wandelbar,
adj. ,
gangbar, veränderlich, schadhaft, strafbar, mhd. wandelbære, wandelbar;
mnd. wandelbar '
veränderlich, fehlerhaft, straffällig', Schiller-Lübben 5, 587;
mnl. wandelbar '
veranderlijk, onbestendig, ontrouw, vergangelijk' Oudemans 7, 846;
nnl. wandelbaar
nur in der bedeutung '
begehbar'
; im afries. nicht belegt. das wort ist zunächst vom subst. wandel
gebildet, und die meisten bedeutungen lassen sich als '
wandel habend, erleidend' (
sehr selten als '
wandel bringend'
s.C 1
aus Herder)
erklären; besonders deutlich ist im mhd. die beziehung von '
schadhaft, fehlerhaft, lasterhaft'
zu wandel '
fehler',
wo eine entsprechende bedeutung des verb. wandeln
nur selten angedeutet ist; dagegen wurde '
veränderlich'
wol schon im mhd., wo wandel
als '
veränderung'
wenig entwickelt ist, mehr auf das verb. bezogen, wie dies in neuerer zeit stets geschieht, das gleiche gilt auch von den im älteren nhd. vorkommenden bedeutungen '
wandernd'
und '
begehbar',
doch '
verkehrsreich'
geht auf wandel '
verkehr'
zurück. da wandelbar
sich an wandel
und wandeln
anlehnt, so hat deren bedeutungsentwicklung im groszen und ganzen auch für wandelbar
geltung und sind hier nur die hauptbedeutungen zeitlich und örtlich zu begrenzen: die bedeutung '
wandernd'
ist im älteren nhd. (
md. und besonders schweizerisch)
belegt, in übertragenem sinn auch in der neueren sprache noch üblich; '
begehbar, bereisbar'
kommt im mhd. und ältern nhd. (
besonders alemannisch)
vor; '
veränderlich, hinfällig'
ist allgemein im mhd. und nhd., ebenso die besonders im nhd. häufige bedeutung '
wankelmütig'; '
schadhaft, baufällig'
ist vom 15.
bis ins 19.
jh., besonders im 17.
u. 18.
jh., '
böse, lasterhaft, sündig'
aber nur im mhd., dort jedoch sehr häufig belegt, '
strafbar'
auch im ältern nhd. Adelung
bezeichnet die bedeutung '
baufällig, besonders von gebäuden, werkzeugen, maschinen'
als '
im hochdeutschen am üblichsten'
; jetzt ist sie völlig veraltet (Campe
kennt sie noch aus dem gemeinen leben),
während die von '
veränderlich, unbeständig',
die er '
zwar noch nicht ganz veraltet, aber doch ziemlich ungewöhnlich'
nennt, noch gegenwärtig durchaus üblich ist. AA.
in einigen späten belegen tritt die bedeutung '
beweglich, locker'
auf, diese entspricht dem intrans. gebrauch der ursprünglichen bedeutung von wandeln '
hin und her wenden' (
vgl. auch wandel '
spielraum'
sp. 1525
und wandelkragen),
doch wird kaum an einen directen zusammenhang, eher an einen umweg über '
veränderlich, schwankend'
[] und '
schadhaft' (
s. unten C 5)
zu denken sein. dies gilt auch für die angaben der wörterbücher: wandelbar,
mobilis Stieler 2502; das immerzu wandelbar ist,
perpetuum mobile Kirsch 2, 380
a.
in dem folgenden beleg kann es '
locker'
oder auch '
schadhaft'
bedeuten: sie untersuchten beide das schlosz und fanden, dasz die schlieszhaken durch die zeit abgenutzt und die bänder wandelbar waren Göthe 18, 203
Weim. ausg. sonst ist es '
wankend': so weit hats nimmermehr ein zweifler noch gebracht, dasz er der wahrheit grund nur wandelbar gemacht, geschweige denn verkehrt.
belustigungen d. verst. u. d. witzes 1741
2, 200; '
schwankend': und stürm' auch etwas ungemach: man giebt nicht gleich dem stosze nach, wie wandelbares rohr. Voss 5, 34; '
locker': und wäre gleich mein schwert auch eine binse, und einem griffe, locker, wandelbar, von gelbem wachs geknetet, eingefügt, so wollt' ich doch von kopf zu fusz dich spalten. H. v. Kleist 2, 248 (
Käth. v. H. V, 1).
bildlich: es liebt ein jeder nur sich selbst, unsicher, los und wandelbar sind alle bande, die das leichte glück geflochten — laune löszt, was laune knüpfte — Schiller 14, 28 (
braut v. M. I, 4). BB.
auf wandeln '
umherziehen, reisen',
mit obj. '
bereisen',
sind die bedeutungen '
reisend, wandernd'
und '
begehbar, bereisbar'
zu beziehen, auf wandel '
straszenverkehr'
die bedeutung '
verkehrsreich'. B@11)
die erste ist B@1@aa)
in eigentlichem sinne im älteren nhd. belegt, und zwar aus md. und schweizerischen quellen: comitiva, eyn wandergeselschaft, wandelbere geselschaft Diefenbach
gl. 135
a;
viatinus, ain wandelber man,
viator 617
b (
beide belege aus einem im wesentlichen obd. vocabular); dem gemeinen hantirenden und werbenden man und ander wandelbar lewt Diefenbach-Wülcker 893
aus d. Weimarer archiv (
vgl. wandeln B 2
a δ); frömbde und wandelbare leüt empfahen sie nit freuntlich Stumpf
Schweytzer chronick (1606) 1, 12
a;
im folgenden fast soviel wie '
zugewandert': wachter, trummeter, hyrten, bysAessen, antwerksgesellen und irs glichen frOembder wandelbarer lüten, so Aempter an sich nAemen oder by uns wonen, und wir sy uffnAemen wOellen, die selben all sond vor ab schweren den burgereyd
stadtrecht von Brugg 97, 29 (
ca. 1495)
Merz. als beiname: herr Heinrich von Rapperswil .. ward genämpt der wandelbare, von wegen dasz er vil gottzfert und wandelreisen getan Tschudi
chron. Helv. 1, 120
a.
substantivirt '
der wanderer, pilger': an disem see ligt ein herberg und spital, den wandelbaren dahin gebauwen zur herberg Stumpf 1, 547
a;
auch von meerfahrten welches die schiff leut und wandelbaren auff dem see sehen, und sich darnach richten 527
b.
