wag,
m. bewegtes wasser, teich, stauwasser. ein wort der älteren sprache, das nur in geringen resten noch jetzt in der volkssprache lebt, verwandt mit woge. II.
herkunft und verbreitung. I@11)
das wort ist in allen altgermanischen dialecten zu finden: got. wêgs,
m. bewegung (
σεισμός)
des meeres, bewegtes meer (
κλύδων),
pl. wêgôs (
dat. wêgim)
wogen (
κύματα);
anord. vágr,
m. meer, meeresbucht, wasser, das aus einer wunde flieszt, die beiden letzten bedeutungen hat auch norw. vaag Aasen 905,
schwed. dialectisch vg Rietz 827 (
schwed. vg '
woge'
ist fem.);
ags. wǽg,
m. bewegtes meer, meeresflut, im pl. wogen, wellen, auch noch mengl. wage, wawe Stratmann-Bradley 663;
afries. weg, wei
bewegtes wasser, nfries. weage, wag;
asächs. wâg,
m. bewegtes meer, im pl. (
in wâgo strôm)
auch woge; ahd. wâg Graff 1, 662
gurges, vorago, fretum, aequor, pontus, lacus, stagnum, liquor, mhd. wâc.
das wort schwankt in seiner stammbildung: im got. ist es i-
und a-
stamm, im ags. fries. i-
stamm, im nord. dagegen a-
stamm; im ahd. findet sich der pl. wâgi,
auch im mhd. kommen umlautende formen vor (
s. unten II, 3. 4),
daneben später solche ohne umlaut (
s. die belege aus Ryff. Fronsperger II, 3
und Forer II, 4).
der grundbedeutung nach ist jedenfalls von wägen, bewegen
auszugehen; die ursprüngliche bedeutung '
bewegung'
musz aber schon im urgermanischen eine beschränkung auf die bewegung des wassers erfahren haben (
auf die allgemeine bedeutung führt noch das altsächs. zugehörige verbum wâgian
commovere, gewagit
in den Straszburger glossen bei Wadstein 107
b, 37,
vgl. auch wogen).
die noch in spuren vorliegende abstracte bedeutung weicht dann einer mehr concreten '
bewegtes wasser',
bei den meeranwohnenden Germanen ganz besonders '
bewegtes meer',
während im oberen Deutschland die beziehung auf flusz, bach, teich vorwiegt. I@22)
im hochd. ist das wort allmählich zurückgewichen. schon früher gehört es mehr der dichtung, als der prosasprache an. wie aus dem ags. und asächs. hervorgeht, war es in der altgermanischen epik beliebt, im stabreim mit wind, wasser, welle
gebunden. auch in der mhd. dichtung ist es in allgemeinem gebrauch, bei Ober- und Mitteldeutschen. bestimmte wendungen wie die vische in dem wâge
sind aus der dichtersprache in die prosasprache, namentlich die der rechtsquellen, übergegangen. sonst kommt das wort in der prosa häufiger nur in den specielleren bedeutungen vor (II, 1. 3. 4),
in denen es sich noch jetzt erhalten hat. zu beginn der nhd. zeit findet es sich namentlich noch im südwesten. Diefenbach
hat (
meist aus rheinischen glossaren)
gl. 271
b gurges, waag, waug, 438
a piscina, wag, waag, wage, wack, wayg, 550
b stagnum, wag, waig, waeck,
n. gl. 199
a gurges, wang (
für waug), wage.
auch voc. theut. (
Nürnberg 1482) wag als wasser,
gurges, oder pach oder stromwassers oder tumpffel mm 7
a.
von gröszeren wörterbüchern kennen es folgende: Dasypodius 90
c gurges, ein gumpe, wage, grosse tieffe in eym flusz, 451
a wage, eyn gumpe,
gurges. Alberus
dict. Zz 2
a piscina, ichthyotrophium, vivarium, lacus, stagnum, ein helter, klawer, wag, see, weiher. Maaler 478
d waag (der), wasserwage,
gurges. Junius 282
b gurges, wassergunte, gompe, waag.
