welk,
adj. ,
marcidus. herkunft und form. auf das deutsche (
im weiteren sinne)
beschränktes wort: ahd. uuelk, uuel(c)h,
mhd. welc(h), wilch,
and. uuelk Wadstein 85, 24,
mnd. welk Lübben-Walther 570,
mnl. welc Verwijs-Verdam 9, 2117;
daneben ist die o-
stufe bezeugt in ahd. uual(a)ch,
nfrk. walck (
s.walch teil 13, 1071)
sowie mit anderer stellung der liquida in bair. läck (lack) '
lau, matt (
von flüssigkeiten, die frisch, kräftig seyn sollten)' Schmeller 1, 1432,
mnd. wlak '
lau' Schiller-Lübben 5, 755,
ags. wlæc, wlacu '
tepidus' Bosworth-Toller 1258.
schwundstufig gehört wahrscheinlich wolke
dazu. germ. grundformen *welka-,
*walka-,
*wlaka-,
*wulkana- (
*wulkō).
auszerhalb des germ. kehrt die sippe nur im baltoslav. wieder: lett. vęlgs '
feuchtigkeit, feucht' Mühlenbach-Endzelin 4, 530, velgt '
waschen, einweichen, feucht machen'
ebda, apreusz. welgen '
schnupfen' Trautmann
apreusz. sprachd. 459,
lett. vags 'feucht' Mühlenbach-Endzelin 4, 454,
schwundstufig lit. vìlgyti '
anfeuchten',
russ.-ksl. vъlgъkъ,
tschech. vlhký '
feucht',
poln. wilgnć '
feucht werden',
dehnstufig aksl. vlaga '
flüssigkeit'
u. s. w., vgl. Trautmann
bslav. wb. 358
f., Walde-Pokorny 1, 306.
neben dieser wurzelform elg (
oder eləg)
steht elk
in ir. folc '
wasserflut',
air. folcaim '
bade' Pedersen
vgl. gr. d. kelt. spr. 1, 34,
lett. valks '
feucht', '
flieszendes wässerchen' Mühlenbach-Endzelin 4, 457;
danach sind gotl. valgar '
rivuli',
vielleicht auch weiter nisl. volgur '
lau',
norw. valg '
geschmacklos, eklig',
ags. wealg '
fade, widerwärtig' Bosworth-Toller 1173,
suppl. 742 (
anders über die letzteren Torp 842, Holthausen
aengl. etym. wb. 385)
auf idg. olko-
zurückzuführen; wechselformen mit h
sichert das germ. nicht. zu grunde liegt dem allen eine einfache wurzel el '
feucht sein',
die das germ. in mnd. welen '
welk werden, trocknen' Schiller-Lübben 5, 663 (
auch im heutigen nd. welen
s. Mensing 5, 584),
afries. welia, wilia
welk werden Holthausen
afries. wb. 126 (
zum i
s. v. Helten
z. lexicologie d. aofries. 319),
aschw. valin,
norw. schwed. valen '
erstarrt vor kälte',
gotl. ylla '
aalraupe, quappe (
Lota vulgaris)'
bezeugt u. die auszerhalb des germ. in apreusz. wilnis '
quappe'
vorliegt. vgl. Lidén
in Göteborgs högskolas rsskrift 26, 1920, 88
ff. neben welk
steht seit dem 15.
jh. swelk
wie neben welken
seit dem 11.
jh. swelken (
s. teil 9, 2483
ff.),
in denen man meist mit Zupitza
germ. gutt. 169 '
satzdoppelformen'
oder '
formen mit beweglichem s'
sieht (Walde-Pokorny 1, 306;
Fischer 5, 1274; Berrer
verbale bildungsmittel z. intensivierung im alemann. (1934) 28.
doch macht bedenklich, dasz sonst in dieser wortfamilie formen mit anlautendem s
nicht auftreten und das adjektiv schwelk
so viel später als welk
und als das verbum schwelken
bezeugt ist. unter diesen umständen verdient eine zuerst teil 9, 2485
aufgestellte und von Fick 3
4 551, Walde-Pokorny 2, 532 (
im widerspruch zu 1, 306)
übernommene etymologie beachtung, dasz ahd. swelchēn
wie nd. swalk '
dampf, rauch'
auf einer k-
erweiterung von swel- '
schwelen'
beruhe. diese erklärung wäre als fast sicher anzusehen, wenn auf souuelchan .
adolere (.
incensum offerre)
der hrabanisch-keronischen sippe (
ahd. gl. 1, 35, 30)
zu bauen wäre, aber es ist wohl nach Baesecke
d. dt. abrogans 100
aus suuecchan
verschrieben (
vgl.Pa. suuuecchari).
in jedem falle macht die bezeugung wahrscheinlich, dasz swelk
aus swelken
rückgebildet ist. die verbreitung in den heutigen mundarten. welk
ist anscheinend nur lebendig in den mundarten des südlichen und mittleren westens: walk, walìk, wal,
auch walti, wæltiΧ Martin-Lienhart
elsäss. 2, 822; welik Meisinger
Rappenau 228;
moselfränk. wällich,
nösn. wellich Kisch
vgl. wb. 245
b; wielech
luxemb. wb. 483; walgə Hofmann
niederhess. wb. 261; welch Hönig
Köln 200
b; welk Leithäuser
Barmen 169;
Elberfelder ma. 173;
das übrige sprachgebiet zeigt sehr ungleiche verhältnisse. für das niederdeutsche vgl. noch wellek, welk Damköhler
Nordharz 225; wälk, welk Doornkaat-Koolman 3, 501; wäälk, wäälkrig Stürenburg
ostfries. 320
a. welk
fehlt fast ganz dem niederdeutschen osten (
ein vereinzelter rest in welk dreua kese
halbtrockener käse [
aus der Nutheniederung]
archiv der Brandenburgia 11, 122,
doch vgl. vęęl dreeə '
bald trocken' Teuchert
neumärk. wortschatz 249
und wel-drögt
angetrocknet Mensing
schleswig-holst. wb. 5. 584)
und wird im übrigen westen und norden nur unter schriftsprachlichem einflusz wachgehalten, s. Mensing
schleswig-holst. wb. 5, 587 (
dafür verwenden die maa. meist die nd. formen für trocken, vertrocknet).
gleiches bezeugt für das schwäbische Fischer 6, 666. Schmeller-Fr. 2, 907
stellt die formen schwelk, schwelken
als nicht minder üblich neben welk, welken.
für das obd. vgl. noch: welk Gebhardt
Nürnberg § 121, 3; wεlik (
flekt. welgər) Heilig
Taubergrund § 55; wölch Jakob
Wien 218; Hügel 188; welch Schöpf
Tirol 811.
