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verschwinden

nhd. bis spez. · 12 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

verschwinden verb.

Bd. 25, Sp. 1217
verschwinden, verb. , ahd. farsuindan Graff 6, 884; mhd. verswinden mhd. wb. 2, 2, 798b. Lexer mhd. handwb. 3, 264; alts. farswindan Wadstein kleinere alts. sprachdenkm. 238a; nd. vorswinden Schiller-Lübben mnd. wb. 5, 470b; nld. verzwinden; aus dem deutschen stammenn. forsvinde und schwed. försvinna. diese assimilierung findet sich auch im deutschen, s. oben schwinden I, 3, th. 9, sp. 2668; vanescere, begynnen tzo verswinden. Diefenbach gloss. 606b; disparere, verschwinden 185c; evanere, verswinden 211c; invanescere, verswinden, tzo niet gaen. 306b; verschwinden, zenüte werden, vanescere, in auras ire, in nihilum ire. Maaler 430c; verschwinden, devenir à neant. Hulsius dict. (1616) 355a; evanescere, verschwinden, sich verlieren. Corvinus fons lat. (1660) 703a; Stieler 1980 bemerkt, dasz im sinne von disparere, abscondere se celerrime e conspectu verschwinden häufiger gebraucht werde als schwinden. weiterhin verzeichnet bei Kramer deutsch-it. dict. (1702) 2, 725a. Steinbach 2, 555. Frisch 2, 251a; Adelung erklärt es: 'sich den augen geschwinde entziehen, auf eine geschwinde und unmerkliche art unsichtbar werden'. nd. verswinnen Schambach wb. d. nd. mundart von Göttingen-Grubenhagen 267b (praet. verswund, pl. verswunnen, conj. verswünne, part. verswunnen, imp. praes. verswind, verswinnet). Woeste wb. d. westfäl. mundart 296a. die starke flexion wird durchaus festgehalten, vgl. im übrigen die bemerkungen über die flexion von schwinden th. 9, sp. 2667. Schottel 601 flectiert ich verschwinde, ich verschwand, du verschwundest, er verschwand, wir verschwunden; das u dringt auch in die 1. und 2. p. sing. des perfectums; so hält sich verschwund in mundarten, s. das oben angeführte citat aus Schambach; vgl. ferner Albrecht Leipziger mundart § 209; ein in Norddeutschland allgemein verbreiteter spruch lautet: August, sagt er, hast du grund? scheisze, sagt er, und verschwund. in der schriftsprache: und unvollendt verschwund ihr erster morgentraum. v. Creuz ged. 1, 34 (1769); da kam er und küszt' ihr den rosichten mund, drob alle sein zagen im herzen verschwund. Bürger ged. 197 Sauer. nd geht in ng über, so im waldeckischen ferschwingen (Bauer-Collitz waldeck. wb. 32a), in Preuszen: verschwingen Frischbier preusz. wb. 2, 551a. vgl. das unter 12 aus Hertel angeführte citat. verswank, desparse. quelle von 1424 bei Schmeller bair. wb. 2, 640. in dem gebrauche berührt sich verschwinden vielfach mit schwinden, es hat seine bedeutung verengt, aber nicht bis zu dem grade, wie es nach der erklärung Adelungs scheinen könnte; über berührung und scheidung von schwinden und verschwinden im nhd. läszt sich im allgemeinen nur so viel sagen, dasz schwinden zwar auch im sinne von disparere gebraucht wird (schwinden 5, th. 9, sp. 2674), dabei aber meistensdurchaus nicht immerdie vorstellung des abnehmens festgehalten wird, während bei verschwinden das nicht mehr sichtbar sein, das resultat deutlicher empfunden wird, und dasz andrerseits auch im nhd. noch verschwinden das allmähliche abnehmen, z. b. einer geschwulst, eines fiebers bezeichnen kann, immer aber im hinblick auf den abschlusz des vorganges. in der älteren sprache ist die berührung zwischen den beiden verben stärker. 11) zu nichte werden, zerstört werden, zu grunde gehen durch äuszere gewalt; diese anwendung ist der neueren sprache ganz fremd, sie ist auch in älterer sprache eine abgeleitete; wie ver swenden in der alten dichtersprache vom zerbreehen, zertrümmern der waffen im kampfe gebraueht wird (vgl. oben verschwenden 2), so bezeichnet verswinden das vernichtet werden im kampfe (auf schild, speer bezogen): iwer minne lêrt noch ritters hant dâ von ie schilt gein sper verswant. Wolfram v. Eschenbach Parz. 372, 12; Parzivâles schilt verswant von slegen und von schüʒʒen. 