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grille

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

grille f.

Bd. 9, Sp. 315
grille, f. , heimchen; laune. II. das thier. I@AA. herkunft und form. I@A@11) nicht zu grëllen 'schreien' gehörig, obgleich früh so empfunden: der stolze grille niht anders gert denne daz er ... lute grelle H. v. Trimberg renner 5574; vielmehr lehnwort aus lat. gryllus (γρύλλος); das wort ist bis ins späte mittelalter beschränkt auf das bair.-ostfränk.; auszerhalb dieses gebietes bleibt ihm lange eine gewisse volksfremdheit anzumerken; ahd. grillo, m., grillus Graff 4, 320 (cod. S. Gall. 9. jh.); grille cicada ib. (cod. Vindob. 12. jh.); W. v. d. Vogelweide und H. v. Trimberg zeigen grill, m., im zusammenhang der äsopischen fabel (s. u.B 1), bei Boner dagegen höustüffel edelstein 63 Pfeiffer; weiter belegt beim Marner (s. u. B 4), bei Muskatblüt (s. u. B 3), bei Hadamar v. Laber 323; seit dem 15. jh. im schwäb. nachzuweisen (mehrfach bei Steinhöwel); seit dem 16. jh. auch dem alem. geläufig, wo man den namen z. th. onomatopoetisch erklärt: cicada ist ein wurm, den etlichen grillen nennen, von seines geschreis wegen, den er rufet und schreiet ohn unterlasz grill, grill Ryff thierb. 311; bis ins hess. hinauf: grill grillus, heymchin Alberus dict. (1540) 195a; bei Kirchhof anscheinend noch erklärungsbedürftig: dass die grillen oder heimen ... in das haupt zu eim ohr ein gekrochen wendunm. 2, 553 Österley; unter der fülle der übersetzungen für grillus in spätmhd. und frühnhd. glossaren tritt grille ganz zurück Diefenbach 270a; cicada heuschreck, gryllen, dreckwybel 639c; grillus grille gemma gemm. (Straszb. 1508) l 6a; erst den alem. lexicis des 16. jh. wird es geläufig: achetae ... etliche sagend muhenheim oder grillen Frisius dict. (1556) 23a; die grillen, muhenheim cicadae Maaler 192c; gryllus heimenmuck, gryll Golius (1585) 326; gryllus ein muheim, hauszheim, feldheim, gryll Calepinus XI ling. (1598) 631a; seit dem 17. jh. dann auch bei nordd. lexicographen: grill, grille, f., cicada, gryllus, locusta Stieler 702; grille, f., gryllus, achata Steinbach 1, 642 f.; der gröszte theil der nordd. mundarten kennt das wort nicht; bei Luther vereinzelt und ganz deutlich als der ma. fremdes wort: also haben die alten poeten und weisen gespielet von den grillen oder heuschrecken ausleg. d. ep. u. evang. von ostern (1544) Xx 6b; bei B. Krüger Clawert 10 neudr. aus hd. quelle (s. u.B 2); noch im 17. jh. bei nordd. autoren selten (s. u.B 1 Warnecke); erst die poetische production, vor allem die liederdichtung des 18. jh. gewinnt dem wort seine heutige allgemeine literarische verbreitung. I@A@22) noch in heutiger ma. in der hauptsache auf bair.-österr. boden, und zwar zumeist als masc.: der grill 'österr.' Popowitsch 163; der grill, grillen neben die grillen Schmeller 1, 994; grill, m., Unger-Khull 307; grille, m., f., Lexer kärntn. 124; grillo, m.; Schmeller cimbr. 126a; gril, f., Bacher Lusern 263; grille meist f., im osten m., Fischer schwäb. 3, 835; demin. grilli, n., feldgrille Staub-Tobler 2, 730; das masc. herrscht bis ins 16. jh. durchaus vor, so stets bei Steinhöwel, H. Sachs; auch im 17. jh. noch: [] das mirs nicht geh gleich wie dem griln (der fabel) Eyering proverb. 2, 8; acc. sg. den gryllen Paracelsus (s. u. B 4); der heissre grill am feuerheerdt Warnecke poet. versuch (1704) 390; noch in neuerer literatur aus dem dialect heraus bei Raimund und Rückert (s. u. B 3); das fem., das sich wie bei heuschrecke, und vielleicht in parallele mit diesem wort, aus dem meistgebrauchten plural entwickelt haben wird, zuerst sicher nachzuweisen im 15. jh.: als eyne grille Musk. 77, 6 (Trierer hs. von 1433); ime ist als der grillen städtechr. 3, 42; von den lexicographen gibt zuerst Stieler deutlich die grill, grille stammb. 702. I@BB. bedeutung. I@B@11) wissenschaftlich bezeichnen grillen oder grabheuschrecken die gryllidae, eine familie der geradflügler Brehm thierl. 9, 586 Pechuel-Lösche; für dialect und literatur kommen wesentlich nur in betracht die hausgrille (heimchen), gryllus domesticus, und die feldgrille, gr. campestris; die hausgrille in älterer sprache vielfach in ungezieferlisten: da erschiene in des d. Fausti gemach ... allerley unzifer, als omeissen ... grillen volksb. v. dr. Faust 49 neudr.; (sind in einem wirthshaus) mäuse und grillen, wantzen und flöhe Hohberg georg. cur. 1, 51; als angelköder, im bilde: dann was ist die welt anderst als .. ein silberner angel mit grillen überködert Abr. a St. Clara mercks Wien (1680) 39; als medicament: nim ein guten theil grillen, zerstosz sie in einem saubern mörser Gäbelkover arzneibuch (1595) 1, 113; im volksglauben: und wenn der heiszre grill am feuerheerdt zirpt und schwirrt, so weisz ich gantz gewisz, dasz ander wetter wird Warnecke poet. versuch (1704) 390; die grillen oder ofen eimichen bringen ein unglück Leyer-Matz lust. corresp. geist (1668) 173; die feldgrille nimmt ihren einzug in die literatur mit der bekannten äsopischen fabel, vgl. H. v. Trimberg renner 5565 ff., daselbst der stolze grille 5572, mîn her grille 5589, im wechsel mit heime; im gedanken an die fabel: owê der wîse, die wir mit den grillen sungen, dô wir uns solten warnen gegen des kalten winters zît W. v. d. Vogelweide 13, 26; von der amais und dem grillen (de formica et cicada) Steinhöwel Äsop 188; die ameis und der grill H. Sachs 6, 78 Keller; sie verbreitet sich ungeheuer im 18. jh., nicht zuletzt durch die idyllische und bucolische dichtung; hervorstechende wendungen: das lied, das eine grille singt J. G. Schmidt rockenphilosophie (1706) 1, 255; auch hier (bei den grabkreuzen) singen dann die grillen; aber es sind nicht die heimchen des häuslichen heerdes Storm (1877) 8, 75; das verbum singen ist altgebräuchlich, vgl.: die Stumpf von Stumpfberg sein desz willen, und hörten sie einen grillen singen von ritterspil, sie legten darauf costung vil Hund bayr. stammenbuch (1585) c 1b; entsprechend: man hörte nichts als den gesang der grillen Fr. H. Jacobi Woldemar (1796) 2, 33; alsbald die sicheln dengle ich, der grille lied ergötzet mich Schubart sämtl. ged. 3, 50; grillen zirpen