen handeln und wandeln v. Hippel lebensläufe (1778 f) 1, 13. II@B@3@cc) der substantivirte infinitiv erscheint in der bedeutung 'leben, lebensführung, wandel': habt ihr mich dann gesehen in all meinen wandeln anders dann recht und redlich handeln? Hayneccius Hans Pfriem 2302 neudr.; seit vierzig jahren schleicht mein (des leibarztes) scharfes auge dem wandeln eures lebens forschend nach ... ich kenne eures lebens tiefsten bau. Körner 2, 96 (Zriny 1, 1); des maurers wandeln es gleicht dem leben, und sein bestreben es gleicht dem handeln der menschen auf erden. Göthe 3, 61 Weim. ausg.; und wir unterhielten uns gern mit ihr (der nichte Gleims) von vergangenen guten tagen, die ihr mit dem wandeln und wirken ihres trefflichen oheims immer gegenwärtig geblieben waren 35, 242. blosz das benehmen bezeichnet es (wol unter einflusz von handeln und wandeln) im folgenden: schade, dasz kein maler das mädchen sah, wie sie ... an der thür stand, mit einem holzscheit in der ausgestreckten hand den frauen zeigend, wohin sie sollten ... die Valtinessin fuhr einen schritt zurück vor dem wandeln des austreibenden engels O. Ludwig 2, 177 (Heiterethei). II@CC. während bei wandeln in den bedeutungen 'hin und her wenden' und 'sich hin und her wenden' zunächst besonders der iterative sinn des bildungssuffixes zur geltung kommt, tritt bei der bedeutung 'ändern, verwandeln' mehr der diminutive sinn hervor; die richtungs- und lageveränderung, die wenden bezeichnet, wird zu einer änderung des wesens, der gestalt, der eigenschaften; doch scheint auch die iterative bedeutung durch, da es sich meist um ein durch viele zwischenstufen fortgesetztes ändern handelt; zuweilen kann man auch eine wiederholte änderung nach verschiedenen seiten annehmen (vgl. unten 1 b δ meister Eckhart und 2 b). die bedeutung tritt zuerst in ahd. glossen auf: refragatur (lat. glosse: dissentit aut demutat), wantolot, kiwirrit Steinmeyer-Sievers gl. 4, 17, 40; vielleicht gehört auch hierher: confertis, wantolont gl. 4, 5, 37; auf einer verwechslung von mutari mit mutuari beruht: mutari, wantolon gl. 1, 818, 20 (zu Matth. 5, 42, volenti mutuari a te; dieselbe verwechslung bei: mutuari, pargen vel wandelen Diefenbach nov. gl. 260b). dann erscheint die bedeutung bei Notker und im mhd., im 15. und 16. jahrh. sind die belege selten, doch ist das wort bei Luther beliebt, der es in der bibel häufiger als verwandeln und endern, verendern gebraucht; die früheren und späteren bibeln haben dafür fast durchweg andre wörter wie verwandeln, verändern, ändern, kehren u. a. die älteren glossare führen das wort an: wandelen, wandeln, mutare Diefenbach gl. 374a, immutare 288a, variare 607a, diversificare nov. gl. 139a; wandeln, emendare, alterare, mutare. voc. theut. (1482) mm 8b. Dasypodius, Maaler, Dentzler haben es nicht. bei Hulsius und den späteren tritt die bedeutung auf: wandeln, abwechslen, cangiare, mutare Hulsius 273; verwandeln, verändern Güntzel 831; mutare Schottel 1440; mutare, versare, variare Stieler 2501; Krämer 1208a verweist von wandelen auf verwandelen, Kramer (1719) 259a von wandelen auf verwandelen, veränderen; wandeln, verwandeln, anders machen, changer, varier, faire un changement Rädlein 1028b (Ludwig s. unten); changer, varier Rondeau. Steinbach führt das simplex wandeln nicht an, ebenso nicht Kirsch und Nieremberger. in der litteratur kommt im 17. jahrh. wandeln nicht häufig vor, nur Logau gebraucht es oft. wieder in aufnahme gebracht hat auch in dieser bedeutung (vgl.B 2 e) Klopstock das wort, der hier wie auch sonst öfter, das simplex dem compositum vorzog, zugleich auch durch Luthers bibelsprache bestimmt war; durch ihn hat es verwandeln gegenüber einen edleren klang bekommen. Adelung nennt wandeln 'ändern' im hochd. veraltet, aber noch im niedersächs. üblich, er wendet sich gegen die wiedereinführung des wortes durch neuere dichter. Campe vertritt dagegen den poetischen gebrauch und will einen unterschied gegenüber verwandeln feststellen, letzteres bedeute 'ganz, seinem wesen nach, ändern oder anders machen'. jetzt ist das wort als 'ändern, verwandeln' (besonders reflexiv gebraucht) der höheren sprache eigen; in die allgemeine schriftsprache ist es (im gegensatz zu den subst. wandel und wandlung) noch wenig eingedrungen. der gewöhnlichen redeweise gehört es nur an, wo es von der transsubstantiation gebraucht wird (unten 1, g, β), ein andres mundartliches wandeln s. 3 a. II@C@11) der transitive gebrauch. II@C@1@aa) die bedeutung 'wenden' im räumlichen sinne ist nur in reflexiver fügung belegt (s. unten 2), doch kommt übertragen wandeln als 'wohin wenden, richten' vor: in Babylonie erhûb sich daʒ rîche und was gewaldic uber alle lant; die zuvuorte Cyrus und wandelde daʒ rîche in Persiam Sachsenspiegel III art. 44, 1. ferner es wandeln: man musz den knaben (Daniel, der für Susannas unschuld eintritt) nicht ubereylen, er hat nichts unrechts noch gehandelt, wer weysz wies gott mit yhm noch wandelt. es wird so plumpsweis nicht geschehen, drumb laszt uns vor das end besehen. Rebhun dramen 65 (Susanna 5, 158) Palm. auf das seelische übertragen tritt die bedeutung noch deutlich in einigen belegen hervor, in denen nicht der endzustand des zu verändernden, sondern nur eine neue eigenschaft, die es erhält, abhängig von richtungspräpositionen erwähnt wird: zu: 'wâ mite verschulde ich daʒ ze dir?' 'daʒ weiʒ ich wol'. 'nû sage ez mir'. 'mit unbescheidem muote'. 'den wandel ich ze guote'. Hartm. v. Aue, büchlein 1, 1248; da wandelt gott dem könige sein hertz zur güte, und im ward bange für sie, .. und umbfieng sie mit seinen armen stücke in Esther 4, 8; auf: da er daʒ beste ir geriet, mit vreuden si do heim schiet und was uf ein ander leben gewandelt, daʒ ir wart gegeben von unsers herren gute. Passional 404, 38 Köpke; welcher das gemeine falsch, das die welt für witz verhandelt, kennt und haszt, dem wird sein hertz auff betrübten mut gewandelt. Logau 2, 2, 70. II@C@1@bb) wird der durch die änderung bewirkte neue zustand nicht erwähnt, so erscheint bei körperlichen objecten, wenn es sich nicht um gänzliche umgestaltung handelt (vgl. c) und bei nichtkörperlichen objecten die einfache bedeutung 'anders machen, ändern, verändern', man kann hier wie auch bei 'verwandeln' (s. d) die belege trennen, je nachdem das subject eigenes oder fremdes ändert; bei beiden, besonders bei jenem, steht häufig das pronomen possessivum. II@C@1@b@aα) eigenes ändern: ouch wandelt er den rât, wand im sand als drât sîn sweher, kunic Ruodolf, von Babenberc den bischolf, der dâ hieʒ Arnolt, und bat in sêre, daʒ er solt sînes râtes phlegen. Ottokar reimchr. 20910 Seemüller; wenn ietzt Heraclitus lebte, würd er für das weinen lachen ... weil die welt so gar gewandelt sinnen, sitten, arten, sachen. Logau 2, 10, 8; ich bin nun von dem plan geschupfft. sie haben nu tzeyt, zu wandeln, was mann vonn yhn nit leyden kann, nach soll, nach will, wandeln sie nit, szo wirrt eyn ander on yhren danck wandeln Luther 8, 139, 16 Weim. ausg.; widderümb mus das weib ein weib bleiben, wie es gemacht ist, und stehet auch nicht ynn yhrer gewaltsolchs zu wandeln 24, 53, 15; ich wolt aber, das ich itzt bey euch were, und meine stimme wandeln kündte, denn ich bin irre an euch (auch die Züricher bibel hat hier wandlen) Gal. 4, 20; kan auch ein mohr seine haut wandeln (verwandeln Koburger. Eck, verändern Dietenberger, enderen Züricher bibel), oder ein parder seine flecken? Jerem. 13, 23. die farbe wandeln, decolorari, vultum mutare Stieler 2501; darumb behällt es allwegen seine natur, und wandelt dieselbige gar nicht Sebiz feldbau (1579) 322; als die spröszlinge der teutonischen Franken die gesetz und schwert von Salogasten und von den Sikambren hatten, die stammart wandelten, nannten sie sich: alte edle Franken Klopstock 12, 291 (gelehrtenrep.). II@C@1@b@bβ) fremdes ändern: er hofte, daʒ der smerze gewandelt hete ir herze und si im volgen solde nu. Passional 179, 68 Köpke; hienach an dem sibenden tage wart im sin mut gewandelt, wand er was gehandelt in der gruben also hart .. 275, 5; diz (Sachsen, Baiern, Franken und Schwaben) wâren alleʒ küngrîche; sider wandelte man in die namen, und heiʒen sie herzogen, sider sie die Rômêre betwungen Sachsenspiegel III art. 53, 1; auch mag ein bischof alle buosz wandlen die sein pfaffen setzen summa Johannis übers. v. Berthold 34a; wie du doch sonst dir selb gewalt genommen hast alle ding deines gefallens wandeln und keren Luther 7, 676, 14 Weim. ausg. II@C@1@b@gγ) nicht wandeln bedeutet positiv ausgedrückt 'bestehen lassen': er (got) lêʒet iʒ alliʒ nâh rehte gê, daʒ ne wandelt er sider niemer mê. Hartmann vom glauben 2647 v. d. Leyen. II@C@1@b@dδ) das ganze, von dem ein theil geändert wird, steht mit den präpositionen in und an. 1)) stêtikeit bediutet einen man. der ist ein man, der in sînem muote niht gewandelt noch beweget wirt meister Eckhart, d. mystiker 2, 346, 11 Pfeiffer; das er alle artzney .. beraiten sol, in mas die doctores und maister darvon schreiben und nichtz dar inn wandlen oder absetzen schriften des vereins f. gesch. des Bodensees 38, 101 (Lindau 1519); die wahrheit, die nun einmal ist, so wie sie ist, und nichts in ihrem wesen wandeln kann, geht ihren weg gerade fort Fichte wesen des gelehrten (1806) 21. 