verzehren,
vb. ,
vernichten, zerstören, aufbrauchen, verspeisen; lat. consumere. herkunft und form. ahd. farzëran,
as. farterian (
prät. farteride
Heliand 4363; 4373
Behaghel);
afries. urtera;
niederfränk. ferterron (
s. u. I 1);
mhd. verzern;
mnd. vorteren;
mnl. verteren Verwijs-Verdam 9, 124; 128
ff.; nnl. verteren;
dän. fortære;
schwed. förtära.
das ahd. kennt nur starke verbalformen (
s. u. I 1
u. 3).
sie fehlen dem mhd. bis auf ein vereinzeltes zerzorn (zezorn)
bei U. Boner (14.
jh.),
s.zerzehren teil 15,
sp. 804.
zum frühnhd. vgl. die formen bei Diefenbach
gl. s. v. absumere 6
a,
adglutire 12
b,
consumere 145
c,
dissipare 187
a,
incommodare 292
b;
nov. gl. s. v. consumere 110
b,
dissipare 138
b; vertzern
consumere, comedere voc. theut. (1482) kk 3
a; verzeren
consumere, absumere, impensare voc. inc. teut. (1485) ii 7
a.
geminiertes r,
entstanden durch assimilation, begegnet im alem., dazu vgl. Weinhold alem. gramm. (1863) 167;
zur gemination des r
im niederfränk. ferterron,
vgl. altostniederfränk. psalmenfragm. 141
van Helten. in vorzerren (: herren)
braunschweig. reimchron. 2933
liegt angleichung des schriftbildes im reime vor. —
im alem. tritt der stammvokal im präteritum durch unmittelbar darauffolgendes r (
s. Weinhold
mhd. gramm. [
21883] 42; 49)
bis in die frühnhd. zeit hinein häufig als a
auf (
belege s. u.).
anlehnung an das formal und semantisch nahestehende verzerren (
s. dort)
mag dabei mitgewirkt haben, vgl. unten zehren
teil 15,
sp. 467. —
alem. denkmäler zeigen häufig gerundete form (verzöhrt, verzöhren,
s. u.).
schon seit frühester zeit ist, begünstigt durch das unmittelbar nachfolgende r,
der stammvokal zunächst obd. (
besonders bair.),
später auch md., zuweilen zu i, ie
übergegangen, so noch heute verstreut in den maa., vgl. hierzu V. Moser in:
PBB 41 (1916) 437
und K. Luick
ebda 11 (1886) 500.
zu verzeirt (
Köln 1277)
städtechron. 12, 44
vgl. V. Moser
frühnhd. gramm. 1, 1, 20; Weinhold
mhd. gramm. (
21883) 47; 95,
zu vorzehirt
bei K. Stolle
thüring. chron. 94
vgl. Weinhold
mhd. gramm. (
21883) 246;
V. Moser
frühnhd. gramm. 1, 1, 115.
graphische bezeichnung des gedehnten stammvokals (verzeert, verzehret)
tritt seit der ersten hälfte des 16.
jhs. auf. formen ohne dehnungszeichen sind noch bis ins 17.
jh. hinein nachweisbar. in den obd. maa. ist verzehren
regelmäszig verzeichnet. weniger häufig in den mitteldeutschen. auf nd. boden scheint es dem osten zu fehlen. bedeutung und gebrauch. ahd. fer-, firzeran '
zerteilen, zerreiszen',
bei Otfrid IV 29, 18
als firzari (
vom ungeteilten rock Christi),
bei Notker 1, 400 P.
als ferzoren (
von der geteilten linie)
zeigt einen alten bis ins gemeingerm. reichenden bedeutungskern, vgl. got. gatairan,
ae. teran '
zerreiszen'.
die übrigen ahd. belege bringen das wort nur in dem allgemeineren sinne '
vernichten, zerstören, beseitigen'
ohne jene konkret-sinnliche anschauung (
s. u. I).
mit beginn der mhd. zeit setzt daneben die bedeutung '
allmählich verbrauchen, aufbrauchen, verspeisen, aufzehren (
lat. consumere)'
ein, gewinnt bald breitesten raum und bleibt bis in die gegenwart die gebräuchlichste (
s. u. II).
vermutungen über eine mögliche verbindung von (ver)zehren
als '
verspeisen'
zu jener älteren bedeutungsstufe, wie sie oben in zehren,
teil 15,
sp. 467
geäuszert sind, finden in den belegen keine stütze und haben nur geringe wahrscheinlichkeit für sich, weil die bedeutung '
edere'
einer jüngeren entwicklungsstufe angehört. — verzehren '
verspeisen'
gestattet auch einen transitiven gebrauch mit persönlichem objekt im sinne von '
jemanden beköstigen, freihalten' (
s. u. III). verzehren
ist auf dem gesamten sprachgebiete verbreitet und auch mundartl. gut bezeugt (
s. o.).
im jüngeren nhd. beschränkt sich der gebrauch mehr und mehr auf die gehobene sprache. II.
vernichten, durch einen einzelakt zerstören; lat. perdere, evertere, vastare. diese bedeutung, von der das ahd. und mhd. anwendungen in verschiedenen bereichen kennt, reicht in spuren bis ins 18.
jh. I@11)
von personen, bes. menschengruppen und völkern im sinne von '
hinwegraffen, zerschmettern, niederschlagen'
; interfieri pro consumi et interire ... verzehrt werden Calepinus
undec. ling. (1598) 751
a: ferterron salt
perdes (Luther
ps. 143, 2: bringe umb); ferteri thu
perdas (
ps. 28, 3)
altostniederfränk. psalmenfragm. 67
b v. Helten; uuanda ecco, thia firrodon sig fan thi, farfaran sulun (
peribunt); thu farteridos alla thia scethint aua thi
ebda 53
b (
perdidisti, Luther
ps. 73, 28: du bringest umb); sô samo sô thiu flôd dedaan furndagun the thar mid lagustrômunliudi farteride bi Nôeas tîdiun
Heliand 4363
Behaghel; that ôdar al brinnandi fiur ia land ia liudilogna farteride (
pluit ignem et sulphur de caelo et omnes perdidit)
ebda 4373; sid du synagogam ferzorn eigist, state sanctam ecclesiam Notker 2, 331
P. mhd. von der vernichtung des gegners im kampfe: hey! wie er mit slegen sich werte und die rotte gar verzerte Ulrich v. Türheim
Rennewart 29 864
Hübner; her (
kaiser Friedrich) wolte se (
die Mailänder) gar vorzerren. se hatten ouch sinen herren unlanghes abgeslagen dhen sige
braunschweig. reimchron. 2933
Weiland; drey chunig ... ... wolten in gar verczernn. daz wolt sand Oswalt wernn und rait gen in durch streit
märterbuch 15 180
Gierach. häufig in der sprache der bibel: scheidet euch von dieser gemeine, das ich si bald verzehre (1523—28) Luther 4.
Mos. 16, 21 (
in späteren ausgaben: plötzlich vertilge;
repente disperdam; ἐξαναλώσω αὐτούς).
jedoch gründet sich die häufige verwendung in der bibel vornehmlich auf metaphorischen gebrauch, der schon in der vorlage begegnet und so den allgemeinsprachlichen charakter zeigt: Assur sol fallen ... und sol verzeret werden, nicht durch menschen schwert Luther
Jes. 31, 8 (
vorabit eum; καταφάγεται αὐτόν); wer durchs gesetz und eigen werk fur gott gerecht werden will, der beiszet sich mit den andern und wird sammt ihnen verzehret (
invicem mordere et comsumi) Luther
tischr. 5, 424
W. (
in anlehnung an Gal. 5, 15: so jr euch aber vnternander beisset vnd fresset, so sehet zu, das jr nicht vnternander verzeret werdet.
hierhin auch: rotten, (
welche sich) beissen vnnd fressen, bisz so lang sie entlich allzuomal darüber auffgehen vnnd verzört werden Joh. Nas
d. dritte hundert (o. j.) 158
a; drumb sie (
die kinder Aarons) plötzlich und schrecklich uber iren verbotnen gottesdiensten verzert (
d. i. vom feuer) unnd umbbracht wurden J. Mathesius
ausgew. w. 3, 108
L.; verzöhr die, welche dich (
gott) nicht ehren, kennen, suchen (
zu Jerem. 10, 25) Weckherlin
ged. 1, 418
Fischer; bis endlich das schwert diese blum (
den hl. Georg) verzehrt und ihr die blüh abg'schnitten Abr. a
s. Clara
s. w. 1, 49
Strigl; zum letzteren vgl. die der bibel geläufige vorstellung vom fressenden schwert 2. Sam. 2, 26; 11, 25;
Jes. 1, 20;
Jer. 2, 30;
so auch bei Göthe: (
du, geleiterin zum Orcus) hast mit deinem verzehrenden schwerte abgeweihet ihre haare I 38, 30
W. zum folgenden vgl. die metapher vom feuer des göttlichen zornes Jes. 30, 27;
Jer. 17, 4;
Hes. 22, 21;
Neh. 1, 6
und von gott als dem verzehrenden
feuer 2. Mos. 24, 17;
5. Mos. 4, 24; 9, 3;
2. Sam. 22, 9;
Joel 12, 3;
Hebr. 12, 29: der herr ist gott, licht ist sein kleid. er schilt: des himmels säulen zittern, sein zorn verzehrt, sein blitz gebeut Hagedorn
poet. w. (1769) 1, 7.
in freierer form an die bibel angelehnt: der (
satan) hatt abgenommen, der oblag. der betrieger ist verzert, vnd seynd abgehawen alle die gewachet haben (mit jren bösen anschlägen) auff vngerechtigkeit (1525)
reform.-flugschr. 1, 125
Clemen; Moses unnd auch Elias klar, die redten mit dem Herren von seinem ausgang ampt vnd ehr, wie er damit den Sathan sehr würd dempffen vnd verzehren B. Ringwaldt
evangelia (1581) 1
b; mancher sucht der welt lust, der ander schlägts aussen, und werden doch alle beyde verzehrt Lehmann
floril. polit. (1662) 1, 514; dasz ihn (
David) deshalben gott gezüchtigt mit der pestilenzischen seuch, wodurch in drei tagen ... in die siebenzigtausend männer verzehrt worden Abr. a
s. Clara
s. w. 2, 206
Strigl. I@22)
bei sachlichen begriffen, zunächst von bebautem und bewohntem land im sinne von '
verwüsten, verheeren'
; mhd. und nachwirkend bis ins 17.
jh. in der formel verheeren und verzehren: dô die Sameiten hatten gehert der Kuren lant und ouch verzert allez daz sie vunden
livländ. reimchron. 4788
Meyer; darnach zog er in Wayken, da ward alles verheeret und verzehret Schütz
hist. rer. Pruss. (1592) 84
a; blitz, donner, hagel ... sollen ... Teutschland noch zu grunde unnd trümmern schlagen, ja gäntzlich verheeren und verzehren Rist
d. friedejauchz. Teutschl. (1653) 56.
diese formel begegnet vor allem in der deutschordensliteratur und greift dort gelegentlich auch weiter: wanne die Kûren sint verhert und von uns gar verzert
livländ. reimchron. 4116
Meyer. sogar mit persönlichem einzelobjekt: in Iob ich daz nemen mag, wo ist der blosze mensch verhert und so endelich verczert? Tilo v. Kulm
siben ingesigel v. 5898
Köchend. der freie gebrauch auszerhalb dieser formel ist jedoch gesichert durch eine glossierung wie: vastare verzeren (
ende 15.
jhs.) Diefenbach
gloss. 607
c,
ferner durch literarische belege: felder vnnd garten der armen underthonen werden zertretten, verzehrt vnnd ... zerstört Albertinus
zeitkürtzer (1603) 23; oder meinstu (
grausames Frankreich), es müste alles verzehret und darnieder geschlagen seyn, was du mit deinen armen nicht begreiffen kanst Chr. Weise
polit. redner (1677) 15; da das stolze Gallien, das so manches land verzehret, in zehn stunden mehr erfähret als kaum hundert jahr geschehn B. Neukirch
ged. (1744) 9; wie ein hagelsturm verzehrt er die länder J. A. Cramer
s. ged. (1781) 3, 74.
auch an dieser stelle musz mit biblischem einflusz gerechnet werden: fremde verzehren seine (
des bauern) äcker vor seinen augen, sein leib ist eine schwiele, sein schweisz ist das salz auf dem tische des zwingherrn Büchner
nachgel. schr. (1850) 295 (
zu Jes. 1, 7: frembde verzeren ewer ecker fur ewren augen, vnd ist wüste, als das, so durch frembde verheeret ist). I@33)
die verbindung mit abstrakten begriffen ist im ahd. bei Notker
reich bezeugt: habest al intsezzet unde ferzorn (
evertisti) dînes scalches testamentum 2, 374
P.; sîn (
des Mercurius) uirga heizet latine caduceus, uuanda si getûot lites cadere, taz ist tiu rihti des kechoses, mit tero der strît ferzorn uuirt 1, 701;
ebenso: den strit ... uerzeren 1, 65; do uuolton sie ouh ten geuualt (
der tyrannei) ferzeren 1, 103; starche fîentskefte fone dien ubelên, dîe nioman uerzeren nemachta 1, 25;
vgl. auch 3, 154; 1, 570.
im mhd. verschwimmen die grenzen zu verzehren
im sinne von consumere (
s. unten II): iwer freude es wirt verzert noch von sîner hende Wolfram v. Eschenbach
Parzival 154, 4
L.; swar sô du nu der lande verst, mîn lop du gânde mir verzerst
Eckenliet 35, 5
Zupitza (
heldenbuch 5); sie slûgen manchen rischen man, die sich wol mochten hân gewert, wêr ir gelucke nicht verzert
livländ. reimchron. 1468
Meyer; mein laid hast du gar schier verzert mit ainem wort ... magst du mich machen frädenreich
liederbuch d. Hätzlerin 61
Haltaus. auch bei den späteren belegen musz mit dem einflusz von verzehren '
consumere'
gerechnet werden: das es (
Deutschland) sein leib und leben unnd dartzuo guot unnd ere schändtlich (
durch das laster der trunkenheit) verzöret und durchausz eytel sewleben füret Luther 47, 761
W.; den gemeinen man ... underrichten in dem willen gots, sin laster mit kunst verzeren (1563)
bei Schade
satiren 3, 22; wenn nun der artzt umsonst hat fleisz und zeit verschwendet, und was nicht helffen kan, bey krancken auffgewendet, schlägt er, damit kein schimpff sein altes lob verzehrt, so fremde kräuter vor ... Gryphius
trauersp. 295
Palm; so ward ... durch dessen tod sein glück ... verzehrt Gervinus
dt. dicht. (1853) 3, 491. IIII.
seit dem 12.
jh. tritt neben verzehren '
vernichten, zerstören' (
perdere, evertere)
mit stetig wachsender differenzierung die heutige bedeutung '
in langsamem fortschreiten verbrauchen, aufbrauchen, verausgaben; verspeisen; auszehren, entkräften' (
consumere).
eine erste spur dieser entwicklung mag man in der glosse: atritus ferzoran, ferthroscha
n (9.
jh.)
ahd. gl. 4, 2, 22
St.-S. sehen. der akzent liegt bei dieser gruppe zunächst auf dem kontinuierlichen vorgang. aus dem sinngehalt der vorsilbe ver-
kann sich jedoch sekundär der begriff des völligen aufzehrens, auflösens, auslöschens, also eine annäherung an die bedeutungsgruppe I
ergeben, vgl. dazu ver- III 4 '
fort, bis zum ende (
volle durchführung)'
und ver- III 7 '
steigerung des grundbegriffes mit der nebenbedeutung des aufbrauchens',
teil 12, 1,
sp. 54; 55;
s. ferner oben unter I
die belege bei 1
und 3. II@AA.
etwas (
einen wert oder allgemein einen besitz)
für einen bestimmten zweck einsetzen, in einer bestimmten absicht verwenden, verbrauchen, opfern, hingeben; insumere verczeren (
md. 15.
jh.) Diefenbach
gl. 302
b;
impensare verzeren (
o. j.)
ebda 288
b;
expendere verczeren (1420)
ebda; expensus virzert (
md. 15.