für die Schweiz bezeugt nur Seiler 308 wäl(ch). schwelch
ist erst spät bezeugt, vgl. swelk ruben
rapae exsiccatae clm 4119,
f. 369;
macere swelich werden (
obd. 1429) Diefenbach
nov. gloss. 242
a;
marcere swelck werden
voc. teut. (1482) ff 8
b,
doch schon ahd. arsuelchatiu
marcida (
serta) (11.
jh.)
ahd. gll. 2, 445, 3.
bedeutungsmäszig deckt es sich mit welk (
zu den oben teil 9, 2484
angeführten belegen im sinne von '
schwank, biegsam, geschmeidig'
vgl. schwilk '
biegsam'
u. schwilke '
weide',
s. Fischer
schwäb. 5, 1287).
die form schwelk
gehört fast ausschlieszlich dem oberdeutschen sprachgebiet an, nur im osten reicht sie ins mitteldeutsche, vgl. oben die bezeugung für die Iglauer sprachinsel, ferner für Nordwestböhmen R. Wenisch
beiträge zur heimatforschung 84;
für das Vogtland Gerbet § 195,
für das unterfränkische Ruckert 169,
für das bairische Schmeller-Fr. 2, 622
und für das schwäbische Fischer 5, 1273.
wie die historischen belege zeigen, reichte der frühere bereich über die heutigen grenzen hinaus: für die Schweiz vgl. die vereinzelten belege bei Staub-Tobler 9, 1847,
für das Elsasz und Nürnberg (
das heute nur welk
kennt, s. Gebhardt § 121, 3)
die belege von Murner, Keisersberg, Hans Sachs (
auch unter verschwelken)
und Ayrer,
für das Erzgebirge, wo heute auch schwelken
ausgestorben ist (
s. Müller-Fraureuth 2, 495)
oben Mathesius. Luther
kennt nur welk
und (ver)welken,
die erste deutsche bibel hingegen schwelk
und schwelken. Eck
beläszt Luther
s verwelken
vereinzelt, so Jak. 1, 11
und Matth. 13, 6,
ersetzt es jedoch meist durch verschwelken,
so Jes. 19, 6,
oder freiere umschreibungen wie abreisen, fallen, abfallen, verderben.
die Zürcher bibel von 1531
kennt anscheinend nur das adj. welk,
so psalm 36, 2 (2, 24
b). AA.
in älterer sprache stehen mehrere sich stark unterscheidende bedeutungen nebeneinander, ohne dasz sich der ursprüngliche bedeutungsmäszige zusammenhang mit sicherheit erkennen liesze. A@11)
die durch die etymologische verwandtschaft geforderte grundbedeutung '
feucht'
ist auf deutschem und damit auf germanischem boden nur erhalten in zwei ahd. glossen der keronischen sippe: uuelc
madita ahd. gl. 1, 206, 4; uuela, uuelc kitan
madefactus 1, 206, 6. A@22)
die bedeutung '
lauwarm'
begegnet heute nur noch in den maa. ahd. ist sie bezeugt in einer Prudentiusglosse: tepefacta uuelchu, uuelchiu
ahd. gl. 2, 525, 8,
wo freilich tepefacta nicht in eigentlichem sinne gemeint ist (
imbellesque animos virtus tepefacta resolvit Prudentius
psychomachia v. 237).
deutlich im mhd.: du bist wider warm noch kalt, sunderen bist welch zu aller stunde Joh. Rothe
lob der keuschheit 3802
N.; und übertragen: da du sust nummer komest zu in diner welchen wise nu
ebda 3815;
in frühnhd. vocabularien klingt die bedeutung aus: calidus welch (15.
jh., westl. mitteldeutsch) Diefenbach
nov. gloss. 66
b;
tepidus welich (15.
jh. md.); welch (15.
jh. obd.)
gloss. 578
c.
die bedeutung '
lauwarm'
verbindet sich gern mit den nebenformen walch und wilch.
über walch
s. teil 13, 1071
u. o. wilch
ist seit mhd. zeit bezeugt: si trincken rosseine milch, paide kald und wilich Heinrich v. Neustadt
Apollonius 2997
S.; man ... deckt daz vaz unz daz ez (
das kochende wasser) wider lâw (
var. wilche) wirt Konrad v. Megenberg
buch der natur 89, 28
Pf. wilch
überwiegt in den frühnhd. glossaren: tepefacere warm, wilch machen (15.
jh. md.) Diefenbach
gloss. 578
b;
tepefactus willichwarm,
tepere wilch werden (15.
jh. md.)
ebda; tepidus wilh (15.
jh. md.) 578
c.
die bezeugungen aus den heutigen maa, die den ursprünglichen zusammenhang mit welk
nicht mehr erkennen lassen, stammen aus einem begrenzten gebiet des westlichen mitteldeutschen; s. o. wilch
teil 14, 1, 1
und willig
ebda sp. 182;
ferner wellig '
lauwarm' Spiess
henneberg. idiot. 283; wilch (
auch wulch) Vilmar 435;
in der Wetterau welch, wilch,
bes. von lauwarmer milch, anm. von Diefenbach
zu calidus nov. gloss. 66
b. A@33) Notker
verwendet welk
im sinne von '
weich': (
durum dicitur, quod habeat potentiam non citius secari, molle vero, quod eiusdem ipsius habeat inpotentiam) taz heizet herte, daz unspuetigo mag ingunnen werden, taʒ is welh, daʒ unmahtig ist tero selbun unspuete 1, 453, 1
P.; taz sie daz uuelchesta (
mollissimum) so daz marg ist ze innerost pergent mit tero uzerun holzes festi (
quadam ligni firmitate) 1, 202, 20
P.;
gleichzeitig auch übertragen: (
molliti sunt sermones eius super oleum et ipsi sunt iacula) siniu uuort sint linderen unde uuelcheren danne oleum unde diu selben sint strala. gotes uuort diu herte uuaren sint uuelh uuordeniu, an dero uuelchi neist in iro chraft ingangen nube sanctis predicatoribus sint siu 2, 210, 17
f.; uuanda er die herti ueteris testamenti mit tero senuuun novi testamenti geduungen habet unde uuelcherun getan habet 2, 19, 7;
so auch an einer stelle, wo man die heutige bedeutung '
trocken'
vermuten könnte: perga sint apostoli, die gebent uuelchiu precepta (
i. herbam) unde hertiu (
i. fenum) den menniscon 2, 599, 2. Notker
kennt auch ein verbum wilchen '
weich machen' 1, 711, 28; 1, 43, 27. BB.
