gesundheit,
fem. ,
unter den substantivbildungen des stammes die jüngste, aber seit Luther
die von der schriftsprache begünstigte, vgl. gesund masc. und fem. II.
erstes auftreten, formen etc. I@aa)
erst der späteren entwicklung der höfischen epik gehört diese jüngere bildung an, sie tritt zuerst bei Konrad v. Würzburg
in ausgiebiger verwendung auf: mhd. wb. 2, 2, 748. Lexer 1, 937.
in der geistlichen litteratur des 13.
u. 14.
jahrh. ziemlich verbreitet und in der älteren bibelübersetzung beliebt, gewinnt das substantiv schon in den vocabularien boden: gesundheit
sanitas, sospitas. vocab. incipiens teut.; in den gemmen steht es mit salicheit
in concurrenz, so in der Straszburger von 1508;
aber die Antwerpener von 1511
setzt ghesonthait
nicht nur für salubritas ein, sondern läszt es auch für übertragene verwendung zu: salus, teutonice selicheit, trost of ghesonthait.
in der litteratur hat das substantiv durch das 16.
jh. hindurch mit dem von den oberdeutschen drucken festgehaltenen gesund
zu kämpfen, dringt aber gegen ende dieses jahrhunderts durch. I@bb)
schon für das adjectiv ist die schreibung des dentals als formelles merkmal hervorgehoben worden, im substantiv dringt ebenfalls die media mit der neuhochdeutschen zeit, jedoch später und weniger consequent als bei jenem, durch. gesuntheit
schreiben noch Brant 38, 38
Zarncke. Steinhöwel
archiv 4, 121. Luther (
buszpsalmen) 1, 174, 9
Weimar (
vgl. auch 9, 159, 1). Geiler
christl. bilger 211
b u. a. es findet sich noch 1702
in österr. weisth. 7, 770, 13.
belege für gesundtheit
bieten: Geiler
predigten zum narrenschiff 17. Maaler 177
b. Tabernaemontanus 140. Paracelsus
chirurg. schr. 1, 314;
für spätere mundartliche umbildungen vgl. tirolisch gesunkat (
Montavun) Frommann 4, 2. I@cc)
auf niederdeutschem boden hält sich das simplex, suntheyt,
vgl. Reinke de vos 4964;
dieses dringt auch in die verwandten sprachen ein: schwedisch, dänisch sundhed;
aber mnd. gezondheit,
ebenso im holländischen. I@dd)
der plural ist im allgemeinen nicht gebräuchlich, eine ausnahme bildet gesundheit =
trinkspruch, vgl. III, 3;
sonst vereinzelt: der mensch habe zweierlei gesundheiten zu versorgen, die gesundheit des leibes und der seelen. Zinkgref 1, 221. IIII.
bedeutung. die bedeutungsentwicklung folgt in entscheidenden zügen derjenigen des adjectivs, nur dasz die syntaktische gruppe, zu der das substantiv gehört, andere gebrauchsformen und damit neue verschiebungen des begriffes entwickelt. die active bedeutung, die beim adjectiv schwer ins gewicht fällt, läszt sich am substantiv nur in ganz vereinzelten ansätzen nachweisen: ein fürtrefflichen flusz .. den bädern auffs tauglichste und der gesundheit halber den benachbarten bädern nicht nachzusetzen. B. Schupp 690 (
kunst reich z. w.); die gesundheit eines ortes,
loci salubritas. Steinbach 2, 775. II@11)
die negative abgrenzung gegen die krankheit scheint beim substantiv noch mehr als beim adjectiv die älteren belege zu beherrschen. denn die krankheit tritt dem volksbewusztsein viel früher in anschaulicher verkörperung entgegen und formt sich von hier aus dem persönlichen gegensatz: dem volke gilt die krankheit nicht als die störung der funktionen des körpers, nicht als das pathologische produkt regelwidriger vorgänge im organismus. ihm erscheint vielmehr die krankheit als ein fremdes, persönliches, als etwas zu dem übrigen leben hinzugekommenes, als ein feindliches, ja dämonisches. Fossel
volksmedizin und mediz. aberglaube in Steiermark 1886, 9.
vgl. Grimm deutsche myth. 2, 110; den kindern wart dô sîn gebot gesuntheit wider gebende. Konr. v. Würzburg
Engelhart 6379; diu ime mit alle benam alle sîne zageheit und wart des lîbes sô bereit als er sîn erste begünde und niht an ime empfünde wan gesuntheit swie er wære wunt, wîbes güete machte in gesunt. H. v.
d. Türlin
krone 28131; ob
ich es also machte daz din sun erwachte als e in die gesuntheit.
altes passtonal 204, 24
Hahn; dô wurden wir ze dem lîbe unde ze der sêle siech .. dô erbarmte sich got über uns unde gab uns fur ieglîchen siechtuom .. eine erzenîe, die uns des lîbes siechtuom ze gesuntheite braechte, wan er den wurzen unde kriutern unde sâmen unde edelm gesteine und worten die kraft hât gegeben, dâ wir von gesunt werden sullen. Berth. v. Regensburg 1, 153
Pfeiffer; streck dein hant. und er strackt si, und si wart im geschikt in gesuntheit alz auch di ander.
evang. Matth. 12, 13
cod. tepl.; und si ward wider gegeben der gesuntheyt.
Nürnberger bibel von 1483. Luther
giebt diese stelle anders und gefälliger, aber in apostelgesch. 4, 23
übersetzt auch er, übereinstimmend mit den älteren drucken: denn der mensch war über vierzig jahr alt, an welchem dies zeichen der gesundheit geschehen war;
vgl. auch offenbarung Johannis 22, 2. — die zufäll der sel haben gar grosse kraft zu gesundheit und zu kranckheit. Steinhöwel
regimen sanitat. archiv 4, 407; darumb nit allein im wissen ist oder sein soll der kranckheiten ursprung sondern auch das widerbringen der gesundheit. Paracelsus
opera 1, 68; ist auch ein gut zeychen zuokünfftiger gsundheyt und guote hoffnung, daz der kranck widerumb auff komme wann er gute lust zu essen hat. Tabernaemontanus 189
b; wenn ein krancker wird gesund, ist gesundheit gottes gabe, und dem arzte kommt nur zu, dasz er für die müh was habe. Logau 1.
zugabe 20 (
litt. ver. 411); diese blumen-geschichte must ihm, erzählt' er, in der krankheit und nachher in der gesundheit unzählige male erzählt werden. Jean Paul
flegeljahre 2, 21; glaubt er denn, dasz die gesundheit dem menschen wie eine gebratene taube in den mund fliegt, sieht er nicht ein, dasz auch das gesundsein gelernt werden müsse. Rohlfs
archiv f. gesch. mediz. 4, 452. II@22)
die übertragung des begriffes aus der sinnlichen sphäre in die geistige liegt natürlich auch beim substantiv nahe und wird vor allem durch possessive genetive (
s. III, 2,
b, β sp. 4327)
begünstigt: der mensch habe zweierlei gesundheiten zu versorgen, die gesundheit des leibes und der seelen. Zinkgref 1, 221.
natürlich nimmt hieran die geistliche litteratur des mittelalters besonderen anteil: wiltû der arzenîe gern diu sieche liute kan gewern gesuntheit unde geniste, sô kêre dich ze Criste. Konr. v. Würzburg (
Pantaleon 215)
zschr. d. a. 6, 201; hiute hât diu versiechtiu mennisgheit inphangin daz êwige
heil unde die stâtun gesuntheit.
sermo in nativitat. domini, Wackernagel
lesebuch2 1, 196, 2; sô wirt iu der smac der edeln spîse, diu dâ heizet gesuntheit âne siechtuom. sô mîdet sünde! daz ist aller dinge ungesündeste zuo dem êwigen lebenne. Berthold v. Regensburg 1, 226, 27
Pfeiffer; niender wan vor gotes ougen da ist gesuntheit ane zil.
Martina 263
a u. a.; daz zuo diser zeit collegia, clöster der man und der frawen, sie hangen all vol der narren schellen, von den füszen bitz an die scheitel, ist kein gesuntheit me. Geiler
predigten über d. narrenschiff (
Straszburg 1520) 48
b.
auch der psalm 38, 4
gehört hieher: es ist keyn gesuntheyt yn allem meym fleysch
non est sanitas (
in Luthers
buszps., später: es ist nichts gesundes an meinem leibe,
vgl. hiezu Notker: mîn lîchamo ne ist hêil). Luther 1, 174, 9,
Weimar. der leib tritt hier nur als bild für seelenzustände ein. so scheint in diesen liedern die gesundheit künftiger zeit uns zu begrüszen. Arnim (
von volksliedern) 13, 474.
die neueren übertragungen prägen meist entsprechende attribute oder genetive aus: damit das spätere geschlecht in einem seligen müsziggange seiner moralischen gesundheil warten, und den freyen wuchs seiner menschheit entwickeln könnte.
