Phantasie Gut 200 Archivbelege gegenüber etwa 700 bei ‘Einbildungskraft’ u annähernd 900 bei ‘Vorstellung’. Der deutlich geringere Gebrauch von ‘Phantasie’ weist wohl teilw auf ein problematisierendes Verständnis hin: Sie wird, entspr den ästhet-philos Debatten seit Mitte des 18. Jhs, tendenziell als zügellos, ausschweifend betrachtet1). Ca 70 Stellen bei ‘Imagination’, während ‘Vorstellungsgabe’, ‘Vorstellungskraft’ u ‘Vorstellungsvermögen’ nur wenig belegt sind. Etwa 85 Prozent des Materials in Bed 1. - Bei den Wortverwendungen fällt - ähnlich ‘Imagination’ - eine stärkere Konzentration auf ästhetische u künstlerische Zusammenhänge auf (s vor allem Pkt 1a und c sowie 2b), während ‘Einbildungskraft’ strenger terminologisch-begrifflich gefaßt ist u mehr im theoretischen Kontext erscheint. Bereits der junge Goethe verwendet ‘Phantasie’ gelegentlich markant in diesem Sinne (s zB das Gedicht ‘Meine Göttin’), obwohl das Wort in der Frühzeit insgesamt nur eine geringe Frequenz aufweist. Das steht in bestimmtem Gegensatz zu dem hohen Stellenwert der Phantasie in Goethes jugendlicher Aufbruchphase: Er hatte das imaginativ-schöpferische Vermögen als elementare künstlerische Schaffenskraft begriffen u es den rationalistischen Aufklärungsästhetiken entgegengesetzt. Indem er das Imaginative im literarischen Gestaltungsprozeß auf das (sinnlich-)konkrete, inspirierende Ereignis, Geschehen bezog, ging es ihm hierbei von vornherein durchaus um eine am Wirklichen orientierte, eine welthaltige Phantasie. Dies bleibt ein Kerngedanke in Goethes gesamtem literarisch-ästhetischen Schaffen. In Abgrenzung von einer ungebärdigen, regellosen, als substanzarm begriffenen Imagination, wie er sie vor allem im Dilletantismus u in der Romantik erblickte, sucht er ihn allerdings seit den 90er Jahren noch zu vertiefen (zu seiner kritischen Sichtweise s auch ‘Phantasmist’, ‘Phantast’ Pkt a, ‘Phantasterei’, ‘phantastisch’ Pkt b und c, ‘Phantom’ Pkt 2 u ‘Phantomist’). Ganz im Sinne einer größeren Bindung des imaginativen Vermögens an die Objektivität ist er in besonderer Weise bestrebt, es verstärkt auf die anderen menschlichen Geisteskräfte zu beziehen. Im Ensemble mit ihnen (mit ‘Sinnlichkeit’, ‘Verstand’ u ‘Vernunft’) faßt Goethe die ‘Phantasie’ in einer späteren Kant-Auseinandersetzung als ‘vierte Hauptkraft’ der geistigen Anlagen (s Pkt 1b)2). 1
menschliche Fähigkeit des Hervorbringens, Verknüpfens von inneren Bildern, Vorstellungsvermögen, Imaginationskraft a
in (bildhafter) Charakteristik der (ambivalenten) Wesenseigenschaften, bes der enthusiasmierenden, befreienden, entgrenzenden od der ängstigenden, niederdrückenden Wirkung; einmal im Zshg mit der ‘Sorge’ (als ins Negative gewandter Phantasie); wiederholt (leicht) personifizierend Welcher Unsterblichen|Soll der höchste Preis sein?|Mit niemand streit' ich,|Aber ich geb' ihn|Der ewig beweglichen,|Immer neuen,|Seltsamen Tochter Jovis,|Seinem Schooskinde,|Der P.|..Sie mag rosenbekränzt|Mit dem Lilienstengel|Blumenthäler betreten,|..Oder sie mag|Mit fliegendem Haar|Und düsterm Blicke|Im Winde sausen|Um Felsenwände.|..uns [
Menschen] allein|Hat er sie verbunden|Mit Himmelsband,|Und ihr geboten,|In Freud' und Elend,|Als treue Gattin|Nicht zu entweichen.. GWB2,58 Meine Göttin 9 [