litterarisch tritt das wort im 16.
jahrh. nur noch spärlich auf, doch läszt es sich bei Alemannen (Ryff. Sebiz),
Schwaben (Fronsperger),
auch Nürnbergern (H. Sachs. Pfinzing
im Theuerdank)
nachweisen. im bairischen kommt es bei Füeterer, Vintler, Wolkenstein
und noch bis zu anfang des 17.
jahrh. vor (Schmeller
2 2, 867),
verschwindet aber dann. auch das östliche Mitteldeutschland scheint [] das wort (
abgesehen von bestimmten verwendungen in der technischen sprache s. II, 1,
d)
frühzeitig verloren zu haben; Luther
kennt nur woge.
so hat das wort keinen eingang in die schriftsprache gefunden, die späteren wörterbücher verzeichnen es nicht und nur der viel aus der süddeutschen volkssprache schöpfende Kirsch
hat 1, 552
gurges, wasser-strudel, wasser-wirbel, wasser-dümpffel, waag, wasser-grut oder pumpe.
als mundartlicher ausdruck lebt es jetzt noch in Schwaben, am Ober- und Mittelrhein und bis in das nd. gebiet Westfalens hinein, ist aber auch im zurückweichen begriffen (
s. die nachweise unter II).
vielfach haftet es nur noch als name an bestimmten örtlichkeiten. ortsnamen auf -wag, -wog
kommen in der Schweiz, dem Elsasz und am Mittelrhein vor. auszerdem hat sich in der bergmannsprache das wort in der form wog (
s. d.)
für '
grundwasser'
erhalten. I@33)
als ersatz von wag
in der schriftsprache kann in gewissem sinn das fem. woge
angesehen werden, das anfangs im nhd. die ursprünglichere nebenform wage (
vgl. auch wache
und wagge)
hat und besonders durch Luther
der schriftsprache zugeführt worden ist (
s. das nähere unter woge).
es bedeutet auch zunächst '
bewegtes wasser, meerflut'
u. dgl. und dann erst '
welle'.
gewöhnlich wird woge
auf den plur. von mhd. wâc
zurückgeführt; dieser plur. hat aber in den älteren quellen meist umlaut, läszt sich auch nur in der bedeutung '
teiche'
nachweisen. jedenfalls ist woge
zunächst an das mnd. fem. wage (
auch mndl. waghe)
anzuknüpfen, das im späteren mhd. auch in md. quellen erscheint. das nd. mag wie bei sê '
meer'
einen genuswechsel vorgenommen haben. in betracht kommt auch, dasz neben wag
ein schwaches masc. wage
vorkommt: der weiher und woge oben an Gerweiler genannt der Liebfrawenwage. Buck
obd. flurnamenbuch 290,
s. ferner den beleg aus Oswald v. Wolkenstein (II, 1,
a),
auch wage
bei Dasypodius, wasserwage
bei Maaler
wird so zu deuten sein. war dieses masc. wage
weiter verbreitet (Lexer 3, 623
belegt es auch aus dem Karlmeinet),
so wäre das auftreten des fem. um so eher zu verstehen, da übergänge vom schwachen masc. zum fem. auszerordentlich häufig vorkommen. auch im obd. kommt seit dem 16.
jahrh. ein fem. wag (
s.woge)
neben dem masc. vor, auch jetzt mundartlich, namentlich in der Schweiz; dagegen hat sich am Mittelrhein das masc. erhalten. I@44)
von neueren dichtern hat R. Wagner wag
wieder gebraucht: Rheingold! ... glühender glanz entgleiszt dir weihlich im wag. 5, 272 (
Rheingold). IIII.
bedeutung und gebrauch. II@11) wag
steht der ursprünglichen abstracten bedeutung am nächsten, wenn es wasser bezeichnet, das sich in lebhafter bewegung befindet. II@1@aa)
es kann auf das stürmische meer, die hochgehende see, meeresflut gehen. diese bedeutung, die im nordischen, angelsächsischen und altsächsischen die gewöhnliche ist, kommt auch im ahd. und mhd. vor: an felisa uppan wegos wirkid,thâr im wind ni mag ne wâg ne watares strômwihtiu getiunean (
schaden).