die heutige bedeutung '
trocken werdend, die inneren säfte verlierend'
ist seit ahd. zeit bezeugt. sie steht vielleicht in mittelbarem zusammenhang mit der grundbedeutung '
feucht'
dadurch, dasz sich die bedeutung des verbalen compositums arwelkēn '
die feuchtigkeit, die säfte verlieren'
sekundär auf das simplex und das adjectiv übertrug. in dieser seiner eigentlichen bedeutung ist welk —
im gegensatz zu trocken
und dürr —
nur auf organische gebilde anwendbar und bezeichnet jenen zustand, in dem der normale lebensprocesz des wachsens und blühens durch natürliche einflüsse oder durch künstliche eingriffe unterbrochen ist und die pflanze sich dem verdorren und absterben nähert. B@11)
von den wbb. seit dem beginn des 14.
jh. verwendet, insbesondere zur glossierung von marcidus, auch flaccidus oder in der verbindung welk werden (
die weit üblicher ist als das verbum welken)
zur wiedergabe von marcere (
macere),
flaccere: macere welck werden (1421
und 1502,
obd.) Diefenbach
nov. gloss. 242;
rutare swelcken, geschwelcken, welck werden (1515,
obd.)
gloss. 504
c;
marcere, marcire walck werden Faustus Verantius
dict. (1595) H 2
b; welck, halbdürr, eingeschrumpen
flestri, fené Hulsius-Ravellus
dict. (1614) 491
a;
marcidus welck, schlappericht Corvinus
fons latinitatis (1646) 507; welck
flaccidus, marcidus Dentzler
clavis (1716) 2, 347
b;
in den älteren wbb. steht neben welk werden
häufig faul werden, faulen:
macere ful, welck werden (15.
jh., md., nd.), willig werden (15.
jh., md.) Dieffenbach
gloss. 341
b;
macere, fieri macrum faul werden, welick werden oder swelick werden
voc. teut. (1482) h 4
b;
marceo wälck werden, faulen, verdärben, teig werden, verstrupfen Frisius
dict. (1556) 803
a;
marcidus faul, welck, verdorben Decimator
thes. (1608) 774
a;
es ist möglich, dasz die beiden bedeutungen '
welk'
und '
faul'
im älteren sprachempfinden einander näher standen als heute. wahrscheinlich wird das durch glossierungen wie: marcesco, emarcesco, putresco ich heb an zu fauln, werd welck Er. Alberus
dict. (1540) t 2
b; E 4
a;
tabefacio ich mach welck, verkame, mach abnemen ...,
tabefacit dasz welck oder faul macht E 4
b;
vgl. insbesondere habes (
d. i. tabes) vulin, welkin
voc. von 1420, 36
b Schröer;
vielleicht auch: sqalidus welck
i. sordidus voc. predicantium (1486) d 1
b;
auch die bedeutung '
weich'
stand nicht fern (
s. o. Notker
unter A 3):
mollis, i. humectatus smydich, smode, welk also crut wert wan dat langhe lit (15.
jh., nd.) Diefenbach
nov. gloss. 255
b. B@22)
von der lebenden pflanze. B@2@aa) '
nicht mehr grünend oder blühend',
seit dem ahd. bezeugt: marcidum welchaz, marwaz (10.
jh.)
ahd. gl. 2, 332, 32 (
sed ille cum creverit, nihil mordax, nihil vividum, nihil vitale demonstrat, sed totum flaccidum marcidumque et mollitum ebullit in olera Hieronymus
zu Matthäus, s. Migne
patrol. lat. 26, 90); lasst uns krentze tragen von jungen rosen, ehe sie welck werden
weish. Salomonis 2, 8 (verderben
Zürcher bibel, Eck); der tau z'nachts vom himmel fällt, frischts welck grasz und blumen Michael Henrici
bei Fischer-Tümpel 1, 234; wenn ein ungewitter ... verhanden, spüret mans bald am klee, wenn er die blätter fallen lesset und selbige im sommer welck werden J. Prätorius
philosophia colus (1662) 61; die ros, auf derer zierlicheit ihr doch am meisten pflegt zu prangen, ist bleich und welck
Königsberger dichterkreis 86
ndr.; wenn das (
zwiebel-) kraut zertreten wird, so wird es hernach welck, und das übrige wachstum bleibet in der wurtzel der zwiebel und werden grosz J. G. Schmidt
rockenphilos. (1706) 1, 213; kein kraut ist ja so welck, man weis noch saft zu preszen, der, kommt gleich jenes um, den krancken heil gewährt Chr. Günther 2, 222
Kr.; das welke farrenkraut rauscht näher mir und mischt sich, wie es webt, mit Oszians haar (
aus Ossians sterbelied) Herder 16, 325
S.; nimm des verlebten tages zier, die bald welke rose, von deinem busen Göthe I 4, 189
W.; die jungen pflanzen ..., die durch allzu öftere und bisweilen rauhe berührung gern welk werden Lenz
vertheidigung des herrn W. (1776) 13; in einem buche blätternd, fand ich eine rose welk, zerdrückt, und weisz auch nicht mehr, wessen hand sie einst für mich gepflückt Lenau
s. w. 239
B.; sprich erst zur rose, wenn sie welk erstirbt Platen 1, 121
R.; die welke myrte (
des brautkranzes) Immermann 3, 20
Boxb.; die jungen triebe der tanne welk und blaszgrün, meist wirkung des frostes Ratzeburg
waldverderbnis (1866) 2, 21; weisze welke sommerblüten stäubten honigduftend herein Kahlenberg
Eva Sehring (1901) 29.