aus dem moose Miller ged. (1783) 190; wenn ... der klingende ton der grillen durch die feierliche stille schrillte Göthe 21, 33 Weim.; wo ... ungestört im gras die sommergrille zischt Wieland 12, 73 Hempel; die grille und die heuschrecke zwitscherten Gessner werke (1778) 2, 23; lieblicher tönt dein gesang, wie der grille gelispel Overbeck verm. ged. (1794) 181; die frösche singen und die grillen pfeifen Uhland ged. (1852) 203; [] die grillen geigten Th. Mann tod in Venedig (1913) 89; die zirpende, ... hüpfende grille Treuer deutscher Dädalus 1, 527; wie uns die well entschlüpft und wie die grille hüpft, so schwindet freundlich uns die zeit F. L. v. Stolberg 1, 349; neben heimchen: es schweigen grillen und heimen Becker mildheim. liederbuch 43; grillen, heimchen, zittertönig spielen auf von fern und nah Rückert 1, 133; gelegentlich auch für nahestehende thiere gebraucht; für heuschrecken: gleich dem heere schwirrender grillen, die vor sich blühende fluren und hinter sich wüsten sehn Ramler poet. werke (1800) 1, 87; für cicade: (die alten auf dem skäischen thore) redner reich an rath, sie waren den grillen zu gleichen, deren schwacher gesang auf bäumen des haines ertönet (τεττίγεσσιν ἐοικότες Γ 151) grafen Stolberg 11, 97; I@B@22) bildliche wendungen: grillen sticken als bild für das treiben des stubenhockers: wer allzeit hintern ofen sitzt, nur grillen stickt und höltzlin spitzt .. der bleibt ein aff in seiner haut B. Krüger Clawert 10 neudr., offenbar aus hd. quelle, denn dieselben verse bei Henisch 1744; ebenso grillen schieszen: dasz sy (die Schwaben) hinausz ziehen, sich was zu versuchen, da andere nation lust haben, hinder den ofen zu sitzen und grillen schüessen Krafft reisen 402 lit. ver. im 16. jh. öfter: einem eine grille im loch verkleiben grosze dinge gegen jemanden ausrichten: Barack, der Israelit, sey kommen und hab seins volcks mit im genomen ... ich gedenck mir, er wer auf gleuben uns ein grillen im loch verkleiben mit seinem handtvölligen heer H. Sachs 10, 136 Keller; s. auch unter verkleiben 1, th. 12, 657; vgl. nicht deszweniger wöllen sie (die evangelischen ketzer) dargegen grosz grillen mit dem verkleiben, dasz dort steht: dasjenig dasz zum mund eingeht, verunreinigt den menschen nicht Fischart bienenkorb (1588) 218a. einen stechen die grillen, ähnlich wie einen stechen die fliegen, die mücken, namentlich im 16. jh. nicht selten; von verschiedenen gemüthsverfassungen, übermuth, ausgelassenheit (vgl. II B 2), doch auch hitze, zorn (vgl.stechen, th. 10, 2, 1245. 1259): ich mein, es stechen dich die grillen sagt die bäurin zu ihrem sich närrisch gebärdenden manne H. Sachs 14, 175 Keller-Götze; wenn sie heim kommen von dem wein, so sticht sie der narr und die grillen, wln dweiber zwingen umb nichts willen Montanus schwankb. 557 lit. ver.; er ist grimmiger und wilder dan das er mit eyniger wolthat mOeg versOenet und gestillet werden, er ist gar zu schellig, wann in die grillen stechen Fischart 3, 326 Hauffen; im westfäl. sagt man: de re het de grillen ist wüthend (vom tollen hunde) Woeste 85b, möglicherweise eine contamination von grille gryllus mit grille zorn (vgl. 2grell sp. 102 und grillen) Schiller-Lübben 2, 146b. I@B@33) im vergleich: wa sich unreyn eyn mentschen duot, gelichet Muscapluot als vogel und eyn grillen Muskatblüt 78, 75; si (das böse weib) grynet als eyne grille 77, 6; ime ist als der grillen hinter dem offen, er redet so man doch nit gern hört städtechr. 3, 42; wo er (Witzel) troffen ist, da schweigt er still, er nach schreiet unnütz wie ein grill Alberus contrafactur A 1a; [] was nutzen ... mir meine heldenlieder, wenn ich wie grillen nur im winkel singen musz? Neukirch ged. (1744) 264; machens s' eine beschwörung, kitzeln wir ihn (den zauberer) wo heraus bei einem loch, wie einen grillen Raimund 1, 199; im gedanken an die fabel: während er dabei so harmlos wie eine grille lebte Spielhagen probl. nat. 152, 481; ich lebe still vor mich hin und zirpe wie eine grille Freytag 4, 347; nach der schlanken, verhungerten gestalt der hausgrille: eingeschrumpft wie eine grille sasz das fromme mütterlein Chr. v. Stolberg 1, 254; ach du gott, wie ist es möglich, dass der drach, der doch so viel, menschenköpf' in seinem leib hat, klein ist worden wie ein grill Rückert Napoleon 1 (1815), 49; iszt alləwal und seggst dennəst aus wiə də grill am le'zelt.n Schmeller 1, 994; augen wie grillen unschöne, grosze Fischer schwäb. 3, 835. I@B@44) metaphorisch von personen; noch als bild empfunden: doch was halte ich mich mit diesen schwätzern auf? ich will meinen gang gehen und mich unbekümmert lassen, was die grillen am wege schwirren Lessing 10, 191; ähnlich schon früh: wer kan dirre werlte nâch ir willen nû wol sprechen, alde sînen sanc verzern? wes, deswæne ich, des müggen sûsent, schrîent ouch die grillen: wer kann dirre tumben diet ir muot erwern? Marner 89, 20 Strauch; darüber hinaus reines appellativum: grill, m., spottname für kleine magere leute und zwerghafte thiere Unger-Khull 307; grüll, m., magere person Hügel wien. 71; ha! alter grill, bist aus dem loch? (zum alten Rott) Schönherr glaube u. heimat (1910) 78; sei still, du kleiner grill, dort; nehm dich nicht mit Rosegger 14, 119; kleine, sich bemerkbar machende person Fischer schwäb. 3, 835; speciell: mageres, naseweises weibsbild, ib.; grille, f., homunculus, ein geringer mensch Steinbach 1, 642; Laura: ich will nicht, scheuszliches höllengebild! ungeheuer: ho, winzige grille, nur nicht so wild! Raupach dram. werke ernster gattung 13, 40; so enne alte grille! grillige person Müller-Fraureuth 1, 442; im schwäb. nennt die katholische bevölkerung die protestanten grillen Fischer 3, 835 (= 'speculierer, ketzer', vgl. grillen 'ketzerische phantasien' u. II B 3 a); 'narr': der musz ja wohl ein grill seyn, der sich auch solche thorheit wünscht Moscherosch gesichte 1, 155 (vgl. grillen possen II B 2); als versteckwort alter soldatensprache: da kamen bald die grillen gegangen, sie wollten dasselbig mädelein fangen, ... 'ach lieber grill, fang mich nicht eben, ich wil dir hundert stickle geben' (aus einem in Cöln 1608 gedruckten soldatenlied) zs. f. d. wortf. 