vorhang,
m. ,
vgl.fürhang
th. 4, 1, 1,
sp. 743,
einige charakteristische beispiele werden nachgetragen. später beleg für fürhang: ihr hohen gewölbe voll laub und dunkler schlafender lüfte! die ihr oft einsamen dichtern der zukunft fürhang zerrissen E. v. Kleist 1, 173
Sauer. vür-, vorhanc Lexer 3, 599; vorhang Jelinek 885;
antependium vorhanck Diefenbach
gl. 37
c;
antea forehanck
vel decklach 61
b;
dextrate eyn vorhang an eim altare 178
c;
lectica vorhang 322
b;
pallacium vorhange 407
a;
perasma eyn gemalt vorehang 424
b;
conopium eyn vorhangh
nov. gl. 109
a; vorhang,
pendigo, velamen, velum, velarium, peripetasma Stieler 761; vorhang,
velo, cortina Kramer
teutsch - ital. dict. 2 (1702) 1216
a; Adelung; Campe;
mnld. vorehanc Verwijs-Verdam 9, 992;
vgl. schweiz. idiot. 2, 1441; Bauer-Collitz
waldeck. wb. 36
b; ten Doornkaat-Koolman 1, 541
a;
das got. hat ein n. faurahah.
[] 11)
in eigentlicher bedeutung, wobei vor
räumlichen sinn hat. '
ein stück zeug, oder dem zeuge ähnliches, welches als eine decke vor etwas gehänget wird. als die vorhänge vor einem bette, vor dem fenster u. s. w.' Jacobsson
technol. wb. 4, 554
b; vorhänge aufziehen, herunterlassen, auseinander schlagen, zuziehen, einen v. wegziehen, aufreiszen
u. ä.; '
diejenigen, welche in die höhe gezogen werden, nennt man aufziehvorhänge,
und hängevorhänge
diejenigen, welche auseinander und wieder zugezogen werden' Hübner
zeitungslex. (1824) 4, 839
b: indesz er die vorhänge an den fenstern aufzog Thümmel
reise (1791) 1, 48; die vorhänge waren nicht heruntergelassen, damit der hereinleuchtende schnee an die jahreszeit erinnern möchte Schleiermacher
weihnachtsfeier (1908) 3
Mulert: und da den vorhang weg sie risz, ihn blasz und bleichend sah sie Herder 25, 566
S.; da risz er den rauschenden vorhang auf, und sah durch die gläserne thür in der stube den theetisch hingestellt Voss
ged. (1802) 1, 78.
deckend, zierend in der mannigfaltigsten verwendung: item 26
m. vor vorhenge gekauft dem meister
Marienb. treszlerb. 168
J.; es wurden auch die vorhäng umb die session vorgezogen Ayrer
histor. proc. juris (1600) 125; (
schwibbogen) mit einem güldnen cartin oder v. bedecket S. v. Birken
ostländ. lorbeerhäyn (1657) 172; da schickete es gott, dasz der v. der gutsche ... aufsprang Buchholtz
Herkuliskus (1665) 578; auf einen elephanten war ein glänzender thron gesetzt, und mit seidenen vorhängen war die person bedeckt, die diesen königlichen sitz erfüllte Haller
Usong (1771) 4; (
portal,) das von einem mystischen v. verdeckt war Göthe 21, 9
W.; der v. von einer rotunde ist aufgezogen Schiller
Wallensteins tod 1, 1; v., hinter dem allerlei mordgewehre hingen br. Grimm
dt. sagen (1891) 1, 110;
im bilde: das wäre zum mindesten keine antwort auf die frage: es wäre ein v. vor die thüre, welche man öffnen soll Lagarde
dt. schr. (1886) 7; fort, fort! der vorhang rauscht; er kömmt Lessing
Nathan 3, 4; Antwerpen wob des vorhangs sammet Geibel (1888) 2, 83.
auf einem bilde: der v. von goldstoff, auf dem sich der kopf und das übrige der figur schön abheben Göthe 32, 285
W. 22)
einzelne gebrauchsweisen sind besonders hervorzuheben, prägnanter gebrauch ist dabei häufig. 2@aa) vorhänge
an den fenstern, über den gebrauch von v.
