lautwandel 53 Wörterbücher · 2,7 Mio. Artikel
Wildcard · " Volltext

Aggregat · alle Wörterbücher

Mutwille

nhd. bis spez. · 5 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

GWB
Anchors
5 in 5 Wb.
Sprachstufen
3 von 16
Verweise rein
14
Verweise raus
37

Eintrag · Goethe-Wörterbuch

Mutwille

Bd. 6, Sp. 432
Mutwille -th-, vereinzelt -n, mehrf apokopiert zu ‘Muthwill’ 1 als Einstellung, Gesinnung, Charakter a Vorsatz, Absicht, Wille; auch: böser Wille, Bosheit; mehrf mBez auf schikanöses u mißbräuchliches Prozessieren daß [die Kinder]..von Eltern..angeleitet werden..niemanden aus M-n oder Übermuth ein Leids zuzufügen GWB26,104,22 DuW 2 daß während der Kriegszeiten..dieses Gotteshaus [Rochuskapelle bei Bingen] entweiht und verwüstet worden. Zwar nicht gerade aus Willkür und M-n, sondern weil hier ein vortheilhafter Posten die ganze Gegend überschaute GWB341,9,6 Rochusf [Weislingen:] Wir Menschen führen uns nicht selbst. bösen Geistern ist die Macht über uns gelassen, dass sie ihren Höllischen M-n an unserm Verderben üben GWB39,173,6 Götz1 V Wie denn auch bey so offenbaarem M-n, Prozeß-Küzzel, und sichtbaarer Verschleiffung Ew. HochAdel. Gestrengen und Herrlichkeiten p die Frau Gegnerinn in poenam temere litigantium [Strafmaßnahmen gegen Prozeßmißbrauch] zu verdammen nicht entstehen werden GWBDjG35,396,9 RAnw [8.9.75] B4,92,4 ChStein 21.10.79 26,126,1 DuW 2 7,160,13 DivNot 26,100,25 DuW 2 DjG35,209,27 RAnw [6.3.75] (aggressive, verletzende) Spottlust, bes mBez auf relig Themen; auch: Lust an der Parodie; einmal ‘aus etw seinen M-n auferbauen’ iSv seine parodistischen Bemerkungen daraus konstruieren; einmal ‘gemeiner M. für die unfaire, inadäquate Darstellung eines (schwächeren) Gegners Engländer, Franzosen, Deutsche hatten die Bibel mit..Heftigkeit, Scharfsinn, Frechheit, M-n angegriffen GWB27,96,24 DuW 7 Der Abbé Trublet..hatte viel von Voltaires feindseligem M-n zu leiden GWB45,215,5 RamNeffeAnm daß Knaben..sich am Schall der Worte..ergötzen, und durch eine Art von parodistischem M-n den tiefen Gehalt des edelsten Werks zerstören GWB28,73,25 DuW 11 Gemeiner M-n, der sich an Leibes- und Seelenschäden unbedeutender Menschen übt, ohne Kraft ihr Wesen und Manieren zu Karikatur zu verzerren GWB38,389,4 FGA Aufgefangener litBriefw [G?] Plp 43,360,10 Cell II 13 411,75,10 DonCiccio Unberechenbarkeit, Launenhaftigkeit (bes als Eigenschaft Amors); einmal ‘selbstischer M. iSv kapriziöse Eigenwilligkeit Cupido, loser, eigensinniger Knabe..Dein Muthwill' schüret Flamm' auf Flamme des Herdes,|Verbrennet den Vorrath des Winters und senget mich Armen GWB11,231 Claud2 664 Eigentliche Bosheit war vielleicht nicht in diesem verneinenden Bestreben [Lucianes Spottlust]; ein selbstischer M. mochte sie gewöhnlich anreizen GWB20,246,4 Wv II 5 b Leichtfertigkeit, Überschwang, Keckheit, (spielerische) Verwegenheit; bes als Eigenschaft der Jugend [Eduard, über ein Jugendabenteuer:] Der Weg war mit Matratzen verlegt, auf denen die Riesen [Wachsoldaten]..lagen und schliefen..wir aber im jugendlichen Muth und M-n stiegen ganz gelassen über die ausgestreckten Stiefel weg GWB20,127,5 Wv I 11 dabei würde eine gewisse lakonische Behandlung nöthig sein, um Gehalt und Gewicht dieses frechen M-ns auszudrücken [bei der Übs von Byrons ‘Don Juan’] GWB411,249,3 Üb:Byron,DonJuan Es muß für M-n eines jugendlich aufstrebenden Genies angesehen werden, daß P. Camper, der in allen Zweigen der bildenden Künste große Fertigkeit besaß, sich gegen Albins Tafeln erklärte GWBN12,141,1 NathistAbbildungen [dAlton] [Euphorion:] Nur durch die Haine!|Zu Stock und Steine!|Das leicht Errungene|Das widert mir,|Nur das Erzwungene|Ergetzt mich schier. [Helena u Faust:] Welch ein Muthwill'! welch ein Rasen!