1, 59 (bedeutung unklar; landsknecht?); zu ärzten, die ihm das kopfweh mit klistier vertreiben wollen, sagt der kranke: sie weren wie meister Grill, dasz sie ihn unten wolten curiren, da er die schmertzen im kopf hett Lehmann florileg. polit. (1662) 1, 59, vielleicht zu erklären aus grill als bezeichnung des vitriols: solchen allen ist das höchst und das best purgieren mit dem vitriol, den man in der gheim und heymligkeit den gryllen geheissen hat Paracelsus opera 1, 1051 Huser. IIII. laune. II@AA. ursprung. die öfter versuchte zurückführung dieser bedeutung auf gril, grille 'zorn' (zu grellen schreien, s. o. sp. 104; vgl. I B 2 schlusz) ist kaum angängig. schon die entwicklung der bedeutung aus einem verbum des sinnes 'schreien' (vgl. Verwijs-Verdam 2, 2140) ist nicht ohne künstlichkeit möglich. man beachte weiter, dasz grille 'laune' denselben weg genommen hat wie grille 'heimchen', von süden nach norden, während die sippe grell- auf nordd. boden reicher entwickelt und [] nach süden vorgedrungen ist (s. o. grell sp. 95). wahrscheinlicher ist anknüpfung an lat. grylli gebilde der groteskmalerei (s. u.B 1). doch wird das wort schon beim auftauchen der neuen bedeutung im 16. jh. vom volksbewusztsein nicht selten mit grille 'heimchen' identificiert (vgl.hummel, motte, mucke, schnake u. a.), und diese gleichsetzung hat seinen gebrauch je länger je entschiedener bestimmt. zu beachten ist, dasz die ausbreitung der jüngeren bedeutung nach norden anscheinend in einem schnelleren tempo vor sich ging als die von grille 'heimchen'. daher denn auf nordd. boden frühzeitig wendungen wie grillen machen (s. u.B 4) fusz faszten, während echte bilder wie grillen fangen, vertreiben selten bleiben, bis im 17. jh. die reception von grille. 'heimchen' im md. gänzlich vollzogen ist. II@BB. bedeutung. II@B@11) die dem lat. grylli unmittelbar entsprechende bedeutung im älteren nhd. nur bei Fischart mehrfach nachzuweisen: von selsamen fantastischen thieren und grillen geschichtklitt. 440 neudr.; malerträum, hlengrillen 18; ja malen selsam grillen dar, wie die welt gar á rebours fahr, wie die leut auf den köpfen gehn d. gelehrten d. verkehrten 331, 10 Kurz, ähnlich flöhhatz 67, 91 neudr.; vgl. grillisch; der nichts als syrische, chaldeische, persische, aethiopische, samaritanische grillen an die tafel mahlen kan Weise die drei ärgsten erznarren 88 neudr.; dass überall ein guter triftiger sinn zum grunde liegt, auch wenn nichts als lauter aegyptische gryllen und chinesische fratzenhäuserchen daraus empor steigen Lessing 13, 191; so zerrüttet auch Dürer mit apokalyptischen bildern, menschen und grillen zugleich, unser gesundes gehirn Göthe 1, 318 Weim.; vgl. (zeichnete er) einen ordentlichen baum, ein haus .. nach einem braven original, so hätt' ich nichts dagegen, aber da sind es nur immer seine eigenen grillen, hexenhafte karikaturen und was weisz ich Mörike 3, 193; auf plastische gebilde angewendet: opfern bald hände, bald füsze, bald kopf, bald ochsen, bald schaf und dergleichen grillen mehr, alle von wachs gemacht J. A. v. Brand reisen 157; dann schlenderten sie in dem garten von büste zu büste, von grille zu grille, von statue zu statue Siegfr. v. Lindenberg 2, 309; vgl. grillenwerk. II@B@22) närrisches gebahren, faxen, possen, dann auch abstracter: närrische, lustige einfälle (auch im mnl. reich entwickelt Verwijs-Verdam 2, 2140): grille possenreiszung, gestus, gesticulatio Henisch 1743; grillen treiben, possen treiben gesticulari, gestire 1744; grillen gesticulationes et gestus ridiculi Stieler 702; im 16. jh. sehr häufig, im 17. allmählich erlöschend; nur im plur. gebräuchlich: so findt ich meinen man da sitzen in einem korb hie auf der dillen, treibt so seltzam egel und grillen H. Sachs 14, 176 Keller-Götze; ebenso 9, 392, 19; auch wo eim etwas wurd gestoln, dem sag ich war gar unverholn und lass in sehen in die brillen und reiss in seltzam zottn und grillen 17, 130; ähnlich 1, 411, 32; grillen und zotten reissen Seb. Franck chron. 3, 484; ich ... reiss bossen, grillen und brillen Frischlin com. 46; grillen und pfrillen seynd alle lust und gust der welt gegen dem, was Paulus schon gekost Abr. a St. Clara mercks Wien 32; (der gesell) reisz viel schnacken und grillen, das ein jederman zu lachen hatte Hertzog schiltwache J 1r; das wir ... sind ... ... vollen narry und grillen Manuel weinspiel 4100 neudr.; (die freien knaben) mehr lust .. haben zuo guoten grillen, visierlichen schwäncken Lindener katzipori 61 lit. ver.; (der ich) viel tausend fantastischer fantaseien, grillen, schnaken und bossen gesehen Messerschmidt esels adel, vorr. 1b; [] das ist ein alte lumperey, possen, grillen, esels gschrey Spangenberg-Fröreisen griech. dr. 2, 213 lit. ver.; wenn einer nicht .. lustige schwencke, und visirliche tauben und grillen zu marckte bringen ... kan Prätorius philosophia salustiana h 9a; von närrischen anschlägen: der grillen steckt er voll Gryphius ged. (1698) 1, 693. II@B@33) hauptbedeutung: seltsame, wunderliche einfälle. auch hier tritt in älterer zeit, bis ins 17. jh., gelegentlich concreterer gebrauch auf: seltsame geschichten: Merkurium, von welchem die alte poeten viele wunderseltzame grillen haben gedichtet Rist friedewünsch. Teutschland (1648) 45; wie denn in Rom etliche curiosi gantze bücher von dergleichen .. spitzfündigen reden und satyrischen grillen vollgeschrieben besitzen sollen Prätorius anthropodemus pluton. (1666) 2, 220; auch im sing.: die schöne grill ward im concilio zu Nicen von mönch Stephano ausz dem buch Sophronij gelesen (von einer legende) Fischart bienenk. (1588) 156b; davon in folgender grille das seinige zu verstehen ist, welche aber, ich weisz nicht von was für einem authore, aufgesetzet ist also Prätorius saturnalia (1663) 52; in der regel aber ganz abstract: er hat vil hummeln, mucken, tauben, meusz oder grillen im kopff Seb. Franck sprichw. (1541) 2, 40a; seltzame ... köpf in der welt stecken voller seltzamer ... gedancken, humorn, hummeln, grillen, mucken und tauben Aeg. Albertinus hirnschleifer (1664) 60; darin sie alle lehr und satzungen irer rabinen, alle ire träum und gesichten und alle ire grundlose tieffe speculationen und wunderfremde grillen ... zusammen getragen ... haben Fischart bienenk. (1588) 55a; ich seltzame und wunderliche grillen und anschläg unterwegs hatte Grimmelshausen Simpl. 