208, 10; ey kranker knabe, waʒ waldesê muoʒ verswinden ûʒ dîner hant mit tjoste,solt du der ducissen minne bevinden. Titurel 102, 1; van einem sper quam he in nôt, der manech ûf siner brust verswant. Berthold v. Holle Crane 203. [] 22) von lebenden wesen, vergehen, schwach werden. dahinsiechen, sterben: cum defeceritis, so ir fersuindênt. Notker ps. 65, 15; als ir wære niht ze leit ob ich gar verswunde. Hartmann v. Aue 1. büchlein 1654 (von Wackernagel gebessert in ob mir gar geswunde); des wirtes vrowe dâ wider swuor, sie müest dâ von verswinden. Heinrich v. d. Türlin krone 7861; ei mohte iemann verswinden vor leide, eʒ wêre aldâ geschehen. erlösung 3656. kain mensch kan gott sehen und leben, er muosz ailweg vor disem anblick und in jm selbs, vergehen, verschwinden, sterben, unnd zuo nicht werden. Erasmus lob der thorheit übers. von Franck 117b; ich, den deine betrübnisz ganz abmergelt, ich veralte, verschmachte und verschwinde darüber. Lessing3 4, 90; het er die bseichten biern nicht funden, für hunger wer er gar verschwunden. B. Waldis Esop 2, 77, 26 Kurz; itzt siht er nach dem klotz (richtklotz) auf dem er soll verschwinden. A. Gryphius 1, 331 (1698). vergehen, in edlem sinne: bis im anschaun ew'ger liebe wir verschweben, wir verschwinden. Göthe 6, 266 Weim. ausg. schwach, ohnmächtig werden (s. 3): weil sunst all thier dahin geneigt wenn sich der todt an jn erzeigt, das sie für angst und leydt verschwinden. B. Waldis Esop 2, 44, 11 Kurz; anders gewendet (vgl. 6): zuostuond kostliche und krefftige wasser bracht wurden, durch die der edlen hertzogin iren verschwundenen geyst wider bracht wurden. Wickram 1, 89 Bolte-Scheel; in dem schrecken und grosen not lag er darauff sam halber todt, das im sinn und vernunft verschwunden. H. Sachs 8, 634, 1 Keller-Götze; allwo plötzlich ihr geist gleichfalls verschwand (sie starb, gab ihren geist auf). Grimmelshausen Simpl. 2, 307, 1 Kurz. die vorstellung, dasz das vergehende dann nicht mehr da ist, tritt schärfer hervor: gleichsam als wie die lebhafte geister der unvernünftigen thiere in ihrem tod verschwinden. Grimmelshausen Simpl. 2, 61, 9 Kurz. zu grunde gehen, mit der angabe, worin das abnehmen stattfindet, in welcher beziehung ein vergehen, dahinschwinden sich vollzieht; physisch: ein mann ohn weib, hat halben leib, geht wie ein schwarm, hat jmmer harm, kan nirgend hin, in seinem sinn, wo er sich wendt, unrath erkent, in küch und spindt, viel schaden find, und an der nahrung sehr vorschwindt. B. Ringwaldt tr. Eckart O 1a. moralisch: de sik herschup underwindet unde so lesten an den eren vorswindet. G. v. Minden 84, 30 Seelmann. 33) in älterer sprache: es verschwindet einem, er wird ohnmächtig: si triben alsô lange daʒ, biʒ in beiden verswant. ges. abent. 2, s. 131, 47. vgl. schwinden 2, d, th. 9, sp. 2671. 44) abnehmen, sich verzehren, zu grunde gehen, vergehen, so dasz nichts mehr zu sehen ist; hier ist eine scharfe scheidung zwischen dem gebrauch der älteren und neueren sprache nicht überall möglich; die belege zeigen aber, wie mit der zeit die wirkung des ver- immer stärker wird und verschwinden in der oben geschilderten weise sich immer deutlicher dem einfachen schwinden gegenüberstellt, die vorstellung der abnahme nebensächlich wird, dagegen das nicht mehr sichtbar, nicht mehr vorhanden sein den sinn des compositums vor allem bestimmt. die abgeschlossene bedeutung von verschwunden wirkt auf die übrigen formen des verbums zurück. verschwinden durch gänzliches vergehen, durch veralten, durch verwelken. Frisch 2, 251a; wenn wir sagen: die narbe verschwindet, haben wir das endresultat im sinne, die ältere sprache denkt bisweilen mehr an die allmähliche abnahme; eine characteristische stelle ist folgende: sie besah die hand mit groszem verdrusse und rief verzweiflungsvoll aus: das ist noch schlimmer! ich sehe sie ist gar geschwunden, sie ist viel kleiner als die andere. ... die [] hand wird nach und nach schwinden und endlich ganz verschwinden. Göthe das mährchen (18, 241 Weim. ausg.). sein reichtum verschwindet zusehens, res ejus familiaris frangitur, dissipatur, dilabitur inter manus, in conspectu omnium; verschwundene güter, bona disjecta, fracta, perdita. Stieler 1981; van der tid merde sik der Sassen rike und der Franken vorswant. d. städtechron. 