Heliand 1812; daʒ geschach von dem wâge, der wider in (
den seefahrer) tobete unde vacht. Albrecht v. Halberstadt 26, 102
Bartsch; dô wart ir kumberlîchiu vart gesenftet an der stunde: wint unde wâc begunde sich sâ zerlœsen und zerlân, daʒ mer begunde nidergâ
n. G. v. Straszburg
Tristan 2460; zuo manger zeit kumbt dir mit neid scherock (
scirocco) mit grossem widerstreit, mit dem so leid sehr schrotten in dem wagen. O. v. Wolkenstein 28, 3, 4; wages weter, unweter, ungewyter, sturmweter im wasser,
tempestas. voc. theut. (1482) mm 7
a; wiewol Neidhart ... ein teur man, so vermocht er sich auf dem waszer ganz nichts, und mocht leicht ein wint oder wag aufsteen, so lag er als ein tot man, was schiffkrank. Wilwolt v. Schaumburg 177
Keller; der hohmeister als der zwischen dem wag und wellen schiffete, und ihme selbst nicht rahten kündte, gab dem winde das siegel, lies es gerade gehen wie es gieng. Schütz
Preuszen 136.
von der sündflut: ther (
Noe) thia arca sînên kindonrihta in thên undôn, thes wâges er sie wîsta,thera freisûn ouh irlôsta. Otfrid 1, 3, 12 deu fluot begunde giʒen, deu waʒer harte diʒen, nechein perc was so hoh, deu unde dar ubere zoh. der wac was vreislich, ime newart ni nicht gelich. Diemer
d. ged. 12, 28 (
Moses).
[] II@1@bb)
bei den dem meere entrückten bewohnern des mittleren und südlichen Deutschlands lag die beziehung des wortes auf flieszendes wasser näher. dem vorausgehenden schlieszt sich am nächsten an, wenn wag
als '
hochgehendes, austretendes, überflutendes wasser'
genommen wird, was nur in der älteren sprache vorkommt: ze dem (
himmel) wil ich mich ziehen und solhen bû fliehen den daʒ fiur und der hagel sleht und der wâc abe tweht, mit dem man ringet unde ie ranc. H. v. Aue
armer Heinr. 792; herre got, du muozist in bescirmin vor wage unde for wafine, vor fiure, vor allen sinen fiandin. Wackernagel
altd. predigten 78, 4; auch öffent si, das si sizen bei gewaltigem wag, und wem gewaltiger wag nichts nimbt, dem mag er auch nit geben, wär aber, das ain gewaltiger wag hinbrüch ab äckern oder ab wismad ... das mügen si wol aufheben ... zu dem lehen, davon es gebrochen hat.
österr. weisth. 4, 358, 15 (
Tirol 17.
jahrh.).
vgl. auch wilder wag 2,
d. II@1@cc)
häufiger findet es sich als wasserstrudel, tiefe stelle in einem flusz oder bach, wo sich wirbel bilden. darauf deutet die wiedergabe durch gurges in ahd. glossen und in den wörterbüchern bis auf Kirsch (
s. oben). auch jetzt kommt diese bedeutung noch vor, namentlich im alemannischen: in der Schweiz und in Schwaben ist sie überall verbreitet; auch im elsässischen Münsterthal (
Straszb. studien 2, 284)
ist wyok woi
tiefe stelle in einem bache, wasserwirbel; spärlicher im md.: in Nassau Kehrein 448 wog
wirbel im Rhein; auch in Westfalen Woeste 313 wg
tiefe stelle im flusse. wegen der bedeutung '
tiefes wasser'
vgl. noch: unde tránchta siê (
die juden in der wüste) samo in tiêffemo wâge,
et adaquavit eos velut in abysso multa. Notker
ps. 77, 15. II@1@dd)
bei den müllern ist der wag
der theil des mühlbachs unterhalb des rades, wo sich durch das gefäll eine vertiefung gebildet hat, in der das wasser sich kreisend bewegt; wenn kein wasser von oben zuflieszt, heiszt er toter wag: man sal auch nymande keine hebe gebe, her habe dan gewegen (
die höhenlage festgestellt) als recht ist von syme toten woge und vom fachboume wan an den nedern hert.