4, 528 Keller; meist ist der begriff durch verschiedene accentuierung schärfer bestimmt: II@B@3@aa) das phantastische, unwirkliche wird stärker betont: hirngespinst, einbildung, erfindung, täuschung; oft, aber nicht nothwendig, mit dem nebenbegriff des schrulligen; in älterer sprache gern religiös gewendet: dass noch ein jeder phantast seine närrische einfäll und thorechte grillen mit h. schrift behaupten will Grimmelshausen vogelnest 2, 388 Keller; hinweg mit allen fleischlichen, irrdischen, mahometischen grillen und einbildungen Dannhauer catechismus milch 5, 1280; und was die andern grillen sein, dadurch man gott entweder per directum oder per indirectum zu der sünden ursache machen will Weise d. drei ärgsten erznarren 140 neudr.; doch von je auch auszerhalb dieses feldes: Democritus spricht, es sey die seele ein geist, auss denen ... stäublein zusamen gesetzt. und was dergleichen wunderbarlichen grillen seyn Spangenberg ganskönig 5 Martin; so wird die antwort fallen: dasz Jesaias nicht den igel, sondern die amsel verstanden haben wolle, und fallen dahero alle unzeitige grillen auf einmal hinweg Göchhausen notab. venat. (1741) 69; mich in den ruf zu bringen, dasz ich ... ein kleiner phantast sey, der in nichts als in seine eigenen grillen verliebt wäre Schreyvogel 1, 104; auch im sing.: da man .. zu diesen zeiten eine alte grill oder traum wieder im schwange bringet Prätorius catastr. muhamm. S s 2a; oder glauben sie etwan auch an die grille, dass der rang einen einfluss aufs herz hat und kein fürst der freundschaft fähig seyn kann Kretschmann 3, 133; man musz also diese erzählung für eine blosze grille von gewissen lustigen ... reisenden ansehen Forster 2, 101; häufig in wendungen wie: wer mit den wissenschaften ein wenig bekannt geworden, der weis, dasz es mit dieser eingebildeten ordnung eine grille ist Lessing 8, 23; das ganze goldene weltalter, in welches die Schweizer die alten schäfer sezzen, ist also eine schöne grille Herder 1, 345; aber was wil man mit den ratzen machen, so nach dem Martiale im schlaf fett werden? ich halte es für eine poetische grille Prätorius winterflucht (1678) 289; es giebt andere, welche die verschönerung der natur für eine grille halten Lessing [] 10, 81; auch ohne artikel: denn glaube ohne empfindung ist grille Heinse 4, 330; philosophie ohne geschichte sind grillen und wortkram Hamann 6, 223 Roth; ich halte es jetzt für grille, dass dann, wenn nur ein musenalm. wäre, der desto willkommener seyn müsste Bürger br. 2, nr. 432 Strodtmann. II@B@3@bb) das unbegründete, willkürliche, launische wird stärker betont: marotte, schrulle, bizarrer einfall; bisweilen mit dem nebenbegriff des eigensinnigen oder mehr durativ: fixe idee. II@B@3@b@aα) müsste man ... den gerichtsstyl den neuerungen und grillen jedes modischen witzlings preis geben Adelung magazin 2, 1, 142; es ist umsonst, für die willkürlichen grillen der menschen vernünftige gründe aufsuchen zu wollen G. Forster 1, 363; dieses ist nun eine ihrer romantischen grillen Klinger 1, 94; es war eine seiner stolzen grillen, von den teufeln für den erfinder der wissenschaften gehalten zu werden 3, 33; das hier angeführte besteht übrigens nicht aus einzelnen grillen der Franzensprache Fouqué gefühle, bilder 1, 82; und nicht ein püppchen, welche nur der mode grillen ehrt Novalis 1, 124 Minor; häufiger noch im sing.: des verfassers grille, nicht unter der academie stehen zu wollen Göthe IV 10, 237 Weim.; die grille des Prokrustes, seine gefangenen zu tode zu dehnen O. Ludwig 5, 137; der grund, oder vielmehr die grille, welche diese schnelle auswanderung veranlaszte, war wie folget Bode Tristram Schandi (1774) 33; das wofür er fällt, heiszt nicht idee, sondern es heiszt grille Fichte 7, 51; ich überlasse denen finanzverständigen zu urtheilen, ob es gedanke oder grille war Göthe 37, 85 Weim.; jeden deiner wünsche erfüll ich, keine grille Hebbel Nibel. IV 11; warum du dich nur sträuben magst? wärs grille, bloszer eigensinn? Mörike 3, 50; namentlich mit laune gern in parallele oder contrast gesetzt: eine ... kluge matrone, welche die grillen und launen ihres eheherrn gelassen ertrug Pfeffel pros. versuche 1, 140; seine laune wird nie zur grille D. Fr. Strausz schr. 6, 236; gern werden solche grillen den frauen und dem alter nachgesagt, wobei das wort öfter gefärbt ist durch den begriff des miszlaunigen, morosen: glauben sie mir, das beste weib hat seltsame launen, und taumelt unter grillen und thorheiten herum dtsche erzähler des 18. jh. 1, Fürst; und bei den grillen der hübschen frauen muszt du immer vergnüglich schauen Göthe 2, 280 Weim.; das sind so alte grillen der alten verlebten leute, welche der jugend die freude miszgönnen, die sie selbst ... nicht mehr geniessen können ollapatr. 36, 32 neudr.; gegen das ende seines lebens ward (der fürst) capriciös, voll grillen, tyrannisch, geizig Ritter erdk. 4, 1195. II@B@3@b@bβ) feste verbalverbindungen: er hat seine grillen; sonst aber weisz man von ihm nichts unredliches Petrasch sämtl. lustsp. 1, 108; das canonische recht hat nun einmal die grille, dasz sich nur mann und weib verheirathen dürfen Raupach dram. werke kom. gattung 4, 4; die bisweilen aus unwissenheit oder übereilung auf solche grille verfallen, daran zu zweifeln Gottsched d. neueste aus d. anmuth. gelehrsamkeit 1, 83; ein zweyter Don Quixott, in dessen kopf die thorheit heckte, kam einst auf die grille, er wäre todt Ramler fabellese (1783) 2, 534; wenn mein vater die grille kriegen sollte, es (das geld) nach Frankfurt zu haben Göthe IV 1, 160 Weim.; mit einem mal überkommt ihn die grille, die gesellschaft ... hierher bescheiden zu lassen Beer sämtl. werke (1835) 737; und in Wien hab' ich häuser sehr viele, das ist halt schon so meine grille, dasz ich immer in einem fort bau' Raimund 1, 22; [] es war eine grille der Griechen, ... ihre mythologie mit der ägyptischen zu vermengen Wieland Lucian 2, 37. II@B@3@b@gγ) nach präpositionen: meine weigerung dir zu folgen, wenn du aus noth oder grille wandern würdest Göthe 25, 257 Weim.; tochter und schwiegersohn, aus romantischer grille, machen verkleidet irgend eine wallfahrt ans meer 41, 1, 70; vgl. 33, 265; aus eurer grille, nicht der meinen, soll ich mein alt erprobtes urtheil von ihm ändern? Schiller 12, 246 G.; wie er ihr aus grillen den einzigen umgang ... verdränge Arnim 7, 140 Grimm; nun wünsche ich nur, dass er es annimmt und nicht grillen halber ausschlägt W. Grimm an Jacob, briefw. 