7, 42, 10; do verswant der lude neringh, nach dem se leden grote noth um weyten- unde roggenbrot. 16, 248, 4707; dat korn was ser verswunden, in dem stro was nicht gefunden. 4722; der most verschwindet, der weinstock verschmacht. Jesaias 24, 7; der blasbalck ist verbrand, das bley verschwindet, das schmeltzen ist umb sonst. Jeremias 6, 29; sein fleisch verschwindet. Hiob 33, 21; und die herrligkeit seines waldes und seines feldes sol zu nichte werden, von den seelen bis auffs fleisch, und wird zurgehen und verschwinden. Jesaias 10, 18; alles was die gottlosen hinder sich lassen, verschwind, und kömpt zusehens unter. Luther 3, 296a; das einem das hertz im leybe verschmachten, unnd das marck inn beynen verschwinden wil. Mathesius pred. über den 130. psalm (1565) B 3b; das mark verschwindet aus, das reiszen macht mir bange, das meine beine kreischt. P. Fleming 1, 4, 10 Lappenberg. vom wasser, in älterer sprache oft der bedeutung von versiegen sich nähernd: und das wasser in den seen wird vertrocken, dazu der strom wird versiegen und verschwinden. Jesaias 19, 5; doch so es 6 tags gefloszen hat, verschwindet es; demnach als ob es sich nicht verendert het, kompt es am achten tag wieder in seinen vorigen staden. Kirchhof wendunmut 4, 208 Österley; dann es müsten die generationes fructuum et animalium erst vergehen und alle wasser verschwinden, eh sich die erde von sich selbst durch der sonnen hitze entzünde. Grimmelshausen Simpl. 2, 59, 13 Kurz; den Sabatsicum in Syria, der nur 6. tage fleust und den siebenden verschwindet. 196, 12; dagegen, unsichtbar werden, dem blick sich entziehen: ein flut die ander trib so gschwind, das sie eim underm gsicht verschwind. Fischart 2, 189, 395 Kurz. 55) so entwickelt sich weiter der gebrauch des wortes im neuhochd., dasz dieser sinn (vergehen, bis der gesichtseindruck schwach wird und ganz aufhört) immer mehr hervortritt (vgl. unten 10): verschwinden durch verdunkeln, durch grosze verdünnung. Frisch 2, 251a; die rote färbung verschwindet mit der zeit, die narbe ist im verschwinden, kaum noch zu sehen; bei sonnenaufgang verschwinden die sterne, u. s. w.; die trüben wolcken verschwinden. Steinbach 2, 555; wie ein frühlingsnebel vor der sonne verschwindet. Adelung; oft so in vergleichen, zum übertragnen gebrauch überleitend (6): verschwinden wie rauch im winde. Kramer deutsch-it. dict. (1702) 2, 725a; mein glück verschwand, wie ein traum in einer sommernacht. Adelung; schnell wie ein blitz verschwindet. Campe; siu fersuuundun also scato. Notker ps. 52, 5; so soltu wol sehen, wo bapst, bischove, cardinal, pfaff, münch, nonne, glocken, thürn, mess, vigilien, kutten, kappen, platten, regel, statuten und das gantze geschwürm und gewürm bepstlichs regiments bleibe, wie der rauch sol es verschwinden. Luther 2, 69a; verschwunden wer es alles wie ein rauch vor langen jahren, wie wasser, das da schnell dahin fleuszt, nicht widerkompt oder vertrocknet. Kirchhof wendunmut 1, 39 Österley; o du elender mensch, du dem nichtigen rauch gleich verschwundener mensch. Grimmelshausen Simpl. 1, 85, 11 Kurz; dasz es gleichsam wie rauch, nebel und wolcken verschwindet. 2, 311, 11; all angst und qualwird auf einmal gleich wie ein dampf verschwinden. P. Gerhardt ged. 85, 64 Gödeke; o dieses mädchens trauriges geschick verschwindet, wie ein bach im occan. Göthe die natürliche tochter 3, 1 (10, 306 Weim. ausg.); ohne vergleichung: und wenn er jn zum andern mal am siebenden tage besihet, und findet das das mal verschwunden ist. 3 Mos. 13, 6; ein dampff ists, der eine kleine zeit weret, darnach verschwindet er. Jacob. 4, 14; da doch dieses leben nur überhaupt ein verschwindender punkt ist. Lichtenberg 1, 75 (1844); stehende gesichtszüge; welche aber im sterben verschwinden. Kant 10, 336; sobald die versprochenen goldnen berge verschwinden. Gotter ged. 3, 18 (1802); des morgins nichtisnicht irsên sî des îsis kundin; sô gar was iʒ vorswundin. N. von Jeroschin 116d; [] verschwundt der schwantz (thu ich euch sagen) und wurd also gentzlich verloren und ist nicht mehr gesehen woren (der schwanz eines kometen). H. Sachs 8, 753, 21 Keller-Götze; drum wird uns auch der himmel blind, des firmamentes glanz verschwindt. P. Gerhardt 15, 14 Gödeke; ach weh, mein licht verschwindt. 