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vorhang

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

vorhang m.

Bd. 26, Sp. 1162
vorhang, m. , vgl.fürhang th. 4, 1, 1, sp. 743, einige charakteristische beispiele werden nachgetragen. später beleg für fürhang: ihr hohen gewölbe voll laub und dunkler schlafender lüfte! die ihr oft einsamen dichtern der zukunft fürhang zerrissen E. v. Kleist 1, 173 Sauer. vür-, vorhanc Lexer 3, 599; vorhang Jelinek 885; antependium vorhanck Diefenbach gl. 37c; antea forehanck vel decklach 61b; dextrate eyn vorhang an eim altare 178c; lectica vorhang 322b; pallacium vorhange 407a; perasma eyn gemalt vorehang 424b; conopium eyn vorhangh nov. gl. 109a; vorhang, pendigo, velamen, velum, velarium, peripetasma Stieler 761; vorhang, velo, cortina Kramer teutsch - ital. dict. 2 (1702) 1216a; Adelung; Campe; mnld. vorehanc Verwijs-Verdam 9, 992; vgl. schweiz. idiot. 2, 1441; Bauer-Collitz waldeck. wb. 36b; ten Doornkaat-Koolman 1, 541a; das got. hat ein n. faurahah. [] 11) in eigentlicher bedeutung, wobei vor räumlichen sinn hat. 'ein stück zeug, oder dem zeuge ähnliches, welches als eine decke vor etwas gehänget wird. als die vorhänge vor einem bette, vor dem fenster u. s. w.' Jacobsson technol. wb. 4, 554b; vorhänge aufziehen, herunterlassen, auseinander schlagen, zuziehen, einen v. wegziehen, aufreiszen u. ä.; 'diejenigen, welche in die höhe gezogen werden, nennt man aufziehvorhänge, und hängevorhänge diejenigen, welche auseinander und wieder zugezogen werden' Hübner zeitungslex. (1824) 4, 839b: indesz er die vorhänge an den fenstern aufzog Thümmel reise (1791) 1, 48; die vorhänge waren nicht heruntergelassen, damit der hereinleuchtende schnee an die jahreszeit erinnern möchte Schleiermacher weihnachtsfeier (1908) 3 Mulert: und da den vorhang weg sie risz, ihn blasz und bleichend sah sie Herder 25, 566 S.; da risz er den rauschenden vorhang auf, und sah durch die gläserne thür in der stube den theetisch hingestellt Voss ged. (1802) 1, 78. deckend, zierend in der mannigfaltigsten verwendung: item 26 m. vor vorhenge gekauft dem meister Marienb. treszlerb. 168 J.; es wurden auch die vorhäng umb die session vorgezogen Ayrer histor. proc. juris (1600) 125; (schwibbogen) mit einem güldnen cartin oder v. bedecket S. v. Birken ostländ. lorbeerhäyn (1657) 172; da schickete es gott, dasz der v. der gutsche ... aufsprang Buchholtz Herkuliskus (1665) 578; auf einen elephanten war ein glänzender thron gesetzt, und mit seidenen vorhängen war die person bedeckt, die diesen königlichen sitz erfüllte Haller Usong (1771) 4; (portal,) das von einem mystischen v. verdeckt war Göthe 21, 9 W.; der v. von einer rotunde ist aufgezogen Schiller Wallensteins tod 1, 1; v., hinter dem allerlei mordgewehre hingen br. Grimm dt. sagen (1891) 1, 110; im bilde: das wäre zum mindesten keine antwort auf die frage: es wäre ein v. vor die thüre, welche man öffnen soll Lagarde dt. schr. (1886) 7; fort, fort! der vorhang rauscht; er kömmt Lessing Nathan 3, 4; Antwerpen wob des vorhangs sammet Geibel (1888) 2, 83. auf einem bilde: der v. von goldstoff, auf dem sich der kopf und das übrige der figur schön abheben Göthe 32, 285 W. 22) einzelne gebrauchsweisen sind besonders hervorzuheben, prägnanter gebrauch ist dabei häufig. 