hier schlieszt ein bildlicher gebrauch bei Göthe
an, mit einmischung der bedeutung '
veränderlich': allein die hoffnung schweift noch immer frei ... ich bin schon oft ihr listig nachgezogen, doch wandelbar wie regenbogen setzt sie den fusz bald da, bald dort, bald hier. 16, 359 (
Epimenides erw. 1, 14, 510)
Weim. ausg. B@1@bb)
übertragen, beweglich, den aufenthalt ändernd: man verpflanzt seine wandelbare wohnung mit geringer mühe an den ort, den man gewählet, um daselbst halt zu machen Sonnenfels
ges. schr. (1783) 2, 288; ort im allgemeinen, einerlei, ob wandelbare niederlassung oder bleibender wohnsitz Stephani
d. älteste deutsche wohnbau 1, 80;
namentlich von behörden u. ä. '
ohne festen sitz': doch ist dasselbe (
kaiserliche gericht) damahls noch wandelbar gewesen, und kaum anderthalb jahr zu Franckfurth geblieben, folgends nach Worms gelegt Lünig
reichsarchiv, pars generalis 2, 2, 56
a (1713); sonst war der hof in ansehung seines aufenthalts wandelbar
M. J. Schmidt
gesch. der Deutschen 1, 300; das hoflager kann es denn nicht wandelbar seyn? v. Hippel
lebensläufe (1778) 1, 436. B@1@cc) wandelbarer sand '
flugsand': dieses bucharische tiefland .., ein groszer theil ist .. kiesboden, oder mit wandelbarem sande überzogen Ritter
erdkunde (1822) 2, 71 (
vgl.wandelnde hügel '
flugsand', wandeln B 2
k η). B@1@dd)
wegen des synonyms gangbar (
vgl. auch courant)
ist [] hierher wol auch die im nd. und ndl. (wandelbaer gheld Kilian 652
b)
belegte bedeutung '
im umlauf befindlich'
vom geld gesagt zu stellen Strodtmann 278,
danach Adelung. B@1@ee)
vom fortschreiten im raum auf zeitliche veränderung übertragen: daher wird das bürgerliche jahr ferner eingetheilet in fixum et vagum, in das beständige und wandelbahre .. das wandelbahre ist, dessen anfang von einer jahres-zeit zu der andern fortrücket Ch. Wolff
mathem. lexicon (1716) 89,
danach Zedler 2, 421; den nachtheil der griechischen zeitrechnung, dasz der anfang des jahres ... wandelbar ist Niebuhr
röm. gesch. 1, 186; das .. wandelbare fest der faszeröffnung Mommsen
röm. geschichte2 1, 174;
auch: der einschnitt in der mitte eines takts ist entweder bestimmt oder wandelbar Voss
zeitmessung der deutschen spr. 241. B@22)
die bedeutung '
bereisbar, begehbar'. B@2@aa)
von gegenden gesagt, ist sie im schweizerischen belegt (
vgl. ein land wandeln, wandeln B 2 b
δ 2))
α)) ): '
gangbar' Stalder 2, 433; wie nemblich der selb (
ort) zumal sümpffig und wandelbar war (
λίμνη βατή,
stagnum vadosum), und mehrer theils, wann die nacht anfieng, ablieffe Xylander
Polybius (
Basel 1574) 406; Europa ist allenthalben lieblich .. auszgenommen .. bey den Moscowiten und Lituaniern ist es .. von vile der wasseren nit allzeyt wandelbar Stumpf
Schweytzer chronick (1606) 1, 13
a; dasz das Alpgebirg auch wol zuovor wandelbar geweszt, und von den einwohnern beyderseits .. überstiegen und bewandlet worden sey Guler von Weineck,
Raetia (1616) 3
a; Splügen ... ist sommer und winter zu rosz und fusz wandelbar Scheuchzer
Schweitzerland (1716) 1, 214.
so noch bei J. v. Müller; von da geht der weg durch .. grüne bewässerte thäler, in schönen straszen, wodurch die Bourbon diesen wüsten bewohnbar und wandelbar gemacht haben
werke (1810
f.) 4, 246;
von Göthe
wol von neuem geschaffen: ein wackerer forstmann hatte ... rauhgestaltete felspartien, gebüsch und waldstrecken durch brücken, geländer und sanfte pfade gesellig wandelbar gemacht 29, 171
Weim. ausg. B@2@bb)
von einem weg gesagt '
gangbar': der winter was mittel ..., der weg was wandelbar und guet Zink,
städtechron. 5, 326; wan solcher weg wandlpar gemacht wurde
österr. weisth. 5, 136, 21 (
Tirol 17.
jh.); ein wandelbarer weg, pfad Kramer
holl. d. (1719) 501
c (
nach dem nl.);
verallgemeinert '
für den verkehr geeignet': als sollen solliche feltgätter ... in wandlparen stant eingehalten, auch ieder in aus- und eingehen dahin bedacht sein, solliche gätter hinder sich fleissig zu zumachen
österr. weisth. 5, 538, 41 (
Tirol 1748). B@33)
während die vorigen bedeutungen sich auf die möglichkeit des wandelns bezogen, geht die bedeutung '
verkehrsreich'
auf wandel '
straszenverkehr' (
s. sp. 1527)
zurück: so disz gebew auff aynichen platz oder anderm wandelbaren ort stüende, so mag man kraumläden darunder machen Serlius
reglen der architectur L 1
b (
Antwerpen 1542); sollen keine schewren mehr gegen den offnen marckt, plätzen, strassen und weittin, gemeinen, täglichen durchgehenden und wandelbaren gassen, gesetzt, noch gebawet werden
würtemb. revid. bawordnung (1654) 44. CC.
weitverzweigt haben sich die bedeutungen von wandelbar,
die sich an wandel '
veränderung, verwandelung, wechsel',
und an wandeln '
verändern, verwandeln, wechseln, tauschen'
anschlieszen. C@11)
ganz vereinzelt '
veränderung, verwandelung bewirkend': eben bei symbolischen handlungen sieht man, was lehrmeinungen thun, wie verschieden vom symbol, wie wandelbar, wie zauberisch sie wirken. vor unsern augen verwandeln sie die handlung Herder 20, 195
Suphan; so wol auch zu nehmen: der wimper seidnes haar umschattet wandelbar, und mäszigt das gefunkel. Voss
ged. (1802) 5, 26. C@22)
veränderlich: variabilis, wandelbar, wandelber, wandelbayr, wandelbaer Diefenbach
gl. 607
a; wandelbar, bald verenderet,
commutabilis Maler 483
d; wandelicht, wandelbar
et wandelhaft,
mutabilis, variabilis Stieler 2502; wanckelmütig, wanckelbar, wandelbar,
inconstante, leggiero, variabile, volubile, irresoluto Krämer 1207
b; wandelbar, wanckelbar oder veränderlich, ist was der verwandelung
[] unterworffen ist,
what is mutable, subject to alteration Ludwig 2378; wandelbar, veränderlich, wanckelmütig,
keerbaar Kramer (1719) 259
a; wandelbar,
mutabilis Steinbach 2, 926;
auch mnl. wandelbar Oudemans 7, 846; wandelbaer (
als alt),
mutabilis, variabilis, inconstans Kilian 652
b;
in nnl. wörterbüchern nicht mehr verzeichnet. C@2@aa)
veränderlich, von concreten (
wenn es sich um verwandlung durch zauber oder um organische entwicklung handelt, s. u. 3)
und abstracten, in allen beziehungen (
die auf das psychische s. u. d). C@2@a@aα)
gott ist nicht wandelbar: got ... enwirt niemer genidert noh gehOehert an sim gewalt, won so wAere er wandelbAere
S. Georgener prediger 230, 25; möcht sich got höchern, so wer er yn ym selb nit vollkomen. mocht er dan minder werden, sich geben zu beschwerden, so weistu ye, das er wer wandelbere ym gnugsam numermere. Hans Folz
meisterlieder 18, 104
Mayer. C@2@a@bβ)
die natur, die welt ist wandelbar (
oft mit dem nebensinn des vergänglichen, s. unten b, und des treulosen s. d γ): in der natur ist alles übergehend, leidenschaft der seele und empfindung des körpers: thätigkeit der seele und bewegung des körpers: jeder zustand der wandelbaren endlichen natur Herder 3, 76
Suphan; o we dir, wandelbære welt, daʒ wir dir dienen, unt so reht bœs' ist din gelt, unde din valscher, arger lon ze jungest ouch so bitter ende hat. J. v. Rinkenberk,
minnesinger 1, 340
a Hagen; die wält ist wandelbar und alles, was darinnen, ist eutel und vergeht. Rompler v. Löwenhalt
reimgetichte 214; wie werden wir herumgetrieben in dieser wandelbaren welt! warum so ferne, was wir lieben, warum so nahe, was miszfällt! Platen 18 (
lieder u. rom.); so bist du in dem ellendem jamertal ... es geheisset vil und leistet wenig. es ist kurz, unstet, und wandelber, hut liebes vil, morn leides ein herze vol Heinrich Seuse 237, 19
Bihlmeyer; ähnlich: dú wandelberú unstetekeit diser welt 380, 9. C@2@a@gγ)
der mond ist wandelbar,
oft als sinnbild eines wankelmütigen (
s. d γ): ein gottfürchtiger redet allezeit das heilsam ist, ein narr aber ist wandelbar, wie der mond
Sirach 27, 12; die weiber ... werden am jüngsten tag nicht inn himmel ... kommen, sondern von wegen ihres wandelbaren gemüts inn den wandelbaren mon ewig verstossen pleiben
Bodin, daemonomania übers. v. Fischart (1581) 209; o, schwöre nicht beim mond, dem wandelbaren, der immerfort in seiner scheibe wechselt, damit nicht wandelbar dein lieben sey. (o, swear not by the moon, the inconstant moon, ... lest that thy love prove likewise variable).