Erfurtische wasserordnung bei Michelsen
rechtsdenkm. aus Thüringen 120; das der tote wog sal ste von der borgermol an bis an den (
fach-)boum der do lidt an dem stege vor den liden. 126; die zum boden dieses gerinnes benöthigten schwellen werden durchgehends auf zwey pfähle aufgelegt, da denn in ansehung des fachbaums immer einer tiefer als der andere zu liegen kommt, dasz also die letzte schwelle dem todten waag gleichkommt. Beyer
mühlenbaukunst (1803) 1, 12; kann man demnach bey erbauung dieser mühlen das letzte rad allemal in den todten waag hinein bauen ... es ersäuft zwar, wenn das wasser etwas wächst, ein solches rad leichte; inzwischen aber kann es doch bey mittel- oder kleinen wasser, da der waag oder das stauchwasser keinen starken widerstand thut, seine dienste so gut als die übrigen räder verrichten. 1, 50; 1 elle 5 zoll (
steigt das wasser) vom ochsen-wehr-graben bisz in den waag unter der Anger-mühle auf das stille wasser oder horizontalfläche.
bericht (
Leipzig 1725)
ebenda 2, 235. II@1@ee)
abgeschwächt ist diese bedeutung von wag
in verbindungen mit einem genetiv (meer, strom, wasser): wan im vil dicke swebte sîn lîp in solher wâge als ûf des meres wâge ein schefbrüchiger man ûf einem brete kæme dan ûʒ an daʒ stat gerunnen. H. v. Aue
Erec 7063; und do si quamen ubir den wag des meris (
trans fretum maris) in daʒ kunigriche Gerasenorum.
M. v. Beheim
evang. Marc. 5, 1; darumb sy paten, das er wolt verziehen hewt newr disen tag, dann geferlich wer des mers wag zuo faren in zeit der wetter.
Theuerdank 32, 42; das frey gewild sprang in dem hag. die visch schnaltzten in strames wag. Hans Sachs 4, 245, 11
Keller; auf freyem wag des wassers verschickhen.
Tiroler landordnung v. 1603
bei Schöpf 794; in den wack des wassers versenken. Gemeiner
Regensburger chronik bei Schmeller
2 2, 868. II@22)
in andren fällen bezeichnet wag
ein seiner natur nach bewegtes wasser, meer, see, flusz, bach, ohne dasz der begriff der bewegung besonders hervortritt. so häufig in der mhd. dichtung; die neuere sprache hat diese bedeutung dagegen nicht fortgesetzt. [] II@2@aa)
vom meer: wanta er giscuaf thesa erdajoh himilisga wunna, ouh then sê hiar nidana;bi thiu giang er thâr sô obana. thaʒ was bi thiu, in wâr mîn;ther selbo wâg, ther was sîn, ther selbo sê, thaʒ ist wâr;bi thiu nintweih er mo thâr. Otfrid 3, 9, 17; swaʒ der wâc umbvlûzet, Oceanus daʒ grôʒe mer. Albrecht v. Halberstadt 1, 348
Bartsch; von des genâden Jônas ouch in dem mere genas, der drîe tage und drîe naht in dem wâge was bedaht in eines visches wamme. H. v. Aue
Gregorius 934
Paul; der wâcwîse Tristan ûf dem wâge sich vorstân wol konde nâch den rîchen. H. v. Freiberg
Tristan 1566; David schreib mit des geistes ger: sin herschaft ist von dem mere anz mer, von dem wage sundir missewende biz an des ertriches ende. Brun v. Schonebeck 3778
Fischer; und ûf des wâgis swalge, der dâ heiʒit daʒ vrische hab, wart sô gar gelegit ab der heidinschaft ir wandrin, daʒ noch ein noch andrin darûf getorstin komen.