2)) Christus lere seyn gottlich wort, darumb sey vorbotten nyt alleyn diszem vorlesterer, ja allen engelen ym hymel, eynen puchstaben daran zu wandeln Luther 1, 383, 31 Weim. ausg.; an dieser verschämtheit ihrer seele hatte die ehe nichts zu wandeln vermocht W. v. Polenz Grabenhäger 1, 306. II@C@1@b@eε) die gleichzeitigkeit und abhängigkeit einer änderung mit und von einer andern wird durch mit und nach ausgedrückt: und sol diese frage .. zwischen Ernst German ... und zwischen Wendelin Frantzmänlein, welcher mit dem monden seine kleydung, mit der kleydung sein geberde, und mit dem geberde sein gemüht wendelt, abgeredet, und erörtert werden der Teutschen planet (1639) A 4a (vgl. I 2); der (stein jacingtus) wandelet sine varweso diche nach dem himele, ist er trûbe oder grâ,danâch varwet er sich sâ. Diemer d. ged. 370, 23 (Jerusalem). (s. auch den nächsten beleg.) II@C@1@b@zζ) im zusammenhange kann wandeln die bedeutung 'bessern' annehmen, sei es, dasz der ursprüngliche zustand ausdrücklich als schlecht bezeichnet wird (Luther, Waissel) oder zu denken ist, besonders von der sinnesänderung: nâch disse muneches lêre wandelte iegelich sîn leben. marienlegenden 103, 225 Pfeiffer; wiltu nit ein mal dencken, das got dein her und richter ist, und deyn durchbittert hessigs hertz wandelen? Luther 7, 263, 27 Weim. ausg.; hebet an, bessert, und wandelt darinnen all unredlich leben, und alles das dazu leitet Waissel chronik (1590) 159b; er rief's, und wandelte des bruders sinn durch den gerechten spruch. Bürger 170, 86; gott zu bitten, er möge das herz meiner armen schwester wandeln und in ihr die ... liebe zu ihrem manne erwecken v. Ebner-Eschenbach (1893 f.) 4, 465; leicht ist's den himmlischen, der menschen loos zu wandeln, vereitle ihren rat durch kühnen vorwitz nicht. Gotter 2, 127. II@C@1@b@hη) umgekehrt ergiebt sich die bedeutung 'verschlechtern, verderben, beflecken, fälschen, verstellen', wenn der ursprüngliche zustand gut, richtig oder wahr ist; diesem nicht häufig belegten gebrauche entspricht bei wandel die reichentwickelte bedeutung 'fehler, makel' (s. oben sp. 1543): exinanire, wandeln Diefenbach gl. 217a; corrumpere, inquinare, maculare Stieler 2501; gottis wort mag niemant ablegen oder wandeln Luther 1, 385, 3 Weim. ausg.; wart ein herlich titel auf sein kreutz gesatzt; den wolten sie wandeln ... verkeren und schenden, aber sie mochtens nicht enden. M. Weisse, Wackernagels kirchenlied 3, 300, 4; eyn jeder same vertirbt doch und wandelt alleyne seine art, er sei so gut wie er wölle, wann er inn eyn bösz und unfruchtbar stuck felds gesäyet wurd Sebiz feldbau (1579) 490. verführen, verleiten: als man ein stat burnen sicht, so lestu tragen uʒ din gut ... nu hat eʒ got doch vor besehen, ob eʒ sal burnen oder nicht, dem man dich widervechten sicht. als du din gut hinabe treist, sus wandelt dich der bose geist. Passional 443, 32 Köpke; tôtet dise jungvrowen, wan sie kan wandelen die gemüte der lûte Herm. v. Fritzlar, d. mystiker 1, 68, 37. fälschen: corrigîren di dinc di entweder von lastirbêren tolmetschêren sint ubele ûʒ gigebin .. odir von slâfinden wegêrin sind entwedir zuo gelegit odir gewandelt odir geminret Matth. v. Beheim evangelienb. s. 3; wie om der brif gewandelt (durch änderung von drei buchstaben gefälscht) wart Rothe düring. chr. 202; seytemal aber der h. v. der bapst wandelt und ablegt die pusz und genugthuung, ist offenbar, das nit mag seyn die pusz, die Christus .. aufflegt Luther 1, 384, 3 Weim. ausg. verstellen: wander ne mohte irfullendes chuneges muotwillen ... bi deme chunige er gestunt,diu wort er wandelote unde niht daʒ muot. Diemer d. ged. 76, 6 (bücher Mosis); der sprach 'wer ist der bôʒetsô vaste an das tor?' dô wandelt sîne stimmeder küene Sîfrit dâ vor und sprach 'ich bin ein reckeentsliuʒ ûf daʒ tor'. Nibel. 456, 4. II@C@1@b@thθ) zeitlich verändern, verlegen: sô hat man in unsers ordens grôsse capitel, daʒ gehalden ist czu Marienburg ...... getransferîret, gewandelt und verleget [haben] die vaste der dreier wochen, die unser orden pflag zu vasten ... statuten des deutschen ordens 157, 13 (gesetze Pauls v. Russdorf 1422) Perlbach. II@C@1@b@iι) die töne wandeln (beim klavierspielen), z. b. erst ein presto dann ein adagio spielen: und wie du nun die töne wandeltest Klinger theater 2, 276. II@C@1@cc) eine verstärkung der bedeutung tritt ein, wenn es sich um völlige gestaltveränderungen von körpern handelt; auch wenn der neue zustand nicht bezeichnet ist, wird dies jetzt mit verwandeln bezeichnet, besonders bei plötzlicher, durch wunder oder zauber bewirkter änderung, während für allmähliche, besonders organische änderung umwandeln, umbilden gesagt wird: du wándilost sie also tecchi (sicut opertorium mutabis eos) unde den wehsil lîdint siê Notker ps. 101, 28; und wenn du sie wie eyn gewand wandelst, werden sie verwandelt werden Luther 18, 508, 41 (buszpsalmen, ps. 102, 26) Weim. ausg. (in der bibel: sie werden verwandelt wie ein kleid); durch wort die Circe wunder handelt, dasz sie Ulyszis gfährten wandelt. Fischart dicht. 3, 325, 15 Kurz; die Zirze, die in vieh die menschen wandeln kan. Lohenstein Ibrahim Sultan 12 (z. 234); von dem ersten gefallenen an bis zu dem letzten erlösten, den die posaune der auferstehung wandeln wird. Klopstock 1, 130 (dem allgegenwärtigen); der auf dem ganzen schauplatz der unüberdenkbaren schöpfung, immer, und alles wandelt, und herrlicher macht durch die wandlung! 2, 85 (morgengesang); reif und schnee sind entflohn .. Tellus wandelt die scene. Ramler lyr. ged. (1772) 206. mit pleonastischem zusatz anders wandeln (vgl. unten 2 b Ilias 13, 279): wie sie (die morgenröthe) .. jeden augenblick die wolken um sich her anders wandelt Herder bei Campe. II@C@1@dd) am häufigsten ergiebt sich eine verstärkung der bedeutung zu 'verwandeln', wenn der neue zustand betont wird; dies ist schon der fall, wenn wandeln im perf. pass. steht und dadurch die änderung als abgeschlossen, ein neuer zustand als vorhanden bezeichnet wird: und daʒ di alden dinc gewandelt sint und alle di von Christô gescriben sint, daʒ si nüwe irschînen Matth. v. Beheim evangelienb. (vorr. zu Joh.) s. 179. wird der neue zustand ausdrücklich genannt, so steht er II@C@1@d@aα) ganz vereinzelt im acc., so dasz sich eine construction mit doppeltem acc. ergiebt (in anlehnung an die vorlage): der könig von Babel macht Mathanja seinen vetter zum könige an seine stat, und wandelt seinen namen Zidekia 2.n. 24, 17; der könig in Egypten macht Eliakim seinen bruder zum könige über Juda und Jerusalem, und wandelt (Koburger: verkeret, Eck: verwandelt) seinen namen Joiakim 2. chron. 36, 4. vgl. auch den doppelten acc. unter g β bei Schwarzenberg. II@C@1@d@bβ) der endzustand wird ferner ganz selten durch ein adj. bezeichnet: und die dâ lebentic beliben, den wær für daʒ genesen der tôt lieber gewesen, sô übel man si handelt. die man dâ tôte wandelt, die wurden in kurzen stunden ûf ir kemlîn gebunden. Ottokar reimchr. 45174 Seemüller; daʒ dîn heiligiu lîche tôtiu ist gewandelt. 50001. ähnlich: der ruofaer wurden wol drî umb ir unnutze krî sô übel gehandelt, daʒ mans für tôt wandelt. 59630 (wol mit einmischung der bedeutung 'behandeln', vgl.: man handele mih vür tôten H. v. Freiberg Tristan 6332); sein brechend auge ward perl: in harten edelstein liegt sein leichnam schön erstarrt, welkt nicht — reich und prächtig sehr wandelt ihn das zaubermeer. Herder 25, 207 anm. Suphan (im text: ist er verwandelt zu sehn); s. auch unter g α) den beleg aus Jahn. II@C@1@d@gγ) meist steht der neue zustand abhängig von in oder zu, der ursprüngliche zustand kann dabei stehen mit aus oder von (s. u. g α). II@C@1@d@g@11)) etwas in etwas wandeln: α))) eigenes: der sich hinach richtet (wer auf gott hofft), der wandelt die sterke, daʒ ist die losen siete in die guten siete Schönbach altd. predigten 1, 16, 36; den wec er vaste vür sich nam, wan er der rede niht vernam, die im Keiî nâch tete. dô wandelt Kei sîn bete in ein schelten und in drô. H. v. d. Türlin Crone 3748; wandelt eure klag in singen! ist doch nunmehr alles gut. P. Gerhardt 252, 36 Goedeke. β))) fremdes. 1)))) durch wunder oder zauber: ave sprach der engel zart, do das wort in fleisch gewandelt wart, in des heiligen geistes volleist Maria entphing allermeinst. Alsfelder passionsspiel 4712; herr es ist din halb als muglich nah minem verstene út in út wandlen, also út usser núte schephen Heinrich Seuse 292, 23 Bihlmeyer; dor ümme waren sy (die kinder) gewandelt yn swane altdeutsche blätter 1, 132 (märchen u. sagen aus einer Leipziger hs.); da er ir wasser in blut wandelt (keret Koburger. Eck, verkart Züricher bibel), das sie ire beche nicht trincken kundten ps. 78, 44; der den fels wandelt in wassersee (zum wassersee machet Züricher bibel) und die steine in wasserbrunnen 114, 8; mit gnad sih unser bergwerck an, weil wir sonst hie kein narung han, denn du kanst bald glantz, kysz und quertz durch dein gt wandeln in gut ertz. N. Hermann, Wackernagels kirchenlied 3, 1364, 4; doch wisset, ein ganzes heer von helden wie ihr seid mit meiner zweigezackten stange in kröten und frösche zu wandeln, ist eine kleinigkeit. Wieland 4, 150 (d. neue Amadis 8, 8); wandle ihn, du unendlicher geist! wandle den wurm wieder in seine hundsgestalt Göthe 14, 225 (Faust 1) Weim. ausg.; und dann in deinem arm sie wandeln mich, in einen aal, in eine kröte. Arndt 6, 236; sterbliche wandeltet ihr in blumen, götter von Hellas. Uhland ged.2 126; 2)))) von organischer umbildung: vergengliche speise verwandelt sich ynn den leib, der sie isset, diese speise widderumb wandelt den, der sie isset, ynn sich und macht yhn yhr selbs gleich Luther 23, 203 Weim. ausg.; wie do der empfangene sahm am ersten geformirt wirt und gesetzt: darnach in blut und fleisch etc. gewandlet Paracelsus (1616), 1, 127 A; kann die erd' im stillen raum, wo sie wunder thut, wandeln so in goldnen traum staub, gebein und blut? Rückert werke 3, 27; 'zu etwas gestalten': in dem letzten satze ... macht der berichterstatter den ersten versuch, die thatsachen in eine innerlich zusammenhängende geschichte zu wandeln Freytag 14, 13 (technik d. dramas). 3)))) die übrigen belege; zu beachten ist, dasz der ursprüngliche und der neue zustand häufig scharfe gegensätze bilden. α)))) von concreten: ihr fluthen schwellt, zerreiszt die dämme, wandelt land in see! Göthe 10, 309 (nat. tochter 3, 2) Weim. ausg.; die hütte mir, wo ich gesessen, zu wandeln in feuer und rauch. Rückert werke 1, 227. häufig in poetischen bildern und vergleichen, z. th. an 2)) anknüpfend: die freyheit war das gold, itzt aber ist in eisen es gewandelt. Lohenstein Epicharis 100, 691; so schwebt in der aue leicht ein werdender duft, den der mond in silber wandelt. Klopstock Messias 11, 1151; glückliche! die ihr euch täuscht, und eure tröstenden schatten wandelt in wahre gestalt. 