kragen ,
collum, faux, collare. II.
Formen und verwandtschaft. I@aa)
mhd. krage,
ahd. chrago
gula Graff 4, 584,
alts. ags. nicht bezeugt, aber verbürgt durch die folg.; schott. crag, crage, craig
hals, kehle (
dazu z. b. cragbane
halsknochen, mhd. kragebein
krone 19701),
engl. crag
ebenso Hall. 277
a,
nnl. kraag,
pl. kragen (kraeghe Kilian),
nd. kragen.
aber von uns entlehnt müssen sein schwed. krage,
norw. kragje, kraga
u. ä., isl. kragi
m., denn sie haben nur die zweite bed. halskragen, nicht die ursprüngliche; daneben eigen dän. krave,
schwed. dial. krave
m. Rietz 348
b. I@bb)
als verwandt kommt zunächst in frage ein nord. engl. wort für den kropf der vögel: engl. dial. crag Halliw. 277
a,
gemeinengl. craw,
wie dän. kro,
schwed. dial. kroe
m., auch krove
und wieder mit g kroge Rietz 356
a (
gemeinschwedisch dagegen kräfva
f.);
doch mag die verwandtschaft nur schein sein. vergl. übrigens unter II, 3,
d, ε (
sp. 1963). I@cc)
unmittelbare auswärtige verwandtschaft fehlt oder bleibt zu finden. einstweilen darf man sich an das unter dem vor. (II,
a)
aufgedeckte alte verbum kragen
halten, das von menschen- und vogelstimmen galt; es ist ganz denkbar, dasz der hals nach den tönen benannt wurde die aus ihm kommen. Bopp
gl.2 102
b stellte unser subst. mit zu skr. garǵ
clamare (
s.krachen I,
c),
lautlich stimmte näher garh
conviciari, wenn es eig. den klang des scheltens bezeichnete. I@dd)
erwähnenswert ist doch auch ein mittelbarer auswärtiger anklang. im lautstoffe, nur nicht in der lautstufe stimmt slav. krŭkŭ
m. collum Miklos. 315
b,
böhm. krk,
poln. kark,
wend. kyrk (
gurgel),
wozu z. b. böhm. krkati
krächzen, rülpsen, reden sich stellt wie kragen
hals zu jenem kragen
schreien; dazu finn. kurkku (
und kulkku)
kehle, hals, auch skr. kṛka
kehlkopf. aber diesem liegt doch näher ahd. querca
gurgel (Schm. 2, 403,
dazu bair. quergeln
schreien das.),
altn. kverk
f., schwed. kvärk
n. Rietz 375
a,
freilich auch ohne verschiebung. I@ee)
den gleichen lautstoff auf andrer stufe bietet übrigens noch ein germ. wort, ags. hraca
m. gula, guttur, fauces Grein 2, 98,
unser rachen,
ahd. jedenfalls urspr. hracho,
und dazu wieder stimmend ahd. hrachisôn
screare (
rächsen)
wie bair. krägezen (
s. vor. II,
a a. e.), krägeln
zu kragen
hals. ich denke, bei noch dunklen wörtern sollen auch solche dinge gesammelt werden, da der stoff des lautes doch wichtiger ist als seine stufe, deren gesetze zufälligen störungen ausgesetzt waren, die wir durchaus noch nicht recht kennen. I@ff)
der plural mit umlaut, krägen,
der im schriftdeutsch jetzt herscht (
in den mundarten keineswegs, die sächs. z. b. kennt ihn nicht),
ist an sich falsch, die kragen
ist das richtige. doch findet sich krägen
schon im 16.
jahrh. oberdeutsch. IIII.
Bedeutung und gebrauch. II@11) Kragen,
hals, nach auszen und innen genommen, ganz wie hals,
von menschen und thieren. II@1@aa)
so ahd. mhd. und nhd. bis ins 18.
jh. II@1@a@aα)
nach innen genommen: swaʒ slintet der chrage, daʒ zime (
zu sich) nimet der mage.
genesis, fundgr. 2, 15,
beide wörter bis heute im volksmunde gern gereimt; wie mochte ich dir (
dem wein) das immer (
je) versagen, ich müste dich herein gieszen in mein kragen?
weingrusz altd. bl. 1, 403 (
fastn. 1334); was man in möcht dar getragen, das fressens alles in irn kragen.
fastn. sp. 787, 2; noch setz ich dich (
wein) an meinen kragen und lasz dich seuberlich einher (
herein) flieszen.
altd. bl. 1, 411; ich in (
den wein) in min kragen schüt. Keller
Daniel 1545 Q 4
a; mein kragen und magen steht allzeit offen, wie eins fürsprechen (
sachwalters) täsch.
