welken,
verb. ,
welk werden, marcere, marcescere. ahd. welken, welchen
gll. 2, 747, 59;
überwiegend gebraucht die ältere sprache das compositum ahd. ar- (ir-) welken,
mhd. erwelken,
s. Graff 1, 847;
mhd. wb. 3, 563.
neuere sprache zieht verwelken
dem simplex vor. welken
ist vom continent ins englische (
s. Murray 10, 2, 277)
gedrungen. über das verhältnis zu swelken
und die geographische verbreitung beider s. o. welk.
bedeutungsmäszig schlieszt sich welken
nur an welk B '
marcidus'
an, die bedeutungen '
feucht', '
lauwarm'
oder '
weich'
haben beim verbum keine entsprechung. AA.
intransitiv. A@11)
das vorkommen in den glossaren und wörterbüchern. flacceo vel marcesco welchon (10.
jh.)
ahd. gl. 3, 376, 66;
marceo welchun, welche (12.
jh.)
ebda 3, 247, 53;
die frühnhd. glossare kennen nur das adj. welk
und geben marcere mit welk werden,
nie mit welken, verwelken
wieder. erst mit beginn des 17.
jhs. setzen die lexikalischen zeugnisse ein, doch bleibt welken
gegenüber verwelken
die seltener bezeugte form: welcken, verwelcken
marcere, marcescere, elanguere, elanguescere Kilian
etymologicum (1605) 662,
s. auch Verwijs-Verdam 9, 2117
und 9, 320; welcken, welck werden
flestrir, marcire Hulsius-Ravellus (1616) 404
b; welcken, dürr werden
se flestrir, flaccescere, marcescere Widerhold (1669) 414
b; welken, gewelket, wälchen, gewälchet
marcere, flaccere, languere, languescere, senescere, frigere, torpere, arere Stieler
stammbaum (1691) 2492; welcken, welken, wälchen, schwelchen
seccarsi, innaridire, flaccidire, languire, languidire, inlanguidire, fiacchire, passire, appassire, ammoscire, vizzire, auvizzare, auvizzarsi, it. (
in sens. att.)
seccare, auvizzare, passare Kramer
dict. 2 (1702) 1313
b.
auch in den mundartenwbb. ist welken
nur selten verzeichnet: welken Martin
Waldeck 283; welleken, welken Damköhler
Nordharz 225; welken Bauer-Collitz 113
a; welkhe Fischer
samländ. 159; wielejen
Luxemb. ma. (1906) 483; afo z'wälche Seiler
Basler ma. 308; welchan, gewelcht Bacher
Lusern 225. A@22)
von der lebenden pflanze '
nicht mehr grünen oder blühen'.
der vorgang prägt sich äuszerlich darin aus, dasz die blätter schlaff herabhängen und die pflanze die frische farbe verliert. in den belegen tritt bald die eine, bald die andere seite hervor, vgl. flacceo, flaccesco wälck werden wie die blumen, wenn si sich anfahend hencken oder luck und lampächtig sein Frisius
dict. (1556) 567
a. A@2@aa)
der früheste beleg steht in einem vergleich bei Otfrid: so thu io in thia redinathar langor sizis obana: so thir ther abaho githankwelket mer ana wank ('
je länger du in diesem sinne darüber (
über dem gras, es niederdrückend)
sitzest, desto mehr verwelkt dir ohne zweifel der sündige gedanke') Otfrid III 7, 82;
vorher v. 67
steht jedoch irwelken; di lilie welket unnd riffet van deme das man si begriffet Joh. Rothe
lob der keuschheit 2421
N.; so thüngt die feuchte von der erden desz brunnen umbstehendes grasz, das es alweg frisch und grün wasz. ein gantzes jar immer für sich welcket es nit Wickram 7, 149
Bolte; wann ... warm wetter ist, ... die bletter zu sehr welcken wollen Aitinger
jagdbuch (1681) 237; es welcket alles auf dem felde für hitze
tutto si secca, inlanguidisce etc. Kramer
teutsch-ital. dict. 2 (1702) 1313
c; sie (
die blätter) hielten blosz darüm, dieweil die reih sie etwas später traff, sich fast vom welcken frei Brockes
ird. vergnügen (1721) 4, 362; bisz es (
das laub) der nordwind welckend macht Henrici
ernsth. ged. (1727) 2, 26; die blume hängt ihr schweres haupt ... als spräche sie dem lüftchen: ... nah ist meines welkens zeit, nahe der hauch, zu entblättern mich Herder 16, 328
S.; dieszmal streust du, o herbst, nur leichte welkende blätter; gib mir ein andermal schwellende früchte dafür Göthe I 1, 357
W.; ich wollt es brechen, da sagt es fein: soll ich zum welken gebrochen sein? I 1, 25
W.; die bäume blühn ihm schwarz, die blätter sind verblichen, und alles welket um ihn her Fr.