14, 1113; diese traurigen cypressen in rosen wandeln; diesen tempel wieder den liebesgöttern weihen. Wieland 26, 59 (Alceste 5, 2); wo bin ich? was für töne schallen? ... wer wandelte die nachtigallen in uhus, in ein finkenchor? Gotter 1, 451; sie wird die welt zum Eden zaubern, wird die fluren in gärten gottes wandeln. Hölty gedichte 112, 5 Halm; die pest mag ... ganz Griechenland in ein gebeinhaus wandeln. Schiller 1, 323 (Semele); die bezähmerin wilder sitten, die den menschen zum menschen gesellt, und in friedliche feste hütten wandelte das bewegliche zelt. 11, 292 (eleus. fest); die warnungen der Ulmischen obrigkeit, und die eingeschränktere zensur kühlte die lava, wenn sie sich feurig ergosz, und wandelten sie mitunter in todtkalte schlaken Schubart leben und gesinnungen 2, 98. β)))) von farben: man wöll dan machen krump zu schlecht und wandeln schwartz in weis gestalt. Hutten op. 3, 532 Böcking. auf farbenübergänge geht wol: wandeln oder streyffeln, stragulare. voc. theut. (1482) mm 8b. γ)))) von lichterscheinungen: verhüll' o Phoebus, dem nahen greuel dein antlitz! wandle mittag in nacht! Gotter 2, 510. von klängen: wann der wein in himmelsklang wandelt mein geklimper, sind Homer und Ossian gegen mich nur stümper. Bürger 50, 6; denn eine regung wunderlich in zittern ihm die rede wandelt. A. v. Droste-Hülshoff 2, 169 Kreiten. δ)))) von tugenden und lastern, lust und schmerz, glück und unglück u. ä.: der benimt trauren und pringt vräud, er wandelt der sêl laster in tugent, er kêret von unmilt in milt K. v. Megenberg 352, 19; ûwer trûrikeit wirt gewandelt in vroude Matth. v. Beheim Joh. 16, 20; ir wandelt (gekeret Koburger, verkert Eck) das recht in gallen, und die frucht der gerechtigkeit in wermut Amos 6, 12; das sie ... wider euch dingeten den Bileam ..., das er dich verfluchen solte. aber der herr dein gott wolt Bileam nicht hören, und wandelt (kert Mentel, umkert Eck) dir den fluch in den segen, darumb, das dich der herr dein gott lieb hatte 5. Mos. 23, 5; die siegende liebe ... wandelte die kranke, tödtende schwermuth in süsze anziehende melancholie Klinger theater 2, 133; daselbst wirst du in ewger lust aufs süszste mit mir handeln, mein creutz, dasz dir und mir bewust, in freud und ehre wandeln. P. Gerhardt, Fischers kirchenlied 3, 391b; die ganze welt verschwöre sich was unrecht ist in recht zu wandeln. Wieland 9, 226; soll ich diesz freudegetümmel in starren schrecken, stumme trauer wandeln? Gotter 2, 493; allein ihr werdet solchen todestag in lebenstage wandeln. Göthe 9, 248 (Romeo 1465) Weim. ausg.; wenig geziemt dies, dasz du ihn liebst; du möchtest in hasz die liebe mir wandeln. schicklicher, dasz du mit mir den kränkst, der mich selber gekränket! Voss Ilias 9, 614; dann wandelst du (liebe) der erde leid, gefährtin der unsterblichkeit, in siegsgesang am throne! Matthisson ged. 12. II@C@1@d@g@22)) etwas zu etwas wandeln: wandelt er daʒ waszer zu wine Closener, städtechron. 8, 15; daʒ ir waʒʒer alsô was ze wîne gewandelt. Lamprecht v. Regensburg tochter Syon 4239 Weinhold; ein wandlet sie (Circe) zuo einem beren, den andren zuo eim hund thet keren. Wickram 5, 269 (weiberlist 294) Bolte; zum kerker wandelt sie (die angst) den glänzenden palast. Gotter 2, 397; wandelte, jungfrau'n, euch zu lebenszeiten der künstler? oder hob er in euch diese zu göttern empor? Herder 29, 128 (die Parzen) Suphan; o wandelst du zur mitternacht mir meinen mittag? 27, 81; er (Zeus) kann das nieden zu oben wandeln. 26, 224; wendet euch zu dieser frauen, die der schmerz zur göttin wandelt. Göthe 3, 16 Weim. ausg.; du gabst zu dieser wonne, ... mir den gefährten, den ich schon nicht mehr entbehren kann, wenn er gleich, kalt und frech, mich vor mir selbst erniedrigt, und zu nichts, mit einem worthauch, deine gaben wandelt. 14, 164 (Faust I, v. 3246) Weim. ausg.; und bitter, immer bittrer ruht' er nicht, bis er den reinsten tropfen bluts in mir zu galle wandelte. 10, 162 (Tasso 2, 4); denn nur ihr beide wandelt das nichts, chaos, zum kleide himmlisches lichts. Rückert ges. ged. 3, 143 (1837); nun war das paradies wie durch einen zauberschlag für die freunde zur völligen wüste gewandelt Göthe 24, 374 Weim. ausg. II@C@1@ee) wird der neue zustand nicht genannt, so kann im zusammenhange, wenn der hauptton auf der beseitigung des alten liegt, die bedeutung 'verlieren, aufgeben' (falls es sich um eigenes handelt) oder 'wegnehmen' entstehen (vgl. die ähnliche erscheinung unter f bei 'wechseln'). II@C@1@e@aα) im mhd. und mnd. begegnet: das leben, des lebens wandeln 'sterben', wol zu ergänzen 'das irdische leben in das jenseitige zu verwandeln' (vgl. auch unten reflexiv 2 f Passional 51, 54 Köpke): dineme knehte geruoche sinen loin geven, alse he wandilt dit dotliche leven. Marienlieder, zeitschr. f. d. alt. 133, 4; seht dô verschiet der chaiser hêr, er muoste wandeln sîn leben. kaiserchronik anhang I, 289 Schröder; des lyves wandelen Strodtmann 278; wer verdirbet, nach dem lüzzel ougen truebet, und in kerge erstirbet ... swar ein milter herre libes wandelt, klagendeʒ lop vür helle werre wirt ümbe in gewandelt. Rumzlant, minnesinger 2, 369a Hagen. II@C@1@e@bβ) 'beseitigen, aufheben': denn das erste gelübd gehet allweg vor, darumb ichs auch nit wandeln wil buch der liebe (Frankf. 1587) 337c; euch bring' ich freyheit, sieg. mein freund und euer retter allmächtig rächt er euch, und wandelt euren schmerz. Gotter 2, 173. II@C@1@ff) wird ein ding nicht von einem zustande in einen andern übergeführt, verwandelt, sondern ein ding weggethan und ein anderes dafür hingestellt, so entsteht die bedeutung 'wechseln, tauschen'; wird das eingetauschte nicht ausdrücklich erwähnt, so kann sich der nebensinn 'aufgeben, verzichten, ablösen, absetzen' u. ä. einstellen (s. bes. unter α H. v. d. Türlin, unter β Scherz-Oberlin und die belege aus dem rechtsleben unter g γ) 2)) γ)) für 'absetzen'): II@C@1@f@aα) eigenes wechseln: êr se (die ungetreuen) wandelen den vôt (den einen fusz vor den anderen setzen), vorwandelt sik on ore môt. Gerhard v. Minden 39, 91; wiʒʒe daʒ ich niht wandel mîne got. Ulrich v. Türheim Willehalm 229a bei Lexer 3, 673; sô muoste er wandeln ritters reht und muoste iemer als ein kneht dem risen dienen dar nâch. H. v. d. Türlin Crone 5507; (andre) mögen glück auff blätter bauen, mögen blicklich kleider wandeln. Logau 3, zugabe 138; und wandelt das kleid nit bis es zerbrach heiligen leben 1472, s. 6b; der habich wandelt seine fädern im augsten Gesners vogelbuch v. Heuszlin 124b; wann der mensch sein wonung wandlet und käm in ein ander pfarr summa Johannis übers. v. Berthold 34a; bleib ym lande, wone wo du bist, wechsel oder wandel umb yhrent willen nicht deine wonung odder land Luther 19, 555, 9 Weim. ausg. II@C@1@f@bβ) fremdes wandeln 'abwechseln, ablösen': dú wart gezogen, und mit ruten geslagen, also das zwölf mann múd an ir worden, das man si wandelen muste legende der h. Clara bei Scherz-Oberlin 1937. II@C@1@f@gγ) die beziehung zwischen den zu vertauschenden dingen wird durch für, um, in hergestellt. für: wen die lute muʒen ramen, die sich hir ersam handelen, gnaden vor er sie wandelen. H. v. Hesler Apokalypse 942 Helm; alten freund für neuen wandeln heist für früchte blumen handeln. Logau 3, zugabe 72. um: ists aber ein vieh, das man dem herrn opffern kan, alles was man des dem herrn gibt, ist heilig. man sols nicht wechseln noch wandeln (verwandeln Mentel, verwechselt Eck), ein guts umb ein böses, oder ein böses umb ein guts 3. Mos. 27, 10. in: das her durch not wille muste syne wonunge wandeln in eyne ander zcu wonende unde zcu bleybende Magdeburger fragen 1, 3, 7 Behrend; hierher auch, wenn nicht bildlicher gebrauch von 'verwandeln' (oben d) vorliegt: kraft ist dein wort, entscheidung dein schwert. doch wandelst du gern es in die sichel, und triefst wohl dir! von dem blute nicht der andern welten. Klopstock 1, 254 (mein vaterland); so wandelt man die feder in büchsen und lange spiesz, fragt nichts darnach, wem das verdriesz. Schade satiren u. pasquille 1, 63, 296. II@C@1@gg) besondere anwendungen der bedeutungen 'ändern, verwandeln, wechseln'. II@C@1@g@aα) eine ganz bestimmte bedeutung zeigt sich auf sprachlichem gebiete: übersetzen, von oder aus etwas in etwas (in der Genesis scheint von 'wechseln, tauschen' aus gegangen zu sein): du gip mir dinen wistuomdaʒ ich muge wandilon mit tutischem mundelatinische zunge Genesis 119, 9 Diemer (fundgr. 2, 85, 11 der latinisken zungen); do liesz Ptolomeus ... zu Jherusalem holen die zwei unde sobintzigk uszleger, die ym wandelten die bucher der alden ee vonn heberhemischer sprache ynn chaldeische J. Rothe düring. chron. 52; dann auch soviel wie 'auslegen, deuten': diese schwermer ... wöllen zuvor uns die schrifft aus den natürlichen worten und synn wandeln ynn yhre wort und synn Luther 23, 93, 14 Weim. ausg.; deutsch wandeln, ins deutsche übersetzen: diejenigen geschlechter, so aus andern völkern stammen ... und längst deutsch ... sind, sollten nun auch ihre geschlechtsnamen endlich deutsch wandeln Jahn werke 246. II@C@1@g@bβ) eine feste bedeutung hat wandeln im christlichen cultus erhalten und in katholischen gegenden, besonders im bair.