2@aa) vorhänge an den fenstern, über den gebrauch von v. oder gardine in den verschiedenen gegenden Deutschlands vgl. Kretschmer wortgeographie 215; 'die vorhänge vor einem bette, vor dem fenster, im gemeinen leben, die gardinen' Adelung; was denn die ursache wäre, dasz das frauenzimmer ... vorhänge an die fenster gemacht hätte Chr. Reuter Schlamp. krankh. u. tod 100 ndr.: biszweilen tragen sie (die männer) ein halstuch, so grosz als ein v. von fenstern Stranitzky ollapatrida d. d. Fuchsmundi 246 Wiener ndr.; ich sah licht in den zimmern, ich sah schatten sich an den vorhängen bewegen Göthe 24, 32 W.; dasselbe zimmer. — die vorhänge sind heruntergelassen; es ist nacht Tieck (1828) 2, 306; die neidischen vorhänge standen mir an allen fenstern im wege Hölderlin 2, 125 Litzmann; das gröszere (zimmer) hatte dunkle vorhänge an den fenstern Stifter (1901) 5, 1, 148; am offenen fenster wehten die vorhänge sachte von der luft bewegt G. Keller (1889) 3, 246; der vorhang schwebet hin und her bei meiner nachbarin Göthe 1, 29 W. wenn die spinnweben armer leute vorhänge genannt werden (Müller-Fraureuth 2, 628a), so ist wohl am ehesten an fenstervorhänge zu denken. 2@bb) von den früher allgemein üblichen bettvorhängen: fornimento da letto bettzierd, v. Hulsius (1618) 2, 225b; vgl. das gedicht gegen den gebrauch der bettvorhänge bei Götz ged. 3 (1807) 146; den 22 dito ward ifg. v. vor dem [] bette versetzet um 6 thlr. Schweinichen denkw. 222 Ö.; der ungrische gesandte hat praesentirt ... orientalische vorhänge auf ein bette verh. d. schles. fürsten u. stände 3, 145 Palm; (bett) gezieret mit köstlichen seidenen vorhängen Schupp (1663) 318; (er hatte) nun den v. des bettes aufgeschlagen A. U. v. Braunschweig Octavia (1677) 1, 623; in der stube hat jeder seine stelle zum studiren, und in der kammer sein bette mit vorhängen Nicolai reise d. Deutschland (1783) 2, 513; der himmel des bettes hängt von dem dache herab, und drei reihen vorhänge von kattun und seidenstoffen sind daran befestigt G. Forster (1843) 4, 259; (er) dachte sie hinter ihren vorhängen, im weiszen nachtkleide mit dem rothen band um den kopf in süszer ruhe Göthe 21, 111 W.; eine gestalt, wie diese, ziehe den v. von deinem bette, wenn du schläfst Schiller kab. u. liebe 5, 8; (der wolf) legte sich in ihr bett und zog die vorhänge vor br. Grimm kinder- u. hausmärchen (1892) 1, 115; das himmelbett hatte frische vorhänge Fontane I 1, 75; nun hintern vorhang (des bettes) hatt indessen ich geleget den treuen knecht D. v. d. Werder ras. Roland (1636) 33; diesz wiesz die ruhstätt aus, an welcher nichts zu finden als purpur und scarlat, vorhang, tapet und binden, gestickt mit reichem gold A. Gryphius trauerspiele 81 Palm; in besonderer wendung: (ich bin) gelegen in des keisers kammer, des konniges und ander herren samment, geslaffen in vorhengen der bischöffen, (gelacht up bedde, in gardijnen der buschove Meijboom) epten, prelaten und in geistlichen höfen pilgerfart d. träum. mönchs 7093 Bömer. von dieser vorstellung ausgehend bildlich und übertragen: der kelch (der blume) ist das bett, die krone sein v. Herder 13, 53 S.; wie z. e. Linné die blumenblätter vorhänge des hochzeitlichen bettes nennt Göthe II 6, 282 W.; die wollust deckt ihr bett auf sanft geschwollnes moos, zum vorhang dient ein baum Haller ged. (1882) 27; bald schnarchen wir, vereint, auf einem rasenbette mit allen fürsten um die wette, ob unser vorhang gleich nichts als ein dornbusch ist Götz verm. ged. (1785) 1, 55. 