jh.); verzert (1512)
ebda. im vordergrund steht hier nicht das aufzehren des gegenstandes oder wertes, sondern seine zweckbestimmte anwendung. II@A@11)
besonders deutlich und bis in die gegenwart gebräuchlich von geld und geldeswert, auch allgemein von gut und habe, überhaupt von materiellen werten: dâ (
für das fest) menich dûsont marke wert vertert wart ende gegeven Heinrich v. Veldeke
Eneide v. 13233
Behaghel; vnd (
der barmh. Sam.) sprach (
zu dem '
herberger') hab sein (
des überfallenen) ruoch, vnd waz dings du dorúber (
über die '
zwen pfennig') verzerst (
supererogaveris), so ich widerker, ich vergilt dirs
erste dt. bibel 1, 253
lit. ver. (Luther: vnd so du was mehr wirst darthun
Luc. 10, 35); ein weip ... hett verzert (
erogaverat) alles ir guot (
für die ärzte) vnd es nutzt ir nit, wann sy hett mer das vbel
erste dt. bibel 1, 138 (Luther: verzeret
Marc. 5, 26); der tot soll sich mit daz sein begraben und sol selgerait und was durch seiner sel willen verzert würd (
mit seinem hinterlassenen besitz) usrichten
österr. weist. 4, 353; (
er) kam davon, wie doch ym vaste noch gestelt und vil gutz nach (
auf seine verfolgung) verzert wurde (1488)
städtechron. 3, 295 (
Nürnberg); auch klagen alle kloster leüt das guot ... werde so vbel vnd vndanckbarlich verzert, das sie offt selbs sagen, got kan vnss nit solichs lang vertragen Eberlin v. Günzburg
s. schr. 1, 93
ndr.; dass Antoninus ... auch seinen eignen hauszraht vnd kleinot versetzt, daran (
an diesen krieg) gewendt vnd verzeert hat Stumpf
Schweizer chron. (1606) 62
a. II@A@22)
ohne ausdrückliche zweckangabe: von Zili graf, Winden und Rszen, von Teutschen und von Lamparten grosz gut uf dem conzili verzarten
hist. volksl. 1, 243
Liliencron; darnach rait der herzog und dri purger mit im zuo dem kaiser; die verzarten 1400 guldin und schuoffen nit vil (14.
jh.)
städtechron. 4, 28 (
Augsburg); und also von mangel umbgeben, zuo uskomen und uffenthalt verkofftend und verzartend die (kloster-)
brüder onzalbarliche klainett des gotzhuses Oheim
chron. v. Reichenau 119
lit. ver.; vnd uff ore gelobte vnd schriffte on gehorsam zu sine, ... were er dahin gezogen, sin gut vnd habe vorzehirt vnd sinen groszen schaden gethan Stolle
thür. chron. 94
lit. ver.; vnd mssest er nach seufftzen, wenn du dein leib vnd gut verzeret hast
sprüche Salomo 5, 11; vnnd hie sind nicht hundert gulden, die bald verzeret sind, sonder der leyb und das bluot Christi Jesu, dadurch wir erlOeset sind (1544) Veit Dietrich
bei Luther 52, 211
W.; wie er (
Boleslaus zu Brieg) aber alles, was er hatte, vberflssig weg schenckte, verzehrte ... ist in kurtzer zeit, das grosse gut, so jm der vater gesamlet, auffgangen vnd zerrunnen Rätel
Curaei chron. (1607) 94; das volk kan freundlich thun, so lang' es wird beschenkt, ist dan dein gut verzehrt, so wnscht es dich erhenkt J. Grob
dicht. versuchgabe (1678) 32; recipe einen reichen capitalisten und einen jungen galan, den reichen, dasz er wacker spendire, und den jungen, damit die frau es mit ihm verzehre
ollapatr. 84
Wiener ndr.; war die summe verzehrt, so wurden die besten kleidungsstücke versetzt Steffens
was ich erlebte (1840) 2, 118.
häufig sprichwörtlich: bisweilen einer mehrer verzöhrt als eingenomen
österr. weist. 4, 255.
in diesem sinne: Eyering
proverb. (1601) 1, 69; Schellhorn
sprichw. (1797) 142.
auch in der ma., vor allem nd., s. Schütze
Holstein 307; Bauer-Collitz
Waldeck 94; Woeste-
N. westfäl. 296
b;
auch bei Fischer
schwäb. 2, 1426;
luxemb. ma. 469
a. II@A@33)
häufig von der kleidung oder von kleidungsstücken im sinne von '
verkaufen, versetzen': seit ich in (
Christi rock) nu hab gewunen, so wil ich in schawen gegen der sunen, wie teur ich im müg werden an; wan ich in wol verzeren kan
passionssp. aus Tirol 137
Wackernell; etlich sagen, sie sind siech gelegen und haben yhre kleider verzert
bei Luther 26, 646
W.; o liebe muoter, ich wein nit das er (
der galan) hinweg ist, ich klag den guoten mantel mit den silberin stefften, den er antregt, das ich in auch nit verzert hab Pauli
schimpf u. ernst 21
Ö.; sprach: 'nun wirdt baldt der sommer kommen!' verzehrt den mantel auch im wein vnd meint, es solt nun sommer sein Waldis
Esopus 1, 356
Kurz; ähnlich wird noch heute in der ma. —
wohl in anlehnung an das vertrinken des für das fell eines geschlachteten stückes vieh erhaltenen geldes —
von der leichenfeier gesagt: den doden sien huut verthren
bei Mensing
schlesw.-holst. 5, 440. II@A@44)
in reflexiver formulierung schlieszt sich hieran: sich verzehren '
sich pekuniär (
an gütern u. materiellen werten)
völlig verausgaben',
das jedoch auch als selbständige bildung zu zehren
mit resultativem ver- (
vgl. Leopold
die vorsilbe ver- 20, 22)
aufgefaszt werden kann. heute, auszer in der ma., ungebräuchlich: man sach arme liutetragen ir gewant. die sich verzert hêten,den wart dicke ir phant geloeset und gevrîget
Kudrun 327, 2; und hette also vil usgeben und sich also vaste verzert umb das rich, das er ... arm wart (1415)
städtechron. 8, 480 (
Straszburg); nun hett sich der kaiser so ser verzert zu Rom, das er nicht mit seinen eren dannen wesst zu komen (1481)
bayr. chron. 174
Spiller; wente wy uns vorteret hebben unde vorkrencket
qu. aus d. 15.
jh. bei Schiller-Lübben 5, 473
a; die gaben antwort, man wer in schuldig, sie hetten kain gelt mer, sich verzert, hetten auch bei lang nicht zu gewinnen (1507)
Wilwolt v. Schaumburg 142
lit. ver.; vnd wär siben iar vmbgezogen vnnd het durchfaren zway kaiserthumb ... vnd het sich so verzeret vnnd begeret allso, das sy yn wolten steüren
Fortunatus (1509) 42
ndr.; in ansechen, dasz sy sich hart verzert haben und alle ding toppelt mü
essen zahlen ... Baumann
qu. z. gesch. d. bauernkr. in Oberschwaben 273
lit. ver.; der keiser saget, er sei ein ritter aus Hungern, der ritterschafft nachgezogen, hette sich verzehret und auff dem wege verjrret
Z. Theobald
Hussitenkrieg (1609) 173;
übertragen gebraucht: der teufel ist der wirt (
in der weltherberge): wer sich zu sehr verzAehret, dem nimt er leib und sel; dan ist die rais erweret Rompler v. Löwenhalt
erst. gebüsch (1647) 211;
lexikalisch auch noch im 18.
jh.: sich gantz verzehrt, das seinige verzehrt haben Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1432
c;
und noch heute in der ma.: sich verzehren,
d. h. sein geld, vollständig ausgeben, so dasz nichts im beutel bleibt Unger-Khull
steir. 228
b;
ähnlich (
vgl.C): wi sünd verehrt
bei uns ist alles aufgegessen bei Mensing
schlesw.-holst. 5, 440. II@A@55)
das aufbrauchen der güter, des besitzes, geschieht ausdrücklich ohne jeden zweckvollen nutzen, bzw. nur zum vergnügen: '
vertun, verprassen, verschwenden',
bisweilen auch '
durchbringen'
: dilapidare übel uerzeren (1466) Dief.
nov. gl. 135
a;
dilapidare ... dispergere vel inutiliter consumere vbel vorczeren Diefenbach
hochdt.-böhm. wb. 97;
obligurire verbrassen et vnnutzlichen verzeren (1512) Dief.
gl. 387
c;
auch: decoquere ... metaph.: verprassen, verzehren Corvinus
fons. lat. (1646) 220; und da ferzerter allez sin guot in der welte wollust und och in unküschi
dt. predigten des 13.
jh., 2, 78
Grieshaber; der sines gvtes vngweltig ist, sein gut furbas verziret vnd vertut vnnutzlich ..., den sul der stat richter vahen (1330) Rössler
dt. rechtsdenkm. aus Böhmen u. Mähren 1, 14; er ladet zuo im vil gesellen, die im das guotly helffen wellen flux vnd bald im iuscht (
just) verzeren Murner
mülle 1107
Bebermeyer; aber bald fAehret das ghtlein losz, fliehet verzehret von jhnen (
den prahlern) hin
Venusgärtlein 14
ndr.; verzehret, was der väter sorge dem undankbaren liesz Denis
lieder Sineds (1772) 212; ...
ob ein junger musensohn sein vermögen zusammenpacken und aus dem lande fahren dürfe, um es buchstäblich zu verzehren G. Keller
ges. w. (1889) 2, 94. II@A@66) '
nicht-eigenen besitz verbrauchen'
im sinne von '
nutznieszen, durch nutznieszung aufbrauchen; etwas (
meist über längere zeit hin)
gebrauchen, in anspruch nehmen, für sich verbrauchen, ausnützen'. II@A@6@aa)
von realen werten: die zwene besigeler süllent ouch nit verzeren us der besigelbühsen (
um 1450)
bei Schmoller
Straszb. tucherzunft (1879) 54; die phantung solle der ganz gemain zu verzeren zuegehörig sein (1595)
österr. weist. 5, 776; wann nur der solt das gemeine gut verzehren, ders gemeine werck thut,
grillenvertreiber (1670) 27; auch die erkennende straf (
soll) denen nachparn zu verzehren zuegeherig sein (1727)
österr. weist. 5, 780; (
die alpenmeister sollen) redliche raitung thuen und von der alpen vergeblichen nichts (
für sich) verzöhren
ebda 4, 148;
u. ö. II@A@6@bb)
übertragen auf die kräfte, die arbeit eines menschen, auch auf den ertrag derselben: einsz solchen wesensz sind itzt fast alle stift und kloster, die vortzeren der leut schweisz und blut unnd betzalen darnach gott mit messen, vigilien, rosenkrentzen Luther 8, 364
W.; denn es taug nicht, das sie (
die Juden) uns verfluchten goijm wolten lassen im schweis unsers angesichts erbeiten, und sie, die heiligen leute, woltens hinter dem ofen mit faulen tagen, feisten und pompen verzeren, und drauff rhümen lesterlich
ebda 53, 526
W.; ein unheuszlich weib verzehret desz manns schweis Petri
d. Teutschen weiszh. (1605) Y 8
a.
ebenso: (
die müssiggänger) anderer erlicher leit ir zeit verzörn (17.
jh.)
österr. weist. 1, 134;
im sinne von '
ausbeuten, ausnutzen',
wohl ausgehend von der gruppe C: dasz ... der mächtigere den schwächeren drücke und verzehre, ist eine traurige bemerkung der naturgeschichte Herder 15, 559
S. II@A@77)
die verwendung im sinne eines zweckhaften verbrauches und einsatzes beschränkt sich nicht auf materiellen besitz, auf geld und geldeswert: he (
gott) hait so grosze lust in disir geburt (
Jesu), daz he alle sine macht in ur forzerit
paradisus anime intell. 53, 12
Strauch; seine gneme dinste und trewe, die derselbe ... seine lebtage in unserm dinste vorczeret hat (1407)
lehns- u. besitzurk. Schles. 2, 581; wellt ich, dasz alle kräft, so brucht werdend die obergheit ... ze beschirmen, verzeert wurdind zuo flysz der demütigheit Zwingli
dt. schr. 1, 231
Sch.; tausende müssen in schlaflosen nächten ihren wiz verzehren, um neue bequemlichkeiten, neue wollüste ... für ihn zu erfinden Wieland
Agathon (1766) 1, 101.
die mhd. dichtung kennt diesen gebrauch durchaus: Pâris der werde sînen schaft mit êren dâ verzerte. er stach die lanzen herte ûf einen ritter ûz genommen Konrad v. Würzburg
trojan. krieg v. 32 889
Keller; auch bei inkonkreten vorstellungen: umme sus ich diu wort verzer Ulrich v. Türheim
Rennewart v. 7212
H.; recht min gemütte statt also daz ich durch alle werde wib gern verzerren wil den lib
Göttweiger Trojanerkrieg v. 7350
K.; die häufige verbindung das leben, den lîb verzern
erhält jedoch durch eine verschiebung des akzentes in der regel die bedeutung '
das leben verlieren, es aufgeben, opfern': ir habt mir swære vil benomen unt daz leben mîn genert: den lîp gen müest ich hân verzert, wan iuwer helfe, selic man Konrad v. Würzburg
Heinrich v. Kempten 728
Schröder; was die heiden da gein tæten? vil vaste sie sich werten, biz daz si ir leben verzerten. manic werder man da tot lag Ulrich v. Türheim
Rennewart v. 23 314
H.; also habent dye martrer paide still und offenber denn glauben her erwert und denn leib darumb verczert
märterbuch v. 9726
Gierach. wohl im gleichen sinne in jüngerer zeit sein blut verzehren: hat sie (
Lucretia) ir selbs ... ain messer, so sie haimlich bei ir gehapt, zu iren brüsten eingestochen, dasz sie ir blut verzört, vor onmacht auf die erden gefallen und von stunden an gestorben ist (
Augsburg 1545)
städtechron. 34, 92; Turenne vergosz sein blut auff dem feldlager, Wrangel verzehrte sein blut auff dem sterbelager Chr. Weise
polit. redner (1677) 108. II@A@88)
im laufe der neuhd. sprachperiode hat die verwendung von verzehren
im sinne von (
geld)
verausgaben, wie schon die voraufgehenden bedeutungsgruppen zeigen, eine fortschreitende einschränkung erfahren. II@A@8@aa)
im 15.
und 16.
jh. steht verzehren,
abweichend vom heutigen sprachgebrauch, für jede ausgabe schlechthin: was des richters diener damit verzern, die demselben (
dem flüchtigen) nachraisen, das sol er gelten (15.
jh.)
