wank,
m. ,
bewegung nach einer richtung hin, untreue, schlechte gesinnung oder handlung, zweifel, schwanken usw. grundwort für die verba wanken
ahd. wankôn
und wenken
ahd. *wankjan
mit der ursprünglichen bedeutung von '
biegung',
die auch noch im ahd. hervortritt. die entsprechungen in den andern idg. sprachen sind bei wanken
angegeben. das subst. ist nur im deutschen (
auch mnd. mnl. wank)
vertreten; schwed. vank
ist dem deutschen entlehnt. das im mhd. (
bis ins 15.
jahrh.)
häufige und in der bedeutung reich entfaltete wort hat nur wenig eingang in die nhd. schriftsprache gefunden. im 16., 17.
jahrh. gebrauchen es nur einige, z. b. Murner, Luther,
die meisten, wie H. Sachs, Fischart,
die Schlesier, kennen es gar nicht und auch die wörterbücher nehmen meist keine notiz davon. eine ausnahme machen die Schweizer Maaler
und Dentzler
und der Niederdeutsche Schottel,
die auf grund ihrer mundart gewisse gebrauchsweisen, bei denen noch von sinnlicher anschauung ausgegangen werden kann, verzeichnen. auch in der neueren litteratursprache, die sonst das wort ablehnt, tritt der mundartliche gebrauch als '
bewegung'
gelegentlich hervor. ferner zeigt sich in der dichtersprache seit den siebziger jahren des 18.
jahrh., wol nicht ohne einflusz der alten sprache, in der verbindung ohne, sonder wank
die bedeutung '
das wanken, schwanken',
auch in übertragenem sinn. sonst sind die zahlreichen übertragenen bedeutungen, die bei dem wort im [] mhd. vorkommen, abgestorben. dieselben sind theils aus der grundvorstellung des abbiegens zur seite, theils aus der des erschüttertwerdens, schwankens zu erklären. etwas unbestimmt ist oft die bedeutung in der seit Otfrid
vorkommenden und besonders im reim beliebten verbindung âne wanc '
ununterbrochen (
eig. ohne auszubiegen),
zuverlässig, gewiszlich, ohne zweifel, ohne schwanken'. —
das wort wird fast ausschlieszlich im sing. gebraucht, pluralformen kommen aber in der älteren sprache zuweilen vor. abgesehen von dem ahd. dat. plur. wanchun (
s. unten 1
a)
erscheint das unumgelautete wanke
nur bei Stricker
frauenehre 446; wenke
bei Walther 30, 34. H. Seuse 216, 14
Bihlmeyer. Münchener hs. bei Schmeller 2, 959
und noch bei Oswald v. Wolkenstein 15, 56
Schatz (
wenn hier kein fem. wenke
anzunehmen ist). 11)
gebrauchsweisen, bei denen noch von sinnlicher anschauung ausgegangen werden kann. 1@aa)
im ahd., wo Otfrid
in âna wanc
schon übertragene bedeutungen hat, tritt daneben noch die ursprüngliche bedeutung '
biegung, krümmung'
auf: sinuamine, wanche Steinmeyer - Sievers
gl. 2, 518, 42. 571, 1 (wancha 580, 6
in einem glossar mit nd. färbung);
flexibus, wanchun 2, 755, 6.
auch bei Notker (
wo die schreibung wang): mág iro dehéin wáng werden (
nam si valent detorqueri aliorsum quam provise sunt)
Boethius 5, 10 (1, 315, 12
Piper). 1@bb)
im mhd. erscheint die bedeutung '
biegung'
eingeschränkt zu '
wendung nach einer seite, bewegung nach einer richtung hin, namentlich plötzliche'.
so erscheint es besonders in der verbindung einen wanc tuon. 1@b@aα)
am häufigsten wird das wort von lebenden wesen, menschen und thieren, gebraucht, um eine änderung in der körperhaltung oder der bisherigen art zu gehen (
laufen, fliegen)
zu bezeichnen. die bewegung kann vorwärts, rückwärts oder seitwärts, nach oben oder unten, gerichtet sein. 1@b@a@11))
bewegung vorwärts: Reinhart nam des guoten war, ze eime andern loche er ûʒ spranc, ûf sîne gevatern tet er einen wanc.