oder gardine
in den verschiedenen gegenden Deutschlands vgl. Kretschmer
wortgeographie 215; 'die vorhänge vor einem bette, vor dem fenster,
im gemeinen leben, die gardinen' Adelung; was denn die ursache wäre, dasz das frauenzimmer ... vorhänge an die fenster gemacht hätte Chr. Reuter
Schlamp. krankh. u. tod 100
ndr.: biszweilen tragen sie (
die männer) ein halstuch, so grosz als ein v. von fenstern Stranitzky
ollapatrida d. d. Fuchsmundi 246
Wiener ndr.; ich sah licht in den zimmern, ich sah schatten sich an den vorhängen bewegen Göthe 24, 32
W.; dasselbe zimmer. — die vorhänge sind heruntergelassen; es ist nacht Tieck (1828) 2, 306; die neidischen vorhänge standen mir an allen fenstern im wege Hölderlin 2, 125
Litzmann; das gröszere (
zimmer) hatte dunkle vorhänge an den fenstern Stifter (1901) 5, 1, 148; am offenen fenster wehten die vorhänge sachte von der luft bewegt G. Keller (1889) 3, 246; der vorhang schwebet hin und her bei meiner nachbarin Göthe 1, 29
W. wenn die spinnweben armer leute vorhänge
genannt werden (Müller-Fraureuth 2, 628
a),
so ist wohl am ehesten an fenstervorhänge zu denken. 2@bb)
von den früher allgemein üblichen bettvorhängen: fornimento da letto bettzierd, v. Hulsius (1618) 2, 225
b;
vgl. das gedicht gegen den gebrauch der bettvorhänge
bei Götz
ged. 3 (1807) 146; den 22 dito ward ifg. v. vor dem
[] bette versetzet um 6 thlr. Schweinichen
denkw. 222
Ö.; der ungrische gesandte hat praesentirt ... orientalische vorhänge auf ein bette
verh. d. schles. fürsten u. stände 3, 145
Palm; (
bett) gezieret mit köstlichen seidenen vorhängen Schupp (1663) 318; (
er hatte) nun den v. des bettes aufgeschlagen A. U. v. Braunschweig
Octavia (1677) 1, 623; in der stube hat jeder seine stelle zum studiren, und in der kammer sein bette mit vorhängen Nicolai
reise d. Deutschland (1783) 2, 513; der himmel des bettes hängt von dem dache herab, und drei reihen vorhänge von kattun und seidenstoffen sind daran befestigt G. Forster (1843) 4, 259; (
er) dachte sie hinter ihren vorhängen, im weiszen nachtkleide mit dem rothen band um den kopf in süszer ruhe Göthe 21, 111
W.; eine gestalt, wie diese, ziehe den v. von deinem bette, wenn du schläfst Schiller
kab. u. liebe 5, 8; (
der wolf) legte sich in ihr bett und zog die vorhänge vor br. Grimm
kinder- u. hausmärchen (1892) 1, 115; das himmelbett hatte frische vorhänge Fontane I 1, 75; nun hintern vorhang (
des bettes) hatt indessen ich geleget den treuen knecht D. v.
d. Werder
ras. Roland (1636) 33; diesz wiesz die ruhstätt aus, an welcher nichts zu finden als purpur und scarlat, vorhang, tapet und binden, gestickt mit reichem gold A. Gryphius
trauerspiele 81
Palm; in besonderer wendung: (
ich bin) gelegen in des keisers kammer, des konniges und ander herren samment, geslaffen in vorhengen der bischöffen, (gelacht up bedde, in gardijnen der buschove
Meijboom) epten, prelaten und in geistlichen höfen
pilgerfart d. träum. mönchs 7093
Bömer. von dieser vorstellung ausgehend bildlich und übertragen: der kelch (
der blume) ist das bett, die krone sein v. Herder 13, 53
S.; wie z. e. Linné die blumenblätter vorhänge des hochzeitlichen bettes nennt Göthe II 6, 282
W.; die wollust deckt ihr bett auf sanft geschwollnes moos, zum vorhang dient ein baum Haller
ged. (1882) 27; bald schnarchen wir, vereint, auf einem rasenbette mit allen fürsten um die wette, ob unser vorhang gleich nichts als ein dornbusch ist Götz
verm. ged. (1785) 1, 55. 2@cc) v.