österr. weist. 3, 210; der ... zu tot urtailt wird ..., derselb ist nit me gutz verfallen, denn was von gerichts wegen durch seine willen verzert wierd (15.
jh.)
ebda 4, 344; mein geltlich ich verzehret han mit schwerer kranckheit lange jar Hans Sachs 17, 65
lit. ver.; wan einer begehrte in Constantinopel des almosens zu leben und nur von einer kirchen zur anderen ginge, dorfte der im gantzen jahr nichts verzehren Reinhold Lubenau
beschr. d. reisen 1, 167
Sahm; wirt alszo (
bei dem reichsregiment) vil unnuczes geltes vorzert (
durch das säumige erscheinen der regimentsräte) und wenig fruchtbars dorneben ausgericht (1521) v.
d. Planitz
berichte 17
Wülcker; mit vmbziehen verzehrt man viel Petri
d. Teutschen weiszh. (1605) Pp 4
a.
auch bei sachlichem begriff: ein vntzelich gelt hat vertzert das kriegen k. Maximilian Eberlin v. Günzburg
s. schr. 3, 150
ndr.; nur vereinzelt noch später: was darff ich haab und gut mit ärtzten gar verzehren? sie kräncken manchmal mehr, als sie gesund gewehren Logau
sämtl. sinnged. 199
lit. ver. II@A@8@bb)
der gegenbegriff von verzehren
ist daher in älterer sprache verdienen, erwerben, gewinnen: es tut not, wider mit mue und arbait zu gewynnen, das sy mit wollust haben vertzert Albrecht v. Eyb
spiegel d. sitten (1511) C 4
a; vbel gewonnen, schendlich verzert Mathesius
Sarepta (1571) 26
b; was durch pistol und schwert im huy erworben wird, das wird im huy verzehrt Rachel
satyr. ged. 48
ndr. auch späterhin ist diese gegenüberstellung noch möglich: ein tag bescheret, was der, so auf ihn kömmt, verzehret Hagedorn
poet. w. (1769) 2, 119; in Frankfurt ist alles thätig und lebhaft. ihre zeit ist nur zwischen erwerben und verzehren getheilt Göthe IV 12, 212
W.; der tag verzehrte wie der tag gewann
schr. d. Goetheges. (1885) 7, 176.
das sprichwort zeigt häufig die gleichen gegenüberstellungen: die jugent sols erwerben, das das alter verzere S. Franck
sprüchw. (1541) 2, 72
a; er solt ehe eyn dorff verzeren, dann sein hausz gewinnen Tappius
adag. cent. sept. (1545) K 7
a; wer mehr wil verzeren, dann sein pflug mag erehren, der kan sichs bettels nit erwehren
schöne weise klugreden (1548) 97
b; es mus mancher im bettstro verzehren, was er wittwen vnd weisen hat abgeschunden Friedrich Wilhelm
sprichwörterreg. (1577) C 2
b; ein pfennig lest sich ehe verzehren als werben Petri
d. Teutschen weiszh. (1605) Y 1
a. II@A@8@cc)
das 18.
und auch das 19.
jh. bewahren, jedoch mit abnehmender häufigkeit, jenen weiteren gebrauch der älteren sprache: ich möchte eine schöne, gütige und vornehme frau, die mir aber nichts verzehret Lessing 8, 55
L.-M.; er verzehrt in Italien für nichtsthun eine besoldung von achtzehnhundert thalern (1787) Schiller
br. 1, 446
Jonas; ich habe die summe ... auf die reise verwendet, dabei noch 1.000 rh. ... verzehrt Göthe IV 8, 332
W.; (
ich) gab dir geld, das du noch nicht verzehrt haben kannst Klinger
w. (1809) 3, 201; obschon wir viel denari verzehrten, wars ein miserabel leben Bräker
s. schr. (1789) 1, 116; dieses tagebuch müszte mir sehr einträglich werden, weil ich beinahe nichts verzehrte J. G. Forster
s. schr. (1843) 8, 326; (
der souverän) bedenke zugleich, dasz der soldat seine mäszige löhnung zum vortheil seines aufenthaltsortes verzehre Ranke
s. w. 31/32 (1875) 43. II@A@8@dd)
heutige sprache verwendet verzehren
im sinne von '
verausgaben'
nur noch dann, wenn sich damit die vorstellung der kosten des lebensunterhaltes, besonders des aufwandes für nahrung verbinden läszt: da habt ihr ein paar gulden, verzehrt die auf unsere gesundheit Gottsched
dt. schaubühne (1741) 1, 468; (
sie sollte) eine kleine pension ... wo sie wollte, verzehren Göthe I 23, 112
W.; manche leute suchen etwas darinn, auf reisen zu prahlen, viel geld zu verzehren Knigge
umgang m. menschen (1796) 2, 247; ich vernehme, dasz ... die mutter (
den knaben) bei sich im hause behalten wolle, um die wenigen ihm zukommenden zinsen selbst zu verzehren (1819) Beethoven
s. br. 4, 46
K.; froh ... dasz soviel geld in der stadt verzehrt wurde A. v. Arnim
s. w. (1853) 7, 11; gott weisz, wie ich geplagt bin, als hätte ich tausende zu verzehren (1842) A. v. Droste-Hülshoff
br. 2, 81
Schulte-K.; wenn sie das ihrige verzehrt hatten, so zehrten sie als generale auf regimentskosten weiter Immermann
w. 1, 53
Hempel; wie sollte man nicht weither kommen, um ein wesen zu sehen, das täglich so gegen eine halbe million zu verzehren hat Th. Mann
königliche hoheit 195.
auch beim unpersönlichen handlungsträger möglich, doch versteht jüngste sprache diesen gebrauch von C
aus ('
verschlingen'),
ältere sprache von der bedeutung A
aus ('
aufbrauchen'),
vgl. auch den beleg von Eberlin v. Günzburg
ob. unter a: diese besoldungen (
würden) nur die hälfte der bisherigen einkünfte der geistigkeit verzehren Dahlmann
franz. revol. (1845) 344; die zinsen ... verzehrten ... den gröszten theil der einkünfte Ranke
s. w. 15 (1875) 246. II@BB.
verschleiszen, durch abnutzung aufbrauchen. diese gruppe berührt sich mit der voraufgehenden, unterscheidet sich jedoch von ihr dadurch, dasz der verbrauch hier nicht durch verausgabung, sondern durch abnutzung, verschleisz geschieht und der akzent mehr auf dem endstadium des vorganges liegt; vor allem sichtbar im reflexiven gebrauch: sich, seine kräfte verzehren
sich, seine kräfte (
in einer aufgabe)
erschöpfen, s. u. 2
u. 3. II@B@11)
zunächst ganz sachlich-konkret; ferrum usu conterere ... verschleyssen, verzeeren Frisius
dict. (1556) 320
b: varende gueter, welche im behalten nit werden verzert (
res mobiles, que servando non consumuntur), als gold vnd silber vnd sulche geschirr (
bair.-öst. 15.
jh.)
summa legum d. sog. Raimundus 385
Gál; ein pflugeisen arbeitet wol in der erde vnd wird endlich verzehret, bleibt aber fein rein vnnd blanck; arbeitet es nicht, so verrustet es Petri
d. Teutschen weiszh. (1605) Y 1
a; die bänck vnd bretter in den schiffen seind gar verzehrt vnd hingeschliffen Spreng
Ilias (1610) 15
b; der schönen jugend krantz, der rothen wangen glantz wird wie ein kleid verzehret Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel
evang. kirchenlied 3, 317.
vom zweckbestimmten aufbrauchen eines vorrates: der guten wissenschaft mit fleisz hat nachgedacht, mehr oehl als wein verzehrt, bemüht zu mitternacht Rachel
satyr. ged. 108
ndr. II@B@22)
von den körperlichen und geistigen kräften; seine kräfte verzehren Kramer
teutsch-it. 2 (1702) 1432
a: die ersten das sint weltliche hertzen, die iren lust und ir genügende nement in den creaturen und in den sinnen, und domitte verzerent sú ir maht und ir sinne Tauler
pred. 47
Vetter; arm gotesfrund ..., die ir kraft mit strenger übung hetin verzeret Seuse
schr. 146, 22
Bihlm.; du (
Christus) hast din kraft durch got verzert und sihest wol, das si dahin fert
Christus u. d. minnende seele 387
Banz; also ist das (
der glaube) gar viel eyn andere krafft denn die leybliche, denn yhene nympt abe und wird verzeret, wenn man eyn ding zu viel braucht und treybet Luther 14, 22
W.; aber gegen den morgen waren seine krefften so gar verzert und ermüdet
Amadis 1, 267
lit. ver.; dass auch die grosse arbeit schwer alle kräffte des leibs verzehr W. Spangenberg
ausgew. dicht. 134
M.; die composition einer oper verlangt einen groszen fonds von kraft und ausdauer, sollte nicht ein gut theil davon schon bei verfertigung des textes verzehrt worden sein Göthe
gespr. 4, 27
Biederm.; er verzehrte seine kräfte ... frühzeitig in einem raschheftigen gebrauche Gervinus
dt. dicht. (1853) 3, 83; das viele gehen in der hitze hatte seine kräfte verzehrt Fontane
ges. w. (1905) I 5, 102; nach seiner heimkehr (
wurden) die gesammelten kräfte rasch wieder verzehrt Th. Mann
kgl. hoheit (1953) 291.
ebenso: ein langer krieg hatte die kräfte der österreichischen monarchie verzehrt Schiller 8, 244
G. von einem physikalischen vorgang: obgleich jede feder in den körper ... weniger kraft hineinbringt, weil ein theil durch den widerstand der fläche verzehrt wird Kant
w. 8 (1838) 54
H. II@B@33)
reflexiv; sich, seine kräfte verausgaben, verbrauchen s. auch unten G 2. II@B@3@aa)
anschlieszend an 2:
sich durch abmühen, (
über-)
anstrengung (
für etwas)
verausgaben, in etwas erschöpfen; sich abnutzen, dahinsiechen; schwinden. bisweilen zu G 1
neigend: wan da vil mAenig rotte der pilgerin und waller, di sich verzerten uf dem mer, rittent, giegent in und us
der sœlden hort 6038
Adrian; als offte ... sich der leistenden pfert einz ... verzert oder abegeet in der leistunge (1334)
monum. Zollerana (1852) 3, 19; (
die grasmücke) versmæht iriu aigeneu kint gegen dem gauch und verzert sich selber sô gar, daz si gar âkreftich wirt Konrad v. Megenberg
buch d. natur 178
Pf.; du siehst, wie sich meine gesundheit verzehret Chr.
F. Weisze
lustsp. (1783) 3, 91;
mit anderem akzent: so du nun gleych schön bist mit der frawen, so verzerstu dich mit ir in wollust Albrecht v. Eyb
dt. schr. 1, 17
H. von einem gemeinwesen: auch der Gotthier macht in Italia sich täglich verzehrt und abnahm Stumpf
Schweizerchron. (1606) 205
a; an diesem öfteren regentwechsel ... verzehrten sich die kräfte des staats H. Meyer
gesch. d. bild. künste (1824) 3, 164; das sonst so ruhige makedonische land verzehrte sich in dem inneren hader seiner ... verfassungen Mommsen
röm. gesch. 2 (1874) 19; eine thatsache, die ... ihnen (
den Rom unterworfenen völkern) nur die wahl zu lassen schien sich in ... widerstreben oder ... dulden zu verzehren
ebda 3.
von den inneren, den geistigen kräften: möchte nun auch ihr schicksal sie glücklich führen ..., dasz ihre geisteskräfte sich nicht im kampf mit den umständen zu verzehren brauchen (1794) Schiller
br. 3, 446
Jonas; mein geist verzehrte sich über der frohen mühe den ganzen reichtum zu fassen Hölderlin
ges. dicht. 2, 51
Litzm.; inzwischen verzehrt sich innerlich meine kraft (1840) Dahlmann
an Gervinus 2, 193
Ippel. daran anknüpfend: wie mit den fernen höh'n die strahlen dort verkehren und sich in stiller gluth im letzten kusz verzehren Lenau
s. w. 212
Barthel; da die sterne in stiller glut sich verzehren wie lichter vor dem tabernakel
kriegsbr. (1928) 269.
in der pflanzenwelt: wenn ein baum gar zu häufige früchte trägt, und man befürchtet, dasz sie sich dadurch verzehren und verderben, so bricht man ihnen im martio die knospen aus
allg. haushalt.-lex. (1749) 1, 189
b. II@B@3@bb)
gern von einem naturhaften vorgang, so von der kerze oder vom wachs; das wachs, das oel, das unschlitt verzehret sich im brennen Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1432
a: sie seint gleich einer kertzen, die leuchtet und zünt ander leuten und verzert sich selber J. Pauli
Keisersbergs narrenschiff (1520) 154
b; alszo das wachs ist schwher und hart, gleych eym steyn oder holtz, aber fur dem fewr tzurfleusset es wie das wasser, ia vortzehret sich unnd vorschwindet Luther 8, 5
W.; als wie die schön gezündte kertz sich selbest muss verzehren Spee
tugendbuch (1649) 241; ein licht, wenn es lange brennte, so verzehret es sich Chr. Weise
polit. redner (1677) 287.
ähnlich: staub und erde muszt du (
mensch) werden, ich (
die kerze) verzehre mich im lichtstoff Platen
w. 1, 44
Hempel. im bilde: er wuszte noch nicht, dasz der überdrusz sich mit jeder art von empfindung zu paaren imstande ist, ja schlieszlich übrig bleibt als der schwarze, niedergebrannte docht, an dem sich das wachs verzehrte E. Langgässer
d. unauslöschl. siegel (1946) 27.
der gruppe F (
s. u.)
nahestehend: der kalch aus schifersteinen ... musz, so bald er genetzt ist, ... verbraucht werden, sonst verbrennt er, und verzehrt sich selbst, also, dasz er ... untüchtig wird Hohberg
georg. cur. aucta (1682) 1, 23.
dagegen überleitend zu D: also was da brennt vnnd den augen fewrig erscheint, dasselbig ist der sulphur, der verzehrt sich, dann ist er volatile Paracelsus
opera (1616) 1, 27
B; eine feurige süntflut ..., welche sich von einem ewigbrennenden schwefel, der niemahls verzehret wird, unterhält (
schilderung der zustände in der hölle) Bodmer
crit. schr. (1741) 1, 6. II@B@3@cc) '
sich in sich selbst verbrauchen, aufzehren, dahinschwinden'; verzehren
hält hier nur noch den vorgang des allmählichen schwindens, der auflösung fest; vgl.: sich selbst verzehren
consumarsi, cioè spesare se stesso Kramer
teutsch-it. 2 (1702) 1432
a.
dazu vgl. auch unten F 3.
der gedanke der zweckvollen verwendung fehlt, besonders dort, wo es sich um ein dahinleben in untätigkeit handelt: auch bedencken mögen, dasz schwer ist, dasz das volck also ligen, sich verzeren und nichts auszrichten sollen Justinus Göbler
chron. d. kriegszhändel Maximiliani (1566) 24
a; schon länger als ein jahr stockt mein verschlemmtes blut, ich bin zu allem faul, verzehre mich fast selber; mein blasses angesicht wird alle tage gelber Schwabe
belust. (1741) 1, 69; jaget, jagt, ihr helden ... aber jagt auch nymphen nach! in dem holze sich verzehren, heisst der zeit den rücken kehren B. Neukirch
ged. (1744) 255; zerstreuungen, die jeder tag hervorbringt und dadurch gleichsam sich selbst verzehrt Göthe IV 12, 330
W.; der adel verzehrt sich in sich selbst und ist zum dienst anderer von keiner anwendung Bode
Montaigne (1793) 5, 164; war es bewusztsein einer kraft, die sich durch nichtgebrauch verzehret und erschlafft? Gotter
ged. (1787) 1, 167; ideen, an denen es (
das volk) zehren könnte, solange es eine lebensthätige bildung führen möchte, die es aber auch möglicherweise sich in sich selbst verzehren lassen kann Gervinus
dt. dicht. (1853) 5, 108; hier im exil sich untätig zu verzehren R. Hohlbaum
Stein (1934) 207.
ähnlich: kinder, die sich ohne sorgfalt und ohne pflege verzehrten Göthe I 23, 177
W. vom organischen vorgang des verblühens, verwelkens: ... dasz auszer Opitz und Fleming so viele in dieser zeit früh und wie in sich verzehrt hinstarben Gervinus
dt. dichtung (1853) 3, 234; er (
der strausz) soll mir nicht untergehen, welkend sich mir nicht verzehren Brentano
ges. schr. (1852) 2, 189.
bei abstrakten in weitester anwendung und schon früh: welches (
die dekrete der konzilien) sich doch alles unter handen verzehret, und ist menschen gebot und lehre Luther
tischr. 4, 458
W.; die liebe war nicht starck, die sich verzehrt von tagen Logau
sinnged. 343
lit. ver.; weistu, was in dieser welt mir am meisten wolgefällt? dasz die zeit sich selbst verzehret und die welt nicht ewig währet
ebda 45; doch wie lange kann es wären? endlich musz die jugend sich durch den schnellen lauff verzehren Chr. Weise
grünende jugend 10
ndr.; wie? lebt die welt verkehret? hat sich die tugend dann ietzt an sich selbst verzehret? Sporck
streitged. 112
Kopp; sollte denn dieses gefühl zur liebe ... ... sich selber verzehren Bodmer
Noah (1752) 12; das offenbare wäre leicht zu schauen, wenn nicht die stunde sich selbst verzehrte und immer warnend wenig belehrte Göthe I 3, 285
W.; anklingend an D 2: dieser instinkt des sinnlichen zum göttlichen wüthet und verzehrt sich in sich selbst Pückler
briefw. (1873) 1, 182. II@CC. '
verspeisen, aufessen'.
diese bedeutung, die im heutigen sprachbewusztsein voransteht, ist zwar frühmhd. bereits bezeugt, bleibt jedoch noch im frühnhd., den übrigen bedeutungen gegenüber, die seltenere. sie wird sporadisch schon von den lexikographen des 16.
jhs. verzeichnet (
s. u. 3)
; doch führt noch Kramer
teutsch-ital. 2 (1702) 1432
a sie in der langen reihe der gebräuchlichen verwendungen nur in der bedeutung 1
an. bei dieser gruppe handelt es sich offenbar um eine jüngere variante der allgemeineren bedeutung '(
geld, besitz)
für einen bestimmten zweck aufbrauchen, verbrauchen' (
s.A).
wenn noch in der gegenwart verzehren
durchaus auch für den geldlichen aufwand für essen und trinken gebraucht wird, spiegelt sich darin dieser abgeleitete charakter. mit der herkunft aus der allgemeinen bedeutung '
aufbrauchen'
wird es auch zusammenhängen, wenn verzehren
die sonst scharf getrennten bedeutungskreise essen und trinken in sich vereinigt. im unterschied vom simplex zehren
bezeichnet verzehren
mit verschiedener deutlichkeit das restlose aufzehren, die vertilgung der speise. II@C@11)
unmittelbar an die ausgangsbedeutung schlieszt sich der bis in die gegenwart lebendige gebrauch '
etwas (
für geld)
im wirtshaus verzehren'.
für das alter dieser verwendung zeugt die oben sp. 2463
belegte verwendung von sich verzehren
als '
sich verausgaben'
im Kudrunlied: herr wirth, die rechenschafft vns macht, zeigt bald, was ich vnuerferd mit knecht vnnd pferden hab vorzert, wir wollen wegreitten vnd bezaln Thym
Thedel v. Wallmoden 1064
ndr.; hab sieben batzen abgewonnen ... die will ich gleich bey euch (
im wirtshaus) verzeren H. Sachs
fastnachtsp. 1, 36
ndr.; auch wie sich der wirt (
einer schenke) so vbel gehube vmb das gelt, das (
er) verzehret hatte
buch d. liebe (1587) 360
b; nachdeme man vorhero die pfantungen ... unnotwendiger weis bei den wirten verzert (17.
jh.)