398; bald zürnend, lockend bald, nach ihrer grille ... entzündete sie mich so ungeheuer Gries Bojardos verliebter Roland 2, 272. II@B@3@cc) seit dem 17. jh. mit zunehmender häufigkeit von den wunderlichen einfällen grübelnder gelehrter, philosophen, theosophen: die wunderlichen sachen, welche der discursus sol vorgebracht haben, sind philosophische grillen Harsdörfer frauenz. gesprechsp. 5, 162; wenn euch des Plato grillen besser gefallen als meine gespräche Lohenstein Armin. 2, 1025a; die allegorischen grillen der grammatiker übergehen wir Voss krit. blätter 1, 202; ebenso im sing.: (da) die ganze idee von dieser wiederkunft .. Christi auf erden als eine schwärmerische grille verspottet ... wird Jung-Stilling 3, 438; wollen wir sagen, dasz die ganze regel vom setzen des accents eine unnütze grille sei? J. J. Engel 7, 66; ähnlich auch bei unpersönlichem regens: dasz sie sich mit den alterthümern und mit den römischen rechts grillen den kopf sehr zumartern v. Fleming vollk. teutscher soldat 9; lasz deine bücher stehn, vergisz der rechte grillen Neukirch ged. (1744) 135; bisweilen fühlbar abgeschwächt und mit annäherung an begriffe wie theorie, hypothese: wir bemerken, ... wie sie (die naturforscher) neu sich bildende grillen mit freuden aufnehmen Göthe II 5, 2, 377; wirst du etwa mich auslachen über eine etymologische grille? grafen Stolberg 8, 175; gehörte bis hierher das wunderliche des einfalls noch zum wesen des begriffs. so sondert sich in der 2. hälfte des 18. jh. eine neue bedeutungslinie ab, die dies element des sinnes beinahe aufgibt: poetischer, wissenschaftlicher einfall, gedanke, project schlechthin: dieser anfang eines briefes, der sich mit einer grille über eine stelle ihrer philosophischen gespräche ... schlieszen sollte Lessing 18, 288 M.; gegenwärtige poetische grillen ... (aber wie viel besser, wird man sagen, klingt reveries!) 5, 438; ebenso antiquarische grillen 17, 262; füllhorn philologischer und kritischer grillen Hamann 2, 279 Roth; ich habe wieder neue grillen über das tragische und epische, die ich ihnen ... mittheilen will Göthe IV 13, 256 Weim.; oft bei Göthe, vgl. I 19, 254; 28, 142; IV 21, 233; 42, 29; ästhetische betrachtungen, philosophische grillen, gedichte, übersetzungen Mörike 3, 140 Göschen. II@B@44) im 17. jh. und anscheinend auf md. boden entwickelt sich die bedeutung: trübselige, sorghafte gedanken, von sorge meist dadurch geschieden, dasz es sich um grundlose, einer wunderlichen einbildung oder melancholischen gemüthsverfassung entspringende kümmernisse handelt; curae et agitationes animi Stieler 702; cura, sollicitudo Steinbach 1, 642; fast nur im plural: Cotys .. mühte sich ihm seine grillen auszureden Lohenstein Armin. 2, 46b; wenn man sich gleich einmahl wieder erholet .. hat, .. so hats doch nicht bestand, es kommen die alten grillen immerzu wieder, und suchen ihr voriges quartier Carpzov leichpredigten (1698) 32; verächtlich lächelnd schlich er dort herum am walde, grillen murmelnd und betrübt Seume ged. (1804) 9; ich bin ... vielen sorgen und grillen ... entwischt Thümmel reise 8, 20; das wort war bis ins 19. jh., anders als heute, auch hoher sprache durchaus gemäsz: [] der ort an sich bringt grillen der verzweiflung auch ohne weitern grund in jedes hirn (the very place puts toys of desperation) Hamlet I 4; laszt fern uns von zanken und eifersucht sein, und nimmer die stunden mit grillen entweihn Novalis 1, 128 Minor; festes requisit des älteren studentenliedes; ungemein häufig in: studentenspr. u. studentenlied in Halle vor 100 jahren, anhang (1781), z. b.: jubelt, laszt die grillen fahren 5; laszt uns fort die grillen jagen 9; stereotype verba: er macht grillen inquietus est; curis, sollicitudine affectus Serz 58b; ich sehe, wie Herodes selbst in seinem gemach auf und ab spatzieret, ein haufen grillen gemacht .. hab Schupp freund i. d. not 31 neudr.; hier kömmt eine nahrung, bey der man eher grillen machen kann. der liebe melancholische kaffee! Lessing 2, 227 M.; ich mache mir hundert grillen und mährchen, was alles daraus erfolgen könne Göthe 25, 79 Weim.; er läszt sich die grillen gantz einnehmen dedit se totum aegritudini Steinbach 1, 643; und wird sich stets umsonst mit leeren grillen schlagen Stoppe nach Steinbach a. a. o.; wer wollte sich mit grillen plagen Hölty ged. (1869) 203; doch wer wird am weihnachtsabende solchen grillen nachhängen, die doch eigentlich gar keinen grund haben? E. Th. A. Hoffmann 12, 17 Grisebach; er solle eine fuszreise nach Spanien machen, da würden ihm die grillen vergehen Laube 8, 311; der sing. erscheint nur selten und in poet. sprache: kam einmal eine grille mir, so schlosz sie mich in arm; und hatt' ich einen kusz von ihr, weg war der sorgen schwarm Miller ged. (1783) 349; ich nehm' es auf, und weisz in allen fällen das schönste glück durch grille zu vergällen Faust 5371; auch in heutigen mundarten 'unbegründete besorgnisse' Doornkaat-Koolman 1, 684; Dähnert 161; ebenso im oberd.: Loritza 55a; ich mache mir grillen (in den kopf); ich plage mich mit grillen Fischer schwäb. 3, 835; do macht merr sich ken grille Martin-Lienhart 1, 272a; 'wie nhd.' Staub-Tobler 2, 730; im älteren obd. nur in spuren: avertere sensus infandos non sani pectoris bösz grillen lassen fallen Frisius dict. 1200a. II@B@55) feste wendungen. II@B@5@aa) grillen im kopf u. ä. die wendung schwankt nach zeit und ort in der bedeutung ebenso wie bloszes grille; in älterer sprache zumeist: wunderliche gedanken, einbildungen: atrabilis (i. e. mania) gryln im kopphe Diefenbach 57c (quelle von 1517); grille im haupt, falsche einbildung, fantasey Henisch 1743; er hat grillen im kopf Luther br. 4, 549; ich glaub das Luther mehr grillen im kopf gehabt dann Marckolphus Nas antipap. eins u. hundert 3, 71a; wunderseltzame dauben und kauderwelsche grillen stiegen mir damals ins hirn Grimmelshausen Simpl. 