Shakespeare Romeo u. J. 2, 2;
dann auch vom mond in der bedeutung '
monat': gehab dich wohl, du liebes jahr, mit deinen monden wandelbar. Schubart
gedichte (1825) 2, 318. C@2@a@dδ)
von den jahreszeiten: im lächelt luft und flur, ihm schmücken sich die zeiten des wandelbaren jahrs. Wieland
suppl. 1, 259 (
natur d. dinge 6);
überhaupt von der zeit, die wechselnde ereignisse in sich schlieszt: besynn sich eyner eben vor, die tzeit ist wandelbar ym jar. gar offt ein stund wol geben mag, dasz ein gereuet manchen tag. Folz,
fastnachtsp. 1247; o wandelbars alter der zeit und schweiffende jahrrechnung weit! wann wird einmahl disz unglck doch desz schweren kriegs auffhOeren noch?
griechische dramen 2, 125 (
Sophocles Ajax 4257)
Dähnhardt; vom wetter (
vgl. weterlîcher wandel
sp. 1541): es muoss noch menig wandelber weter úber dich gan, e daʒ dú himmelsch heitri in dir bestetet werde Heinrich Seuse 364, 23
Bihlmeyer; das wetter ist gewitterhaft, sehr wandelbar Göthe
briefe 36, 106 (1822)
Weim. ausg.; redensartlich: [] wandelbar wie das aprilwetter Wander 4, 1779; ein witterungskalender, eine philosophie der wandelbaren naturerscheinungen, der meteore Herder 16, 382
Suphan. C@2@a@eε)
glück und schicksal werden häufig wandelbar
genannt; wenn das glück personificirt wird, entsteht die bedeutung '
wankelmütig' (
s. u. d γ): das glück ist wanckelmütig, wandelbar,
la fortuna è giornaliera Krämer 1207
b; wandelbares glück,
fortune inconstante Rondeau; wie schlüpffrig, rund und wandelbar auff erden sey das waltzend glück. H. Sachs 8, 52, 14
Keller; sonder gedenck, dasz das gelück ist wandelbar, unstet und flück.
fab. u. schw. 2, 299, 88
Götze; ich war bisher ein spiel vom wandelbaren glück v. Cronegk 1, 174 (
Codrus 1, 4); wer kan ein wandelbares glük ruhig genieszen, wenn blosze runzeln an der stirne des fürsten uns ohne unsre verschuldung in den abgrund stürzen können? Haller
Alfred 118.
ähnlich: bei der erziehung, wenn sie nicht öffentlich und rationell ist, behauptet Tyche ihre wandelbaren rechte Göthe 41, I, 217, 26
Weim. ausg.; da bricht das morsche tau entzwei, woran er geschwebt ... und über ihn stürzen die wellen her ... und traurig steht der feiernde matrose, nachdenkend seinem wandelbaren loose. Lenau
ged. 1, 276 (1857); die laune und das wandelbare interesse des augenblickes Niebuhr
röm. gesch. 2, 42.
umstände, verhältnisse u. dergl. sind wandelbar: mit frembden gezeug haben die Greci eynen ewigen kriegk, und werden haben den von natuor (die ewig ist) und nit ausz wandelbaren sachen seind sie feind den frembden Carbach
Livius 212
b; sOelichs als denne da furgenommen wirdt, daʒ och nieman waisz ze melden, nach dem und die lOeffe allenthalben in dem riche wilde und wandelber sind
deutsche reichstagsakten 11, 263 (
Ulm 1433); der der siegreiche meister aller wandelbaren verhältnisse blieb H. Steffens
was ich erlebte (1840) 2, 252.
von einem lebenslauf '
wechselreich': diesen so wandelbaren lebens-lauff (
Abälards u. Heloisens) mit folgender grabschrifft zu beschliessen Hoffmannswaldau
heldenbr. (1696) 151; da tanzte seines lebens lustgeschichte, die wandelbare, ab und auf. Arndt 3, 52. C@2@a@zζ)
von der veränderung der sprache und ihrer wörter: eine todte, nicht mehr wandelbare sprache taugt allerdings zum maaszstabe der lebendigen Sturz 1, 3.
ähnlich: unter solcher wandelbaren veränderung sind unter andern auch die sprachen der völkerschaften untergeben Neumark
teutscher palmbaum (1668) 1; freilich ist es auf der andern seite oftmals schwierig, die grundbedeutung einer namengattung festzustellen, da die baumnamen in ihrer bedeutung auszerordentlich wandelbar sind Hoops
waldbäume u. kulturpflanzen 114.
als grammatischer kunstausdruck '
flexibel': das wandelbare wort (
am rande: declinabile) ist, welches in der endung für sich selbsten verwandelt wird Gueintz
sprachlehre (1641) 26; das nennwort ist ein wandelbar wort 27; das zeitwort ist ein wandelbar wort 59. C@2@a@hη)
von sinneseindrücken, von farben- und lichterscheinungen: wie .. heittere, rothe, gelbe, dunckele wolcken ... (welche doch sehr wandelbar und nicht bleiblich sind) entstehen L. Thurneysser
magna alchymia (1583) 131; ferner ist hier zu bemerken, dasz Newton sein vorbild (
die farbig beleuchtete schrift) behandelt, als wär' es unveränderlich, ... da es doch wandelbar ist Göthe
naturwiss. schriften 2, 104 (
farbenlehre)
Weim. ausg.; wie in der stillen nacht, wenn auf die starre welt der wandelbare schein des blassen nordlichts fällt. Zachariä
scherzhafte epische poesien (1854) 238; '
schillernd': mit recht sieht niemand sonder lust an ihrem (
der tauben) hals', und an der brust, den wandelbaren glantz der glatten federn schimmern. Brockes 4, 163; sieh! plötzlich flattert ein täubchen aus einem astloch empor, mit wandelbarem gefieder. E. v. Kleist
werke (1778) 2, 34;
[] Witkop
die anfänge der neueren deutschen lyrik 72
citirt aus Brockes
das wandelbare grün
eines goldkäfers. in der botanik von der farbe der varietäten innerhalb derselben art: wandelbar,
variabilis, sind vorzüglich die farben der pflanzenblüthen Behlen
lex. der forst- u. jagdkunde 6, 292;
hierzu vgl.: die manchfarbigen nelcken, .. wandelbahre kartheuserlein, .. hellglitzende goldblumen Treuer
deutscher Dädalus (1675) 1, 206.