Reinhart fuchs 1174
Reiszenberger; mit slegen vil herten sich dise helde werten ... des sach man dô manegen wanc, dô einer ûf den andern dranc mit nîde und mit zorne. H. v.
d. Türlin
crone 28037.
rückwärts: die heiden vluhen zu der burch, vil enge wart in der vurt, vil michel wart daʒ gedranc. manigen angestlichen wanc taten die heiden. dicke vielen die veigen.
Rolandslied 29, 9
Grimm; (
der esel zu Bileam) vor mir hî han ich gesehen sten einen vil starchen man ... durch den tet ich den wanc. Diemer
d. ged. 75, 1 (
bücher Mosis); sî brâchen ûf im alle ir sper: daʒ sîn behielt aber er unde warf daʒ ros von in unde leisierte hin von in eines ackers lanc, und tete schiere den wanc und lîmte vaste sîn sper vor ûf sîne brust her. Hartm. v. Aue
Iwein 5326 (wanc
ist hier die bewegung, die einen den bereits zurückgelegten weg wieder zurückführt, ähnlich 6502
und 6430,
wo wanc
den rückweg selbst bezeichnet); der strît wart stark, grôʒ unde hert. dô hætin sich vil gern erwert die vogel; doch ein wank beschach an inen. Boner
edelstein 44, 17.
seitwärts (
hin und her): nû daʒ verfluochte vederspil tet vil maneger hande wanc und umbe und umbe dâ geswanc, als dicke wilde vogele tuont. K. v. Würzburg
Engelhard 3223;
[] si (
die taube) fliuget niht ze hôh iedoch und ist gar enwanc joch. der bedarf der inner mensche wol, ob er mit gote iht werben sol, daʒ er die hœhe fliehe und ouch niht ze nider ziehe. Lamprecht v. Regensburg
tochter Syon 1684
Weinhold. aufwärts: der wilde visch in dem bere nie genam so manigen wank, als min herze in jamers lere nach ir.
minnesinger 1, 202
a Hagen. abwärts: er sihet, wâ ein rone lît, dar under tet er (
Reinhart) einen wanc, manec hunt dar über spranc.
Reinhart fuchs 309
Reiszenberger; daʒ ir ietweders schaft zerbrochen in die lüfte spranc und daʒ diu ros gelîchen wanc an die hahsen tâten nider. Wirnt v. Gravenberg
Wigalois 171, 31. 1@b@a@22)) wank
wird besonders vom flüchtigen lauf des wildes (
in wechselnder richtung)
gebraucht: wan eʒ (
das wunder) hât der Sirênen sanc, pfâwen varwe und hasen wanc, schâfes hût und vuhses brust.
minnesinger 2, 367
a Hagen; adelarn und lühse sint worden blint, swenne kluogiu wîp ân werwort sint. noch sneller kumt in irn gedanc ein aberede denne einem hasen ein wanc. H. v. Trimberg
renner 12248
Ehrismann; das recht hat gar ain wächsein nas, es lat sich piegen als der has, so in der hund pringt in den wank, neur hin und her stat sein gedank. Osw. v. Wolkenstein 118, 125
Schatz; minnekliches guot, swie klein ich einen ker us dir tuon, so beschiht mir als einem rehlin, daʒ siner muoter hat vermisset, und daʒ in einem starken gejegde ist und mit flúhtigen wenken sich uf enthaltet, unz daʒ es hin wider an sin stat endrinnet Heinrich Seuse 216, 14
Bihlmeyer; ein wild laufet mir vor und chan der wenckh mir ze vil
Münchner hs. bei Schmeller 2, 959. 1@b@a@33))
neben einen wanc tuon,
seltener einen wanc nemen (
s. oben minnesinger 1, 202),
begegnet auch einen wanc wenken (
s. auch unten Ulr. v. Lichtenstein): dô wart ouch von den swertenein vil michel klanc. die in dâ slahen gerten,die muosten manegen wanc vor sînen slegen wenken.