2@cc) v. zum schutz oder verdeckung eines bildes, eines spiegels: v. eines spiegels oder gemäldes Stieler 761; von Rubens arbeit sieht man hier die schönsten stücke sorgfältig hinter vorhängen ... verwahrt G. Forster (1843) 3, 289; der spiegel ... hatte seinen grünen v. Fontane I 2, 114; (sie) zog den v. von einem auf der staffelei nebenan stehenden bilde M. v. Ebner-Eschenbach (1893) 4, 242. — freier: wo schon gemälde vorhanden (in der minnesängerhandschr.), diese besonders mit einem vorhange von roter, blauer oder anderer seide geschützt G. Keller (1889) 6, 81. 2@dd) in der stiftshütte, im tempel zu Jerusalem vor dem allerheiligsten, der v. zerreiszt beim tode Christi; von diesen vorstellungen auch in freier und übertragener anwendung: v. des tempels, velo del tempio Kramer teutsch-ital. dict. 2 (1702) 1216a; und der v. des tempels zureis mitten entzwey Luc. 23, 45 (vgl.fürhang; lahan thes tempales Tatian 209, 1. that fêha lacan Hel. 5664; got. faura-, faurhah Matth. 27, 51; Marc. 15, 38); (s. Franciscus spricht:) jederman fleucht von dem creutz: aber ich will bleiben und will sein der v. in dem tempel: will über mein sündiges leben mein hertz in stuck zerreiszen Spee güld. tugendb. (1640) 550; hier öffnet sich der v. des allerheiligsten Athenäum 1, 2, 178; wenn er (Simon, Onias sohn) ausz dem vorhang von fern gieng, leucht er als der morgenstern H. Sachs 19, 210 K.-G.; vgl. Herder 12, 94 S.; er fuhr dahin: im augenblick zerreisz der vorhang in zwey stück, die erd erschrack und bebte P. Gerhardt bei Fischer-Tümpel d. ev. kirchenlied 3, 305; schon flosz blut der opfer vor mir; ich ging anbetend schon ins allerheiligste gottes; ich hatte den vorhang schon eröffnet Klopstock Messias 4, 67; [] selges wort am leidens ende, da des tempels vorhang reiszt: vater! nun in deine hände ich befehle meinen geist Brentano (1852) 1, 140. 2@ee) v. des theaters, der den zuschauern die bühne verdeckt: velum, velarium ein deck odder fürhang im theatro, ein überhang Alberus nov. dict. gen. s 4a; v. im schauspiel, siparium Stieler 761; am festesten ist die wendung der v. fällt in eigentlicher und übertragener (s. unten 3 d) bedeutung; gegensatz: der v. hebt sich, wird aufgezogen, geht in die höhe u. ä.; bei zweiteiligkeit des vorhangs: der v. öffnet sich (nach der seite), schlieszt sich; der neuzeit gehört der eiserne v. an; auch auf der bühne selbst können weitere vorhänge angebracht sein: der mittlere v. wird aufgezogen Lessing Sara Sampson 1, 3; wenn in solcher situation (schlusz der Emilia Galotti) der v. sinkt Herder 17, 184 S.; worauf unter groszem händeklatschen der v. fiel Göthe III 1, 269 W.; zwischen dem sinken und steigen des vorhangs I 24, 380; Leicester stürzt zu ihren füszen, der v. fällt Schiller Maria Stuart 2, 9; noch ehe der v. aufgeht, hört man den kuhreihen Tell 1, 1; sobald ... der v. aufgezogen wird Ayrenhoff (1814) 1, 242; der v. geht auf Tieck (1828) 5, 237; (augenblick,) wo der v. vor den rührenden gebilden des dichters aufrauschen soll O. Ludwig (1891) 1, 340; endlich haben wir platz genommen und betrachten uns zunächst den v. Steub drei sommer in Tirol (1895) 1, 54; der v. schlieszt sich R. Wagner 10, 375 volksausgabe; der vorhang zog sich auf, das spiel ward angefangen Rost verm. ged. (1769) 63; und diesen augenblick wird sich der vorhang heben Göthe 16, 19 W.; mich dilettierts den vorhang aufzuziehn Faust 4220. 