N. v. Jeroschin 4850
Strehlke; recht als der telphin ... zuo wages grundt. O. v. Wolkenstein 42, 2, 11. II@2@bb)
von einem landsee: stuont her nâh themo wâge (
secus stagnum) Genesarêth.
Tatian 19, 4; man list hute in dem ewangelio von unserm herren Jhesu Christo, daʒ er stunt bi einem wage und zoch zu im ein michil menige, uf daʒ sie horten gotis wort.
altd. predigten 1, 366, 10
Schönbach; Parzivâl sprach al zehant 'in dem sê den künec ich vant gankert ûf dem wâge'. W. v. Eschenbach
Parz. 491, 21. II@2@cc)
von flüssen, bächen: dâr quâmen si zeinem wâge, dâ gescah in gnâde, wande si sih gelabeten von dem durste, den si habeten. der wâg hîʒ Eufrates. Lamprecht
Alexander 26217; dô bunden si ir die hende ... und îlten si vuoren ze Rôme zuo der bruke. dâ nam si ûf den ruke ainer der genôʒ, in den wâc er si scôʒ.
kaiserchronik 11887
Schröder, ich kom in michel arbeit, dô ich über daʒ waʒʒer reit die hôhen brüke hie bî ... dô enpfiels (
die büchse) mir in den wâc zetal. H. v. Aue
Iwein 3673; er rehôrte eins dræten waʒʒers val: daʒ het durchbrochen wît ein tal, tief, ungeverteclîche ... der wâc was snel unde grôʒ. W. v. Eschenbach
Parz. 602, 19; eʒ ergie den Niblungenzen grôʒen sorgen wie sie kœmen übere:der wâc (
die Donau) was in ze breit.
Nibel. 1467, 3; dô treip er dicke in einen bach daʒ vihe trenken in dem wâge. der flôʒ in einem schœnen hage vür eine wilde clûse. K. v. Würzburg
troj. krieg 703; daʒ kint (
das in den bach gefallen war) sach er sweben dort und ringen mit deme wâge.
passional 223, 53
Köpke; nein, Johannes min lieber mogk, teuffe mich in dissem wogk!
Alsfelder passionsspiel 523
Grein. II@2@dd)
häufig ist die verbindung wilder wag: ich var ûf einem wildenwâge eine wîle. W. v. Eschenbach
Titurel 119, 1; dâ vlûʒet ein wilder wâc tief und breit; er machet trâc die dâ mit den schiffen varn des somers, wie kûme sie sich bewarn.
livländ. reimchr. 3961
Meyer; von freuden muos ich stan und swebt mein klag auff ain bilden bag teglich tag, das ich schir verzag. O. v. Wolkenstein 76, 2, 16; wer den treibern ir holz ab dem waʒʒer nimpt, daʒ sol er beʒʒern ... ist aver, daʒ ain güsse chumpt und in daʒ holz entrinnet ... wer daʒ vehet (
am ufer) und zue ainander sammet, der sol haben daʒ drittaîl ... vehet eʒ aver ainer uf wildem wage, der sol eʒ halbeʒ haben.
österr. weisth. [] 5, 393, 31 (
Tirol 14.
jahrh.).
vgl. auch wilde wage
im Sachsenspiegel 2, 28, 1
als '
frei flieszendes wasser'
gegenüber dem künstlich gegrabenen teich. II@2@ee) wag
kann auch von der rieselnden, sprudelnden quelle gebraucht werden: und also ein wilder hirz gemaget, der sich den hunden habe entsaget und kome ilende gerunnen zu eines kalden wages brunne. Brun v. Schonebeck 11153
Fischer. hierher gehört auch mhd. heilawâc, heilwâc, heilwæge (
entsprechend dem anord. heilivágr Fritzner 1, 757,
also ein uraltes wort),
flieszendes brunnenwasser, zu heiliger zeit geschöpft, dem heilkräfte zugeschrieben werden. Grimm
myth.4 1, 485. II@33)
weiter entfernt es sich von der ursprünglichen bedeutung, wenn wag
dann auch stehendes wasser bezeichnet, teich, weiher, ja sogar tümpel, wassergraben: stagnum, wah Steinmeyer-Sievers
gl. 3, 356, 47 (
vgl. auch oben I, 2
aus Diefenbach
und II, 2,
b).