Kudrun 504, 2.
im folgenden schlieszt sich der acc. in freierer weise an ein verbum an: ich bin bereit, nû kom (
o tod) her ... nimestû mich niht schiere hin, sô hân ich doch sô guoten sin, dû kumest hin niht einen wanc. ich stirbe wol ân dînen danc, des dû mich niht erwenden maht. Fleck
Flore u. Blanscheflur 2351. 1@b@a@44)) von einem einen wanc tuon,
auch übertragen '
sich von jemand trennen': hie git er ir ain minnetrank, das sy von im mug getün kainen wank.
Christus und die minnende seele 1060
Banz; mein sel und hercz tut keinen wanck von ir, die mir gepet und schafft. Hans Folz
meisterlieder 97, 87
Mayer. '
von einer sache ablassen': wil er nu mit haʒʒe lônen ir bruoder, diu in minnet, ob er sich versinnet, sîn herze tuot von minnen wanc. W. v. Eschenbach
Parzival 719, 29; und wær er niht sô veste gewesen an stætikeit, ir minn hiet in verjeit in solhen gedanc, daʒ er vil lîht ein wanc het getân von stætem muote. Ottokar
reimchr. 17972
Seemüller. auch mit dativ der person oder sache (
ein anderes einem einen wanc tuon
s. unten 2
c): wir entûn ûch keinen wanc, ir sullet haben immer danc, daʒ ir sô menlîchen hât geworben nû mit dirre tât.
livländ. reimchr. 2933
Meyer; [] Kanêlengres der guote, der ritterlîchem muote noch hêrren tugende an keiner stete nie fuoʒ noch halben wanc getete. G. v. Straszburg
Tristan 1682. eines dinges einen wanc tuon
ist im folgenden '
ausweichen, vorbeugen': mîn vater daʒ gesprochen hât, er well in hînaht an der stat slahen an irem arm blanc. mac er des einen wanc getuon, daʒ ist der rât mîn, daʒ er ân angst müg gesî
n. Enikel
weltchronik 10188
Strauch. auch von einem einen wanc wenken: ich muoʒ in der stæten wîbe dienest sunder lôn verderben, oder ich muoʒ ir stæten herzen lieb alsus erwerben, daʒ ich gewenke nimmer wanc von in. Ulrich v. Lichtenstein 425, 5. 1@b@bβ)
ein entsprechender gebrauch von wanc
kommt auch bei theilen des menschlichen körpers vor: min frunt spiegel, habe dangk! want min hercz nimmet manchen wangk, wan ich die schone klarheit min beschawe in dines glanczes schin.
Alsfelder passionsspiel 1843; der kiuschen wandels vrîen nam er sô vlîʒeclichen war, daʒ nie sîn ouge spiegelvar von ir keinen wanc getete. K. v. Würzburg
troj. krieg 14901
Keller. 1@b@gγ)
von leblosen dingen ist wanc '
bewegung'
nicht häufig. so in der fabel von zwei töpfen, die den bach hinunter schwimmen (einem den wank abgewinnen
ist '
einem die ausbiegung zur seite abschneiden'
vgl. einem den rank ablaufen): der irdin (
topf) sprach: ich bin zu krank. gewünnist mir ab einen wank, daʒ ich næm einen stôʒ an dich, oder du stieʒest wider mich ze einem mâl, so wær ich tot. Boner
edelstein 77, 22.
ferner: Pilatus. ir hat die baner geneiget und Jhesu dar mit ere erzeiget ...
Borey. so geschach es an minem dangk, dasz die baner thet den wangk.
Alsfelder passionsspiel 3949; er rayt da hin uber das ratt, das es kain wanck nie gedet. H. v. Neustadt
Apollonius 11322
Singer; mein fräd lischt gleich als ein kol, den wassers wanck verderbt. Hätzlerin
liederbuch II, 211, 63 (
s. 211). 1@cc)
im nhd. erscheint wank (
von ohne, sonder wank,
unten 3,
abgesehen)
nur spurweise, doch treten auszer der aus dem mhd. überkommenen bedeutung '
bewegung'
auch noch andere auf. 1@c@aα) Maaler 483
d verzeichnet wanck (der),
momentum, entsprechend Dentzler 2, 341
b.