101, 29; die morgenröt verschwunde, weil ihren purpurschein der helle tag umwunde mit klarheit noch so rein. Spee trutz-nachtigall 54, 9 Balke; seltener vom ton: wiewol die stim oder rede bald verschwindet. Luther 2, 337a; swaʒ ir gesagete Marte, daʒ verswant mit der luft. passional 369, 91 Hahn. ein wort verschwindet aus dem sprachgebrauch, wird nicht mehr gehört (oder gelesen). von eindrücken der tastempfindung: zuo hant der pulsz aber verschwant. Steinhöwel decam. 132 Keller. 66) sehr oft und schon in alter sprache in übertragner anwendung: das fieber, der husten ist, gott lob, verschwunden. Kramer deutsch - it. dict. (1702) 2, 725a; der zorn ist bey ihm verschwunden. Stieler 1981; ihr andäncken ist verschwunden; der glantz, die hoffnung verschwindet; die kraft und munterkeit ist verschwunden. Steinbach 2, 555; eine verschwindende mode, dieser geschmack ist im verschwinden u. ä.; dâ er freude vant und al sîn trûren gar verswant. Wolfram v. Eschenbach 100, 10; ir zwîvel gar gein im verswant. 311, 26; daʒ aller sîn smerze von disem kumber gar verswant. 584, 17; Gâwâns sorgē gar verswant. 654, 23; freier: swem sîn dienst verswindet, daʒ er niht lônes vindet. 731, 27; sie pflac der wâren güete sô daʒ der valsch an ir verswant (sie war ohne falsch). 260, 11; all meine frewd ist verschwunden sider. H. Sachs 8, 40, 23 Keller-Götze; in summa, keinen wîrd man finden, der köndt der wahrheit lob auszgründen, lügen musz ewiglich verschwinden. Kirchhof wendunm. 4, 235 Österley; grosz zusag ist gar baldt verschwunden. 296; ist beider geist und seufzer lind, aha, so nie verschwindet. Spee trutz-nachtigall 127 Balke; wenn ich meine spanne raum durchgekrochen bin, und dieser traum in dem arm der engel wird verschwinden. Göckingk ged. 1, 77 (1780); aus der welt die freyheit verschwunden ist, man sieht nur herrn und knechte. Schiller Wallensteins lager 11; verschwinde mir des lebens athemkraft, wenn ich mich je von dir zurückgewöhne. Göthe Faust II, 1 (15, 1, 85 Weim. ausg.); so bald die lügen erkennet wird, darff sie schon keines schlags mehr, und verschwindet von jr selbs mit allen schanden. Luther 2, 66a; das wir von nichts, denn von Christo wissen, und alles ander abfalle, Moses und Elias verschwinde (aus dem religiösen bewusztsein). 118a; denn in diesem bilde verschwindet aller zorn, und schrecken. 7, 82a; verschwünden hieüber noch viel andere, nicht ungeschickte subtilitäten. Kirchhof wendunm. 4, 228 Österley; und wiewol sonst anderer ding gedächtnusz eine kurtze zeit verharren, und durch mancherley zufäll verschwinden. 20; so dir was einfält, das lasz nicht wieder verschwinden. Comenius sprachenthür übers. von Docemius (1657) 742; ich kann den süszen traum verschwinden sehen, den mein leichtgläubiges herz im stillen nährte. Gotter ged. 3, 55 (1802); durch das blose verschwinden einer langen beschwerde. Kant 10, 251; das zuverlässige bild, das sich ein wohlgerathenes kind so gern von seinen eltern macht, verschwindet. Göthe Wilhelm Meisters lehrjahre 4, 13 (22, 74 Weim. ausg.); indem die bilder bedeutender freudenscenen aus dem gedächtnisz verschwinden. campagne in Frankreich 1792, 12. oct. (33, 139). häufig ist das part. präs. in verbindung mit ausdrücken wie wenig, gering, klein: der ertrag ist verschwindend klein. [] 77) auf zeitbegriffe bezogen, zunächst einfach von der hingehenden zeit ohne nebenvorstellungen: sô bald die selbe naht verswant, ûf die reise er sich machte. Heinrich v. d. Türlin krone 28256; inner des diu zît verswant, ûf die der herzog getriulich solt komen her ze Ôsterrîch. Ottokar reimchron. 