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Phantasīe

mhd. bis spez. · 10 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Meyers
Anchors
10 in 10 Wb.
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Eintrag · Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

Phantasīe

Bd. 15, Sp. 759
Phantasīe (griech., Einbildungskraft) ist im allgemeinen die Fähigkeit der freien Erzeugung mehr oder weniger zusammengesetzter Vorstellungen. Die P. ist bei ihrer Betätigung gebunden an die einfachen Elemente, die uns die sinnliche Wahrnehmung (in den qualitativ unterschiedenen Empfindungen) zur Verfügung stellt (daher entbehrt die P. des Blindgebornen der Farben, die des Taubgebornen der Klänge), vermag diese aber in der mannigfachsten Weise zu verknüpfen und so nicht nur Vorhandenes und früher Wahrgenommenes nachzubilden, sondern eine unbegrenzte Mannigfaltigkeit neuer Vorstellungen zu schaffen. Vom Gedächtnis unterscheidet sich die P. dadurch, daß es sich bei jenem bloß um die Wiedererneuerung von Vorstellungen, bei dieser aber um die Neubildung von solchen handelt, von der Ideenassoziation dadurch, daß bei dieser die verbundenen Bestandteile nur ein mehr oder weniger loses Aggregat bilden, während die P. sie zu einem einheitlichen Ganzen verknüpft; die Ideenassoziation schweift ziellos ins Weite, die P. arbeitet immer in einer bestimmten Richtung. Demgemäß muß bei ihr immer das Ganze, wenn auch zunächst nur in unbestimmten Umrissen, dem Bewußtsein vorschweben, ehe die einzelnen Bestandteile nach Maßgabe ihres Zusammenhanges im ganzen klar vorgestellt werden. In dieser Hinsicht steht die P. der Denktätigkeit nahe, von der sie sich nur durch den anschaulichen Charakter ihrer Produkte, die immer konkrete Einzelvorstellungen sind, unterscheidet (die P. ist »ein Denken in Bildern«). Je nachdem das Moment der innern Tätigkeit mehr oder weniger hervortritt, kann man eine passive und eine aktive P. unterscheiden; passiv ist die P., wenn wir uns dem Spiel der Vorstellungen überlassen, die durch eine Gesamtvorstellung in uns angeregt werden, aktiv, wenn wir mit absichtlicher Auswahl der einzelnen Züge uns ein Gesamtbild gestalten. Die passive P. wirkt bei Kindern und Naturmenschen um so lebhafter, je weniger hier das logische Denken entwickelt ist, und ihre Produkte werden dann häufig für wirklich gehalten (Entstehung von Mythen, des Glaubens an fabelhafte Wesen etc.), bez. bekommen wirkliche Dinge, indem die P. sie mit weitern Eigenschaften ausstattet, eine andre Bedeutung (in der P. des Kindes ist das Steckenpferd ein lebender Organismus, der Stuhl unter Umständen ein Wagen u. s. f.). Liegt in dem Überwuchern besonders der passiven P. einerseits eine Gefahr, insofern sie zu wirklichkeitswidrigen (phantastischen) Vorstellungen führt, so ist doch anderseits die (durch die ästhetischen und logischen Gesetze geleitete) aktive P. für jede schöpferische geistige Tätigkeit unentbehrlich; ganz abgesehen von den Erzeugnissen der Kunst ist sie auch bei allen technischen und wissenschaftlichen Entdeckungen beteiligt, indem hier fast immer neue Kombinationen der Stoffe und Kräfte, neue Gedankenbeziehungen zuerst anschaulich vor das geistige Auge treten, ehe sie logisch geprüft und begrifflich fixiert werden. – Eine metaphysische Bedeutung gab Frohschammer der P., indem er die gesamte Wirklichkeit als Produkt einer absoluten Weltphantasie auffaßt (»Die P. als Grundprinzip des Weltprozesses«, Münch. 1876). Vgl. Glogau, Die P. (Halle 1884); Schmidkunz, Analytische und synthetische P. (das. 1889); Leuchtenberger, Die P., ihr Wesen, ihre Wirkungsweise u. ihr Wert (Erfurt 1894); Ribot, Essai sur l'imagination créatrice (Par. 1900; deutsch: »Die Schöpferkraft der P.«, Berl. 1902); Wundt, Völkerpsychologie, Bd. 2, Teil 1 (Leipz. 1905).
3481 Zeichen · 44 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    PHANTASÎEf.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +1 Parallelbeleg

    PHANTASÎE f. wan di memôrje und di phantasie und di bildende kraft di mugen wol valsche bilde wirken myst. 129,28.

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Phantasie

    Adelung (1793–1801) · +1 Parallelbeleg

    Die Phantasie ,

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Phantasie

    Goethe-Wörterbuch

    Phantasie Gut 200 Archivbelege gegenüber etwa 700 bei ‘Einbildungskraft’ u annähernd 900 bei ‘Vorstellung’. Der deutlich…

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Phantasie

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Phantasie , griech., ein bei den alten Philosophen nicht allzu häufig u. meist in der Bedeutung von sinnlicher Vorstellu…

  5. modern
    Dialekt
    Phantasief.

    Mecklenburgisches Wb.