eine vermittlung ist indes doch möglich. wag
hat zunächst nicht die künstlich angelegten teiche bezeichnet, sondern die stellen eines flusses oder baches, wo er ganz geringes gefälle hat und infolge dessen sich vertieft und erweitert; das wort hat also seine bedeutung zunächst nur insofern geändert, als das moment der wassertiefe (
oben 1,
c. d)
das der bewegung zurücktreten liesz. in dieser bedeutung ist wag
noch jetzt in der Schweiz üblich (
geschichtsfreund 42, 275).
dann hat man es überhaupt für ausgebreitetes, stillstehendes wasser, teich gebraucht und auch auf für die fischzucht geschaffenen weiher übertragen, vgl. die wiedergabe durch '
piscina'
in den glossaren bei Diefenbach
und bei Alberus,
sowie: piscina, eyn fischteych oder see oder wag.
voc. ex quo n 6
a.
so erscheint wag
als teich, fischteich häufig in Westdeutschland z. th. in ausdrücklichem gegensatz gegen flieszendes wasser: vier weeg in der Glatt, da ist der ain külchwag zue Glattheim, der ander der wag zue Gössliswerd, der dritt der wag zu Wysenmülin, der vierdt ist der wag genandt der sonnenwag.
weisth. 1, 383 (
Schwarzwald 15.
jahrh.); item Nunhoffen das dorf mit aller oberkait, verbott u. gebott ... uszgescheiden die zween wög im dorff gelegen. item die wög unden an Schonneken gelegen.
Alsatia diplomatica nr. 1451; so sprechen sie, das nyemant habe recht in den fliessenden wassern zu vischen ane loube ... aber sie sprechen, daʒ die burgman recht haben zu vischen in des keisers wage drei tage in der wochen. auch sprechen sie, daʒ ein amptman denselben wagk verbieden moge viere wochen in dem leiche, unde nit langer.
weisth. 1, 773 (
Pfalz, wol 15.
jahrh.); wer visch in aines andern mannes wage stilt.
rechtsbuch von 1453, Schmeller
2 2, 867; seewasser inn stillstehenden tieffen waagen, ist auch seer schedlich. Ryff
lustgarten der gesundheit 3
b; weiter soltu auch war nemen, ob in der nähe weiher, tieffe waag oder see ligen, soltu ob gemelter ursach halben die wonung nit daselbst hin richten. 6
a; dieser vogel (
der schwan) haltet sich den mehrer theil im wasser, inn tieffen wogen und seen.
thierbuch Alberti magni K 2
a; also wirt die sonn zum auffgang allen schädlichen lufft temperieren, sonst wer wol besser, dasz alle flüsz, see und wag gegen mitnacht dann gegen mittag gericht weren. Fronsperger
kriegsb. 233
a; so vil möglich, soll man zu eym landgut eyn ort auszgehen, welches weit entlegen seie von sümpffen, pfützen, wag, und stinckendem muras. Sebiz
feldbau (1580) 10.
jetzt ist das wort (
als wog)
für '
teich'
namentlich noch üblich in der Pfalz und sonst am Mittelrhein. Schmeller
2 2, 867.