übertragen: die gegeneinanderstellung verschiedner cultivirter sprachen mit den verschiednen revolutionen ihrer völker würde mit jedem strich von licht und schatten gleichsam ein wandelbares gemählde der mannichfaltigen fortbildung des menschlichen geistes zeigen Herder 13, 365
Suphan. von bewegungen, die in einander übergehen: sehen wir doch in der wirklichkeit auf unmerklichem draht, auf schwankem seil, wandelbare bewegungen, kühnen sprung auf sprung, blickverwirrenden körperwechsel Göthe 49, I, 324, 7
Weim. ausg. C@2@a@thθ)
aus '
veränderlich in der farbe'
scheint auch die bedeutung '
bunt'
hervorgegangen zu sein: varius, bunt, bont, wandelbar Diefenbach
gl. 607
a. C@2@bb)
schon in mehreren der oben angeführten belege hat wandelbar
den nebensinn '
vergänglich, hinfällig, endlich, eitel, nichtig',
in den folgenden tritt dieser deutlich hervor: ir (
der welt) lôn ist wandelbære, der gotes lôn ân ende wert. Rud. v. Ems
Barlaam 16, 22; wie dirre welte rîchtuom niht wan ein üppeclîcher ruom, trügelich und wandelbære mit kurzen vreuden wære. 227, 7. (
die schönheit spricht:) ich bin wandelbar und vergencklich H. Sachs 1, 462, 7
Keller; des (
tägl. brot) gibst du uns die fülle, doch denen, die dir trauen, nicht, die so gantz und gar auff dieses eitle bauen, das doch so wandelbahr. J. Rist,
Fischers kirchenlied 2, 209, 6; gott schützt von seinen höhen die wandelbare creatur, wir kommen und vergehen. Pietsch
geb. schriften (1740) 429; so fiel uns ein wie kurz, wie wandelbar die tage dieses lebens seyn. Stoppe
Parnass (1735) 118; dort erst ist keine freude wandelbar. Kretschmann
werke (1784—99) 5, 25; an dem scheine mag der blick sich weiden, des genuszes wandelbare freuden rächet schleunig der begierde flucht. Schiller 11, 55 (
ideal u. leben); anstatt des sommers wandelbaren nelken, pflück' ich die blume meiner huldigungen. Rückert 61; und dennoch hält sie alle uns bethört, die form, die staubgeborne, wandelbare. A. v. Droste-Hülshoff 3, 365
Kreiten; danne die nature ist von ir selbs wandelbar und fellig
N. v. Wyle
translationen 130, 24
Keller; die herrlichkeyt oder rhumwürde als ansehnlich, so ungewis und wandelbar ist sie Fischart
ehzuchtbüchlin 288, 32
Hauffen; ganz und ewig kann ohnedies kein menschendenkmal auf der erde dauern ... auch die wandelbare gestalt und die unvollkommenheit aller menschlichen wirkung lag also im plan des schöpfers Herder 13, 352
Suphan; wer sah da nicht, wie bei immer fortschreitender zeit der wandelbare kriegsruhm schwinde? 24, 422; und was wäre es auch, eine kurze wandelbare lebenszeit hindurch mit krankheit und armuth zu kämpfen? Knigge
roman meines lebens (1781) 3, 43; und macht ihr glück gleich einem schalle flüchtig! wie schatten wandelbar, wie träume kurz.
Shakespeare sommernachtstraum 1, 1.
substantivirt: Spinoza hat keinen begriff vom werden, vom nichtgewordensein, entstehen und nichtentstehen ... sein ist bei ihm das erste und letzte. desgleichen ists mit dem wandelbaren, endlichen, zeitlichen! Herder
an Jacobi (
aus Herders nachlasz 2, 274). C@2@cc)
bei erzeugniszen der menschenhand bedeutet es zuweilen '
nicht dauerhaft', '
leicht schadhaft werdend',
die vorstufe zu '
schadhaft' (
s. 5),
aber davon zu unterscheiden; [] die bedeutung ist jetzt erloschen: daher wird auch eine construction, die ein verderben leicht befürchten läszt, eine wandelbare genannt Helfert
landbaukunst 407; die menge solcher antriebe ist wie die menge der räder in einer maschiene. je mehr räder, desto wandelbarer Herder 17, 131
Suphan; da eine hölzerne einhegung wandelbar und eine eiserne immer angreifisch wäre Göthe
briefe 34, 147, 17
Weim. ausg. C@2@dd)
veränderlich, vom menschen, in hinsicht auf das psychische; in der gehobenen sprache jetzt sehr verbreitet. C@2@d@aα)
im denken, '
sich widersprechend': die verkerten lerer sein auch in iren worten und maynungen offt wandelbar, heut lernen sy ains, morgen ain anders Berth. v. Chiemsee
tewtsche theologey (1852) 114. C@2@d@bβ)
im wollen, '
unentschlossen': welchem herren gehorchst du? du wirst jetzt diesem und dem itzt folgen müssen immer getheilt und wandelbar immer Herder 26 298
Suphan, (
subeas alternus oportet ancipiti obsequio dominos, alternus oberres, Persius 5, 156). C@2@d@gγ)
sehr häufig im gefühlsleben: C@2@d@g@11))
leicht die stimmung wechselnd, launisch: als aberillen weter vert ir wille ... dô si (
die lieder) diu wandelbære vernam, ir hôchgemüete daʒ wart lam: si zurnt und wart vil gar unfrô. Ulrich v. Lichtenstein 418, 17; er .. wuszte immer .. diejenige (
gestalt) anzunehmen, die zur gegenwärtigen stimmung oder laune der wandelbarsten und vielgestaltigsten aller weiber am besten paszte Wieland 35, 341 (
Aristipp 3, 33); getrost! ein mägdlein ist ein wandelbares geschöpf Fouqué
reiseerinnerungen (1823) 1, 15. C@2@d@g@22))
besonders aber '
wankelmütig, flatterhaft, treulos': mit dynem wyb red ernstlich und nützliche ding, wann die wyb synd wandelbar und wankelmütig Steinhöwel
Äsop 69
Österley; wie niederträchtig schlau, und falsch und wandelbar der eilfte Ludewig, der erste Jacob war. Hagedorn 1, 46; behalte, welt, dir deine freunde. sie sind doch gar zu wandelbar. Schmolcke
trost- u. geistr. schr. (1740—44) 1, 162; so ist der mensch, unstät und wandelbar Collin
Regulus 107 (4, 1); wenn ihm der wandelbare pöbel ein paar, ein drei ehrenstellen zuerkennt Herder 3, 330
Suphan; aber wie müssen sich die deutschen frauen verändert haben, wenn ich nach diesem einen mädchen auf alle schlieszen wollte. wandelbar und flüchtig wie diese habe ich keine Französin gefunden Arnim 2, 48; wahrlich, der mensch ist ein unbegreiflich eitles, wandelbares und unbeständiges ding (
un sujet merveilleusement vain, divers et ondoyant) Bode
Montaigne 1, 7.
mit schwächerem tadel '
unruhig': ein wandelbarer geist, der niemals stille stehet, und den ein jedes kind nach andern zwecken drehet. J. E. Schlegel (1761) 4, 103. '
treulos in der liebe': dem ich ehmals alles war, ach, wie ist er wandelbar! der mir ew'ge treu versprochen, ach, er hat den schwur gebrochen. Miller
gedichte (1783) 354; treuloses weib! verrätst du deinen ehemann, dem wandelbar'n Franzosenofficier zulieb? Platen 301 (
Oedip. V); da zeigte sich .. ein selbstsüchtiges wohlgefallen an dieser zurücksetzung, welches sich allerdings nur in sanftem schweigen aussprach, ohne noch dem wandelbaren anbeter die geringste ermunterung angedeihen zu lassen Holtei
erzähl. schriften 2, 216. C@2@d@dδ) wandelbar
in etwas: mögen dich die menschen wandelbar schelten in deinem glauben, eben das ehre ich an dir Görres
briefe 3, 306; dagegen waren umgekehrt die vordem meist so unfreien und gedrückten bauernschaften ... seit alten tagen höchst wandelbar in ihrer sitte W. H. Riehl
die deutsche arbeit 77. C@2@d@eε)
dann auch von dem, was am menschen oder worin er veränderlich, schwankend ist: C@2@d@e@11))
sein herz, sein sinn, seine natur ist wandelbar.