33) auszerordentlich oft wird das wort in bildlicher und übertragener anwendung gebraucht, wofür schon einige beispiele gegeben wurden (z. b. unter 2 b); entweder erscheint das wort in der allgemeinen bedeutung eines verdeckenden, verhüllenden etwas, oder es wird auf eine der besonderen anwendungen bezug genommen. 3@aa) in der natur: buhlereyen, welche sich gerne unter den schwarzen v. der nacht verstecken S. v. Birken ostländ. lorbeerhayn (1657) 8; wann die sonn, dieser fürst der gestirn, sich hinter einem schwartzen v. der wolcken verhüllet Abr. a s. Clara etwas für alle 2 (1711) 8; eine stunde ..., in welcher die nacht mit ihrem schmutzigen finger, die schwarzen vorhänge über den weltball gezogen haben würde, hätt es ihr nicht der mond verwehrt Bode gesch. d. Thomas Jones (1786) 3, 340; scharfer morgenwind risz den v. über uns auf Göthe III 1, 103 W.; wo das auge nur gränzen des horizonts findet, da bricht der geist durch den luftigen v. grafen zu Stolberg (1820) 6, 3; (die burg) war verschwunden, der wald hatte sich wie ein schwarzer v. vorgezogen Tieck (1828) 8, 309; schwarze gewitterwolken ..., die seinen (des Rheingaus) goldigen dunst und seine blauen schatten mit stechenden blitzlichtern und grauen vorhängen füllten W. Schäfer d. verlorene sarg (1911) 49; der nordwind hat der bäume zweigen den grünen vorhang abgestreift Amthor bei Gottsched versuch e. crit. dichtkunst (1751) 249; dem strahl des mondes ziehst du den vorhang vor Herder 27, 37 S.; verbreite deinen dichten vorhang, nacht! du liebespflegerin (spread thy close curtain, love-performing night) Shakespeare, Romeo u. Julie 3, 2; senkt duftiger zu diesem blumenhage, ihr wolken, eures vorhangs dunkle säume Rückert (1867) 1, 337; dort, sieh, am horizont lüpft sich der vorhang schon Mörike 1, 24 Göschen. 3@bb) in gehobener sprache in mannigfaltiger weise von allem deckenden, einzelne kühne anwendungen sind beachtenswert; in neuerer sprache wird das wort in diesem freien, bildlichen und übertragenen gebrauch lieber auf unsinnliches [] als auf gegenständliches bezogen. deckendes, verhüllendes: das musz alsdann mit einer blawen glosz wie mit eim v. überzogen werden Fischart bienenkorb (1588) 356; (der fabeldichter musz) seine wahre absicht unter dem durchsichtigen vorhange einer ... geschichte ... verbergen Breitinger crit. dichtk. (1740) 1, 168; vielleicht würde ohne diesen v. (die scham) wiederum der trieb des andern geschlechts ... nicht in den schranken des bedürfnisses bleiben Herder 3, 280 S.; und unsere jetzigen umstände? lassen sie uns einen v. darüber ziehen Gellert (1839) 8, 208; er hat vor meine lichte seele einen schwarzen v. gezogen Klinger 8, 73; der körper ist der blosze v. des geistes Jean Paul 59/60, 162 H.; ich möchte über den schmutz den v. ziehen Chamisso (1836) 1, 306; denn was ist eine lüg? — ein v. vor der