Garg. 241
a (
Sch. 453); männer, die nur ihren kragen und magen versorgen. Creidius 1, 458; ein andrer wünscht dem kragen, so viel er schlingen mag, und einen guten magen. Rachel 5, 77; er hat seinen magen bis an den kragen gestopfet. Ludwig. II@1@a@bβ)
dazu galten gewisse feste wendungen, besonders aus dem schlemmerleben. das trinken hiesz ihnen in scherzhafter verkleinerung den kragen spülen, netzen, waschen
u. ä.: denn du (
wein) kanst mir mein lungen gieszen ... desgleichen auch den kragen spülen.
altd. bl. 1, 411,
s. kragenspülerle; das er seinen kragen auch netzen müchte. Pape
bettel- u. garteteufel M 5
b; also ein singer taugt nit viel, er wasch denn seinen kragen mit gutem wein ... Hoffmanns
gesellsch. l. 147.
der trinker muszte den kragen dran strecken,
ihn anstrengen (
eig. riskieren, παραβάλλεσθαι): wenn er das austrinket, sol solches sein werden, müg derwegen den kragen daran strecken und solches mit trinken gewinnen. Fronsp.
kriegsb. 1, 43
b.
ein trunk musz durch den kragen, Rachel
in der schilderung einer studentenschlemmerei: das (
volle glas) war kaum durch den kragen ... 7, 145; sobald ich diese last gezwungen durch den kragen. 7, 177; was das kind nicht mag, geht der amme durch den krag. Simrock
spr. 5627. II@1@a@gγ)
von schlemmern hiesz es daher, dasz sie ihr gut in flüssiger gestalt durch den kragen jagen
u. ä. (
wie jetzt durch die gurgel): sein gut zu verhuren, zu verspielen und durch den kragen zu jagen. Zinkgref
apophth. 1653 3, 246; wenn er alsbald .. alles verschwenden, durch den kragen und magen jagen wolte, was er einmal erworben hat. Colerus
hausb. 3.
ebenso durch den kragen treiben Philander
lugd. 5, 323; alles ist durch den kragen (
gejagt, getrieben).
M. Neander
syll. locut. 64.
Daher erklären sich denn, als blosze abkürzung jener urspr. wendungen, durchjagen
für verschwenden (2, 1631),
ebenso durchtreiben (
s. d. am ende),
und das noch geltende durchbringen,
denn wenn Philander
lugd. 5, 268 durch den kragen bringen
für verschlucken steht, musz es doch auch für vertrinken gebraucht gewesen sein, veranlaszt vielleicht durch 'es einem bringen',
zutrinken (2, 386,
vgl. 5, 1680).
ebenso ist durchfallen
gekürzt aus durch den korb fallen (
sp. 1802
unten). II@1@a@dδ)
das bild übertragen auf habgier überhaupt: wo man ihnen den kragen nicht füllt, suchen sie gelegenheit durch spiel und balgen (
zank). Fronsp.
kriegsb. 1, 111
a,
sie nicht zufrieden stellt, ihnen nicht genug gibt, eig. zu essen. aber schon mhd. so bildlich, ich gemache in vollen kragen. Walther 32, 13
L. (29, 6
WR.),
will sie schon satt machen, nämlich mit grobheit. vgl. geizkragen,
wie noch 'geizhals',
eig. gieriger fresser. II@1@a@eε)
nach auszen genommen: sie wendt den kragen, thut ihm danksagen.
weim. jahrb. 2, 207,
dankt mit einer zierlichen halswendung (
wie man sie auf alten bildern stark ausgedrückt findet),
aber von einem knecht und einer magd, deren höfisches thun verspottet wird; ach Weidenbrugk, du leist vil ze naech, nach Rede steet dir ie der kraech. Soltau 2, 252,
in nd. form: nach Rheda hast du immer heftiges verlangen, drehst immer den hals dahin (
die städte sind als frauen gedacht); behalt den kragen warm, fülle nicht zu sehr den darm.
gesundheitsregel bei Henisch 655; und warf in (
der teufel) in den burcgraben, das im der krage abbrach. Vintler
bei Haupt 9, 92; das er im abschlah seinen kragen.
fastn. sp. 475, 6; nichts schewest du (
tod), was prächtig, renkst ihm den kragen umb Mezler
odaeum 319; es dunkte ihn, als sitze der tod schon vor der thür darausz und wolle ihm den kragen umbreiben. Wätterstorf
Bacchusia 337,
was s. 339
heiszt den hals umbreiben;
noch bei Aler 1231
b (
Cöln 1727) einem den kragen umreiben,
collum, gulam obtorquere. II@1@a@zζ)
zuweilen gleich nacken,
wie hals
auch (
und wie engl. neck
für hals eintrat): der tôt mir sitzet ûf dem kragen.