die angabe stützt sich wol hauptsächlich auf eine mehrfach aus dem schweizerischen bezeugte redensart, baslerisch er duet eka' wank '
rührt sich nicht von der stelle' Seiler 309,
aargauisch Hunziker 286.
neuere schweizerische schriftsteller haben die wendung auch litterarisch gebraucht: wenn ein knecht dem weibervolke hand bieten sollte, so höhnte er und fluchte, that keinen wank Gotthelf
Uli der knecht 144 (
in den werken 2, 160: fluchte und rührte sich nicht); schon das gedrängte zusammensein mit einer menge fremder menschen verhinderte natürlich den austrag des schmerzlichen prozesses; aber auch ohne das that Regine keinen wank; sie schien sich vor dem fallen einer drohenden masse und jedes wörtlein zu fürchten, welches dieselbe in bewegung bringen konnte G. Keller
werke 7, 117; und seine sonne thut keinen wank und scheint ihm golden in's gesicht.
nachgel. schriften 197.
auch tirol. er tuet koa wenkerl Schöpf 800,
aus andern obd. mundarten liegen keine nachweise vor. Adelung
führt keinen wank thun '
nicht wanken'
als im hochd. ungewöhnlich an. von älteren quellen hat Murner wank '
bewegung'
in andrer wendung: [] der cantzler weisz wol geuch zuo finden, die sich mit strohalm lassen binden und dörfften sich ein wanck nit keren, als wen sy stettig rösser weren.
geuchmatt 970
Uhl. aus dem südl. Hannover verzeichnet Schambach 285 wank '
bewegung'.
auch sonst dürfte das wort im norden, wenn auch nirgends angeführt, nicht unbekannt sein: der Franzl (
Lenbach) mochte ... von dogmen und kirchenpflicht nichts mehr hören ... bis zum letzten wank blieb er fest Harden
zukunft 28. 5. 1904;
vgl. auch 3
b α Langbein. 1@c@bβ)
die bedeutung '
wink' —
als beugung (
des hauptes, fingers, übertragen der augen)
zu deuten —
ist gewisz alt, aber aus dem mhd. nur durch ougewanc
zu erweisen. in der neueren zeit tritt sie im nd. auf, doch nicht litterarisch: nutus, wank Diefenbach
nov. gl. 266
b; wank,
adnutus Schottel 1440. Schambach 285. 1@c@gγ)
die bedeutung '
erschütterung, das schwanken'
tritt im eigentlichen sinn nicht deutlich im mhd. hervor (
während wanken
hier sowohl '
sich bewegen'
als '
schwanken'
ist),
doch lassen sich die übertragenen bedeutungen z. th. aus dieser grundbedeutung ableiten (2
b).
im nhd., wo bei wanken
die bedeutung '
erschüttert werden'
durchaus im vordergrund steht, tritt im anschlusz an das verbum auch bei wank
die entsprechende bedeutung auf: derer tritt nicht nimmet einen wanck. G. Treuer
deutscher Dädalus (1675) 1, 782;
auch ohne (sonder) wank
in der neueren dichtung schlieszt sich meist hier an (3
b).
aus dem westfäl. verzeichnet Woeste 315
die bedeutung '
stosz oder zug, der durch übergewicht verursacht wird'. 22)
übertragungen. 2@aa)
sehr gewöhnlich ist in der mhd. litteratur die bedeutung '
unzuverlässige gesinnung, untreue',
die wol aus der vorstellung des abbiegens vom rechten wege zu gewinnen ist (
vgl. auch 1
b α 4)) von einem einen wanc tuon): rîcher got, in welher mâʒe wirt ir gruoʒ, swenn ich sî sihe die ich dâ mîde manegen tac! sît daʒ der dâ heime wankes fürhten muoʒ, der doch sîn liep ze rehter zît gegrüeʒen mac. Hartm. v. Aue,
minnesangs frühling 212, 15; jâ muoʒ ich eʒ immer klagen daʒ ie dehein bœser wanc kom in mînen gedanc. ich wære dar an stæte, ob ich tugent hæte. 1.
büchlein 877; wir hân vereischet, die der wenke hânt gepflegen. Walther 30, 54; Sigûne gert ergetzens niht, als wîp die man bî wanke siht.