-öst., noch heute bewahrt (Schmeller2 2, 936. Schöpf 800); der priester wandelt nach der lehre von der transsubstantiation während der messe das brot und den wein in den leib und das blut Jesu: conficere, consecrare, wandeln Diefenbach gl. 141a; er (der kopf) zimet dir niht ûf dîneme tische ze hân, er sol ûf eineme alter stân, daʒ man darinne wandele daʒ lebendige brôt. Münchener Oswald 3346 Bäsecke; durch wort brot flaisch gewandelt wart Schwarzenberg 155, 1a; weyl Christus selb geleichet sich dem weinstock und mich wandlen thut, den wein, in sein heyliges blut. H. Sachs 4, 249, 17 Keller; ungezweifelt Christus hat under seiner mess des abentessen prot und wein in sein fleisch und pluet gewandelt Berthold v. Chiemsee teutsche theologey (1852) 443. aus anderen belegen ergiebt sich vielmehr die (der kirchenlehre nicht gemäsze) auffassung, dasz durch die hand des priesters leib und blut Jesu in das brot und den wein gewandelt wird: ich mein daʒ rîche prêsent, der hêren minne sacrament, daʒ man alle tage handelt, sô man ûf dem alter wandelt sînen lîchnam und sîn bluot. Lamprecht v. Regensburg tochter Syon 3126 Weinhold; swenne des briesters hant wandelt gotes lîchnamen, sol si sich danne nicht zamen von wîplîchen anegriffen? H. v. Melk erinnerung 157 Heinzel; pei dem altar, da man den waren leichnam wandeln chan. Vintler pluemen der tugent 9759 Zingerle; (der pfarrer zum bischof) herre, ir habt gewalt und macht, das ir got wandelt in ein brat (brot). pfarrer von Kalenberg 39, 795 neudr.; wenn man unsern herrn wandelt cod. germ. Monac. bei Schmeller2 2, 936; darnach hielt der heilig vatter der babst das ampt ausz und wandelt gott ebenda; deszgleichen hastu (priester) meinen allerheiligisten leib vilmals gewandelt mit unreinen händen und boszhafftigen hertzen Albertinus der welt thurnierplatz 343. dann auch das sacrament wandeln: das sacrament wandeln sie (die griechischkatholischen) mit urhaben prot und nyssend das mitt wein und mit warmen wasser Schiltberger reiszbuch 48, 3 Langmantel; das fronamt wandeln: an suntag, wann man fronambt ze Hall gewandelt hat Lori sammlung der das bayr. bergrecht betr. urkunden 14 (1354) bei Schmeller 2, 936. auch hier die verbindung handeln und wandeln, wobei sich die bedeutung mit der von 'behandeln' vermischt: das da auf dem alter gewandelt und gehandelt wiert der irr got und irr herr und irr schepher ist Georg v. Giengen (Germ. 30, 92); nach wolches einsatzung wir ... under gestalt weyns und brotes, sein eygen tzarten fronleichnam und rosenfarbes blut opfern, handeln und wandeln Emser in Luthers u. Emsers streitschriften 2, 141 Enders; mesz leszen, und die andern sacrament handeln und wandeln 133; die priester so das prot ewiger warhait in iren henden handeln und wandeln Berthold v. Chiemsee teutsche theologey (1852) 450. absolut: wenn man zu mesz geleutet hat, so laufens unter die kirchentür und guzen als die hunt herfür, und wenn man den gewandelt (hat), so laufens ausz der kirchen drat. Rennaus 551 (Wagners archiv 1, 34); auch sol niemant chain habern chauffen, e daʒ man auf dem tueme gewandelt hat ze fronampt österr. weisth. 5, 389, 27 (Brixen 1379); e man auf dem tuome gewandelt hat (ohne weiteren zusatz) 5, 390, 8; wan der priester wandeln wil cod. germ. Monac. bei Schmeller 2, 936; darumb seid ir geweihet, und habt messe gehalten, als heiden, und nicht als christen, wie habt ir denn können wandlen? denn ir seid die person nicht gewest, die wandlen solten Luther 6, 83a (1573); siehstu, das in deiner messe zum ersten nicht die person da ist, so wandlen sol und kan, nemlich ein christgleubiger mensch 83b. auch 'mit der glocke das zeichen zur wandlung geben': kärnt. hietz wandlts, nun wird zur wandlung geläutet Lexer 250. reflexiv, gott wandelt sich: daz stêt allez samt in dem sermône von den sacramenten ... wie sich got dâ wandelt, ob diu vier dinc dâ ze rehte sint ... diu materie ... ein gewîhter priester ... diu wort diu der priester sprechen sol ... des priesters andâht Berthold v. Regensburg 1, 500, 30; ausz lieb er (Christus) setzet und bestet fünff wOerter die der priester pett, und sich dardurch gewandelt hat, als in verwandelt scheinlich brot. Schwarzenberg 154, 2b. II@C@1@g@gγ) das rechtsleben kennt in mhd. und frühnhd. zeit eine reihe verwendungen von wandeln 'ändern, tauschen', die am besten hier zusammengestellt werden (weitere auf 'zurückwenden' beruhende gebrauchsweisen s. unter D). II@C@1@g@g@11)) gesetze, vorschriften, rechte wandeln 'ändern': vier quarte sal man alle tage geben zwein brûderen, eʒ ensî danne, daʒ der obere .. durch nôtdurfte willen daʒ anders wandele (aliter mutaverit). statuten des deutschen ordens 116, 6 (gewohnheiten 58) Perlbach; was ouch dieselben unser schultheisz und die rête, die ie des jares also gesetzt werdent, wandelnt in der .. stat, mit (ordnungen) ûfsetzen und absetzen, .. dabey sol eʒ beliben stadtrecht von Baden 18, 36 (1368) Welti; wo eyne stat Magdeburgisch recht hat, da mogen dy ratlute der stad mit der wiczigisten rate willekore seczen ane des borggreven volbort ... ouch mogen sy dornoch dy willekore mit des wiczigisten rate abelegen adir wandlin noch irre bequemekeit Magdeburger fragen 1, 8, 11 (s. 27) Behrend; dise gewonheit und heingerecht ... sollen weren, stede bliben und gehalten sin also lange und so vil, bisz das es gewandelt wirt oberrhein. stadtrechte 1, 321 (Miltenberg 1422); was der herr hofmeister und seine gebietiger mit den landen und städten eintrechtiglich beschliessen, in ihren landen zu halten, dasz dasselbe stet und feste bleibe, und nach abscheiden nicht gewandelt werde, ist aber hernachmals ichtwas daran zu wandeln, das solchs mit der lande und städte mitraht gehandelt werden solle Schütz Preuszen 124a II@C@1@g@g@22)) vertauschen, wechseln. α))) vertauschen, verkaufen; hierher gehört vielleicht: windit (l. vendit?), wantalod Steinmeyer-Sievers gl. 1, 210, 16; ferner: swie die vrowen daʒ guot nit teilten noch geben, als eʒ min muoter geordent hat oder ob eʒ die predier wolten wandelen oder verkoufen urkundenbuch der stadt Basel 3, 18, 30 (1291). vor dem einzutauschenden steht mit: doch mügen wir dez goczhaus gult und nucze mit andern rechten und gevellen ... verseczen, keren unde wandeln nach unserm frumen 60 urkunden Ludw. d. Bayern, nr. 29, s. 42 (1337); nd. auch in: dat dat ghut kumt van der stede dar it eme ghewist was oder dat it van deme dar it nu is ghewandelet wert in ander ghut das alte Lübische recht 320 (art. 146) Hach. vor dem neuen besitzer steht nd. an: were ok, dat welk wurttins eder rente eder erve eder lant gewandelt worde an eine werlike hant livländisches urkundenbuch 2, 441 (nr. 887, v. 1348). β))) abwechselnd besitzen: wandeln, mutare usum fructum per vices Scherz-Oberlin 1937; das wandeln bei den wisen, wenn der eine disz stück das gegenwärtige jar benuzet, und im folgenden jener benuzet, was diser im vorigen jare nuzete Estor teutsche rechtsgelahrtheit 12, 781 (§ 4824). vgl.wandelgut, wandelmatte, wandelwiese. γ))) ein amtscollegium wandeln 'das alte ab- und ein neues einsetzen': swenne man den rat wandelt Regensb. statut von 1269 bei Schmeller 2, 936; do das jar usz quam, das der radt gewandilt wart Rothe dür. chronik 598. dann auch ein amt wandeln 'es neu besetzen': wan die radismeistere gekorn unde bestetiget odir ingefurt sind, so sollen sie alle ammechte wandele unde vornuwe gesetzsammlungen der stadt Nordhausen 60 (statuten 3, 2) Förstemann. eine amtsperson wandeln 'absetzen' (vgl. oben f β 'ablösen'): sô ensal er (der meister) dekeinen brûder an sîner stat lâʒen, danne mit des capiteles râte. deme capitele ist ouch mugelich zu wandelne den, der an des meisters stat ist verlâʒen, ob eʒ nutze ist unde ob man eʒ mac wol gebeʒʒeren statuten des deutschen ordens 100, 4 (gewohnheiten 12) Perlbach; der hirt sol ovch hten verbunden sin von dem anfang am frgling bysz Martini, und mag kein hirt sich wandlen oder abstAvn von dem dienst, aber ein rAvt mOecht in wol wandlen und absetzen, ob er sich nit wol hielte nach irem gefalen, und ein andren hirten nAemen stadtrecht von Brugg 86, 14 (1493) Merz; durch das weyhen werden wir der andern priester knecht, diener und amptleut, die do mugen abgesetzt und wandelt werden Luther 7, 633, 18 Weim. ausg. II@C@22) die bedeutung des reflexiven sich wandeln 'sich ändern' geht der der transitiven parallel. II@C@2@aa) die richtungsänderung ganz im eigentlichen sinne giebt wandeln im folgenden an, 'sich zur seite wenden, umbiegen': das sy doch als verr mit im kamend, daʒ sich die strasz wandlet; do hielt der wirdig ritter still und sprach zue inn: 'minen lieben brueder, es ist zitt, daʒ wir vonn ein ander scheident' deutsche volksbücher 278, 24 Bachmann u. Singer. in andern belegen scheint die bedeutung 'sich wenden' mehr oder weniger deutlich durch: der wind, das glück, die zeit etc. hat sich gewandelt, gewandt oder verändert, the wind has shifted; the tables are turned; the affairs, or times, are changed Ludwig 2379; wie (kommt's), dasz sich die Fortun so plötzlich hat gewandelt? weil der, der sie bekam, so übel hat gehandelt. Logau 1, 1, 90; die krankheit wandelt sich, wenn neu-licht mit dem alten am monden wechsel hält. 1, 9, 2; ferner: wenn ein 500. jar umb sind, wandelt es sich mit grossen königreichen, (wie die exempel einhellig auszweisen), also das sie gar zu boden gehen ... oder in eine newe form verwandelt werden Pomarius Magdeburgische stadtchronik (1587) Y 4a. mit bloszer richtungsangabe (vgl. oben 1 a): was zu Nürnberg wird gehandelt wird gewisz was gutes sey'n; dann gut ding darff gute weile, wo es sich zum ärgsten wandelt, und mit hoffnung nicht trifft ein, gebe niemand schuld der eile. Logau 2, 4, 97; o liebliche Therese! wie wandelt gleich in's böse dein offnes auge sich. Göthe 1, 17 Weim. ausg. II@C@2@bb) sich wandeln 'sich ändern, verändern': II@C@2@b@aα) lieber Neidhard, ist dirs muglich, so wandel dich: wandelstu dich nit, so thu was du wilt, ich acht dein nit Luther 6, 140, 24 Weim. ausg.; das wanckende glücke. wandelt glücke dann die leute dasz sie morgen nicht wie heute? glücke hat es nie gethan wann sich wandelt selbst der mann. Logau 3, 2, 92; da die sprache ward verwandelt, ward der thurm nicht auszgebaut: weil die kleidung sich so wandelt, wird kein deutscher sinn geschaut. 