österr. weist. 4, 308; bezahlete, was ich ... verzehret hatte Chr. Reuter
Schelmuffsky 47
ndr.; was haben wir verzehrt, herr wirt
bei Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1432
b; (
zur marketenderin:) gevatterin, was hab' ich verzehrt Schiller 12, 54
G., ich hatte (
als kellner) unzählbare herren, denn jeder gast, der nur zwey kreuzer verzehrte, befahl mit mir Hafner
ges. schr. (1812) 1, 69; (
er) schränkt sich nun so ein, dasz er nicht mehr wagt in den schloszgarten zu gehn, aus furcht, dasz er ehrenhalber genötigt werden möchte, etwas zu verzehren (1841) A. v. Droste-Hülshoff
br. 1, 525
Schulte-K.; Käthchen weigerte sich angstvoll, (
in der gaststube) irgend etwas zu verzehren H. Mann
d. untertan (1950) 265.
so wohl auch: eben komm ich (
Schiller) hier (
in Frankfurt) an, meine beste, und da ich befürchte, durch lange verzögerung und mangel der gelegenheit (
weiterzufahren) in dieser stadt viel zu verzehren, so nehm ich kein bedenken, gleich mit extrapost abzugehen (1783) Schiller
br. 1, 140
Jonas. auch mundartlich: verzehren ...
in einem wirtshaus ausgeben (
nicht blosz für nahrung) Martin-Lienhart
elsäss. 2, 913; der hat nichts verzehrt
sagt ein wirt von einem gaste, der nicht getrunken hat Müller-Fraureuth
obersächs. 2, 619
b;
ebenso: he hett nix vertehrt Mensing
schlesw.-holst. 5, 440. II@C@22)
wo es sich um das aufbrauchen von vorräten handelt, wird gleichfalls die ursprüngliche bedeutung '
verbrauchen (
d. i. für die ernährung)'
zugrunde liegen: wir hân genuoc ... von trinkn unde spîse alsölhe kraft: al mînes vater rîterschaft ... sine möhtens wochen lanc verzern Wolfram v. Eschenbach
Willehalm 234, 28; das melh im cad ward nicht verzeret vnd dem olekrug mangelte nichts
1. kön. 17, 16; was der deub oder übeltäter in der venkgnusz verzert hat (15.
jh.)
österr. weist. 5, 486; als dasz Capitolium sechs monat belägert was, vnnd die Römer all leiblich narung verzert hetten Carbach
Livius (1551) 57
a; der letzte vorrath (
der festung) fast verzehret war Chemnitz
schwed. krieg 2 (1653) 264.
dazu ein aus dem reflexiven gebrauch entwickelter intransitiver: ich harre noch immer wie eine festung auf entsatz, stecke die fahne auf den höchsten thurm, während der vorrat verzehrt (1806) A. v. Arnim
an Bettine 47.
vom ernteertrag: sie werden dein erndte vnd dein brot verzeren
Jer. 5, 16; sintemal sie (
die natur) in vielen landstrichen mehr köstliche früchte wachsen liesze, als die einwohner verzehren könten Lohenstein
Arminius (1689) 1, 106
b; deine heurige fechsung (
ernte) wirst du wohl noch ohne mich verzehren Stephanie
s. singsp. (1792) 379.
hierher auch die verwendung von verzehren
im sinne des heutigen konsumieren,
s. unten verzehrer
als '
konsument': 40.000 fässer heringe ..., wovon ein sechstheil im lande verzehrt ... wird Archenholz
England u. Italien (1785) 1, 98; der verzehrende theil der bevölkerung hatte zu den schon drückenden steuerlasten die gewohnten bedürfnisse des lebens mit ungeheuren preisen zu bezahlen Häusser
dt. gesch. (1854) 3, 603. II@C@33)
der heutige gebrauch im sinne von essen und trinken, d. h. unmittelbar bezogen auf den vorgang der nahrungsaufnahme, fehlt noch bei Diefenbach
und begegnet lexikographisch im 16.
jh. erst vereinzelt: edo ich issz, verzeere Dasypodius
dict. (1536) 271
a. II@C@3@aa)
literarisch ist dieser gebrauch schon mhd. bezeugt, doch auch da nur sporadisch belegt: daz er (
der gierige) imer gwinne alliz, daz ime zô veret, daz verslindet er und verzeret und ne wirt doh niemer vol pfaffe Lamprecht
Alexander 7172
Kinzel; daz er durch liebe noch durch haz nimmer niht verzerte von spîse diu in nerte, niht wan wazzer unde brôt Wolfram v. Eschenbach
Willehalm 105; ... da ire schar heimelich gienc in dez hus verzerende gar dar us waz uf den tisch war gesant
Daniel 8008
Hübner; verzerende brot, vleisch, den win
ebda 7952;
vgl. v. 2325; 7973; niemant (
soll) chain habern chauffen, ... ân allaine die sein selber ... bedürfent oder mit iren gesten verzerent (1379)
österr. weist. 5, 389; (
wer einen andern verletzt, hat zu zahlen) arzitlon, und was derselb in der zît mit sînen mund und ain arzit ouch verzert hat (1427)
ebda 4, 361; vnd was der abt verziehrt vber ein suppe, soll der arm man bezahlen; ist der arm man vngeschworen, soll der arm man dem abt suppe vnd alles, was er verzieret, bezahlen (1561)
weisth. 2, 60; mit wünschung, dass der trewe gott dieselben ... wölle ... eine gute, feiste, gebratene ganss mit gesundheit verzehren lassen W. Spangenberg
ausgew. dicht. 10 (
ganskönig)
M.; hole ... ein gericht epffel, dasselbe wil ich mit vnsern nachbar verzehren
engl. comödien u. tragedien (1624) C 7
b; die fünff tail (
speck) gab er vnder die vmbsitzenden zu uerzeren Schaidenreisser
Odyssea 142
Weidling; wir verzehrten daselbst, was wir von speisz und tranck mit uns genommen Grimmelshausen
Simpl. 419
Scholte; da wurde ich an unterschiedliche ort, so wol bey officiern als bürgern, die martinsgans verzehren zu helffen eingeladen
ebda 26; so fastet der so gut und wol, der, wann er wil ein hun verzehren, nur meint, als wann es fische wären Logau
sinnged. 79
lit. ver.; wenn sie jährlich ... ihre eyerkuchen ... so andächtich verzehren Prätorius
blockesberges verrichtung (1668) 449; (
weil wir auf der reise von Neapel nach Rom) nichts als 4 gebrathne kalte hendl im wagen mit einem stück brod verzehrt (1770) Leop. Mozart in:
br. W. A. Mozarts 3, 54
Schied.; hierauff empfieng ich noch einen halben tropfen wein, nebst einem stück zwieback ... nachdem ich auch dieses verzehret Schnabel
Felsenburg 106
Ullr.; die rübchen sind glücklich verzehrt, die comödienzettel gebunden Göthe IV 27, 17
W.; soeben findet sich ein lachs ein ... ein derbes stück geht um 9 an euch ab, welches mit freunden wohl zu verzehren wünsche
ebda 28, 139; ich hätte gewünscht, dasz du diese gaben des backhauses und der nordsee bey mir verzehren möchtest
ebda 30, 61; für den hecht danken wir schönstens und wünschten sehr, dasz sie (
Goethe) ihn mit uns verzehren möchten (1796) Schiller
br. 5, 80
Jonas; dann bekam der junge sein frühstük, welches er mit einem anstand und ordnung verzehren musste Jung-Stilling
s. schr. (1835) 1, 66; sie verzehrten in nachbarlicher vertraulichkeit ... ihr mahl br. Grimm
dt. sagen (1891) 1, 34; erdbeeren ..., welche Gackeleia mit vielem vergnügen verzehrte Brentano
ges. schr. (1852) 5, 29; (
pflaumenmus), welches sie ... als stattlichen morgenimbisz wohlgefällig verzehren E. T. A. Hoffmann
s. w. 14, 160
Gr. in der gegenwart lebt verzehren
fast nur in der gehobenen sprache. ihm haftet in neuerer zeit in der regel etwas gemächlich-feierliches an: dachte sie so hin und her, dasz es wohl das beste wär, die verstorbnen (
hühner), die hienieden schon so frühe abgeschieden, ganz im stillen und in ehren gut gebraten zu verzehren W. Busch
Max u. Moritz (1865) 9; Auctor verzehrt mit dem magister Albus seinen martinsbraten W. Raabe
s. w. I 6, 375; am abend ... setzte ich mich (
im gasthaus) unter unbekanntes volk und verzehrte mein spärliches nachtmahl G. Keller
ges. w. (1889) 3, 80; der vater sah mich meistens nur bei tische, wo wir kinder schweigend unser mahl verzehren muszten Storm
s. w. (1900) 1, 129; man sieht ihn irgendwo in der sonne liegen, seinen imbiss verzehren Feuchtwanger
geschw. Oppermann (1948) 300; eine graupensuppe mit brotbrocken ... liesz sich beim nachdenken mechanisch verzehren A. Zweig
einsetzg. e. königs (1950) 440.
selten eindeutig für '
austrinken, wegtrinken': weil er ihm die milch, die sie ihm ... alle abend muszten hinsetzen, verzehret hatte Prätorius
glückstopf (1669) 57; so wollen wir einmal ein gläschen wein verzehren
dt. schaubühne 6 (1745) 421
Gottsched; do brachte ich ihm ... zwey von mir in ein kellerloch versteckte flaschen, welche er mit grossem appetit verzehrete
Leipiger avanturieur (1756) 1, 47; bäume, unter deren schatten ich eine schüssel milch verzehrte S. v. Laroche
frl. v. Sternheim (1771) 1, 263; weil die sonne gar so lieblich schien, wollte man in dem säulenhäuschen den nachmittagskaffee verzehren Stifter
s. w. 5, 1 (1908) 376.
metaphorisch: (
Freiligrath) hat den goldnen wein seiner poesie vertrunken und verzehrt und darum schüttelt er jetzt so heftig das glas (1842) Schücking
br. an L. Gall 78
Muschler. II@C@3@bb)
die anwendung auf die tierwelt ist gleichfalls seit mhd. zeit literarisch bezeugt. II@C@3@b@aα) verzehren
deckt sich weithin mit üblicherem fressen: so mochte nymant do gewatin noch geswymmen, her enwurde vorczert von den vischen
d. mitteldt. Marco Polo 60
Tscharner; wem soll wir dich fürwerffen: vielleicht den vögelen vnnd grausamen thieren, das sy dich verzeren Schwarzenberg
d. teutsch Cicero (1535) 60
b; von parschen oder persing ... ist auch ein fressender verzehrender fisch, der keiner fische schonet (
ca. 1660)
fischbüchlein 63; ein theil dieses saamens ist gefallen auf den weg, den haben die vögel desz luffts verzehrt Abr. a
s. Clara
mercks Wien (1680) 33 (Luther: frassen auf); weiln (
die steineulen), wenn sie erblicket werden, ... von den habichten gefangen und verzehret werden Göchhausen
notab. venatoris (1741) 149; ruhe und frieden! ... den wünscht jeder raubvogel, die beute nach bequemlichkeit zu verzehren Göthe I 8, 32
W.; gleichniss von wölfen, die einen hirsch erlegt, verzehrt und sich die bäuche gefüllt, nun an der quelle lechzend stehen
ebda 41, 1, 302; an dem fusze des felsen, worauf ein adler die beute verzehrt Jacobi
s. w. (1807) 1, 162; früh morgens ... weckte Hähnchen das Hühnchen, holte das ei, pickte es auf und sie verzehrten es zusammen br. Grimm
kinder- u. hausmärchen (1812) 1, 32; der fuchs sieht das herz niederfallen, entwendet es heimlich und verzehrt es J. Grimm
Reinhart Fuchs (1834)
vorr. cclxi; hier angekommen begann er ... mit dem verzehren seiner beute (
d. mungo) Brehm
tierl. 1, 573
P.-L.; wölfen gleich, die tief im walde hastig einen raub verzehren Weber
Dreizehnlinden (1907) 72. II@C@3@b@bβ)
gern steht es seit je vom kleinen getier, besonders von schädlingen, auch hier mit dem beisinn des langsamen aufzehrens: wer kan den hêrren von dem knehte scheiden, swa er ir gebeine blôzez fünde, het er ir joch lebender künde, sô gewürme dez vleisch verzert? Walther v.
d. Vogelweide 22, 15
Kraus; als die schabe vertzeret das klayde, allso verprennt und vertzert hasse den menschen (1474) Albrecht v. Eyb
spiegel d. sitten (1511) 45
a; wenn du einen züchtigest vmb der sünde willen, so wird seine schöne verzeret wie von motten
psalter 39, 12; rechte reichtumb kann kein ... schab verzeren S. Franck
sprüchw. (1541) 1, 117
b; die kleine vnnd unwerhaffte meusz verzerten jämerlich Pompilium, gleich wie die leusz könig Arnolphum tödteten vnnd ihm seinen gantzen leib bisz auffs bein frassen und verzerten Heyden
Plinius (1565) 289; (
im) sommer ... ein grewlicher hauffe hewschrecken ... in dieses land kommen ... vnd alles auff dem felde abgefressen vnd verzehret, darauff grosse thewrung ... erfolget Binhardus
thüring. chron. (1613) 26; aber er ist von den mäusen verzehret und aufgefreszen worden
Reinicke Fuchs (1650) 199; und was die raupe noch übrig liess, verzehrte die heuschrecke
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen (1778) 3, 194; alles verzehrende insectenschwärme ... tragen das ihrige zur verdrängung einer so groszen macht (
wie das reich der Hiongnu) bei Ritter
erdkde (1822)
teil 2, 1, 244; die raupen im park verschwanden, nachdem sie ihr theil an der tafel des lebens verzehrt hatten W. Raabe
d. hungerpastor (1864) 2, 180. II@C@3@b@gγ)
übertragen auf den menschen, um wildheit und ungeschlachtheit zu kennzeichnen: sprach der türse: 'ich wil dich verzern'. 'des wil ich mich vaste wern' sprach der man vil drâte
bei Wackernagel
altdt. lesebuch (1839) 560; die (
gottlosen) mein volck fressen und verzehrn, auff dass sie sich darmit ernehrn Hans Sachs 18, 70
lit. ver.; unruhen, damit die orthodoxen und andere sich unter einander selbst ... frassen und verzehreten Arnold
ketzerhist. (1699) 119
b; Niemand (
Odysseus) will ich zuletzt nach seinen gesellen verzehren J. H. Voss
Odyssee 162
B.; drei riesen ... schlug er (
der wilde) sodann gleich fröschen todt, damit er sie verzehre Gries
Bojardo (1835) 4, 250.