von einer grünbestandenen fläche: schau wie die böcke sich in jenem strauch verwirren, und die verlaszne schaaf auf welcken wiesen irren Chr. Wernicke
poet. vers. (1704) 371; und die grosze vaterhuld ... wird an mir zum wunderwercke und erquickt mich in der that wie der thau die welcke saat Chr. Günther
ged. 2, 216
Kr.; von strausz und kranz: wann meine welken blumenkränze solches hohen werts wären, müste ich nichts anders tuhn als kränze winden A. H. Buchholtz
Herkuliskus (1665) 238; ein welker kranz umwand sein haupt Herder 25, 383
S.; auf dem wandtische neben der thür lag noch der welke strausz feldblumen, den sie gestern gepflückt hatte Stifter
s. w. 2, 306. B@2@bb)
ganz üblich welke blätter, welkes laub,
namentlich vom fallenden laub als ausdruck herbstlich-müder stimmung; vgl. welche blätter
foglie languenti, languidi Kramer
dict. 2 (1702) 1313
c: die (
blume) steht in voller pracht beperlt mit frischem thau, die wirft die welcke tracht der bleichen blätter hin Gryphius
trauersp. 160
P.; die blätter fielen welk zu ihren wurzeln hin König
gedichte (1745) 40; aus umstürmten lindenzweigen rieselt welkes laub herab v. Salis
gedichte (1793) 33; welkes laub auf gräbern wallt Matthisson
schr. 1, 27; trübe wolken, herbstesluft, einsam wandl ich meine strassen, welkes laub, kein vogel ruft — ach, wie stille, wie verlassen! Lenau
s. w. 38
B.; ein feiner von der morgensonne durchleuchteter nebel zog über die baumspitzen hin, die trotz der schon vorgerückten jahreszeit kaum ein welkes blatt zeigten Fontane
ges. w. I 4, 403;
dazu: was blickst du, wandrer, welkumlaubt, so traurig nieder? Herder 25, 383
S. welk
kann sich einer farbvorstellung nähern und neben farbbegriffen stehen: die blätter werden welk und fahl Gottsched
gedichte 1 (1751) 257; mein leichter fusz rauscht unter dir schon in dem abgefallnen laube: und was noch nicht herunter fiel, hängt bleich und welk, der winde spiel R.
Z. Becker
mildheim. liederb. (1799) 18; wie todtes laub — braun und welk — Fr. L. Schröder
dram. w. (1831) 4, 140;
es kann auch in eine andere sinnessphäre übergreifen: fingerhüte, thymiane, epheureben, sie dufteten welk, betäubend H. v. Kahlenberg
Eva Sehring (1901) 38; durch die luft zog der leidenschaftliche geruch welker blätter, denn es war anfang october Ricarda Huch
der grosze krieg (1920) 2, 479. ein süszer, schwerer, welker geruch fiel aus den wipfeln, es roch fast wie in einem sterbehause B. Kellermann
Ingeborg (1911) 208;
s. auch unten welkechtig. B@2@cc)
der bildliche gebrauch. zu grunde liegt dem vergleich der gesamtvorgang des verblühens, absterbens: du lessest sie dahinfaren ... gleichwie ein gras, das doch bald welk wird
psalm 90, 5; wie eine blum wälck wirdt, so die hitz über si scheint, also wirstu schwach und ellend, so du gestrafft wirst
Zürcher bibel 1, 261
a; ein eintziges fieberlein kan die schöne ros (
der frauenschönheit) bald welck machen Dannhauer
catechismusmilch 3, 276; lasz jene (
die frommen) blühen hie auf erden, lasz diese (
die bösen) welck und zu nichts werden Weckherlin 2, 14
F.; gleichsinnig, doch mit anderer bildvorstellung: davon wie welke blätter zerstäubte Frankreichs macht Rückert
poet. w. 1, 153; und eine hoffnung nach der andern fällt welk vom baum des lebens ab Geibel
neue ged. (1856) 101;
ausgehend von welk '
erschlafft, matt': mit Luthern ist zuletzt der helle tag erschienen. der welke lorbeerbaum (
der deutschen poesie) fieng wieder an zu grünen Bodmer
krit. ged. 52
lit.-denkm.; seit einem monat etwa fühle ich mich gestärkt und die welken blätter fangen an sich wieder zu heben W. Grimm
an Dahlmann, br. 1, 467
Ippel; wann dem volke die kraft fehlt, das harte wieder weich und das dürre und welke wieder grün und saftig zu machen E.
M. Arndt
schriften f. und an s. lieben Deutschen 2, 132.
auf den wert zielend: — weh ... der welcken blumen irer lieblichen herrligkeit
Jes. 28, 1;
gern: in unsern kriegs- und siegesliedern sind die treffendsten psalmausdrücke dieser art welke lorbeern Herder 12, 257
S.; Baiern Ludwig, groszer kaiser, der so kühn mit Östreich rang und den feind zur freundschaft zwang, welk sind deine lorbeerreiser v. Schenkendorf
ged. (1815) 20; der gefeierte sieggekrönte held, dessen junge lorbeeren die welken des Pompejus überglänzten Mommsen
röm. gesch. 3 (1866) 297. B@2@dd)
die bedeutungsmäszige verschiedenheit von den verwandten trocken
und dürr
besteht einmal darin, dasz welk
in der heutigen schriftsprache fast ausschlieszlich von der blüte und dem grünenden blatt gebraucht wird. daher deutlich geschieden: einen fruchtbaren regen, der das dürre land und welke gras erquickte J.
M. Miller
pred. f. d. landvolk 1 (1776) 113.
ungewöhnlich ist die stellung neben worten, mit denen sich die vorstellung des grünens oder blühens nicht verbinden kann: die welken ähren neigten sich R.
Z. Becker
mildheim. liederbuch (1799) 42; da gab es viele leere hülsen und leichte früchte, und schädlicher rost frasz die welken körner an W. v. Polenz
Büttnerbauer (1895) 1, 114.
im gegensatz zu dürr, trocken
bezieht sich daher welk,
wenn es neben baum
oder zweig
steht, vorwiegend auf farbe und stellung der blätter, nicht auf die beschaffenheit der holzigen teile: arbor marcescit der baum wird welk
nomenclator (
Hamb. 1634) 69; der baum selbst stünde den tag über mit seinen blättern gantz welck Lohenstein
Arminius 1 (1689) 608
a; (
sitzend) unter einer ... eiche auf den bündeln welker zweige Holtei
erz. schr. 16, 241; (
der esche) zarte zweige ... hingen welk und freudlos und zur erde gezerrt
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 4, 468;
auch bedeutungsmäszig unterscheiden sich trocken, dürr
und welk,
insofern trocken (werden)
und dürr (werden, dorren, verdorren)
einen fortgeschrittenen grad des austrocknens oder absterbens ausdrücken. im älteren sprachgebrauch nicht immer geschieden: wo man sihet, dasz das kraut nahe bei der erden bald anfahet zu dorren und welck zu werden Michael Herr
der feldbau (1551) 32
b; sonst sehen sie gleich den dürren welcken meerrosen Heyden
Plinius (1565) 385; neme die sattesten und dicksten stengel sampt den plettern, schneide die wurtzel ab ..., lasz sie ein wenig dürr werden, biss du sihest, das sie wöllen anfahen ein wenig welck werden Sebiz
feldbau (1579) 253;
doch: (
sie) sind gleichwie ein gras, ... das da früe blüet und bald welck wird und des abends abgehauen wird und verdorret
psalm 90, 5; welck, halbdürr
marcio, languido, fiacco Hulsius
dict. (1616) 275
b;
am schärfsten geschieden in der fachsprache: das holz, welches im winter geschlagen worden ist, nennt man alsdann grün,
im frühjahre aber welk,
im herbste trocken,
und späterhin dürr Hartig
forstl. conversationslex. (1836) 942. B@33)
von safthaltigen früchten und wurzeln. B@3@aa)
halbtrocken, geschrumpft, zusammengefallen. hainbutten oder hifen heizet sie. von dem rifen wirt betwungen ir rische; welc, in rote doch vrische beheldet sie iren smac
Daniel 2192
H.; dasz ein nüszlin ist all zeit leer und welck, aber das ander volkommen und saftig, dann järlich nimpt das alt würtzlin von tag zu tag ab und wird je lenger je welcker, so lang bisz dasz es gar verdorret W. H. Ryff
confectbuch und haussapotek (1548) 42
a; (
das weibliche blut macht) den wein, so im most ist, zu seiner zeit sawer, die früchten angegriffen welck, was gepflantzet, verdoret davon Heyden
Plinius (1565) 25; man (
beschüttet) sie (
die erdgewächse), nachdem man sie im herbste aus der erde genommen, wieder an einem andern orte mit erde ... um sie den winter über vor dem welkwerden zu bewahren Gottsched
beob. (1758) 83; sie gleichet einer welcken traube, bei der kein safft mehr wird erkennt, als die vom reben ist getrennt S.
