sperber ,
m. falco nisus. ahd. spariuuari, sparwari, sparware. Graff 6, 363; sparwario
lex. Salica 7.
add. 1
lesart (
Behrend);
diese unumgelautete form dauert über das mhd. sparwære.
mhd. wb. 2, 2, 483
b bis in die nhd. zeit, wo sie noch heute dialectisch verbreitet ist: sparwer, sparber,
nisus Dief. 381
a; sparber
österr. weisth. 6, 56, 6. 299, 26. Schm.
2 2, 680.
niederd. ist es die gewöhnliche, wenn auch nicht ausnahmlose form: sparwer,
nisus Schiller-Lübben 4, 320
a. Schambach 203
a.
mit vocalverdumpfung sporber
quelle v. j. 1392
bei Schm.
2 2, 680.
bei weitem häufiger ist die umgelautete form, die sich schon für das ahd. belegen läszt: speruuere Graff 6, 363; spervarius
lex. Salica 7.
add. 1
Behrend. mhd. spärwære, sperwære
mhd. wb. a. a. o. nhd. sperwer, speruer,
nisus Dief. 381
a; sperwer,
nisus. voc. opt. 37, 87; sperwer,
nisus Dasypodius; sperwer,
accipiter Maaler 379
b;
vgl. holl. sperwer,
accipiter fringillarius; accipiter minor mas, nisus. Kilian.
niederd. sperwer Schiller - Lübben 4, 320
a.
nd. korrespondenzbl. 16, 86.
daneben die immer mehr überwiegende form sperber: sperber,
nisus Dief.
a. a. o.; sperber
weltliches lied des 15.
jahrh. in Wackernagels
leseb. 1, 968, 17; sperber,
nisus Dasypodius
reg.; sperber,
esperuier Hulsius (1616) 302
a. (1618) 234
b; sperber,
accipiter, nisus Dentzler 2, 268
b. Schottel 1418. Stieler 2073; sperber,
sparuiere, it. falcone, it. nibbio. Kramer
dict. 2 (1702), 858
b; vogelsperber,
gheppio, fottivento. ebenda; sperber,
accipiter, nisus Steinbach 2, 622.
vgl. Weigand
4 2, 759.
als lehnwort im roman.: ital. sparaviere, sparviere;
catalan. esparver;
provenz. esparvier;
franz. épervier. Diez
4 302.
vgl. schon isparvario
lesart zu lex. Salica 7, 1
Behrend. herkunft: schon früh (Wachter 1556. Frisch 2, 297
c)
findet sich die ansicht, das wort sei zusammengesetzt aus ahd. sparo,
mhd. sparwe,
nhd. spar (
s. sp. 1919),
passer und ahd. aro,
nhd. aar,
aquila, sperber
also eigentlich der von sperlingen lebende falk. die meisten neueren forscher stimmen dem zu. vgl. Wilmanns 2, 389, 1.
über die behandlung des zweiten bestandtheiles aro
bez. -ari
vgl. Wilmanns 2, 185. Kluge
vorgeschichte 281.
vgl. auch das entsprechende mauser (
theil 6, 1830),
ahd. îsaro
und chranohari. Graff 1, 432
f. bestätigend tritt die ganz durchsichtige bildung ags. spearhafoc, spaerhabuc Bosworth - Toller 899
a,
engl. sparrowhawk
dazu. vgl. auch noch sparmiauser,
fringilla nivalis. Hintner 211. Schöpf 680.
dagegen wird das wort als einfache ableitung von spar
mittelst ahd. -ari, -âri,
nhd. -er
angesehen von Weigand
4 2, 759
und Schm.
2 2, 680. 11)
das wort bezeichnet gewöhnlich falco nisus, eine von kleineren vögeln sich nährende falkenart, deshalb auch die lat. bezeichnung accipiter fringillarius: ein finckenhabicht, ein sperber,
accipiter fringillarius. Corvinus 120
a; sperber
etiam dicitur accipiter fringillarius. Stieler 2073; sperber eine art raubvögel,
nisus, accipiter, weil er kleine vögel fängt, heissen ihn einige
vulgo fringillarium. Frisch 2, 297
c.
ungewöhnlich eine ganz allgemeine bezeichnung jedes raubvogels: sperwer (der) falck, habich und derglychen, ein yeclicher raubvogel,
accipiter. Maaler 379
b.