wahrheit Bettine d. buch gehört dem könig (1843) 1, 56; eine wahre geschichte unter dem v. eines gedichtes Gervinus gesch. d. dt. dichtung 3, 387; der schwan hat schwarzes fleisch: so musz die innern flecken oft perlenweisze haut als wie ein vorhang decken bei Weichmann poesie d. Niedersachsen (1721) 1, 145; der götter weisheit deckt mit dichtem vorhang den gang der dinge künftger zeit Bode Montaigne (1793) 1, 376; wenns dir im herzen vorgezogen ist so wie ein schwarzer vorhang Z. Werner Martin Luther (1807) 120. ganz prägnant: auch nur der gedanke, dasz ich solch ein abgeschmacktes ziel bey dem vorhange (meiner anonymität) hätte, beleidigt mich Hippel (1827) 14, 128. 3@cc) lüften, wegziehen, zerreiszen u. ä. enthüllt, offenbart: (Luther) hat den pfaffen ... den v. und fyrnes abgestrichen (fucum detraxit) Hutten 2, 222 B.; so aber ein sünder sich zu gott bekehret, so wird ihm der v. der blindheit ... hinweg gezogen Barth weiberspiegel (1565) p 4a; indes bin ich sehr vergnügt, weil mir auf einmal wie ein v. vor allen statuen wegfällt Göthe IV 8, 255 W.; dasz es nur noch einen ruck am v. bedurfte, um mein farbenwesen ihm ganz ins klare zu setzen 36, 284; so wirst du seiner leidenschaft den v. wegziehn, und er wird offenbar die sünde begehn Heinse 3, 424 Sch.; wie er des aberglaubens v. kühn zerrissen A. v. Arnim 16, 27; der v. zwischen beiden war nun zerrissen, und das schicksal ging seine wege Stifter (1901) 3, 233; gelüstet aber dich den vorhang weg zu ziehn, ist dis gepränge (am hofe) nichts als schmüncke, nebel, dünste Lohenstein Sophonisbe (1680), widmung; doch endlich kam der vorhang weg und zwang und joch zerfielen, der heyland kam in unser fleisch Günther ged. (1735) 42; ich zieh den vorhang auf, der meine glut versteckt samml. v. schauspielen (Wien 1764) 1, 74; gib uns dichter, die von tugend glühen, die, wie Klopstock, von der ewigkeit kühn den lichtgewebten vorhang ziehen Schubart ged. (1825) 3, 30. mit beziehung auf den vorhang des tempels (2 d): (helden, die) bis zum gipfel klommen, wo ihnen vor den sehgewaltgen blicken jach barst der vorhang mitten in zwei stücken moderne dichtercharaktere (1885) 91. 3@dd) schon in manchen der angeführten beispiele des freien, bildlichen und übertragenen gebrauchs kann die vorstellung des bühnenvorhangs zu grunde liegen, andere zeigen diese beziehung deutlicher: der 'glaube' war zu allen zeiten, beispielsweise bei Luther, nur ein mantel, ein vorwand, ein v., hinter dem die instinkte ihr spiel spielten Nietzsche 8, 266. — aufgehen des vorhangs: hier wird dir der v. zu einem weltdrama gelüpft Schubart br. 2, 284 Str.; der tod zieht den vorhang: erhabnere scenen warten auf uns. wer die niedrigsten rollen des menschlichen würdig gespielt, hat höhere dort lebens Cronegk (1766) 2, 48; der vorhang rauscht. — weh euch! ich seh die frucht, ihr neuerer, die euer beyspiel stiftet Gotter (1787) 1, 243; [] kaum ging auf der bunte vorhang deines jungen artgen lebens, wie? und schon ertönt das glöckchen, das ihn wieder fallen heiszt? Grillparzer 1, 184 Cotta. der v. fällt, den v. fallen lassen u. ä.: Moses mag unser auge wegkehren und auf das ewige nichts v. fallen lassen Herder 6, 240; diesz — doch den v. herunter (genug davon) Kloppstock gelehrtenrep. (1774) 