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trostgrund

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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

trostgrund m.

Bd. 22, Sp. 999
trostgrund, m. , ein erst in der zweiten hälfte des 17. jhs. aufkommendes und dann (nicht ohne inneren grund) mit der aufklärung besonders häufig werdendes compositum, das gegenüber dem simplex einen allgemeineren, meistens unbestimmteren charakter trägt, auch nur gelegentlich die ganz prägnante, betonte bedeutung 'ursache eines trostes' zeigt. seine sonderstellung gegenüber dem einfachen trost besteht in der möglichkeit der pluralbildung, so dasz es geradezu die aufgaben des plurals für trost zu erfüllen hat und daher auch weit überwiegend in der mehrzahl begegnet. der seltene singulargebrauch, bei dem ein ganz bestimmter einzelner trostgrund genannt oder gemeint wird, ist bedeutungsmäszig gegenüber dem einfachen wort schon als umschreibung etwas abstrakter; ähnlich meint es, in der philosophischen sprache der aufklärung, wohl auch folgende definition: eine vorstellung in abstracten ideen, welche einen schmerz wenigstens gewisser maszen zu stillen fähig ist, heiszt ein trostgrund Chr. A. Crusius kurzer begriff d. moraltheol. 2 (1773) 1075. 11) im religiösen bereich: o des leidigen trostes! wer darauff bauen will, der bauet auff triebsand; von einem andern trostgrund werden wir hören in folgender predigt Dannhawer catech.-milch (1657 ff.) 6, 485; (predigt von der vergebung der sünden) ich gestehe zwar, dasz die biszher angeführten trostgründe göttlich, fest und unbeweglich sind, dennoch empfinde ich noch keinen trost, sondern lauter schrecken, furcht und angst ... meine sünde ist immer vor mir Christian Scriver seelenschatz11 (1737) 1, 310a; so gewisz es ist, dasz auch in diesen umständen die heil. schrift einem christen viel stärkere trostgründe geben kann, als die vernunft Gottsched in: d. neueste a. d. anmut. gelehrs. (1751 ff.) 6, 518; alle trostgründe der religion ... waren bei meiner empfindung ungültig Gellert s. schr. 4, 213; die religion ... hat mächtigere trostgründe (als die vernunft) solche wunden zu heilen L. A. Gottschedin briefe (1771 ff.) 1, 280 Runkel; sein hauptsächlichstes augenmerk ist ... aus der religion trostgründe ... gegen die ... lasten des lebens aufzustellen allg. dtsche bibliothek (1765 ff.) 56, 451; ich war vor kurzen ganz heimlich krank, weil ich kein freund von erbaulichen trostgründen bin Heinse s. w. 9, 22 Schüddekopf; der ... geistliche ... hielt ... eine predigt über die trostgründe, welche der leidende aus der hoffnung eines künftigen bessern lebens schöpfen könnte. er ... bewies, dasz dem mancher trostgrund fehlen müszte, welcher an der unsterblichkeit der seele, und an dem künftigen leben zweifelte Fr. Chr. Laukhard leben u. schicksale (1791 ff.) 3, 441; du hast die trostgründe der güte meines schöpfers ... wieder in meine seele gerufen Sophie v. Laroche gesch. d. frl. v. Sternheim (1771) 2, 231; ich kenne trotz meines heidenthums alle lehren und trostgründe ihres frommen glaubens Gottfried Keller nachgel. schr. (1893) 310 Bächtold; vgl. noch Schubart leben u. ges. 2, 156; Caroline Pichler denkw. 1, 141; Joh. Fr. Ferd. Delbrück dtsche sinnverwandte wörter (1796) 78. 