wandelbarkeit,
f. ,
die eigenschaft oder fähigkeit, wandelbar zu sein; mhd. (
wo die abstractbildung zunächst von wandelbærec
ausgeht)
noch selten belegt. 11)
wandereifer (
vgl.wandelbar B 1 a),
wortspielend mit der bedeutung '
unbeständigkeit' (
s. u. 4): als hartnäckige, ans weiterkommen denkende reisende, deren erste tugend die wandelbarkeit ist, widerstanden wir den dringenden einladungen des edlen vetters S. Bronner
kennst du das land? 68. 22)
die eigenschaft, zeitlich vor- oder zurückzuschreiten (
vgl.wandelbar B 1 e): die wandelbarkeit des ostertermins A. Jeremias
Leipz. neueste nachrichten 27. 3. 1910. 33)
im folgenden ist vielleicht wandelbarkeit
als '
fähigkeit, etwas zu verwandeln',
aufzufassen (
eine stütze dafür bietet wandelbar (
s. d. C 1)
in der bedeutung '
fähig zu verwandeln'
bei Herder 20, 195): die helleste syntesis, ein unwandelbares eins zu constituiren, ist das geschäft des sinnes, dem wir die gröszte wandelbarkeit zuschreiben, und seines mediums, des lichts Herder 22, 58
Suphan. 44)
veränderlichkeit, wechsel (
s.wandelbar C):
varietas, wandelbercheit Diefenbach
gl. 607
a;
vicissitudo, wandelbarkeit 618
a;
mutabilitas Steinbach 2, 126. Frisch 2, 422
a;
inconstance, mutabilité, caducité Rondeau; unabhängig von der wandelbarkeit spricht sein (
des schriftstellers) buchstabe in allen zeitaltern an alle menschen Fichte
wesen des gelehrten (1806) 211. 4@aa)
veränderlichkeit der form: in dem sinne der tiefsten betrachtung, die sich durch proteische wandelbarkeit der formen ... nicht einen moment irre machen läszt Göthe
naturwiss. schriften 8, 224, 15
Weim. ausg.; bey aller wandelbarkeit der physiognomie zusammengesetzter crystalle, je nachdem diese oder jene gestalt in der combination vorherrscht, bleibt doch die gegenseitige lage der flächen der crystalle beständig eine und dieselbe Oken
allg. naturgesch. (1839) 1, 72; die cometen ... bieten auch eine veränderlichkeit der gestaltung, eine wandelbarkeit der umrisse dar, welche bei einigen individuen ... schon in wenigen stunden bemerkbar geworden ist A. v. Humboldt
kosmos 3, 557; sie (
die kirche) bedarf es, an die wechselnden bedürfnisse der geister, die wandelbarkeit ihrer eigenen formen erinnert zu werden Ranke 1, 4. 4@bb)
unbeständigkeit des geschicks, des glücks: wandelbarkeit des glücks,
fickleness of fortune Ludwig 2278; so vindit man ouch keinen gebuer in desir werlde zu rechte, her si komen mit siner natuer von eime koniclichin geslechte. dit hat der lude wandilberkeid (
das veränderliche geschick der menschen) in den gezitin also vormengit, di abe und zu darmede treid und glucke und unglucke brengit.
der ritter spiegel 513 (Bartsch
md. ged. 112); solcher wandelbarkeit (
des glücks) ursach ligt mehrmahls in der geheimen cantzeley göttlicher fürsehung verborgen Butschky
Pathmos (1677) 23; sie (
das apokalyptische sonnenweib) hat den mond der vernunft, und die wandelbarkeit ihrer schicksale unter den füszen J. Stilling 3, 524; mehr der wandelbarkeit der geschicke als dem gegenwärtigen erfolg nachsinnend empfing der consul den vornehmsten gefangenen Mommsen
röm. gesch.2 1, 747; ein erhabenes gefühl von der wandelbarkeit alles glückes erfüllt seine seele Scherer
litteraturgeschichte7 73.