im folgenden ohne tadel '
beeinfluszbar, empfänglich': der halben so dise gepurt uns
[] sol zuo nutze kommen und das hertz wandelbar machen, müssen wir das exempel der junckfrawen in das hertze bilden Luther 7, 189, 22
Weim. ausg. meist tadelnd: weib, mit dem ewig wandelbaren sinn. Müllner
dramat. werke (1828) 3, 167 (
Yngurd 4, 3); oft denk' ich, gott sey, wie ich bin, von leichtem, wandelbaren sinn. Schubart
gedichte (1825) 1, 150; man soll kein leben auf gefühle bau'n, die mit den dingen nicht im einklang sind. das herz ist wandelbar, die dinge bleiben. Geibel 6, 49 (
Brunhild 3, 2); des menschen wille, mein lieber Hohenau! ist ein wandelbares ding Knigge
roman meines lebens (1781) 2, 1; ich aber glaube, dasz die deutschen hinter aller ihrer schwerfälligkeit doch recht wandelbarer natur, ja, oft leichter zu überreden und sogar zu verführen sind, als selbst die Franzosen
fürst Pückler
briefw. u. tageb. 2, 336. C@2@d@e@22))
glaube, empfindung, geschmack, gunst ist wandelbar: der glawbe ist wanckelbar und wandelbar, aber gottes wort bleibt ewiglich Luther 26, 172, 22
Weim. ausg.; daher sind die empfindungen des hörers beim vorlesen so wandelbar — wie fieberstösze, mit hiz und frost abwechselnd Schubart
leben u. gesinnungen 2, 45; dasz mit dem glück selbst liebe wandelbar.
Shakespeare Hamlet 3, 2; eine gewisse art von cultur, die man civilisirung nennt ... richtet sich nach dem wandelbaren geschmacke jedes zeitalters Kant 10, 393; übrigens bitte ich sich zu beruhigen ... meine gunst ist nicht so wandelbar Göthe
briefe 6, 193 (1783)
Weim. ausg.; langsam, unter hindernissen .. wandelbarer hofgunst .., erhob sich der neue tempel J. v. Müller
werke (1812) 1, 451; und derselbe Bresson schnitt sich bald nach her den hals ab, weil ein erbärmlicher Louis Philipp ihn fühlen liesz, dasz die fürstengnade wandelbar ist!
fürst Pückler
briefw. u. tageb. (1873
f.) 3, 426.
ähnlich: wie sich die neigung anders wendet, also steigt und fällt des urtheils wandelbare woge. Schiller 12, 455 (
Maria Stuart 2, 3). C@2@d@e@33))
gedanken, meinungen, hypothesen, ideale, lehren, gesetze werden wandelbar
genannt: ir muot kam nie ze rast: wie sie eʒ dar ûf getribe, daʒ ir der gürtel belibe ... der gedanc ir herze jeit in wandelbærer wîse, daʒ sie von grôʒem prîse iemer solt gevallen, den sie vor in allen von dem gürtel het gewunnen. H. v.
d. Türlin
Crone 23365; indessen war Gfrörer kein prophet und ein mann von äuszerst wandelbaren meinungen Kuno Fischer
Shakespeare und die Bacon-mythen 11; nachdem .. die naturerscheinungen .. der willkühr dumpfer ahndungen und wandelbarer hypothesen anheim gefallen waren A. v. Humboldt
kosmos 2, 206; die sinnbildlichen dichterischen mythen pythagorischer und platonischer weltgemälde, wandelbar wie die phantasie, die sie erzeugt 2, 351; das ideal als solches ist wandelbar, von den einander verdrängenden systemen der philosophie und dem sogenannten zeitgeist abhängig Auerbach
neues leben 1, 98; lehren, die ihrer natur nach mit dem wechselnden charakter der zeiten wandelbar sind Lange
gesch. des materialismus (1866) 541; wie auch das programm wandelbar sein mochte, die kurzsichtige engherzigkeit sasz immer am steuer Mommsen
röm. gesch.2 2, 223; geseze sind glatt und geschmeidig, wandelbar wie laune und leidenschaft — religion bindet streng und ewig Schiller 3, 514. C@2@d@e@44))
gerechtigkeit, freundschaft heiszen wandelbar: (
es) ist gegen götlicher gerechtikait unser gerechtikait ungerecht, nachdem sy plöd und wandelbar auch unbestandig ist Berth. v. Chiemsee
teutsche theologey (1852) 38; dan er (
gott) die ewige bestendige, wesende und nymer wandelbare gerechtickeit selb ist Luther 1, 187, 20
Weim. ausg.; so knüpfte ich allenthalben nur wandelbare bekanntschaften und freundschaften an, und nur wenige junge gesellen meines standes sind mir so
[] lieb geworden, dasz ich mich noch jetzt ihrer gern erinnern sollte Tieck
novellen (1854) 12, 149. C@2@d@zζ)
zuweilen tritt die bedeutung '
veränderlich'
hinter der von '
unbestimmt, verschwommen'
zurück: gnug aber, dasz diesz (
in der griechischen mythologie die widerlichen gestalten) nebenideen, untergeordnete begriffe, wandelbare vorstellungen waren Herder 3, 59
Suphan; aus den vagen und wandelbaren begriffen von humanität v. Bismarck
polit. reden 1, 25
Kohl; gott der unwandelbare, und siehe! jeder ausdruck der kunst wandelbar und wegeilend Herder 3, 255; wenn man nemlich genau auf die ausdrücke acht hat, .. so wird man offt etwas unbestimmtes, wandelbares bemerken, das für der prüfung flieht
aus Lichtenbergs
nachlasz 9, 7
Leitzmann; ähnlich: in dieser erzählung ist weder gehalt noch farbe, weder anordnung noch lebendigkeit zu finden. verworren in oberflächlicher, nicht in tiefer verwirrung, ohne hervortreten des eigentümlichen, unsicher und wandelbar, zieht der gewaltige stoff träge vorüber Varnhagen
bei Heine 3, 450
Elster. C@33)
fähig, sich (
plötzlich)
zu verwandeln oder sich umzubilden (
vgl.wandeln C 1
c und 2
c): C@3@aa) des selben nahtes na der meti waʒ im vor in einer gesiht, wie ein grOessiú schar michels gefúgels kemi fúr sin celle stúrmend .. und waʒ eine nit als der ander ... daʒ wandelber gesinde daʒ ist ein túfellichú samnung, und sint zornig und wtig umb den menschen Heinrich Seuse 370, 16
Bihlmeyer; die Teutschen nennen sie ja wehrwölffe ..., die Picarder loups varous, so vil lautend als lupi varii, wandelbare wölff
Bodin daemonomania übs. v. Fischart (1581) 345;
erster knabe (...
zeigt seine schwarze hälfte)
Phone. welch ein wandelbares chamäleon bist du? ... an dieser verwandlung erkenne ich dich wohl. Göthe 13, I, 69, 3 (
was wir bringen)
Weim. ausg.; Proteus .., der allerlei gestalten annehmen konnte; uneigentlich, ein solcher mensch, ein wandelbarer Campe
verdeutschungswb. 505
b; also zerbrach .. der Alkumena sohn, im zorn, dem wandelbaren gotte das zum blutgefechte wild aufgeworfne horn. Ramler
lyr. gedichte (1772) 120.