Faust, nachdem er vom Erdgeist zurückgewiesen wurde:] Wenn P. sich sonst mit kühnem Flug|Und hoffnungsvoll zum Ewigen erweitert,|So ist ein kleiner Raum ihr nun genug,|Wenn Glück auf Glück im Zeitenstrudel scheitert.|Die Sorge nistet gleich im tiefen Herzen,|..Sie deckt sich stets mit neuen Masken zu.. GWB14,38 Faust I 640 Ist's Momus..Satyr..?|Sie kommen an, vom wilden Schwarm umgeben,|Den P. in ihrem Reiche hegt.|Die Woge schwillt, die im verworrnen Streben|Sich ungewiß nach allen Seiten trägt.|Doch allen wird ein einzig Ziel gegeben.. GWB16,211 Maskenz 30.1.02 Vs 34 Wenn etwas auch nicht schön ist..so müssen wir doch so viel P. haben, um es schön zu finden GWBGespr(He2,966) Bertram Sept/Okt 1814 Gespr(He3
1,664) Kanzl Müller 8.3.24
uö in konkreter Hinsicht auf eine bestimmte Erfahrung, einen geistigen Stoff, auf die Wesensart eines Menschen; einmal im Anruf; wiederholt im Bild [
Umgebung ‘Wahlheims’] Ich weis nicht, ob so täuschende Geister um diese Gegend schweben, oder ob die warme himmlische P. in meinem Herzen ist, die mir alles rings umher so paradisisch macht GWBAA6,9 Werth
1 I~Werth
2 [
Gerichtsrat:] wie..|Ich..nach einer Gattin sann;|Da regte P. mir manches Bild,|Die Schätze der Erinnrung sichtend, auf,|Und wohlgefällig schwebten sie vorüber GWB10,346 NatT 2162 [
Eugenie, die in die Rechte ihrer Geburt eintreten will:] Du nahest, großer Tag,|..Beflügelt drängt sich P. voraus,|Sie trägt mich vor den Thron und stellt mich vor GWB10,291 ebd 971 [
Erwin:] Täusche mich, P.! wohlthätige Zauberin, täusche mich!..Die liebliche Gestalt [
Elmires] schwebt vor mir Tag und Nacht..Ihre heiligen reinen Augen! In denen ich manchmal Güte, Theilnehmung zu lesen glaubte GWB38,91,9 ErwElm
1 [
betr JFRöhrs vernunftbestimmte Wesensart] wenn man ihm nur einen Tropfen P., wie aus dem Wunderfläschchen des heiligen Remigius..aufs Haupt träufeln könnte, so würde er eben ein ganz anderer Mann sein GWBGespr(He3
1,249) Kanzl Müller 8.6.21 22,210,2 Lj V 12 20,187,2 Wv I 18 10,278 NatT 679
uö b
allgemein als elementares Vermögen ideeller menschlicher Weltaneignung, -gestaltung; im Bezug auf andere Geisteskräfte, auch bei Betonung der Gleichrangigkeit mit ihnen (in Auseinandersetzung mit Kant) sowie des notwendigen, die Imagination regulierend beeinflussenden Zusammenwirkens [
betr FVReinhard's ‘Kurze Vorstellung der Kantischen Philosophie’] ein Hauptmangel..jener Philosophie..Hier werden als Hauptkräfte unseres Vorstellungsvermögens Sinnlichkeit, Verstand und Vernunft aufgeführt, die P. aber vergessen, wodurch eine unheilbare Lücke entsteht. Die P. ist die vierte Hauptkraft unsers geistigen Wesens, sie supplirt die Sinnlichkeit, unter der Form des Gedächtnisses, sie legt dem Verstand die Welt-Anschauung vor, unter der Form der Erfahrung, sie bildet oder findet Gestalten zu den Vernunftideen und belebt also die sämmtliche Menscheneinheit..Wenn nun die P. ihren drey Geschwisterkräften solche Dienste leistet, so wird sie dagegen durch diese lieben Verwandten erst in's Reich der Wahrheit und Wirklichkeit eingeführt. Die Sinnlichkeit reicht ihr rein umschriebene, gewisse Gestalten, der Verstand regelt ihre productive Kraft und die Vernunft giebt ihr die völlige Sicherheit, daß sie nicht mit Traumbildern spiele, sondern auf Ideen gegründet sey.. GWBB27,308,25u26 u 309,8 Maria Paulowna 31.12.16/2.1.17 K Beilage P. ist der Natur viel näher als die Sinnlichkeit, diese ist in der Natur