2154; niemals sah ich in den lezten stunden eines jahres, mit so heiterm blik in ein jahr, das bald verschwunden, aber nicht verloren ist, zurük. Göckingk ged. 1, 77 (1780); gewöhnlich aber mit betonung des vergänglichen der zeit und der zeitinhalte: die guten tagen seynd verschwunden. Kramer deutsch-it. dict. (1702) 2, 725a; owê war sint verswunden alliu mîniu jâr. Walther v. d. Vogelweide 124, 1; diz kurze leben verswindet, der tôt uns sündic vindet. 17, 4. 88) in besonderen wendungen, im sinne von zurücktreten, in den schatten treten im vergleich mit anderem. verschwinden vor, neben, gegen: die furcht aber in der vergleichung mit demselben in seiner eigenen schätzung zu verschwinden. Kant 10, 265; wie er plane schmiedet und ausführt, vor denen die heldenthaten eines Kartouches und Howards verschwinden. Schiller räuber 1, 1 schauspiel; ich konnte mich vom anblick nicht scheiden; dieser ring verschwand zu nichts dagegen. Göthe der grosz-cophta 2, 2 (17, 145 Weim. ausg.); wie unbemerkt, verächtlich verschwinden meine welten, meine stralenquillenden gestirne, meine tanzenden systeme, mein ganzes groszes saitenspiel, wie es die weisen nennen, wie das alles tod gegen eine seele? Schiller 1, 333 (Semele 2). 99) unsichtbar werden auf übernatürlichem wege, auf unerklärliche weise sich dem blick entziehen (rationalistisch: die äuszerste schnelligkeit der entrückung, welche wir das verschwinden nennen. Lessing3 9, 86): angesicht der augen verschwunden, oculis ereptus, vor den augen verzuckt. Maaler 430c; das gespenst ist verschwunden. Stieler 1980; er verschwand vor meinen augen. Steinbach 2, 555; da schrey das volck zu Mose, und Mose bat den herrn, da verschwand das fewr. 4 Mos. 11, 2; wie ein gesicht in der nacht verschwindet. Hiob 20, 8; und der engel des herrn verschwand aus seinen augen. richter 6, 21; und als er das gesagt hatte, verschwand er fur jren augen, und sahen jn nimer. Tob. 12, 21; und er verschwand fur jnen. Luc. 24, 31; so verschwindt der münch, das die guet dochter nit wust, wo er hin kommen. Zimm. chron.2 4, 307, 15; und zum dritten male ward des königs name auf die tafel geschrieben, und zum dritten male verschwand er und jener kam zum vorschein. Bechstein märchenb. 183; unz er vor ir ougensinne wesse wenne verswant. Nibel. 609, 4; nach disen worten er verswant. Germ. 4, 244, 290; der engel sâ vor im verswant. Wolfram v. Eschenbach Willeh. 49, 27; nâch den wortin ouch zuhant daʒ gesichte gar vorswant und der brûdir intwachte. Nic. v. Jeroschin 32c; bald hetscht ich inn die grufft an fraw Sorg bayde hund, die inn eym schnipff verschwund. H. Sachs 4, 139, 16 Keller-Götze; mit dem die zart göttin verschwundt. 8, 316, 2; nach dem das himlisch heer allsandt in einem augenplick verschwandt. 642, 27; mit dem die drey göttin verschwunden. 664, 21; in dem kam ein groszer platzregen, darinn die königin verschwund. 713, 36; sobald der Lucifer disz hett uber dem hütlein auszgeredt, verschwund der tag im augenplick, dasz man nicht sehen kont eyn stick. Fischart 2, 270, 1105 Kurz; will alles sich dem aug entziehn? verschwindet alles in die lüfte? Hagedorn 3, 131 (1771); mit diesem wort werschwanden alle drey. Wieland 18, 135 (Pervonte 1); unsichtbar werden und vergehen: in's wesenlose will ich dann verschwinden. Chamisso 4, 22 (1836). [] 1010) im anschlusz an die unter 9 behandelte bedeutung gewinnt das verbum im nhd. eine mannigfaltige anwendung; so braucht man es mit ausschlusz des übernatürlichen von personen, die sich plötzlich entfernen oder unauffindbar werden, ohne dasz man weisz, wie sie sich entfernt haben oder entfernt worden sind, wohin sie gekommen sind; in entsprechendem sinne auch von unpersönlichem. meiner diener ist verschwunden, nusquam apparet famulus meus. Stieler 1981; es wird ja mein buch nicht verschwunden seyn. Kramer deutsch-it. dict. (1702) 2, 725a; der schuldner ist verschwunden, 'wenn er mit der flucht entkommen ist.' Adelung; die vorstellung des rätselhaften kann aber schwinden und der ton auf das plötzliche unsichtbar werden gelegt werden, oder schlieszlich auch nur der gegensatz übrig bleiben, dasz etwas, was vorher da war, nun auf einmal nicht mehr da ist; auch das verdeckt werden, sich verbergen im entfernen (s. z. b. unten räuber 2, 