Parzival 253, 16 (
so häufig bei Wolfram); si (
die frauen) sint ein sûl der frümekeite ... ein spiegel der gedanke, ein widerstrît der wanke. Stricker
frauenehre 446 (
zeitschr. f. d. alt. 7, 490); si ist mir lieber danne iht sî, ich bin gein ir gar wankes vrî, ich diene ir sus, ich diene ir sô, ich bin von ir vrô vrô vrô. Ulrich v. Lichtenstein 505, 28; er gap ir minneclîche ein morgengâbe rîche ... an minne geselleschaft, an liebe liebe stæte, an triuwen guot geræte und âne valsches herzen wanc lieber stætekeit gedanc. Rudolf v. Ems
g. Gerhard 5061; und hæt ir dehein missetân, von sant Francisk er buoʒe enphie. ir dehein verhal in nie werc joch wort, noch gedanc noch deheiner slahte wanc. Lamprecht v. Regensburg
Francisk 1359
Weinhold. bei Wickram
allgemeiner '
unfreundliche, schlechte gesinnung': (
Jupiter zu den göttern) 'so aber jemant were leit meins allerliebsten suns gottheit, dem werd ich sagen wenig dank'. doch fand er an ihn keinen wanck, auch hett es Juno als vertragen, so lang bisz das sie höret sagen, das Hercules solt sein eyn gott, damit trib sie grosz hon und spott. 8, 17 (
metam. 9, 6, 575)
Bolte;
[] Biblis ward irem bruder holt ... sie hatt ghen im eyn argen danck, er aber trug keyn falschen wanck gegn seiner schwester gar umb nit. 8, 26 (9, 10, 841). 2@bb) Wolfram
stellt wanc
mit zwîvel
zusammen, zunächst in anknüpfung an die vorige bedeutung: diu starke minne erlamet an ir krefteist zwîfel mit wanke ir geselle. âne wanc und ânezwîfel diu beide was diu maget Sigûne.
Titurel 52, 1;
dann auch vom verhalten im leben im allgemeinen: sô heiʒet einr der helle wirt: der ist swarz, untriwe in niht verbirt. von dem kêr dîne gedanke, und och von zwîvels wanke.
Parzival 119, 28;
ähnlich später: und (
dasz du) komest in die auszern finsternusse in pech und schweffelʒ flussze, ob nit durch willig pusse du kumest ausz deʒ zweifelʒ wanck. Hans Folz
meisterlieder 52, 144
Mayer. so findet sich auch sonst die bedeutung '
unsichere meinung, verdacht, argwohn, zweifel': ein bruoder, hieʒ Riccerius, der vorhte daʒ Franciscus in umbe etwas schûhte, des in hinz ime bedûhte, und im darumbe fremde wære ... nû gienc er an eime tage in verholner sorge klage ... dô hieʒ ern (
Franciskus ihn) zuo im komen sâ und sprach zuo im: 'sun, enlâ deheiner slahte trüeben wanc bekorn dîn stæten gedanc. under den liebsten bist du mir der liebsten ein.' Lamprecht v. Regensburg
Francisk 2094
Weinhold; und habe dir des deheinen wanc, sô sî ich got unmære, dich meint mit triwen mîn gedanc. Hartm. v. Aue
büchl. 1, 1727; im wâren sîn gedanke in maneger hande wanke. Ulrich v. Türheim
Willehalm 114
b (
nach Lexer 3, 669);
so gebraucht das wort noch Luther: noli diffidere und setz nur verbum meum non yn ein wanck 28, 194, 9
Weim. ausg. auch objectiv '
etwas zweifelhaftes': der reht sint noch driu, durch not erliden wir diu undanches ode danches, dar an ist niht wanchis. Karajan
sprachdenkm. 15, 14. 2@cc) wank
bezieht sich dann auch auf handlungen, die ausflusz einer ungetreuen, unfreundlichen usw. gesinnung sind (einen wanc tuon). wanc
ist so gern mit adjectiven verbunden, die die handlung kennzeichnen: er mûʒ dir in (
den zins) lasterlîche senden âne sînen dang, odir ich tû im einen wang, daʒ im lîber wêre daʒ hê dîn zinsêre gewesen wêre manich jâr. Eilh. v. Oberge
Tristrant 396
Lichtenstein; jâ was es ein vil arger wanc daʒ ir nahtes ritent von dan. dâ mac man wol kiesen an daʒ ir si ir vater habt genomen. Hartm. v. Aue
Erec 4182; tuot im liebe leiden wanc, im enkan der bluomen schîn trûren niht erwenden. Neidhart v. Reuenthal 67, 24; daʒ was ir untriwer wanc, daʒ si die keten vallen lie. Enikel
weltchronik 19404
var. Strauch; (
der könig zu den überläufern) verlieset sô niht mîn leben mit disem lesterlichen wanc. Ottokar
reimchr. 617
Seemüller; (
das böse weib spricht) ich wil immer sîn (
meines mannes) meister sîn, die wîle wir mit ein ander wonen ... (
der schwiegersohn erwidert) ich schaffe under iu beiden daʒ ir âne iuwern dank lâʒet allen bœsen wank.