M. Lenz
gedichte 88
W.; regen, komm herab! unsre saaten stehn und trauern, und die blumen welken
M. Claudius
Asmus 1 (1775) 38; da ist maaslieb — ich wollte euch ein paar veilchen geben, aber sie welkten alle, da mein vater starb
Shakespeare 3, 305; so grosze berghöhen, dasz dort ... der reif und frost ... das laub der waldbäume so welken macht Ritter
erdk. 6, 487; keimen, wachsen, blühen, samen tragen und welken, das sind die ... entwicklungsstufen, welche die pflanzen zu durchlaufen haben Stöckhardt
chem. feldpred. 1 (1851) 16; in meinen gedanken verglich ich sie mit einer welkenden lilie Steub
drei sommer in Tirol 1, 203; blüht morgen dir ein röslein auf, es welkt wohl noch die nacht darauf das wisse! ja wisse! Feuchtersleben
s. w. 1 (1851) 5
Fr. Hebbel; prahlst du gleich mit deinen wangen, die wie milch und purpur prangen, sieh, die rosen welken all Hauff
s. w. 1 (1890) 41; schon welkte das frischgemähete wiesengras in der mittagssonne G. Freytag
w. 4, 13; zwischen den binsen (
stiegen) wölkchen auf, die ... einen kleinen geruch von sumpf hinterlieszen, von welkendem, gestorbnem Kahlenberg
Eva Sehring (1901) 24;
vom kranz oder blumenstrausz: abends betrachtet ich mir die welkenden (
kränze), sasz noch und weinte, bis in der dunkelen nacht farbe nach farbe verlosch Göthe I 1, 279
W.; aber ach, der blumenstrausz welkt S. Gessner
w. (1778) 2, 46; das grab seines vaters ..., auf dem die trauerkränze langsam welkten W. Weigand
die Löffelstelze (1919) 102.
selten von der grünen fläche: als sie den boden betraten, welkten wiesen, und saaten verdarben, und wolken weinten blut Kretschmann
s. w. 1 (1784) 266;
allgemein: nebeneinander stehen, vereint grünen oder welken, alles das gehört zum walde Cl. Brentano
Godwi (1801) 2, 27; das gesetz des blühens selbst ist es, was zum welken führt Fr. A. Lange
materialismus (1866) 21.
im weitergehenden sinne von '
verwelken, vergehen': alle wesen, die wir auf der erde sehen, verdünsten, verwittern, welken oder sterben dahin, um anderen platz zu machen
F. Th. v. Schubert
verm. schr. 1 (1823) 6.
charakterisierend neben zeitlichen begriffen: die trauerfeste gehören der zeit des welkenden, die freudenfeste der des grünenden und sich neu eröffnenden jahres E. Gerhard
akad. abhandl. 2, 148; der welkende herbst Gutzkow
ritter vom geist 5, 445. A@2@bb) dorren, verdorren
bezeichnen den fortgeschrittenen grad des vertrocknens, werden jedoch nicht immer geschieden: im sommer, so alle kreuter der hitz halben dörren und welcken Bock
kreutterbuch (1539) 5
b;
dagegen: welchs (
gras), wenn es früh geblühet kaum, so lieblich, frisch und nasz, zu abend wird von seinem ort gehawen ab, welckt und verdorrt J. H. Schein
bei Fischer-Tümpel
kirchenl. 1, 415; mehrere bäume standen schon verdorrt, andere welkten Göthe I 27, 332
W.; welken
bezieht sich hier, wie im folgenden, auf das grün der blätter, s. o. welk B 2 d: wenn der baum zu welken anfängt, tragen nicht alle seine blätter die farbe des morgenroths? Hölderlin 2, 265
v. H. A@33)
von früchten '
zusammenfallen, schrumpfen',
in dieser anwendung weit seltener als welk,
s. o. sp. 1378,
doch vgl. unten auch den transitiven gebrauch unter B 2: ettlich sehent sie (
die weintrauben) zeitig sein, wan sie wälcken oder geruntzelt werden
quidam autem ex quo incipiunt passae fieri maturas concinunt uuas. Petrus de Crescentiis vom ackerbaw (1518) 45
b; wann aber besagte frucht (
der kokospalme) welket, so wird die rinde schwarz Neumark
palmbaum (1668) 58; man kann von schlechtem gewächs einen besseren wein erhalten, wenn man zur zeit der weinlese die reifen trauben einknickt und sie bis zum anfangenden welken an den stöcken hängen läszt Karmarsch-Heeren (1844) 3, 601. A@44)
vom menschlichen körper. A@4@aa)
von der äuszeren erscheinung, besonders den gliedern. schon ahd.: uuelhenten
marcescentibus (11.
jh.)
ahd. gl. 2, 747, 59 (
mox vivescente vultu marcescentibus oculis ... erigitur, d. i. der vom tode erweckte). A@4@a@aα) '
schlaff werden, kraft und spannung verlieren, schrumpfen': wenn aber ... das fleisch schlappet und welcket, so kanstu dir die rechnung leicht machen J. Agricola
chirurgia (1643) 315; (
da) sank sie auf der stelle wieder in ohnmacht, und arme und beine welkten, ihr antlitz entfärbte sich Heinse
s. w. 4, 81
Sch.; (
sie) nimmt ihn (
ihren jüngsten) an ihre welkenden brüste Ad. Meschendörfer
die stadt im osten (1933) 126; '
einfallen, schrumpfen': in harten edelstein liegt sein leichnam schön erstarrt, welkt nicht Herder 25, 207
S.; '
verdorren, absterben': kürzer gerät er (
der schwanz des teufels), je um ein dritteil, bis dasz er welket Mörike 1, 86
G.; dem welke die rechte für immer, der die schweigende harfe berührt Leuthold
ged. (1894) 372. A@4@a@bβ) '
fahl werden, bleichen': fort mit dir! sind marklos meine gebeine, gewelkt mein haar maler Müller
w. (1811) 2, 159; seine locken sind noch braun, sie welken nicht Mörike 3, 100
G.; so auch wohl: mir erlahmen hand und griff, welken haupt und wimper Bürger 50
B.; ganz üblich vom antlitz: Arist sah ihre bleichen wangen welken Wieland I 1, 374
akad.-ausg.; das ist ein jammervoller anblick, dasz du so gewelkt bist im angesicht, das vorher licht wie die sonne schien Uhland
schr. 4, 265.
gern steht das part. präs. als beiwort: welche anmut auch aus den welkenden lippen? welche wollust im verlöschenden blik Schiller 3, 76
G.; (
wenn) ihr mattes auge mit blicken der kindlichen liebe an den himmel geheftet war, so sah ich den gedanken der nahen seeligkeit mit den feinsten zügen über ihr welkendes gesicht verbreitet S. v. Laroche
frauenzimmerbriefe (1775),
s. Iris 4, 23. A@4@bb)
vom gesamtzustand des menschen. A@4@b@aα) '
verblühen, alt werden',
also vom natürlichen, biologischen vorgang. dieser gebrauch wird meist als übertragung von der verblühenden pflanze verstanden, vgl.: im grunde ists ja doch nur eine pflanzenexistenz, die unsereins durchlebt, man blüht, reift, und eh man sichs versieht, fangt man zu welken an Meisl
theatr. quodlibet 2, 112; (
liesze) einer eine vollblühende jungfrau ... in ewiger kinderloser jungferschaft dahin welken ..., würde man einen solchen menschen nicht für wahnwitzig halten? Wieland
Lukian 1 (1788) 70; stehst du nicht blühend da in jugendkraft, welkt jene (
Maria) nicht mit jedem tag zum grabe? Schiller 12, 459
G.; dasz eure tochter nonne würde, wär schade um sie selbst — sie ist zu schön, um ungebraucht zu welken Grabbe 2, 95
Bl.; in seinem gesicht war damals kein zug, der auf leiden oder welken deutete Carossa
verwandlungen einer jugend (1928) 219.
das particip. präs. als beiwort: die welkende matrone grafen zu Stollberg
ges. w. 3, 25; und als nun das alter silberweisz die locken gefärbt dem welkenden greis Fr. Kind
ged. 3, 65;
von einer gemeinschaft: in trostlos langer säumnisz welkend schwand schon dahin Hellas blühnde jugend Droysen
Äschylus (1841) 48; geduld! es kommt der tag, da wird gespannt ein einig zelt ob allem deutschen land. geduld! was langsam reift, das altert spat! wann andre welken, werden wir ein staat C.
F. Meyer
Huttens letzte tage (1904) 87; A@4@b@bβ)
siechen, dahinsiechen unter not und entbehrung: in seinem schweren beruf ... begann seine jugendkraft rasch zu verfallen und er begann zu welken Rosegger
schr. I 6, 286; schon in meine frühen mädchenträume kreischte rädersurren, schrill und laut, wände staub- und lärmerfüllter räume haben meinem welken zugeschaut K. Bröger
die singende stadt (1914) 11; er kannte die haushalte ringsum. überall welkten die weiber in jungen jahren unter ihrer last Kolbenheyer
Paracelsus 1 (1918) 167.
mehr seelisch, von gram und kummer: aber im gram ist ihr die seele gewelkt Hölderlin
ges. dichtung 1, 222
L.; der im harm welkt und thränen viel vergieszet Lenau
ged. 1 (1857) 204; er welkt dahin ..., der kummer friszt an ihm W. Vesper
das harte geschlecht 151. welkend
als beiwort: (
sie) verhehlt ihrer tochter die qualen, die immer an ihrem welkenden leben nagten S. Gessner
schr. (1777) 1, 146; als sie damals mein totes kind forttrugen, dem ich so gerne gefolgt wäre, sah ich trotz meiner mädchenhaften jugend vor mir nur ein einsames, langsam welkendes leben P. Ilg
die brüder Moor (1912) 190. A@55)
der bildliche und übertragene gebrauch. er hält sich in den grenzen von verwelken,
s. daher auch die belege unter verwelken. A@5@aa)
im ausgeführten vergleich: sonderlich ists also umb schöne gestalt des menschen ..., denn die welckt wie ein rosen
theatrum diabolorum (1569) 441
a; ich fühle, dasz ich sterblich bin! mein leben welkt wie gras dahin, wie ein verschmachtend laub Uz
werke 181
lit.-denkm.; der ganze lebenslauf eines menschen ist verwandlung ... blüten fallen ab und welken, andre sprieszen hervor und knospen Herder 13, 254
S.; die königin stehet sinnend an der seite hier, die mädchen welken gleich gemähtem wiesengras Göthe I 15, 196 (
Faust II, 8948)
W.; sie blickt zum kinde hinab ..., eine welkende blüthe abgefallen von der mütterlichen brust A. W. Schlegel
s. w. 9, 39; weit entfernt, dasz sie (
Mozarts schöpferkraft) wie eine durch kunst rasch getriebene pflanze ... aufschieszt und bald welkt, ... sehen wir sie stetig erblühen O. Jahn
Mozart (1856) 1, 190. A@5@bb)
metaphorisch, auch hier wie im voraufgehenden vornehmlich in anwendung auf den menschen: denn die blüthe deines lebens welket leider und verblüt Triller
poet. betracht. (1750) 2, 310; o seht die mutter kläglich thun: es soll die jüngste rose nun an ihrem busen welken Schubart
s. ged. (1825) 1, 216; muszt du welken in der liebe mädchenblume, süsze rose? Tieck
schriften 1, 275; wenn im menschen die blüthe welkt W. v. Humboldt
ges. schr. 1, 109; wie manches laub mag noch an unserm inneren menschen ausgrünen, schatten, rauschen und werthlos welken, bis wieder 14 jahre vorüber sind Bismarck
briefe an seine braut 298;
und sonst: die schew wer ein welckend plum H. Sachs
w. 7, 400
K.; nie welkt die rose der anmuth Herder 26, 59
S.; die kränze der freude welkten schnell Gutzkow
ges. w. 5, 107.