3, 2, 71; zeiten entflohn: allein die umgeschafne blieb; und diese gestalt wird nie sich wandeln. Klopstock (die deutsche bibel). im zusammenhange ergiebt sich öfters die bedeutung 'sich wiederholt nach verschiedenen richtungen hin ändern' (vgl. oben 1 b ε meister Eckhart): durch bcher mittel kan man wissen was gottes willen heisst, wie man im dien mit gutem gwissen, woher die welt entspreusst, wie lang sie haben werd bestand, was sie von anfang ghandelt, wie auff und abging jedes land, darnach sich d'welt noch wandelt. Fischart Gargantua 444 neudr.; der mensch nur wandelt sich, vermummt sich immerdar, ist diese stunde nicht der, der er jene war. Logau 2, 2, 47; auf den unbeständigen Volvulum. deinem hertzen und dem monden, Volvulus, dient gar kein kleid; beydes, bleibt nie wie es ware, wandelt sich zu aller zeit. Logau 2, zugabe 121; denn dem zagenden wandelt die farbe sich, anders und anders; (τρέπεται χριὸς ἄλλυδις ἄλλη) Voss Ilias 13, 279; vom mond: diu maninne scinet werdeund ist preiter denne diu erde, diu wantelet sich doch siben stunt,daʒ ist uns allen wole chunt. siben tage sint in der wochen. Diemer 341, 16 (loblied auf den h. geist); nû wandelent sie ir leben und ir ketzerîe rehte als der mâne, der sich dâ wandelet in sô manige wîse Berthold v. Regensburg 1, 403, 37 Pfeiffer. ähnlich: etsleich sprechent von dem pantier, daʒ eʒ auf der schultern ain fleckel hab geleich des mônn gestalt und daʒ eʒ wachs etswenne, unz ez sinbel werd und sich wandel nâch des mônen ändrung K. v. Megenberg 157, 14. II@C@2@b@bβ) sich nicht wandeln 'unverändert bleiben': er (gott) wandelt sich nit und nimet och nit abe S. Georgener prediger 306, 3 Rieder. II@C@2@b@gγ) im zusammenhange zuweilen mit dem nebensinne 'sich verschlechtern': dô was der donner vil grôʒ awie starke daz weter ave gôʒ. der himel der wandelôte sich und der sunne verdunchelôte sich. Lamprecht Alexander (Vorauer hschr.) 111; swenne aber die burgere dunket, daʒ sich die phenninge wandiln an der wiʒʒe unde an der swerde Erfurter weisth. 21 (1, 35) Kirchhoff (1289). II@C@2@b@dδ) nd. sick wandelen 'sich verheiraten' Fahne Dortmund 3, 35. (vgl. sich verändern in gleicher bedeutung.) II@C@2@cc) sich wandeln 'sich verwandeln', von gänzlicher körperlicher gestaltsveränderung: wenn sonne und mond sich wandeln, und himmel und erde veralten wie ein kleid, die narren bleiben immer sich selbst gleich, wie die tugend Schiller 2, 6 (räuber, vorr.). von plötzlicher veränderung: so nachlässig nun spannte den mächtigen bogen Odysseus ... aber die freier umher durchdrang schmerz, aller gestalt auch wandelte sich. Voss Odyssee 21, 413. von organischer veränderung 'sich entwickeln', bildlich von geistiger entwicklung: frei dich wandelnd und entfaltend, wie die lilie wächst im feld, wachse fort und nie veraltend blüht und klingt für dich die welt. Geibel 3, 60 (neue ged.). II@C@2@dd) sich wandeln 'sich verwandeln', wenn der neue zustand genannt wird. II@C@2@d@aα) der neue zustand kann sich aus dem zusammenhange ergeben: der gesang erstickt im munde, wandelt sich und wird geheul. Schubart ged. (1825) 1, 13; und weil doch alles sich gewandelt, menschen mit thieren die natur gewechselt. H. v. Kleist 1, 6 (fam. Schroff.). II@C@2@d@bβ) der endzustand steht abhängig von präpositionen. II@C@2@d@b@11)) abhängig von in. α)) bei plötzlicher verwandlung durch zauber oder wunder: ze hant er wider in vogels pilde sich wandelt. Lohengrin 776 Rückert; er (der teufel) wandelte sich drate in eines wibes bilde. Passional 13, 66 Köpke; schnell wandelt sich (vom stab des magiers) der teich in blut. Pfeffel poet. versuche (1812) 3, 208; dann musz fortan, nach magischem behandeln, der weihrauchsnebel sich in götter wandeln. Göthe 15, 74 (Faust 2, 1, v. 6302) Weim. ausg.; der dichter sprach: in alles tausendfach, was die umgiebt, die meine seele liebt, möcht' ich mich wandeln können. Rückert 255. bildlich von verwandelungen, die die phantasie bewirkt (zu beachten ist der dat. des pron. pers.): ewig wohnten wir hier, ewig! der schattenwald wandelt' uns sich in Tempe, jenes thal in Elysium. Klopstock 1, 72 (der Zürchersee); spleen streut auf alles gelbe schatten; ihm wandeln sich die lilien von Huisums in nasturzien. Gotter 1, 466; wandelt stets, was ich berühre, sich in scherz und liebe mir? Uhland ged.2 285. von der auferstehung: ob es gott geliebt, wär der beste handel, dasz sich hier in dort, ehstes frölich wandel. Logau 2, 6, 21; auch diesz verwesliche wird sich einst in unverweslichkeit wandeln. Klopstock Messias 12, 671. β)) von organischer umbildung: alliu spîse, die der mensch enpfêhet, diu wandelt sich in sîn fleisch unde bluot meister Eckhart, d. mystiker 2, 356, 12; das wasser ... wandelt sich in so vilerley feuchtigkeiten, als: kreuter, wurzeln, blumen u. beume seyn Butschky Pathmos 362. γ)) weitere belege. 1))) von concreten: alsô sich wandelt der tropfe in daʒ mer unde niht daʒ mer in den tropfen, alsô geschiht der sêle, als si got in sich ziuhet, alsô daz diu sêle götlich wirt, unde got niht diu sêle meister Eckhart, d. mystiker 2, 314, 20; so wenig sich nun seine (des menschen) haut und sein antlitz ... in völlige bärengestalt ändern und wandeln konnten Herder 5, 43 Suphan; musz die wolke zur nacht nicht werden, eh' sie in den schnellen, zückenden blitz, in den rufer gottes, den donner, sich wandelt? Klopstock Messias 17, 427. übertragen auch von etwas gesagt, was eigentlich gewechselt wird (vgl.'wechseln' unter 1 f γ): o gott! wer hätte da gedacht, als ich den engel küsste, dasz sich so bald die grüne tracht in schwarze wandeln müsste? — J. M. Miller gedichte (1783) 35. 2))) von tönen: er führt zu andern auen ...; wo ... alle seufzer sich in süsse töne wandeln. Herder 26, 327 Suphan; es wandelt sich ... jedes ländliche lied, welches dem dorf entschallt, meinen ohren in wohlklang. Hölty ged. 75 (rufe, v. 24 der 1. u. 2. fass.); der rosse schnauben hatt' in röcheln sich gewandelt. Hölderlin ges. dicht. 1, 88 Litzmann. 3))) von abstracten: ir freud sich wandelt in ein trouren herte. jüng. Titurel 2481 Hahn; denn (dann) sol sich wandeln ewer leid in frewdenreich geberden. Ringwaldt evangelia R 1 a; in warme freundschaft wandle die feurige liebe sich bald! Ramler lyr. ged. (1772) 275; scheiden musz ich, aber bald auch wiederkehren, und so wandelt schmerz in lust sich, lust in leid. Tieck 1, 336 (Octavian 2, 4); wie würde mir der zwang, den ich empfinde, in lust sich wandeln. Rückert werke 1, 301; ich singe von des mädchens reu, und langem heissem sehnen; denn leichtsinn wandelte sich in treu und thränen. Göthe 1, 195 Weim. ausg.; und in jedem herzen wandelte sich die vorhergehabte grosze idee in eine art von mitleid Bahrdt gesch. s. lebens 1, 210. II@C@2@d@b@22)) abhängig von zu: ach, etwas, ohne das bald glänzende palläste zum stall des Augias sich wandeln, fehlte nur. Gotter 1, 321; es schweigt das wehen banger erdgefühle, zum wolkenbette wandelt sich die gruft. Göthe 1, 7 Weim. ausg.; zu mittag schon wandelt sich morgentraum gar wunderlich. 3, 364; zu laster wandelt sich selbst tugend, falsch geübt. 9, 204 (Romeo 580). II@C@2@ee) ganz vereinzelt bedeutet sich wandeln von etwas 'sich entwickeln, entstehen aus etwas': dreymal freyen freut nicht jeden; haben nicht von allen dreyen plage-geister sich gewandelt, käm doch einer wol noch zweyen. Logau 3, 5, 48. II@C@2@ff) im zusammenhange kann sich wandeln zuweilen fast so viel wie 'vergehen' bedeuten: sich wandelte vil sere ir leben, wand si verlurn die sinne. Passional 51, 54 Köpke (vgl. oben 1 e α das leben wandeln); die tannen am waldrande standen .. in silberbrokat ... als es aber abend wurde, da wandelte sich die ganze seltsame herrlichkeit. da sahen sie einer den anderen im totenhemd Frenssen Jörn Uhl 504. II@C@2@gg) sich wandeln 'aus dem amt scheiden' s. oben 1 g γ 2)) γ)) das stadtrecht von Brugg. II@C@2@hh) im folgenden scheint ein unpersönliches sich wandeln 'sich zutragen, sich begeben' zu bedeuten: wellen wir, das unser perchrichter alle hofstet und fünde auf dem perch leihe, wo sich das wandelt, aber die vanchpfennig und das vierzigist gehoret den an, des der was (grund) ist österr. weisth. 1, 199, 40 (Gastein 1342). II@C@33) wandeln intransitiv in der bedeutung 'sich wenden, sich ändern, sich verwandeln, sich entwickeln, abwechseln' kommt vereinzelt mhd., mundartlich und seit dem 18. jh. in der gehobenen sprache vor. II@C@3@aa) sich wenden: elsäss. 'umschlagen' (vom wetter, von einer krankheit) Martin-Lienhart 2, 834 (vgl. oben 2 a); weltlich glück ist wie der monden, wandelt immer für und für. Logau 2, 10, 20. II@C@3@bb) sich ändern: II@C@3@b@aα) verändert ist die zeit. lasz wandeln zeit und welt, wenn nur unwandelbar dein herz mir treue hält. Gotter 2, 375; wie sich alles in der welt ändert: so muste sich auch die natur ändern, die das griechische drama schuf, weltverfassung, sitten, stand der republiken .., selbst musik, ausdruck, maas der illusion wandelte Herder 5, 213 Suphan; die liebe will nur wandeln, nicht vergehen Bettine die Günderode (1840) 1, 49; und bleibt nichts bei dem, wo es war, es wandelt alles Alexis Roland v. Berlin (1840) 2, 311. II@C@3@b@bβ) (vgl. oben 1 b ε): selbst das bild der glückseligkeit wandelt mit jedem zustande und himmelsstriche Herder 5, 509 Suphan. II@C@3@cc) sich verwandeln, zu: so wie dies nun unter der hand eines bloszen proportionisten sich zu aller wiszenschaft erheben kann: so kann es eben auch durch bemerkungen des künstlergenies zur schönen gestalt wandeln Herder 2, 126 Suphan. II@C@3@dd) abwechseln, intr.: geslaht quarz mit kuppervlinken wandilt mit dem gange. märe vom feldbauer 159, Germania 1, 348. II@C@44) das part. praes. wandelnd erscheint in den bedeutungen 'verwandelnd' und 'sich ändernd, veränderlich, sich verwandelnd, wechselnd'. II@C@4@aa) umwandelnd: tiefer hinab: und er (der mensch) findet oft, wo er sie nicht suchte, seine fruchtbare erde wieder, die einst die oberfläche der welt war, die wandelnde natur hat sie in ihren fortgehenden perioden nicht geschont Herder 13, 51 Suphan; der geist ist zwar immer wandelnd, nemlich in ihm selber wandelt sich alles was er berührt Bettine Cl. Brentanos frühlingskranz (1844) 458. II@C@4@bb) veränderlich: wie der alte ewige ausbau des blättchens und dessen käfers eine stehende vorsehung ist: so ist die geschichte beider wesen und der völker eine wandelnde Jean Paul dämmerungen s. 20; trotz der wandelnden formen (der verfassung) steht es fest ..., dasz der