3), jene schwebt über ihr. P. ist der Natur gewachsen, Sinnlichkeit wird von ihr beherrscht. Frühste lebhafte tüchtige Sinnlichkeit finden wir immer sich zur P. erhebend. Sogleich wird sie productiv, antropomorphisch. Felsen und Ströme sind von Halbgöttern belebt.. GWBN6,361,10u12u15 PoetMetam Verstand.|Bilden wohl kann der Verstand, doch der todte kann nicht beseelen,|Aus dem Lebendigen quillt alles Lebendige nur..P.|Schaffen wohl kann sie den Stoff, doch die wilde kann nicht gestalten,|Aus dem Harmonischen quillt alles Harmonische nur.. GWB5
1,310 Tab vot 37(219) Die P. wirkte in frühern Jahrhunderten ausschließend und vor, und die übrigen Seelenkräfte dienten ihr; jetzt ist es umgekehrt, sie dient den andern und erlahmt in diesem Dienst. Die frühern Jahrhunderte hatten ihre Ideen in Anschauungen der P.; unseres bringt sie in Begriffe. Die großen Ansichten des Lebens waren damals in Gestalten, in Götter gebracht GWBGespr(He2,62) Riemer 10.5.06 T6,1,13 v 2.1.17 LA I 3,507,11 FlPlp DVjs44,1970,483 Gedanken üb histKritik [G?/Riemer]
uö wiederholt als Instrument wiss Erkenntnis; einmal ‘exakte sinnliche P.’; auch in Überschneidung mit 1c müßte man keine der menschlichen Kräfte bei wissenschaftlicher Thätigkeit ausschließen. Die Abgründe der Ahndung, ein sicheres Anschauen der Gegenwart, mathematische Tiefe,physische Genauigkeit, Höhe der Vernunft, Schärfe des Verstandes, bewegliche sehnsuchtsvolle P., liebevolle Freude am Sinnlichen, nichts kann entbehrt werden zum lebhaften fruchtbaren Ergreifen des Augenblicks, wodurch ganz allein ein Kunstwerk..entstehen kann GWBN3,121,24 FlH II Wer nicht überzeugt ist, daß er alle Manifestationen des menschlichen Wesens, Sinnlichkeit und Vernunft, Einbildungskraft und Verstand, zu einer entschiedenen Einheit ausbilden müsse..der wird sich in einer unerfreulichen Beschränkung immerfort abquälen..So wird ein Mann, zu den sogenannten exacten Wissenschaften geboren und gebildet, auf der Höhe seiner Verstandesvernunft nicht leicht begreifen, daß es auch eine exacte sinnliche P. geben könne GWBN11,75,21 Rez:Stiedenroth Gespr(He2,604) MHKnebel 29./30.8.11 N13,446 Epochen der Wissenschaften Plp
uö(selten) c
als grundlegende Kraft der Hervorbringung von Kunst, auch ihrer Rezeption; wiederholt neben anderen geistigen Vermögen; gelegentlich mit Qualifizierungen wie ‘schaffend’ od ‘blühend’ [
Lustige Person zum Theaterdichter:] Laßt P., mit allen ihren Chören,|Vernunft, Verstand, Empfindung, Leidenschaft,|Doch, merkt euch wohl! nicht ohne Narrheit hören GWB14,11 Faust I 86 [
betr das ‘Helena’-Zwischenspiel zu ‘Faust II’] Den Franzosen wird der Verstand im Wege sein, und sie werden nicht bedenken, daß die P. ihre eigenen Gesetze hat, denen der Verstand nicht beikommen kann und soll. Wenn durch die P. nicht Dinge entständen, die für den Verstand ewig problematisch bleiben, so wäre überhaupt zu der P. nicht viel GWBGespr(FfA II 12,251,34u36 u 252,1) Eckermann 5.7.27 Der plastische Künstler hält sich zunächst an die physische Erscheinung, der Dichter läßt in seinen Werken auch das Unsichtbare, Geist, Gefühl, Sitten und P., doch immer auch nach seiner Weise gestaltet, auftreten GWB48,59,4 Preisaufg 1803 [