3) kann bezeichnet werden (der mond verschwindet hinter wolken, der strolch verschwand im walde). die anwendung, die von der bedeutung 9 ausgeht, trifft mit den oben entwickelten gebrauchsweisen, die auf der alten bedeutung 'abnehmen, vergehen' beruhen, oft ununterscheidbar zusammen (vgl. unter 5): et ecce non erat, unde sciero uuas er fersuunden. Notker ps. 36, 6. alle erscheinungen, zu deren wesen wir es nach unsern begriffen rechnen, dasz sie plötzlich ausbrechen und plötzlich verschwinden, dasz sie das, was sie sind, nur einen augenblick seyn können. Lessing3 9, 20; izt im triumfe nach meinem schlosz, in die arme meiner Amalia zu fliegen, — sie war verschwunden. Schiller räuber 3, 2 schauspiel; und so mit verschwand er in den wald. 2, 3; einige räthselhafte worte der schönen verschwundenen. Göthe Wilhelm Meisters lehrj. 4, 11 (22, 65 Weim. ausg.); sieh nur, hier stand vor kurzem noch ein schönes lager, wie lustig sahen die zelte aus! wie lebhaft ging es darin zu! ... und nun ist alles auf einmal verschwunden. 4, 1 (22, 3); heute werden sie mir nicht verschwinden, sondern mir für das anmuthige märlein vom gänserich und gänschen rede stehen. Immermann 3, 180 Boxberger (Münchhausen 6, 15); Olwier, mein bruder, ist verschwunden. H. Sachs 8, 224, 15 Keller-Götze; ihr (der drachen) feuer îst zum glück nur kalt, und bald erstickt's in ihrem blut; in drey bis vier sekunden ist alles rein verschwunden. Wieland 18, 329 (des maulthiers zaum); blum' und gebüsch, und der baum, unstät wie die wehende blüte, wankt, und der laub' obdach bebt und verschwindet im glanz. Voss 3, 114 (1802); ihn verlachend unumwunden, langgebeint, mit leichten sätzen, war er in dem busch verschwunden. Chamisso 3, 196 (1836); er selbst ist in den schiffsraum schnell verschwunden. 4, 48. scheisse! sagte Cicero und verschwand im nebel. Höfer wie das volk spricht. verschwinden wird besonders in der umgangssprache oft für sich entfernen, sich fortmachen gebraucht: jetzt schau' dasz d' verschwind'st. Hügel d. Wiener dialect 181b; indem er zugleich der verblüfften lamie befahl unverzüglich aus Korinth zu verschwinden. Wieland 27, 124. schnelles weggetrieben werden: aber sie werden gewisz verschwinden gleich wie hewschrecken vor den winden. Fischart 1, 84, 3203 Kurz; als ain pfail von armprost verschwind. 2, 203, 958. verschwinden lassen, entgleiten lassen: manchen seufftzen liesz sie von jhr verschwinden. Octavian M 4. verschwinden lassen wird in neuerer sprache verhüllend für stehlen, unterschlagen gebraucht; mit persönlichem object, sorgen dasz jemand bei seite geschafft, im kerker verborgen wird. übergehen und sich in etwas andres wandeln: so verschwindet denn ein über die grenzen möglicher erfahrung hinaus versuchtes und doch zum höchsten interesse der menschheit gehöriges erkenntnisz ... in getäuschte erwartung. Kant 2, 324; die ruhe und stille der pflanzenwelt verschwindet (beim thier) in unruhe und lärm. Vischer ästhetik 2, 111. 1111) 'in der pflanzenlehre heiszt ein abwärts steigender stock verschwindend (evanescens), wenn er in holz eindringt und sich darin allmählig verliert; ein stengel heiszt verschwindend (deliquescens), wenn er sich in äste so zertheilt, dasz der hauptstamm selbst nicht mehr zu bemerken ist, indem er sich in die äste verliert; ein ring heiszt daselbst verschwindend (fugax), wenn [] er bei der völligen entwickelung des pilzes gänzlich verschwindet'. Campe. 1212) in activem sinne, gleichbedeutend mit verschwenden (vgl. mnd. vorswinden bei Schiller-Lübben mnd. wb. 5, 470b); (er) verschwindet offt mehr, als er einnimt. Schuppius schriften 737; ich habe offt gedacht, was thorheit die gemühter der Holländer, und anderer in Teutschland gefässelt habe, dasz sie offtermal, wieviel ducaten verschwinden ein eintzige tulipanen zukauffen. 761; vgl. verschwindung 2. verwinden: ech kond dan schraken emer noch nech verschwenge. Hertel thür. sprachsch. 225 (ob wirklich hierher gehörend?).
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Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Verschwinden