die neben sperber
für falco nisus vorkommende bezeichnung sprinze,
f. geht ursprünglich nur auf den weiblichen vogel: sprinze,
nisula Dief. 381
a;
zu mhd. sprinzen,
verb. sprenkeln mit rücksicht auf die färbung des weibchens. erst später auch bezeichnung des männlichen vogels: spryncz,
nisula i. nisus. Dief. 381
a;
vgl. Weigand
4 2, 781.
vollständig verschoben ist das verhältnis, wenn bei Höfer 3, 176 sprinz
nur den männlichen und sperber
nur den weiblichen vogel bezeichnet, so auch: vom
[] sperber und sprintzen. diese beede sind einerley art der raubvögel, aber zweierlei geschlechts, die sperber sind das weiblein, und die sprintzel, so etwas kleiner, das männlein. Hohberg 2, 658
a,
doch vgl. über das gröszenverhältnis beider Brehm 3, 435.
sein aussehen: ein guter sperber soll einen kleinen übersich runden kopf, und einen starcken schnabel haben, die augenäpfel sollen mit weiszgrünlichtem crays umgeben seyn; der hals soll länglicht und starck, die flügel lang und spitzig, die füsze kurtz ... seyn. Hohberg 2, 658
a;
vgl. noch: (
nocticorax) hât auch ainen krummen snabel sam ain spärwær. Megenberg 208, 32; der sperber als auch die taub hat einen kleinen und runden kropff. Gesner
thierb. 2, 144
a.
auf die schärfe seiner augen geht der vergleich: er het ouge wi 'ne sperber. Hunziker 245.
sein aufenthalt: die sperber nistend auff den tannen. Gesner
thierb. 2, 144
a; in dieser (
felswand) nisten alle jahr etliche sperber und habichte in einer unzugänglichen höhle. Bräker
der arme mann im Tockenburg 153
Bülow. seine nahrung, entsprechend seinem namen: denn (
die sperlinge) fürchten sich vor dem sperber ebenso sehr, wie die lerchen vor dem falcken. Döbel 4, 18
a.
auch andere kleine vögel: die vertrackten sperber zumal plagen nicht nur von mitte april bis spät in den herbst mit ihrem zetergeschrei meine ohren, sondern, was noch weit ärger ist, verjagen mir die lieben singvögelchen, dasz bald kein einziges in der gegend sich einzunisten wagt. Bräker
der arme mann im Tockenburg 153
Bülow; da schosz mit schlagendem gefieder, aus seinem busch hervor ein sperber, ein tirann; und grausam sie (
die lerche) verzehrend sprach er: hören konnt ich sie länger nicht; ich muszte sie verzehren. Gleim 3, 256.
aber auch gröszere vögel werden von ihm angefallen: die tauben habent grôʒen vleiʒ, wie sie ir federn geslihten und gezieren und mit irm snabel stræln, und wenn sie des beginnent, sô lâgt ir der spärwær allermaist und væht sie danne und tœtt sie. Megenberg 182, 3.
von seinem charakter: der sparwer fleuget mit dem falken, ... wan er ist ain häʒʒiger hôchvertiger vogel, und dar umb versmæht er seineu geleichen und sein aigen gesläht durchæhtt er reht sam ainen fremden vogel, und daʒ ist wider aller anderr vogel siten. 207, 32; sam Aristotiles spricht, ain iegleich raubent vogel vertregt seinem gesleht, sam ain habich aim andern habich und ain falk aime andern falken, aber des adels hât der spärwær niht. 208, 8; darumb ist allein der sperber desz adels unwüssend, als auch der mensch, der under andern irrdischen thieren nit aufhört seyn geschlächt zuo neyden und zuo hassen. Gesner
thierb. 144
a; man sagt, dasz die sperber nit gsellig und gmeinlich fliegind.
ebenda. doch daneben: iedoch hât der spärwær ain tugent an im, daʒ er winterzeiten ainen lebentigen vogel, den er gevangen hât, die ganze naht helt under seinen klâen, daʒ im dester wärmer sei, und læʒt in des morgens fliegen. alsô gedenkt er der guottæt. Megenberg 208, 9. 22)
den menschen dient der sperber nicht zur nahrung: und dis solt ir schewen unter den vogeln, das jrs nicht esset, den adeler, den habicht, den fischar ... den straus, die nachteule, den kuckuc, den sperber mit seiner art.