zum schutz oder verdeckung eines bildes, eines spiegels: v. eines spiegels oder gemäldes Stieler 761; von Rubens arbeit sieht man hier die schönsten stücke sorgfältig hinter vorhängen ... verwahrt G. Forster (1843) 3, 289; der spiegel ... hatte seinen grünen v. Fontane I 2, 114; (
sie) zog den v. von einem auf der staffelei nebenan stehenden bilde
M. v. Ebner-Eschenbach (1893) 4, 242. —
freier: wo schon gemälde vorhanden (
in der minnesängerhandschr.), diese besonders mit einem vorhange von roter, blauer oder anderer seide geschützt G. Keller (1889) 6, 81. 2@dd)
in der stiftshütte, im tempel zu Jerusalem vor dem allerheiligsten, der v.
zerreiszt beim tode Christi; von diesen vorstellungen auch in freier und übertragener anwendung: v. des tempels,
velo del tempio Kramer
teutsch-ital. dict. 2 (1702) 1216
a; und der v. des tempels zureis mitten entzwey
Luc. 23, 45 (
vgl.fürhang; lahan thes tempales
Tatian 209, 1. that fêha lacan
Hel. 5664;
got. faura-, faurhah
Matth. 27, 51;
Marc. 15, 38); (
s. Franciscus spricht:) jederman fleucht von dem creutz: aber ich will bleiben und will sein der v. in dem tempel: will über mein sündiges leben mein hertz in stuck zerreiszen Spee
güld. tugendb. (1640) 550; hier öffnet sich der v. des allerheiligsten
Athenäum 1, 2, 178; wenn er (
Simon, Onias sohn) ausz dem vorhang von fern gieng, leucht er als der morgenstern H. Sachs 19, 210
K.-G.; vgl. Herder 12, 94
S.; er fuhr dahin: im augenblick zerreisz der vorhang in zwey stück, die erd erschrack und bebte P. Gerhardt
bei Fischer-Tümpel
d. ev. kirchenlied 3, 305; schon flosz blut der opfer vor mir; ich ging anbetend schon ins allerheiligste gottes; ich hatte den vorhang schon eröffnet Klopstock
Messias 4, 67;
[] selges wort am leidens ende, da des tempels vorhang reiszt: vater! nun in deine hände ich befehle meinen geist Brentano (1852) 1, 140. 2@ee) v.
des theaters, der den zuschauern die bühne verdeckt: velum, velarium ein deck odder fürhang im theatro, ein überhang Alberus
nov. dict. gen. s 4
a; v. im schauspiel,
siparium Stieler 761;
am festesten ist die wendung der v. fällt
in eigentlicher und übertragener (
s. unten 3 d)
bedeutung; gegensatz: der v. hebt sich, wird aufgezogen, geht in die höhe
u. ä.; bei zweiteiligkeit des vorhangs: der v. öffnet sich (
nach der seite), schlieszt sich;
der neuzeit gehört der eiserne v.
