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Wandeln

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Adelung
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Eintrag · Adelung (1793–1801)

Wandeln

Bd. 4, Sp. 1377
Wandeln, verb. regul. act. et neutr. in welchem der Begriff der Vertauschung und Veränderung der herrschende ist, und welches besonders in folgenden Fällen vorkommt. 1. * Vertauschen; eine nur noch in einigen Oberdeutschen Gegenden gangbare Bedeutung. Alten Freund für neuen wandeln, Heißt für Früchte Blumen handeln, Logau. In der noch zuweilen im gemeinen Leben üblichen R. A. handeln und wandeln, Handel und Wandel treiben, scheint diese Bedeutung noch übrig zu seyn. 2. * Verändern, überhaupt; im Hochdeutschen gleichfalls veraltet, aber noch im Nieders. wandeln, so wie im Schwed. vandla. Wie wandeln jene sich Mit ihren Herrlichkeiten, Cram. Wir haben davon, obgleich in einer eingeschränktern Bedeutung, verwandeln. S. dasselbe. Für dieses letztere das veraltete wandeln wieder einführen zu wollen, wie von einigen Neuern geschehen. z. B. wie die Morgenröthe jeden Augenblick die Wolken um sich her wandelt, ist desto weniger zu billigen, da die eingeschränkte Bedeutung, welche verwandeln von wandeln, verändern überhaupt, unterscheidet, eigentlich in dem Vorworte ver lieget, und mit demselben verlohren gehet. 3. * Ersatz thun, ersetzen,[] mit dem Accusativ: im Hochdeutschen gleichfalls fremd, und nur noch in einigen Provinzen gangbar. Der Verkäufer soll bey Hauptmängeln das Pferd zu wandeln gehalten seyn, d. i. zu ersetzen, heißt es in einer Braunschweigischen Verordnung. Daher war, eine Sache wandeln, ehedem auch oft so viel, als Strafe dafür geben. 4. Den Ort verändern, oder mit einem andern vertauschen, d. i. gehen, reisen, wandern, so wohl active, mit dem Accusativo des Weges, als auch als ein Neutrum, und in diesem Falle mit dem Hülfsworte haben. (a) Eigentlich; in welcher Bedeutung es noch in der Deutschen Bibel mehrmals vorkommt: stehe auf und wandele, und so in andern Stellen mehr. In einigen Oberdeutschen Gegenden ist es noch für reisen überhaupt gangbar. Im Hochdeutschen ist auch diese Bedeutung eigentlich veraltet, außer daß sie noch in der Dichtkunst beybehalten wird, ohne Zweifel, weil die in dem Baue des Wortes liegende Onomatopöie eine anschauliche Darstellung des mit Leichtigkeit verbundenen Gehens ist. Man sieht die Nymphen da mit grünem Haupthaar unter den Bäumen wandeln, Geßn. Es wandelt unter Bäumen Der holde Schlaf mit holdern Träumen, Utz. Murner wandelte fort durch dicke cimmerische Nächte Über Plutons finstre Gefilde, Zachar. Was ist der beste Mensch, der auf der Bahn dieses Lebens noch so vorsichtig wandelt? Gell. Da es denn auch wohl figürlich von leblosen Dingen gebraucht wird, für, sich leicht und langsam fortbewegen. Wenn in dem finstersten Wald ein flimmernder Sonnenblick wandelt, Zachar. Und ein wandelndes Jauchzen durchdrang die Pforten des Abgrunds, Klopst. Wenn wandeln in dieser und der folgenden Bedeutung als ein Neutrum gebraucht wird, so bekommt es das Hülfswort haben, weil aus allen vorigen Bedeutungen erhellet, daß der Begriff der Thätigkeit mit diesem Worte genau verbunden ist. Wird der Weg beygefüget, und ohne Präposition ausgedruckt, so stehet er im Accusativ: einen Weg wandeln, die Bahn der Tugend wandeln. (b) Figürlich, die Reihe seiner sittlichen Handlungen auf eine gewisse Art einrichten; eigentlich ein Hebraismus, welcher in Luthers Deutschen Bibel häufig vorkommt, und sich aus derselben auch in die Sprache der Theologie und Moral eingeschlichen hat. Vor Gott wandeln, mit Gott wandeln, Gott würdiglich wandeln, in der Wahrheit, im Glauben, in der Hoffnung wandeln, behutsam wandeln, in den Lüsten des Fleisches wandeln, die Wege Gottes wandeln, u. s. f. So auch das Wandeln. Die Wandlung ist nur in einigen Zusammensetzungen üblich, wie Verwandlung, die Mondswandlung, die Brodwandlung in der römischen Kirche, welche letztere daselbst auch wohl die Wandlung schlechthin genannt wird. Anm. Bey dem Ottfried und andern alten Schriftstellern uuandelen, im Niederd. gleichfalls wandeln. Die Endung ein verräth ein Iterativum, daher es hier nur auf die Sylbe wand ankommt, und diese ist, allem Ansehen nach, mit der Wurzel in wenden gleich bedeutend, weil doch der Begriff der Veränderung in den meisten Fällen der herrschende ist. Indessen kann es seyn, daß wandeln, gehen, keine Figur von wandeln, verändern, ist, sondern daß wand in beyden nur verschiedene Anwendungen eines und eben desselben Lautes auf mehrere ähnliche Fälle ist, so wie man von Wand, winden u. s. f. gleichfalls annehmen muß. Alsdann wird auch die Verwandschaft des Griechischen βάινειν und Bahn, Bein, mit der Wurzel in wandeln, gehen, nicht mehr fremd scheinen. S. auch Wandern. Die Substantiva, Wandel,[] scheinen nicht von dem Verbo mit bloßer Weglassung der Endung des Infinitivi en oder n gebildet, sondern vermittelst ihrer eigenen Ableitungssylbe el, welche ein Ding, Subject bedeutet, unmittelbar von der Wurzel des Verbi, wand, abgeleitet zu seyn.
4824 Zeichen · 63 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    wandelnstn.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +7 Parallelbelege