3 Mos. 11, 16;
vgl. 5 Mos. 14, 15.
um so gröszer aber ist seine bedeutung für die jagd des mittelalters, da er unter den zur baize abgerichteten raubvögeln wol die erste stelle einnimmt. vgl. Heyne
d. hausaltert. 2, 248. Dombrowski
gesch. der beizjagd (
Wien 1886)
und theil 3, 1269
und 4, 2, 92.
für seine schon alte verwendung zur jagd sprechen die bestimmungen der älteren volksrechte, vgl.: si quis spervarium (sparvario, isparvario
s. oben) furaverit sunt denarii CXX, qui faciunt solidos III, culpabilis judicetur, excepta capitale et delatura.
lex. Salica 7.
add. 1.
diese schätzung findet sich noch bis in späte zeit, so: dieser vogel ist so muthig und greiffet alles frölich an, was man ihm nur zeiget: wird auch seinem herrn nichts versagen, denn er im flug schnell, im fangen geschickt, im wiederkehren willig ist ... und hat wegen seiner sonderbaren tugenden dis privilegium: wan ein falckenverkäuffer seinen sperber darbey hat, dasz die andern alle zollfrey sind. Fleming
teutscher jäger 154
a.
häufig ist er turnierpreis: und welicher aber von den auswendigen rittern an dem afftermontag das best mit stechen würde thuon, derselbig solt haben ein sperber mit berlin würffeln und auch mit kostlichem edeln gesteine.
historia von Pontus und Sodonia (1498) f 1
a;
vgl.: unt dô ze Tulmeyn ein strît ergienc in dem kreiʒe wît umben spärwære.
Parz. 401, 19;
[] als ein preis für die schönste frau: an eime wise enmitten het er hôhe an eine stat einen sparwær ûf gesat ûf eine stange silberî
n. .., swes friundinne den strît behielt ze sîner hôchzît, daʒ sî diu schœnste wære, diu nam den sparwære.
Erec 189. 203.
zur jagd wird der vogel auf der hand getragen: der einen sperwer oder eine sprintzen oder ander vogel, die man uf der hant treit, stilt oder slehet, der sol einen als guten wider geben und einen schillinc dar zu.
Schwabensp. 283, 3,
darnach Meurer
jagd- u. forstrecht (1561) 51
b.
von frauen: dô reit ûber die brügge her, ... des wirtes tohtr ein schœniu maget, hübsch und erbære. siu fuort ein sperwære, von maneger mûʒe wol getâ
n. Lanzelet 7174; (
im gegensatz zum falken:) fraw, volget miner lere: ... was hilft noch ewer wainen? nembt ain sperber uf ewre hand, und lat den valken swaimen.
lied des 15. jahrh. bei Wackernagel
leseb. 1, 968, 17.
vgl. noch das mhd. gedicht der sperwære
bei v.
d. Hagen
gesammtabenteuer 2, 23.
hatte ursprünglich jedem freien manne die jagd mit dem sperber, bez. falken freigestanden, so wurde sie später ausschlieszliches vorrecht des adels. es ist verboten, ihn zu fangen: nachdem bisher alles wildpret und gevigl ausserhalben des sparbers und habichs, so dem adl zuegehört, und auch die hirschen den gerichtsleuten zu fachen ... offen und unverboten gewest.
tirol. weisth. 4, 632, 39; item alles wildpret und gefugel ausserhalb des sparbers und habichs, so dem adl zugehört, ist den gerichtsleuten frei. 704, 28;
ihn stehlen wurde schwer bestraft: item der da sparber haimblich abtrueg oder fieng oder ain gestell mit gnüst wissentlich niderschlueg, so ist er umb jedes stuck V ℔ ₰; hat er es nicht an dem guet, so ist er umb baide augen.
österr. weisth. 6, 56, 6.
vgl. oben die bestimmung des Schwabenspiegels. von waldbeständen, in denen der sperber nistet, musz holzschlag und andere störung fern bleiben: item es sol auch niemant dem vederspill, valken, habichen und sparbern, iren ständen oder gefiechten weder mit reuten noch mit holzschlagen noch mit kainerlai sach nindert zu nachent schlagen oder kümen, damit es vertriben wurd.