Schiller 10, 294, 14; in krankem verfall des körpers, in blühender gesundheit des geistes war sie geschildert. Göthe (
W. Meisters wanderjahre) 21, 94; dieser gesundheit des geistes kann ich nicht widerstehen. Vischer '
auch einer' 2, 150.
vgl. sp. 4327. II@33)
die positive ausprägung des bedeutungsgehaltes offenbart sich auch beim substantiv vorzugsweise in bestimmten verbindungen mit synonymen; auszerdem ist sie hier begünstigt durch die sinnfällige verkörperung des begriffes, in der das substantiv bis zu der personification vorschreitet. fraglich bleibt, wie weit diese erst negativ vorbereitet wird, denn auch in der anscheinend positiven definition bei Gellert: ein richtiger umlauf des blutes und der lebensgeister, eine fühlbare stärke der nerven und eine leichtigkeit, unsre glieder nach dem willen unsrer bedürfnisze zu bewegen, ein uns einladender hunger zu dem genusze auch der einfältigsten speisen, ein williger und stärkender schlaf (
moral. vorles. werke 6
2, 268),
zeigt der nachsatz 'diese freuden störet die kränklichkeit',
dasz auch diese züge durch negative abgrenzung gewonnen sind. vgl. aber: wem die lend vol flaischs auszwendig sind, daz bedaüt der sterken gesundhait. Konr. v. Megenberg
buch d. natur 49, 3
Pfeiffer. II@3@aa)
verbindungen: II@3@a@aα) durnehtic was er unde ganz an lîbe und an gesuntheit. Konrad von Würzburg
Silvester 493; dise ding werden in den menschen fürnemlich gelobet, schönheit, stercke, gesundtheit, die adelich und wolgestalte form des leibs, kunst, weiszheit, und die frombkeit des gemüts. Geiler v. Keisersberg
predigten zum narrenschiff 17. II@3@a@bβ) II@3@a@b@11)) gott, der rüstige kraft und gesundheit wieder geschenkt zur pflicht des berufs. Voss
Luise 2, 10; mein feldherr lebt in fülle der gesundheit und kraft, und lebt euch allen zum verderben. Schiller (
jungfrau 1, 10) 13, 223; auch nach langer weil jre gesundheit und sterck widerum erlangen. Tabernaemontanus
wasserschatz 42; das angenehme ereignisz in meiner familie wird auch mir hoffe ich bald gesundheit und kräfte wieder geben. Schiller
br. (Jonas) 7, 170; dasz uns das vollgefühl der männlichen kraft und gesundheit aus dem bilde des mannes beinahe gänzlich entschwunden ist. Klumpp
deutsche vierteljahrsschrift 1842 II, 240. II@3@a@b@22)) ein dichter macht nicht immer die beste figur, wenn er das ansehen haben will, dasz er die gesundheit und stärke seiner einfälle nur seinen kräften zu danken hat. Hagedorn
vorrede b7; ich will die republik nicht, weder für jetzt noch in zukunft, und erkläre offen und entschieden: ich halte sie nicht für einen fortschritt, nicht für ein symptom der gesundheit und kraft, sondern für ein zeichen der krisis und krankheit. Waitz
stenogr. berichte der Frankfurter nationalvers. (23/6. 1848). II@3@a@gγ) jhre gesundtheit und wolfarth lieben. Tabernaemontanus
wasserschatz 184; gesundheit und tauglichkeit fallen zusammen. Göthe (
gesch. farbenlehre) 53, 130; wie ist die schönheit des körpers ein bote von schönheit der seele? höchstens von der schönheit, die gesundheit, munterkeit und feuer im denken .. weissagt. Herder 1, 53; die drei gröszten güter des lebens, der gesundheit, jugend und freiheit. Schopenhauer
werke 2, 657. II@3@a@dδ) hiermit seid gott ergeben und (er) verleihe euch alle gesundheit und dort das ewig leben. A. Dürer
nachlasz (
Lange und Fuhse) 82, 14; wünsch erstlich euch samentlich das euch der miltreiche got vil reichtumb, gesundtheit, langes leben .. wölle geben. Schaidenreisser
Odyssee 27
b; heil, gesundheit und alles gute zuvor. Göthe (
an Carl August) br. 8, 235
Weimar; so gibt es offenbar drei ihnen entsprechende forderungen der höheren sinnlichkeit: gold, gesundheit und langes leben. Göthe (
gesch. der farbenlehre) 53, 130; um das, wofür wir besorgt sind (güter, gesundheit und leben) als klein anzusehen. Kant
kritik der urtheilskraft 103
ff.; dan gesuntheit, guter, fryde
etc. moge wir bitten aber tzum letzten. Luther 9, 159, 1
Weimar. II@3@bb)
eine verkörperlichung bis zur personification ist schon in manchen der vorhergehenden beispiele angebahnt, sie giebt einer reihe von neuen ausprägungen den untergrund: II@3@b@aα) er frogt weder noch richtum oder noch zitlichen eren, aber allein noch gesuntheyt, echt er nümmen gesunt ist, so meint er er hab gnuog. Geiler
christl. bilger 211
b; es ist woll war, dasz in dieszer welt nichts bessers ist, alsz die gesundtheit, wie jhr es gar recht sagt. Elisabeth Charlotte (
litt. ver. 88) 330; gesundheit ist der beste schmuck, den wirfft man über hauffen durch geilheit, mutwill, müsziggang, durch fressen und durch sauffen und meint es sey dann auszgericht durch schöner kleider kauffen. Logau 2, 2, 9; ich höre mit schmerz, dasz sie und ihre geistreiche freundin nur ein kleines stückchen gesundheit haben, das sie sich höflichst gegenseitig ableihen. A. v. Humboldt
an Varnhagen br.2, 13.
in ähnlicher auffassung wurzeln die mannigfachen verbalverbindungen mit unserem substantiv, die eine körperlich greifbare vorstellung voraussetzen: die gesundheit ist ein gut auszer dir. die wahren güter bestehen in deiner seele. Gellert 5
2, 41; drey substantz .. diese drey machen den gantzen menschen .. in diesen dreyen steht die gantz, die halb, die wenigst gesundtheit und kranckheit. Paracelsus
opera 1, 68.
vgl. III. II@3@b@bβ) der floren feuchter maî haucht mit gesundheit an Empandas grünes haus. Fleming 379; aufrichtigkeit ist in seiner stirn; die vernunft zwischen den augen, die gesundheit in seinen wangen, die lieblichkeit auf seinem munde. Herder 1, 48; die lebhafte farbe der gesundheit glänzte auf seinen wangen. Göthe (
W. Meisters lehrjahre 4) 19, 85; Egmont bat um urlaub, die bäder in Aachen zu gebrauchen, die der arzt ihm verordnet habe, wie wohl er (heiszt es in seiner anklage) aussah wie die gesundheit. Schiller (
abfall d. Niederlande) 7, 208; die kleine blüht aber wie die gesundheit.
br. (
Jonas) 6, 421. II@3@b@gγ) ein gift wie das müszte die gesundheit selbst in eiternden aussatz verwandeln. Schiller (
kabale 3, 3) 3, 433; die götter der gesundheit. Ramler
myth. 214; Hygieia die göttin der gesundheit. Zedler
a. a. o.; oder naht im purpurnelkenkranze frohen trittes die gesundheit sich. Bürger (1789) 1, 269; 'an die gesundheit',
ein gedicht von Freudentheil
in Wielands Merkur 1802, II, 161. II@3@b@dδ)
auch innerhalb des sprichwortes strebt die charakteristische ausprägung des substantives der personification zu: gesundheit ist fast lieb. stilt doch wie ein dieb. Henisch 1584. Petri 2, 336. IIIIII.
gebrauch. zweierlei kommt hier in frage: die eingliederung des substantivs in das satzgefüge, die enger oder lockerer ist, je nachdem der bedeutungsgehalt abstract oder concret gefaszt wird, und andererseits der zutritt von attributen, namentlich sofern diese den relativen gebrauch des wortes anbahnen. III@11)
eingliederung in das satzgefüge: III@1@aa)
die engste verknüpfung ist die des objects mit dem verbum, meist wird dadurch die vorstellung erst abgeschlossen. III@1@a@aα) dan do sind drey substantzen in ainer gestalt und die geben und machen alle gesundheit. Paracelsus
opera 1, 68; wenn dieser .. safft von guten alimenten herrühret, verursacht er die gesundheit. Hohberg 1, 233. III@1@a@bβ) gesundheit erhalten
sartam tectam servare valetudinem. Weissmann 156. Corvinus 931; die gesundheit in acht nehmen.
ebendort 932; wer mit der speisz gesundheyt behalten wölle. Steinhöwel
regim. sanitat. 221; gesundheit im jenner in acht zu nehmen, wie die im april zu bewahren, wie sie im sommer zu erhalten. Coler
oeconom. rural. (1692) 20
u. a. 43
u. a. 156
u. a.; dasz die gesundheit dadurch erhalten wird (
valetudo sustentatur). Garve
Cicero de offic. II, 168; zwey mal im tag essen, zwey mal zu nacht pisseln, in der woch zwey mal lieben und im jahr zwey mal aderlassen erhalt die gesundheit. Lehmann 303. III@1@a@gγ) die gesundheit verderben,
valetudinem affligere. Bayer 288. III@1@a@dδ) das man sich vor siechtumb behüten künne und gesundtbeit gewinne des leibs. Steinhöwel
reg. san. 126; des abergloub ist yetz so vil do mitt man gsuntheyt suochen will. Brant
narrenschiff (
Zarncke) 38, 38; der würt in narrheyt gantz verruocht wer wider gott gesuntheyt suocht.
ebenda 38, 48; mancher gesundheit suchen thut und verleurt darmit das ewig gut. Henisch 1584. item die weil in den bedern gesundheit gesuecht.
badeordnung für Glotterthal (16.
jahrh.)
zschr. gesch. Oberrh. 21, 248; nur unter der voraussetzung, dasz die gesundheit um des allgemeinen wohles willen gesucht wird. Schleiermacher III, 3, 277. — wan ich, sagte er, die gesundheit so sehr affectire.