beamte unbedingt befiehlt Mommsen m. geschichte2 1, 76; zu den flüssigen, wandelnden, verallgemeinernden formen ihrer elemente (der physiker) Ritter erdkunde (1822) 1, 15. im folgenden schwebt die bedeutung zwischen 'veränderlich' und 'sich bewegend, fortziehend': nach osten strebt die masse (der wolke) mit geballtem zug ... sie theilt sich wandelnd, wogenhaft, veränderlich. Göthe 15, I, 245 (Faust 2, 4 v. 10046) Weim. ausg.; baut oft wunderschlösser, den wandelnden wolken ähnlich Fr. Müller 1, 356; auch 'wankelmütig' (vgl.wandelbar C 2 d γ): ich lieb es nicht, diesz wandelnde geschlecht. ein irrlicht, tritt es in der männer bahnen. Müllner dram. werke (1828) 4, 63 (die Albaneserin 2, 4). II@C@4@cc) wechselnd: und siehe, so melden im busen der helden sich wandelnde schauer und ernste gefühle. Göthe 3, 61 Weim. ausg.; in dem stoffwechsel, der den ewig wandelnden schein des werdens und der vernichtung darbietet A. v. Humboldt kosmos 4, 9. II@C@55) das part. praet. gewandelt 'verändert': vgl. th. 4, 1, sp. 5287 das citat Passional 425, 8 Köpke; ferner: das gewandelte Deutschland, überschrift des folgenden gedichts: die Deutschen wusten wenig für zeiten von dem golde, ... jetzt wissen Deutschen wenig vom glauben und von treue sie dienen mehr dem golde, dann gott ohn alle scheue. Logau 2, 8, 81; ach! wie bald wirst auch du die gewandelte liebe beklagen. Ramler lyr. ged. (1772) 261 (Horaz epod. 15, 23 translatos amores); mich sendet Agamemnon her, und fragt dich, ob klugheit nicht bei so gewandelten verhältnissen den rückzug dir gebiete. H. v. Kleist 1, 174 (Penthes. 1). im zusammenhange zuweilen so viel wie 'aufgehoben': gewandelte freundschafft, überschrift des folgenden gedichts: der die freundschafft auff kan heben, hat sie nie recht angegeben: der ward falsch ein freund genennt, der sich von dem freunde trennt. Logau 3, 7, 43. II@C@66) der subst. inf. das wandeln, die veränderung, verwandelung: die wandelung et das wandeln, mutatio, conversio Stieler 2501. II@C@6@aa) wandlung zum bessern, besserung: unde eine wandelunge an sime lebene was geschen; man hete in arm e gesen und sach in nu an herschaft. an deme bischove tugenthaft wart ouch daʒ innere leben in ein wandeln gegeben ... Passional 54, 50 Köpke; II@C@6@bb) entwickelung: als ich mir genugsame fertigkeit erworben, das organische wandeln und umwandeln der pflanzenwelt in den meisten fällen zu beurtheilen, ... fühlte ich mich gedrungen, die metamorphose der insecten gleichfalls näher zu kennen Göthe naturwiss. schriften 2, 617 (zur morphologie) Weim. ausg.; sieh das ist es, was auf erden jung dich hält zu jeder frist, dasz du ewig bleibst im werden, wie die welt im wandeln ist. Geibel 3, 59 (neue ged.). II@DD. die auf das mhd. und frühnd. beschränkten bedeutungen 'rückgängig machen', 'genugthun', 'büszen' gehen auf die grundbedeutung 'zum ausgangspunkt zurückwenden' zurück, übertragen 'den ursprünglichen zustand wieder herstellen'; dies kann geschehen durch zurücknahme, z. b. eines wortes, eines planes, einer strafe, durch rückgängigmachung, z. b. eines kaufs, durch ausbessern eines schadens, abstellen von übelständen, auf moralischem und rechtlichem gebiete durch erwiderung einer wohlthat, schadloshaltung oder genugthuung für zugefügtes übel, auf religiösem gebiete durch busze für sünden. im rechtsleben entwickeln sich dann weiter die bedeutungen 'strafe auferlegen, ein vergehen bestrafen', selbst mit persönlichem acc. 'einen in strafe nehmen'. II@D@11) zurücknehmen, ungeschehen machen, aufgeben u. dgl. II@D@1@aa) ein wort zurücknehmen: des ich nu gesprochen han, des wil ich niht abestan. swaʒ mir joch geschit, so wandele ich mine wort niet. Herbort v. Fritslar troj. krieg 12190; einen plan aufgeben: die inneren meinten, auch sich zu bestellen und usz der stat zu ziegen. und an dem andern dage dar nach of den fridag was daʒ gewandelt von den innern, wann sie meinten, hienweg zu ziegen were in nit gelegen; und bleben auch alle in Mentze d. städtechron. 17, 66, 35 (Mainz 15. jh.); was ist den dein ursache, das du dein vornemen also fern und ungeschickt gewandlet hast? Hutten op. 2, 216 Böcking. eine strafe zurücknehmen: ob ein man gevangen wirt, oder in etwaʒ anders irret, daʒ er niht boten gesenden mac, der sin êhaft not für in berede: sol der den schaden han oder niht? niemer ... und swaʒ der rihter im ze schaden gerihtet hat, daʒ sol er wider tun, und sol eʒ wandeln, als ob er des tages da were gewesen Schwabenspiegel, landrecht2 94, 4 Gengler; dem mohtint sú denne die selben besserung wandelan und ablassen monumenta Zollerana 1, 323 (nr. 437 v. j. 1394). auf ein recht verzichten: daʒ wir die selben gewonhait und reht gegen inen gewandelot und abgelassen haben, und wandeln und ablassen daʒ mit urkunde diss briefes ... und verzihen uns aller der reht und ansprAech ebenda. im folgenden bleibt es zweifelhaft, ob 'zurücknehmen' oder 'ändern' (vgl. oben C 1 g γ) gemeint ist: geben wir gewalt den obgenannten burgern von dem rat, unser und des reichs burg und stat daselbist zuo Nrenberg ze richten und ze behuten nach sicherheit als sie daʒ aller beste dunket, also daʒ wir wollen gewalt haben daʒ selbe ze wandeln wenn wir wellen städtechron. 3, 333 (verordnung Karls IV. 1349). II@D@1@bb) eine ware wandeln 'zurücknehmen' ist aus älterer zeit nicht belegt, doch vgl. unter gewandeln a) th. 4, 1, sp. 5286 die stelle aus der Genesis; auf nd. boden hat sich bis in neuere zeit erhalten ein thier, besonders ein pferd wandeln, es gegen zurückgabe oder -nahme der kaufsumme zurücknehmen oder -geben (für beides gilt lat. redhibere), wenn es mit einem gewährsfehler, wandel (s. sp. 1549 f.) behaftet ist (bei Adelung, der auf die braunschweigische verordnung hinweist, ist das wort ersetzen irreführend). im oberdeutschen, wo wandeln als 'busze bezahlen, bestrafen' (s. u. 2, c, γ) reich entwickelt ist, fehlt diese gebrauchsweise; sie ist jetzt, wenigstens in der schriftsprache, ausgestorben, während sich die entsprechende bedeutung von wandelung erhalten und sogar ins neue bürgerliche gesetzbuch gerettet hat II@D@1@b@aα) in dem ältesten beleg ist es der käufer, der das pferd wandeln 'zurückgeben' kann: welick man eyn pert kopet, is dat hovetseyck efte starblint efte dempich, dat sal hey wandelen binnen dren daghen ... vortmer unrechten anevanck sal hey eme wandelen also eyn recht is die aude schrae der stat van Soist (1442) art. 58 bei Emminghaus memorabilia Susatensia 157. II@D@1@b@bβ) für gewöhnlich wurde es aber wol vom verkäufer gesagt 'zurücknehmen': wann ... ein anderer mangel oder schade ... sich findet ..., so soll derselbe das pferd innerhalb zwey monaten zu wandlen schuldig seyn verordnung von 1697 in den braunschw.-lüneburg. gerichtsordnungen (1712) 695. passivisch gewendet: dasz wegen der an den pferden befindlicher haupt-mängel, als rotzig, kollerig, hertzschlägig und mondblind, innerhalb einer zeit von höchstens drey monaten die redhibition statt haben und die pferde gewandelt werden sollen 694; rindvieh soll in der regel gewandelt werden, wenn es mit der drüse, darmfäule und schweren noth behaftet ist Sachsenhauser lehre von der nachwährschaft (1856) 20 (hier wol nicht aus der lebendigen sprache, sondern nur aus den quellen genommen). II@D@1@b@gγ) dann auch die gewährsmängel wandeln: dy vyr (mängel) muss eyn itzlich koiffmann eym wandelen, sin phert widdernemen, synen wynkoiff, unde was he davon entphangen hoit, em widder geben Frankenberger recht bei Sachsenhauser 26. II@D@1@cc) einen übelstand abstellen: alsus daʒ gotis erbe (das heilige land) ist wurdin umbederbe und sôr alsam ein bûste, allin genâdin wûste; daʒ sî dir, sûʒir got, gecleit; wandele, want dû macht, daʒ leit! N. v. Jeroschin 21933 Strehlke; auff demselben tage sol und wil der herr hohmeister ... ein gut regiment, des landes wegen setzen, und gemeine gebrechen und unredligkeit wandeln und stören Schütz Preuszen 120a; ob sie icht was mangels hetten in diesen oder andern sachen, das solten sie im sagen, were es billich, er wolte es wandeln 100a; da hatte hertzog Boleszlaus ein schlosz Wiszna genant, welchs er des ordens feinden in der Littawen vergönnete, darinne zu hausen, herberge zu suchen, wann sie in des ordens land streifften und raubeten. der landmeister hette vielmal bey dem hertzogen angehalten und gebeten, solches zu wandeln, und des ordens feinde nicht zu hegen, noch zu stercken 49b. II@D@22) wieder gut machen, d. h. bei realen dingen durch ausbessern den ursprünglichen zustand, auf moralischem und religiösen gebiete, durch ersatz, genugthuung, busze, das gleichgewicht wieder herstellen: nd. emendare, boyten, wandelen Diefenbach nov. gl. 148b. II@D@2@aa) schadhaftes ausbessern, in ordnung bringen: auch hat derselbe meyster Niclas globit, waʒ gebrechens sie an der stat armbruste, an sulen, an senewen, an nssen, an slusseln und an eynbynden, das sal er wandeln ane gelt urkundenbuch v. Freiberg 1, 111, 23 (1407); soll der schaffer eben auf sehen, ob icht schadens, es sei an wegen, kerren, seil, zwispitz oder anders gescheen sei an dem, das man wider pringt, das soll er im heiszen wandeln, ee und er die pfant hinausz gibt Tucher baumeisterbuch 33. II@D@2@bb) ersatz geben für empfangenes gute, (etwas) einem wandeln: der Mîssenaere solde mir wandeln, ob er wolde. mîn dienest lâʒ ich alleʒ varn: niewan mîn lop aleine, deich in mit lobe iht meine, daʒ kan ich schône wol bewarn. lob ich in, sô lob er mich. Walther 105, 28; offt kumpts, das einr ein frembden hegt, und grossen unkost an in legt, dafür sich der ein zeitlang stellt demütig und der massen helt, als ob er danck für die wolthat. darnach, wenn ers zu wandlen hat, in wider dafür höhnt und schmecht. Waldis Esopus 3, 47, 32. II@D@2@cc) genugthuung geben für zugefügtes übel. II@D@2@c@aα) im allgemeinen, einem etwas wandeln: er sprach 'Genelun, liber man, swaʒ ich widir dir han getan, des ergezze ich dich gerne ... nu ratet mir in uwerme sinne, wie ich Genelunen ze einem innern vrunde gewinne, daʒ laster wil ich ime wandelen'. Rolandslied 80, 20 Grimm; sît iwer vater gap den rât, er wandelt mir die missetât ... eʒ sî strîten oder turnei, hie belîbet vil der sper enzwei. W. v. Eschenbach Parzival 347, 14; ouch wære iu Keien schulde gewandelt ungerochen, het ich iuch ê gesprochen. 