von der seele: sonder die weil dieselbig war auf pythagorisch wandelbar, so ist sie jetzund nur verwandelt, dasz sie in andren leuten handelt. Fischart
Eulenspiegel 13090
Hauffen. C@3@bb) im ey selbst war das bild des künftigen käfers, und im saamen der bejahrte baum verwickelt anzutreffen. hebe die verknüpfung dieser wandelbaren gestalten auf ... Mendelssohn
philos. schriften 1 (1777) 52. C@44)
werden dinge als wandelbar
bezeichnet, die nicht in einander übergehen, sondern von denen das eine an die stelle des anderen tritt, so sind sie im eigentlichen sinne '
wechselnd' (
vgl.wandeln C 1
f)
: vicissitudinarius, wandelbar, wandelber Diefenbach
gl. 618
a; dasz Roms kriegsentschlüsse die entschlüsse eines unsterblichen senats, nicht eines sterblichen monarchen waren, weil sich der geist seiner weltverderblichen maximen in einem collegium nothwendig mehr als in einer wandelbaren reihe von beherrschern erhalten muszte Herder 14, 179
Suphan; die republik mit ihren wandelbareu obersten häuptern ist ein tummelplatz des ehrgeizes Gutzkow
werke (1872
f.) 10, 277; nur der name .. der pontifices ist .. in das allgemein latinische schema anstatt älterer vielleicht wandelbarer namen eingedrungen Mommsen
röm. gesch.2 1, 157; der erdball selbst, ein platz von wandelbaren scenen, von lächeln ohne lust, von bald vergesznen thränen. v. Cronegk
schriften (1761) 2, 139; vielleicht vertreibt die see, die neuen länder, sammt wandelbaren gegenständen ihm diesz etwas, das in seinem herzen steckt.
Shakespeare Hamlet 2, 3.
daran schlieszt sich die bedeutung '
vertauschbar', '
veräuszerlich': die städte und der wandelbare grundbesitz treten ... in eine besondre mächtige kammer zusammen ..., die ritterlichen inhaber unverkäuflicher lehen
[] aber hielten gleichfalls aneinander Dahlmann
kleine schriften 49. C@55)
die bedeutung '
fehlerhaft'
geht auf wandel '
wendung zum schlechten, fehler'
zurück, doch bestehen auch beziehungen zu der bedeutung '
hinfällig' (
s. oben 2
b);
auch die bedeutung '
straffällig' (D 2
c)
kommt mit in betracht (
vgl. defectuosus, wandelbar, brocsam Diefenbach
nov. gl. 128
b): wandelbahr, fählbar, mangelbahr Güntzel 832; wandelbar werden,
vitium facere Kirsch 2, 380
a.
die bedeutung ist von dingen bis in die neueste zeit üblich gewesen, von personen und abstracten läszt sie sich nicht über das 15.
jahrh. hinaus verfolgen. C@5@aa)
fehlerhaft, schadhaft, von leblosen dingen. C@5@a@aα)
als '
fehlerhaft verfertigt'
kommt es im mhd. vor: colobium hieʒ ein gewant, daʒ man ê zer messe truoc, daʒ dûhtin widerzæme gnuoc, wand eʒ der arme dahte niht: dâ von gebôt er, sô man giht, daʒ vür daʒ wandelbære kleit würde ein anderʒ an geleit, daʒ ist genant dalmaticâ. K. v. Würzburg
Silvester 625; ist iht wandelbære daʒ getihte oder kunste lære, daʒ bezzere der eʒ kunne. Albertus
S. Ulrichs leben 1578. C@5@a@bβ)
im nhd. ist es aber '
schadhaft geworden, durch alter und gebrauch',
so bis ins 19.
jh. in md. u. nordd. sprache belegt, jetzt noch thüringisch: wandelbar, voll fehler, gebrechlichkeit, wird insgemein von dingen gesagt, die anfangen einzugehen, ihre schönheit und vollkommenheit zu verlieren,
defectu laborans Frisch 2, 421
c; wandelbar,
caduc, défait, détraqué Rondeau; das schlosz ist wandelbar worden,
la serrure s'est défaite; die uhr ist wandelbar,
l'horologe s'est détraquée, ebenda; '
baufällig, besonders von gebäuden, werkzeugen, maschinen' Adelung; wiewohl auch überhaupt alles lebloses geräthe oder gebäude, wenn es durch die länge der zeit, den gebrauch oder zufälle, fehler- und mangelhafftig wird, wandelbar genennet wird Zinke (1753) 3096; wann die (
probirwagen) trahirn oder sonst wandelbar werden Ercker
beschreibung aller mineral. erzt (1580) 36
a; seyn etliche stücke des inventarii bey des verstorbnen pfarrers zeit wandelbar worden, auch etliche gar hinweg kommen Carpzov
jurisprud. ecclesiast. 173; ich dachte, es müste oben an dem kloben (
des aufzugs) etwas wandelbar seyn Weise
pol. näscher 167; wann .. in dem schmelzofen der test (
der aus der asche hergestellte herd, auf dem das silber fein gebrannt wird) wandelbar wird, dadurch das reiche blei und silber in den ofen eingehet und hineinlaufet
codex diplom. Silesiae 21, 273 (1725); dasz es (
das schiff) ... der gestalt an die felsen-ecken geschleudert .. war, dasz diese gantze grosse machine fast gäntzlich wandelbar und unbrauchbar worden Schnabel
Felsenburg (1739) 3, 251; es kann in so langer zeit an dem triebwerke leicht etwas verrostet oder wandelbar geworden ... seyn Nicolai
reise d. Deutschland (1783) 1, 287; versuchs auch nicht den schlüssel zu probiren: der kamm daran ist wandelbar Musäus
moral. kinderklapper 24; der tisch ist recht wandelbar '
schadhaft' Hertel 253.
bildlich: so ists! die todten-uhr wird niemals wandelbar, ihr zeiger irret nicht. Günther
ged. (1735) 676.
von bauwerken und zimmerungen: vitium concipere (
de aedificiis), mangel gewinnen, mangelhaft, schadhaft werden Corvinus
fons latinitatis (1646) 986; wandelbar, schadhaft, baufällig, bei der zimmerung deshalb auszuwechseln Dannenberg
u. Frantz
bergm. wb. 432; ein wandelbares haus, ein wandelbarer tisch, ein wandelbares gerüst Heynatz
antibarbarus 2, 611; zo im denn der schacht wandelbar wirt, kann er nit haben zcuhelfen, zo muosz eyn schacht eingheen Diefenbach-Wülcker 893
aus d. Weimarer archiv (
Freiberg 15.