beitr. z. gesch. d. d. spr. u. litt. 15, 191,
meist aber nur als benennung einzelner teiche. vereinzelt erscheint wag
als wassergraben: pis si di purg in ainem werd sahen, mit ainem tieffen wag umbgürtet. Füeterer
Lanzelot 87
Peter. als cisterne: er puckt sich mit dem körpel dar, den wolt er lassen vil gewar in die zistern vil leise. die fraw was cluog und weise und begraif in bei den füszen sein und sturzt in in den waug hinein. Kaufringer 175, 358
Euling. schwäb. wg
auch als '
wassertümpel, roszschwemme'. Birlinger
wb. zum volksthüml. aus Schwaben 90. II@44)
mit der bedeutung '
wasser mit geringem abflusz, tiefes, ausgebreitetes wasser'
berührt sich dann weiter noch die von stauwasser, vermittelst eines wehrs abgedämmtes wasser: sclusa, wac
vel wer. Steinmeyer - Sievers
gl. 3, 213, 38; auf den wüsten bächen war das flözen nur zu Bestimmten zeiten möglich, wenn das aufgestaute wasser losgelassen wurde. dieses stauwasser
[] hiesz man wog oder gefangenes wasser.
zeitschr. f. gesch. des Oberrheins 11, 276.
am Rhein wurden einzelne arme mit wehren abgedämmt zum zweck der fischerei: daʒ wir ... hant verkouft Peter Weidmanne ... alles das recht, das wir hatten an dem wage ze der LOeningern, und alles unser erbe, daʒ zuo der vischentze hOert obenan und nidenan.
urkundenbuch der stadt Basel 3, 175, 12 (
von 1297); mit den erberen luten, den vischern von Louffenberg, die von uns belehent sint uf den wegen und vischenczen, der namen hie nach geschriben stant: zuo der lachen, zuo dem schiffe .., zuo dem tovbenden wage und waʒ dar zuo hOerret, so denne zuo der lovgenerinen, zuo fron-wegelin.
zeitschr. f. gesch. des Oberrheins 12, 300 (
hauptvertrag des klosters Säckingen über die fischerei zu Laufenburg. 1347); man facht sy (
die salmen) ... auch mit sonderen garn, an bereiteten orten, so man waag nennet, sölche hat man vil zwüschend Basel und Lauffenberg. Forer
fischb. 183
a; waags nennt man am Rhein die plätze und gegenden, wo salmen gefangen werden. Jacobsson 8, 115.
die bedeutung '
stauwasser'
lebt jetzt nicht nur im schwäbisch - alemannischen, sondern hat sich auch noch in Hessen erhalten. Vilmar 434. Crecelius 920,
allerdings '
im absterben begriffen',
besonders findet sich Wog
als name für stellen, wo die Lahn gestaut ist. es kommt auch vor für eine wiese, die aus einem ausgetrockneten fluszarm entstanden ist. Vilmar 434.
so auch in Henneberg Spiesz 273. II@55)
im mhd. findet sich wag
auch in der allgemeinen bedeutung von '
auf dem erdboden verteiltes wasser',
wobei an flieszendes oder stehendes wasser gedacht werden kann. in bestimmten verbindungen hat sich das bis ins nhd. hinein erhalten. so die fische in dem wage: sô fisg in themo wâge. Otfrid 3, 7, 34; diu tier in dem waldeir weide lieʒen stên, die würme die dâ soltenin dem grase gên, die vische die dâ soltenin dem wâge vlieʒen, die lieʒen ir geverte.
Kudrun 389, 3; si swebete in der sorgen bach rehte als ein fis in wage.
Elisabeth 1109
Rieger; als das wolt der gotleich rat, das die tier auf ertreich sullen leben, und das die visch im wage sullen sweben. Vintler
pluemen der tugent 6983
Zingerle; die vogel in dem lufte, die vische in dem wage, diu tier in dem walde, die wurme in der erde.
Schwabenspiegel landr. 1, 1
Gengler; andriu tier, sam die visch in dem wâg, bedürfent der lungen niht. K. v. Megenberg 29, 31;
N., als du mit urteyln und recht zu der mordtacht erteylt worden bist, also nym ich dein leyb und gute ausz dem fride, und thu sie in den unfride, und künde dich erlos und rechtlos und künde dich den vögeln frey in den lüfften und den thiern in dem walde und den vischen in dem wage.
achtformel in der Bambergischen halsgerichts-ordnung, art. 241
in der ausg. 1507 (
die ausg. 1508
hat dafür wasser,
die Brandenburgische halsgerichts - ordnung 1516
wieder wage).
auch sonst findet sich häufig wag
im gegensatz zu land, luft, himmel, wald
u. dgl.: daʒ anegenge bistu trehtin ein (jâ ne gih ich andereʒ nehein) der erde joch des himeles, wâges unte luftes und alles des in den vieren ist lebentes unte ligentes.