308, 21. das übel kann auch von dritter seite zugefügt sein: ir genuc von des leides mane, daʒ sie in sus san handelen und imʒ niht getorsten wandelen, tougenlichen weinden. H. v. Hesler evang. Nicodemi 1148 Helm; die jerusalemischen vrouwen, do sie begunden schouwen, daʒ man in ubele handelde und im daʒ nieman wandelde, die begunden sere weinen. 1584. das zu wandelnde durch einen relativsatz ausgedrückt: daz sie û muozin wandiln swaʒ sie û lastirs habint irbotin. Athis u. Prophilias C 164 Grimm; wir suln eʒ gerne wandeln nâch genâden und nâch schulden, swaʒ wir wider sînen hulden an keinen dingen hân getân. Ulrich v. Zatzikhoven Lanzelet 8214 Hahn. ohne acc.: daz dir hie nieman niht entut, wen alleʒ lieb und alleʒ gut, und man dir gerne wandelt, swa du missehandelt bist, nach dinen eren. H. v. Hesler evang. Nicodemi 2443 Helm. absolut, ohne dat. u. acc.: 'ir lebt, und sît an sælden tôt'. dô sprach er 'liebiu niftel mîn, tuo beʒʒern willen gein mir schîn. ich wandel, hân ich iht getân'. 'ir sult wandels sîn erlân'. W. v. Eschenbach Parzival 255, 23. II@D@2@c@bβ) in religiösem sinne, gott eine sünde wandeln, ihm dafür busze thun: swie etlich sunde sein chlæine, man sol ir doch dehæine unruchlichen handelen und sol si got wandelen. Tnugdalus 58, 46 Hahn; maʒit uoch dirre dinge (des unfugs bei kirmessen u. dgl.) und wandilt unserm herren uower unrecht, uf daʒ ir entfliht den ewigen tot Schönbach altd. predigten 1, 112, 40, ähnlich 121, 27; ohne acc.: daʒ uower keines suonde so groʒ ist, wolt ir ockirt zu bekenntnisse cuomen und wolt ir gote wandelen, er enphach uoch 98, 22; so wir uns boslichen handeln und wir dir gote nicht enwandeln, so get uber uns din orteil. H. v. Hesler Apokalypse 26 Helm. wandeln und büszen (vgl. unten γ 5): die frowen harte erschriktendô sie den engil an erblikten und sînen zorn ersâhen;mit vorhten sie jâhen, sie wolten wandeln und bûʒʒen, und butten sih der gûten (Maria) ze fûʒʒen. Wernhers Maria, fundgr. 2, 176, 29; wandeln und bessern: saʒ in der aschin und gebot uber alle die stat daʒ si got wandelten und beʒʒirten ir suonde und ir unrecht Schönbach altd. predigten 1, 98, 14. II@D@2@c@gγ) im rechtsleben hat sich die bedeutung 'wieder gut machen' besonders im bair.-österreichischen reich entwickelt; der zuweilen vorkommende umlaut zeigt die enge anlehnung an wandel 'strafe' mit dem häufig belegten plur. wändel. II@D@2@c@g@11)) etwas einem wandeln, ihm für ein vergehen eine busze an geld oder gut zahlen, und zwar α)) dem geschädigten: swer fiurær ist in der pfister, dem git man all wochen siben brot ... und versumet er den pfister, so der teik zitik ist, so sol ers miner vrowen wandeln, ist daʒ der ofen ze heiʒ ist, daʒ daʒ brot verbrinnet, daʒ sol der pfister miner vrowen wandeln (pistor ad satisfactionem tenetur) pfründeordnung des kl. Geisenfeld (13. jh.), quellen und erörterungen 1, 438; alls ich vernomen hab, so ist die magt unschuldig; darumb wil ich, das dise magt dein huld hab. auch spricht si, si well es gerichten, auch müest ir dem ritter wandlen, alls ers gert Ulr. Füeterer Lanzelot 70 Peter. β)) dem richter: swer holtz in den vOersten und in den panholzen uber des hters willen nimt, der sol eʒ gelten mit der zwiglt und sol eʒ dem rihter dannoch wandeln landfrieden Rudolfs I. (1281), mon. germ., leges 4, 3, 271, 34; es sullen ouch die zwene zechmeister ... umbgen under dy kromen uff dem margkte und sullen die messer beschauen, und was wandelbar ist, das sullen sy nemen, und welicher meister die gemacht hat, der sal sy ym wendeln urkundenbuch v. Freiberg 3, 163, 14 (ca. 1440). II@D@2@c@g@22)) auch etwas gegen einen wandeln: wer hinfür den andern mit rauffen ... beschedigt ..., der sol das wandlen und pussen gegen gemeiner stat Nürnberger polizeiordn. 49 Baader. II@D@2@c@g@33)) vor der zu gebenden busze steht mit oder bei: welcher der ist, der si (die frau) hat hören bieten auf den heutigen tag, und darüber von haim gevaren ist, der ist dem gotshaus vervallen mit seiner stift, und sol es darzu wandeln mit als vil guets, des mein frau nicht gerathen wil österr. weisth. 2, 86, 3 (Unterinnthal); wer sun oder tochter zu ander herrschaft verheiratt ..., der sol das wandeln mit als vil er der tochter oder dem sun ze heiratguet geit 86, 34; ob ein gesworen bote jemants verseumt zeitlichen genuck sein brieff zu antworten, die seumpnusz sol er jhenen bey sein eigen kosten wandeln, er múge dann sich mit rechter und redlicher sachen des entschuldigen quelle von 1452 bei Scherz-Oberlin 1937. II@D@2@c@g@44)) absolut: swer das niht vermîde, sîn ebenkristen nîde, der geb mir niur ein bône und hab gewandelt schône. S. Helbling 2, 284; wer dem andern sein gesinde wieder seinen willen entfrembdet, und dessen überwiesen wird, sol wandeln (bestraft werden) nach der vier-meistere erkänntnisse Knauth Altzellische chronik 8, 500 (1623); wandelen, strafe geben, leiden Strodtmann 273 (aus dem älteren nd.). vereinzelt reflexiv: so ainer dem andern ubermeet, uberseet, uberagkert oder den markstain auswuerf mit frAevel, der wandlt sich österr. weisth. 8, 776, 9 (1488). II@D@2@c@g@55)) in der verbindung wandeln und büszen (vgl. auch oben β) stehen beide verben für gewöhnlich gleichbedeutend: also das er einen yeden frevel vierfeltigclich so hohe zu wandeln und püssen schuldig sein sol Nürnberger polizeiordnungen 49 Baader; der soll den schaden mit zwen gulden und ein ort büssen und wandlen Neuburger forst-ordnung von 1690 bei Schmeller2 2, 936; im folgenden scheint wandeln 'geldstrafe zahlen' im gegensatz zu büszen 'am leib gestraft werden' zu stehen: daʒ auch daʒ gewonleich sprichwart war beleib, es sey nyempt, er hab nit etzwe ze puessen oder ze wandeln, daʒ ist alzvil gesprochen mit dem leib oder mit dem gut stadtrecht v. Wiener-Neustadt s. 66 (cap. 21) v. Würth. wandeln und wiederkehren: bis dasz der gebrochene theil alles das wandelt und wiederkert, das er verbrochen hat Krenner bairische landtagshandlungen 3, 66 (1439); so soll im dieser, der in sollichs beschuldiget hat, still stan und im costen und schaden uszrichten, und im sollichs wandlen und bekeren nach desz zunfftmaisters ... erkanntnusz württemb. vierteljahrshefte 7, 271 (Ulm 1505); abtragen und wandeln: ich hab euch mermalen geschriben eines kuchen vleisch halb ..., das ettlichen den ewern genomen worden ist. stet ewer jungste antwort, wo euch und den ewern das nit bekert, abgetragen und gewandelt wurd, so must ir weiter und ferrer ewer freundt rat haben, wie ir euch darinnen halten sullet böhm. chron. 3, 316 (Eger 1472). II@D@2@c@g@66)) auch vom richter wird gesagt eine übertretung wandeln, sie durch auflegung einer geldstrafe büszen lassen, sie bestrafen, belegt nur in verbindung mit andern verben. α))) wandeln und büszen: umb sachen, so unserm statrichter daselbs zu wendeln und zu pussen zusteen monumenta Habsburgica 2, 532 (1478). β))) wandeln und strafen: verbrechen werden nach den bayr. landstatuten gestraft und gewandelt Schmeller2 2, 937 (der auch abwandeln aus der neueren bair. gerichtssprache anführt); darnach und der handl an in selber grosz oder klein verhandlt ist, darnach (soll) es all dan gestrafft und gewandlt werden an dem guet oder auch an dem leib österr. weisth. 1, 298, 37 (Mittersill, hs. v. 1644). γ))) richten und wandeln: das ... allein der herr und abbt ... und sein ambtleut ... schult oder anderes verhören und verrichten sollen und nach verhörung der erkantnusz enten, richten und wandlen österr. weisth. 6, 54, 22 (Steierm. 16. jh.). II@D@2@c@g@77)) wie mhd. büeʒen auch mit acc. des übelthäters steht, so heiszt es auch einen wandeln, ihn zu wandel verurtheilen, mit geldbusze bestrafen: daʒ du den bemelten Abraham juden umb das er daʒ er daselbs zu Triest wider desselben Aram ... freihait ausgelihen hat von unsern wegen wendlest und puessest und solh wandel zu unsern handen von im nemest monum. Habsburg. 2, 937 (1478); unser lewt nach seinem willen ze wendeln und ze puessen 2, 336 (1478); daʒ die hinwider fählbahre ... nebst abstattung des arztlohns und leistenter ergözung dem beschädigten per 5 fl. 15 kr. gewandlet, sonst aber, wo lebensgefahr, gefänglich angehalten ... werden sollen österr. weisth. 1, 174, 11 (Salzburg). mit ausdehnung der bedeutung auch auf körperliche strafen: sein diener ward man ubel handeln und gar mit scharfen slegen wandeln. Andreas Kurzmann Amicus 717 nach Schönbach in den Wiener sitzungsber. 88 (1878) 847. absolut: so hat auch sonst im ganzen ampt ... niemant zu straffen und zu wändlen österr. weisth. 6, 282, 37 (Steierm. 11. jh.); dasz euere pfleger und richter in ihren gerichtshändeln die unsern härtiglich beschweren mit groszem vertrinken und wandeln Krenner bairische landtagshandlungen 7, 61 (1460). diese thätigkeit des richters kann sich in der bedeutung vermischen mit der von 'einer sache verhandeln'; oben unter A 2 c sind belege gegeben, die auch hierher gehören können. ein nachklang dieses trans. wandeln scheint noch bei Claudius vorzuliegen: die gelehrsamkeit mag ehedem ein ding gewesen sein, das den menschen in sich zu recht setzte, das ihn wandelte und züchtigte zu suchen und zu haben eine eigne innerliche herrlichkeit 4, 52. II@D@2@c@g@88)) gewandelt 'in geldstrafe genommen': was phening, vall und wandl so voran nit gemelt sein, darumben sich unser lantrichter mit dem gewandleten man an den gewondlichen wandlsteten nit verainen mag, das soll zu Irning ... ausztragen werden österr. weisth. 6, 32 (Steierm. 1478); so das phant hocher verkauft wirdt dann das wandl bringt, soll er dem gewandlten man di ubermasz hinaus geben 6, 33. 35.
199698 Zeichen · 3105 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    wandelnstn.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +7 Parallelbelege