Simpl. 5, 16 (
neudruck 430); der kranckheit widerstreben und die gesundheit wieder erholen. Hohberg I, 239. III@1@bb)
die anknüpfung mittelst der präposition zeigt engere oder losere formen, je nachdem die fügung durch analogie nachgebildet oder aus sinnlicher anschauung frei geschaffen wurde. III@1@b@aα) die uns des lîbes siechtuom ze gesuntheite braehte; Berthold v. Remensburg 1, 153 (
vgl. sp. 4322); und damit was sy von derselben ir nature geschriben hand, als die ietzo in ir gepresten und suchte gefallen ist, wie man die ertzney zu gesunthait widerpringen sol. Mynsinger, 1; es schickt sich zur gesundheit
valetudo a primo impetu inclinata. Schönsleder;
vgl. oben si wart im geschikt in gesuntheit
cod. tepl. (
Matth. 12, 13); dasz die krancken, so doch nicht gar (
in allen) doch etlichs theils erlediget werden, und zu der gesuntheit kommen. Paracelsus
chirurg. schr, 314; unter andern zur gesundheit dienenden mitteln. Hohrerg I, 246; den des tages über empfangenen safft zur gesundheit auszuspenden.
ebendort 243; und mag zu seiner zeit sich widerumb in ein gesundtheit bringen. Paracelsus
chirurg. schr. 284. III@1@b@bβ) wie der falckner den valcken in gesunthait behalten sol. Mynsinger 21; die sich zu ihren zeiten jüngern und reinigen und in der gesundtheit gar jung machen. Paracelsus
chirurg. schr. 1, 284; den ich bin nun, gott seye danck, wider in gar volkommener gesundtheit. Elisabeth Charlotte (
litter. ver. 88) 330.
ebenso litter. ver. 107, 221; wenn nun .. während der bereits erstreckten kontumazzeit sich alles in guter gesundheit befunden. John
österr. sanitätsordnung 1, 467. dasz ich dies bei guter gesundheit verricht. Schweinichen 3, 66
vgl. 2,
a, α. III@1@b@gγ) die rosz bey guter gesundheit zu erhalten. Seutter
roszarznei 91. bei gutem wohlstand und beständiger gesundheit. Hohberg 1, 243; wird mit gesundheit alt, weisz wenig von gebrechen. Fleming 131.
vgl. mit guter gesundheit
in 2,
a, α. III@1@b@dδ) die sorge für die gesundheit (
valetudinis curationem). Garve
Cicero de off. 2, 168; dasz das ärtztliche geschäft und auch die eigene sorge für die gesundheit ganz auf den staat bezogen wird. Schleiermacher III, 3, 277; allein nicht rücksicht auf die gesundheit soll eigentlich dergleichen entschlüsse hervorbringen, sondern rein die fürsorge für die sache selbst. 289. III@1@b@eε) ein koch musz lenger druf wandern bisz er lernet wie er die leut durch vielfeltige speisen umb gesundheit will bringen, als ein medicus bisz er lernet wie er sie wieder gesund will machen. Lehmann 303; wie viele haben sich nicht durch eine gut gemeynte arzney, durch einen unvorsichtigen trunk, durch einen plötzlichen zorn, durch eine ungestüme rachsucht um die gesundheit gebracht. Gellert 5
2, 24. III@1@b@zζ) welche gemütsbewegungen dem leib an der gesundheit schädlich. Hohberg 1, 238. III@1@b@hη) es ist noth von der krancken gesundtheit wegen weiter zu beschreiben die gemeinen ertzney. Paracelsus
chirurg. schr. 1, 314. III@1@cc)
lockere fügung und concreter inhalt lieszen sich für den frei in das satzgefüge eintretenden dativ vermuthen, doch beruhen auch solche wendungen mehr auf vorbildern als auf sinnlicher anschaulichkeit: als die philosophi so streng und mechtig der gesundtheit zu lieb haben gesuchet die arcana der natürlichen dingen. Paracelsus
chirurg. schr. 281; und si ward wider gegeben der gesuntheyt.
Nürnberger bibel von 1483 (
Matth. 12, 13). der tranck ist der natur anmuthiger, der gesundheyt gedeylicher. Hohberg 1, 244; die aertzt welche wissen, wieviel die kost der gesundheit vorträglich und nachtheilig. Harsdörffer
gesprächspiele 8 (1649), 527; wenn man nun der gesundheit nach leben wil, musz man niemals ohne hunger essen.
ebenda 527; du thust sonst deiner gesundheit wehe (
si vis incolumem, si vis te reddere sanum)
regimen sanitatis (
Hamburg 1642)
A. 2. III@1@dd)
als adnominaler genetiv tritt das substantiv, wie namentlich die zusammensetzungen (gesundheitsamt
u. s. w.)
ausweisen, in den mannigfachsten bedeutungen und syntaktischen functionen zu andern substantiven. deshalb ist hier auch die ausgleichende wirkung der analogie besonders lebhaft. III@1@d@aα)
am engsten an die vorhergehenden verwendungen schlieszt sich der objective genetiv an III@1@d@a@11))
neben verbalsubstantiven: ordnung der gesundheit.
anonyme schrift, Augsburg 1472
ff.; hie hebt sich an das register und di capitel dises nachgeschriben büchlins genennet regimen sanitatis das ist von der ordnung der gesuntheit. Steinhöwel 121. in diesem lateinischen büchlein, welches von der moderierung der gesundheit ist (in hoc regimine sanitatis latino).
reg. sanitatis vorrede; eine verhinderunge der gesundtheit. Tabernaemontanus
wasserschatz (1593) 115; die gröste beförderung der gesundheit ist, sich selbst recht erkennen. Hohberg 1, 230. III@1@d@a@22)) würde mir nicht vielleicht der genusz einer völligen gesundheit hinderlich an der tugend gewesen sein. Gellert 5
2, 44; wenn ich den vollkommenen gebrauch der gesundheit genossen hätte.
ebendort; vom wonnegefühl der gesundheit wieder beseeliget. Neubeck
in Wielands Merkur 1800. I, 293; das behagliche gefühl der gesundheit, Schopenhauer
welt als wille 1, 173
ff. die lufft aber ist .. ein balsam der gesundheit. Hohberg 1, 241.
vgl. die sorge für die gesundheit
b, δ. III@1@d@bβ)
subjectiver genetiv liegt vor: III@1@d@b@11))
in ortus sanitatis auf teutsch ein garten der gesuntheit (
Ulm K. Dinkmut 1487); Ryff spiegel (und regiment) der gesundheit
Frankfurt 1574; nie sah ich ein vollkommneres schöneres bild der gesundheit. Schiller (
geisterseher) 4, 280. III@1@d@b@22)) dasz erst dein blühendes gesicht uns der gesundheit sieg verkünde. Gotter 1, 244. der duft der gesundheit erfüllte es ganz. Arnim 7, 163. streitet wider die gesetze der gesundheit. Gellert (
moral vorl.) 6
2, 278. III@22)
attributive bestimmungen neben dem substantiv. III@2@aa)
der absolute gebrauch; hier kommen nur attributive adjectiva in frage, denn qualitative genetive, die an und für sich selten sind, streifen an den relativen gebrauch: die gesundheit eines athleten,
vgl.aber sollten sich wohl dichter eine athletische gesundheit wünschen. Lessing 12, 164;
wo attribute fehlen, pflegt die ältere zeit das substantiv ohne artikel zu verwenden; ein brauch, der namentlich in den präpositionalen fügungen nur langsam zurückweicht (
vgl. sp. 4325).
vereinzelt ist hier das indefinite pronomen: und mag zu seiner zeit sich widerumb in ein gesundtheit bringen. Paracelsus
chirurg. schr. 284. III@2@a@aα)
das beliebteste beiwort ist gut,
das in unserer sprache nur steigernde function hat, während es in den verwandten sprachen an der wiedergabe des bedeutungsgehaltes selbst teilnimmt: gesundheit,
sanita, buon stato, bonne disposition Hulsius 2, 164
b; gesundheit,
franz. santé oder embonpoint. Hohberg 1, 103;
vgl. unser wohlsein
; so wird übersetzt: gesundheit ist der sinnlichen lust .. vorzuziehen,
bona valetudo voluptati anteponatur. Garve
Cicero de off. 2, 25; guote gesundtheit,
wol vermügenheit, valetudo prospera. Maaler 177
b u. a. einer guten gsundtheit sein, wol umb einen leybs halben ston,
stabili saluti potire. Maaler 197
a; nützliche reformation zu guter gesundheit und christlicher ordnung von J. Strüppen
Frankf. 1583 (
vgl. Krünitz 86, 679); erhelt und beschirmt den menschen bei guter gesundheit. Tabernaemontanus
wasserschatz 44; sein also i.
f. g. den 11. mai mit guter gesundheit gen Liegnitz ankommen. Schweinichen 3, 65
u. a. vgl. 1,
b, β und γ. III@2@a@bβ)
seltener begegnet das in der österr. mundart bei gesund (
s. d.)