ähnlich: Karl Meyer ... von dem man sich scherzweise in Berlin erzählte, er verzehre jeden morgen wenigstens einen Preuszen zum frühstück Bebel
aus m. leben (1946) 3, 101. II@C@44)
die verwendung im sinne von '
verdauen'
knüpft wohl unmittelbar an die allgemeine bedeutung '
etwas für einen bestimmten zweck aufzehren, aufbrauchen'
an (
s. ob. II A
und unten F 1 b).
in diese richtung weist: die spise die get eime durch fleisch und bluot und marg und gebeine, und daz treit sich alzuomole wider uz und wurt verzert mit der arbeit Tauler
pred. 30
V.; der tranck wirdt behender verzehret, dann die speisz. dann die speisz mehr wesentlicher ist dann der getranck, darumb wirdt die speisz schwerlicher verzehret
problemata Aristotelis (
Frankf. 1585) 64
a; (
die erste ursache für das podagra ist), da der magen mitt vberflüssigem essen vnd trincken vberladen wird, vnd der mensch daneben kein vbung thut, darmit sichs verzehren köndt Paracelsus
podagra (1611) 11; (
die inneren organe) bilden sich endlich, je mehr die materie verzehrt wird (
beim embryo) Herder 13, 273
S. mundartlich lebt die bedeutung verdauen auch heute noch, literarisch dagegen nur in älterer sprache; tOewen, verzehren
far digestione Hulsius
dict. (1618) 1, 248
b; verzehren ...
decoquere Faber
thes. (1710)
index: opffel zu schöln nimb dich nit an, dein bauch das wol verzeren kan: eine gröne schölet ist jm gsundt K. Scheit
Grobianus v. 3624
ndr.; dieweil ... das geblüt, welches zur nahrung des kinds (
im mutterleib) zufleiszt, ... noch nicht kan alles zu des kindts narung verzehret werden Ruoff
hebammenb. (1580) 242; in (
der) bewegung sich das essen besser verzöhre Guarinonius
grewel d. verwüstung (1610) 571 (
dazu vgl. unten verzehrlich 1 b).
im bilde: verstand ir nit min (
Jesu) red und rat? ein ding, das zuo dem mnd in gat, wirt verzert und gat zuo nut nach naturlichem wessen aller lut
schausp. d. mittelalters 2, 209
Mone. aus obd. mundarten vgl. dazu: zehren
verdauen; ich han min essen gezehrt Follmann
Lothr. 555
a; zehren
zur verdauung helfen; der salat, der schwarz kaffee zehrt Martin-Lienhart
elsäss. 2, 913
a.
verfestigt hat sich der gebrauch im nd.-nl. sprachraum: digerere dauwen, vordauwen ...
digestus vorteret (
nd. 1417) Diefenbach
nov. gl. 134
b; alle ringe spise, de wol vortere (
verdaut wird)
bei Schiller-Lübben 5, 473
b;
im heutigen nl. ist verteren
als verdauen allgemein; dazu vgl. aus älterer zeit: 'verteren
verdouwen in de mage, digeter en l'estomac, concoquere, digerere'
schat d. nederduytsch. spr. (1575) Oo 2
b; mijn mage verteert de spijse wel
mon estomac digere bien la viande, recte cibum concoquit stomachus ebda; verteeren ...
conterere, concoquere, digerere Kilian (1605) 607
a. II@C@55)
übertragene verwendungen. II@C@5@aa)
von äusseren, sinnlich-anschaulichen vorgängen. —
auf biblisches vorbild gehen zurück: bis endlich das schwert diese blum (
den hl. Georg) verzehrt und ihr die blüh' abg'schnitten Abraham a
s. Clara
w. 1, 49
Strigl; (
du, geleiterin zum Orcus) hast mit deinem verzehrenden schwerte abgeweihet ihre haare Göthe I 38, 30
W. dazu vergleiche die biblische vorstellung vom fressenden schwert: 2. Sam. 2, 26; 11, 25;
Jes. 1, 20;
Jerem. 2, 30.
bildlicher gebrauch im sprichwort schlieszt unmittelbar an die oben unter 3 b
gegebenen belege an: eins nimpt dem andern die krafft, die adlersfedern verzehren die taubenfettich Fischart
Garg. 88
ndr.; geistliche güter haben adelers federn arth, wo man sie zu andern leget, so verzehren sie dieselbigen Petri
d. Teutschen weiszh. (1605) Ee 7
a; da wird, nach der alten fabel, die weiszeste schwanfeder von der struppichten adlersfeder verzehrt Herder 3, 352
S. vom unrechten gut: der vngerechte pfennig verzehrt den gerechten Petri
d. Teutschen weiszh. (1605) P 3
a; ungerechter pfennig verzehrt gerechten thaler Körte
sprichw. (1837) 342.
als '
in sich aufnehmen': das das wasser als klein oder mit eis überlegt ist, also das die Pegnitz das kott nit alles verzern mag E. Tucher
baumeisterb. d. st. Nürnberg 115
lit. ver.; wie im meer alle wasser verzehret werden Paracelsus
opera (1616) 2, 357.
anschlieszend an 3 b
als '
aufzehren, verschlingen': dann ie der Rein on alle schew etzt durch sie (
die berge) ein strasen frey, vnd würd sie mit der weil verzeren, zu eim vorbild, demüt zu lehren Fischart
glückhaft schiff 13
ndr. fast terminologisch: uppe dat de Elve den over und mersch nicht vorterde
städtechron. 7, 368.
von der gleichen grundvorstellung ausgehend: wir vom adel haben die kloster guter vnter vnser ritter guter gezogen; nuh haben die kloster guter die ritter guter fressen vnd verzeret Luther
tischr. 5, 108
W.; in der bodenwirthschaft sahen wir bereits früher die steigende capitalmacht den mittleren und kleinen grundbesitz in Italien ... verzehren Mommsen
röm. gesch. 2 (
61874) 391; die stadt hat nicht, wie es meistens geschieht, das umliegende land verzehrt; eher geschah das umgekehrte: die landschaft wuchs heran
qu. a. d. j. 1835. II@C@5@bb) '
geistig in sich aufnehmen'.
es heben sich zwei anwendungsbereiche heraus. II@C@5@b@aα)
seit dem 18.
jh. häufig für intensives (
gieriges, ausgiebiges)
lesen; s. essen 10,
teil 3,
sp. 1166
und ververschlingen 2 ('
bücher verschlingen')
teil 12, 1,
sp. 1110: sonst verzehrte ich alle morgen einen ganzen roman Möser
s. w. (1842) 5, 4; ich bin willens, Herdern diesen sommer, so zu sagen, zu verzehren (1788) Schiller
br. 2, 62
Jonas; bald aber erkannte ich mit schrecken, dasz dies mit groszen lettern gedruckte buch zu schnell von mir verzehrt wurde Laube
ges. schr. (1875) 1, 268; ich habe die drei Flaminier (
dichtungen eines studenten) schon rein verzehrt, mit ausnahme eines groszen teils der psalmen (1846) A. v. Droste-Hülshoff
br. 2, 490
Schulte-K.; indem er das neueste (
zeitungs-) blatt dem nachbar hinreichte, der es mit begierigen augen verzehrte E. T. A. Hoffmann
s. w. 15, 63
Gr. überhaupt '
aufnehmen': wenn die unwissende zeit seine (
Gleims) werke so ungerecht verzehren sollte Herder 1, 337
S. II@C@5@b@bβ)
vom menschlichen blick, meist als ausdruck leidenschaftlicher hingabe und erwartung, vgl. dazu fressen 2
und verschlingen 2;
ferner die übertragungen unter D 2: die bewegung, mit der er ... bald ihr gesichte bald ihre leibesgestalt mit verzehrenden blicken ansah S. v. Laroche
frl. v. Sternheim (1771) 1, 239; du sagst, du kannst ihm nicht in die augen sehen, weil er einen verzehrenden blick habe Bettine
d. Günderode (1840) 1, 376; die ganze schwärmerei einer italienischen sternennacht lag in diesem auge, wenn es sich öffnend starr den blick festhielt und den gegenstand, auf den es fiel, fast in sich aufsaugend verzehrte Gutzkow
ritter (1850) 4, 14; seine flammenden augen ruhten verzehrend auf ihr Laube
ges. schr. (1875) 2, 30; Odontius verzehrte mit brennendem auge die ruhig dastehende gestalt des (
gehaszten) königs
ebda 10, 204; seht ihr dort den jungen musiker, mit ... verzehrendem ausdruck der augen? R. Wagner
ges. schr. u. dicht. (1897) 1, 242; er (
der liebhaber) hat sie angesehen ... als wenn er sie hat verzehren sollen Storm
s. w. (1898) 2, 146; fast verzehrend hingen Julies augen an ihrem mann Cl. Viebig
die v. d. toren (1949) 144.
intensivierend: er schaute wieder die blatternarben mit verzehrender aufmerksamkeit an J. Wassermann
Caspar Hauser (1908) 526. II@C@5@cc) '
in sich aufnehmen und so ablösen, überwinden'
; oft nur die abfolge verschiedenartiger, auch gegensätzlicher zustände und vorgänge kennzeichnend: wan schmertzen, krieg, alarmen wird sein in fried verzehrt Spee
trutznachtigall 28
Arlt; welcher mein schmertz, machte zum schertz mein leid in frewden thet verzehren, mein frewd mit frewd thet vermehren
schausp. d. engl. comöd. 276
Creizenach; im warmen Spanien, wird neue gluth (
liebe) die ältere verzehren, die mich tödtet Zach. Werner
Luther (1807) 41; sie (
die Sebaldus-madonna) steht schon zwischen den zeiten. indem sie den weichen stil vollendet, läszt sie bereits einzelzüge des kommenden ein, der diesen verzehren wird Pinder
d. kunst d. ersten bürgerzeit (1937) 193.
ähnlich: man musz es (
Goethes kälte in der stunde d. befreiung d. vaterlandes) vergessen und verschmertzen, es von der bewunderung verzehren lassen, die man für seinen genius — von der liebe, die man hegt für seine grosze person Th. Mann
Lotte in Weimar (1946) 184.
vom licht, das die finsternis überwindet, besiegt, verdrängt; auch übertragen auf den religiösen bereich: Aurora pfleget sich mit purpur auszukleiden, wenn ihr beflammter glantz die finstre nacht verzehrt
Hofmannswaldau u. a. Deutschen ged. (1697) 2, 60
Neuk.; dein glantz all finsternisz verzehr, die trübe nacht in liecht verkehr
evang. kirchenl. 3, 11
Fischer-Tümpel; hat Christus sich mir kundgegeben, und bin ich seiner erst gewiss, wie schnell verzehrt ein lichtes leben die bodenlose finsternis Novalis
schr. 1, 61
Minor. II@C@5@dd)
weiteres zurücktreten der grundvorstellung '
devorare',
bzw. '
consumere'
führt zur bedeutung '
zerstören, vernichten, beseitigen',
die sich freilich durch den gleichen vorgang auch aus der Gruppe D, F
und G
entwickeln kann; vgl. die oben unter I 1—3
gegebenen belege, besonders aus dem bibl. sprachgebrauch. in diesem sinne von weitester anwendungsmöglichkeit: der winter sprach, er verzerte und vernützte alle frucht vnd vertribe alle gifttragende wurme
ackermann a. Böhmen 85
B.-B.; (
der) tzinszkauff, der in aller welt alle land, leudt und stet vorterbet, vortzeret und vorstoret durch sein schalckhafftigen schein Luther 6, 262
W. in sprichwörtlicher verwendung, häufig mit entgegengesetzten begriffen verbunden: ob Mars schon alles verzehrt, was Ars erwirbt G. Voigtländer
oden u. lieder (1642) 111; krieg ist der alles verhehret, verzehrt
ebda 50; einigkeit vermehrt, uneinigkeit verzehrt Lehmann
floril. polit. (1662) 1, 187; fried nehrt, unfried verzehrt
ebda 236. II@DD.
aus der bedeutung C
hebt sich der seit Luther
auszerordentlich häufige gebrauch von verzehren
in ververbindung mit feuer, flamme
usw. heraus im sinne von '
langsam zerstören, vernichten, verbrennen',
gleichsam etwas '
auffressen' (
s. o. fressen 5 a).
auch heute noch gebräuchlich. II@D@11)
eigentlicher gebrauch: verzert werden
in cinerem abire Dasypodius
dict. (1535) 465
a; die brunst hat vil verzeert, das fheur hat vil verbrennt
flamma multos hausit Frisius
dict. (1556) 625
a.
der gebrauch ist alt: item uff den fylss (
stein) haint die priesteren gelacht yren offer, den das fuyr hayt vertzert (1492)
dt. pilgerreisen 269
Röhricht. er begegnet schon früher im zusammenhang mit der bibel: dar umme wart geboten in der alden eê, daz man solde opphern zvo junge tuben, eine die solde das vur vorcern durch daz daz wir alle invurich wurden in der liebe unsers herres gotes (14.
jh.)
bei Schönbach
altdt. pred. 1, 35.
bei Luther
ist der gebrauch voll ausgebildet und begegnet nicht nur dort, wo die vulgata (de)vorare
hat, sondern auch comburere, consumere
u. ä.: und er sahe, das der pusch mit fewr brandte und ward doch nicht verzeret
2. Mos. 3, 2; ein feuer ... verzehrte auf dem altar das brandopfer (
devoravit holocaustum)
3. Mos. 9, 24; ich will ein fewr in die mauren zu Gasa schicken, das sol jre pallast verzehren
Amos 1, 7; wie ich das holtz ... dem fewr zu verzehren gebe
Hesek. 15, 6.
die festigkeit dieses gebrauchs zeigt die gegenüberstellung: das sein opffer sey vom fewr verzeret worden und nicht geessen (
consumptum ... non comestum) 2.
Macc. 2, 11.
er ist Luther
auch auszerhalb der bibel ganz geläufig: denn seit der zeit ihr fur vns gesorget habt, wolt vns das feur verzeret haben in vnser herberge, hart fur meiner stubenthür (10. 2. 1546)
br. 11, 291
W. die belege reichen bis in die gegenwart: gold ist das edelste metal auff erden, dass es auch von dem fewr nicht kan verzeret werden Agricola 750
teutscher sprichw. (1534) C 6
b; wie ... das feur vom himel ain papstische kirchen, nachmals auch etlicher verstockter papisten heuser verzert hat
städtechron. 33, 84; kein zan verweset, das feuwer mag sie auch nicht verzehren Heyden
Plinius (1565) 27; ist ein erschrockliche brunst entstanden, welche ... beynahe die gantze statt verzehrt Stumpf
Schweizerchron. (1606) 29
a; zeit wehrender blocquade kam in der stadt ... ein fewr aus, welches fast den dritten theil der stadt ... verzehrete und in asche legte Chemnitz
schwed. krieg 1 (1648) 88; darauf seyn im magdeburgischen 3 dörffer vom feuer verzehret (1714)
Berliner geschrieb. zeitungen 25
Friedländer; scharenweise fliehen die alten bewohner aus ihren väterlichen gütern und sehen mit wehmüthigem blik in die flammen zurük, die ihre stillen hütten verzehren Wieland I 3, 18
akad.; das feuer (
hatte) die kleine garderobe Mignons verzehrt Göthe I 22, 224
W.; wär ich ihr vater, flammen sollten sie verzehren Schiller 13, 355
G.; dann sollten die männer hurtig herbeispringen und sie (
die igelhaut) ins feuer werfen, auch dabei bleiben, bis sie vom feuer verzehrt wäre br. Grimm
kinder- u. hausmärchen (1812) 2, 131; gerettet war nichts ... bibliothek, musikalien, instrumente: alles, alles verzehrt (1808)
mon. Germ. päd. 37, 570; es liebt das feuer frei emporzusteigen, verzehrend, die mit seinen lohen spielen Eichendorff
s. w. (1864) 1, 437; (
der) brand, der Hagens ganzen Tristan in der druckerei verzehrt hat (1822) J. Grimm
an Lachmann 1, 366
Leitzm.; flammen ... verzehrten in drei tagen und drei nächten fünf jugern mit allem was der boden trug zu asche Niebuhr
röm. gesch. (1843) 3, 656; die flammen des scheiterhaufens verzehrten mit der hülle des hohen mannes zugleich die spuren des verbrechens Mommsen
röm. gesch. 2 (1874) 100; sie warf (
einen brief) ins feuer und eine träne fiel mit in die glut, welche die verworrenen, zitterhaften buchstaben verzehrte W. Raabe
s. w. II 2, 5; aus schmerz darüber tötet sich die frau, er läszt sich durch feuer verzehren G. Freytag
ges. w. 14 (1887) 138; und wer sich mit ihnen (
d. geweben) schmückt, den verzehrt höllisches feuer bei lebendigem leibe Sperl
söhne d. herrn Budiwoj (1927) 483.
gern als adj. part. praes.: du wirst heimgesucht werden ... mit flammen des verzerenden fewrs
Jes. 29, 6
u. ö.; die grösste masse vom licht des verzehrenden feuers fällt in die mitte auf die hauptfigur Gleim
briefw. 1, 347
Körte; (
der gott) war von alters ein verzehrendes feuer Bürger
s. w. 284
b B. die vorstellung vom fressenden feuer stellt sich immer wieder ein: wie ich das holtz ... dem fewr zu verzehren gebe
Hesek. 15, 6; gleich einem wilden thier schreitet das feuer gewaltsam vor, leckt, friszt und verzehrt J. Grimm
kl. schr. (1864) 5, 396.
hierhin auch: in einem schlage wirtt feuer, donner, blitz die gantze creatur vortzeren Luther
tischr. 3, 290
W.; das wetter müsse dich verzehren J. Fröreisen
bei Dähnhardt
gr. dramen 2, 231; verzehrend feuer donnre der himmel auf sie herab Lessing 2, 343
L.-M.; kaum stund das nest, so wards verheert und durch den donnerstrahl verzehrt Lichtwer
Äsop. fabeln (1748) 58; längst hernach hat das wetter in den kirchturm geschlagen und wie sonst alles verzehret, auszer dem gemäuer auch die glocke geschmelzt br. Grimm
dt. sagen (1891) 1, 98; das wetter müsse dich verzehren o götter, eilet jetzt mit mir! laszt bald mich euren kusz empfangen! sei es nun im wetterstrahl, der schlängelnd mich verzehre sei es im windhauch Mörike
ges. schr. (1905) 3, 122
Göschen. reflexiv vom brennenden objekt: ein stein in einem feuwrigen ofen ... verbrennt oder verzehrt sich dennoch nicht vnnd wirt nur härter davon
volksb. v. Dr. Faust 35
Petsch; das feuer liesz augenblicklich nach; ... aber es war, als verzehre sich alles in sich selbst Fontane
ges. w. (1905) I 1, 493; an löschen war nicht mehr zu denken; es kam darauf an, dass das gebäude sich verzehrte, ohne das theater und die Kathrinenkirche zu erfassen Moltke
ges. schr. (1892) 6, 175;
so auch: ... denn eh' noch zur kohle sich das bündel (
reisig) verzehrt Göthe I 1, 244
W. auch: die anstrengung ist ein feuer, das sich selbst verzehrt W. v. Humboldt
ges. schr. 1, 323
akad. II@D@22)
der übertragene gebrauch führt auch hier zunächst in den religiösen bereich mit seinen z. t. formelhaften metaphern: es möcht aber der ynbrunst vnnd das feuer götlicher liebe so grosz sein, das es teglich (
leichte) vnd totsünd verzarte Keisersberg
brösamlin 2 (1517) 33
b; das gantze land sol durch das fewr seines eifers verzehret werden
Zeph. 1, 18; sie (
die hl. schrift) ist ein verzehrend fewr. wenn du meinest, du habst sie gefangen für deinen verstand, so bistu zu asschen verzeret, ehe du dich umbsihest Luther 54, 279
W.; der keines wolte oder kondte in dem gestrengen gerichte gottes vnd seinem verzerenden fewer bestehen Mathesius
Sarepta (1571) L 1
b; wo gott ein fewer ist, so ist mein hertz der herd, auf welchem er das holtz der eittelkeit verzehrt Silesius
cherub. wandersm. 20
ndr. die hier anklingende vorstellung von gott als dem '
verzehrenden feuer'
geht auf die bibel zurück (
vgl. 5. Mose 4, 24;
Hebr. 12, 29);
ähnlich: der herr ist gott, licht ist sein kleid. er schilt: des himmels säulen zittern; sein zorn verzehrt, sein blitz gebeut Hagedorn
poet. w. (1769) 1, 7. II@D@33)
es begegnet dann auch in anderen bereichen: wie das vaterland durch einen bestendigen friede aus den verzehrenden kriegsflammen zu retten Chemnitz
schwed. krieg 2 (1653) 630; die flammen brechen aus, und die vermehrte glut verzehrt dein (
d. Türken) dürres reis Pietsch
geb. schr. (1740) 6.
als bevorzugte metapher in der sprache der liebe: wers ein brand, ich wehr versehret, vnd zu asch verzehret (
spricht ein verliebter) Voigtländer
oden u. lieder (1642) 32; was vor ein unerleschliches feuer hat seine gegenwarth in meinem hertzen angezündet, eines, welches mich gantz verzehren wird
schausp. d. engl. comöd. 82
Creizenach; liesz ich allzu rasch in meinem busen der flamme luft, die mich nun selbst verzehrt, so kann mich's nicht gereun Göthe I 10, 195
W.; doch eher mag ihr feuer mich verzehren, eh' in der minne diensten ich zum knechte mich wand'l um, in lieder und in thaten Strachwitz
ged. (1850) 134.
durchaus üblich ist reflexivgebrauch; dazu vgl. die belege unter G 2 a: die schwester wird ja nicht den bruder hassen können, so in verdeckter brunst sich in sich selbst verzehrt Hofmannswaldau
u. and. Deutschen ged. 1, 4
Neukirch; wie der kranke königssohn sich über die braut seines vaters in liebe verzehrt Göthe I 21, 106
W.; (
sie) ververzehre sich, sie liebe den könig Laube
ges. schr. (1875) 3, 176; (
der geselle) der ... sich ... in platonischer liebe ... verzehrte Fontane
ges. w. (1905) I 5, 15;
allgemein von der glut innerer erregung, leidenschaft und hingabe: jenes himmlische feuer, welches die seele erhitzet und entflammet, jenes um sich greifende verzehrende genie ... werden den schriften des frauenzimmers allezeit fehlen Lessing 10, 4
L.-M. oft von ihrem ausdruck in wort (
s. 4)
und blick: mein vater! so blasz ist dein angesicht, verzehrende glut aus dem auge dir bricht Castelli
s. w. (1844) 14, 132; was seh ich? theure brüder, welch ergrimmen! wollt ihr mit flammenblicken mich verzehren? Uhland
ged. 1, 446
Schmidt-H.; in ihren augen brannte ein feuer, das den leib verzehrte Storm
s. w. (1898) 3, 72;
ebenso im reich der erkenntnis: (
wenn) der erkenntnisz feuer sie verzehret
Z. Werner
Martin Luther (1807)
prolog X. II@D@44)
sehr verbreitet ist in neuerer zeit der gebrauch des part. präs. verzehrend,
zunächst noch ganz bildlich: die reden der Desdemona ..., die ihm (
Othello) wie verzehrendes feuer durch mark und bein dringen Gerstenberg
schlesw. lit.-br. 15, 122
lit. denkm.; mit der sehnsucht verzehrendem feuer Bettine
d. buch geh. d. könig (1843) 1, 5; seine (
Botticellis) heiligen sind nicht gesunde leute, denen es gut geht; er giebt bei Hieronymus das innerlich verzehrende feuer und ist ergreifend in dem ausdruck von schwärmerei und askese bei dem jugendlichen Johannes Wölfflin
d. klass. kunst (1901) 16; das gesellige leben erfordert es, dasz die menschen ihren hochmut noch schamhafter verbergen als den geschlechtstrieb. umso verzehrender aber wütet er in ihrem gemüt Werfel
Bernadette (1948) 327; aus seiner peinigenden verdrossenheit stieg wut und wurde zum alles verzehrenden hass Graf
unruhe (1948) 260.
je mehr sich der wortsinn vom bildhaften ausgangspunkt entfernt, umso mehr dient verzehrend
der intensivierung des zugeordneten begriffes: verzehrenden eifers voll Wernicke
poet. versuch (1704) 199 (
das bild vom verzehrenden eifer
geht auf psalm 118, 39
zurück, vgl. auch: wahrster ausdruck abgebrannten, von eifer verzehrten wesens Lavater
physiogn. fragm. (1775)
256); seine verzehrende wut Bodmer
d. Noah (1752) 320
; eine verzehrende neugierde Göthe I
40, 234 W.; ein lächeln worin die verzehrende herrlichkeit des geistes sich verbirgt, ist wenig und viel Hölderlin
ges. dicht. 2, 71
Litzm.; die verzehrende inbrunst eines herzens Tieck
schr. (1828) 4, 396
; diese liebe ist das einzige süsze gefühl, aber wie verzehrend süsz aus Schleiermachers leben (1860) 2, 295; verzehrender ehrgeiz Häusser
dt. gesch. (1854) 1, 221
; mit verzehrender ungeduld Holtei
erz. schr. (1861) 2, 98
; mit verzehrendem verlangen ebda 15, 19; gedanken ... des verzehrenden neids Mörike
w. 1, 125
Göschen; in verzehrendem ingrimm Ranke
s. w. (1867) 37, 196
; liebe von verzehrender kraft Scherer
litt.-gesch. 7154
; mit verzehrendem eifer H. Seidel
Leberecht Hühnchen (1899) 100
. ungewöhnlich: niemand, der es nicht erfahren hat, kann wissen, was das heiszt: über alles zu lieben ..., was ... unserm ... verzehrenden dank entzogen Jacobi
w. (1812) 1, 376
; von meinem inneren leben mit verzehrender ausschlieszlichkeit absorbiert, habe ich daher fast alles äuszere meistens vernachlässigt A. v. Berger
ges. schr. (1913) 1, 5
. II@EE. (seine) zeit verzehren
die zeit hinbringen, verbringen; auch die tage, das leben, die jugend, das alter verzehren.
diese gruppe, mhd. und frühnhd. auszerordentlich reich bezeugt, lebt in diesen fast formelhaften verbindungen bis ins 18.
jh. und reicht in spuren bis in die gegenwart. auch ihr liegt die bedeutung '
verbrauchen, consumere',
wie in den voraufliegenden gruppen, zugrunde, vgl. dazu: ydoch so verczeret der mensch all sein czeit in den dingen, dy das fleisch fürdert (
totum tamen tempus suum expendit in hijs, que caro requirit) Johann v. Neumarkt
stachel d. liebe 5
Klapper. II@E@11)
zeit (
tag, stunden, leben)
unter gewissen umständen verleben, mit einer bestimmten tätigkeit ver-, zubringen; tempus edormiri zeyt mit schlaafen verzeeren Frisius
dict. (1556) 459
b: swer so sine jar verzert daz im diu helle ist beshert, der hat sich selben betrogen Ulrich v. Türheim
Rennewart v. 8007
Hübner; so mustu dan besorgen wie din lieb in dem lannd fert. du weist nit wie es sin dag verczert
mittelhochdt. minnereden 18
Thiele; nu was der gotes wigant ... itzu uf sebenzec jar kumen. die hette er vruchtzam verzert
väterbuch v. 33279
Reissenberger; und manent die runzeln und grâwez hâr, wie wir verzert haben unser jâr Hugo v. Trimberg
renner 23 808
Ehrismann; als grôz zeit die müeter (
der störche) verzerent ob den kinden, als grôz zeit verzerent diu kint ob den müetern und speisent si auch Konrad v. Megenberg
buch d. natur 175, 20
Pf.; mein leben das ist gar vertzert, mein leben das ist vaige, wa es vert; mein trost der musz sich enden Heinrich v. Neustadt 23
Singer in anererbter fürstlicher freyhait und aigenschaft sein leben verzeren und sleissen (1481) Füetrer
bayer. chron. 6
Spiller; also bit ich wann es wolgangen ist, das wir verzeren frölichen tag
Terenz deutsch (1499) C 3
b; der ellent ritter die gantz nacht ungschlaffen verzeret Wickram
w. 1, 103
lit. ver.; dorumb wo ein stund in heydnischer history verzört, soll sich ... ein gantzer tag in der christlichen erstrecken Hedio
chron. Germ. (1530) 2
a; kriechen soltu auff der erden, auff deiner prust den zeyt verzeren
bei Reu
gesch. d. kirchl. unterrichts (1904) 178; Virgilius Maro ... verzöret sein junge tag zu Cremona S. Franck
chron. (1531) 112
b; es ist ein kurtze zergengliche zeyt hie, lassent sie vns nicht verzeren in vnglauben
bei O. Clemen
reform.-flugschr. 2, 434; ich wil schon orth vnd ende finden, da wir unsere zeit in sichern stande verzehren vnd zubringen mögen
bei Creizenach
schausp. engl. comöd. 209; die tag ich meines lebens verzehr in stätem last Spee
trutznachtigall (1649) 25; ... des schlafes sich zu wehren den unmuth abzuthun, die weile zu verzehren Logau
sämtl. sinnged. 286
lit. ver.; dass weil bey ihnen tag und abend ich (
besuchsweise) verzehrt, nicht möglich, dass durch list ich heimlich eingekehrt in ein verwahrtes haus Gryphius
trauersp. 278
Palm; nein! wer liebt, läst sonder pein nimmer einen tag verstreichen, den er nicht mit der verzehrt, die nur einig ihn begehrt
ders., lustsp. 185; Numerianus, desz vordern (
Carinus) brueder verzehrte seine jugent in wolständigern unterhalt Fr. A. Brandis
ehrenkräntzel (1678) 55.
so auch noch im 18.
jh.: mit wie viel vortheil hast du hier in Straszburg, deine zeit verzehret Triller
poet. betracht. (1750) 5, 325; (
Philoktet) eine so griechische seele, musz fern von seinem vaterlande ... sein leben verzehren Herder 3, 43
S.; (
er, der) nach Deutschland heingekehrt, dort, wer weisz es wo, das übrige leben verzehrte J. Grimm
kl. schr. (1864) 3, 19.
vom alter: derhalb musz ich meins alters zeyt verzeren nun in trawrigkeyt Hans Sachs 2, 32
lit. ver.; Metellus hat sein alter blind verzeeren müssen Eppendorf
Plinius (1543) 27; das alter verzehret man in jammer und elend Grimmelshausen
Simpl. 459
Kögel. II@E@22) '
zeit vertun, verschwenden, nutzlos hinbringen oder verstreichen lassen'
; auch ohne verdeutlichenden zusatz: contrivi diem ich hab den gantzen tag verzeert oder verschlissen Frisius
dict. (1556) 320
b; owe, jugent, wie han ich dich verzeeret Seuse
dt. schr. 281
Bihlm.; was thue ich, wes beginne ich, daz ich meine schöne iugent vnd iunge tage on früchte also verczere Arigo
decameron 193
lit. ver.; wan cristen menschen die meszpredig versaumeten oder den merer theil des tags verzerten sunst nit, das lassen wir ston Pauli
Keisersbergs narrenschiff (1520) 126
b; er hett den tag verzehrt, wie er selb fürgab, von wegen des zweiffels, vnnd das er nicht wuszt, wie er sich auff solchen fürschlag halten solt Xylander
Polybius (1574) 502; er würde sehen die eytelkeiten etlicher weiber, welche den gantzen vormittag in zier vnd schmuckung ihres kopffs vnd angesichts verzehren Albertinus
Lucifer 128
L.; behüte dich gott, welt, dan dieweil man dir nachgehet, verzehret man die zeit in vergessenheit, die jugend mit rennen, lauffen und springen über zaun und stiege, über weg und steg Grimmelshausen
Simpl. 459
Scholte; seine täge in müssiggang verzehren Hohberg
georg. cur. (1682) 1,
vorr. a 2; fruchtlos verzehren dadurch nach wie vor die braven ihr geschäftiges leben Jahn
w. (1884) 2, 500. II@E@33) '
eine befristete zeit ver-, (
ge)
brauchen, in anspruch nehmen'
; von bestimmten tätigkeiten oder vorgängen: wie grosze zeit verzert das viertail des tyrkraizzes in seinem aufgange, in als grozzer zeit get das viertail des ebennehters auf daz dem zuseitig ist Konrad v. Megenberg
sphaera 27
Matthaei; das wir 3 stundt verzOerten, ee wir sy mit einander gar erwürgten Seb. Franck
weltb. (1534) 232
b; in obgemelter gantzen theologischen predig zuo studieren hätte er wol acht gantzer monat verzert Eberlin v. Günzburg
s. schr. 1, 57
ndr.; also das mit im disen gemelten artikel ze disputieren zwen tag verzert wurden Kessler
sabbata 300
hist. ver. St. Gallen; er (
der biber) lasst nit nach, ob er gleych vil zeyt an einem baum verlieren vnd verzeeren muss Herold-Forer
Gesners thierb. (1563) 22
b. II@E@44)
vereinzelt erscheint die gleiche bedeutung auch vom raum, als '
platz in anspruch nehmen, verbrauchen': dasz ... ein nicht geringes stück (
des röm. rechts) ... nicht auf art und weise eines gesetzgebers, sondern eines professoris, der etwa einen tractat schreibet, verzehret wird Leibniz
dt. schr. 1, 260
G.; die beiden reden hätten einen beträchtlichen raum verzehrt und weisen ... nur wenige und unbedeutende varianten auf Fr. Schlegel
jugendschr. 1, XI
M. II@FF. '
auflösen, zersetzen',
vor allem von vorgängen im bereich der organischen und anorganischen natur; häufig ist reflexives sich verzehren '
sich (
allmählich)
auflösen, schwinden'.
das dem worte zugrundeliegende bedeutungselement des kontinuierlichen wird in dieser gruppe besonders sichtbar. vielfach überschneiden sich die belege mit den unter B
angeführten. II@F@11)
von den auflösenden wirkungen chemischer, mechanischer u. ä. vorgänge, vor allem an festen körpern. II@F@1@aa)
gern vom rost; exesa inveniet scabra rubigine tela ... vom rost frässen vnd verzeert Frisius
dict. (1556) 1167
a: daz (
eisen) ist kalter natur und ist hert, vest und sneidend, alsô daz es alleu andreu dinch zämt mit seiner vestikait und wirt doch verzert von im selber Konrad v. Megenberg
buch d. natur 479
Pf.; seht! Mars entweicht, Bellona fliehet, der rost verzehrt der schwerter stahl; verstand und tugend herrscht, der völker wohlfahrt blühet, Europa weis von keiner quaal Gottsched
ged. (1751) 1, 13.
oft übertragen: wo wären ihre (
der dichter) berühmten und unsterblichen wercke, die kein rost der zeiten jemahls verzehren wird? Breitinger
crit. dichtkunst (1740) 1, 115; die erste grosze dichtung (
Waltharilied) ..., die trotz verzehrendem roste der zeit unverzehrt der nachwelt erhalten ward Scheffel
ges. w. (1907) 2, 197.
anders: wir seyend halt ein wenig auf die gasse gegangen, dasz uns im haus nicht gar der rost verzehrt Hafner
ges. lustsp. (1812) 1, 182.
hierher auch: wie das gold nicht wird verzehret vnd das allerreinest ist
Venusgärtlein 91
ndr. II@F@1@bb)
in der sprache der medizin: das pulver von schneckenheusern in essich genommen, weychet das miltz vnnd verzeret die böse feuchtigkeit des miltz Tollat v. Vachenberg
marg. medic. (1516) 7
b; und mit seiner hitz da verzeret es die geschwulst davon
M. Herr
schachtafelen d. gesuntheyt (1533) G 3
a; etlich puluer zu etzen, das überflüssig vnnatürlich fleisch zu verzeren Hier. Braunschweig
chirurgia (1539) 12
b; alle kranckheyten vnd der todt verzeeren das blut Eppendorff
Plinius (1543) 22; (
durch d. mittel) die vberflüssigkeyt ieder feuchte, so schedlich seyn wurde, gemindet vnd verzert werde Ryff
regiment d. gesundth. (1544) cc 3
b; dann die scherpffe dises samens (
senf) verzehret (
dem augenkranken pferde) die dicke des fleckens
M. Herr
d. feldbau (1551) 188
a; das pestilentzisch gifftgeschwär eher dann inn siben stunden zu verzerren Sebiz
feldbau (1579) 65; darnach binds dem pferd warm vber dasselbig glid vnd lass stehn drey tag, so verzert es sich Seutter
hippiatria (1599) 60; die (
einer wunde) nahe haut schwoll bis gegen das auge an, der rand verzehrte sich um die öfnung herum
allg. dt. bibl. (1765) 1, 2, 127.
dann auch: artznyen die da reinigen, purgieren, trucknen vnd die wind verzeren (1513) Rösslin
d. frawen rosegarten 64
Klein; wo verstopffung aus zeher böser feuchtigkeit vorhanden, ist erstlich dieselb zu erweichen, nachfolgendes auszuführen. wo wind vnd bläst, sind dieselbigen zu verzeren J. Behm
ein nützl. artzneyb. (1625) 211.
von den krankheiten selbst: sondern (
sie) sollen arbeiten, so verzeren sich viel kranckheiten Huberinus
spiegel d. hauszucht (1553) 252
b.
übertragen: solle gewisslich die schwarmkranckheit sich von tag zu tag verzehren Harsdörffer
frauenz.-gesprächsp. (1641) 1, C 5
a. II@F@1@cc)
im sinne von '
verwesen'
: attanie tot, verwesen
o. verzert leichnam Diefenbach
gl. 57
c: der geist der von uns scheidet, ist untotlich swa der vert, daz vleisch die erde gar vorzert, so daz iz aber werden muz wider zur erden Heinrich v. Hesler
apokalypse 17 934
Helm; ich gleube, das alle menschen mit diesem leibe ... der da ... von den würmern gefressen odder wie er sonst verzeret und umbkomen ist, widder ümb zum leben werden aufferstehen 2
ältere katechismen 57
ndr.; also verzehrt sich der elementiert leib (
nach dem tode in der erde) in den elementen Paracelsus
opera 2, 381
Huser; das eingeweid (
der mumie), welches sich gar verzehrt hat Schweigger
reyszbeschr. (1619) 275; so stöszt das eisen schon an tausend menschenknochen, weil das durchgrabne feld verzehrte cörper deckt Pietsch
geb. schr. (1740) 11; die höhlung, in der sich der gänzlich verzehrte kopf und die schultern (
des leichnams) gefunden hatten ..., mit gips ausgieszen Dehio
gesch. d. dt. kunst 1 (1949) 180;
auch: (
das schrifttäfelchen) ist schon längst verfault und vom grunde verzehrt Th. Mann
d. erwählte (1951) 286. II@F@1@dd)
auch sonst vom vorgang der allmählichen veränderung und zersetzung im bereich der natur: nim new gelegte eyer ... legs in den stärcksten essig 10 tag, so verzehrt der essig die härte der schalen Gäbelkover
artzneyb. (1595) 1, 26; dasz das silber von dem scheidewasser verzehrt wird Walther
pferd- u. viehzucht (1658) 151; nunmehr (
im pestgrabe) hat der ungelöschte kalk dieselben leckerbiszl (
die lippen) verzehrt, dass anjetzo die zähn hervorblecken Abr. a
s. Clara
w. 2, 95
Strigl; die feuchtigkeit in der Peterskirche drohete diese herrlichen kunstwerke zu verzehren Archenholz
England u. Italien (1785) 2, 222; das wetter hatte die weicheren schiefertheile verzehrt, und die quarzklüfte waren stehen geblieben Göthe II 9, 166
W. im sinne von ausdörren: so wirdt er (
der kaiser) dich hencken vnd den windt verzeren thun
hertzog Aymont (1535) b 1
b; wegen der ausziehenden sonne, verderbenden fröste und verzehrenden winde Ehrhart
pflanzenhist. (1753) 2, 133.
vom bleichenden licht: ihr (
der weiszen farbe) schadet der nässende regengusz nicht, noch bleicht sie der sonne verzehrendes licht S. Mereau
ged. (1800) 1, 69; licht hat die frischen farben (
der blume) am schwülen tag verzehrt Hoffmann v. Fallersleben
ges. schr. (1890) 1, 24.
reflexiv: für rote vnd rostige zän, das sie sich nicht verzehren, so halten am morgen auff der zungen eyn zimlich grosz saltzkörnlin Sebiz
feldbau (1579) 77; die eyer ... verwesen vnd verzehren sich leicht
ebda 108; biss sich das aquavitae im schwefel also verzehrt Thurneysser
magna alchymia (1583) 33. II@F@22)
durch verdunstung, d. h. unter einflusz von wärme (
sich)
auflösen, zergehen (
lassen)
: absorbere verzeren (
ende 15.
jhs.) Diefenbach
gloss. 5
b;
humorem digerere ... zertreyben, durch den dampf verzeeren Frisius
dict. (1556) 416
a; da von hebt die sunne mer dünst auf, danne sie verzern müg Konrad v. Megenberg
sphaera 36
M.; so das wasser verzehrt oder eyngesotten ist, so wird, so in dem geschirr ist, verbrennt Epimetheus
Pandora (1588) 12; die helle nimpt weg, die da sündigen, wie die hitze vnd dürre das schneewasser verzeret
Hiob 24, 19; vnser leben feret dahin vnd zergehet wie ein nebel, von der sonnen glantz zutrieben vnd von irer hitze verzeret
weish. Sal. 2, 4; die nortwind ... verzehren die feuchte Sebiz
feldbau (1579) 7; daran giesse ... brunnenwasser, das siede. so das wasser verzehret ist, schütte ... essig daran Wirsung
artzneyb. (1588) 47; etwas so lang sieden lassen, bisz das drittel verzehret seye Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1432
b.
gehobene sprache gestattet diesen gebrauch noch heute, wenn es sich um den atmosphärischen vorgang handelt: siehe, schon nahet der frühling, das strömende wasser verzehret unten, der sanftere blick oben der sonne, das eis Göthe I 1, 359
W.; eh höher nun die sonn ihr glühend aug erhebt, den thau der nacht verzehrt, wird neu die welt belebt
Shakespeare 1 (1797) 61; nicht lange war die sonne aufgegangen, und ihre glut hatte den nachttau an gras und blume noch nicht verzehren können W. Raabe
s. w. I 6, 201. II@F@33)
beim reflexiven gebrauch, der in der regel an die stelle des passivischen tritt, kehren die bedeutungen '
sich auflösen, sich verflüchtigen, vergehen, schwinden'
wieder; 'sich verzehren ...
nennt man das allmähliche schwinden einer flüssigkeit' Krünitz
encycl. 219 (1854) 367: daz werd am ersten gekochet, bitz sich der safft verzer Gersdorff
wundarzney (1517) 21
a; item so eyn tröpffin aqua vitae auff die hand gegossen, sich als gleich verzert vnd inn kleyner zeit verdampfft Sebiz
feldbau (1579) 415; leg jn (
d. sack mit ameisen) auff deinen leib ..., so verzehrt sich der stein im leib, dasz man sein nicht mehr empfindt Gäbelkover
artzneyb. (1595) 1, 337; alsdan setze man einen solchen menschen (
um ihn feuerfest zu machen) mitten ins feur, da verzehreten sich dan alle bösen humores und schädliche feuchtigkeiten Grimmelshausen
Simpl. 430
Kögel; der wein verzehret sich, zehret ein im fasz Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1432
a; der schnee, das eis verzehret sich allmählich
ebda. im vergleich, angelehnt an 1. Kor. 13, 1: ein Oer (
das erz) das tauwet vnnd verzert sich selbs, als ein glock die rüfft anderen menschen zu dem gottesdienst, sie kummet aber nit, aber sie verzert sich selber ... wir seind die glock, wir verzeren uns selber Keisersberg
brösamlin (1517) 2, 29
b.
noch im 20.
jh. so gebraucht: selbst die schallwellen schienen sich in den grauen schwaden zu verzehren
qu. a. d. j. 1920.
nur dichterisch: er fand sich auf einem weichen rasen am rande einer quelle, die in die luft hinausquoll und sich darin zu verzehren schien Novalis
schr. 4, 56
Minor. vereinzelt fehlt das reflexiv: hier meint ich ruh zu finden und all erlitten leid und jammer zu verwinden, bis meine zeit voll angst gleich als ein rauch verzehrt Gryphius
trauersp. 768
Palm. II@F@44)
nicht selten steht die zeit als urheber des vorganges; tempus edax rerum die verzeerend zeyt, die alle ding verzeert Frisius
dict. (1556) 558
a; steine von alterthum verzehrt Kramer
teutsch-it. 2 (1702) 1432
c: rüstbaumrinden, welche doch das schabenessig und madenfressig alter ... also verzert, abgenützt, durchlöchert, zerkerfft ... hat Fischart
Garg. 41
ndr.; die zeit, welche alles versehret vnd verzehret Fischart
Garg. 431
ndr.; der new wein ist kälter, der alt hitziger ... dann was wasserigs dorinn gewesen ist, das selb hat die zeit verzeert
M. Herr
feldbau (1551) 100
a; da dann vielleicht die lange zeit ein theil desselben (
bergleins) verzehret und niedergeebnet S. v. Birken
Donaustrand (1648) 13; die lehr der heiligen ... wären von der nagenden zeit meistens verzehrt, wann nicht selbigen die schrifft hätte ein tauerhafftigkeit mitgeteilt Abr. a
s. Clara
etw. f. alle (1699) 1, 290; die zeit verzehret die werke der kunst
anmuth. gelehrs. (1751) 8, 575
Gottsched. durchaus auch im bereich des nicht-sinnlichen: die zeit vnd gehorsamb verzehrt all trübsal Chr. Lehmann
floril. polit. (1662) 1, 275; aber was die seele nährt, gottes huld und Christi blut, wird von keiner zeit verzehrt Paul Gerhard
bei Fischer-Tümpel
ev. kirchenlied 3, 318; wann andre bringen gold, so will ich bringen gaben, die keine zeit verzehrt Morhof
unterr. v. d. dt. spr. (1682) 1, 518; weder die verwüstende wafen, noch selbst die zeit, die alles verzehret, mögen ihnen (
den groszen geistern des altertums) schaden Bodmer
crit. schr. (1741) 1, 60;
etwa so viel wie '
in der erinnerung allmählich auslöschen, vergessen lassen': vnd wiewol aller anderen ding gedächtnis ein klayne zeyt harren vnd durch mancherlay zuofäll verfallen, so ist doch die krafft und tugent der hystori dermasz inn alle welt auszgegossenn, das die, was sonst verzert wirt, der zeyt ein hütter und behalter hat Boner
Herodot (1535)
vorrede 2
b.
ähnlich: weil ihres namens ruhm schon ausgebreitet ist, auch nicht verzehret wird von keiner zeit und frist J. Rachel
sat. ged. 8
ndr. II@GG.
durch körperliche oder seelische not und entbehrung ausgezehrt, entkräftet werden. mit der vorausgehenden gruppe sich eng berührend. II@G@11)
von körperlichen entbehrungen und mühsal; vgl. von kranckheit, hunger, von ungemach
etc. verzehrt werden Kramer
teutsch-ital. 2 (1702) 1432
b. II@G@1@aa)
durch hunger und durst, durch alter usw. aus-, abgezehrt werden, oft adjektivisch in der form des part. prät. verzehrt:
sitis sorbet ora ... verzeert das angesicht oder macht es mager Frisius
dict. (1556) 1226
b;
edax uetustas ... die verzeerend elte, die alle ding verzert vnd verschleiszt
ebda 1372
b: blaichu varwe und ein verzeerter lip und demütiger wandel zierent wol einen geischlichen menschen Seuse
dt. schr. 105
Bihlm.; derzuo bin ouch ich (
der einsiedler) ein verdorbener, durchüebeter, verzerter man, der seiner naturen gar we geton het Nicolaus v. Basel 227
Schmidt; vnd ist verzehrt an dem alter und starp (
consumptus aetate)
genesis 35, 29
im cgm. 341; das alter ist vneben, knorret, gerumpfen vnd das fleysch verzert Dürer
menschl. proport. (1520) C 3
a; derselbe hatte sich im gefengnis sehr verzert und abgenommen, denn man jhm wenig zu essen geben Wittichius
ber. v. d. wunderbaren bezoardischen steinen (1589) 19; glühnder durst verzehrt den matten Herder 27, 262
S.; mit einem vom hunger verzehrten, von allem beystand verlassnen feind, schlossen altitalische völker kein bündniss Niebuhr
röm. gesch. (1811) 1, 352; ähnlich jener wüste, worin sich für tausende, welche der hunger verzehrte, nur fünf brote und zwey fische fanden Fr. H. Jacobi
w. (1812) 1, 131.
zu 2
hinüberweisend: es war ... ein atemholen in den dunklen, verzehrenden jahren, nach aller demütigung und erniedrigung des körpers und der seele E. Wiechert
missa sine nomine (1950) 429.
als verstärkender ausdruck: brennenden hunger und verzehrenden durst ... ertrugen er und seinesgleichen jahrelang O.