Eckermann findet den Schluß des serbischen Gedichts ‘Der Gefängnisschlüssel’ unbefriedigend] Das ist..eben das Schöne; denn dadurch läßt es einen Stachel im Herzen zurück und die P. des Lesers ist angeregt, sich selbst alle Möglichkeiten auszubilden, die nun folgen können GWBGespr(FfA II 12,221,33) Eckermann 29.1.27 [
‘Alexis u Dora’ hatte bei Eckermann den Anschein erweckt, als habe Goethe nach einem wirklich Erlebten gearbeitet] Es ist mir lieb..wenn es Ihnen so erscheint. Es gibt indes wenige Menschen, die eine P. für die Wahrheit des Realen besitzen
4), vielmehr ergehen sie sich gerne in seltsamen Ländern und Zuständen..die ihre P. ihnen wunderlich genug ausbilden mag GWBGespr(FfA II 12,165,4u7) Eckermann 25.12.25 B12,286,4 CarlAug 11.9.97 36,313,17 Zu brüderlAndenkWielands 1813 27,78,10 DuW 7
uö in Hinsicht auf Trennung von den künstlerischen Objekten, auf Ausschweifung, Regellosigkeit; wiederholt mit Qualifizierungen wie ‘zügellos’, ‘regellos’, ‘formlos’, ‘bodenlos’, ‘trüb’ [
Goethe lobte die Gestalten der Italiener] Ich bedaure einen großen Künstler wie Herrn Lips in Deutschland, wo ihm das Studium der Formen in seiner Kunst keinen Vorschub tut; er muß unaufhörlich aus seiner P. hervorarbeiten GWBGespr(He1,516) Falk 24.6.92 ein plastisches Werk stelle der Einbildungskraft des Betrachters ein Werk in einer ganz bestimmten..Form dar, ein romantisches deute vieles unbestimmt
an..Jenes sei für die geregelte Einbildungskraft, dieses für die zügellose, oft auch regellose P. GWBGespr(He1,898) Voß dÄ [4.12.03?] 48,208,19 MuR(1089)
uö d
für: (bildhaftes) Gedächtnis [
betr Fürstenporträts] die sämmtlichen Herren, deren Bildnisse mir sehr deutlich in der P. geblieben waren GWB26,109,19 DuW 2 e
‘edle P.’ für: spirituelle Imagination, relig Meditation Die Pflege meines alten und schwächlichen Vaters machte mir Arbeit genug, und in den Ergötzungsstunden war die edle P. mein Zeitvertreib GWB22,322,1 Lj VI SchöneSeele 2
eine bestimmte Vorstellung od ein ganzer Vorstellungszusammenhang, ein imaginatives Gebilde, ein Produkt der Einbildungskraft a
in Hinsicht auf wesentliche Merkmale wie Reinheit, Natürlichkeit od Dynamik, Überschwang uä; auch mit Emphase [
eine Weimaranerin berichtet, daß sich JGQuandt beide Beine gebrochen habe] Verderben Sie mir meine P. nicht, Quandt steht in seiner vollen Kraft und Tätigkeit vor mir GWBGespr(He3
2,620) Quandt undat Gott Schiva..unendlicher Geist und Weisheit in den indischen Sagen..nur müßte er [
Goethe] ihre Bilder nicht dabei sehen, die verdürben gleich die P. bis zum Verfluchen! [
betr die Lingam-Motivik] GWBGespr(He2,1093) Boisserée 19.9.15 Immer wieder in die Weite|Über Länder an das Meer,|P-n in der Breite|Schwebt am Ufer hin und her! GWB3,30 Ungeduld 3 [
Clavigo, über sich:] Sterne..die ihr so oft den Missethäter saht..durch..diese Straße mit Saitenspiel und Gesang in goldnen P-n hinschweben, und sein am heimlichen Gitter lauschendes Mädchen [