übliche kosewort lieb
in der schriftsprache: alles versüszt ja uns einmüthiger sinn, hausfried' und die liebe gesundheit. Voss
Luise 3, 1, 433. III@2@a@gγ) die vorige gesundtheit widerum erlangt. Tabernaemontanus
neu wasserschatz 140; aber doch keine vollkommene gesundtheit erlangen mö
gen. ebendort 457. III@2@a@dδ) auszer meinem fusz sonsten bin ich, gott lob, in frischer gesundtheit. Elisabeth Charlotte (
litter. ver.) 107, 221; andere gehen ohne dergleichen küssen, ja mit offener brust, und genieszen einer frohen gesundheit. Zückert 144; erfreut von gott mit blühender gesundheit. Chamisso
Fortunat (litterat. denkm.) 39.
vgl. Schiller 5, 280, 9 (1,
d, β). III@2@a@eε) ein gut temperament, dauerhafte gesundheit. Dietrich 401; eine stete gesundheit
perpetua sanitas. Steinbach 2, 775; es hat kein knecht ein halb jahr da ausgehalten, und wenn er auch eine eiserne gesundheit gehabt hätte. Lessing (
der schatz 7) 1, 487; bilden sich zu einem von der natur selbst beabsichtigten zustand des menschlichen wesens, dasz wir in dem höchsten augenblicke des genusses, wie in dem tiefsten der aufopferung, ja des unterganges, eine unverwüstliche gesundheit gewahr werden. Göthe (
Winckelmann) 37, 23. III@2@a@zζ) dasz sie (
die glückseligkeit) .. bestehe .. in einem mäszigen auskommen, einer leidlichen gesundheit.
thümmel 3, 143; schlechte gesundheit
tenuis valetudo. Steinbach 2, 775; mir jedoch als einem nachdenklich mit schwacher gesundheit kämpfenden. Schleiermacher
werke III, 3, 274.
meist liegt hier wie schon vielfach in den vorhergehenden verbindungen der relative gebrauch versteckt vor. noch deutlicher wird dieser in: Franz II. hatte den thron in so zarter jugend bestiegen, unter so wenig günstigen umständen, und bey so wankender gesundheit. Schiller 9, 319
oder gar in: entschlossner gingen die Guisen gegen Conde zu werke, um so mehr, da die hinsinkende gesundheit des monarchen sie eilen hiesz.
ebenda 318. III@2@bb)
der relative gebrauch. III@2@b@aα)
er bereitet sich, wie schon bemerkt, im satzgefüge vor, ohne bestimmten ausdruck zu gewinnen: dasz ihm gott in kurzer zeit eine dauerhafte gesundheit geben wird. Gellert 5
2, 34; indessen will ich mich ganz zufrieden geben, wenn mir nur leben und leidliche gesundheit bis zum 50. jahr aushält. Schiller
br. (Jonas) 7, 240; eine besondere tabelle von jeder orthschaft einzuziehen. in welcher nahmen, alter, gesundheit (ob sie nemlich blind, krüppelhaft, übel oder wohl beschaffen seyen), nahrungsvermögen und geschicklichkeit, angegeben würden. Frank 1, 197. III@2@b@bβ)
er wird durch substantive im possessiven genetiv zum ausdruck gebracht. III@2@b@b@11)) die bretter des holtzes dienten zu der gesundheit der heiden.
offenb. Joh. ( Luther) 22, 2; die hinfällige gesundheit des kaisers (
Matthias) rückte diesen zeitpunkt nahe herbei. Schiller (30
jähr. krieg) 8, 66, 6; dieser erkundigte sich, wie gebrauch ist, nach der gesundheît unserer lieben mamsell. Voss
Luise 2, 647; ich habe schon früher ausgeführt, dasz auf diesen zwei schultern (
Bismarcks) bereits soviel verantwortlichkeit ruht, dasz ich ihnen nichts weiteres, namentlich die reichsgesundheit nicht aufladen möchte. Schorlemer-Alst
deutscher reichstag 23.
nov. 1873; J.
F. Zückert 'physikalisch-diätetische abhandlung von der luft und witterung und der davon abhangenden gesundheit der menschen'.
Berlin 1770; J. B. Ehrhard theorie der gesetze, die sich auf die gesundheit der bürger beziehen, und der benutzung der heilkunde zum dienst der gesetzgebung.
Tüb. 1800.
hieraus entwickelte sich auch brauch und redensart des gesundheittrinkens, das mit den mannigfachen formen seiner entwicklung andererseits wieder in einen besonderen zusammenhang (
vgl. 3
b)
gehört: welcher, nicht lang vor seinem tod, dem heren E.
V. Z. F. ein ohrfeigen geben hat, weilen dieser, wegen seines schwachen leibs und als der solcher starcken trünck nicht gewohnet war, bei einem panquet zu Prag, auff des keysers Rudolphi II gesundheit, ein gar grosses pocal bescheid zu thun sich geweigert, und darfür gebetten hat. Zeiller 33
epistel (96). III@2@b@b@22)) sines libes gesuntheit nie kein siechtage versneit. W. v. Rheinau 114, 20
Keller; von der gesundheit des leibes und wie solche zu erhalten ist. J. G. Daries
erste gründe der philosophischen sittenlehre3 (1762) 201—211; gesundheit des körpers läuft nur gleichgerichtet mit gesundheit der seele. J. Paul
Siebenkäs 3, 30; — dasz man sich vor siechthumb behüten künne und gesundtheit gewinne des leibs. Steinhöwel
reg. san. 126; sah die stärke des arms und die volle gesundheit der glieder. Göthe (
Herm. u. Doroth.) 40, 308; mit des auges gesundheit, des herzens heiliger unschuld zu entlarven den trug, der sich als wahrheit versucht. Schiller 11, 92. III@2@b@b@33)) die tugend ist die gesundheit der seele. Gellert 5
2, 200; ich müszte die gesundheit ihres verstandes ganz verkennen, wenn ich zweifeln wollte. Wieland
suppl. 6, 249; in blühender gesundheit des geistes, war sie geschildert. Göthe 21, 94; mit demjenigen zustande vorlieb nehmen, der aus der einwirkung einer wohlgeordneten seele hervorgeht, und den man die gesundheit des guten willens nennen möchte. Schleiermacher III, 3, 276. III@2@b@gγ)
an die stelle dieses genetivs tritt ein entsprechendes adjectiv. III@2@b@g@11))
zwischen qualitativer (
s. o.)
und possessiver function schwankt dieses in: aber sollten sich wohl dichter eine athletische gesundheit wünschen? Lessing 12, 164. III@2@b@g@22))
dem unter β 1))
behandelten genetiv entspricht: die öffentliche gesundheit. Zückert 183; kaum sieht man, dasz sich jemand anders als ärzte, um das edle kleinod der allgemeinen gesundheit in vielen gegenden bekümmern. Frank 1, 9 (
vorb.); feinde der menschlichen gesundheit.
gesundheitsbüchl. herausg. im kaiserl. gesundheitsamt 1. III@2@b@g@33))
mit β 2))
berührt sich: dasz physische und moralische gesundheit genau verwandt sind, wie leib und seele. Hufeland 1
2,
einl. 13; ich kann das gefühl, das mich beim lesen dieser schrift (
W. Meister) ... durchdringt und besitzt, nicht besser als durch eine süsze und innige behaglichkeit, durch ein gefühl geistiger und leiblicher gesundheit ausdrücken. Schiller
br. (
Jonas) 4, 96; so ist auch die zeitliche gesundheit .. ja alles was zeitlich ist, der flucht und veränderung unterworffen. Zesen
Assenat 505; aber sie beugt ab von gelehrsamkeit, von groszer phantasie, groszem tiefsinn, welches alles so wenig zur geistigen gesundheit gehöret, als beleibtheit, läuferfüsze, fechterarme zur leiblichen. J. Paul
Siebenkäs 3, 30. III@2@b@g@44)) der wanderer war nun endlich gesünder und froher nach hause gelangt als das erste mal, aber in seinem ganzen wesen zeigte sich doch etwas überspanntes, welches nicht völlig auf geistige gesundheit deutete, Göthe (
dicht. u. wahrh.) 26, 91. III@2@b@dδ)
das possessivpronomen tritt theilweise in dieselben verbindungen ein, die wir oben vom absoluten gebrauch in den relativen übergehen sahen, theilweise jedoch prägt es eigene neue gebrauchsformen des relativen begriffes aus: III@2@b@d@11))
α)) der himmel erhalte ihre gesundheit, liebste eltern, und ihre liebe ihrem gehorsamen sohn. Schiller
briefe 4, 66 (
Jonas); die mittel, seine gesundheit zu erhalten, und sie, wenn sie wanket, zu befestigen. Gellert 6
2, 245 (
moral. vorles.); meine gesundtheit hatt zu Versaille nicht lang bestandt gehalten. Elisabeth Charlotte
litter. ver. 107, 479. regimen sanitatis Salernitanum das ist ain schön alt büchlein .. jetzt mit deutschen verszen, verkleret, allen menschen, die jhre gesundheit wollen bewahren, sehr nützlich und vonnöthen.