an; auch auf der bühne selbst können weitere vorhänge angebracht sein: der mittlere v. wird aufgezogen Lessing
Sara Sampson 1, 3; wenn in solcher situation (
schlusz der Emilia Galotti) der v. sinkt Herder 17, 184
S.; worauf unter groszem händeklatschen der v. fiel Göthe III 1, 269
W.; zwischen dem sinken und steigen des vorhangs I 24, 380; Leicester stürzt zu ihren füszen, der v. fällt Schiller
Maria Stuart 2, 9; noch ehe der v. aufgeht, hört man den kuhreihen
Tell 1, 1; sobald ... der v. aufgezogen wird Ayrenhoff (1814) 1, 242; der v. geht auf Tieck (1828) 5, 237; (
augenblick,) wo der v. vor den rührenden gebilden des dichters aufrauschen soll O. Ludwig (1891) 1, 340; endlich haben wir platz genommen und betrachten uns zunächst den v. Steub
drei sommer in Tirol (1895) 1, 54; der v. schlieszt sich R. Wagner 10, 375
volksausgabe; der vorhang zog sich auf, das spiel ward angefangen Rost
verm. ged. (1769) 63; und diesen augenblick wird sich der vorhang heben Göthe 16, 19
W.; mich dilettierts den vorhang aufzuziehn
Faust 4220. 33)
auszerordentlich oft wird das wort in bildlicher und übertragener anwendung gebraucht, wofür schon einige beispiele gegeben wurden (
z. b. unter 2 b);
entweder erscheint das wort in der allgemeinen bedeutung eines verdeckenden, verhüllenden etwas, oder es wird auf eine der besonderen anwendungen bezug genommen. 3@aa)
in der natur: buhlereyen, welche sich gerne unter den schwarzen v. der nacht verstecken S. v. Birken
ostländ. lorbeerhayn (1657) 8; wann die sonn, dieser fürst der gestirn, sich hinter einem schwartzen v. der wolcken verhüllet Abr. a
s. Clara
etwas für alle 2 (1711) 8; eine stunde ..., in welcher die nacht mit ihrem schmutzigen finger, die schwarzen vorhänge über den weltball gezogen haben würde, hätt es ihr nicht der mond verwehrt Bode
gesch. d. Thomas Jones (1786) 3, 340; scharfer morgenwind risz den v. über uns auf Göthe III 1, 103
W.; wo das auge nur gränzen des horizonts findet, da bricht der geist durch den luftigen v. grafen zu Stolberg (1820) 6, 3; (
die burg) war verschwunden, der wald hatte sich wie ein schwarzer v. vorgezogen Tieck (1828) 8, 309; schwarze gewitterwolken ..., die seinen (
des Rheingaus) goldigen dunst und seine blauen schatten mit stechenden blitzlichtern und grauen vorhängen füllten W. Schäfer
d. verlorene sarg (1911) 49; der nordwind hat der bäume zweigen den grünen vorhang abgestreift Amthor
bei Gottsched
versuch e. crit. dichtkunst (1751) 249; dem strahl des mondes ziehst du den vorhang vor Herder 27, 37
S.; verbreite deinen dichten vorhang, nacht! du liebespflegerin (
spread thy close curtain, love-performing night)
Shakespeare, Romeo u. Julie 3, 2; senkt duftiger zu diesem blumenhage, ihr wolken, eures vorhangs dunkle säume Rückert (1867) 1, 337; dort, sieh, am horizont lüpft sich der vorhang schon Mörike 1, 24
Göschen. 3@bb)
in gehobener sprache in mannigfaltiger weise von allem deckenden, einzelne kühne anwendungen sind beachtenswert; in neuerer sprache wird das wort in diesem freien, bildlichen und übertragenen gebrauch lieber auf unsinnliches [] als auf gegenständliches bezogen. deckendes, verhüllendes: das musz alsdann mit einer blawen glosz wie mit eim v. überzogen werden Fischart
bienenkorb (1588) 356; (
der fabeldichter musz) seine wahre absicht unter dem durchsichtigen vorhange einer ... geschichte ... verbergen Breitinger
crit. dichtk. (1740) 1, 168; vielleicht würde ohne diesen v. (
die scham) wiederum der trieb des andern geschlechts ... nicht in den schranken des bedürfnisses bleiben Herder 3, 280
S.; und unsere jetzigen umstände? lassen sie uns einen v. darüber ziehen Gellert (1839) 8, 208; er hat vor meine lichte seele einen schwarzen v. gezogen Klinger 8, 73; der körper ist der blosze v. des geistes Jean Paul 59/60, 162
H.; ich möchte über den schmutz den v. ziehen Chamisso (1836) 1, 306; denn was ist eine lüg? — ein v. vor der wahrheit Bettine
d. buch gehört dem könig (1843) 1, 56; eine wahre geschichte unter dem v. eines gedichtes Gervinus
gesch. d. dt. dichtung 3, 387; der schwan hat schwarzes fleisch: so musz die innern flecken oft perlenweisze haut als wie ein vorhang decken
bei Weichmann
poesie d. Niedersachsen (1721) 1, 145; der götter weisheit deckt mit dichtem vorhang den gang der dinge künftger zeit Bode
Montaigne (1793) 1, 376; wenns dir im herzen vorgezogen ist so wie ein schwarzer vorhang
Z. Werner
Martin Luther (1807) 120.