M. Graf
unruhe um e. friedfertigen (1948) 380.
das part. perf. ist als adj. fest, noch in neuerer zeit: der völlig nahe anblick des verzehrten alten mannes befing ihn Laube
ges. schr. (1875) 10, 204.
doch meint es offenbar nicht nur die körperliche erschöpfung (
vgl. dazu A 2 c
sp. 2463): ein armer verzerter student kam auff ein zeyt gantz spat für ain mühle Lindener
rastbüchlein 16
lit. ver.; arme, verzehrte handwercksbursch
etc. gente di mestiere etc. povera e consumata cioè che hà consumato quel poco che haveva Kramer
teutsch-ital. 2 (1702) 1432
c.
deutlich wird das sichtbar in belegen wie: durch die erbeytt der werckeltag wurden auch die land nit szo arm vnnd vorczerett Luther 9, 268
W.; vnd die thewre zeit wird das land verzehren (
consumpturaest fames omnem terram)
1. Mos. 41, 30; sieh den armen bürger fasten, den des krieges wuth verzehrt. mit was ungezählten lasten sind die städte dort beschwert! Gottsched
ged. (1751) 1, 46. II@G@1@bb)
häufig von zehrenden krankheiten; zunächst allgemein von ablauf und folgen der erkrankung: dan die frawen die also schwanger vnd verzert (
entkräftet) seind (1513) Rösslin
d. frawen rosegarten 59
Klein; schwache, blöde und bleiche leute, die wenig oder wesserig geblüt in jren adern haben oder sonst verzeret sind, die mögen ... des aderlassen abstehen B. Mithobius
wie man sich für der pestilentz bewaren sol (1552) B 3
b; verzehrte menschen, die ausz langer schwachheit am leib abgenommen, wider zu stercken vnnd zu recht zu bringen Wirsung
artzneyb. (1588)
reg.; das vieh, welches ... durch die schwindtsucht allgemachsam verzehret wird Nigrinus
von zäuberern (1592) 82; ein köstlich gut wasser, daruon alle glider gestärckt ... werden, so von schwerer langwiriger kranckheit abgenommen vnnd verzehret worden Gäbelkover
artzneyb. (1595) 1, 408; mein krankheit hat sehr lang gewährt, die schwindsucht mich endlich verzehrt
bei Opel-Cohn
dreiszigj. krieg (1862) 135; gebt acht, ... wie ein mänsch von dem viertägigen fieber verzehret vnd auszgedörret (
wird) Moscherosch
insonmis cura par. 53
ndr.; langsam verzehrende krankheiten traten an die stelle von schnelltödtenden Meissner
Alcibiades (1781) 2, 206; man meint, am besten sei's so kurz und gut bevor uns krankheit zoll um zoll verzehrt A. v. Droste-Hülshoff
ges. schr. (1879) 2, 98; eine verzehrende krankheit schien sich mächtig und rasch zu entwickeln Chezy
erz. u. nov. (1822) 2, 48; jene mattigkeit, (
die) verzehrend ist wie die tödlichste krankheit W. Raabe
s. w. I 6, 325.
vom krankheitssymptom: ein fressendes geschwüre an seinem fusze verzehrte ihn Steinbryckel
Philoctetes (1760) 5.
vom zehrenden fieber: febris hectica fieber, das den gantzen leib verzehrt;
hectica primaria gemählig verzehrend fieber Orsäus
nomencl. method. (1623) 226; (
sie) was mit einnem geferlichen verzerendem fieber genant edica beladenn Scheurl
briefb. 2, 224
Soden-Knaake; verzehrend fieber, hectica ... schwindsüchtig fieber Wirsung
artzneyb. (1588)
reg.; es leide der könig an einem verzehrenden fieber H. Laube
ges. schr. (1875) 3, 81.
im bilde: es were aber dasselbe (
d. röm. reich) an seinen kräften und seiner swere, durch langwierige kranckheit und viertagiges fieber, daraus endlich ... verzehrendes hertzfieber geworden, dermassen verdorben und abgenommen Schottel
friedenssieg 3
ndr. ganz vereinzelt prägnant von der schwindsucht (
tuberkulose)
in anlehnung an häufigeres auszehren,
teil 1,
sp. 1024; auszehrung
bei Sanders 2, 2, 1712
b und unten verzehrung 4,
sp. 2493: diese (
ein krankes mädchen) wurde von allen ärzten verzehrend erklärt Jung-Stilling
s. schr. (1835) 1, 265; leider war der tiefe glanz der augen ihres mannes ... die folge einer hektischen leibesbeschaffenheit und er früh an der verzehrenden krankheit gestorben G. Keller
ges. w. (1889) 6, 224. II@G@1@cc)
von der schädigenden einwirkung äuszerer mittel: dardurch ward er fein sittlich vergifft und verzehret und starb also plötzlich im heimzug aus Italia H. Megiser
ann. Carinthiae (1612) 673; verzehrendes gift
venenum tabificum Steinbach (1734) 2, 1087; wer nur mit ungeweihtem munde es (
d. hl. wasser) berühret, dem wird es die eingeweide verzehren Herder 16, 146
S.; das heisze klima verzehrt die kräfte und macht also weichlich, ... faul
br., d. neueste litt. betr. 22 (1765) 87; sie hat ... ihren mann samt seinem knaben durch geheime verzehrende mittel zum todte gesaugt Göthe I 39, 179
W.; freylich verzehrt er (
der wein) die menschen viel behender vnd tyrannischer als das uberessen Guarinonius
grewel (1610) 734.
hierher auch: wo die geliebten sind, da schmückt sich bräutlich die erde, aber den frevler verzehrt schneller die himmlische luft Novalis
schr. 1, 261
Minor; sie kehren in wenig tagen (
aus dem götterlande) nach Tonga zurück, sterben aber alsbald, nicht zur strafe, sondern weil die luft des götterlandes sterbliche körper verzehrt W. v. Humboldt
ges. schr. 6, 50
akad. II@G@22) (
sich)
innerlich aufzehren, zerquälen (
infolge von sorge, furcht, trauer, sehnsucht, liebe usw.).
körperliche und seelische auswirkungen greifen hier ineinander über. schon früh lexikographisch: attritus ... afflictus, exhaustus, fessus bekumert, verzert
gemma gemm. (1508) c 2
c;
exacerbatus vertzornt, verzert (15.
jh.) Diefenbach
gl. 213
c;
curae edaces ... sorgn, die ein menschen frässend vnnd verzeerend, ausmärglend Frisius
dict. (1556) 458
a;
consumi moerore verzehrt werden von trawrigkeit Corvinus
fons lat. (1623) 268.
hierher vielleicht eine frühe form des starken verbums: atritus ferzoran, ferthroscan (9.
jh.)
ahd. gl. 4, 2, 22
St.-S. II@G@2@aa)
der gebrauch reicht bis in die gegenwart: wie denn traurigkeit pflegt das leben zu verzeren Luther 34, 2, 465
W.; und das vorschmachten oder verdurren ist, tzuvorstehen, das sie sich todt furchten oder yhe nah an den todt, alszo, das sie die furcht vortzehret und krafftlosz macht
ebda 10, 1, 2, 105; das hertzleid wird sie verzeren, ehe sie sterben
Jes. Syrach 27, 32; das leben steet im hertzen, dasselb hertz wirt durch trawren verzert und durch freyd ernert Berthold v. Chiemsee
teutsche theol. 331
Reithm.; neid fällt auf den neider widerum zurük, denn er ist ja nichts anders als eine freszende und verzehrende marter
Reinicke Fuchs (1650) 341; ... mein hertze wird verzährt, dasz er (
der teufel) ohn unterlasz so grimmig an mich fährt Fleming
teutsche poemata (1642) 26; begehrt ich dann von ihr (
meiner gattin), dasz sie mich solt begraben? ach nein! disz ist ein werck, das lebendig verzehrt
discourse d. mahlern (1721) 1, T 3
b; drum hat die sorge mich beynahe ganz verzehrt, zu früh, und ohne nutz der erden, auszurauchen (
zu sterben) Zinzendorf
geistl. ged. (1766) 178; ... aber du (
gott) weiszt es ja, schon lange weiszt du, was mein gebein verzehrt Klopstock
oden 1, 72
M.-P.; er war bereits ehe er aus Rom ging, in die äuszerste melancholei gefallen, die ihn ganz verzehrt hatte (1763) Winckelmann bei Justi (1866) 2, 2, 34; das war es (
die zurücksetzungen Wolfgangs), was mir das herz abnagte, ... was mir immer in gedanken lag und mich am ende verzehren muszte (1777) L. Mozart
bei O. Jahn (1856) 2, 29
anm.; mit tiefem leiden bemerkte er den stillen gram, der ihre jugend verzehrte Schiller 4, 238
G.; einsam verzehrt von lieb und sehnen erschien mir nächtlich jeder tag Novalis
schr. 1, 61
Minor; er wurde ein trauriger gesellschafter, indem der gram alle seine lebhaftigkeit verzehret hatte Adelung
lehrgeb. (1782) 2, 490; und schluchzend betet die von reu verzehrte die bitten nach Cl. Brentano
ges. schr. (1852) 1, 210; eine endlose trauer, die ihn bis zu seiner auflösung verzehren wird W. Flex
ges. w. 1 (1927) 389; hoffnung nert, trauern ferzert (
nach 1500)
bei Ziegler
geschützinschr. (1886) 64.
ungewöhnlich ist ein unpersönlicher gebrauch: es verzehrt mich fast, sagt Melanchthon, wenn ich bedenke, mit welchem flecken unsre gute sache dadurch behaftet wird Ranke
s. w. (1867) 3, 34.
üblich ist das partizip. präs., um die intensität zu unterstreichen, vgl. oben D 4: es müste etwas grosses ihm diesen verzehrenden gram verursachet haben A. U. v. Braunschweig
Octavia (1677) 1, 718; nothdurft und verzehrender gram halten mich hier zurük Schubart
br. bei Strausz
ges. schr. (1876) 8, 119; ein verzehrendes heimweh (
liesz) mir tag und nacht keine ruhe mehr Tieck
schr. (1828) 19, 311; niemand vielleicht hat die bitterniss jener zeit in so verzehrenden qualen empfunden wie dieser schweigsame Treitschke
dt. gesch. (1897) 2, 291.
positiv gewendet von der inneren läuterung: indewendig getrenge und indewendig vinsternisse ... daz verzert fleisch und blut und die nature Tauler
pred. 19, 6
Vetter; die vierde minne das ist die verzerende minne. von der sprach der prophete in dem salter: defecit; min sele die ist verzert und ist ab genomen, herre, in dinem heile
ebda 290.
zugrunde liegen kann diesen belegen die vorstellung von dem verzehrenden feuer der liebe (
s. o. D 2): dis ist die furine minne, die verzert das marg und das blut Tauler
pred. 227, 18
V.; die liebe (
zu Jesus) hat mein mark verzehrt, und alles blut mir auszgeleert A. Silesius
heilige seelenlust 106
ndr. II@G@2@bb)
reflexiv, '
sich in einem seelischen erleben aufzehren': vor jamer sich mein hertz verzert von dir gemert mit kummer grosz elende Forster
fr. teutsche liedlein 17
ndr.; kehr wieder, wiederkehre eh ich mich in angst verzehre
bei Fischer-Tümpel
kirchenlied 1, 242; soll ich mich dann ... gantz verzehren der liebe wegen
schausp. engl. comöd. 242
Creizenach; der dichter schweigt von tausend durchgeweinten tag und nächten, wo eine stille seele den verlornen, rasch abgeschiednen freund vergebens sich zurückzurufen bangt und sich verzehrt Göthe I 10, 91
W.; ihr busen brennt von zärtlichem verlangen, ihr schmachtend herz verzehret sich Schiller 1, 288
G.; so manche, die sich glühend in bittrer qual verzehrt und dieser welt entfliehend nur dir sich zugekehrt Novalis
schr. 1, 48
Minor; ohne die bücher, diese wahre wollust meines geistes, würde sich hier mein leben in stetem gram verzehren Schubart
br. in: Strausz
ges. schr. (1876) 8, 49; ich verzehrte mich in spitzfindigen grübeleien Spielhagen
s. w. (1877) 2, 11; in die engen verhältnisse, die einem deutschen gelehrten zugemessen sind, konnte er sich nicht finden ..., so dasz er sich rasch verzehrte und vor der zeit starb Ranke
s. w. (1867) 1, 175; das partielle genie — die begabung jener tief unglücklichen geister, welche dann und wann in seligen augenblicken mit der kraft des genius das classische, das ewige schaffen, um alsbald ermattet zurückzusinken und sich zu verzehren in heisser sehnsucht nach dem ideale Treitschke
hist. u. polit. aufs. (1886) 1, 76; das wort blieb aus, und er verzehrte sich tagelang darüber, dasz es ausblieb Fontane
ges. w. (1905) I 6, 264; menschen, die sich verzehren in schmerzlichem ungenügen (
wie Dürers vier apostel) Dehio
gesch. d. dt. kunst 3 (1926) 81; wenn es zum wesen der groszen, unzeitgemäszen schöpferischen menschen gehört, dasz sie auf 'ihre zeit' warten und sich in diesem warten gar verzehren, so war Bach weder grosz noch unzeitgemäsz Schweitzer
Bach (1948) 152.
hierher auch: ich unseliger vertzer mein hertz Johann v. Neumarkt
pseudoaugustin. soliloqu. 5
Sattler. in der gegenwart, wie schon die vorausgehenden belege zeigen, allgemein üblich, als ausdruck gesteigerten seelischen erlebens: Marie ... verzehrte sich in bewunderung Fontane
ges. w. (1905) I 2, 111. IIIIII. '
jemanden verköstigen, ihm auf eigene kosten zu essen (
bei tieren zu fressen)
geben'
; auch '
für jemanden die zeche bezahlen, ihn freihalten': item 3 firdung Pauwiln dem briefjungen zu zerunge, als her ... mit den pferden von Birgelow wider ken Marienburg reyt und die pferde of dem (
wege) vorzerete (1399—1409)
Marienburger treszlerb. 183
Joachim; item 2
m. Kunczen des meisters dyner, alzo her her Gnybisch eynen ritter vorzerte in den herbergen
ebda 17; wann man must sie alweg verzeren, und is waz einem befolhen, der darauff merckt und daz anschreib (15.
jh.) E. Schürstab
beschr. d. erst. markgr. krieges 167
Bader; da muoszt im der Pfetner geben 100 guldin, die er verzert (
vgl. II A 2) solt han. das was nit war, wann der von Helffenstain hett in verzert (
Augsburg)
städtechron. 4, 310; dem (
fuhrmann) musz ich zu lohn geben 13 schlecht gulden ... und soll darzu ein persohn und ein puben verzehren (1520/21) A. Dürer
niederl. reise 1, 87
Veth-M.; aber wo er (
der amtmann) der herschaft leuten zu dienst uber feld auszeucht, so sein sew in schuldig zu verzern, aber nicht zu lon geben (1523)
österr. weist. 9, 862
u. ö.; ich setz für dich was ich vermag, und wiltu bei mir bleiben, ich verzehr dich jar und tag
Ambraser liederbuch 230
B.; ein cortisan der zog gen Rom zu dienen in dem ablaszkrom ... auch kam ein teutscher beckenknecht ... den verzehrt dieser cortisan Hans Sachs 17, 312
lit. ver. sy solten den einspenig (
geleitsreiter) hinin (
hinwärts) verzeren (
in der schenke)
F. Platter 291
Boos; so noch bei Kramer: einen verzehren
fare le spese ad uno; spesarlo francarlo di spesa, massime in un vilaggio teutsch-ital. 2 (1702) 1432
a; einen die gantze reise über verzehret haben
ebda 1432
c.
noch in neuerer zeit: den doktor zu begleiten und zu verzehren
bei Sanders
ergänzungswb. 667
a.
mundartlich: ick habe blosz den eenen jungen zu verzehren; 'n mann, der frau un kinder zu verzehren hat Hans Meyer
d. richtige Berliner (
91904) 189
b (
hier fälschlich mit '
scherzhaft'
erklärt).
reflexiv '
sich (
selbst)
beköstigen, sich verpflegen': wann wir iemant der unsern in botschaft oder anders schicken, so pleget man eime iglichen ein nachgelt ... vor sine koste und zeronge zu geben. desglichen haben wir unserm statschriber bisher auch gethan vor sine koste und zeronge, sich damit zu verzeren (
Mainz)
städtechron. 17, 154; dafern er sich selbst vorzehren und sonsten treu fleissig und friedlich erzeigen wollte, wäre es ihm, ihn mit seinen leuten purschiren zu lassen, nicht zuwider Zach. Allert
tagebuch (1627) 16;
vgl. Schmeller-Frommann 2, 1147 (
mit belegen von 1437
und 1516).
bisweilen auch noch in neuerer zeit: sich selbsten verzehren müssen Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1432
a.
in der ma.: sik verteren
kost und zehrung sich verschaffen Dähnert
plattdt. wb. 528
a; də' gutschə' muəs si' səlbə' voozi'ən
bei Schmeller-Frommann 2, 1147.