Hamburg 1642; dasz einem haus-vatter gebühre, auf seine, und der seinigen gesundheit acht zu haben. Hohberg 1, 229; und jhre gesundheit unnd wolfarth lieben. Tabernaemontanus
neu wasserschatz 184; und ob er versten, sehen oder vernemen würde, das wir essen oder dryncken brchten oder usz kchen oder keller uns fürgetragen wrde, das unser gesundheyt verhyndern und zu kranckheyt gefürdern möchte, darfür soll er sin. (
bestallungsurkunde für den leibarzt des pfalzgrafen Philipp)
zschr. gesch. Oberrh. 2, 274; wer hat ein auge zu viel? wer mag verwegen genug seîn leib und leben zu wagen, um diesen bösen verräther? seine gesundheit auf's spiel zu setzen und dennoch am ende Reineken nicht zu stellen? (
ebenso Gottsched 58). Göthe (
Reineke) 40, 45; die schreckliche alternative .. sein leben, wenigstens seine gesundheit zu wagen oder sich der verachtung bloszustellen. Wielands
Merkur 1791, II, 65; seine gesundheit verlor der arme Hinze. (
ebenso Gottsched 60) Göthe (
Reineke) 40, 60; o weg mit einer tollen mode, die die freundschaft entwürdigt, unsern charakter verdorben und unsere gesundheit vergiften kann. Wielands
Merkur 1790, II, 292; sondern haben jre vorige gesundtheit in zehen tagen widerumb vollkommenlich erlangt. Tabernaemontanus
neu wasserschatz 42. III@2@b@d@1@bβ)) zuo einsi gsundtheit
einem zu nutz und zu heil, salutariter. Maaler 197
a; um seines heile und gesuntheit willen vil arzte gefordert wurden.
Dekameron 71
a; dann er nimpt im grundt hinweg alles das er nemmen soll, dasz den menschen unrein macht, und purgiert ihn auff sein höchste gesundtheit. Paracelsus
chirurg. schr. 280; dann sich hie leichtlich mit trincken umb seine gesundheit bringen kan. Coler 64
b; wo er seine ruhe finden werde, nachdem ihn ein heftiges fieber um seine gesundheit gebracht hat. Arnim
novellen 2, 200; und wann ihnen .. an ihrer eigenen gesundheit ein anstosz begegnet, solten sie so gar alber und einfältig seyn. Hohberg 2, 229. III@2@b@d@1@gγ)) seiner gesundheit pflegen, wahrnehmen,
consulere, diligentiam conferre in valetudinem. Weissmann 155,
vgl. Schönleder,
ähnlich im dictionaire du voyageur; wavern aber der bronnen sich betruept, so ist wenig hoffnung seiner gesundheit me gewest.
Zimmersche chronik nachtrag zu 1419
litt. ver. 94, 414; Göthe ist zu Pyrmont und nur mit wiedererlangung seiner gesundheit beschäftigt. Schiller
briefe 6, 284
Jonas. III@2@b@d@1@dδ)) sobald ich meiner gesundheit ein wenig trauen kann. Schiller
br. 4, 129.
vgl. ich habe mehr vertrauen zu meiner gesundheit bekommen.
ebendort 7, 55; wenn mir meine gesundheit hält. Vischer '
auch einer' 2, 141. III@2@b@d@22))
von der einfachen relativen fassung des begriffes gehen nun neue entwicklungen aus, die über die bedeutungen leibesbeschaffenheit, befinden,
bis zur umkehrung des begriffes führen. III@2@b@d@2@aα))
im satzgefüge macht sich der einflusz einzelner verbindungen geltend, die das substantiv eingeht. hervorstehende ergänzungen negativer art schwächen die positive bestimmtheit des bedeutungsgehaltes oder heben sie ganz auf; gesundheit,
leibesbeschaffenheit: der mangel meiner gesundheit macht sie für mich unbrauchbar. Gellert 5
2, 38; da ich meiner gesundheit gar nicht viel zutrauen kann. Schiller
br. 71, 79
Jonas. vgl. die obigen beispiele; ich bin gleich ungeduldig zu hören, wie sie mit ihrer gesundheit und mit ihren beschäftigungen vorwärts gerückt sind. Schiller
br. 4, 214
Jonas; es hat auch meine gesundheit angegriffen.
ebendort 6, 287; mit seiner gesundheit ist dieser mensch, ohnerachtet sie nicht die beste ist, doch noch immer so ziemlich zufrieden gewesen, und er hat die gabe, sich gesunde tage zu nutze zu machen. Lichtenberg 1, 4. III@2@b@d@2@bβ))
nebenbei geht eine andere strömung. anknüpfend an die schwankungen, denen das substantiv in solcher verbindung unterworfen ist, tritt die vorstellung der dauer, die in der grundbedeutung liegt, zurück; gesundheit,
augenblickliches befinden: meldet mir, ob euch eure gesundheit erlaubet, wieder dienste zu nehmen. Lessing
3 (
Minna 5, 9) 2, 253; wenn es meine gesundheit erlaubt. Schiller
br. 6, 291
Jonas; mit meiner gesundheit fängt es seit 8 tagen an merklich besser zu gehen.
ebendort 7, 180; zwar ist es mit meiner gesundheit im ganzen noch eins, aber die beschwerungen sind doch nicht so stark. 4, 65; der hofmeister kam morgens mit ernstem gesichte an mein bette, erkundigte sich nach meiner gesundheit, freute sich, dasz mir der rausch nichts geschadet. Arnim
novellen 2, 109. III@2@b@d@2@gγ))
andererseits ist der zusammenhang in diesen verbindungen so enge, dasz erst die gruppe den begriff abschlieszt; verknüpft mit negierenden bestimmungen wird das substantiv nur noch als träger des geraden gegentheils von dem gefühlt, was der wortlaut ausdrückt: weil ich gar zu offt durch meine unstäte gesundheit und schlaflosigkeit unterbrochen werde. Schiller
br. 7, 1; dasz meine schlechte gesundheit die flügel meines willens beschneidet.
ebenda 7, 190; aber meine noch immer sehr angegriffene gesundheit und die zerstreuungen der letzten augenblicke verbieten mirs.
ebendort 7, 143; die zarte gesundheit Fridrikens schien den gedrohten unfall zu beschleunigen. Göthe (
dicht. u. wahrh.) 26, 23. III@2@b@d@2@dδ))
diese neue bedeutung geht nun auf das substantiv selbst über, auch wo es ohne diese attribute erscheint: dasz ich wahrlich keinen augenblick müszig sein müszte, wenn mir gleichwohl meine gesundheit nicht wider meinen willen so manchen müszigen augenblick machte. Lessing (
an K. G. Lessing) 12, 448; obgleich seine gesundheit nicht lang auf ihn zählen läszt. Schiller
br. 6, 46
Jonas; seine gesundheit wird ihm ohnehin nicht lange eine so aufregende thätigkeit erlauben. Moltke
ges. schr. 6, 291; über seine gesundheit klagte er nicht im mindesten.
ebenda 431. III@33)
function und bedeutung ganzer wortgruppen flieszt dem substantiv aus der gewohnheitsmäszigen verwendung innerhalb bestimmter sätze zu. die übrigen satzglieder sterben ab, nachdem sie ihren bedeutungsgehalt auf das substantiv übertragen haben. die beispiele, die für diesen vorgang anzuführen sind, tragen sehr verschiedenen charakter. III@3@aa)
als erzeugnis des inschriftenstils stellt sich dieser entwicklungsprozesz innerhalb der älteren medizinischen litteratur dar. auf büchertiteln und innerhalb des buches, bei der anordnung des stoffes, sind es namentlich die oben besprochenen verba, die neben dem substantiv verwittern. schon dem anfang des 15.
jahrh., vielleicht noch dem ende des 14.
jahrh. gehört das handschriftlich übermittelte buch von der gesundheit
an. Diefenbach
nov. gl. einl. 15.
theilweise ist lateinischer vorgang hier von einflusz: der ander teyl dieses buchs sagt von der gesuntheit als Auicenna spricht. Steinhöwel
reg. sanit. arch. 4, 121.