Dach 172
Ö.; ich weesz, dosz es (
mein herz) aussiht asse ene gebackene birne oder a wälck rattig A. Gryphius
lustsp. 290
P.; und die frucht von dem allem? sie fiel welk bei der ersten probe ab Dahlmann
gesch. v. Dänemark 1, 44;
als '
überreif': kreist die erde schon müder durch den raum? ist sie schon eine welke frucht? H. Watzlik
der alp (1923) 235;
bildlich und vielleicht in der bedeutung weitergehend: die wurtzel der weiszheit wird nimmermer welck
Zürcher bibel 1, 263
b (
vgl. bei Luther: verfaulet nicht
weish. Salomon. 3, 15). B@3@bb) '
gedörrt, getrocknet'
von früchten, dazu vgl.: marcidare welck machen (1512,
obd.) Diefenbach
gloss. 349
a; welck machen
seccare, auvizzare Kramer
dict. 2 (1702) 1313
c;
und zum sprachgebrauch: welk
statt gedörret
z. b. welkes obst,
doch nur im gemeinen leben Voigtel
wb. 3 (1795) 618
a. B@3@b@aα)
von den wbb. werden als feste bezeichnungen gebucht: welkes obst, welke äpfel, welke trauben, welke rüben.
nicht immer ist ersichtlich, ob es sich stets um planmäszig getrocknete früchte handelt: welk obst
poma flaccida Stieler
stammb. (1691) 2492; welck obst, welcke birn
frutti secchi, pere secche Kramer
dict. 2 (1702) 1313
c;
s. auch trocknes obst
unter trocken B 4. eine welcke frucht
fructus flaccidus Steinbach
deutsches wb. (1734) 2, 970; welke frucht Schwan
dict. (1783) 2, 1030
b.
mala vieta welcke öpffel, verschrumpffet B. Faber
thes. (1587) 940
a; ein welck apfel
malum vietum nomenclator (
Hamburg 1634) 78; ein welcker apfel
pomum vietum Zehner
nomenclator (1645) 199; welcker apfel Stieler
stammb. (1691) 2492; welcke äpfel
mele secche Kramer
dict. 2 (1702) 1313
c. welcke trauben, welcke weinbeer
uva (
rosine)
passa; passola, passolina Kramer
dict. 2 (1702) 1313
c,
s. auch trockene trauben,
unter trocken B 4.
rapa passa welcke ruben
nomenclat. (
Hamb. 1634) 105; Stieler
stammb. (1691) 2492;
rapa secca welcke rübe Kramer
dict. 2 (1702) 375
b;
rapa exsiccata welcke rüben Steinbach 2, 970: rohe welcke rüben essen Chr. Reuter
Schlampampe 121
ndr.; eine sorgfältige hausmutter soll jetzt und den gantzen winter, wenn die arbeit verrichtet, die mägde abends spinnen, welcke rüben schneiden oder federn schlieszen lassen
allgem. haush.-lex. (1748) 1, a 3
a;
vgl. noch: aus den gedörrten rüben, so man in Sachsen welckrüben nennet Tabernämontanus
kräuterbuch, s. o. teil 8, 1333. B@3@b@bβ) welke rübe
war redensartlich sehr üblich. meist haftet ihm der sinn des minderwertigen an: der magister Joannes Weissenfels nent uns puben, er brauchet die schrifft gleich als welcke ruben O. Clemen
reformationsflugschr. 1, 83;
vgl.: der verwelkte. welke rüben. zum auswerfen (
name, gewächs und spruch eines mitglieds der fruchtbringenden gesellschaft) Neumark
d. teutsche palmbaum (1668) 246
und dürre rüben
als umschreibung der negation im sinne von '
nichts' Fischer
schwäb. 5, 449 (
belege aus dem 15.
jh.); welke rüben
als geringe kost: da friszt der kahle hund welcke rüben Chr. Weise
erznarren 195
ndr.; was hilft die götterkost, womit die musen laben, wenn unsre finger nichts als welcke rüben schaben Chr. Günther 2, 49
Kr.; entsprechend galt welke rüben schaben
oder schneiden
als geringwertige arbeit, vgl. auch rüben graben
unter rübe II 2: jetzt brachtens ein donation, hettn damit ihren spott und hohn, nemlich ein rei welcke rübn, welchem das schiessn nicht thut geliebn oder bei solchm ist unbescheidn, solt lernen welke rüben schneidn W. Ferber
beschreib. eines stahlschiessens in Dresden (1614) L 3 b;
in uneigentlichem sinne ist welke rüben schneiden, schaben '
jungfer bleiben, den freier nicht finden': wann ein mädchen in der einsamkeit (
d. i. beim tanze) stille sitzt und welcke rüben schneidt, kommen bald die tütschemütter und erwischen mit verdrusz irgend einen armen ritter, der die lücke büszen musz Chr. Weise
grünende jugend 19
ndr.; die jungfer-noth. zur hochzeit möcht ichs wohl vom junggesellen leiden, doch weil ich immer soll nur welcke rüben schneiden, so gebt mir einen mann, der auff der hochzeit mich zum tanze führen kan
ebda 129;
ähnlich Stranitzki
ollapatrida 359
lit.-denkm.; geh närrin! hilf der magd die welken rüben schaben! (
an eine heiratslustige jungfer) Stoppe
Parnass (1735) 263;
daher: (
die liebe kann sein) kein welckes rübgen nicht, sie würde nicht gelitten, die jungfern hätten sie schon längsten klein geschnitten Chr. Weise
grünende jugend 99
ndr. welke rübe
als '
alte jungfer': ein ander frei nach gelde, nach einem weiden felde, nach einer welcken rübe, ich liebe, die ich liebe
ebda 133
ndr. B@44)
vom (
menschlichen)
körper und seinen teilen: '
geschrumpft, eingefallen, runzelig'.
von den gliedern auch: '
schlaff herabhängend, ohne natürliche spannung und kraft'. B@4@aa)
seit frühnhd. zeit üblich, vgl. languidus welck Er. Alberus
dict. (1540) t 2
b; es würt auch ein glid welck, so es verrenckt ist
M. Herr
schachtafeln der gesuntheit (1533) E e 3
a; ich schöpfe mit der hand, dem durste nur zu wehren, das trübe wasser auf. dasz soll mir geben kraft. die glieder werden welk, das fleisch ist abgeschwunden P. Fleming
deutsche ged. 1, 103
L.; vgl. ebda 6; die hände werden welk (
von Christus am kreuz) 1, 24; wenn ein viehe nicht essen will, so greiffe ihn an den schwantz, ist der welck und weich, also, dasz man ihn gar umdrehet, so nimb ... Michael Böhme
viehartznei (1682) 2; schon sind von dem druck der kindischen faust (
des Herkules) lebens- und ringelkräfte der drachen aufgelöst ..., sie ... zeigen einen theil der zähne scharf und giftvoll, die kämme welk, die augen geschlossen, die schuppen glanzlos Göthe 49, 1, 113
W.; auf seinem todbett wird er umsonst die welken hände ausstrecken nach seinem Karl Schiller 2, 49
G.; da lag auf hartem steine vor der reichgeschmückten thür ein armer, der die welke hand zur gabe hinbot U. Hegner
ges. schr. (1828) 5, 174; (
die blattlaus) war ... schon so matt, dasz ... der schnabel welk ... herunterhing Ratzeburg
forstinsekten 1 (1844) 52; ich sah, umstanden von der stillen menge, auf dem paradebett, geputzt, die leiche, und viele, die die welke hand ihr küszten, als ob sie jetzt noch gnadenzeichen reiche Hebbel
w. 7, 167
W.; seine vollmondswangen schienen wie welk herabgesunken Alexis
ruhe ist die erste bürgerpflicht (1852) 1, 28;
vgl. dazu die lexikalischen bezeugungen: welcker leib
corpo arido, secco, vizzo, auvizzito; welcker leib, welcke hinderbacken
carni vizze, natiche ... vizze, fiappe; welcke brüste, welcke dutten
poppe, zinne, tette vizze, fioppe, pendenti Kramer
dict. 2 (1702) 1313
c.
verdeutlicht durch vergleich: deine junge blühende gestalt (
soll) unter seiner umarmung welk wie eine mumie zusammenfallen Schiller 3, 465
G.; dasz es (
das alte deutsche reich) in seiner früheren gestalt seit jahrhunderten zu einer bleichen und welken mumie verschrumpft war E.
M. Arndt
s. w. 1, 79
R.-M. B@4@bb)
besonders als kennzeichen des alters: was soll für anmuth blühn auf diesen welcken wangen? Lohenstein
Ibrahim Sultan (1680) 6; man trägt die zeitung bald der mutter zu, ... die freude kam in ihre welcken adern Bodmer
bei Pyra
und Lange
freundschaftl. lieder 157
lit.-denkm.; die grazien residiren in ihren runzeln und meine seele scheint auf meinen lippen zu schweben, wenn ich ihren welken mund küsse Kant
w. 7 (1839) 420; vielleicht hat, dankbar für den heilgen christ, mein liebchen hier, mit vollen kinderwangen, dem ahnherrn fromm die welke hand geküszt Göthe I 14, 133
W. (
Faust 2701); denn jede (
hexe) seh ich den verkürzten finger bedeutend an die welken lippen legen (
laying upon her skinny lips) Schiller 13, 13
G. (
Macbeth 1, 5); (
die wahrsagerin) erhebt sich, verklebt den zettel mit lack, den sie in ihrem welken munde befeuchtet H. v. Kleist 3, 104
Er. Schmidt; sie (
die alte) richtete den welken leib in die höhe Alexis
Roland von Berlin (1840) 1, 285; beide hände drückte sie (
die groszmutter) fest vor ihr welkes angesicht, um sich recht ungestört dem gram hinzugeben Holtei
erz. schr. 10, 6; und würd ich auf der stelle auch ein greis mit trocknen lippen und mit welken adern, ich borgte mir nicht neue glut von dir! Hebbel
w. 3, 275
W.; wenn sie (
die groszmutter) nun anfing, ... mit dem welken munde zärtlich und schwärmerisch zu reden Stifter
s. w. 1, 183; mit welkem mund und wasserblauen augen, so harmlos wie ein kind, die dürre alte
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. 1, 205; nachher war es hübsch zu sehen, wie die beiden verkümmerten, ältlichen leute jeder eins der hübschen engelskinder auf den schosz nehmen und mit welken lippen die festen rosenmündchen küszten H. Seidel
Leberecht Hühnchen (1899) 52.
als typisches kennzeichen: doch, bebt sie (
scham) auf der welken wange, ... wie entmannt sie dann!
