umwandeln,
vb. 11)
untrennbar, etwas ganz und gar durchwandern (
s.wandeln II B):
perambulare umbwandeln Diefenbach 424
b: ich han alle dise erde umbgangen und umbwandlet Merzdorf
historienbibel 528; weil sie (
Artemis) in stiergestalt die erde umwandele Creuzer
symbolik (1810) 2, 123;
der reihe nach aufsuchen: er umbwandlet alle ort, da man pflegt zu betten C. Hedio
chron. germ. (1530) 97
b;
vorwiegend in der bedeutung '
um —
herum wandern': ernst in sterbegedanken umwandl ich die gräber und lese ihren marmor Klopstock
oden 1, 177
M.-P.; Bellona, die den tisch immer umwandelt hatte und müde geworden war Langbein
s. schr. 31, 132; dachte man sich ... die ... fixsterne nach der analogie unsrer sonne jeden von einer anzahl von planeten umwandelt D. Fr. Strausz
schr. 6, 108; hatte mein vater einen wächter angestellt, der unser frei ... stehendes haus die ganze nacht 'umwandelte'
M. Hartmann 7, 467;
bildlich: er hat über den werth der menschlichen dinge seine prüfung vollendet, die grenzen unserer erkenntniss umwandelt Sturz
schr. (1779) 1, 69; (
in) der 'ästhetik' umwandelt er noch die eisigen schurfe und gletscherränder der 'metaphysik des schönen' J. Bayer
studien (1908) 398;
allgemeiner: oben (
auf dem felsen) umwandelt der sturm mich rund, los mich zu reiszen vom festen grund G. Kinkel
gedichte (1868) 2, 219; mich umwandelt der geist der lieder Denis
lieder Sineds (1772) 202; welten umwandelten mich; mir wars, als empfände ich hier gottes gedanken Herder
w. 24, 573
S. 22)
trennbar. 2@aa)
umher-, herumwandern: mein kaufmanschatz und mein handel, mit dem ich in dem land umbwandel
fastnachtspiele 477
Keller; er wol wiszt, was auff solichs umbwandlen (
weltreise) gon müszt
Fortunatus 44
ndr.; die hüner ... im korb sehen, wie die anderen unversperret nach ires hertzenslust umbwandeln Kirchhof
wendunmuth 1, 71
lit. ver.; die bosz oder schiffleut (
haben) auch nit weiter fug im schiff noch gewalt umbzuwandeln dann zu und von ihren geschefften Fronsperger
kriegsbuch (1578) 1, d 6
a; wie die Teutschen und was sonst für volck an der Donaw umbwandlet, ein ewigen winter ... haben J. Meichel
creutzschul (1630) 281; die leidenschaft dieser als ein muster der tugend umwandelnden frau H. v. Kleist 3, 369
E. Schmidt; so lange der schmerz, die sünde und der tod umwandeln unter ihr W. Raabe
Abu Telfan (1870) 3, 65;
wie '
umgehen' (
s. sp. 908): die lebenden selber glichen umwandelnden geistern Auerbach
ges. schr. (1864) 8, 204; die einen hielten dafür, es sei nur sein (
Woldemars) geist, der umwandle Alexis
Woldemar (1842) 1, 116. 2@bb)
etwas umändern, -arbeiten, ihm eine andere gestalt geben (
s.wandeln II C): die materiellen und technischen kennzeichen dieser gemählde sind ... die glänzende metallfläche oft ... durch braune umrisse ... zu vergoldeten schnitzwerk scheinbar umgewandelt Göthe 49, 15
W.; zu reif sich umwandelnde nebelwolken Ritter
erdkunde 3, 264; wie die raupe sich veredelnd umwandelt Bettine
Brentanos frühlingskranz (1844) 129; gesäuertes magenextract (
soll) eiweisz in ... dem speichelstoffe verwandte substanzen umwandeln Sömmerring
bau des menschl. körpers (1839) 5, 65; umgewandeltes gestein, verändert in seinem inneren gewebe und seiner schichtenlage A. v. Humboldt
kosmos (1845) 1, 258; hatten die väter ihre äcker fertig gepflügt und in frischduftende braune fläche umgewandelt G. Keller
ges. w. 4, 82; die jetzt üblichen mantelsäcke mit viereckigem boden in solche mit rundem boden umwandeln Wilhelm I.