22) in bestimmten situationen wie unglück und armut, krankheit und abschiedsschmerz: Climenen soll ich verlieren! und sie sagen mir den grausamen trostgrund vor, mein vater werde mir nichts schlechtes ausgesucht haben! v. Cronegk schr. (1771) 1, 41; gefährten seines unglücks haben mag andern meinethalb ein schlechter trostgrund seyn Göckingk ged. 1 (1780) 152; (als überschrift) trostgründe bei dem zunehmenden mangel des geldes J. Möser s. w. 1, 249 Abeken; ich fühle mich verbunden ... meine patientinnen mindestens mit wohlthätigem zuspruch und bewährten trostgründen zu versehen Tiefurter journal in: schr. d. Götheges. bd. 7, 332; phantastische trostgründe (während einer krankheit bei geldmangel) schlugen bei mir nicht an, und im reiche der wirklichkeit fand ich keine Laukhard leben u. schicksale (1791 ff.) 2, 238; es (mein weib) weinte und ich weinte, eins wollte das andre trösten, aber unsere trostgründe waren so wenig erheblich, und jedes traute den seinigen selbst so wenig, dasz sie unsere thränen nicht stillten (in armut) Gotthelf ges. schr. (1855 f.) 5, 12; diese und ähnliche trostgründe beruhigten das kind nach und nach über die trennung von Mathias Holtei erzähl. schr. 6, 103; vgl. auch 36, 86; die schonung und humanität, mit welcher sie mich behandelt hatten, war einer der trostgründe, welche mich aufrecht erhielten, als mir die anstellung abgeschlagen wurde Grabbe w. 4, 364 Blumenthal; der alte glaubte selbst nicht an seine trostgründe, wenn er ihr beweisen wollte, Apollonius könnte nicht verunglückt sein Otto Ludwig ges. schr. 1, 313 Schmidt-Stern. besonders häufig bei schmerz um einen verstorbenen: so habe doch durch dessen ... werthes condolenzschreiben eine ziemliche erleichterung bekommen, weil mich nicht allein sein hertzliches beyleid, sondern auch die trostgründe sehr wiederum befriediget Menantes allerneueste artf. u. gal. zu schreiben (1718) 178; in der aufklärungszeit in gedichtüberschriften: grösze des kummers eines vaters, bey dem verluste eines hoffnungsvollen ... sohnes, nebst den kräftigen trostgründen dargegen Triller poet. betrachtungen (1750) 5, 372; trostgründe für Clemens wegen dem tode Theodors Lichtenberg nachlasz (1799) 129; ähnlich: betrachtungen über den tod und trostgründe der alten wider die schrecken desselben allgem. dtsche bibl. (1765 ff.) anhang zu bd. 25/36, 960; wer sich vor dem tode wirklich nicht fürchtet, wird schwerlich davon mit so vielen kleinlichen trostgründen gegen ihm zu reden wissen, als hier Montaigne beybringt Lichtenberg verm. schr. (1800) 2, 284; lassen sie sich das, was sie (die verstorbene schwester) noch gegen das ende für sie gethan, bey diesem verluste zu einem trostgrunde dienen, den die entfernten freunde entbehren Göthe IV 23, 50 W.; ich will sie nicht mit kahlen, frostigen tröstungen betrüben, die nur allzusehr ein kaltes fühlloses herz verrathen, nein, ich will mit ihnen über den verlorenen edeln weinen, denn sein verlust ist unersezlich und für trostgründe zu grosz Schiller 1, 103 G.; sie (die sterbende mutter selbst) hat für Julie ... die liebreichsten trostgründe Holtei erz. schr. 27, 104; wenn der gegenstand der liebe aus diesem leben entrückt ist, so empfindet das herz oft eine unermeszliche vereinsamung. trostgründe sind da unrecht angebracht, sie füllen die leere nicht aus; aber liebe, die uns entgegenkommt, verhüllt doch wenigstens den abgrund Stifter briefwechsel 3, 84; die menschen, wenn sie einander über den verlust geliebter personen trösten wollen, borgen diese trostgründe gewöhnlich von den attributen des nichts Hebbel tagebücher 2, 329 Werner; obwol er ... condolirt hatte, sprach er jetzt doch wieder ... sein bedauern aus über das unglück ... indem er die gewöhnlichen trostgründe anfügte, die man auf dem lande zu wiederholen nicht müde wird Melchior Meyr erz. aus d. Ries 2 (1868) 292. 