jh.); dasz das rathhaus hin und wieder wandelbar
ebenda (1658); vor etzlich steinwergk unter den wandelbahren balcken und risz in unserer .. frauen gemach
mitteilungen des ver. f. Rochlitzer gesch. 2, 38 (1612); eine gemahlte wand, oder die mit bildern gezieret, ist wohl am holtze wurmstichig oder wandelbar J. S. Adami
der exemplarische priester (1690) 179;
[] unsre segel waren zerrissen, unser tauwerk in stücken, das schiff ... legte ... der wind ganz schief auf die seite, wodurch ... die cajüten überall wandelbar wurden G. Forster
sämtl. schr. (1843) 1, 115; da lobe ich mir doch die kleinen häuser von klebwerk, wie das meine, die man ohne kosten selbst flickt, wenn sie wandelbar werden v. Thümmel
reise 2 (1791), 119; du scheust den trug des wandelbaren bau's? mich trägt er ja wohl noch, ich geh' allein — Müllner
dram. werke (1828) 3, 203 (
Yngurd 5, 1). C@5@bb)
von pflanzen, thieren und menschen. C@5@b@aα)
im forstwesen werden die absterbenden bäume wandelbar
genannt: alte, gefallene, ungesunde, wandelbahre, krumme, kurtz und strüppige, knorrige bäume (
sind für die köhlerei bestimmt) Schwappach
handbuch der forst- u. jagdgeschichte 1, 367,
anm. 36 (
Gotha 1664); werden die bäume von den leuten sehr zerbrochen, dasz sie hernach theils wandelbar werden Döbel
jägerpractica2 (1754) 3, 19
a; insgemein ist .. zu merken, dasz diejenigen bäume, so geschwinde aufwachsen, auch vor andern wieder zeitlich wandelbar werden, und veralten Stahl
forst- fisch- u. jagd-lex. 1, 225; die stämme vom 4ten umtriebe heiszen hauptbäume. noch ältere heiszen ... ausgewachsene bäume, überständige, wandelbare, anbrüchige, abständige H. Cotta
anweisung zum waldbau 59. C@5@b@bβ)
von thieren und ihren gliedern, mit einem gebrechen, einer krankheit behaftet: ein ochsen oder schaf, das ungewönlich gelied, oder wandelbar gelied hat, magstu von freiem willen opffern, aber angeneme mags nicht sein zum gelübd
3. Mos. 22, 23
vgl. ohne wandel
sp. 1546; wie wandelbar und presthafftig vee da oben syge
Bern in seinen rathsmanualen 1, 329
Haller (1559); dhein wandelbar und kranck veech uff marckt ... ze tryben,
ebenda (1557); so seins auch solche pferde, die man aufessen kan, wenn sie zu alt oder sonst wandelbahr werden und nit arbeiten können Coler
hausbuch 3 (1617), 127;
vgl.wandelbares thier
in anderer bedeutung unten D 1. C@5@b@gγ)
dasselbe von menschen, der schadhafte körpertheil steht mit an: sîn lîp der wol gehandelte wart vil schiere dô geslagen mit dem vil armen siechtagen den man dâ heiʒet miselsuht ... und aber dô man in gesach sô wandelbæren an der hût, dô wart er sînem wîbe trût und allen sînen kunden gar widerzæme funden. K. v. Würzburg
Engelhard 5193; wie das des herzogen tochter von Clebin wandilbar were an eyme beyne, gnant der wolff J. Rothe
dür. chron. 785; Strodtmann 278
führt wandelbar
als '
ungesund'
aus dem älteren nd. an; vgl.: man sagt auch, seine gesundheit wird wandelbar Heynatz
antibarbarus 2, 611.
bildlich: sonst steht sein ganzes glück auf wandelbaren füszen v. Petrasch
lustsp. (1765) 1, 885. C@5@cc)
besonders häufig aber mhd. '
mit einem fehler in sittlicher hinsicht, mit makel, untugenden behaftet, böse, lasterhaft, sündig'
u. dgl., gern substantivirt gebraucht. C@5@c@aα)
es wird zunächst von menschen gesagt: ich wânde daʒ si wære missewende frî: nû sagent si mir ein ander mære, daʒ niht lebendiges âne wandel sî; so ist ouch mîn frowe wandelbære. Walther 59, 22;
es bezeichnet den gegensatz von biderbe, vrum '
tüchtig, wacker', guot: in der werlde ist manec man valsch und wandelbære, der gerne biderbe wære, wan daʒ in sîn herze enlât. Hartm. v. Aue
Iwein 199; sun, merke daʒ diu mâʒe gît vil êren unde werdekeit. die solt du winnen zaller zît, sô wirt dîn lop den werden breit. ist daʒ den wandelbæren leit, waʒ umbe daʒ? der bœsen haʒ die biderben selten ie vermeit.
Winsbeke 31, 5
Haupt; [] daʒ vant man e vil selten, daʒ iender die wandelberen den biderben so liep weren, so si nu sint zu Osterriche.
kleinere mhd. erzählungen 3, 195, 79
Rosenhagen; die ritter zwölff die syent frumm, wie wol der küng ist wandelber. Herm. v. Sachsenheim
mörin 831
Martin; manger schînet gerne gût, wie wandelbêre daʒ her sî. nû enkan man leyder valschen muot nicht sên, die tât ensî dâr bî.
Sachsenspiegel reimvorr. 26
Hildebrand; synonym mit sündig: sit er was so vollenkumen, durch waʒ hat er sich angenumen den touf, alsam er were sundec und wandelbere?
Passional 78, 32
Köpke; nimt er dir mit gewalt und mit unrecht din gut ... so ist er wandelbere und ein sundick roubere.
kleinere mhd. erzählungen 3, 177, 285
Rosenhagen. in rechtlichem sinne '
unehrlich': ein richter sal keinen man urteils fragen ..., an dem er wandel weiʒ, sint geschriben stet: die lude die da wandelbare sint (
viles personae et infames), die en sullen vor dem keiser keine macht han zu sprechen
keyserrecht von 1372
s. 9 (1, 8)
Endemann; hierher wol auch (
und nicht zu '
strafbar'): der unbeflecket man der sal sich entschuldigen mit sim eyde, weʒ man in zihet, da nit gezuge ist. findet man in aber wandelber, also daʒ man eʒ furbringen mag mit warer schulde an andern stucken ... man sal in nit swern laʒʒen
s. 38 (1, 41). '
makelbehaftet an der weiblichen ehre, unkeusch': ir (
der frauen) wort, werk und ir sitten wâren guot. si vermitten mit ganzem vlîʒe alleʒ daʒ, daʒ swach und wandelbære was; si wolten kiusch belîben. Boner
edelstein 58, 16
Pfeiffer; jennich knecht ..., de eine fruwe hadde, de berüchtet und wandelbar, effte he sulven, de enwere unses amptes nicht werdich
Lübecker zunftrollen 195
Wehrmann; underscheid twischen eerlicken unde unerlicken wandelbaren frouwen
Hamburger rechtsalt. 151, 28
Lappenberg; wandelbare (auch beruchte, gemeene) froen hieszen vor alters in Hamburg die huren Schütze 2, 336.
das, worin jemand fehlbar ist, steht im folgenden im genitiv: swelcheʒ (
kint) alsô wehst an sîne kraft entwer, eʒ wirt tobehaft, des guotes ein vertuoære, oder manger frumkeit wandelbære. Konrad v. Haslau
der jüngling 1111 (
zeitschr. f. d. alt. 8, 582);
es kann auch durch einen dasz-
satz ausgedrückt werden: diu wart ze bâbst dâ erwelt, wan man sie hêt für einen helt, der got rehter wære, doch was si wandelbære, daʒ si was wîp und wolt sîn man. Jansen Enikel
weltchronik 22302
Strauch. C@5@c@bβ) wandelbar
kann dann weiter vom leben, der gesinnung, dem thun, dem ruf des menschen gesagt werden: die uns guot bilde solten geben, der velschent vil ir selber leben ... swes leben ist wandelbære, des lêre ist lîhte unmære. Freidank 69, 25; daʒ er sie lieʒe büeʒen, ob sie iht hete missetân: daʒ stüende im redelîchen an; ditz (
sie zu töten) wære im wandelbære. H. v.
d. Türlin
Crone 11174; ... sie ist wandels eine. vor allen wandilbêren sachin mac sie vrôlîchen lachin, vor wandilbêren tucken. sie nicht darf den sleiger rucken vor aller wandilbêren nôt, sie nummer darf werdin rôt vor aller wandilbêren tât.