    wandeln stn. das gehen. H. zeitschr. 8,245. 2. die umwandelung. daʒ innere leben wart in ein wandelen gegeben Pass. K. 5…

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Wandeln

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Wandeln , verb. regul. act. et neutr. in welchem der Begriff der Vertauschung und Veränderung der herrschende ist, und w…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    wandeln

    Goethe-Wörterbuch

    wandeln [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  4. modern
    Dialekt
    wandelnschw.

    Pfälzisches Wb. · +2 Parallelbelege

    wandeln schw. : 1. 'einhergehen', wannele (wanələ, wḁnəle) [vereinzelt WPf, Höh 76 Schnek- kenburger 46], wandle [HB-Kir…

  5. Sprichwörter
    Wandeln

    Wander (Sprichwörter)

    Wandeln 1. Wer einfeltig wandelt, der wandelt am sichersten. – Henisch, 844, 35. Lat. : Qui ambulat simpliciter, saluus …

  6. Spezial
    wandeln

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    wan|deln I vb.tr. 1 (verändern) mudé (müda), trasformé (-mëia) 2 (wechseln) baraté (-ta) II vb.intr. (wandern) viané (-n…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit wandeln

27 Bildungen · 2 Erstglied · 20 Zweitglied · 5 Ableitungen

Zerlegung von wandeln 2 Komponenten

wand+eln

wandeln setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

wandeln‑ als Erstglied (2 von 2)

wandelname

DWB

wandel·name

wandelname , m. , tadelnder name: in beiden wirt ein wandelname 'unwîp' dar ûf gestecket. Heinrich v. Meiszen sprüche 151, 19 .

wandeln als Zweitglied (20 von 20)

abwandeln

DWB

abwand·eln

abwandeln , mutare, emendare: fehler durch strenge buszen abzuwandeln. Wieland. man hat damit conjugieren, wie mit abändern declinieren ausd…

anwandeln

DWB

anwand·eln

anwandeln , accedere, incedere, irrumpere, angehen, anfallen, anstoszen, doch leichter als diese, oft nur vorübergehend, launenhaft, richtig…