|Keine Mäßigung ist zu hoffen..Welch ein Unfug! welch Geschrei! GWB151,232 Faust II 9785 Lust an (derben, provokanten) Scherzen, Mystifikationen, auch an Neckereien, Tändeleien (mit erotischer Komponente) Unter uns jungen Leuten..in Leipzig..hatte sich..ein gewisser Kitzel erhalten, einander etwas aufzubinden und wechselsweise zu mystificiren. In solchem frevelhaften M-n schrieb ich an einen Freund..einen Brief von Versailles aus datirt GWB27,243,12 DuW 9 Schön erhebt sich der Aglei, und senkt das Köpfchen herunter.|Ist es Gefühl? oder ist's Muthwill? Ihr rathet es nicht GWB1,345 VierJahresz Frühling 6(652) [Vater zu Niklas:] Sie [Dortchen] verdiente daß ich ihr den M-n austriebe..Sie hat uns zum besten gehabt GWB12,107,12 Fischerin 27,177,10 DuW 8 26,279,26 DuW 5 uö(selten) c (physischer) Übermut, Ausgelassenheit, auch: Munterkeit, Lebhaftigkeit Fritz ist durch sein Übel an M-n nicht geringer GWBB7,45,3 ChStein 21.4.85 eine luftige nicht allzufeuchte Wiese befördert sein [des Pferdes] freies Dasein, welches eigentlich nur einer gränzenlosen Bewegung von hin- und herschwärmendem behäglichem M-n geeignet zu sein scheint GWBN7,202,8 PrincPhilZool II B39,229,2 ALevetzow 17.6.25 für Kühnheit, Esprit als Haltung, Einstellung des Autors (mBez auf ein Produkt literar Anmaßung); auch als ästhet Qualität eines Textes; einmal ‘erzwungener M.’: gewollter Witz; einmal ‘originaler M. für witziges Imitieren der Shakespeare'schen Wortspiele auf Englisch Sobald er [der erste Akt der ‘Vögel’] fertig ist schick ich eine Abschrifft an dich, er ist voller M-n, Ausgelassenheit und Thorheit GWBB4,242,14 Knebel 24.6.80 Die Plastik, der M. dieses Gedichtes [Wielands ‘Pervonte’] sind einzig, musterhaft, ja völlig unschätzbar GWBGespr(He2,765) Falk 25.1.13 38,352,4 FGA Epistel 28,75,2 DuW 11 2 Übergriff, absichtsvoll böses (rücksichtsloses, zerstörerisches) Tun, Gewalttätigkeit, vereinzelt: Aufruhr; auch abgeblaßt: ungezogenes, freches Verhalten Indessen hatte sich der Krieg, oder vielmehr die Folge desselben, unserer Gegend genähert, indem verschiedenemal gefährliche Rotten von verlaufenem Gesindel sich versammelten und hie und da manche Gewaltthätigkeit, manchen M-n ausübten GWB24,27,8 Wj I 2 [Regentin zu Machiavell:] Da hängt er [Alba] sich an jeden M-n, der vorbei ist, erinnert an jede Unruhe, die gestillt ist GWB8,234,20 Egm III Man jagte sich durch die Zimmer, verkleidete sich, versteckte sich. Melina, der anfangs einigen Ernst zeigen wollte, ward mit allerlei M-n auf das Äußerste gebracht GWB21,262,24 Lj III 4 33,317,15 BelagergMainz mBez auf (aggressive, verletzende) spöttische Äußerungen; einmal mBez auf Verbalinjurien gegen das Publikum (beim Extemporieren auf dem Theater) er [Goethes Vater]..behauptete, die Einladung [des Erbprinzen von Weimar] sei nur, um..wegen jenes gegen den begünstigten Wieland verübten M-ns [in Goethes ‘Götter, Helden u Wieland’] Rache an mir zu nehmen GWB28,324,15 DuW 15 B51,216 Voigt 23.3.07 uö(selten) GWBKünstler- Privat- Syn zu 1 Übermut zu 1a Bosheit Eigensinn Eigenwilligkeit Frechheit Frevel Grille Laune Schlechtigkeit Spott Unart Ungezogenheit Unverschämtheit zu 1b Anmaßlichkeit Anmaßung Ausgelassenheit Dreistigkeit Frechheit Frevel Keckheit Leichtfertigkeit Leichtsinn Mut Neckerei Schabernack Schalkheit Schelmerei Tändelei Tollheit Tollkühnheit Unart Verwegenheit zu 1c Ausgelassenheit esprit Fröhlichkeit Humor Lebendigkeit Munterkeit zu 2 Bosheit Frevel Gewalttat Missetat Schandtat Schlechtigkeit Spott Spötterei Übeltat Unart Untat Lydia QuaasL.Q.
6927 Zeichen · 71 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    mutwillem.