österr. weisth. 1, 286, 12; es soll kainer holz schlachen in der nähent da sparber stehen. 6, 299, 26.
abgaben und lasten stehen oft in beziehung zu ihm: (
sperber als abgabe:) ain ieder ertzbischof zu Saltzburg ist jarlich auf das schloss Tyrol zwen guet spärber, dagegen der pott ain pfunt perner drinckgelt emphache, zu antwurten schuldig.
tirol. weisth. 4, 15, 3; (
fütterung eines sperbers durch den meier:) wann dann derselb (
der graf von Sulz) kommen und ain federspil gehapt, het man von den höfen dem hapich oder sperber ain schwarzen hennen geben und den hunden ain laib brot.
rechtsbrauch des 16.
jahrh. bei Birlinger
volkstümliches 2, 174. 33)
im vergleich; in bezug auf den stand der edelleute: die gleichen seint die edlen unnutz der heiligen kirchen. ... es spricht Lombardus, er wölt nit haben ein sperwer, der im ein nahtgal fieng, und er ein huon esz. Keisersberg
narrenschiff 71
c;
in bezug auf seine zähmung: das der mönsch gott nit well liebhaben, noch im dienen anders weder allein das er sich in sollicher süsse lustige, und also wellend sie auff die hand gots nit fliegen, weder als ein sperber, so er das fleisch ersicht.
der höllisch löw c iii
b.
andere vergleiche: einer erzählt dem andern, wie die männer, die zuerst dagewesen, den teufel noch leibhaftig gesehen und den vogt unter seinen klauen weggenommen haben, wie man dem sperber eine taube, die er schon halb gefressen, unter den klauen wegnimmt. Pestalozzi
Lienh. u. Gertr. (1790) 1, 237; ehe er eine frage aus dem katechismus wuszte, behauptete er ungescheut vor den bauern, es seye kein gott und kein teufel; sich näher zu erklären, sagte er einmal, der sperber sey der dauben teufel, und der junker sey der bauern teufel. 3, 347; die süszesten wörtchen ertönten, seufzer, und endlich fiel ein deutlicher kusz ... so dasz die lauscher sich anstieszen, vor kichern ersticken wollten und dann wieder aufmerksam horchten, wie die sperber. Keller 7, 49; jungfrau von Heilbronn! herbergst du, dem sperber gleich, in dieser höhle raum? H. v. Kleist
Käthchen von Heilbronn 5, 10.
[] 44)
in sprichwörtlicher verwendung: ein eile heckt keinen sperber,
e squilla non nascitur rosa. Stieler 2073; eine eule hecket keinen sperber,
la civetta non fa' sparuiere. Kramer
dict. 2 (1702), 858
b; lass dem sperber sein jegerrecht (
d. h. gieb einem jeden, was ihm gebürt). Wander 4, 686;
ähnlich: sperbern und hunden das jegerrecht geben.
ebenda. man kan keinen sperber mit leeren händen fangen.
ebenda; in bezug auf das recht der jagdausübung: es hat nicht jeder einen sperber auf der hand.
ebenda; wer nit sperber hat baist mit eulen.
ebenda. von etwas unnützem: dem sperber die tauben zu hüten geben.
ebenda, denn niemand läszt von seiner art: die sperber haben von jeher tauben gefressen.
ebenda. 55)
in übertragener bedeutung. 5@aa)
als personenname. Germania 3, 233. Siebmacher
terminol. 90. 5@bb)
eine schmetterlingsart, sesia stellatarum. Oken 5, 1133. 5@cc)
im kriegswesen name lebendig gedachter geschütze: der vögel und flieger habt ihr gnug, sie fliegen gar geschwinde, ... der singerinnen feurig heer und falken und sperber noch viel mehr. Arndt
ged. (1840) 357; drum wolauf! laszt wiederklingen alle stimmlein aus metall! lasset um die wette singen sperber, eul' und nachtigall! Hoffmann v. Fallersleben
ged.9 359 (
landsknechtlied).
dann allgemein bezeichnung von geschützen bestimmten kalibers. Krünitz 157, 182. 5@dd)
in der sprache der wundärzte eine binde, die bei nasenverletzungen gebraucht wird, sonst auch habicht
genannt. Jacobsson 7, 388
b.