Auswandeln

Campe

aus·wandeln

Auswandeln , v. intrs. mit sein, aus einem Orte wandeln. »Als Triphon mit Antiocho dem jungen König außwandlet « Züricher Bibel. R. 2) Mit …

durchwandeln

DWB

durch·wandeln

durchwandeln , wie durchwandern, doch jetzt nur im höheren stil, niederl. doorwandelen. 1 1. untrennbar. die planeten durchwandeln ihre bahn…

entwandeln

DWB

ent·wandeln

entwandeln , abire, ambulare: wer entwandelt durch den garten bei der sterne bleichem schein? Uhland ged. 229 ; zürnend vernahm es der greis…

erwandeln

DWB

erwandeln , ambulando, spatiando obtinere: um sich gesundheit zu erwandeln. Tieck tischl. 1, 299 .

fortwandeln

DWB

fort·wandeln

fortwandeln , 1 1) porro ambulare: mächtiger, der du die wipfel dir beugst, brausend von krone zu krone entsteigst, wandle du stürmender, wa…

gewandeln

DWB

gewand·eln

gewandeln , verb. , verstärktes wandeln, das mit seinen hauptverwendungen, dem transitiven gebrauch im sinne von mutare und dem intransitive…

lustwandeln

DWB

lust·wandeln

lustwandeln , verb. spazieren gehen; ein von Zesen gebildetes wort, vergl. lustwandel 2 vorher: gaben si fohr, dasz si aus lustwandeln fahre…

nachwandeln

DWB

nach·wandeln

nachwandeln , verb. wandelnd folgen, subsequi Stieler 2501 ; hier übersahen sie den ganzen weg, die hinaufgeschrittene männerschaar, die nac…

umbewandeln

Lexer

umbe·wandeln

umbe-wandeln swv. um u. um durchwandeln. ich hân alle dise erde umbgangen und umbwandlet ( var. umwandert) Hb. M. 528 ;

verwandeln

DWB

ver·wandeln

verwandeln , v. , ahd. farwantalon Graff 1, 765 ; mhd. wb. 3, 701; Lexer 3, 293 ; Haltaus 1908 ; in den älteren nhd. wbb. allgemein, z. b. D…

vorwandeln

DWB

vorwand·eln

vorwandeln , verb. ; für- sive vorwandeln, praeire, antegredi Stieler 2501 ; nur in gehobener sprache Campe ; im eigentlichen, örtlichen sin…

vurwandeln

KöblerMhd

vurwandeln , sw. V. Vw.: s. verwandelen*

ūzwandeln

KöblerMhd

ūzwandeln , sw. V. Vw.: s. ūzwandelen*

Ableitungen von wandeln (5 von 5)

bewandeln

DWB

bewandeln , perambulare, betreten: bewandelte wege, viae tritae. Henisch 359 ; den pfad der dürftigkeit bewandeln. Perus 20; hoch in wolken …

entwandeln

DWB

entwandeln , abire, ambulare: wer entwandelt durch den garten bei der sterne bleichem schein? Uhland ged. 229 ; zürnend vernahm es der greis…

erwandeln

DWB

erwandeln , ambulando, spatiando obtinere: um sich gesundheit zu erwandeln. Tieck tischl. 1, 299 .

gewandeln

DWB

gewandeln , verb. , verstärktes wandeln, das mit seinen hauptverwendungen, dem transitiven gebrauch im sinne von mutare und dem intransitive…

verwandeln

DWB

verwandeln , v. , ahd. farwantalon Graff 1, 765 ; mhd. wb. 3, 701; Lexer 3, 293 ; Haltaus 1908 ; in den älteren nhd. wbb. allgemein, z. b. D…

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „wandeln". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 12. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/wandeln/adelung
MLA
Cotta, Marcel. „wandeln". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/wandeln/adelung. Abgerufen 12. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „wandeln". lautwandel.de. Zugegriffen 12. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/wandeln/adelung.
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