hierher gehören auch die überschriften der einzelnen capitel in Colers
öconom. rural. (1692): 'gesundheit', 'von der gesundheit'.
auch in der neueren litteratur begegnen neben zusammensetzungen wie gesundheitssorge, gesundheitspflege
und neben fremdwörtern ganz kurze deutsche formen: der gazette de santé,
die 1774
in Paris erschien, entspricht die zeitschrift 'gesundheit',
die neuerdings populären zwecken dient. III@3@bb)
mehr dem volksmunde und den verwitternden einflüssen der umgangsprache gehört eine andere verwendung an, die auf niederdeutschem boden sich entwickelt hat: gesundheit
als bezeichnung der leibbinde, die man aus fürsorge für die gesundheit trägt. die bezeichnung ist schon sehr alt und knüpft schon an ältere ableitungen von unserem nominalstamme an, vgl. sundema
in friesischen rechtsquellen. Richthofen 1055;
ebenso greift sie sehr weit aus: gezondheid,
ein breiter gurt, den man, der gesundheit halber, zwischen dem brustlatze und der weste trägt. Kramer
nieuw woordenboek 1, 157; gesundheit,
eine breite binde um den leib;
insonderheit brauchen solche diejenigen, die stark reiten müssen, oder die weit reiten und fahren. brem. niedersächs. wb. 2, 501; gesundheit ist bei dem schiffsvolcke der nahme einer binde, die sie üm den leib tragen. Richey 73. III@3@cc)
dem geselligen verkehr und den von diesem ausgebildeten formen gehört die entwicklung an, die das substantiv innerhalb der wunschformeln erfahren hat. hier kommt zuerst die ältere und reicher ausgebildete verwendung im dienste der trinksitte in betracht. III@3@c@aα)
die sitte, beim zutrinken wünsche für das gedeihen und wohlbefinden des angerufenen darzubringen, ist älter als die belege für den gebrauch unseres wortes. früh bezeugt ist das wort heil (
vgl. heil 4, 2, 816),
das in adjectivischer und substantivischer function als beliebte wunsch- und gruszformel auch hier eintrat. altnordische und angelsächsische belege liegen hiefür (
vgl. Grimm
gramm. 4, 298)
vor: quod in conviviis qui potat ad alium dicit 'was heil' qui vero post ipsum recipit potum respondet 'drinc heil'. Galfr.
Monumet. 6, 12
u. a. vgl. A. Schultz
höf. leben im mittelalter 1, 433.
das eindringen unseres substantivs in diese formeln läszt sich erschlieszen aus der oben erwähnten notiz von 1598 (den gesund trinken),
die inhaltlich und rein sprachlich auf längere verwendung zurückweist. in Seb. Francks
schrift 'von dem greulichen laster der trunckenheit .. sauffen und zutrincken'
von 1533
wird allerdings gerade diese form nicht angezogen und ebenso wird in Schwarzenbergs
deutschem Cicero von 1540
in der polemik gegen das zutrinken, die der übersetzer aus eigenen mitteln beisteuert, die sitte des gesundheitwünschens nicht erwähnt. dagegen deutet auf eine gewohnheitsmäszige verbindung die bemerkung H. U. Kraffts
in seinen reisen und gefangenschaft (126)
für 1574
hin: der Armänier zaigtte an, er hette von vertreulichen vernommen, wie er Bassa ein starcken dranckh vermöge, die imme gott wOelle zu langwiriger gesundtthaitt gedeihen lassen.
und noch deutlicher spricht der beleg aus Mathesius: kombt an die ort, da es lendlich und sittlich ist, einem gesandten, von seines gesunds wegen, einen starcken trunck zubringen.
vgl. sp. 4317. III@3@c@bβ)
die ältesten belege stammen aus dem anfang des 17.
jahrh. sie weisen aber deutlich auf einen längeren entwicklungsgang der redensarten zurück, wie überhaupt die litteratur hier nicht ganz zuverlässig ist. Albertinus,
der im traktat de conviviis et compotationibus (1604)
die formen des zutrinkens mehrfach behandelt, erwähnt doch gerade das gesundheittrinken nicht, nur gelegentlich bemerkt er: der nit redlich mitsaufft, unnd desz einen oder andern herrn oder freundts gesundtheit nit bescheidt thun wil 80
a;
derselben zeit entstammt dann bereits die schrift des A. Lobwasser, emplastrum wider der edelen teutschen nation ... ungesunde, gantz mOerdtliche gesundheittrncke 1611;
vgl. sp. 4347. III@3@c@b@11))
die zeit des 30
jährigen krieges und die darauf folgende litteratur ist besonders reich an belegen: das getreid auch allermaszen habens verhergt und gar verbrent, zum erbarmen wars ein elend, aus den kelchen gesoffen haben in gsundheit aller ketzerknaben.
kurzer und wahrh. bericht des kelchenkrieges 1620 Scheible
flieg. bl. 134; kam einer .. hergefahren .. der sagte uns, dasz ein erbarer mann in der herberg bey der burg jhm eines auff unsere gesundheit zugebracht hätte. Phil. v. Sittewald
gesichte 4, 166 (
Leyden 1646); nachdem aber die köpffe auch doll wurden, ersatzte ihre unmüglichkeit entweder desz einen courage, die er im wein eingesoffen; oder beym andern die treuhertzigkeit, seinem freund eins zubringen; oder beym dritten die teutsche redlichkeit, ritterlich bescheid zu thun: nachdem aber solches die länge auch nicht bestehen konte, beschwur je einer den andern bey groszer herren und sonst lieber freunde, oder bey seiner liebsten gesundheit, den wein maszweis in sich zu schütten.
Simplicissimus (1, 30)
neudruck 83; hola! gebt mir ein glasz wein, wasser hab ich nicht vonnöthen. nun es gilt dir, bruder mein! auf gesundheit des poeten, welcher künftig mich in dich weit soll lassen hinter sich. Opitz
an Nüssler, poet. wälder 1; das glas soll nimmer stille stehn, auf gsundheit soll es umher gehn. G. Finckelthaus (
c. 1640)
in Hoffmanns
gesellschaftsl.2 no. 234; dieses alles, alles das tu ich hier ohn' unterlasz auf gesundheit meines hertzen. Fleming 497; es läszt sich keiner schertzen wenns der gesundheit gilt, er hebt von ganzem herzen und leert die schale aus. 96; der trunk dieses weiten römers auf gesundheit unsers Pöhmers. 86
u. a.; weil aber die allermäszigste Griechen bey ihren mahlzeiten ein glas voll weins den Grazien, das andere der Venus .. die Asiaten aber das erste zur gesundheit, das zweite zur wollust .. zu trincken pflegten. Lohenstein
Armin. 545. III@3@c@b@22))
ein ganzes ceremoniell bildete sich in anknüpfung an die sitte des gesundheittrinkens aus: Rente nahm ein glasz wein, und brachte Eckarthen desz obristen gesundheit, welche er mit einem reverenz annahm und dieselbe Gottharten, und dieser sie Seyfriden zutranck. Ettner
unw. doctor (1697) 474.
eine anschauliche schilderung des brauches giebt auch Schütze: wenn in den älteren zeiten, in denen das gesundheittrinken in Holstein, besonders in Hamburg bei tafel florirte, jemand einer frauen gesundheit trank, so muszte der mann erst trinken 'mi to bedanken von wegen miner fro' und so umgekehrt die frau für den mann.
holstein. wb. 1, 203.
das gegenstück dazu bietet die bauernmoral (42): in denen gesundheitsgläsern must du, ohne ansehen der person, vor allen den ersten anfang machen. erstlich trinke deine eigene gesundheit allen mit einander zu. hernach das leben und wohlsein der gantzen compagnie. sodann trinke eins um den andern vergnügen, fange bey dem letzten an ... endliche bringe es auch dem gnädigen oder gestrengen herrn ... so wirst du nicht übel thun, wann du des vornehmsten gasts gesundheit im bier oder wasser trinckest. III@3@c@b@33))
die auswüchse dieses brauches forderten frühzeitig die satire heraus; der gegensatz zwischen dem wortlaute des substantives und den thatsächlichen wirkungen, die es in diesen verbindungen ausübt, ist ein besonders beliebtes thema. schon Lobwasser
gefällt sich in dem wortspiel ungesunde .. gesundheitstrüncke.
ebenso und trinckt mancher an einem solchen gesundtrunck dasz er erkranckt und erschwartzet. Albertinus
narrenhatz 195; ja man flucht vielmals deme heimlich, auff dessen gesundheit man wider seinen willen trincken musz. Zeiller
episteln 97; Porus suff für gute freunde mancherley gesundheit ein, bald an biere, bald an weine, bald an starckem brantewein, als er seine nun verloren, fiel er in die tiefsten sorgen, keiner wolt ihm keine schencken, noch verkauffen, noch auch borgen. Logau 2.
zugabe 39,
vgl. gesundheittrunk etc. III@3@c@b@44))
bald taucht auch neben der polemik das unmittelbare verbot jenes zu einer unsitte ausgearteten brauches auf. meist wird auch hier eben jener gegensatz zwischen wortlaut und thatsächlicher wirkung hervorgehoben: wie man denn ferner es dabei bewenden lassen will, was .. wegen .. abstellung des übermäszigen saufens und zubringung sogenannter zumal ungesunder gesundheiten aus groszen geschirren .. sowohl in der a. 1647 als 1658 publizierten polizeyordnung zu der bürgerschaft besten verordnet worden.