Kolocz. cod. 174.
myth. 802; mir sulen ouch dîne secke nimmêre rîten den kragen.
Helmbr. 265,
ich will nicht mehr deine kornsäcke tragen, wie Helmbrecht trotzig seinem vater erklärt; und nim dein eniklein auf deinn kragen (
ihn zum arzte zu tragen).
fastn. sp. 683, 26; ein jeder (
diener) nemm auf seinen kragen holz oder strouw und thu es tragen ilentz (
eilends) mir nach. Haberer
Abraham (1592) A 6
b.
auch ein kleid (
man denke sich einen kittel als die ursprüngliche kleiderform)
hat man am kragen,
wie am halse,
weil es da seinen eigentlichen halt hat: und sol kein ander kleit an im tragen, dan ein swarzen kolsack an seim kragen.
fastn. sp. 309, 7.
unglück kommt auf den kragen (
von oben herab, s. sp. 1674): als unglück und ain bös jar müsz dir auf dein kragen deihen.
fastn. sp. 588, 13. II@1@a@hη)
ebenso von thieren: daʒ houbet (
des hirsches) lôste er al zehant mit dem gehürne von dem kragen.
Trist. 76, 27; der swan stieʒ houbet unde kragen in daʒ mer (
einen fisch zu fangen).
Lohengr. 650; sag mir, welcher vogel hat kein kragen?
fastn. sp. 558, 18,
die mücke 27; nim (
von den hühnern) haubt, kragen und alles ingereusch.
küchenmeisterei b 3. 4. 6; so mag man nemen die kopf, kregen, darm, fusz und magen. c 3; da kam der kranich und stiesz seinen langen kragen dem wolf in den rachen (
diesem den knochen herauszulangen). Luther 5, 272
a,
von derselben fabel: du kanst mir wol behülflich sein mit deinem feinen langen kragen. Alberus
Es. 97
b; ich sach ein wolf ser traben ... ein gans truog er beim kragen. Uhland
volksl. 565,
nd. eine gans droech he bim kragen. 567,
s. auch 573; die storken, wann sie im leib nicht wol sich befinden, fassen sich des versalzenen meerwassers in den langen kragen und gieszens ihnen selbs durch den schnabel in den hindern, davon würt der verstopft leib, als durch ein clysterium, widerumb eröffnet. Bock
kräuterb. vorr. ij. II@1@a@thθ)
unserm bewusztsein ist diese bed. ganz entschwunden, obwol noch Wieland
und Göthe
sie angewendet haben: ihr denkt vielleicht den kragen sich abzuschneiden. Wieland 18, 177 (sich
für euch
vom inf. festgehalten, s. J. Grimm
gr. 4, 319. 956
und oben 3, 1139); er nagte sie (
die knochen) gierig und es kam ihm ein spitziges bein die quer in den kragen. Göthe 40, 177,
nach: em quam en knoke dwers in den kragen.
Rein. vos 5220.
nd. gibt noch das brem. wb. '
hals'
an, aber Danneil, Schambach
auch nicht mehr, während Dähnert
es als zweite, abgeleitete bed. erst nach dem '
halskragen'
nennt (mî dêt krage un mage wê,
ich bin ganz krank).
von oberd. mundarten haben das bair., östr., kärnt. die alte bed. noch, die md. und oberd. wbb. des 18.
jh. sind aber meist auch schon irre, Frisch
z. b. sieht die urspr. bed. als scherzhafte anwendung der zweiten an, indem er anführt seinen kragen füllen,
sich satt fressen. auch Steinbach
behandelt die zweite bed. als die erste, ebenso schon Aler, Ludwig,
während Stieler
sogar nur die zweite anführt, sodasz die urspr. bed. zuerst in Mitteldeutschland erloschen scheint. II@1@a@iι)
bildlich hübsch von geschützen, von k. Maxens Burlebaus: wann ir ist voll der kragen (
geladen), so kert sie unsauber aus. Soltau 2, 66. II@1@bb)
Die urspr. bed. lebt übrigens doch noch in mehreren redensarten, nur dasz man diese jetzt nach der 2.
