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verzehrer

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

verzehrer m.

Bd. 25, Sp. 2488
verzehrer, m. , moviert verzehrerin, f., mhd. verzerer; mnd. vorterer; mnl. verterer (verteerder, verteerre). mundartl.: vertEhrer Mensing schlesw.-holst. 5, 440; fərtrə Leihener Cronenbg. 36b; verzierer Luxembg. ma. 469a. in der lexikalischen tradition stark vertreten; früheste belege: cestosus eyn weder man, eyn vor terer (nd. 1417) Diefenbach nov. gloss. 87b; ambro eyn gut verczerer (md. 15. jh.) Diefenbach gl. 29a; lurco verzerer (1516) ebda 340a; verzcerer consumptor voc. incip. teut. (1485) ii 7a; verterer un despendeur, consumptor, impendiosus, profusus schat d. neder-duytsch. spr. (1575) Oo 2b; prodigus, profusus ein durchlas, verzerer, zubringer, der zu viel verthut Faber thes. (1587) 651a; comedo ein prasser, verzehrer ebda 271a; verzehrer, verprasser Hulsius-Ravellus teutsch-frz.-it. (1616) 362a; diuoratore, trangugiatore, pacchione auffresser, frasz, verzehrer Hulsius dict. (1618) 2, 131b. 11) zerstörer, vernichter, anknüpfend an verzehren I, nur unsicher bezeugt: der do ist vngelaubig, der thuot vngetrewliche, vnd der do ist ein verzerer, der verwúst (qui depopulator est, vastat) erste dt. bibel 8, 405 Kurr. (Luther: ein verstörer Jes. 21, 2); Epicurus, meins wollusts lehrer, war der tod ein jeher verzerer H. Sachs 1, 464 lit. ver.; vgl. mnl. verterer hij die verderft of te gronde richt Verwijs-Verdam 9, 134: er behauptet, dasz die vernunfft sey ... die zurückhalterin vom bösen, die verzehrerin der laster Treuer Dädalus (1675) 1, 100. 22) schon früh haftet dem wort der abwertende sinn 'verschwender, vergeuder' an. vgl. die oben angeführten lexikalischen belege: mag genommen werden ein burg (fidejussor) fuer einen jedlichen menschen, fuer einen waysen, vnnutzlichen guet verzerer (prodigo) summa legum 154 Gál; vnnutzer verzerer seiner gueter (dilapidator opum suarum) ebda 458; wie der weise heide Seneca zu einem verzehrer sagte: du hast eine seuche und krankheit, die heiszt gaudens dando bei Luther tischr. 6, 54 W.; wie er (Odysseus) mit den werbern vnd verzerern wurde vmb geen Schaidenreisser Odyssea (1537) 2a; Clareta: o nein, der mann ist dein ernehrer Mariana ...: oder wol meins guts ein verzehrer, ein spiler, balger oder ein zecher, ein hurer oder ein ehbrecher Jac. Ayrer dramen 2015 Keller. so wohl auch noch: aber was sind dann wir im Homer? eine ziffer verzehrer, taugenichte, Penelope's freier Herder 26, 262 S.; vgl. verzehrer Pansner schimpfwb. (1839) 76a. 33) abwertender sinn klingt auch in den redensartlichen wendungen an, in denen verzehrer mit betont positiven begriffen zu einem gegensätzlichen begriffspaar verbunden ist. vgl. auch die belege unter sparer (s. d.) und zehrer (s. d.): gut wil einen ernehrer vnnd verzehrer haben Chr. Lehmann floril. polit. (1662) 3, 135. meist aber in der form: ez wart nie kein sperer, er funde ein verzerer (15. jh.) Loher u. Maller 99b bei Lexer 2, 1082; öfter noch: ein sparer wil einen vorterer hebben qu. bei Schiller-Lübben 5, 473b; man spricht gemeinlich: ein sparer musz ein verzerer haben, der das kan verthun, daz er erkratzt Pauli schimpf u. ernst (1555) 84b; zudem will ein sparer einen verzehrer haben Grimmelshausen Simpl. 497 Kögel. so sehr häufig mit meist nur geringfügigen abwandlungen, vgl. Eyering proverb. (1601) 2, 53; Kramer t.-ital. 2 (1702) 1432c; Ludwig teutschengl. (1716) 2198; Schwan nouv. dict. 2 (1784) 847a; Adelung wb. 4 (1801) 1186 u. ö. auch in der ma.: na enen goden mehrer kümmt en goder vertehrer bei Mensing schlesw.-holst. 