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grillenfänger

nhd. bis sprichw. · 7 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

grillenfänger m.

Bd. 9, Sp. 326
grillenfänger, m. , nur übertragen; in dem wort wiederholt sich z. t. die geschichte von grille. 11) zunächst von einem menschen, der phantastische, wunderliche einfälle hat und sich dementsprechend aufführt (vgl. grille II B 2. 3); gesticulator, febricitans, curiosus, gestuosus, cerebrosus, fanaticus Stieler 703; cacciatore di grilli cioè fantastico, giribizzoso Kramer teutsch-ital. 1, 337b: was höre ich doch von diesem grillenfänger wunderliche händel .. vernehme ich, dasz in der welt kein grösser phantast, als er sey zu finden Rist d. friedejauchzende Teutschland (1653) 90; es wahre bey ihme seine seele und seligkeit viel wolfeiler als das geringste seyl oder bändigen, so der grillenfänger in seinem tabulitke, betrugs-buden .. hatte Prätorius katzen-veit (1665) g 1a; die medici sind wohl wunderliche grillenfänger! alles meinen sie mit purgiren und laxiren auszurichten ollapatr. 266, 28 neudr.; das ethos des wortes weist zunächst ins heitere: so hat fast nothwendig ein lepidum caput, oder freudiger grillenfänger, sich zu gegenwärtiger materie finden sollen Prätorius philosophia colus (1662) vorr. 3a; ich folgte gern (der aufforderung ein lied zu singen), weil ich eben in laune war, wie dan die musici gemeiniglich seltzame grillenfänger sind Grimmelshausen Simpl. 296 neudr.; gelegentlich an den concreten gebrauch von grille II B 3 anfang erinnernd: weil solche lobbriefe nur bey den heydnischen grillenfängern gelten Arnold kirchen- u. ketzerhist. (1699) 363b; der müssige grillenfänger Lucianus schreibt ein buch von der fliege medic. maulaffe (1719) 959. 22) im 18. jh. tritt eine andere bedeutung mit anderem stimmungsgehalt in den vordergrund: homo cerebrosus qui inanibus studiis distrahitur Wachter (1737) 614; ist der verstand noch schwächer, so geräth er auf fratzen, bedeutende träume, ahnungen, wunderzeichen. er ist in gefahr ein ... grillenfänger zu werden Kant 2, 244 Hartenstein, wo der begriff philosophisch erläutert wird; die einbildungen aller einsiedlerischen grillenfänger in den wüsten Egyptens Zimmermann einsamkeit 2, 69; dann 'einsamer kauz, querkopf, sonderling': damit mich aber niemand vor einen geitzhalsz oder grillenfänger ansehen möchte, so besuchte meine nachbaren fleiszig Schnabel insel Felsenburg 404, 30 Ullrich; diesem wird ein andrer entgegen gestellt, der aus ehrsucht ein sonderling und grillenfänger ist neuer büchersaal d. schön. wissensch. u. fr. künste 1, 70. mit groszer vorliebe gebraucht das 18. jh. das wort für den gelehrten oder scheingelehrten sonderling, querkopf, pedanten; es wird das gangbarste scheltwort gegen die gelehrten: wenn man den grammatikalischen grillenfängern folgen wollte Schönaich ästhetik (1754) 78; die gelehrten nannte er nur grillenfänger und pedanten Eschenburg beispielsamml. 8, 2, 55; ihr herren grillenfänger könnt freylich mit niemand klügerm reden als mit euch selber Lessing 2, 57 M.; vgl. 4, 342; 7, 472; es ist aus der ganzen stelle klar, dass sie nur von sophisten, gelehrten handwerksmännern, grillenfängern und halbgelehrten reden Wieland I 2, 295 akad. ausg. 33) die jüngste entwicklung schiebt ein bedeutungselement in den vordergrund, durch das der ursprüngliche stimmungsgehalt des wortes (s. 1) ins gegentheil verkehrt wird: 'der in trüben (miszstimmenden, beunruhigenden, verdrieszlichen, sorglichen), seltsamen, wunderlichen einfällen mit eigensinniger stimmung befangene und ihnen nachhängende' Weygand synon. 2, 518; also: griesgram, murrkopf, hypochonder; am frühesten wird diese bedeutung fühlbar in der bis heute beliebten zusammenstellung alter gr.: der studiosus wolte auch nicht aus beisorge den korb zu bekommen, bei diesen alten grillenfänger umb die tochter ehrlich anhalten Joh. Riemer polit. leiermann (1683) 111; ihr vater, ein alter verwünschter grillenfänger Kürnberger novellen (1861) 1, 51; vgl. auch glossierungen wie muricidus, curio Steinbach 1, 380; er ist ein rechter grillenfänger vanas curas fovet ib.; aber erst seit dem ende des 18. jhs. recht lebendig; heute herrschend: grillenfänger, unsre feinde, packet euch, wir sind gedeckt studentenlied in Halle, anhang 12 Burdach; du bist der ewige grillenfänger Schiller 3, 24 G.; der ehestand hat ohnehin der trübseligkeiten so viele, dass ein fröhlicher mensch vollauf zu thun hat ..., nun erst ein grillenfänger Bäuerle kom. theater 4, 51. — selten in verkürzter form: dasz die beste welt eine grille, die monaden ein traum, .. und Baumgarten ein dunkler grillfänger sey Nicolai lit. br. 1, 130.
4520 Zeichen · 60 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Grillenfänger