gesammtabenteuer 1, 54 (
frauenzucht 506).
[] 2@dd)
weiter kann wank
auch auf einen makel, fehler, ein gebrechen gehen: dô er die mess gesanc, er sprach: 'ir habet einen wanc, her künic, lieber herr mîn, des iuwer sêl muoʒ schad sîn ... ein frouwen habt ir, diu ist tôt'. Enikel
weltchronik 26322
Strauch; gaistlich, werltlich, wer das tuet, der ist von sünden nit behuet. wann siecht das haubt durch plöden wank, die glider werden alle krank. Oswald v. Wolkenstein 118, 211
Schatz. daran schlieszt sich lothring. er hat noch kein wank '
ist ganz unversehrt' Follmann 530. 33)
besonders zu behandeln ist die verbindung ohne (sonder) wank.
es ist von der vorstellung '
ohne abzubiegen'
auszugehen, womit sich die von '
ohne zu schwanken'
mischt, die besonders in der neueren sprache hervortritt. 3@aa)
in der älteren sprache. 3@a@aα)
die verbindung kann zunächst als '
ohne abzulassen, immerfort'
oder als '
ohne nachzulassen, gleichmäszig, fest, sicher'
genommen werden. so hat schon Otfrid
öfter âna wanc
gebraucht: deta si thô then githanczi gotes thionôste âna wanc joh thionôta iogilîchothâr gote driulîcho. 1, 16, 9; thaʒ wir wiʒîn âna wankthes thînes muates githank; thu unsih ni heles wiht thesjoh unsih es girihtes! 3, 17, 19
u. ö.; entsprechend im mhd. und bis ins 16.
jahrh.: swer ir minne gerte,der muose âne wanc driu spil an gewinnender vrowen wol geborn: gebrast im an eime,er het daʒ houbet verlorn.
Nibel. 326, 2; swer gote dienet âne wanc, deist aller wîsheit anevanc. Freidank 1, 5
Grimm; lûter vor allem meine was ze gote sîn gedanc, gegruntvestet âne wanc. Lamprecht v. Regensburg
Francisk 3671
Weinhold; ze in allen (
rittern) sprach er (
der herzog) disiu wort: iuwer muot ist veste âne wanc gegen mir. Ulr. v. Eschenbach
Wilhelm v. Wenden 1660
Toischer; dise (
werlt) die sele machet krank, in jener ist vreude ane wank.
kleinere mhd. erzählungen 3, 35, 248
Rosenhagen; er saget dir sô grôʒen danc, daʒ er immer âne wanc wil gantze vrûntschaft mit dir haben.
livländ. reimchron. 7198
Meyer; ir sollet uch dar zu stellen und mim knecht Binckenbangk an thun hellepin an wangk.
