splisz,
m. spalt, spalte, abgespaltetes stück. nominalbildung zu spleiszen,
vgl. das.; im hd. seit dem 16.
jahrh. nachweisbar, aber nicht recht üblich geworden, und auf das nord- und nordwestdeutsche gebiet beschränkt. es ist ein alter i-
stamm (
*spliti-),
daher entspricht im mnd. splete Schiller-Lübben 4, 334
a.
ebenso neund. splete,
rima, fissura Richey 282.
brem. wb. 4, 958
f., spleete,
spalte, risz Schütze 4, 172, splete (spläte) Dähnert 449
b,
ostfries. spläät Stürenburg 253
b, splete, spläte, splêt, splt ten Doornkaat Koolman 3, 280
b,
westf. spliət,
m. Woeste 251
a.
mnl. splete,
auch bei Kilian,
holl. spleet
als fem., vgl. Franck 939.
mittelfränk. spless Hönig 149
a. Müller-Weitz 231,
vgl. unten. s. auch Weigand 2, 770
f. 11)
abstract splisz,
m. fenditura, fessura, fissura. v. schleisse, schlaisse. einen splisz machen,
far' una fessura. v. ritz. einen splisz bekommen,
fendersi, sfendersi. Kramer
dict. 2, 875
b; spleisz oder splisz,
fissura. Frisch 2, 304
c,
spalt Campe. — arsspliss
und -spleisse,
fissura inter nates, s. Hyrtl
kunstw. 188. 22)
was durch spleiszen
entstanden ist, abgespaltetes stück u. ähnl. 2@aa)
so nd. '
zerspaltetes stück'. een spleten holt,
holzscheit. brem. wb. 4, 959,
s. splette. 2@bb) splisse, späne, dachspäne,
echalas, sind gespaltene breterchen, so dachziegel länge, 2 bis 2½ zoll breite und strohhalms dicke haben, und bey einem einfachen ziegeldache von bieberschwänzen, unter den ritz, den zween benachbarte bieberschwänze zwischen sich lassen, geleget werden. Eggers 2, 956,
vgl. Jacobsson 4, 231
a (
von den schindeln
zu unterscheiden)
und splette, splitt. 2@cc)
bei den böttchern '
die gespaltenen bandstöcke, so wie sie zu den reifen und bändern verbraucht werden'.
ebenda: 1800 grüne bandstöcke stehen zu verkaufen. splisse von 3—6 fusz länge sind stets vorräthig.
Danziger intelligenzbl. 1870,
nr. 291. (
gespaltene weidenruten zum korbflechten und binden.)
vgl. spleisze 1,
d. 2@dd)
köln. spless '
spleisze, haarpfeil, wie solche von oberländischen mädchen getragen werden'. Hönig 149
a. 2@ee)
westf. spliət
auch abgesplissenes, ableger, daher übertragen en spliət van 'er blage,
ein kleines schwächliches kind. Woeste 251
a. 33)
im ältern nhd. findet sich splisz
auch als bezeichnung eines grundstückes: splisz, ist ein
theil eines bauren oder land-guts, davon das ganze heisset die solstätt,
pars praedii rustici. Jülich. polic. ordnung
p. 56. Frisch 2, 304
c; das rechte sadel- schatz- oder zins-gut das einer besitzt, das ist, die solstett; ein splisz aber ist ein theil davon, der wider wissen des herrn von der besitzer einem durch erb- oder heurat zu theil worden, durch nachläszigkeit der amt-leute. 285
c (
aus derselben quelle).
so schon in einem Kirburger (
Westerw.)
weisth. v. 1537: so wan ein leenman sin lehen verdeilte und verspliess, abe nit iglich spliss dem leenherrn ein hoen geben sull, af was darum recht si? daruf wiset der scheffen dem leenherren zu vor recht, so manig spliss also mannig hoen. Grimm
weisth. 1, 645 (
vgl. Wander 4, 729). lopinant ist ein provinzialwort; und nach einem deutschen ausdruck von gleicher art so viel als splisz oder abgerissenes stück von einem steuerbaren hofe. die sämtlichen splisse machen also ein ganzes aus; und man könnte die in der ganzen welt zerstreuten gecken wohl als splisse der gröszten gesellschaft ansehn. Möser
patr. phant. 2, 376,
anm. b. dafür auch absplisz (
vgl. theil 1, 123): auch vielen andern grundherren wurde befreiung von der gräflichen gewalt gewährt, und diese selbst in ihren grundherrschaften oder absplissen alter grafensprengel verliehen. L. Arndt
jurist. encyclop.4 (1866),
s. 41, § 109. —
in Aachen splesz '
früher auch benennung der unterabtheilungen einiger gaffeln oder zünfte, wie z. b. die pelzer- od. kürschner-gaffel aus 4 splissen
bestand'. Müller-Weitz 231.