Marie] mit wonnevollen Erwartungen entzünden! GWB11,120,7 Clav V [
beim Maskenball] P.! Herzklopfen GWBT1,32,12 v 1.2.77 21,82,11 Lj I 14~51,172,10 ThS II 7
uö b
für eine ästhetische Hervorbringung, auch für eine (noch im künstlerischen Entstehungsprozeß begriffene) poetische Imagination; nur pl; einmal im Bild [
Rosenknospen, über die künstlichen Blumen vom ‘Phantasiestrauß’:] Mögen bunte P-n|Für des Tages Mode blühen,|Wunderseltsam sein gestaltet|Wie Natur sich nie entfaltet;|Grüne Stiele, goldne Glocken,|Blickt hervor aus reichen Locken! GWB15
1,25 Faust II 5144 Auf ihr Brüder,|Ehrt die Lieder!|..die holden P-n|Blühen|Rings umher auf allen Zweigen,|Die sich balde,|Wie im holden Zauberwalde,|Voller goldnen Früchte beugen GWB2,25 DtParnaß 58 ich..bring meine besten Stunden, im Aufzeichnen meiner P-n zu GWBB2,112,21 HWGerstenberg 16.10.73 Korr GB2
1,45
für eine rein imaginäre, (bunt-)willkürliche (nicht hist, mythisch etc verifizierbare) Maskenkostümierung Mein Sohn und die Frauenzimmer präsentirten sich in ihren Masken. Er als Falstaff nahm sich besonders gut aus; Ottilie als P. GWBT12,35,25 v 9.3.29
terminol; in metasprachl Aussage „blühte die Mahlerei um die Zeit des Philippus bis zu den Nachfolgern Alexanders..an Sorgfalt ist Protogenes..an Erfindung seltsamer Erscheinungen, die man P-n nennt [
quas φαντασίας vocant], Theon der Samier..von niemanden übertroffen worden..” GWB46,44,11 Winckelm c
mit pejor Einschlag iSv bloße Einbildung, Fiktion, Wunsch- od Wahnvorstellung; auch neben ‘Traum’, ‘Phantasterei’, ‘Spintisiererei’ od ‘Grille’, einmal iUz ‘Wahrheit’ [
Entdeckung der Urpflanze in Italien] es ist kein Traum keine P.; es ist ein Gewahrwerden der wesentlichen Form, mit der die Natur gleichsam nur immer spielt und spielend das manigfaltige Leben hervorbringt GWBB7,242,18 ChStein 9./10.7.86 [
Mephisto, über Faust:] Ich macht' ihm deutlich, daß das Leben,|Zum Leben eigentlich gegeben,|Nicht sollt' in Grillen, P-n|Und Spintisirerei entfliehen.|So lang man lebt, sei man lebendig! GWB16,286 Maskenz 1818 Festz 626 konnte ich mich prüfen, ob auf dem Wege, den ich eingeschlagen, Wahrheit oder P. sei, ob ich vielleicht nur nach andern gedacht, oder ob der Gegenstand meines Glaubens eine Realität habe, und zu meiner größten Unterstützung fand ich immer das letztere GWB22,305,1 Lj VI SchöneSeele [
Tasso zur Prinzessin:] Wie den Bezauberten von Rausch und Wahn|Der Gottheit Nähe leicht und willig heilt;|So war auch ich von aller P.,|Von jeder Sucht, von jedem falschen Triebe|Mit Einem Blick in deinen Blick geheilt GWB10,140 Tasso 878 [
Verazio, der Lila aus ihrer Wahnwelt befreien will:] Es ist hier nicht von Curen noch von Quacksalbereien die Rede. Wenn wir P. durch P. curiren könnten, so hätten wir ein Meisterstück gemacht
5) GWB12,54,2 Lila I 42
2,209,7 MuR(800) [
Zit s v Phantasterei aβ] GWB38,33,4 GöttHeldWieland Gespr(He3
1,470) Kanzl Müller 24.2.23
uö d
pejor nuanciert iSv spontane Eingebung, Vision Herzog Carl [
Carl Eugen von Württemberg]..wirkte..nur zu Befriedigung seiner augenblicklichen Leidenschaften und zur Realisirung abwechselnder P-n GWBB12,292,2 CarlAug 11.9.97 Beilage
uö(selten) e