Ezzos gesang 60; swer mit dicheinen nôten iergen werde bevangen in wâge oder in lande.
Aegidius 1638; daʒ ist sünde unde schande, ze rechte, als eʒ der diet gezimt, ze himele, ûf wâge, ûf lande.
minnesinger 2, 354
a Hagen; des vogels vliegen durch den luft erverst du sanfter und sîn spor; des schiffes vart, dar eʒ vert vor, vindest dû lîhter durch den wâc. R. v. Ems
Barlaam 213, 11; uff velde, uff wage, in busch, uff allen wegen, kome uns zu troste diser segen. Uhland
volkslieder 2, 819.
in rechtsquellen und urkunden: wir ... dun kunt allen luden, dat wir mit gesamender haent vur uns und unse erven verkoycht hayn ... unse erve und guyt zu Solingen, so wye dat geleygen is in wasser, in wayghe, in velde, in busche, in wysen, in weyden. Lacomblet
urkundenb. f. die gesch. d. Niederrheins 3, 503 (
v. j. 1359); der forstmeister hat allen gewalt in walde und in wage.
weisth. aus dem 14.
jahrh. bei Lexer 3, 623; so spricht man dem gotshauss zu recht und erkhennt ihm
[] zwing und ban, wohn und weidt, waldt und wag.
weisth. 4, 77 (
Elsasz 16.
jahrh.); so soll mein frauw han ihre waltförstere undt sollen die hüeten in wage und walte. 5, 84 (
Elsasz). wag
steht auch geradezu für wasser: der allen wâc des Rînes ûf in gegoʒʒen hæte dô, man hæte an sînem vleische rô verlöschet niht der hitze kraft. K. v. Würzburg
Troj. 38494; mîner sünden der ist mê dan wâges in dem Bodensê.
lobgesang 7; êr wolde ich mich vorsenkin und in dem wâge irtrenkin.
die heidin 507,
Bartsch mitteld. ged. 54; wages art der selbig (
flegmaticus) hat, feucht und chalt, daʒ du peweret schreibest. H. v. Mügeln,
Germ. 20, 441, 3.
übertragen von den thränen, einem blutstrom und andren flüssigkeiten: der regen der sie begôʒ, der wâc der von ir ougen flôʒ. W. v. Eschenbach
Parz. 28, 15; in die barken gienc der bluotes wâc. Wolfram
Willeh. 411, 8; von des tuvels halbn der sie (
die körner) netzit mit dem wage siner bosen rete.
altd. predigten 1, 386, 15
Schönbach. II@66)
auch in bildlichen wendungen gebraucht die ältere sprache wag,
wo es (
im anschlusz an die 1.
bedeutung)
etwas unermeszliches, unergründliches bezeichnet: ave Maria! durch dines kindes bluot, des schmerzen dir durch din sel wuot als ain tiefe wages fluot: hilf mir dasz min end werd guot! Uhland
volksl. 834.
mit anschlieszendem genetiv: ich sitze tiefe in sorgen wâge.
minnesinger 3, 163
a Hagen; ich wolt, daʒ himel und berg zermüln und uf mich fiel, sid mir der sorgen kiel in unglückes wag versenket. Altswert 134, 14
Keller; dô sich diu gotes magenkraft in dînem kiuschen lîp beslôʒ, dô gie zein ander unde vlôʒ bî dir aller sælden wâc. K. v. Würzburg
gold. schmiede 955; in dem tieffen stillen wag der hochen gotheit. in der tieffen abgrúnten ewigen warheit.
der ewigen wiszheit betbüchlin (1518) 79
a.