19; ich habe für eine minute den v. über diese szene fallen lassen Bode Tristram Schandi (1774) 2, 166; rückt den v. (im eigentlichen sinne, bettvorhang) und zugleich auch einen v. über diese (eben erlebte) traurige scene maler Müller (1811) 3, 386; dann wirft der winter, bis zum lenz, der schönen bühne vorhang zu Brockes ird. vergnügen 8, 201; o lasz mich einen vorhang vor das ganze, mir allzu helle schauspiel ziehen Göthe 10, 139 W. abschlusz, besonders endgültigen, z. b. das lebensende bezeichnend: der v. wird bald zufallen und eine ewige nacht mich und diejenige welt von einander scheiden, in welcher ich eine so wenig bedeutende creatur abgegeben habe Gottschedin br. (1771) 3, 46; das blutige schauspiel (der krieg) ist gespielt, der v. fällt Herder 23, 166 S.; der morgen und die freude hielten den v. seines lebens ein wenig im niederfallen auf Jean Paul 1, 232 H.; wenn das verhör zu ende, also der officielle v. gefallen war Laube (1875) 1, 250; doch meine muse schweigt, der vorhang fällt schon nieder Pietsch geb. schr. (1740) 148; die stunde schlägt, der vorhang fällt und alles wird zu nichts, was ihm so würklich schien Haller ged. (1882) 151; die huldinn Mecour (eine schauspielerin), für die auf immer der lebensscene vorhang fiel Gotter (1787) 1, 171; er starb; ein scheidend greller vorhang sank vor die vergangenheit, die theure, lichte A. v. Droste-Hülshoff (1878) 2, 239. 3@ee) die wimpern in gehobener sprache als v. der augen bezeichnet: wenn sie (die augen) sich gefunden, zogen sie ... den v. der wimpern vor sich nieder Immermann 3, 25 B.; deiner augen vorhang fällt, wie wenn tod des lebens tag verschlieszt (thy eyes' windows [!] fall) Shakespeare, Romeo u. Julia 4, 1. locken: wie oft muszt ich vor dir die dunklen locken mir schütteln ins gesicht, dasz nur die augen noch funkelnd blickten durch den schwarzen vorhang Eichendorff (1864) 4, 552. 44) einzelnes. 4@aa) schleier oder sonst ein vortuch: velum wurhank vel sloer Diefenbach gl. 609c; velo che porta (!) le donne in capo v., weiberhaub, schleyer Hulsius (1618) 2, 427b; (die frauen) brauchen fast gestrickt hauben oder andere durchsichtige fürheng Münster cosm. (1550) 1130; die feinen bunten hurischen brustlatzen oder vorhenge, wie man sie in der marck braucht theatr. diabol. (1569) 451b. — übertragen, in die allgemeine bedeutung übergehend: der allmächtige gott nemme hin den fürhang oder deckel von üwern ougen Tschudi chron. helvet. (1734) 2, 90; so wird er ... den schleyer oder fürhang von den augen hinweg thun Aeg. Albertinus hirnschleiffer (1664) 132; unachtsames vaterland! wenn wirst du endlich den v. wegziehen, der deine augen verdunkelt Scheibe d. crit. musicus (1745) 701. 4@bb) als naturwissenschaftlicher fachausdruck: (der) viereckige v., der wie eine schürze von der groszen magenkrümmung vor den därmen herabhängt Sömmerring vom baue des menschl. körpers (1839) 5, 203. — in der botanik: v., velum, schleier, eine feine haut, welche bei hutpilzen die keimtheile überzieht Behlen forst- u. jagdkunde (1840) 6, 170. 55) als erster bestandtheil von zusammensetzungen (leicht zu mehren), geordnet nach dem zweiten ohne berücksichtigung eines fugen-s:
19500 Zeichen · 354 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Vorhang