Mindensche polizeiordnung aus 1774
bei Wigand
denkwürdige beitr. für gesch. und rechtsalterthümer 1, 240 (
titel 8
von hochzeiten); das ärgste war, dasz er eine gesundheit eines groszen patronen nach der andern brachte, und uns durch disz ungereimte gesetze der höfflichkeit zwange, einen starken rausch zu trinken .... ich erinnerte mich damalen vergeblich des löbl. edicts ihrer königl. majestät von Preuszen durch welches sie das gesundheittrincken gäntzlich abgestellt und verbotten hat.
discurse der mahlern 3, (7
discurs). III@3@c@gγ)
die einzelnen formen und ihre ausbildung. III@3@c@g@11))
der ausgangspunkt der entwicklung liegt im ausrufe, der die handlung und die geberden des trinkers begleitet. demgemäsz steht auch die sprachliche ausgestaltung unter den bedingungen der stilform des ausrufes. die sinnliche situation dient an stelle von worten zum ausdrucksmittel und selbst die voller entwickelten formen treten schon als ellipse auf, wie sich namentlich in den als vorbild dienenden fremdsprachlichen formen zeigt: à la santé! hör hie! en tibi hocce poculum à toute compagnie! ... hunc tibi wiederum saluti dieses römerlein.
bon vinum (1668)
bei Hoffmann
gesellschaftsl.2 no. 246.
ähnlich zeigt sich auch der ausruf des jägers in Wallensteins lager: euch zur gesundheit, meine herrn. Schiller 12, 22.
ebenso der zutrunk des mönches im Götz: auf gesundheit eurer frau. Göthe 8, 15 (
später auf die gesundheit 42, 251).
die kürzeste form dieses ausrufes liegt bei Reuter
vor: 'belieben sie?' »gesundheit!« 'du de schmeckt!' »de warmt de lewer und dat hart. na, din gesundnisz vadder Swart!«
reis nach Belligen cap. 20. III@3@c@g@22))
die eigentliche entwicklung nimmt jedoch das substantiv nicht in diesen ausrufen selbst, sondern in dem satzgefüge, das sich auf dieser grundlage aufbaut: ich schreibe im nahmen unserer gesellschaft, die sich zu deinen dinsten verpflichtet und deine gesundheit mit einem glas tokeyer wein auf der rey herüm wündschet. Butschky
kanzellei 74; fügen als gegenantwort zu vernehmen, das wir die schalen auff E. L. gesundheit alsobald herum getrunken.
ebendort 536; weisz nicht wie viel tonnen bier und weins ich .. in gesundheit der zukünfftigen frau .. getruncken hat. Schupp (
kunst reich zu werden) 760; hiermit nahm Eckhart ein glas wein und brachte es dem ambtman in gesundheit mons. Talauders zu. Ettner
unw. dokt. (1697) 143; am hochzeitschmause natürlich klingts auf der wackeren braut und des bräutigams werthe gesundheit. Voss
Luise 3, 1, 592. III@3@c@g@33))
es sind bestimmte verba, die sich nach dieser richtung gewohnheitsmäszig mit dem substantiv verbinden; sie nehmen entweder auf den stoff bezug, der zu ehren des angerufenen vertilgt wird, oder sie bringen die form zur darstellung, in der diesz geschieht: III@3@c@g@3@aα)) ein paar muntre jungen aus Cypern, die gern eine flasche auf die gesundheit des schwarzen Othello ausstechen möchten. Schlegel
Othello 2, 3 (
ebenso Eschenburg); dasz wir zeit genug hatten, eine vortreffliche collation einzunehmen, und auf die gesundheit des alten und jungen herrschers manche flasche zu leeren. Göthe (
dichtung u. wahrh.) 24, 307; es sitzen noch zweyhundert in der trinkstub. wenn du dich zeigst und einen becher leerst auf ihre gesundheit, sind sie alle dein. Schiller (
Demetrius) 15
2, 469; ich will einen krug wein auf eure gesundheit leeren. Tieck (
Genoveva) 2, 35; zu mittag tranken wir eine flasche champagner auf die gesundheit unserer strohwittwen. Moltke
br. 121; liesz er unter die gemeinen bürger von allen zünften eine halbe drachme auf den mann austheilen, um dafür auf seine und aller guten Abderiten gesundheit zu trinken. Wieland (
Abderiten 4, 16) 20, 167.
hieran knüpfen sich allerlei weiterentwickelungen. vgl. dasz ich (die 50 ducaten) auf seine gesundheit verzehren .. sollte. Göthe (
Benvenuto) 34, 235. III@3@c@g@3@bβ)) nachher ging der becher auch unter den geistern auf die gesundheit vieler damals lebenden potentaten und hoher häupter herum. Leisewitz
Julius v. Tarent (litt. denkm.) 109; hophe! ich hab es (
das gläslein) ausgemacht und dir auf gute gsundheit bracht.
studentenschmausz (1626)
no. 2. Hoffmann
gesellschaftsl.2 no. 237; das ärgste war, dasz er eine gesundheit eines groszen potentaten nach der andern brachte.
discurse der mahlern 3, 7; dasz ein erbarer mann .. jhm eines auff unsere gesundheit zugebracht hätte. Philander
gesichte, vgl. oben sp. 4330; doch bring ich den becher aus in gesundheit unsers herren. Fleming 141; Piccolomini .. vergasz sich in der trunkenheit so, dasz er die gesundheit des kaisers aufbrachte. Schiller (30
jähr. kr.) 8, 340; vorhin, da bracht der Deodat des kaisers gesundheit aus, da bliebs ganz mäuschenstille. Schiller (
Piccolomini 4, 5) 12, 169; 'du muszt beim essen die gesundheit des brautpaars ausbringen.' der gatte brummte: 'jedoch ohne unnützes zeug wie redensarten und steckenbleiben' ...... 'die redensarten müszen die voraussetzung sein' rief die oberamtmann, 'und wenn du nicht willst, so werde ich selbst besorgen was vorgesetzt werden musz, und du sprichst die gesundheit'. G. Freytag
verlorne handschr. 1, 294; ich komme schlieszlich wieder auf meinen 'mann' zurück, und zwar, um ihm eine kräftige gesundheit auszubringen. soll er tüchtig seiner ihm vorgezeichneten bestimmung nachleben, so musz er froh und heil sein können: finden wir daher an ihm noch ein krankes glied, vielleicht gar einen lahmen finger, so kuriren wir so lange, bis er ganz gesund ist. R. Wagner (
trinkspruch auf die königl. kapelle)
werke2 2, 232. III@3@c@g@44))
wie in manchen der eben erwähnten beispiele sich schon zeigt und wie es sich namentlich auch in der syntaktischen behandlung des substantivs ausprägt, wird mit der gewohnheitsmäszigen wiederholung dieser bestimmten redensarten die stellung unseres wortes inerhalb derselben immer freier; es streift die bedingungen immer mehr ab, an die es ursprünglich gebunden ist. III@3@c@g@4@aα))
so tritt es satzbildend auf: angeklingt, denn es gilt die gesundheit unseres kindes. Voss
Luise 1, 632; erst die gesundheit des mannes, der endlich vom namen Homeros kühn uns befreiend, uns auch ruft in die vollere bahn. Göthe (
auf Herm. u. Doroth.) 1, 331; und jetzt die erste gesundheit: der gute geist, welcher uns heut zusammengeführt hat, er soll leben. G. Freytag
journalisten 2, 2. III@3@c@g@4@bβ))
statt die zielrichtung anzudeuten tritt das substantiv zu den oben besprochenen verbis einfach als object: vgl. gesundheittrinken
sp. 4346. gesundheit herum trincken =
haurire soteria pocula, a summo bibere, bibere inter vota pro sanitate alicujus. Weissmann 156. Bayer 288; ich habe recht gern, dasz man meine gesundtheit (trinkt), den man drinckt ja der leutte gesundtheit nicht, die man haszt, noch denen man nichts guts wünscht. Elisabeth Charlotte (
litt. ver. 107) 675; dasz ewig allein-eszen betrübt mich recht. gesundheit trinken ist keine grosze freyheit, sondern in meinem sinn wasz obligents, denn man wünscht allezeit wasz guts dabey.
ebenda 623
ff.; ja manche phantasten trinken die gesundheit ihrer weiber nicht nur aus den ringel-gläsern, sondern auch aus den pantoffeln, schuhen, ja was das abscheulichste, manchmal sogar aus dem
s. v. nachtgeschirr.
olla potrida des durchgetriebenen Fuchsmundi (1726) 180.
vgl. 375; der hausherr mit den seinigen und seinen gästen sich fröhlich in der gegend umschaue, deren aller sowie sämmtlicher anwesenden gesundheit hiermit getrunken sey. Göthe (
wahlverw.) 17, 101; Wallensteins .. des souverainen fürsten, gesundheit wurde aus vollen bechern getruuken. Schiller (30
jähr. kr. IV) 8, 348; ein vorwand zur todesstrafe ist, dasz einer die gesundheit des Czars nach russischer mode zu trinken verschmähte. Schiller (
zu Demetrius) 15
2, 328; und trinkt der braut gesundheit um, so oft ein mädchen schreiet. Voss
sämtl. ged. 3, 143; ich trinke des jüngferchens werthe gesundheit.