allgem. deutsche biblioth., anhang zu band 53—86,
s. 2517; Beate reicht die welke hand noch einem hübschen jungen fant Pfeffel
poet. vers. 1 (1812) 143; grosz sind eines mädchens plagen, ihre brust ist krank und wund, und zum lohn für stille klagen küszt sie noch ein welker mund Novalis 4, 156
M.; neben alt: sie wolle nicht alt und welk werden wie die andern K. H. Waggerl
mütter (1935) 69;
als beiwort zu greis, matrone
u. ähnl.: gruppen kraftloser greise und welker matronen J. J. Engel
schr. 1 (1801) 8; der welke alte (
the withered elder)
Shakespeare 6, 263; die alte heldenweise, die vor zeiten wohl mit macht frische knaben, welke greise hinzog in die Türkenschlacht Lenau
w. 98
B.; neben zeitbegriffen: das welcke alter Treuer
deutscher Dädalus 1 (1675) 74; welke jahre Tiedge
w. 7, 125; welkes alter — rosenfrische jugend Schiller 1, 185
G. B@4@cc)
je nach dem zugehörigen begriff kann bald die eine, bald die andere seite der bedeutung hervortreten. B@4@c@aα) '
schlaff, faltig, runzelig',
vgl.: die haut ist welck
cutis languet Steinbach
wb. (1734) 2, 970: wer reichet nu sant Oswaldes hant oder sant Niclas armen liuten, sô si geneigt in welken hiuten gênt vor hunger und gerne stürben, ê si mit gesundem lîbe verdürben? Hugo von Trimberg
renner 13 582
E.; ich seh, erstaunt, mein schwarzes haar gebleicht, und welke haut um meine knochen hangen Uz
s. poet. w. 132
lit.-denkm.; ihre zarte haut (
macht sie) durch frühes welk- und runzligwerden nur zu bald altern Ritter
erdkunde 8, 429;
daher auch: welke runtzeln Henrici
ged. 1 (1727) 267. B@4@c@bβ) '
verblüht, bleich, blasz, fahl',
besonders vom menschlichen antlitz: er löst vor ungeduld die blutbesprützte binde von seiner welcken stirn und sein entfärbter mund macht nur des feindes glück und mein verderben kund Pietsch
geb. schr. (1740) 7; wenn das geschwärzte haar in falschem glantze prahlt und ein erkünstelt roth die welken wangen malt Zachariä
poet. schriften 1 (1753) 171; kennst du sie, ... die, wenn uns des lebens leere tötet, magisch uns die welke schläfe rötet? Hölderlin 1, 76
L.; sprosset auf zu dunklen trauermyrten, tränen, die die liebe hier vergosz, grünt, um meine welke stirn zu gürten, meine laute, der nur schmerz entflosz Novalis
schriften 1, 163
M.; das kind fing kläglich an zu wimmern; Peter sah das erbärmliche gesichtchen, so welk und alt, wie das eines alraunen Cl. Viebig
weiberdorf (1905) 135; sehr klein für ihre zehn jahre, mit winzigem, welkem gesichtchen, schaute sie ihn doch merkwürdig altklug an U. C. Woerner
der könig hat gesprochen (1911) 63; welk und müde und leuchtend, wie das antlitz eines sterbenden, das ein eigentümliches licht ausstrahlt B. Kellermann
Ingeborg (1911) 245. B@4@c@gγ)
am selbständigsten entwickelte sich die bedeutung '
entkräftet, erschöpft, schlaff, matt, müde',
vgl. flaccidus welck
dict. nom. verb. (1620) Q 6
b;
flaccidus welck, lappicht Corvinus
fons (1646) 352;
marcidus welck, schlappericht
ebda 507. B@4@c@g@aaαα)
schon sehr früh bezeugt: welkiu (10.
jh.), welku (11.
jh.)
marcida ahd. gl. 2, 498, 49 (
Luxuria ... tunc pervigilem ructabat marcida caenam Prudentius
psychomachia 316); der miszbrauch seiner körperlichen kräfte ... hat seine gesundheit geschwächt und ihn welk gemacht Knigge
roman meines lebens 1 (1781) 23; wer sieht nicht oft genug, bei wein und frohen tänzen, den trunknen jüngling glühn und rosen ihn bekränzen, und wenn er sorgenlos mit wilder lust gelärmt, gesungen und gejauchzt und nächte durchgeschwärmt, ihn welk und ganz entstellt beim nächsten morgenlichte mit unbelebtem aug und bleichem angesichte dem kranken ähnlich sein Uz
s. poet. werke 226
lit.-denkm.; schach Lolo ... matt und welk wie ein zerknicktes rohr ist entschlummert Eschenburg
beispielsammlung 1 (1788) 210; wohl hat der tag uns warm gemacht und welck der lange kummer Novalis
schr. 1, 53
M.; das mädchen ... hebt die linke matt und welk nach der lyra Cl. Brentano
Godwi (1801) 2, 130; ich fühle mich wenig wohl ..., heute ist es besser, aber ich bin welk und möchte blosz ausgestreckt liegen Th. Fontane
briefe an seine familie 2, 192; er wird langsam welk in seinem samtenen sattel R.
M. Rilke
ges. w. (1927) 4, 9.
auch noch mundartlich lebendig: wel(k), weltig '
müde, verdrieszlich, abgemattet': ach, wie bin ich so weltich Martin-Lienhart
elsäss. wb. 2, 822; er isch wälch
fällt vor schlaf oder wein zusammen Seiler
Basler ma. (1879) 308;
anders: a welcher mensch
ein träger Schöpf
tirol. 801. B@4@c@g@bbββ)
vom einzelnen körperteil: dasz er (
der kranke gott) mit welcker hand ein lebenszeichen gab Chr. Günther
gedichte (1735) 512; ach! fand die kunst kein mittel, in welke glieder neue kraft zu gieszen Wieland I 3, 149
akad.; ihr quellen alles lebens, an denen himmel und erde hängt, dahin die welke brust sich drängt — ihr quellt, ihr tränkt, und schmacht ich so vergebens? Göthe I 14, 30
W. (
Faust 458); nach langer mühe schleicht wiederum das fast erloschne leben durch die entnervten welken glieder hin Eschenburg
beispielsammlung 1 (1788) 106; diese glieder, so schwach, so welk, erquicke sie und breite, o schlummer, über mich die breiten schwingen Herder 27, 359
S.; die schläge, die des lehrers welker arm nicht ertheilte, spendete des schülers jugendliche faust in fülle Holtei
erz. schr. 19, 57.
vom gesichtsausdruck, doch deutlich auf den körperlichen und seelischen gesamtzustand gehend als '
matt, müde': zum vesper aber kam er, asz jedoch fast nichts, tat so, als wäre nicht das geringste vorgefallen, hatte aber flackrige augen und ein welkes gesicht H. Löns
das zweite gesicht (1917) 115; dem blicke ihrer groszen, dunklen augen ..., über die sich langbewimperte, welke lider zuweilen schläfrig senkten W. Weigand
die rote flut (1935) 9; er suchte ihre veilchenblauen augen, die in dem stark roten, aber seidenweichen gesichte ein wenig welk ... standen P. Dörfler
die lampe der törichten jungfrau (1930) 6. B@4@c@g@ggγγ)
als '
kraftlos, entartet': jetzt, bei der allgemeinen vermischung der stände, bei dem heraufdringen der niedern an die stelle welker, stolzer und unbrauchbarer hohen Herder 5, 576
S; kind des zorns! kind welker lenden! (
child of decrepitude) Bode
Tristram Schandi (1774) 4, 136.