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Der Vorhang , des -es, plur. die -hänge, ein Stück Zeug, oder dem Zeuge ähnliches Ding, welches als eine Decke vor etwas…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Vorhang

    Goethe-Wörterbuch

    Vorhang [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    Vorhangm.

    Pfälzisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    Vor-hang m. : wie schd., Voʳhang (fōʳhaŋg) [vorn. WPf NPf selten VPf], (-hḁŋg, -hǫŋg) [vorn. VPf selten WPf]; Pl. Voʳhän…

  4. Sprichwörter
    Vorhang

    Wander (Sprichwörter)

    Vorhang 1. Besser durch den Fürhang gekrochen, denn die Ehe gebrochen. – Petri, III, 1. 2. Mag der Vorhang fallen, das S…

  5. Spezial
    Vorhang

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Vor|hang m. (-[e]s, ...hänge) coltrina (-nes) f.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit vorhang

51 Bildungen · 28 Erstglied · 23 Zweitglied · 0 Ableitungen

Zerlegung von vorhang 2 Komponenten

vor+hang

vorhang setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

vorhang‑ als Erstglied (28 von 28)

vorhangartig

DWB

vorhang·artig

vorhangartig , adj. : der bogen des einganges ... ist mit einem mächtigen epheu v. drapirt J. v. Düringsfeld aus Dalmatien (1857) 2, 118 . —

vorhangbett

DWB

vorhang·bett

-bett , n. : ' in der hauswirthschaft soviel als himmelbett' Krünitz öcon. encycl. 231, 392 ; dim.: wär auch des Gallus Lydia in einem vorha…

vorhangbrett

DWB

vorhang·brett

-brett , n. : ' die vorhänge werden ... an einem v. aufgesteckt ' ( an den fenstern ) Krünitz öcon. encycl. 231, 392 . —

vorhangen

DWB

vor·hangen

vorhangen , verb. , s. DWB fürhangen th. 4, 1, 1, sp. 743 ( ohne schriftstellerische belege ). die zum schwachen verb. hangen ( ahd. hangên)…

vorhangentfaltung

DWB

vorhang·entfaltung

-entfaltung , f. : so harrt mehr oder minder jeder unter uns ... irgend einer erfüllung, blickt irgend einer vorhangsentfaltung ... gespannt…

vorhanggestell

DWB

vorhang·gestell

-gestell , n. : ( sie ) sucht oben auf dem ofen, auf dem v . Bettine d. Günderode (1840) 1, 384 . —

vorhanglos

DWB

vorhang·los

-los , adj. : an einem tisch vor dem vorhanglosen nordfenster Weigand d. rote flut (1935) 65 . —

vorhangquaste

DWB

vorhang·quaste

-quaste , f. , quaste am vorhang: von einem wandleuchter und von der v . Schwabe belustigungen (1741) 2, 372 . —

vorhangring

DWB

vorhang·ring

-ring , m. , ' einer der ringe, die auf einem stabe oder einer stange laufen, woran ein vorhang befestigt ist ' Campe ; vor- sive fürhangrin…

vorhangschwamm

DWB

vorhang·schwamm

-schwamm , m. , s. oben 4, b: vorhangschwämme, cortinaria Behlen forst- u. jagdkunde (1840) 6, 171 . —

vorhangspalte

DWB

vorhang·spalte

-spalte , f. : ich sah bald durch eine v., wie der redacteur zurückkam R. Schumann ges. schr. (1854) 3, 64 . —

vorhangstab

DWB

vorhang·stab

-stab , m. : ' die vorhänge werden ... um einen vorhangstab gewunden und an der wand über dem fenster angebracht ' Krünitz öconom. encycl. 2…

vorhangstange

DWB

vorhang·stange

-stange , f. , wie das vorhergehende wort Campe ; vgl. fürhangstänglein th. 4, 1, 1, sp. 744. —

vorhangstrauch

DWB

vorhang·strauch

-strauch , m. : bey groszen flüssen, bey dem Mayn, dem Rhodanus, dem vater Rhein sind keine vorhäng im gebrauche; mit einem solchen vorhangs…

vorhangtaft

DWB

vorhang·taft

-taft , m. , wie er zu vorhängen verwendet wird: eine tiefe haube, eine larve mit vorhangtaffet Hafner ges. lustsp. (1812) 1, 52 . —

vorhangtheilung

DWB

vorhang·theilung

-theilung , f. : der page kömmt durch die v. ( öffnung des auseinander gehenden vorhangs ) heraus neue schauspiele (1771) 7, 3, 11. —

vorhangträger

DWB

vorhang·traeger

-träger , m. , wie vorhangstab, -stange Lichtenberg erklärung d. Hogarthischen kupferstiche (1794) 3, 328 . —

vorhangtuch

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vorhang·tuch

-tuch , n. , als stoff eines vorhangs oder eine für vorhänge geeignete tuchart; vorhang der bühne: und hinter noch geschlossnem vorhangtuche…

vorhangtür

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vorhang·tuer

-tür , f. , eine mit einem vorhang verhängte: dann stieszen beide reiter durch die vorhangtür Spitteler olymp. frühling (1910) 2, 165 .