auch mehr '
vergänglichkeit, hinfälligkeit' (
vgl.wandelbar C 2
b): bei einem worte des geistlichen von der wandelbarkeit des irdischen A. v. Arnim
werke (1853
ff.) 3, 381; so glücklich er ist, einer welt voll ... wandelbarkeit ... entgangen zu sein J. v. Müller
werke (1810
f.) 17, 16. 4@cc)
veränderlichkeit des gefühls, des urtheils, einer idee: mir ist denne, wie ich habe úbergangen stat und zit, und stande in dem vorhove ewiger selikeit. ach herr, wer git mir, daʒ es núwan lang werti! wan geswind in eime ougenblike wirt es verzucket, und bin denn bloʒ und gelaʒen ... ach herr, wirt dú wandelbarkeit út ab geleit an keinem menschen in zit? Heinrich Seuse 234, 17
Bihlmeyer; wer ermiszt die wandelbarkeit der herzen derer, die da wandeln unter dem mondschein! E. Th. A. Hoffmann 1, 46
Grisebach; die verschiedenheit und wandelbarkeit des urtheils G. Keller
nachgel. schriften 211; ihm fehlte der historische sinn, der die wandelbarkeit der sittlichen ideale der menschheit bescheiden erkennt Treitschke
d. gesch. 4, 473; die wandelbarkeit moralischer anschauungen Fontane
ges. werke I 4, 390;
auch '
haltlosigkeit, hinfälligkeit': was die wandelbarkeit und schwäche der gründe dieser kunst betrifft Bode
Montaigne 4, 545.
von der mode: es geht die mode hin und her, und der kaufmann musz von ihrer wandelbarkeit gewinn ziehn Tieck (1828) 3, 29 (
Fortunat I 1, 2). Campe
verdeutschungswb. 605
b empfiehlt wandelbarkeit
für versalität '
die fähigkeit und fertigkeit, schnell und leicht aus einer lage, form, handlungs-, meinungs- und gesinnungsart in eine andere überzugehen'. 4@dd)
veränderlichkeit der sprache: es ist gut, dasz der gemeine mann seine sprache behalte, damit ein stehender fond bleibe, der die zu grosze wandelbarkeit lebender sprachen aufstütze
schlesw. litteraturbriefe 284, 12
neudr.; ich lese so eben ew. wohlgeboren vorrede zu der serbischen grammatik wieder und bewundere die mögliche klarheit die sie ... über die wandelbarkeit der sprache verbreitet Göthe
briefe 38, 234 (
an J. Grimm)
Weim. ausg.; grammatisch: so viel über diese wandelbarkeit der diphthonge und ihr gesetz J. Grimm
kl. schr. 3, 105; manche (
substantivirte adjectiva) ... verraten nur noch durch die wandelbarkeit der flexion ihren ursprung Wilmanns
d. gramm. 2, 395. 4@ee)
unbestimmtheit eines sprachlichen ausdrucks (
vgl.wandelbar C 2, d,
ζ): daher die gestalt der ältesten poesie in ihrem reichthum an bildern und tönen, in ihrer naturpracht und naturschönheit; aber auch in ihrer wandelbarkeit, ihrer ungewiszheit, ihren fehlern und mängeln Herder 18, 87
Suphan; an der wandelbarkeit des worts läszt sich die wandelbarkeit der begriffe erkennen Göthe 42, II, 239
Weim. ausg.; doch läszt sich bei der wandelbarkeit der baumnamen nicht feststellen, welche koniferenart der name im indogermanischen bedeute Hoops
waldbäume u. kulturpfl. 121, 51. 55)
eigenschaft oder fähigkeit, sich zu verwandeln (
vgl.wandelbar C 3): in wie weit die wandelbarkeit des theaters (
im gegensatz zur einheit des orts) der täuschung vortheilhaft oder nachtheilig seyn könnte Lenz 2, 337
Tieck; im glauben an die wandelbarkeit der menschlichen seele fuszt ferner der ... werwolf Mogk
german. mythologie 34. 66)
fähigkeit, vertauscht zu werden, veräuszerlichkeit (
vgl.wandelbar C 4): die leichtigkeit des wechsels des besitzes, die veräuszerlichkeit und wandelbarkeit aller grundstücke und die erlaubnisz mit ihnen zu schalten und zu walten, wie jedem gefällt Arndt
erinnerungen3 307. 77)
fehlerhaftigkeit (
mit dem nebenbegriff: die geldstrafe nach sich zieht, vgl. wandelbar C 5
u. D 2): das keyner keyn tuch sal machen, do keyne wandilberkeyt an sy
codex diplom. Silesiae 8, 16 (1325).