militär. schr. (1897) 1, 403; das zimmer ist in eine schneiderwerkstatt umgewandelt L. v. François
Reckenburgerin (1871) 1, 46; seinen necknamen 'Ezel', in den die junge frau den langatmigen ... 'Ezechiel' umgewandelt hatte Fontane
ges. w. 3, 6; in ihren zu kirchen umgewandelten moscheen Moltke
ges. schr. (1892) 1, 202; das sumpfige waldtal, auch die einsame fluszniederung ... in kulturland umzuwandeln Wimmer
gesch. des deutschen bodens (1905) 97; eine hypothek kann in eine grundschuld, eine grundschuld in eine hypothek umgewandelt werden
bürgerl. gesetzbuch § 1198;
gern vom literarischen oder musikalischen product, es umformen, -gestalten: die obige jeremiade in scherz- und spaszlieder umwandeln Göthe IV 24, 153
W.; weder die rhapsoden noch die diaskeuasten (
haben) die homerischen gesänge umwandeln oder gar eine andere ordnung und harmonie hineintragen können Fr. Schlegel
s. w. (1846) 3, 150; wie überaus fade und elend musz das schauspiel sein, worin gegen die intention des dichters eine person ... umgewandelt werden kann, ohne das ganze zu zerreissen E. Th. A. Hoffmann
s. w. (1900) 4, 31
Gris.; wir finden aufs neue diese reisen ganz in der natur einer allgemeinen sage ... immer sich umwandelnd und mit andern verflechtend J. Grimm
klein. schr. 4, 39; es könnte der musik ein text unterlegt werden, wodurch sie in einen sanften chor umgewandelt würde O. Jahn
Mozart 2, 365; indem er den ... kastellansvortrag in einen ... geschichtsvortrag umwandelte Fontane
ges. w. I 4, 278;
vom inneren wandel eines menschen: er wird zum idealisten umgewandelt Göthe 42, 2, 210
W.; der mann ist umgewandelt; kein böses wort, keine saure miene Pfeffel
pros. vers. (1810) 9, 53; die pädagogik ... zeigt den weg ... (
des menschen) erste natur zu einer zweiten geistigen umzuwandeln Hegel
w. (1832) 8, 218; um ... die katholische bevölkerung nicht völlig umgewandelt, um sie noch katholisch zu finden Ranke
s. w. 38, 59; sein herz wurde umgewandelt Hebbel
w. 9, 342
Werner; Strapinski ... wandelte sich in kurzer zeit um G. Keller
ges. w. 5, 26;
bes. in der formel wie umgewandelt: fühl ich mich wie umgewandelt fürst Pückler
briefw. (1873) 1, 155; Ernst war wie umgewandelt Moltke
ges. schr. 1, 95;
von abstractem: ich würde diese brennende lieb umwandeln in brennenden hasz Meiszner
skizzen (1778) 2, 187; verschmähter liebe wuth zur bewunderung und ehrerbietung umzuwandeln Chézy
erzählungen (1822) 2, 265; wenn ich meine vorsätze in handlungen umwandlen ... werde Emma Förster
briefe (1829) 56; (
die infanterie hatte) die strategische niederlage in einen sieg umgewandelt Mommsen
röm. gesch. 2, 148; die ganze politische lage wandelte sich um Ranke
s. w. 4, 20; wandelte sich der bisherige spieltrieb in eine ganz neuartige lust zu schaffen ... um G. Keller
ges. w. 1, 191; dasz der physische mangel ... zu einem geistigen gute umgewandelt werde P. de Lagarde
deutsche schr. 79; die berüchtigte liederlichkeit ... hatte sich ... in ihr gerades gegenteil umgewandelt W. v. Polenz
Grabenhäger 1, 219.