vorhangung

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vorhang·ung

vorhangung , f. , zu intrans. vorhangen: vordach, v. des daches Aler dict. (1727) 1, 483 a ; dagegen trans., statt eines heutigen vorhängung…

vorhang als Zweitglied (23 von 23)

bettvorhang

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bett·vorhang

bettvorhang , m. bettumhang: seine bettvorhänge waren in grosze falten aufgezogen. Göthe 18, 86 .

damastvorhang

DWB2

damast·vorhang

damastvorhang m. : 1830 Immermann w. 5,34 M. DWB2 b besonderheiten des gewebes kennzeichnend:

fenstervorhang

DWB

fenster·vorhang

fenstervorhang , m. jedes putzstück, besonders die art es anzulegen, die eile und weile dabei, ist ein durchsichtiger fenstervorhang oder ja…

Gaumenvorhang

Campe

gaumen·vorhang

Der Gaumenvorhang , des — es, Mz. die — vorhänge , in der Zergliederungskunst, ein Theil des Gaumens, der hinten von demselben herabhängt un…

Ledervorhang

GWB

leder·vorhang

Ledervorhang war ich im Schlafwagen .. halb erwacht, als ich etwas an den Ledervorhängen rauschen hörte und bei Eröffnung derselben den Herz…

Mittelvorhang

GWB

mittel·vorhang

Mittelvorhang Kurtine, den vorderen vom rückwärtigen Bühnenraum trennender Teil der Theaterdekoration daß die Theaterveränderungen so einger…

prachtvorhang

DWB

pracht·vorhang

prachtvorhang , m. : dasz .. die dunkeln haare gleich einem prachtvorhang um die königliche herrlichkeit herum wallten. d. j. Göthe 2, 82 .

schattenvorhang

DWB

schatten·vorhang

schattenvorhang , m. : sobald im fernsten ost die sonne, die all' erfreu'nde, von Aurora's bett den schattenvorhang wegzuziehn beginnt. Shak…

Scheibenvorhang

PfWB

scheiben·vorhang

Scheiben-vorhang m. : 'kleiner Vorhang unmittelbar an der Fensterscheibe', -voʳhang [ KB-Kriegsf FR-Albsh ]. SHW Südhess. V 223 .

tempelvorhang

DWB

tempel·vorhang

tempelvorhang , m. der vorhang vor dem allerheiligsten des ( jüdischen ) tempels, mhd. tempeltuoch Lexer 2, 1420 : er ahnte nicht, weszhalb …

theatervorhang

DWB

theater·vorhang

theatervorhang , m. : diese gestreiften wände u. s. w. kommen mir höchstens vor wie unser theatervorhang. Göthe 18, 8 ; sie hatte einige nei…

thürvorhang

DWB

thuer·vorhang

thürvorhang , m. vorhang vor einer thüröffnung, vergl. thürteppich: als der diener den thürvorhang zurück schlug und die zimmerreihe im kerz…

tuchvorhang

DWB

tuch·vorhang

tuchvorhang , m. : wie er sich scheu umblickte, glaubte er in den schweren falten des tuchvorhangs etwas stehen und ein fahles antlitz läche…

wolkenvorhang

DWB

wolken·vorhang

-vorhang , m. , ' ein vorhang gleichsam von wolken ' Campe 5, 766 b : der blitz zuckt durch den schwarzen wolkenvorhang Tieck schr. (1828) 7…

zeltvorhang

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zelt·vorhang

-vorhang , m. : D. Cranz hist. v. Grönland (1770) 1, 191 ; W. Alexis falsche Woldemar 2, 351 ; u. a. —

zwischenvorhang

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zwischen·vorhang

-vorhang : der zwischenvorhang ging in die höhe und er ( Wilhelm ) sah das volle haus vor sich Göthe I 22, 199 W.;