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Verschwinden , verb. irregul. neutr. (S. Adelung Schwinden ,) welches das Hülfswort seyn erfordert, sich den Augen gesch…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    verschwinden

    Goethe-Wörterbuch

    verschwinden [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    verschwinden

    Elsässisches Wb. · +2 Parallelbelege

    PfWB RhWB verschwinde n wie hochd. Im Schwede n kriej sin d im Elsass vil Dörfer verschwunde n Bf. ‘das Männli hät'n gan…

  4. Sprichwörter
    Verschwinden

    Wander (Sprichwörter)

    Verschwinden 1. Dat verschwindt wie Bloskam on Bürbadde. ( Samland. ) – Frischbier 2 , 3910. Ortschaften im Samlande, di…

  5. Spezial
    verschwindenv

    Dt.-Russ. phil. Termini · +3 Parallelbelege

    verschwinden , v исчезать/исчезнуть , гл

Verweisungsnetz

31 Knoten, 25 Kanten

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Anchor 3 Kompositum 18 Sackgasse 10

Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit verschwinden

2 Bildungen · 0 Erstglied · 2 Zweitglied · 0 Ableitungen

Ableitung von verschwinden

ver- + schwinden

verschwinden leitet sich vom Lemma schwinden ab mit Präfix ver-.

Zerlegung von verschwinden 2 Komponenten

versch+winden

verschwinden setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

verschwinden als Zweitglied (2 von 2)

dahinverschwinden

DWB

dahin·verschwinden

dahinverschwinden , n. einzelne romantische streiflichter fallen schon durch die griechische poesie hindurch, wohin z. b. Ödips dahinverschw…