33) allgemeinerer gebrauch: man musz mit geistlichen und weltlichen trostgründen dem elende mächtig widerstehen Chr. Weise polit. redner (1677) 505; es ist ein glück für die guten scribenten, dasz sie sich selbst so artig zu trösten wissen; aber ich befürchte, diese trostgründe werden, zur zeit der anfechtung, den stich nicht halten Liscow samml. sat. u. ernsth. schr. (1739) 480; der gemeine mann bedarf nicht den zehnten teil der trostgründe wider tod und unglück Justus Möser w. 5, 37 Abeken; (als überschrift:) über mancherley ... bekümmernisse in diesem leben und die trostgründe dagegen allg. dtsche bibl. (1765 ff) 64, 393; man kann wirklich bisweilen durch trostgründe die nicht genau treffen, den kummer nur unüberwindlicher machen Lavater geheimes tagebuch 2 (1773) 25; noch der abgelebte greis sucht aus den entferntesten dunkelsten winkeln seines gedächtnisses trostgründe hervor, um sich über sein leben zu beruhigen L. Tieck schr. (1828 ff.) 9, 154; ich rede von einer betäubung, worein wir zuweilen verfallen, wo gleichsam das vermögen, uns an unsre groszen und gewohnten trostgründe zu halten, in uns erstirbt G. Forster s. schr. (1843) 7, 213; was helfen trost- und beruhigungsgründe, über welchen beständig das Damoklesschwert der enttäuschung schwebt Schopenhauer w. 5, 358 Grisebach. 44) bezeichnend für den allgemeinen und verschwimmenden sinn des wortes sind bestimmte häufig wiederkehrende verbindungen wie allerlei, allerhand, besonders alle trostgründe u. ä.: o freund, bedaure doch Alcesten, ... ihn, der sich laut durch manchen trostgrund lehrte, und doch sein herz viel lauter seufzen hörte Gellert s. schr. (1784) 1, 216; nach dem ersten schreck, der nun allmählig vorüberging, fand die baronin manchen trostgrund in der nähe und in der ferne, den sie ihrem gemahl mittheilte Hippel s. w. 8, 23; sie freuten sich jedoch des friedens, obgleich in sorge wegen einer anderen drohenden gefahr ... doch lieszen sich allerlei trost- und hoffnungsgründe beibringen Göthe I 25, 111 W.; vergebens suchte ich ihn durch allerhand trostgründe zu beruhigen Immermann w. 10, 36 Boxberger; vgl. auch 7, 157; die alte freundin ... erschöpfte sich in einer menge von trost- und gleichgültigkeitsgründen, die alle auf eine sehr leichte ... ansicht vom leben hinausliefen Gutzkow ritter v. geiste (1850 ff.) 2, 385; dergleichen und noch mehrere trostgründe sagten wir ihr Holston u. Augusta (1780) 37; was helfen aber alle trostgründe gegen die schmerzen getrennter liebe Hegner ges. schr. 2, 258; ich meinerseits ... rief mir (beim anblick von räubern) alle trostgründe und regeln ins gedächtnis zurück, die mir von jeher meine freunde ... auf den fall in treue verwahrung gegeben hatten Jung-Stilling s. schr. 4, 237; vgl. auch 6, 247; die seele scheint mit fleisz nach allem zu haschen, was sie in noch tiefere verfinsterung stürzt, und vor allen trostgründen mit rasendem widerwillen zurückzuschaudern Schiller 1, 167 G.; endlich, da alle trostgründe niedrer schicht nichts helfen wollten, wählte er als letzte arznei die fügungen des himmels Immermann w. 5, 82 Boxberger; alle trostgründe ... waren eben so vergeblich, als der eigene schwächliche versuch, sich selbst zu überzeugen, dasz man wohl schon etwas schlimmeres durchgebissen habe Raabe Abu Telfan (1870) 81. allgemein sentenzartig: einem freunde sein herz entdecken und sein mitleiden sehen, beruhigt oft mehr, als alle trostgründe Gellert s. schr. 3, 324; das gefühl überlebt die einsicht, wie der schmerz die trostgründe Jean Paul w. 59/60, 64 Hempel. bei der entsprechenden negation begegnet auch der singular: (klage über die ungerechtigkeit der welt) kein öl für meinen schmerz, kein trostgrund für mein leid, und meine zukunft schwarz, so wie mein trauerkleid Hippel s. w. 7, 299; hier ist genug, wenn wir wissen ... dasz kein trostgrund stark genug war, ihn der jenseitigen seligkeit zu versichern Ranke s. w. 35, 114. 