ganz prägnant: auch nur der gedanke, dasz ich solch ein abgeschmacktes ziel bey dem vorhange (
meiner anonymität) hätte, beleidigt mich Hippel (1827) 14, 128. 3@cc) lüften, wegziehen, zerreiszen
u. ä. enthüllt, offenbart: (
Luther) hat den pfaffen ... den v. und fyrnes abgestrichen (
fucum detraxit) Hutten 2, 222
B.; so aber ein sünder sich zu gott bekehret, so wird ihm der v. der blindheit ... hinweg gezogen Barth
weiberspiegel (1565) p 4
a; indes bin ich sehr vergnügt, weil mir auf einmal wie ein v. vor allen statuen wegfällt Göthe IV 8, 255
W.; dasz es nur noch einen ruck am v. bedurfte, um mein farbenwesen ihm ganz ins klare zu setzen 36, 284; so wirst du seiner leidenschaft den v. wegziehn, und er wird offenbar die sünde begehn Heinse 3, 424
Sch.; wie er des aberglaubens v. kühn zerrissen A. v. Arnim 16, 27; der v. zwischen beiden war nun zerrissen, und das schicksal ging seine wege Stifter (1901) 3, 233; gelüstet aber dich den vorhang weg zu ziehn, ist dis gepränge (
am hofe) nichts als schmüncke, nebel, dünste Lohenstein
Sophonisbe (1680),
widmung; doch endlich kam der vorhang weg und zwang und joch zerfielen, der heyland kam in unser fleisch Günther
ged. (1735) 42; ich zieh den vorhang auf, der meine glut versteckt
samml. v. schauspielen (
Wien 1764) 1, 74; gib uns dichter, die von tugend glühen, die, wie Klopstock, von der ewigkeit kühn den lichtgewebten vorhang ziehen Schubart
ged. (1825) 3, 30.
mit beziehung auf den vorhang des tempels (2 d): (
helden, die) bis zum gipfel klommen, wo ihnen vor den sehgewaltgen blicken jach barst der vorhang mitten in zwei stücken
moderne dichtercharaktere (1885) 91. 3@dd)
schon in manchen der angeführten beispiele des freien, bildlichen und übertragenen gebrauchs kann die vorstellung des bühnenvorhangs zu grunde liegen, andere zeigen diese beziehung deutlicher: der 'glaube' war zu allen zeiten, beispielsweise bei Luther, nur ein mantel, ein vorwand, ein v., hinter dem die instinkte ihr spiel spielten Nietzsche 8, 266. —
aufgehen des vorhangs: hier wird dir der v. zu einem weltdrama gelüpft Schubart
br. 2, 284
Str.; der tod zieht den vorhang: erhabnere scenen warten auf uns. wer die niedrigsten rollen des menschlichen würdig gespielt, hat höhere dort lebens Cronegk (1766) 2, 48; der vorhang rauscht. — weh euch! ich seh die frucht, ihr neuerer, die euer beyspiel stiftet Gotter (1787) 1, 243;
[] kaum ging auf der bunte vorhang deines jungen artgen lebens, wie? und schon ertönt das glöckchen, das ihn wieder fallen heiszt? Grillparzer 1, 184
Cotta. der v. fällt, den v. fallen lassen
u. ä.: Moses mag unser auge wegkehren und auf das ewige nichts v. fallen lassen Herder 6, 240; diesz — doch den v. herunter (
genug davon) Kloppstock
gelehrtenrep. (1774) 19; ich habe für eine minute den v. über diese szene fallen lassen Bode
Tristram Schandi (1774) 2, 166; rückt den v. (
im eigentlichen sinne, bettvorhang) und zugleich auch einen v. über diese (