sehr üblich ist die gegenüberstellung von blühen
und welken: wenn der auffhört zu blühen, so welcket die weiszheit und vernunfft Lehman
flor. pol. (1662) 902; so blühen die freuden, so welcken die schmertzen B. Neukirch
anfangsgründe (1724) 51; nach seinem ... rathe grünt und welkt ... glück und unglück in der welt Stoppe
Parnass (1735) 472; zeit und vergleichung können vieles thun, dasz alte liebe welkt und neue blüht Göthe I 9, 174
W.; das hat er mir all gethan, würklich, mich ausgesogen auf den letzten blutstropfen, dasz ich welken muszte, eben da ich anfing zu blühen und mich aufzurichten Klinger
Otto 9
lit.-denkm. in gegenüberstellung mit blüte: die mittelalterliche blüthe unsrer städte fing an zu welken von dem augenblick, wo die patricischen geschlechter dem andringen der zünfte unterlagen Bismarck
polit. reden 1, 146
K. alleinstehend, doch von der gegensätzlichen vorstellung bestimmt: da welkte die niederländische kunst G. Fortster
s. schr. 3, 178; seine (
Wallensteins) armeen schwollen an, indem alle länder welkten, durch die sie zogen Schiller 8, 127
G. A@5@cc)
freiere anwendungen. '
schlaff, matt, kraftlos werden': allgegenwärtge liebe! ... hast mir gegossen ins frühwelkende herz doppeltes leben, freude zu leben und muth Göthe I 4, 193
W.; dir sind die kräfte gewelkt und es drückt dich die bürde des alters W. Jordan
Ilias 158 (
ges. 8,
v. 103); und vom munde des mädchens den hauch, wie frühlingsatem herzerfrischend, empfing er (
der greis) in die welkende brust Mörike 1, 204
G. von seelischen empfindungen, vorgängen: wenn gleich das herz mir bricht, sie (
die liebe) welket nicht Böhme
volksthüml. lieder 333; unbefriedigte lust welkt nie in dem busen des mannes! Göthe I 50, 278
W.; meine miszlichen lebensverhältnisse (
haben) die frische meiner gefühle zum welken gebracht
jb. d. Grillparzergesellschaft 6, 21; (
der wollust) freuden bald welken Schopenhauer
werke 1, 317
Gr. '
bleich, fahl werden',
von licht und farbe, s. o. welk
sp. 1383: süszer duftet die flur und kühler hauchet der abend, nur ein welkendes roth weilt am azurenen west grafen zu Stollberg
ges. w. 1, 14; kommst du wieder zu mir, ... wann die sterne flimmern und das abendroth welkt? maler Müller
w. 1 (1811) 107; langsam auf brachfeld und moor welkt der tag Liliencron
adjutantenritte (1896) 54; es war eine pracht in des sonnenuntergangs farben; die blutende röte, das güldene gelbe und das welkende gold lagen in langen ruhigen streifen
Jacobsen ges. w. 1 (1899) 193
H.; von hier aus dann: erdenglanz welkt zur vergessenheit Körner
w. 111
H. '
die wirkung verlieren': eine von jenen glücklichen physiognomien, deren reize ... wenn sie zu welken beginnen Pfeffel
pros. vers. (1810) 5, 127; wo sich der trieb zur natur zeitig regt, da welken auch früher die reize O. Peschel
völkerkunde (1874) 228.