55) entsprechend von trost III 5, wo jeder umstand, jede handlung, ja jeder gegenstand trost gewähren kann, mit den verschiedenartigsten subjekten; hier also meist singulargebrauch; die situation selbst ist für den sinngehalt oder die verwendung des wortes ganz nebensächlich geworden: 5@aa) mit diesem trostgrund wagt ichs denn, die dritte schwester zu bestehn J. F. Ratschky ged. (1785) 136; der listige kapuziner war seines mannes zu gewisz, um bey diesem trostgrunde etwas zu wagen Schiller 8, 141 G.; ein andrer trostgrund gegen die ... unverständlichkeit des Athenaeums liegt schon in der anerkennung selbst Friedr. Schlegel im Athenäum (1798 ff:) 3, 349; so kam mir jüngst ein trostgrund her von einem guten Christen: sie (meine lieder) seien in sich selbst musik und brauchten nicht das tongequick; der trostgrund soll mich fristen Fr. Rückert w. 7, 158 Sauerländer; trotz so heller einsicht in die mängel des beschlossenen fand der gutmüthige mann bald wieder einen trostgrund Treitschke hist. u. polit. aufsätze (1886 ff.) 1, 172. 5@bb) rein gegenständliches subjekt: einige tage gab man sich mit allerlei gedanken zufrieden, und das bild gab einen so schönen trostgrund Fr. Creuzer an Karoline v. Günderode (1805) bei Preisendanz d. liebe d. Günderode 201; fruchtlos, dasz er an den pfühl, wie an einen letzten trostgrund, sich mit beiden händen klammert Immermann w. 12, 94 Boxberger; 66) trost der philosophie, der poesie u. ä.: hierauf lieszen es die gottesfürchtigen nicht an betrachtungen, die philosophen nicht an trostgründen, an strafpredigten die geistlichkeit nicht fehlen Göthe I 26, 42 W.; wenn man ... den geist durch sittliche trostgründe beschwichtigt hatte, so wechselten doch immer hoffnung und sorge, verdrusz und scham in der schwankenden seele ders. I 33, 102; innerhalb der ästhetischen geistesstimmung regt sich kein bedürfnisz nach jenen trostgründen, die aus der speculation geschöpft werden müssen Schiller briefe 5, 27 Jonas; mit eben dem fleisze sammelten dichter und moralisten, was ihnen vernunft und phantasie von trostgründen darbeut, damit sie sich und ihren zeitgenossen das zu erwartende letzte stündlein versüszen Joh. Georg Jacobi s. w. 6, 96; zogen sie aus der logik trostgründe gegen das podagra? J. J. Chr. Bode Montaigne (1793 ff.) 3, 375; vergebens bot ihr ihre vernunft alle trostgründe dar, sich über ein verhängnisz zu beruhigen, das sie weder hätte vorhersehen, noch ihm hätte entgehen können Sophie Mereau Kalathiskos (1803) 2, 114; dichterische trostgründe Holtei erz. schr. 7, 101; ich rathe ihnen herzlich, einen genügenden vorrath philosophischer trostgründe einzulegen W. Raabe schüdderump (1870) 3, 231. 77) der nachdruck liegt bedeutungsmäszig auf dem zweiten bestandteil des wortes; der bedeutungsgehalt des trostes selbst ist ganz verblaszt: auf beweise und trostgründe zu hören, ist nur dem schon verringerten affekte möglich A. G. Meiszner skizzen (1778 ff.) 1, 17; wir befürchten, dasz in diesen trostgründen ('grundsätzen') mancher eher aussprüche des skepticismus, als positive weisheit finden werde Hegel werke (1832 ff.) 16, 215; etwas konkreter in der bedeutung 'trostmittel': (als überschrift:) trostgründe wider eine bittere recension G. Chr. Lichtenberg aphorismen 2, 111; nun wollen wir setzen, die priester und leviten hätten dem verfluchten menschen (gotteslästerer) unterschiedliche trostgründe und hertzensstärckung (für ihre verstockung) beigebracht J. M. Meyfart d. hellische Sodoma (1640) 1, 116.
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Zerlegung von trostgrund 2 Komponenten

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trostgrundsatz

DWB

trostgrund·satz

trostgrundsatz , m. : hätt ich nicht seit zwei monaten gewisse trostgrundsätze ... so muszt ich durch dein schweigen furchtsam werden Jean P…