daʒ brechen leit 105
f. (Bartsch
md. ged. s. 76);
[] 'ichn wolte dich niht hân geslagen. ich versuohte dich dâ mite, daʒ ich gesæhe dîne site'. der ander sprach 'gevater mîn, diu rede mak wol wâr sî
n. swie guot dîn wille wære, der slak was wandelbære'. Stricker
kl. ged. 6, 62; wer hieʒ iuch werden alsô balt, daʒ unser zweiger êre wirt von iu gar ze sêre geswachet an uns beiden? war umbe welt ir mînen prîs hie machen wandelbære? K. v. Würzburg
troj. krieg 21525;
in religiösem sinn '
sündig': daʒ des heiligen geistes tûbe ein reineʒ herze ouch gerne klûbe. nie vogel wart sô edele, fund er gein einer medele (
kleine münze) daʒ an dem herzen wære sûr von haʒʒe, fûl von swære oder von nîde schimelvar, sô nimt er sîn deheine war; wand swaʒ ist wandelbære, daʒ ist im unmære. Lamprecht v. Regensburg
tochter Syon 2472
Weinhold; dir ist kunt ... wie min stiuftochter Maria ... erzogen bij dem tempel ward und wie ir kindheit ward beward von wandelbäran sachen. Mone
schausp. des mittelalters 1, 152 (
kindheit Jesu 271); daʒ wir uns in dirre werlde also gewaschen und gereinigen, daʒ er an uns niht wandelberes vinde, swenne unser seele von unserm lichname scheidet Schönbach
altd. predigten 1, 94, 11.
etwas ist wandelbar
an einer person oder sache: ich pruofte her und pruofte hin, ine kunde erspehen nie daʒ wære an dem orden wandelbære. Lamprecht v. Regensburg
Francisk 1767
Weinhold; der chünig swur ..., er wolt sich alles des massen, waʒ an im vormalen wandelwer ist gewesen
österr. chronik von den 95
herrschaften 143, 4
Seemüller. C@5@dd)
unrichtig, falsch, fehlerhaft, von gedanken und thaten; ein tumber wân den ich zer welte hân, derst wandelbære, wand er bœseʒ ende gît. Walther 123, 1; der ander sprach: 'so were min wisheit wandelbere, ob mich daʒ deuchte billich daʒ si alle teten alsam ich'.
kleinere mhd. erzählungen 3, 175, 136
Rosenhagen; got hêrre, wunderære, ist iht des wandelbære, dest'ie begienge oder begâst, und deste an uns geschaffen hâst, sô ist hie zwâre wandel an, daʒ dirre hêrlîche man ... von rîche ze rîche sîne nôtdürfte suochen sol. G. v. Straszburg
Tristan 10014. DD.
bedeutungen, die an wandel '
rückgängigmachung, busze, strafe'
und die entsprechenden von wandeln
anknüpfen. D@11)
der bedeutung '
rückgängigmachung'
entspricht bei wandelbar
die bedeutung '
rückgängigmachung bewirkend oder erleidend',
der entsprechenden des verbs '
zurückzunehmen'
; sie ist wol nur zufällig erst in neuerer zeit belegt: (
Zeus spricht) denn nie ist wandelbar (
παλινάγρετον), oder betrüglich, noch unvollendet das wort, das mit winkendem haupt ich gewähret. Voss
Ilias 1, 525;
ein wandelbares thier
ist ein vom verkäufer zurückzunehmendes (
wobei als nebensinn '
fehlerhaft'
mit hineinspielt): die aufhebung des handels, die wandelung, redhibition, ist rücksichlich der hausthiere am einfachsten .. sind mehrere thiere zu einem preise verkauft, so musz bei der fehlerhaftigkeit eines einzelnen stückes der verkäufer alle zurücknehmen ... ist das wandelbare thier nach seiner übergabe an den käufer beschädigt worden, oder gar krepirt ..., so musz der käufer nachweisen, dasz ... A. C. Gerlach
handb. d. gerichtl. thierheilkunde2 45 (
vgl.wandeln D 1,
b).
[] D@22) wandel
in der bedeutung '
gerichtliche busze'
entspricht wandelbar '
strafbar',
das bis ins 16.
jahrh. nachzuweisen ist. D@2@aa)
in beziehung auf den übelthäter ist es nur selten belegt (
vgl. auch oben C 5,
c, α,
keyserrecht 1, 41); man sol sie billîch schrîben, daʒ sie ze buoʒe blîben von Haslou meister Kuonrât, der in diesem lande bat den wandelbæren jüngelinc niur umb einen phenninc. S. Helbling 2, 445. D@2@bb)
die übelthat wird als wandelbar '
busze, besonders geldbusze erfordernd'
bezeichnet: wan der und die sinen, dem der schade gescheen îst, sullen eʒ vordern mit des keisers rechte, daʒ ist mit gerichte. sint geschriben stet: was wandelbar ist, daʒ sal der keiser richten
keyserrecht s. 233 (4, 10)
Endemann; (
der richter und die geschworenen sollen) sich da mit einander unterreden ..., was wandelbar sei
österr. weisth. 5, 213, 7 (
burggrafenamt); sol ieder dorfvogt sein nachgepaurn hinaus nemen und sol vorschen, ob ieman ichtz wandelbers wiʒʒe 3, 210, 29 (
Oberinnthal 15.
jh.);
allgemeiner '
strafbar': ob er (
Christus) nüt sprechen oder reden wolte, daʒ wandelber were und wider die e, daʒ sü es den juden sageten
elsässische predigten, Alemannia 2, 23; diu wârheit sprach, eʒ wære drîstunt wandelbære an lîb, an sêl, an muote. S. Helbling 2, 614. D@2@cc) wandelbar
heiszt dann auch ein gegenstand, dessen schlechte beschaffenheit geldbusze nach sich zieht: dieselben sollent dann uff ir aide die mülina besenhen, ob die mit zargen und anderm so dann darzu gehoret, recht versorget und gehalten werden, und was sie da wandelbarer dinge funden und sähen, das sollent si an ir herren ... bringen
Haigerloher statutarrecht v. 1457
in mittheil. des hist. ver. in Hohenzollern 1872/73, 56;
besonders bei waren (
mit dem nebensinn des fehlerhaften, s. oben C 5): swer under inen deheynen unrechten oder verbotten kouf, eʒ si an krute oder an obzse oder an hnrren, veil hêt oder an andren dingen diu wandelbere sint, der sol geben drie schillinge
urkundenbuch der stadt Basel 1, 315, 43 (
zwischen 1264
u. 1269); welch meister wandelbar tuch macht, der sal geben das wandel den vier meistern Knauth
Altzellische chronik 8, 71 (1376); welcher wandelbar schu macht ..., der sal dem handwerge zwene pfenng zu wandel geben 8, 189 (1483); es sullen ouch die zwene zechmeister ... umbgen under dy kromen uff dem margkte und sullen die messer beschauen, und was wandelbar ist, das sullen sy nemen
urkundenbuch v. Freiberg 3, 163, 13 (
ca. 1440); die marckmaister ... sollen soliche vischswerge oder gut, ob es kaufmans gut oder tuchtig sei, schatzen, wurde das wandelbar befunden, sollen sie macht haben mit wissen der rethe dasselbige zu vorsetzen
stadtrecht von Arnstadt (1543)
bei Michelsen
rechtsdenkm. aus Thüringen 56.
die bedeutung '
straffällig'
ist auch im mnd. ausgebildet Schiller-Lübben 5, 587.