    Grimm (DWB, 1854–1961) · +2 Parallelbelege

    mutwille , m. , ahd. muotwillo, mhd. muotwille, in mehreren bedeutungen, die sich aus dem allgemeinen begriffe eines zu …

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Mutwille

    Goethe-Wörterbuch

    Mutwille -th-, vereinzelt -n, mehrf apokopiert zu ‘Muthwill’ 1 als Einstellung, Gesinnung, Charakter a Vorsatz, Absicht,…

  3. Spezial
    Mutwille

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Mut|wil|le m. (-ns) 1 (Boshaftigkeit) cativeria (-ries) f. 2 (Absicht) intenziun (-s) f.

Verweisungsnetz

46 Knoten, 43 Kanten

Tap auf Knoten öffnet Detail · Drag zum Umpositionieren · Scroll zum Zoomen

1-Hop 2-Hop
Filter:
Anchor 2 Hub 1 Kompositum 41 Sackgasse 2

Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit mutwille

5 Bildungen · 4 Erstglied · 1 Zweitglied · 0 Ableitungen

Ableitung von mutwille

mutwillen + -e

mutwille leitet sich vom Lemma mutwillen ab mit Suffix -e, auf Verb-Stamm zurückgeführt.

Zerlegung von mutwille 2 Komponenten

mut+wille

mutwille setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

mutwille‑ als Erstglied (4 von 4)

mutwillen

FWB

1. ›nach Maßstäben der gültigen Moral und Ordnung lose, lasziv, unzüchtig, lasterhaft leben; randalieren; sich gegen Sitte, Gewohnheit, Rech…

mutwillens

DRW

mut·willens

mutwillens, adv. I wie mutwillig (I) die panden, ghepeyndt of moitwillens ghegheven 1426/40 KleveStR. Art. 207. ebd. Art. 130. II wie mutwil…

Mutwillensstrafe

Meyers

mutwillens·strafe

Mutwillensstrafe ( Frivolitätsstrafe ), in Österreich eine Strafe von 10–2000 Kronen, die der Verwaltungsgerichtshof gegen Parteien und dere…

mutwillentlich

DRW

mut·willentlich

mutwillentlich, adv. wie mutwillig (II) fraͤvenlich und můtwillentlich 14./15. Jh. ZürichOffn. I 389 Faksimile

mutwille als Zweitglied (1 von 1)

Nachtmutwille

DRW

nacht·mutwille

Nachtmutwille, m. zu Mutwille (VI 1) nächtliche Ruhestörung als Straftat 1491 BernStR. I 254 falls neben dem blossen nacht-muthwillen noch a…