bed. versteht oder doch ohne nachzudenken so fühlt. II@1@b@aα) kragen
und magen
gebunden: die (
dorfleute) haben mehr aufs brot zu schmieren als eure federhänse in der stadt, die sich vor gott mit dem sprichwort rechtfertigen 'ein jeder sieht den kragen und keiner den magen'. Arnim
kron. 1, 398,
das sprichwort ist in mehrfacher wendung allgemein, als trost für leute die kärglich leben, aber anstands halber auf gute kleidung halten, z. b. thür. guck mir auf den kragen und nicht in den magen; sammet am kragen, kleien im magen. Simrock 5887,
nur denkt man jetzt dabei fälschlich an den kleiderkragen, während doch die kleider auch 'am halse'
getragen werden (
s. a, ζ). II@1@b@bβ) einen beim kragen nehmen, kriegen, haben (
wie beim kripse,
d. i. eig. bei der kehle),
meist in feindlichem sinne: er (
der teufel) erwuscht den wirt bei seinem kragen. Gengenbach
s. 35, 127; die mutter lauft zu zornig gäh (
jäh zornig), wolt das kind nicht aufheben eh, bis sie das maidlin (
die es fallen liesz) bei dem kragen genommen het und gnug geschlagen. Fischart
flöhh. 822
Sch.; krieg ich ihn nur einmal beim kragen, ich will schon in einem kloster ... ein plätzchen für ihn finden. Göthe 57, 154; den teufel spürt das völkchen nie, und wenn er sie beim kragen hätte. 12, 108.
in freundlichem sinne bair., beim kragen nehmen (
oder krägeln),
umhalsen, s. Schm. 2, 382.
Das alles passt durchaus nicht oder nicht gut auf den kleiderkragen, denn die letzte wendung entspricht der gleichbed. einen beim kopfe nehmen,
die feindlich gemeinten beispiele aber enthalten ein übermächtiges und unentrinnbares packen, und das bietet nicht das fassen des kragens, wol aber das packen des halses. woran Fischart
dabei dachte, zeigt folg. bildliche verwendung: dasz wir die gans nicht mehr beim kragen haben (
d. i. der vortheil uns entwischt ist).
bien. 1588 101
a,
s. den wolf vorhin u. a, η,
der die gans beim kragen
nimmt. ein fassen beim kragen kommt allerdings schon im 13.
jh. vor als rechtliche handlung, man durfte nach dem Ssp. I. 63, 1
einen vridebrecher
vor gericht zum kampfe fordern, indem man ihn anfaszte bî sîme houbetgate (gat
loch, vgl. Luther
ps. 133
unter 2,
f),
aber gezogenlîche,
d. i. anständig, in gebildeter weise (
vergl. Grimms
rechtsalt. 141).
unserer auffassung der redensart entspricht das volksm. einen collet (
gespr. collê) schleppen. II@1@b@gγ) es geht an den kragen, kostet den kragen (
wie an den hals)
u. ä., noch das 18.
jh. mochte dabei hauptsächlich an den galgen denken: und wenn es mir schon kost den kragen, so komm ich doch des hungers ab. Ayrer 25
b; denn was ich (
Reineke) für lügen ersann, bevor ich entwischte, könnt ihr denken; fürwahr, es gieng zunächst (
d. i. ganz nah) an den kragen. Göthe 40, 101; wenns da nicht auslangt, herr Sandel, kanns ihm an den kragen gehn. Fr. Müller 2, 44; wenn einem das wasser bis an den kragen geht, so schreit die creatur. Immermann
Münchh. 3, 178 (329). einem an den kragen kommen,
ans leben, ihn packen; man kann ihm nicht an den kragen. wenns nach der Carolina geht, so kostets Veiten kopf und kragen. Bürger 90
b.
und so oft in stabreimender formel: es gieng an
oder um kopf und kragen; er wollte seinen kopf und kragen dagegen setzen (
wettend). Voss
briefe 1, 315; man nannte freiheit bei den alten, wo kopf und kragen sicher war. Claudius 6, 117 (74). II@1@b@dδ)
auch etwas im kragen haben,
ganz wie im kopfe,
grillen, pläne, einen rausch u. ä.: da ich endlich das gern aussprechen möchte was mir im kragen sitzt. Göthe
an Knebel 2, 232; wenn mir einmal etwas im kragen sitzt, ärgert mich auch der sperling auf dem dache. Gotter 3, 247; i haw e byke (
eine feindschaft) jez, es stekkt mer dik im kraaue. 'verwurrje si nit dran, 's brechbulver isch nit dyr (
theuer)'. Arnold
pfingstm. 50,
zu dem elsäss. âu
für a
s. Weinhold
alem. gramm. s. 102 (
schon 1420 krauge
jugulum Dief. 311
c,
vgl. kraugstein
für kragstein); aber das wird nicht das eînzige sein, was du im kragen hast, gib gleich alles füre (
heraus). Gotthelf
geld u. geist 345 (
in den ges. schr. 13, 330 im kropf); mir liegt ein ander ding nur noch im kragen. Müllner 5, 244 (
die vertrauten 1, 5).
hier ist es freilich schwer an etwas anderes als den hals zu denken, und bei Arnold
zeigt die dem klagenden gegebene antwort auch deutlich, dasz man dort noch sicher den hals verstand. s. das gleich gebrauchte kropf,
die grillen sind wie es scheint als dinge im halse gedacht die das atmen erschweren. II@1@cc)
Von stücken an geräten, die einem halse ähnlich sind, wie noch hals. II@1@c@aα)
an der laute, collum citharae Comenius
orb. p. 1, 205, Frisch 1, 542
b (
nl. bei Kilian): nun merk wie du die tabulatur solt lernen erkennen und versteen, und was der kragen auszweist mit seinen buchstaben. Hans Newsidler
ein newgeordnet künstlich lautenbuch, Nürnb. 1536,
th. I a 4
b; der esel wil die lauten schlagen, weisz doch nicht zu fassen den kragen.
froschm. K 2
a. II@1@c@bβ)
an flaschen, geschirren: ein bauchender krug, der oben einen kragen hat. Hohberg 1, 239
b,
s. auch krägelein 1
und kragenglas. II@22)
Übertragen auf die bekleidung des halses, wie solche übertragung vom körpertheil auf sein kleid auch sonst geschieht, z. b. in hälschen, brust (2, 446), brüstchen (Haupt 8, 319), busen, leibchen, bein (
einer hose), rücken (
eines rockes). II@2@aa)
dieser kragen,
den man nun auch halskragen
nennt mit eigentlich wunderlicher doppelung, hat nach verschiedener form, bestimmung, stoff wieder verschiedene namen, wie mantelkragen, rockkragen, hemdekragen, westenkragen,
ferner waffenkragen, panzerkragen (
s. u. d),
dann pelzkragen, samtkragen, spitzen-
oder kantenkragen,
auch stehkragen, über-
und unterkragen
u. a., theils als stück für sich, theils am kleide fest. II@2@bb)
in dieser bed. ist das wort auch über unsere grenzen gewandert, wie nach dem norden (
s. I,
a),
so nach nordosten: ehstn. kraag,
lett. krâgs (
der hals kakls).
die bed. gilt auch nl. (
nicht englisch).
ob bei uns schon mhd.? im mhd. wb. ist es so angenommen nach folg. stelle bei Neidhart: dar zuo treit er ouch ein hôheʒ collier umbe den kragen, derst ûf und ûf gezieret wol mit einem tuoche rôten. 51, 35,
aber das ist ganz unmöglich in vergleich mit den ähnlichen wendungen 39, 5. 171, 103. 238, 45,
wo krage
noch der hals ist, das collier (
s.koller)
ist eben selbst der kragen. II@2@cc)
sicher tritt es auf nach 1400,
z. b.: dy frowen trugen rocke mit kragen, und forne zu allerdinge (
völlig). K. Stolle
bei Haupt 8, 319,
aus d. j. 1440.
vocc. des 15.
jh. geben collarium, krage, kragen,
auch nd., nrh. (craghe
Teuth. 51
b) Dief. 132
a.
dann im 16.
jahrh., z. b. der kragen eines kleids,
patagium. Maaler 250
d.
eine sage über das aufkommen der kragen: haben alle, die einen kragen am kleide tragen, einen schaden an ihrem halse, weil ein solcher schaden den ersten kragen, wie man sagt, veranlaszt hat? Lessing 6, 258 (110.
lit. br. a. e.).
aber die ersten kragen
denk ich mir als stück der rüstung, jahrhunderte lang hat die eben geltende form der rüstung auf die modekleidung, auch der frauen, bestimmend eingewirkt, was sich denn auch in den benennungen zeigt. noch Frisch
musz bei kragen
zunächst an den waffenkragen gedacht haben, da er seinen art. beginnt: in friedenszeit ist es eine kleiderzierat .. 1, 542
a. II@2@dd) waffenkragen (Besser
ged. 54), panzerkragen
u. ä.: torques, der krag (
an der rüstung). Alberus
dict. r 2
a,
also noch kurzweg als der kragen
bezeichnet, wie in zwei vocc. d. 16.
jh. bei Dief. 589
a; gute stählin krägen, armzeug, rucken (
d. i. rückenstück des panzers) und krebs.
Garg. 200
b (371
Sch.),
d. h. '
von gutem stahle'.
noch vor kurzem trugen officiere der infanterie messingene oder silberne ringkragen
vorn am halse, den zusammengeschrumpften rest des brustpanzers. vgl. koller 2,
g. II@2@ee)
modekragen, hauptsächlich von linnen, im 16. 17.
jh.: (
die ehefrau) spinnet im hembder .. nehet ihm reine krägen mit toppelkrösigen kesselringen.
Garg. 74
a (
Sch. 126),
eigentlich der hemdkragen, aber von der mode stark entwickelt, bes. gekraust (
s.krause, kröse); das ausnehen mit dem unz oder gespunnem gold an den pündlein, köpflein, krägen und krösen soll den erbern frawen und jungfrawen unverboten sein.
Nürnberger kleiderordn. 1583 B 2
b; dann es waren auch damals die hohen krägen noch nit.
Garg. 113
a (202),
gleichfalls krauser kragen, der da ergötzlich geschildert wird als aufgekommen mit dem aufkommen der '
franzosen',
während vorher auch die männer der mode den hals entblöszt, hemd und rock stark ausgeschnitten trugen (
vgl. unter koller 2,
c); (
die stutzer) halten den kopf steif, als were er gegossen, und dörfen (
wagen) den hals nicht bewegen, damit sie das grosze affen- und narrenwappen, nemlich den gesterkten und gespitzlten kragen nicht etwann verwirren oder verrucken. Albertinus
narrenhatz 304 (
anfang 17.
jh.); krägen wie die wechselbänk liebet ich vor allen (
sagt eine vornehme dame). Mezler
odaeum 345,
das wird der grosze viereckige herabhängende kragen sein, den noch Frisch
nebst andern arten aus der mode seiner zeit beschreibt, z. b. den spanischen kragen;
auch er schlieszt mit einer strafrede: dasz (
so dasz) ein gewisser auctor, der ein buch geschrieben das er den hosen - teufel genannt [
A. Musculus], wohl einen nachfolger bekommen sollte, der eines schriebe, so er den kragen-teufel könnte nennen (
sein wunsch war eig. schon erfüllt, s. unter kleiderteufel
den 'kraus-teufel'
und dazu Gödekes
grundr. 380
nr. 35). (
beschreibt den junker) wie er sich getragen, vom absatz bis zum ausgezackten kragen. Wieland (1857) 11, 184,
und noch landsch., z. b. in Tirol, da heiszt mit dem kragen gehn (
mit angelegter halskrause)
gevatter bitten gehn Frommann 6, 301.
in unsrer modetracht ist ein zusammengeschrumpfter rest davon der 'vatermörder',
der denn auch noch kragen
heiszt. dieser ist damit zu seiner quelle, dem hemdkragen zurückgekehrt. II@2@ff)
amtskragen, uniformkragen: mit mantel und kragen ward stattlich Hans Bendix zum abte geschmückt. Bürger 67
a; (
kommode) welche die priesterbefchen, die oberhemd' und die ermel ihres gemahls einschlosz und die steifgefalteten kragen, ihm ein gräul! Voss
Luise 1795 2, 55 (100),
mit der anm.: kragen oder krause nennen wir das rad von krausfaltiger leinwand, das zu feierlichem schmucke die geistlichen (
wie in Leipzig noch) und in reichsstädten die rathsherrn um den hals tragen,
nach der mode des 17.
jh., die da sich hielt. einen solchen kragen
legte Opitz
dem Aaron bei: so siehet man auch wie der balsam rinnt, den Aaron (
dreisilbig) auf seine scheitel geuszt, dasz er durch bart und kragen fleuszt.
psalm 133,
bei Luther
urspr.: in den bart ... aufs loch seiner kleider (
s. houbetgat
u. 1,
b, β).
gestickter amtskragen: da die societät diesen heuchlern keine eignen farben und kragen gegeben hat, woran man sie von weitem erkennen könnte. Göthe 33, 57; wir unterscheiden, wie billig, den mann und seinen kragen. Wieland
Amadis 1771 1, 193. II@2@gg)
redensarten: wir andern folgten (
machten die thorheit mit) und ich bildete mir doch ein, als wenn mich Merk am kragen zupfte. Göthe 48, 97,
wie am ärmel,
zur erinnerung, die redensart mag an den groszen kragen des 17. 16.
jahrh. entstanden sein. II@2@hh) hänfener kragen,
vom strick am galgen mit hohnscherze: welche ... sie wol gar mit einem hänfenen kragen zieren.
Simpl. 1, 401,
aufhängen; musten darumb das panem propter deum singen, wolten sie ... die hänfine krägen vermeiden.
wisbad. wisenbr. 1, 34; weil er sich förcht vorm hanfen kragen. Opel
u. Cohn
30j. krieg 407. II@2@ii)
auf dem schiffe heiszen mehrere ähnliche vorrichtungen kragen,
z. b. stücke segeltuch um den mast gelegt wo er durch das deck geht, das wasser abzuhalten. II@2@kk)
bei den ärzten spanischer kragen,
eine entzündung der vorhaut. II@33)
Merkwürdig kragen
gekröse (
auch krâ),
doch wird sich das als ein ganz anderes wort ausweisen. II@3@aa)
bei den fleischern heiszt der kragen
das gekröse des geschlachteten viehs, brem. wb. 2, 861, Dähnert 252
b (kragenfett
eingeweidefett), Adelung; das inwendige netze, so das eingeweide bedecket, wickelt sich um das weiche im bauche, gleich wie der krage (das gekröse) um die kleinen zarten därme. Docemius
Comenius sprach. 277.
bei Danneil 115
a aber von gekröse
unterschieden als das fett worin der darm liegt, während gekröse
den darm mit begreift. flämisch kraag,
het vet dat als een kraag aan de darmen vast is. Schuermans 285.
es ist urspr. auch gut hd., wie sich unter c zeigt. II@3@bb)
der krause modekragen des 16. 17.
jh. hiesz krös (
s. d.),
nach dem krausen gekröse
des schlachtviehs ('den irrgarten umb den hals'
Garg. 113
a),
und so erscheint hier umgekehrt das gekröse nach dem modekragen benannt. man sah das wort auch wirklich so an, z. b. Richey 'kragen:
bedeutet auch das mesenterium, weil es, von einem fetten thiere ausgeschnitten, einem gewölkten kragen nicht ungleich siehet; kragen un magen:
das ganze gedärme'.
idiot. Hamb. 136.
und doch scheint es nur so. II@3@cc)
das wort ist nämlich älter als jener modekragen (
den noch Fischart
Garg. cap. 11
als ziemlich neu behandelt);
im voc. th. 1482 'arsdarm oder mastdarm, lyen, oder krag oder miltz b 6
b (
vgl. '
lien darm' Dief. 328
c),
also fränk., auch elsäss. nach '
lien, krage'
in Twingers
voc. (Scherz 823).
und schon mhd krage,
bei Hadlaub
in einem schlemmer- oder herbstliede: würste unt hammen, guot geslehte (
schlachtwerk) ... ingwant, blezze, term (
därme) unt magen und ouch kragen (
bringt der herbst).
MS. 2, 192
b.
MSH. 2, 288
b,
also schweiz. um 1300.
noch jetzt heiszt dort im demin. kräglimägli
das eingeweide der gans (
mit merkwürdiger tonversetzung kragêl
n. das des schweins) Stald. 2, 126,
bei Emmelius
nomencl. Basel 1592
aber heiszen gerichte mäglin, kräglin (Dief. 36
a),
vielleicht schon als eins zu verbinden, wie bei Stalder.
in derselben reimformel aher auch in Mitteldeutschland im 15.
jh., in Diefenbachs
wb. von 1470
sp. 29: anisa, maglein kreglein ficzlein leberlein.
Also wieder ein fall, und ein besonders deutlicher, dasz zwei urspr. ganz verschiedene wörter im sprachbewusztsein zusammengewachsen sind, weil zu der gleichheit der wortform später eine zufällige ähnlichkeit der sachen hinzutrat (
vgl. z. b. kletter
a. e., kellen 4
a. e., klaffen
a. e., kiel 3,
b, keifen
a. e., kappe 9,
e, kimme 3). II@3@dd)
das wort läszt sich aber weiter verfolgen. II@3@d@aα)
ein ahd. wort aus rhein. landen findet hier seinen anhalt: '
lien, kra' Graff 4, 587,
Germ. 9, 27
aus den gl. zu Heinr. summ. und zwar unter den gedärmen des menschen, sodasz die spätere beschränkung auf thierdärme, endlich gar blosz auf einzelne thiere den verfall des wortes bezeichnet (
wie bei kaldaunen,
s. d. 2);
es lebt noch im rhein. gebiete in westerw. fröschkra
n. froschlaich (
den man auch froschgedärm
nannte, s. d.) Schmidt 61, Kehrein
Nassau 1, 145.
in mhd. zeit aber auch fränk.: man sol auch
kra und mittiger in den smer niht winden.