1, 41 anm. Keller; närrische einfälle (vgl. 2): da sie ... nicht wuste, was vor närrische grillen in meinem kopf steckten 1, 180; trübselige gedanken (vgl. 4): melancholische grillen im kopf haben nil nisi triste cogitare Apinus gloss. novum (1728) 348; ich habe gar zu viel verdrieszliche grillen im hirnkasten Elisabeth-Charlotte v. Orleans br. 4, 265 lit. ver.; mein tage habe ich mir die grillen nicht lassen zu kopfe wachsen Gottsched deutsche schaubühne 1, 160; laune, schrulle, fixe idee (vgl. 3 a. b. c), besonders im sing.: da vil mir in kopf ein grill, wolt uff die hochzeit nit kommen Alex. Seitz vom groszen abendmahl (1540) d via; die oden der Sappho hab ich längst besser und deutscher übersetzt; damals hatte ich eine sonderbare grille von treue im kopfe Heinse 10, 271; so namentlich in der wendung gr. in den kopf setzen: wenn der verfasser [] sich nicht die grille in den kopf gesetzt hätte, die briefe ... fast durchgängig zur basis seiner betrachtungen zu nehmen Gerstenberg recens. 4, 27 lit. denkm.; anders: das ist aber nicht artig, ein einfaltiges landmädchen .. zu vexiren und ihr grillen in den kopf zu setzen Miller Siegwart 1, 166; einem grillen in den kopf setzen inanes species anxio animo figurare Steinbach 1, 643; vgl. einem eine grille, einen floh ins ohr setzen Schellhorn sprichw. 67. auch im dialect: grillen im kopf haben Fischer schwäb. 3, 835; hê hed grillen in de kop Doornkaat - Koolman 1, 684; vgl. nl. grillen int hooft, in de kop hebben (seit dem 16. jh.); umgekehrt: liebe mutter, lasz mich mein allerliebste braut ... sehen, ob mir die grillen ausz dem kopf kämen buch d. liebe (1587) 214a; schlage dir nur diese schwermüthigen grillen aus dem kopfe Cronegk schr. (1771) 1, 76; bis ihm alle grillen wieder aus dem kopfe sind Göthe 43, 345 Weim.; und welche sich bemüheten, ihm, was sie nannten, die grillen aus dem kopfe zu sprechen Knigge roman meines lebens 3, 173; oft in anschaulicherem bilde: von grillen schwärmt der kopf Günther ged. (1735) 416; mir schnurrt eine grille im oberhaus Mörike Nolten 4, 86; leute .. die, wenn ihnen eine grille bei den ohren in ihren hohlen schädel hineingekommen ist, .. sich die ohren zustopfen, dasz diese grille in ihrem hirnkasten erst recht rumoren kann Seb. Brunner erzähl. u. schr. 1, 320; selten: uber diese worte entsetzte er sich, und bekam eine grille in sein hertz Olearius verm. reisebeschr. (1686), pers. baumg. 100; wo die verliebten grillen hertz und gehirne füllen Neukirch anfangsgründe (1724) 60; II@B@5@bb) grillen fangen u. ä. meist im sinne trübselig, miszvergnügt sein (vgl. 4), seit ende des 17. jh.: grillen fangen angi vana meditatione Steinbach 1, 643; sonst wer schon grillen fangen und mit schwermüthigen gedancken handeln wil Weise die drei klügsten leute (1675) 111; ich will lachen ... andre mögen grillen fangen! Günther ged. (1735) 179; der gast im lehnstuhl .. der hausherr ihm gegenüber grillen fangend Polenz Grabenhäger 1, 138; auch im dialect Fischer schwäb. 3, 835; Doornkaat - Koolman 1, 684; auf einen einfall kommen (vgl. 3 c): verwünscht sey doch der tag, da ich die grille fing und zur philosophie als jung in dienste ging! neue samml. v. schauspielen (Wien 1764—69) 1, Democrit 3; seit dem ich Klopstocks abhandlung gelesen, habe ich ganz eigene grillen über die prosodie gefangen Lessing 17, 236 M.; die theorie von der individualität, über die ich nun meine eigne grillen mir fange Cramer Neseggab 1, 34; wer wird bei vollen flaschen .. die stirn in falten ziehn und magre grillen haschen? Wieland 16, 20 Hempel; dagegen hat das ältere grillen schieszen trübselig sein (s. th. 9, 43) einen anderen ausgangspunct, vgl. I B 2. II@B@5@cc) die grillen vertreiben u. ä., gegentheil von b, ebenfalls erst seit dem ausgehenden 17. jh.: dieses vertreibt mir die grillen hoc a sollicitudine me abducit Apinus gloss. nov. 255; da Gelanor oben auf dem gange die melancholischen grillen vertreiben und auszspatziren wolte Weise die drei ärgsten erznarren 217 neudr.; es vertreibt die motten! die motten im kopf, die grillen, die raupen, den ärger Gutzkow ritter v. geiste 3, 173; alle grillen verbannisiren, omnes cogitationes animum perturbantes expellere Apinus gloss. nov. 61; denn dir die grillen zu verjagen bin ich, als edler junker, hier Faust 1534; Reinekens freunde blieben beisammen die nacht durch und scheuchten seine grillen durch muntre gespräche Göthe 50, 167 W.; [] bei Lessing wieder im sinne 'einfall' (s. o. 3 c): bald aber ward die grille von einer andern verjagt werke 1, 300 M.; deutlicher als bild empfunden: ich musz die grillen heunt im wein zu tode schlagen Stieler geharnschte Venus 86 neudr.; die pfeif hat lang genug gefeiert, ich musz mir die grillen ausräuchern, die wurlen mir jetzt so viel häufig im kopf herum Anzengruber 3, 118; in jüngerer sprache gern in wendungen wie: dann müssen sie ihre geigen und flöten holen und sich die grillen und den — hunger verspielen Gleim briefw. 1, 101; eigentlich aber sang er .. nur, um sich selber die grillen zu versingen, denn ihre lage war übel genug Eichendorf 3, 235. II@B@5@dd) andere bildliche wendungen sind seltener: brüt' nur, brüt' über deinem bücherschrein, .. weid' grillen unterdesz, schulmeisterlein Eichendorf 3, 529; denke an meine freunde und füttre meine grillen Chamisso 5, 105; etwas häufiger: so kan ich leicht schliessen, dasz es (das ammenmärchen) eine in einer wochenbettstube ausgeheckte grille sey Schmidt rockenphilosophie 1, 277; wer diesen zweck nicht hat, der bleib nur in der stadt und heck betrübt zu haus die magren grillen aus Triller poet. betracht. 4, 177; 'einfälle': die astronomisch phantasey: die bracht mit sich wunderbar grillen: die sie allein, umb der gansz willen, auf Martins tag wolt fliegen lassen W. Spangenberg ganskönig 81, 2 Martin; lasz, greiser wunderkopf, den schwarm der grillen fliegen Weichmann poesie d. Niedersachsen 1, 242.
37054 Zeichen · 653 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    GRILLE