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Der Grillenfänger , des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Grillenfängerinn, plur. die -en, eine Person, welche Grillen …

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Grillenfänger

    Goethe-Wörterbuch

    Grillenfänger a Griesgram, Nörgler, Beckmesser Heiter trete jeder Sänger | Hochwillkommen in den Saal: | Denn nur mit de…

  3. modern
    Dialekt
    Grillenfänger

    Rheinisches Wb.

    Grillen-fänger Prüm , Dür , Grevbr m.: launischer Mensch.

  4. Sprichwörter
    Grillenfänger

    Wander (Sprichwörter)

    Grillenfänger Er ist ein Grillenfänger. – Meisner, 80.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit grillenfaenger

4 Bildungen · 4 Erstglied · 0 Zweitglied · 0 Ableitungen

Ableitung von grillenfaenger

grillenfang + -er

grillenfaenger leitet sich vom Lemma grillenfang ab mit Suffix -er, mit Umlaut-Wechsel.

Zerlegung von grillenfaenger 2 Komponenten

grillen+faenger

grillenfaenger setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

grillenfaenger‑ als Erstglied (4 von 4)

grillenfängerei

DWB

grillen·faengerei

grillenfängerei , f. , namentlich im 18. jh. recht häufig. 1 1) meist in der bedeutung '( unfruchtbare ) grübelei, verworrene, abstruse, hal…

Grillenfängerey

Adelung

grillenfang·e·rey

Die Grillenfängerey , plur. die -en. 1) Der Zustand des Gemüthes, da man Grillen fänget; in der zweyten Bedeutung des Wortes 2. Grille, und …

grillenfängerin

DWB

grillen·faengerin

grillenfängerin , f. , nicht ganz seltene movierung: gleichwohl gebe ich noch nicht alle hoffnung auf, dasz sie nicht ... unter dem namen de…

grillenfängerisch

DWB

grillen·faengerisch

grillenfängerisch , adj. , namentlich im 18. jh. ziemlich häufig: grüblerisch, unfruchtbaren speculationen nachhängend; so von politisch unz…

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „grillenfaenger". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 16. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/grillenfaenger/dwb?formid=G28335
MLA
Cotta, Marcel. „grillenfaenger". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/grillenfaenger/dwb?formid=G28335. Abgerufen 16. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „grillenfaenger". lautwandel.de. Zugegriffen 16. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/grillenfaenger/dwb?formid=G28335.
BibTeX
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