5, 440. diese reimformel scheint alt zu sein: keyser Friderich, da jhn die Venediger mit einem stadlichen geschenck verehren wolten, ey, hat er gesagt: wir sind mehrer vnd nicht verzehrer des reichs Mathesius Syrach (1586) 127b. 44) auch dort, wo verzehrer unter wirtschaftlichem gesichtspunkt eine gruppe oder gesellschaftliche schicht charakterisiert, erhält es oft kritischen beisinn, besonders dann, wenn es im sinne von 'konsument' dem begriff 'erzeuger' gegenübergestellt wird: wer sind bürger? nur verzehrer. was sind bauern? ihr ernährer Logau sinnged. 37 lit. ver.; waren solche verzehrer (von getreide) noch nicht da, so konnte ja dies verbot (der getreideausfuhr) nicht sogleich so viele einwohner mehr erzeugen, die den überfluss verzehrten allg. dt. bibl. (1765) 109, 1, 295; denn der könig glaubte, man müszte, so viel möglich, die arbeiter und verzehrer (männliche stadtbewohner) durchs ganze land vertheilen Basedow agathokrator (1771) 178; (die juden) sind also lediglich verzehrer, die den erzeugern zur last fallen müssen Mendelssohn ges. schr. (1843) 3, 189; die manufaktoren verloren einen theil ihrer verzehrer Sonnenfels ges. schr. (1786) 8, 344; das verhältnisz zwischen den ernährern und verzehrern (im staat) Schleiermacher Platon (1804) 3, 1, 43; das misverhältniss der verzehrer zu dem verzehrten, der population zu den lebensmitteln Ritter erdk. (1822) teil 4, 1138; die höheren gesellschaftskreise — die müszigen verzehrer nach dem systeme der physiokraten Bernhardt waldeigent. (1872) 2, 30; dort (in Belgien) unterwirft der hof ... die ... volkswirthschaft dem behagen der vornehmen verzehrer Treitschke hist. aufs. (51886) 2, 512; er sehe in ihm (dem soldaten) den unentbehrlichen verzehrer dessen, was das land hervorbringt Ranke s. w. (1867) 31/32, 43; der grosze verzehrer (in Preuszen) war immer die armee ebda 29, 259. auch: glücklicherweise bilden diese verzehrer (drohnen) in einem ... bienenstaate bei weitem die minderzahl D. Fr. Strausz ges. schr. (1876) 1, 94. 55) anschlieszend an verzehren 'aufessen, verspeisen', nur gelegentlich bezeugt: da hatten die zuhörer ja so einen grossen abscheu für solche verzehrer (menschenähnlicher fische) als für andere rechte menschenfresser Prätorius anthrop. pluton. (1666) 2, 29; dasz die schmarotzer eines thieres, wenn dieses von einem andern verzehrt wird, in dem verzehrer sich ansiedeln Baer reden (1864) 1, 175. in erweiterter anwendung, s. verzehren II C: (die erde ist) der lebenigen (sic!) nererinne aller dinge ein vorzererinne (devoratrix omnium) (14. jh.) in: zs. f. dt. altert. 22, 396; die zeit ist eine verzehrerin aller dinge Kramer t.-ital. 2 (1702) 1432c; zu hauf euch sehend scheint mir ein cicaden-schwarm herabzustürzen, deckend grüne feldersaat. verzehrerinnen fremden fleiszes! naschende vernichterinnen aufgekeimten wohlstands ihr Göthe I 15, 187 W. zum folgenden vgl. verzehren II D: also hie in der artzney dermassen die artzney als ein verzererin (wie das feuer) auch soll verstanden werden Paracelsus chir. (1618) 211B. —
6624 Zeichen · 137 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Verzehrer

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Der Verzehrer , des -s, plur. ut nom. sing. Fäm. die Verzehrerinn, eine Person oder Ding, welches verzehret, doch nur se…

  2. modern
    Dialekt
    Verzehrer

    Rheinisches Wb.

    Ver-zehrer Jül , Ach, SNfrk m.: in der RA.: Noə ene Spärer kömmt ene V.; noə der Nährer k. der V. Aach-Merkst ; na ne Ve…

  3. Sprichwörter
    Verzehrer

    Wander (Sprichwörter)

    Verzehrer Wo ein Verzehrer zukommt, geht ein Erwerber fort.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit verzehrer

1 Bildungen · 1 Erstglied · 0 Zweitglied · 0 Ableitungen

Ableitung von verzehrer 3 Analysen

ver- + zehrer

verzehrer leitet sich vom Lemma zehrer ab mit Präfix ver-.

Alternativen: ver-+zehr+-er verzehr+-er

Zerlegung von verzehrer 2 Komponenten

ver+zehrer

verzehrer setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

verzehrer‑ als Erstglied (1 von 1)