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +4 Parallelbelege

    GRILLE GRAL GRULLEN bin rauh, gebe einen rauhen ton von mir, schreie vor zorn. Gr. 2,58. Schmeller 2,108. vgl. nhd. grol…

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    grilleF.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +4 Parallelbelege

    grille , F. nhd. Grille, wunderlicher Einfall, Laune Hw.: vgl. mhd. grille E.: s. mhd. grille, sw. M., sw. F., Grille; s…

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    1. Grille

    Adelung (1793–1801) · +5 Parallelbelege

    1. Die Grille , plur. die -n, Diminut. das Grillchen, eine Art Grashüpfer oder kleiner Heuschrecken, von welchen die Män…

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Grille

    Goethe-Wörterbuch

    Grille vereinzelt -y-; im Vers auch apokopiert; rund 250 Belege, meist in C A das (hell, durchdringend u ausdauernd zirp…

  5. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Grille

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57)

    Grille , s. Herder Heimchen .

  6. modern
    Dialekt
    Grillef.

    Pfälzisches Wb. · +4 Parallelbelege

    Grille f. : 1. 'Hausgrille', Grill (gril) [mancherorts südl. VPf vereinzelt übrige Pfalz (s. K. 168) verbr. Don Gal Buch…

  7. Sprichwörter
    Grille

    Wander (Sprichwörter)

    Grille 1. Den stechen leichtlich die Grillen, dems nicht geht nach seinem willen. – Lehmann, 898, 35. Die Russen: Grille…

  8. Spezial
    Grille

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Gril|le (Gryllidae) f. (-,-n) 1 ‹entom› grile (-li) m. , saioch (-oc) m. 2 ‹fig› (sonderliche Laune) löna (lönes) f. 3 c…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit grille

126 Bildungen · 77 Erstglied · 49 Zweitglied · 0 Ableitungen

grille‑ als Erstglied (30 von 77)

Grille(n)

Idiotikon

Grille(n) Band 2, Spalte 730 Grille(n) 2,730

Grille(n)brueti

Idiotikon

Grille(n)brueti Band 5, Spalte 1009 Grille(n)brueti 5,1009

Grille II

RhWB

Grille II f.: 1. gril, –e-, –·l., Pl. -lə(n), –·l.ə(n) das Insekt, Cicade, bezeugt über das ganze Geb. hier u. da; doch erst aus der Schule …

Grillenberger

Meyers

grillen·berger

Grillenberger , Karl , sozialdemokrat. Politiker, geb. 22. Febr. 1848 zu Zirndorf in Bayern, gest. 19. Okt. 1897 in München, erlernte das Sc…

grillenbuch

DWB

grillen·buch

grillenbuch , n. , buch voll närrischer, seltsamer geschichten ( vgl. grille II B 2. 3): was aber demnach sein ( des Rabelais ) fürnemmen un…

grillenfänger

DWB

grillen·faenger

grillenfänger , m. , nur übertragen; in dem wort wiederholt sich z. t. die geschichte von grille. 1 1) zunächst von einem menschen, der phan…

grillenfängerei

DWB

grillen·faengerei

grillenfängerei , f. , namentlich im 18. jh. recht häufig. 1 1) meist in der bedeutung '( unfruchtbare ) grübelei, verworrene, abstruse, hal…