Luise 1, 660; machet euch lustig, lasset die angefangene gesundheit herumbgehen. Schupp (
relat. an den Parnass) 567. III@3@c@g@55))
so tritt das substantiv mit dem ganzen bedeutungsgehalt der wortgruppe, aus der es sich losgelöst hat, in neue verbindungen ein: III@3@c@g@5@aα)) die gsundheit ist gut, giebet mir ein muth. bald aus in einem trünkelein, das gläslein soll geleeret sein.
studentenschmausz no. 2 (Hoffmann
2 no. 237); die gesundheit, so man einem zugebracht hat, bescheid thun
répondre à la santè. dictionaire du voyageur 144,
vgl. th. 1, 1553; nachdem er einigemal auf die gesundheit der kämpfer bescheid gethan. Göthe (
Meisters lehrjahre) 18, 226; man urtheile, wie froh ich auf diese angebotne gesundheit bescheid that. Schiller (
verbrecher a. v. ehre) 4, 75. III@3@c@g@5@bβ))
als object vermag das substantiv mit diesem bedeutungsgehalt auch nichtssagende verba zu erfüllen: komm, nimm dein glas und mach gesundheit mit Uli und versprich ihm, du willst die pächterfrau in der Glungge werden. J. Gotthelf
Uli d. kn. cap. 24; als er da war und gehörig gesundheit gemacht hatte, wollte die wirthin ein gespräch anfangen.
ebenda u. a. III@3@c@g@66))
der neue bedeutungsgehalt ermöglicht dem substantiv auch in den plural zu treten: die gesundheiten: da müszen sich auch die umbtrinck leyden, unnd die gesundheiten der fürsten herhalten. Albertinus
narrenhatz (
nationallitt. 3) 195; es begleiten ihn etzliche gute freunde, nehmen sehnlichen abschied von einander und trinken noch kniende gesundheiten. Schoch
komöd. vom studentenleben (Fabricius) 91, 35; die gesundheiten gehen in der runde herum =
vont à la ronde. dictionaire du voyageur 144; gesundheiten trincken,
salutaria bibere, libare alicujus salutia. Kirsch
corn. 2, 149
b; lieder zur erhöhung gesellschaftl. freuden nebst angehängten gesundheiten.
Nürnberg 1793; aber sie verfertigt anakreontische oden auf ihren papagey, dem sie an beredsamkeit so ähnlich ist. in den stolzen gesundheiten, die sie ansetzet, und aus der besten welt hernimmt, ist sie gründlich, philosophisch, erhaben. Hagedorn
vorrede (1750); seine gesellschaften, gastmahle und gelage haben den adel mehr verbunden und verknüpft, als die gefährlichsten heimlichen zusammenkünfte. mit seinen gesundheiten haben die gäste einen dauerhaften rausch, einen nie sich verziehenden schwindel geschöpft. Göthe (
Egmont) 8, 186; und an gesundheiten so wie an andern aufmunterungen zum trinken fehlte es so wenig als am mittag. Göthe (
dicht. u. wahrh.) 26, 22; un dernoh brav g'esze, stode gfüert gsundhaide viel gelert nu druf gehts los an's springe. Arnold
pfingstmontag 22; dann kommt eine rede von ihnen, dann einige gesangstücke, und beim eszen die vorstellung des obersten und die gesundheiten .. die gesundheiten sind vertheilt. Freytag
journalisten 2, 2; gesundheiten, reden, kanonenschüsse, champagner und eis, alles nach bekannter art. Moltke
br. 76. III@3@c@g@77))
aus allen den oben besprochenen verbindungen ist das substantiv in der neueren sprache verdrängt worden. die ausrufsformen bedienen sich theils des synonymen wohl (zum wohl! ihr wohl!)
oder sie behelfen sich überhaupt ohne ein substantiv (ich erlaube mir
vgl. th. 3, 891)
mit der bloszen namensnennung und mit geberden. beim reihentrunk ist über das fremdwort vivat
hinweg die formel: er lebe hoch! (
verkürzt einfach hoch
vgl. 4, 2, 1604)
an die stelle getreten. hieran knüpfen dann wieder neue verba, wie hochleben lassen, leben lassen
an stelle von gesundheit trinken.
der absolute gebrauch von gesundheit
im sinne von trinkspruch
ist fast ganz durch dieses letztere oder durch das fremdwort toast
verdrängt. III@3@dd)
jünger als in den trinkformen ist die verwendung des substantivs in den wunschformeln, die an das niesen anknüpfen. hier ist der gebrauch noch heute nicht ganz veraltet. III@3@d@aα)
die sitte, dem niesenden mit einem heilwunsch zu antworten, ist alt und beruht auf der anschauung, dasz sich durch das niesen veränderungen in der constitution des niesenden kund geben, denen man mit der wunschformel entweder entgegentreten oder entgegenkommen wollte, vgl. Grimm
mythologie4 935
und nachtrag 322.
die ältere deutsche formel, die noch heute in den unteren schichten weiterlebt, ist 'helf gott' (
theil 4, 2, 951);
sie ist schon aus der mittelhochdeutschen dichtung bekannt und hatte im 17.—18.
jahrh. mit den aus der studentensprache und den verkehrsformen der gelehrten kreise herüberdringenden lateinischen wendungen zu kämpfen, die auch innerhalb der trinksitte zu beobachten waren: helfe gott,
prosit. Steinbach 1, 774; das niesen ist eine operation, wodurch grosze übel entstehen können .. dieses ist die ursache, warum man prosit sagt, gott gebe, dasz dir dieses nicht schaden möge. Lichtenberg 2, 99.
wo in der litteratur, in wörterbüchern und ähnlichen hilfsmitteln die wunschformeln beim niesen erwähnt werden, fehlt in der älteren zeit die anführung unseres substantivs: dieu vous aide, bénisse, contente, gott helffe euch, il faut remarquer que ces mots ne se disent qu'à des personnes de basse qualité, et qui sont moins que nous: mais si quelcun pour qui nous devons avoir un peu de respect éternue, il faut faire la révérence sans parler. Duetz
französ. grammat. (
Cöllen 1595) 191. III@3@d@bβ)
unter gesundheitwünschen
macht Krünitz 17, 825 (1787)
auch auf das stichwort niesen
aufmerksam, dort aber 102, 545 (1806)
wird bemerkt: die gewohnheit jemandem nach dem niesen zu wünschen, dasz es ihm wohl bekommen möge, verliert sich nachgerade immer mehr, da man sich nichts dabei denken kann und man sie also pedantisch finden musz.
ähnlich bei Schütze im
holsteinschen idiotikon 2, 30 (1801): das 'tor gesundheit!' wenn jemand niest, kommt ziemlich allgemein ab, nur der kleinstädter und landmann sagt sein gotthelp.
die ersten belege entstammen also erst solchen beobachtern, die den gebrauch schon als im schwinden begriffen feststellen wollen, weisen demgemäsz auf längere übung zurück. unter den wörterbüchern der schriftsprache hat erst Heinsius (1819)
den brauch seiner aufmerksamkeit werth erachtet: zur gesundheit! ein zuruf, wenn ein anderer nieset 2, 422;
ihm folgten spätere: zur gesundheit! nAeml. diene es, ein zuruf beim niesen eines anderen. Heyse (1833) 1, 572.
god bless you. Grieb 371. sundheit!
zuruf an einen niesenden Kleemann
beiträge zu einem nordthüringischen idiodikon, Quedlinburger progr. 1882, 23.
sonst haben neuere deutsche wörterbücher solche bemerkungen wieder eingehen lassen. III@3@d@gγ)
in der litteratur sind es in erster linie oberdeutsche schriftsteller, die brauch und redensart einflieszen lassen: es ist nicht uneben, was mir einmal ein studirter landsmann gesagt hat: wen ein Schwab ganz für sich allein ist und niest, sagt er sich selber: 'zur gesundheit'. Auerbach
schatzkästlein (1856) 49.
dasselbe hatte aber schon Jean Paul
für schulmeisterlein Wuz beobachtet: niesete er, so sagte er 'helf dir got Wuz'.
unsichtbare loge 3, 134; da fand der schuhmacher wahrscheinlich, dasz es zeit sei, eine kleine erholungspause zu eröffnen, und nieste .. der .. buchbinder rief: zur gesundheit! und alle nachbarsleute lachten. G. Keller
leute von Seldwyla 1, 20.