bedeutungen wie '
verlebt, blasiert, decadent'
klingen an: wie wann ein liebesgeck das welcke haupt verstecket in einem wald von haar. die stimm ist leisz und matt Bodmer
krit. ged. 17
lit.-denkm.; Schöler (ich habe diesen welken diplomaten selbst gesehen bei der blumenausstellung) Dahlmann
an Jacob und Wilhelm Grimm, br. 1, 321
Ippel; gewöhnlich wird ihm (
dem herrn) selten ein welker günstling aus der hand gezogen, wenn ihm nicht ein fertiger sofort auf der stelle darein zu geben ist Jean Paul 33, 52
H.; dann auch: bei hofleuten ist die zunge die pulsader ihres welken lebens, die spiral- und schwungfeder ihrer seelen
ders. 7—10, 231
H. B@55)
der gebrauch auszerhalb des bereichs der lebenden natur. B@5@aa)
bei sachbegriffen treten die teilvorstellungen deutlicher hervor. B@5@a@aα)
bei sack- oder beutelartigem: '
zusammengefallen, schlaff, leer': ja, wenn man das prediget, wer wil ins kloster tzihen ader geben? solt wol der beuttel welck, die kuchen schmal und gering werden Luther 10, 3, 127
W.; auff das du nicht mit solchem ladn (
vor gericht) dir mögst zum allermeisten schadn und uberkommen deinen lohn, ein welcken beutel, spott und hon B. Ringwaldt
die lautter wahrheit (1597) 116; und tat aus der flaschen einen zug, welche er aber etwas welcker und zusammen geschrumpffener befunde als sie die vorige nacht gewesen Bastel von der Sohle
Junker Harnisch (1648) 93; er habe eine ochsenblase ... erstlich leer, hernach aufgeblasen, gewogen, da sie denn ledig oder welk vier scrupel und vier gran gehabt Erasmus Francisci
luftkreis (1688) 377; weswegen es (
mastixgummi) innerlich den welcken magen stärcket und dessen tonum durch seine zusammenziehende kraft befestigt Hohberg
georg. cur. 3 (1715) 1, 522
b; das bild eines sackes, der auf wunderbare weise das wasser hält, beim auslaufen desselben aber welk zusammen sinkt L. Laistner
nebelsagen (1879) 51; ob es gleich nicht so leicht ist, als mans wohl glaubt, eine welke (
lank) reitmütze mit einem schicklichen anstande abzunehmen Bode
Tristram Schandi 8, 52; '
zerknittert': die breitgeschnittene weste, in welcher ein welkes vorhemdchen schlotterte A. Pichler
allerlei geschichten aus Tirol 1, 114.
ähnlich: ich nehm ihn (
den brief) vor, er wiegt leicht, ist welk und recht zum wisch geworden seither R.
M. Rilke
br. von 1914
bis 1921 (1937) 18. B@5@a@bβ)
vom licht- oder farbeindruck '
bleich, matt, blind': frisch ists und kühl. ein schütteln, wie vor frost in allen bäumen. und der sonne licht so welk, so matt! Hebbel
werke 1, 87
Werner; und viele greise waren plötzlich veteranen und trugen federhüte und litzen aus welkem gold A. Wildgans
österr. ged. (1914) 28; umrahmt von oliven und welkem gestein erschienen die frisch gebrochenen flecken (
der marmorbrüche) wie ein groszes blasses gesicht unter alterndem haar R.
M. Rilke
ges. w. (1927) 4, 134; alles dies ist herbstgesang. stimme, die in euch erklungen, heischt nicht gift noch welken glanz Stefan George
stern des bundes (1922) 81. B@5@bb)
bei abstracten. hier ergeben sich oft selbständige bedeutungen. '
ohne die ursprüngliche frische, verblaszt': (
übertragungen von Petrarkas sonetten sind) nichts als welke traurige erinnerungen dessen, was sie bei ihm sind Herder 18, 376
S.; die jugendlichen küsse fliehn bei welkem reiz vorbei und suchen frische wangen Uz
s. w. 99
lit.-denkm.; wie die welken reize einer vormaligen schönen fürst Pückler
briefw. 3, 426; '
schal': je mehr die andern vergnügungen, die vom leibe herrühren, für mich welk werden Schleiermacher
Platon 6, 75; da mir das leben in meinem jetzigen gefängnisse schon halb welk geworden J. Kerner
bilderbuch (1849) 381. '
ohne leben und kraft'; '
ohne wert und wirkung',
im einzelnen sehr verschieden: ihre lobsprüche sind durch den anstrich des compliments welk geworden Kretschmann
s. w. 5, 135; tugend ist in ihrem sinn zerbrochen und welk, bosheit hat sitz und wohnung Jac. Grimm
Reinhart fuchs, vorr. (1834) CCI; wenn ich zu sagen hätte, müszten die gerichte im walde sein ..., in ihren dumpfen, staubigen stuben da ists (
das recht) krank und stumpf geworden und ists welk geworden, sodasz sies kneten können wie sie wollen O. Ludwig 3, 89
Er. Schmidt. neben trocken, dürr: über der lectüre finden wir alles so welk, die färbung so trocken, die lehrhaften erörterungen ... so dürr Gervinus
gesch. d. deutschen dichtung 5 (1853) 537;
ähnlich: wie Boileau seine welken verse vorher in prosa aufsetzte Jean Paul 7—10, 615.
ganz üblich von seelischen kräften und vorgängen als '
kraftlos, matt'
; im bild: o du edle liebe, die du gleich einem siedendem topfe immer seudest und nimmer welck wirst Ph. Nicolai
teutsche schr. (1617) 1, 2, 51
b.
sonst: der auszerwöhlten seel wirdt jetzt welck und krafftlosz J. Meichel
kreutzschuel (1630) 45; lassen sie die edle geistesspannung nicht sinken, noch durch die ärmlichen umstände von auszen welk oder matt werden Knebel
an Herder, s. von und an Herder 3, 32
D.; der väter ernst ist ihm ein scherz, sein arm entnervt, und welk sein herz Kretschmann
s. w. 1, 81; ihr herz kommt mir ein bischen matt und welk vor Bauernfeld
ges. schr. 4, 9; meine gefühle waren bleich und welk Görres
ges. br. 1, 34. welk machen '
weich, kraftlos machen': romane, weinerliche schauspiele, schale sittenvorschriften, die mit ... sogenannten edlen gesinnungen tändeln, in der that aber das herz welk und für die strenge vorschrift der pflicht unempfindlich ... machen Kant
w. 7 (1839) 126; das glück der schwarzweiszen ritter (
des deutschen ordens) hatte die zucht welk gemacht für das unglück W. Schäfer 13
bücher (1925) 179.