Grillenfängerey

Adelung

grillenfang·e·rey

Die Grillenfängerey , plur. die -en. 1) Der Zustand des Gemüthes, da man Grillen fänget; in der zweyten Bedeutung des Wortes 2. Grille, und …

grillenfängerin

DWB

grillen·faengerin

grillenfängerin , f. , nicht ganz seltene movierung: gleichwohl gebe ich noch nicht alle hoffnung auf, dasz sie nicht ... unter dem namen de…

grillenfängerisch

DWB

grillen·faengerisch

grillenfängerisch , adj. , namentlich im 18. jh. ziemlich häufig: grüblerisch, unfruchtbaren speculationen nachhängend; so von politisch unz…

grillenfang

DWB

grillen·fang

grillenfang , m. , nur übertragen; zumeist wie grillen fangen ( s. grille II B 5 b) von trübseliger, miszvergnügter stimmung; seit dem 18. j…

grillenfangen

DWB

grillen·fangen

grillenfangen , n. , der substant. inf. ist namentlich im 18. jh. nicht selten: sie ist von lustigem gemüthe, das nichts aus grillenfangen m…

grillenfeder

DWB

grillen·feder

grillenfeder , f. , als zeichen des narren: die grillenfederen offentlich zuo tragen Lindener rastbüchl. 53 lit. ver.; vgl. grille II B 2. —

grillenfieber

DWB

grillen·fieber

grillenfieber , n. , grübelsinn, trübseligkeit: und der thäte gantz verkehrt welcher stets das grillenfieber und die freude nicht begehrt He…

grillenfrei

GWB

grillen·frei

grillenfrei sorgenfrei, unbelastet [ nach Schlegel für: unstuffed ] GWB 9,204 RomJul 597 Syn GWB sorgenfrei GWB unbefangen Armin Giese A.G.

grillenfresser

DWB

grillen·fresser

grillenfresser , m. , was grillenfänger: was demnach die sawersehenden grillenfresser wieder die trunckenheit plappern und schnaddern Hegend…

grillenfüchsig

DWB

grillenfüchsig , adj. , hypochondrisch, wunderlich Fischer schwäb. 3, 835 . —

grillengedanke

DWB

grillen·gedanke

grillengedanke , m. : sich mit allerhand grillengedancken herum balgen haver' il capo pieno di giribizzi Kramer teutsch-ital. 1, 54 c . —

grillengeist

DWB

grillen·geist

grillengeist , m. , narr: der unbedachte und oftbelachte gauch, der sturmvolle grillengeist Harsdörfer poet. trichter 3, 359 . —

grillengesang

DWB

grillen·gesang

grillengesang , m. : ( der gesang des strandläufers ) klingt .. wie grillengesang Naumann naturgesch. d. vögel 7, 403 ; an warmen sommermitt…

grillengeschrei

DWB

grillen·geschrei

grillengeschrei , n. : was aber eigentlich derer nutzen seyn mag oder worinnen das glück bestehen soll, das von grillengeschrey herkomme? Sc…

grillengezirp

DWB

grillengezirp , n. : bei heiserem grillengezirp Voss ged. (1802) 2, 129 ; das leise rieseln des grillengezirpes Rosegger III 8, 105. —

grillengierig

DWB

grillen·gierig

grillengierig , adj. , nach schnurren verlangend ( vgl. grille II B 2): zu lieb den grillengirigen zeitbetrieger Fischart groszm. (1607) d 6…

grillengras

DWB

grillen·gras

grillengras , n. , andropogon gryllus, 'weil es die grillen lieben sollen' v . Perger 3, 83 ; vgl. grillenbartgras.

grillenhäuschen

DWB

grillen·haeuschen

grillenhäuschen , n. : grillehäusle kleiner behälter, in dem kinder grillen halten; auch: kleine hütte Fischer schwäb. 3, 835 ; er baute nie…

grillenhaft

DWB

grillen·haft

grillenhaft , adj. , lexicalisch seit dem ende des 17. jhs.: grillicht, grillenhaft cogitabundus, inquietus, cerebrosus, gestuosus Stieler 7…

grille als Zweitglied (30 von 49)

Aprilgrille

RhWB

april·grille

April-grille PfWB ElsWB abrelgrelə Birkf f. Pl.: -wetter, wegen der unbeständigen Witterung.

Baugrille

GWB

baug·rille

Baugrille Abends Bau Grillen im Garten [ betr evt Anbau am Gartenhaus ] GWB Tgb 7.11.76 Elke Umbach E. U.

cyrogrille

Lexer

cyrogrille swm. cyrogrillus Mgb. 131,31.

Dantsegrille

WWB

Dantse-grille tanzsüchtige erwachsene Person ( Kr. Lippstadt Lst Ag).

empfindungsgrille

DWB

empfindungs·grille

empfindungsgrille , f. was sonst die brust mit lust und schmerz durchdringet, sind süsz und eigen nur empfindungsgrillen. Wilh. von Humboldt…

eselsgrille

DWB

esel·s·grille

eselsgrille , f. ineptiae, dummer einfall: ungeschickte eselsgrillen. Schefflers kehrwisch s. 56 .

giftgrille

DWB

gift·grille

giftgrille , f. Pansner schimpfwörterbuch (1839) 23 a ; vgl. grille als spottname teil 4, 1, 6, 318. —

gransegrille

DWB

grans·e·grille

gransegrille , f. , ' weinerliche alte ': und setzte derowegen alsobald ein recept auf, welches er durch die alte gransegrille in die apothe…

greisengrille

DWB

greisen·grille

greisengrille , f. : greisenkummer, greisengrille! wenn wir altern und erschwachen, dünkt die welt uns alt und schwach Zschokke sämtl. ausge…

Herrengrille

Wander

herren·grille

Herrengrille Herrengrillen kosten (verzehren) Bauernschweiss. Frz. : Au monde n'a si grant dommage que de seigneur à fol courage. ( Leroux, …

hirngrille

DWB

hirn·grille

hirngrille , f. name des baumläufers, certhia familiaris; vielleicht verstümmelung des fremden citrinella, was einen ähnlichen vogel bezeich…

jünglingsgrille

DWB

juengling·s·grille

jünglingsgrille , f. grillenhafter einfall eines jünglings: lasset ja das manuscript ( vom Prometheus ) nicht zu offenbar werden, damit es n…

leibgrille

DWB

leib·grille

leibgrille , f. lieblingsgrille: Chrys. ich mag weder deine noch meines sohnes grillen länger mit anhören. Ant. noch eine hören sie, und zwa…

mädchengrille

DWB

maedchen·grille

mädchengrille , f. : eine mädchengrille, die vorüber gehen wird. Gotter 3, 4 . vgl. DWB mädchenlaune .

maulwurfsgrille

DWB

maulwurf·s·grille

maulwurfsgrille , f. gryllus gryllotalpa, feldgrille mit maulwurfsfüszen, der geflügelte maulwurf. Nemnich 3, 84 .

naturgrille

DWB

natur·grille

naturgrille , f. naturlaune: glücklicherweise hatten die ... freunde auf ihren früheren fahrten gerade die geschmückteste der inseln aus ein…

ofengrille

DWB

ofen·grille

ofengrille , f. hausgrille, die in den ritzen der schornsteine, herde und backöfen lebt. Belzebub zu Lucifer: die seel ich selber fangen wil…