eben erlebte) traurige scene maler Müller (1811) 3, 386; dann wirft der winter, bis zum lenz, der schönen bühne vorhang zu Brockes
ird. vergnügen 8, 201; o lasz mich einen vorhang vor das ganze, mir allzu helle schauspiel ziehen Göthe 10, 139
W. abschlusz, besonders endgültigen, z. b. das lebensende bezeichnend: der v. wird bald zufallen und eine ewige nacht mich und diejenige welt von einander scheiden, in welcher ich eine so wenig bedeutende creatur abgegeben habe Gottschedin
br. (1771) 3, 46; das blutige schauspiel (
der krieg) ist gespielt, der v. fällt Herder 23, 166
S.; der morgen und die freude hielten den v. seines lebens ein wenig im niederfallen auf Jean Paul 1, 232
H.; wenn das verhör zu ende, also der officielle v. gefallen war Laube (1875) 1, 250; doch meine muse schweigt, der vorhang fällt schon nieder Pietsch
geb. schr. (1740) 148; die stunde schlägt, der vorhang fällt und alles wird zu nichts, was ihm so würklich schien Haller
ged. (1882) 151; die huldinn Mecour (
eine schauspielerin), für die auf immer der lebensscene vorhang fiel Gotter (1787) 1, 171; er starb; ein scheidend greller vorhang sank vor die vergangenheit, die theure, lichte A. v. Droste-Hülshoff (1878) 2, 239. 3@ee)
die wimpern in gehobener sprache als v.
der augen bezeichnet: wenn sie (
die augen) sich gefunden, zogen sie ... den v. der wimpern vor sich nieder Immermann 3, 25
B.; deiner augen vorhang fällt, wie wenn tod des lebens tag verschlieszt (
thy eyes' windows [!]
fall)
Shakespeare, Romeo u. Julia 4, 1.
locken: wie oft muszt ich vor dir die dunklen locken mir schütteln ins gesicht, dasz nur die augen noch funkelnd blickten durch den schwarzen vorhang Eichendorff (1864) 4, 552. 44)
einzelnes. 4@aa)
schleier oder sonst ein vortuch: velum wurhank
vel sloer Diefenbach
gl. 609
c;
velo che porta (!)
le donne in capo v., weiberhaub, schleyer Hulsius (1618) 2, 427
b; (
die frauen) brauchen fast gestrickt hauben oder andere durchsichtige fürheng Münster
cosm. (1550) 1130; die feinen bunten hurischen brustlatzen oder vorhenge, wie man sie in der marck braucht
theatr. diabol. (1569) 451
b. —
übertragen, in die allgemeine bedeutung übergehend: der allmächtige gott nemme hin den fürhang oder deckel von üwern ougen Tschudi
chron. helvet. (1734) 2, 90; so wird er ... den schleyer oder fürhang von den augen hinweg thun Aeg. Albertinus
hirnschleiffer (1664) 132; unachtsames vaterland! wenn wirst du endlich den v. wegziehen, der deine augen verdunkelt Scheibe
d. crit. musicus (1745) 701. 4@bb)
als naturwissenschaftlicher fachausdruck: (
der) viereckige v., der wie eine schürze von der groszen magenkrümmung vor den därmen herabhängt Sömmerring
vom baue des menschl. körpers (1839) 5, 203. —
in der botanik: v., velum, schleier, eine feine haut, welche bei hutpilzen die keimtheile überzieht Behlen
forst- u. jagdkunde (1840) 6, 170. 55)
als erster bestandtheil von zusammensetzungen (
leicht zu mehren),
geordnet nach dem zweiten ohne berücksichtigung eines fugen-s: