kragstein,
m. stein der aus der mauer hervorragt, hauptsächlich als träger eines balkens u. ä.; auch von eisenstangen gleicher bestimmung ( Adelung).
ein aus der baukunst geretteter ausdruck (
vgl. keineisen a. e., käpfer).
es gibt aber mancherlei formen. 11) kragstein
ist bezeugt seit dem 15.
jh. (
aber sicher weit älter). 1@aa)
zeugnisse: kragstein
od. kapfer,
proceres. voc. th. 1482 r 2
b. q 1
a; de onyche dubitatur, an inter gemmas censeri debeat, dann er ist so grosz, dasz man trinkgeschir darausz macht, gibt auch gut kragstein (
pl.). Alberus
dict. Mm 4
a,
wol unsern consolen
gleich, um bilder zu tragen; sie (
die tafel) ruhte auf dem kragstein einer nische. Göthe 24, 98;
die schnauze einer renne (
dachrinne, sächs. form) für einen kragstein .. genommen. Lessing 10, 235,
bildlich, eine nebensache für eine hauptsache, einen zierrat für ein notwendiges stück. Folg. kragestein
scheint nur dem verse zu gefallen zerdehnt, als wäre kragstein
eine süddeutsche kürzung: nur éine regel lehrt, bei wolgestallten säulen am capital und sims den zierrath wol vertheilen, giebt schnecken, kragestein und blättern maasz und zahl. J. E. Schlegel 4, 109. 1@bb)
verkleinert: jetzt steht sie (
die büste) kleinlich auf einem kragsteinchen unharmonisch mit dem ganzen. Göthe 27, 62; unsere (
an goth. kirchen) kauzenden, auf kragsteinlein über einander geschichteten heiligen. 27, 137. 1@cc)
der ursprung wird bei kragen,
mhd. krage,
d. i. urspr. hals, zu suchen sein. das ende des balkens, den ein kragstein trägt, heiszt sein kopf, balkenkopf,
der über seinen träger hervortritt; da ruht denn ganz natürlich der '
kopf'
auf dem '
halse',
und auch eine kehle
ist oft dabei und zwischen kopf und kehle ein kinn (3,
b),
kurz die vermenschlichung der todten masse war ernstlich durchgeführt in der vorstellung der vorfahren, und sie trugen diese vorstellung auch völlig auf das holz und den stein über, indem sie die balkenköpfe gern zu wirklichen köpfen und gesichtern ausarbeiteten. also kragstein
der stein, der den hals des balkenkopfes abgibt. es gab auch kragholz (
s. d.).
auch hals
selbst war ähnlich gebraucht. 22)
dazu aber mehrfache nebenformen. 2@aa)
thüring. im 14.
jh. krainstein, im Eisenach. rechtsb. 3, 6,
wo vom bau einer zwei nachbarn gemeinschaftlichen brandmauer die rede ist: iczlicher mag krainsteine înmûren (
so tief) daʒ (er?) sîn trême ûfgehaldin mag (
seine balken sicher aufzulegen im stande ist). und der die mûren lêt machin (
wenn der andere sich am bau nicht betheiligt), der bedarf jeme (
dem nachbar) sîn krainstein nicht legin. legit her (
der nachbar) si selbir nicht, sô sal her sîn gebûwede dâ ûf holz vâhen und in kein mûren legen (
musz er auf kragsteine in die wand zu mauern überhaupt verzichten und holzstützen dafür nehmen). Ortloff
rechtsqu. 1, 705,
vergl. die entsprechende stelle unter d. die form ist nach md. art verkürzt aus kragenstein (
wie wain
aus wagen
u. a.),
von den casus obliqui gebildet. 2@bb) kraugstein
gibt Alberus
dict. Ll 3
b. Mm 4
a neben kragstein.
das ruht auf einer aussprache krauge
für krage,
die z. b. elsässisch, oberrh. ist und war (
s. u.kragen sp. 1960)
und sich gewiss auch nach dem Mittelrhein erstreckte, wie sie im 14.
jahrh. in Würzburg galt (
nach der hs. des Herbort, s. Frommann daselbst s. 224)
und noch im Siegerlande (Schütz 1, 12),
also nördlich und südlich von Alberus
heimat. 2@cc) krakstein Frisch 1, 542
a, krackstein
erisma, anco Kirsch, Steinbach,
M. Kramer
ist nur aussprache von kragstein,
indem krag-
nach der alten auslautregel behandelt ist, die media zur tenuis zu machen (
z. b. tâk
tag).
Ebenso krachstein Schottel 1350. 1370, Stieler 1693, Aler 1220
a,
nach der nd., doch auch md. auslautregel (
z. b. md. tâch,
nd. dach
tag).
Nach jenem auch böhm. krakštajn,
poln. kroksztyn.
dagegen dän. kragsteen,
schwed. kragsten,
gleichfalls entlehnt. 2@dd)
aber auch ganz anders kropstein, ostmd. im 15.
oder schon 14.
jh., im rechtsb. nach distinctionen II, 2, 2: unde or iczlich (
jeder der beiden nachbarn) mag kropsteine înlegen (
in die gemeinschaftliche brandmauer), dô he sîne trême ûf gevâhen unde gelegen magk. der die mûre fûrt (
aufführt), der bedarf jeme sîne kropsteine nicht legen. Ortloff 1, 108,
in einer andern hs. (
das. s. 415) kropsteine oder
hacken, d. i. wol hâken.
doch auch das fügt sich der obigen auslegung von kragstein,
nach krop
md. für kropf
als hals; die einkehlung des kragsteins hat meist zugleich eine ausladung, die einem kropfe zu vergleichen war, und kropf
gilt noch ähnlich in der baukunst. 2@ee)
dunkel ist mir alem. krapfstein Dasyp. 146
c, Junius
nom. 157
b, Maaler,
auch kurz krapf:
μυών,
torus, krapf, krapfstein. Frischlin
nomencl. cap. 147 (1594
s. 335).
auch md. crapstein
bei Ortloff 1, 415.
ist es nur umdeutung von kropfstein,
nach oberd. krapfe
haken (
vgl. hâken
unter d)? kraffstein
im diction. quadril. Prag 1700 3, 101
a ist entstellung von diesem oder vom folgenden. 2@ff)
kraftstein Schottel 455
b. 485
b, Adelung,
und schon in der Erfurter hs. der dist. bei Ortloff 1, 415,
ist eine umdeutung nach kraft,
als tragkraft oder als träger selbst gedacht (
vgl kraft I, 2,
b).
kommt doch mhd. kraft
schlechtweg als träger, halter vor, von einer säule, die allein ein baufälliges haus hält: diu was gar des hûses kraft.
Eracl. 2065. 2@gg)
endlich rein misverständlich ganz umgebildet tragstein, in neuerer zeit. aber die schon alten umdeutungen kraftstein, krapfstein
zeigen, wie früh die urspr. bedeutung sich verdunkelte, d. h. wie alt das wort schon im 15.
jh. sein muszte. 33)
dazu dann neugebildet auskragen, ausgekragt,
auch abgekragt,
in form eines kragsteins gebildet u. ä.