    wandeln stn. das gehen. H. zeitschr. 8,245. 2. die umwandelung. daʒ innere leben wart in ein wandelen gegeben Pass. K. 5…

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Wandeln

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Wandeln , verb. regul. act. et neutr. in welchem der Begriff der Vertauschung und Veränderung der herrschende ist, und w…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    wandeln

    Goethe-Wörterbuch

    wandeln [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  4. modern
    Dialekt
    wandelnschw.

    Pfälzisches Wb. · +2 Parallelbelege

    wandeln schw. : 1. 'einhergehen', wannele (wanələ, wḁnəle) [vereinzelt WPf, Höh 76 Schnek- kenburger 46], wandle [HB-Kir…

  5. Sprichwörter
    Wandeln

    Wander (Sprichwörter)

    Wandeln 1. Wer einfeltig wandelt, der wandelt am sichersten. – Henisch, 844, 35. Lat. : Qui ambulat simpliciter, saluus …

  6. Spezial
    wandeln

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    wan|deln I vb.tr. 1 (verändern) mudé (müda), trasformé (-mëia) 2 (wechseln) baraté (-ta) II vb.intr. (wandern) viané (-n…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit wandeln

27 Bildungen · 2 Erstglied · 20 Zweitglied · 5 Ableitungen

Zerlegung von wandeln 2 Komponenten

wand+eln

wandeln setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

wandeln‑ als Erstglied (2 von 2)

wandelname

DWB

wandel·name

wandelname , m. , tadelnder name: in beiden wirt ein wandelname 'unwîp' dar ûf gestecket. Heinrich v. Meiszen sprüche 151, 19 .

wandeln als Zweitglied (20 von 20)

abwandeln

DWB

abwand·eln

abwandeln , mutare, emendare: fehler durch strenge buszen abzuwandeln. Wieland. man hat damit conjugieren, wie mit abändern declinieren ausd…

anwandeln

DWB

anwand·eln

anwandeln , accedere, incedere, irrumpere, angehen, anfallen, anstoszen, doch leichter als diese, oft nur vorübergehend, launenhaft, richtig…

Auswandeln

Campe

aus·wandeln

Auswandeln , v. intrs. mit sein, aus einem Orte wandeln. »Als Triphon mit Antiocho dem jungen König außwandlet « Züricher Bibel. R. 2) Mit …

durchwandeln

DWB

durch·wandeln

durchwandeln , wie durchwandern, doch jetzt nur im höheren stil, niederl. doorwandelen. 1 1. untrennbar. die planeten durchwandeln ihre bahn…

entwandeln

DWB

ent·wandeln

entwandeln , abire, ambulare: wer entwandelt durch den garten bei der sterne bleichem schein? Uhland ged. 229 ; zürnend vernahm es der greis…

erwandeln

DWB

erwandeln , ambulando, spatiando obtinere: um sich gesundheit zu erwandeln. Tieck tischl. 1, 299 .

fortwandeln

DWB

fort·wandeln

fortwandeln , 1 1) porro ambulare: mächtiger, der du die wipfel dir beugst, brausend von krone zu krone entsteigst, wandle du stürmender, wa…

gewandeln

DWB

gewand·eln

gewandeln , verb. , verstärktes wandeln, das mit seinen hauptverwendungen, dem transitiven gebrauch im sinne von mutare und dem intransitive…

lustwandeln

DWB

lust·wandeln

lustwandeln , verb. spazieren gehen; ein von Zesen gebildetes wort, vergl. lustwandel 2 vorher: gaben si fohr, dasz si aus lustwandeln fahre…

nachwandeln

DWB

nach·wandeln

nachwandeln , verb. wandelnd folgen, subsequi Stieler 2501 ; hier übersahen sie den ganzen weg, die hinaufgeschrittene männerschaar, die nac…

umbewandeln

Lexer

umbe·wandeln

umbe-wandeln swv. um u. um durchwandeln. ich hân alle dise erde umbgangen und umbwandlet ( var. umwandert) Hb. M. 528 ;

verwandeln

DWB

ver·wandeln

verwandeln , v. , ahd. farwantalon Graff 1, 765 ; mhd. wb. 3, 701; Lexer 3, 293 ; Haltaus 1908 ; in den älteren nhd. wbb. allgemein, z. b. D…

vorwandeln

DWB

vorwand·eln

vorwandeln , verb. ; für- sive vorwandeln, praeire, antegredi Stieler 2501 ; nur in gehobener sprache Campe ; im eigentlichen, örtlichen sin…

vurwandeln

KöblerMhd

vurwandeln , sw. V. Vw.: s. verwandelen*

ūzwandeln

KöblerMhd

ūzwandeln , sw. V. Vw.: s. ūzwandelen*

Ableitungen von wandeln (5 von 5)

bewandeln

DWB

bewandeln , perambulare, betreten: bewandelte wege, viae tritae. Henisch 359 ; den pfad der dürftigkeit bewandeln. Perus 20; hoch in wolken …

entwandeln

DWB

entwandeln , abire, ambulare: wer entwandelt durch den garten bei der sterne bleichem schein? Uhland ged. 229 ; zürnend vernahm es der greis…

erwandeln

DWB

erwandeln , ambulando, spatiando obtinere: um sich gesundheit zu erwandeln. Tieck tischl. 1, 299 .

gewandeln

DWB

gewandeln , verb. , verstärktes wandeln, das mit seinen hauptverwendungen, dem transitiven gebrauch im sinne von mutare und dem intransitive…

verwandeln

DWB

verwandeln , v. , ahd. farwantalon Graff 1, 765 ; mhd. wb. 3, 701; Lexer 3, 293 ; Haltaus 1908 ; in den älteren nhd. wbb. allgemein, z. b. D…

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „wandeln". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 12. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/wandeln/dwb?formid=W05750
MLA
Cotta, Marcel. „wandeln". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/wandeln/dwb?formid=W05750. Abgerufen 12. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „wandeln". lautwandel.de. Zugegriffen 12. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/wandeln/dwb?formid=W05750.
BibTeX
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