iSv Traum, Traumbild segnen sich die treu verbundnen [
geistlichen] Brüder|Zum kurzen Schlaf, den P. nicht stört GWB16,181 Geheimnisse 294
uö(selten) 3
euphem für eine (gedankliche) Ausschweifung, Romanze Therese..äußerte..oft, daß eine Frau, die das Hauswesen recht zusammenhalte, ihrem Manne jede kleine P. nachsehen und von seiner Rückkehr jederzeit gewiß sein könne GWB23,67,23 Lj VII 6 4
musikal: auf einer Improvisation beruhendes Tonstück Außer einer trefflichen P. von Hummel entwickelte sich leider nichts Musikalisches in unserer Umgebung GWBB41,102,20 Kanzl Müller 3.8.26
für ein (mehr oder minder) spontan entstandenes Lied Wilhelm schlich an die Thüre, und da der gute Alte [
Harfner] eine Art von P. vortrug, und wenige Strophen theils singend theils recitirend immer wiederholte, konnte der Horcher..ungefähr Folgendes verstehen: Wer nie sein Brod mit Thränen aß.. GWB21,217,13 Lj II 13~52,74,5 ThS IV 13 Phantasei
auch -ey; ältere (poet) Form; wiederholt im Reim 1
wie ‘Phantasie’ 1; auch im Zshg der dichterischen Imagination [
Astrolog, dem Kaiserhof Fausts Beschwörung von Helena u Paris ankündigend:] Empfangt mit Ehrfurcht sterngegönnte Stunden;|Durch magisch Wort sei die Vernunft gebunden;|Dagegen weit heran bewege frei|Sich herrliche verwegne P.|Mit Augen schaut nun was ihr kühn begehrt,|Unmöglich ist's, drum eben glaubenswerth.. [
Faust:] Des Lebens Bilder, regsam, ohne Leben.|..Die einen faßt des Lebens holder Lauf,|Die andern sucht der kühne Magier [<Dichter] auf GWB15
1,81 Faust 6418 4,146 Wort und Bilder 3 2
wie ‘Phantasie’ 2c; auch selbstiron: ‘alter Adam der P-en’ für die (vermeintlich) angeborene Wesensart, irrealen Vorstellungen nachzuhängen Gestern Nacht haben mich Stadt und Gegend und alles so wunderlich angesehen. Es war mir als wenn ich nicht bleiben sollte. Da bin ich noch in's Wasser gestiegen und habe den Alten Adam der Phantaseyen ersäuft GWBB3,117,8 ChStein 3.11.76 B27,316,23 Seebeck 14.1.17 K
® *→ GWB
Mädchen- GWB
Monds- Syn zu 1u2
Einbildung Vorstellung zu 1 Einbildungskraft Erfindungsgabe Erfindungskraft Erfindungsvermögen Geist Idee Imagination Vorstellungsgabe Vorstellungskraft Vorstellungsvermögen zu 1d Erinnerung Gedächtnis zu 2 Bild Gedanke Imagination zu 2c Chimäre Einbildung Erfindung Erscheinung Grille Hirngespinst Illusion Luftbild Luftgebäude Luftgebilde Luftgespenst Luftphantom Märchen Phantasiebild Phantasiegebilde Phantasterei Phantom Schein Scheinbild Spekulation Täuschung Trug Trugbild Truggespinst zu 2e Traum 1) s hierzu Ästhetische Grundbegriffe. Hg KBarck ua 4(2002),778-787 (s v Phantasie) u ESpranger, Goethe u die Phantasie. In: GOETHE 1944,5-23 (bes 6f); vgl auch GWb2,1429,10 s v Einbildungskraft, insbes die Vorbem2) s hierzu BSuphan/RHaym, Goethe an die Großfürstin Maria Paulowna über Kants Philosophie. In: GJb19(1898),34-483) Die beseelte ‘Natur’ wird von Goethe als immer neue Formen hervorbringende ‘einzige Künstlerin’ verstanden; s WA II 11,6.4) vgl HMayer, Goethes Begriff der Realität. In: GOETHE 1956,26-435) nach dem Vorbild der im 18.Jh angewandten „psychischen Kuren”, die bei dem spezifischen Vorstellungserleben des seelisch Erkrankten ansetzten; s zB MA2.1,614-620 Michael SchilarM.S.