    Phantasie f. Phantasie, Einbildungskraft; wirre Fieberreden: he (der Schwerkranke) hett in Phantasie lägen (1932) Wa.

  6. Spezial
    Phantasief

    Dt.-Russ. phil. Termini · +1 Parallelbeleg

    Phantasie , f фантазия , ж → FiloSlov Einbildung, f → FiloSlov Einbildungskraft, f

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit phantasie

30 Bildungen · 29 Erstglied · 0 Zweitglied · 1 Ableitungen

Ableitung von phantasie

phantasien + -e

phantasie leitet sich vom Lemma phantasien ab mit Suffix -e, auf Verb-Stamm zurückgeführt.

phantasie‑ als Erstglied (29 von 29)

Phantasiebild

GWB

phantasie·bild

Phantasiebild a mental erzeugte (bildhafte) Vorstellung, auch mBez auf ein (mythisch-)literarisches Motiv, Geschehen weiß nichts Hübscheres,…

phantasiegebild

DWB

phantasie·gebild

phantasiegebild , n. : so lebte das phantasiegebild des teufels fast ein jahrtausend im deutschen volk. Freytag bilder (1867) 2, 2, 353 ; ic…

Phantasiegebilde

GWB

phantasie·gebilde

Phantasiegebilde wie ‘Phantasiebild’ b, mBez auf die Rezeption eines Kunstwerks Man vermischt gar oft ein P. das in uns bey Gelegenheit eine…

phantasiegestalt

DWB

phantasie·gestalt

phantasiegestalt , f. : ihr blütenduftgen phantasiegestalten ( vorher traumgestalten), die mich seit meiner kindheit zartem streben begleite…

Phantasiegewebe

Meyers

phantasie·gewebe

Phantasiegewebe , durch Farben oder Bindungen ungewöhnlich gemusterte Gewebe, namentlich der Damenkleiderstoff- und Besatzstoffbranche.

phantasiekraft

DWB

phantasie·kraft

phantasiekraft , f. : wirklich kann man sagen, dasz er ( J. Paul ) das übermasz seiner phantasiekräfte darin ( im Titan ) ausgetobt habe. Ge…

Phantasiekranz

GWB

phantasie·kranz

Phantasiekranz als Figur der ‘Mummenschanz’ in ‘Faust II’, Sinnbild des die Natur auf spielerisch-einfache Weise in der (modischen) Blumenku…

phantasieleben

DWB

phantasie·leben

phantasieleben , n. : dort im 13. jahrh. suchten die Schlegel die eigentliche blüte deutscher dichtung; und weil das ritterthum selbst schon…

phantasienspiel

DWB

phantasien·spiel

phantasienspiel , n. , vergl. phantasiespiel: sagt mir gründe, die nicht ein leeres phantasienspiel. Werner M. Luther 1, 2 .

phantasientrug

DWB

phantasien·trug

phantasientrug , m. : wars eitel traum? wars phantasieentrug? Maria sah mich an so mild, so freundlich. H. Heine 16, 124 .

Phantasienwelt

GWB

phantasien·welt

*Phantasienwelt [ ein Schiller-Wort auf Schiller selbst anwendend: ] In seine P. verschlossen, war er ein Fremdling in der wirklichen 1) Ges…

phantasiereich

DWB

phantasie·reich

phantasiereich , adj. : sie ist ein liebes geschöpf, und warum sollt ich ihr die guten phantasiereichen stunden nicht danken, da ich doch al…

phantasieren

DWB

phantasie·ren

phantasieren , verb. was fantasieren th. 3, 1319, aus mlat. fantasiari ( Dief. 225 a ), dem spiel der phantasie sich hingeben, dadurch ein p…

phantasieschöpfung

DWB

phantasie·schoepfung

phantasieschöpfung , f. : Jean Paul ... verwechselte hier ( in seinen romanen ) wieder die wirklichkeit mit der dichtung, das gesetz des erl…

phantasiespiel

DWB

phantasie·spiel

phantasiespiel , n. , vergl. phantasienspiel: wie traumhaft erschien es dem sinnend und müde dasitzenden, als ob die ganze wandlung, die sei…

Phantasiesteine

Meyers

phantasie·steine

Phantasiesteine , schöne, farbige Mineralien, die ausnahmsweise wie Edelsteine geschliffen werden. Vgl. Edelsteine.

Phantasiestrauß

GWB

phantasie·strauss

Phantasiestrauß als Figur der ‘Mummenschanz’ in ‘Faust II’, Sinnbild verschönernder Wirkung durch einen einfachen Kunstgegenstand, ein modis…

phantasiestück

DWB

phantasie·stueck

phantasiestück , n. ein ( namentlich musikalisches ) stück, worin man der phantasie folgt: phantasiestücke und historien von Weisflog (1824)…

Phantasiestücke

Meyers

phantasie·stuecke

Phantasiestücke , im weitern Sinn alle Werke der Poesie und der bildenden Kunst, bei denen der Phantasie ein mehr als gewöhnlicher Spielraum…

Phantasiewerk

GWB

phantasie·werk

Phantasiewerk Schöpfung der Phantasie, Kunstprodukt [ den ‘Schaden’ modischer Gartenkunst charakterisierend ] Phantastische und sentimentali…

Ableitungen von phantasie (1 von 1)