allgemein '
vergehen, verwelken': und lernt sie nicht verstehn, wie schnell die zeit verfliegt? wie schnell die schönheit welkt ...? Uz
s. poet. w. 294
lit.-denkm. freie verwendungen neben concreten sind kaum bezeugt: lehrampt und andere ordnung mehr geht nit in vollem schwange. all unser narung welcket sehr, uns ist von hertzen bange B. Ringwaldt
handbüchlin (1586) C 4
b; auf dasz mit der zeit dein kassa unter so vielen ausgaben nicht anhebe zu welcken Schupp
schr. (1663) 718.
vgl. oben welker beutel
unter welk B 5 a. BB.
transitiv nur als einmalige glosse zur physica der hl. Hildegard erscheint debilitat welhet (
pulmonem);
debilitatae (
et tepidae venae) virwolket Diefenbach
nov. gloss. 126
b.
dagegen ist trans. welken
in der bedeutung '
welk, trocken machen'
seit dem 16.
jh. bezeugt. B@11)
als natürlicher vorgang '
zum welken bringen': so ein heisz jahr kompt und die sonn (
wird) so heisz, dasz sie anzündt oder welcket die bäumen oder ausdorret die gewächs Paracelsus
opera 1, 377
B H; auf ihrem grab blaublümchen blühn, der reif sie nicht welket, nicht dörret Mittler
deutsche volkslieder (1865) 646; in deinen adern zehrt ein schleichend gift des lebens quellen auf; ein frühes alter welkt deine wangen Wieland 26 (1796) 173
G.; freundschaft und liebe ... setzt ... himmelskronen uns auf, welche kein schicksal welkt Hölty
ged. (1869) 94
H.; denn ein gleiches loos ist der blume und schönheit gefallen, die neidhardin zeit welket beide zugleich E.
M. Arndt
werke 6, 100
R.-M.; doch wann sommernde sonne die blüten gewelkt Rückert
ges. ged. 6 (1838) 304; noch ist (
in Rom) der schreckliche sommerstaub nicht da, den welkenden Sirocco hat man noch nicht gespürt W. Schäfer
erz. schr. (1918) 3, 189. B@22) '
dörren'
von obst und früchten; vgl.: obst welken
torrere poma; gewelkte kirschen
cerasa tosta, ritorrida, arida et siccata Stieler
stammbaum 2492; obst, rüben, kräuter, tabackblätter ... welcken, abwelcken lassen
seccare frutti, rape, herbe, foglie di tabacca Kramer
dict. 2 (1702) 1313
c; gewelckte rüben, gewelckte kirschen, gewelckt obst
rape, cirieggie secche, frutti seccati, secchi ebda: sie haben allezeit viel gewelckter weinbeer im vorrath in ihren sacristeien
Franciscus Alvares Ethiopien (1573) 415; auch ist bei uns rübenbrod, nemlich aus rüben, so zuvor gewelckt, darnach gekocht ... gut befunden worden Hohberg
georgica 3 (1715) 1, 141; es währt ... lang, ein obst, wenn man es welckt und dörrt J. H. Seume
kleine lex. (1733) 275; einige andere personen, welche sich nächstens beschäftigen, birnen zu welken, haben versprochen, die ausgeschnittenen putzen einzuliefern Göthe IV 33, 251
W.; ich besah kästen, säcke, schachteln, büchsen, gläser mit einem schnellen zweifelnden blicke, was ich wählen und nehmen sollte, griff endlich nach den vielgeliebten gewelkten pflaumen, versah mich mit einigen getrockneten äpfeln I 21, 22; (
eine) sorte äpfel, welche gut zum welken zu gebrauchen sind, zellischer kernapfel Campe 2, 917.
hierhin auch: der bischof hatte noch vier eselsfüsze (
als reliquie), die waren gewelcket und in seiden eingewickelt W. Bütner
epitome historiarum (1596) 7
a.