Nürnberger fleischerordnung um 1300, Baader
Nürnberger poliz. 198.
dasz es aber bis vor die theilung der germ. stämme zurückgeht, verbürgt engl. crow
gekröse in der sprache der fleischer, hinter dem ein ags. crâwe
stecken mag. auch an dem ahd. mhd. krâ
dürfte ein auslautendes w
abgefallen sein. II@3@d@bβ)
ein stamm krâw
oder älter kraw (
s.ε a. e.)
wird auch gestützt durch nl. crauwey
intestina, exta Binnaert G 4
a,
bei Kilian: 'koreye, krauweye, kraey-gewant,
viscera, exta porcorum, ovium aliorumque animalium, (
frz.) corée'.
letzterer setzt die franz. form voran, der auch krauweye
seine fremde endung verdanken wird. in kraey-gewant,
in dem das dunkel werdende wort neu verdeutlicht ist (
vgl. das in-gwant Hadlaubs
u. c oben, nl. ingewand,
eingeweide),
könnte sogar ein alter nebenstamm kraj
stecken (
s. u.krähe I, 1,
a),
er führt auch kraey-weye
an. mit umgesprungnem r
bei Halma, Weiland karwei
f. Ob aber nicht das franz. weidmännische curée,
das auch in Gotfrieds
Tristan als curîe
erscheint und bei Kilian
als 'kureye, ghewelle,
turunda accipitria',
selbst auf das deutsche, rheinische, fränkische wort zurückgeht? II@3@d@gγ)
der stamm krâw
kann auch vorliegen in einem bair. worte: tirol. krêb, kröb
n. die eingeweide getödteter thiere, als lunge, leber, herz, milz Schöpf 342, Fromm. 6, 302;
bair. 'gereb'
n. die obern eingeweide, 'kreb und gling' (
d. i. gelüng),
eigen auch 'kreb (
von fleisch)
der schlund' Schmeller 3, 5;
östr. 'das kreb (kröb)
oder vielmehr gerebe'
die lunge (
von menschen) Höfer 2, 167.
hinter dem krêb
kann ein ahd. collect. krâwi
n. stehn, das mhd. kræwe
wäre (
auch hinter dem nl. kraey
unter β?),
und gereb
nur eine auslegung des verdunkelten sprachgefühls sein. II@3@d@dδ)
freilich kommen formen mit ge-
auch anderwärts vor, wo eine solche nachträgliche zerdehnung unsicher ist, wieder in rhein gebiete: mittelrh. gerab
n., auch engerab (
d. i. in-gerab,
wie ingewant
unter β),
die obern eingeweide des geschlachteten thiers Kehrein 159;
hessisch geraub
n. ebenso Vilmar 317;
im Siegerlande geräh
n. eingeweide der thiere Schütz 2, 13
b.
letzteres stellt sich doch im auslaut zu ahd. krâ (
α), geraub
wol zu krâwi (
γ),
bei gerab
ist der umlaut ausgeblieben. an den Niederrhein weist aber auch siebenb. krêpeln
pl. das gekröse samt dem schmeernetz von lamm oder zicklein Haltrich
plan 17
b, kalwskröpeln
die kalbsmilch Schuller
beitr. 35,
wenn das nicht zu kropf
gehört. II@3@d@eε)
auch ein nord. wort mit leichter abweichung der bed. kommt in frage: dän. kro,
kropf, der '
vormagen'
der vögel, schwedisch kroe
m. mit nebenformen krove
und kroge Rietz 356
a (
auch karve und karge 309
a),
engl. craw.
da ist das w
als stammschlusz, das für ahd. krâ
vermutet werden muszte, und zugleich dafür eingetretenes g,
wie es mhd. krage
zeigt. Es liegt eine wurzel kra
vor, die sich verschieden gestaltete mit w
und g (
und j?)
hinter dem vocal. die verlängerung in krâw (
β)
kann erst dem w
zu schulden kommen (
s.krähe I,
a, β). II@3@d@zζ)
endlich ist wegen möglicher auswärtiger verwandtschaft zu erwähnen gael. gairbh
the intestines of a deer, grealach
entrails, kymr. grawn
fischrogen. II@44) Kragen
von menschen, nach 1,
wie noch neidkragen, geizkragen (
s. 1,
a, δ),
mhd. der œde krage Neidhart 96, 24. 60, 33. 41, 8, tœrscher krage 90, 24 (
vgl. œder kroph 60, 39
ebenso), lôser krage
Renner 349: jener (
freier) ist des leibes gar verzagt, der andre ist ein böser krage.
Renner Frankf. 1549
s. 5; das got dem kragenschelmen den ritten (
fieber) geb! wann sicht man den kragen ainmal um den altar gen? Pauli
sch. u. e. (
Augsb. 1546) 60.
es ist wol vom essen oder schreien hergekommen, wie böhm. krk
auch fresser, rülpser ist. II@55)
Dazu bekragt,
mit kragen versehn (1, 1429), hochbekragte krännich,
mit hohen hälsen. Garg. 196
b.