Alsfelder passionsspiel 349; wir dienen euch on allen wank.
fastnachtsp. 606, 1; das auch ein iglicher dieszen worten sicher on allen wanck glawben darff Luther 8, 507, 11
Weim. ausg. 3@a@bβ)
in andern fällen treten die bedeutungen '
untreue, schlechtigkeit'
oder '
makel' (2
c. d)
auch in der verbindung hervor: daʒ er ein wîp minn âne kranc und gar âne aller slahte wanc. Ulrich v. Lichtenstein 307, 20; in stäter elicher treüe on allen wanck (
in der ausg. von 1580 wanckel) will ich euch wesen untertan
Decamerone 70, 23
Keller; ir näcklin, als ain härmlin planck, ir näslin bogen nit ze langk, ir hälszlin weisz, on argen wanck, vein uszgeschwaiffet zart. Hätzlerin
liederbuch 1, 28, 81 (
s. 37); ich went, ich hett mir uszerwelt ain knaben on allen wanck. 1, 104, 2 (
s. 78). 3@a@gγ)
von '
sicher, zuverlässig'
aus hat sie sich dann zum bloszen betheuerungswort entwickelt. so ist sie in gedichten im reim beliebt: die vürsten jâhen âne wanc, daʒ er an in vünde keiner slahte kranc, sie tæten swaʒ sîn heiʒ in kunde gebieten.
Lohengrin 3771
Rückert; [] er ist wert, daʒ man âne wanc im sage lob und êre nû und immer mêre.
livländ. reimchr. 8146
Meyer; hot er nit gelesen her Abekug? der sprichet ane wang in siner wort anfang: 'von diner stimme hon ich vornummen, dasz du salt uff das ertrich kummen'.
Alsfelder passionsspiel 4853; hette der bapst die walh lassen fortgehen, so were on wanck der hertzog vonn Schwaben Conradus einhellig erwelt S. Franck
chron. Germaniae (1538) 312
a.
verstärkt ohne allen wank (
s. auch oben α und β): eʒ wart nie herze alsô herte, der eʒ tribe unde berte daʒ eʒ an got gedæhte, daʒ man darzuo niht enbræhte, eʒ enmüeste ân allen wanc gewinnen süeʒen gedanc. Lamprecht v. Regensburg
tochter Syon 1006
Weinhold; des menschen gedank ist also blœd, das er mit ainem klainem dank kompt in die hell ane allen wank.
des teufels netz 1623
Barack; nu redich wol on allen wank, man stiesz eurn helm auch unter pank.
fastnachtsp. 651, 31; natur ein mutter aller ding entpfocht und gebirt uff solich geding ir geschopfde, das sie on allen wanck sich bruchen müssen spisz und dranck. Brant
thermophagia 4 (146
Zarncke). 3@a@dδ) sonder wank
wird ebenso wie ohne wank
verwendet: ob dû mir sîst mit triuwen stæte sunder wanc. Walther 89, 16; wart in joch mit ihte erkant sîn wille oder sîn gedanc, daʒ leisten sie sâ sunder wanc. Lamprecht v. Regensburg
Francisk 1912
Weinhold; wenn ich recht bedenk die zarten renk,gelenk mit so mangerlaihendlin schrenk sunder wenk. Oswald v. Wolkenstein 15, 56
Schatz; blosz betheuernd: dô sageten si mir sunder wanc, eʒ wære der künec von Zazamanc. W. v. Eschenbach
Parzival 62, 15; daʒ ich sunder wanc ... wil hinze Rôme varn. Ottokar
reimchr. 13597 (
so häufig); der vunfzende grat sundir wang ist der sele vride und rouwe. Brun v. Schonebeck
hoh. lied 12379
Fischer; sunder wanc wir sîn bereit durch ûch lieb unde leit dulden zû allen zîten in reisen und in strîten.
livländ. reimchron. 5561
Meyer (
so häufig); neine, herr, sunder wangk neigten sich die baner an unsern danck.
Alsfelder passionsspiel 3860; denn sie (
hoffart) ist warlich ein anfang alles verderben sonder wanck. Wickram 6, 87, 2446 (
Tobias 5, 3)
Bolte. 3@bb)
während im 16.
jahrh. (Brant, Luther, Wickram)
sich noch mhd. gebrauchsweisen zeigen, stehen die wendungen später fast immer unter bestimmendem einflusz von wanken '
schwanken, erschüttert werden',
theils im eigentlichen, theils im übertragenen sinn. im 17.
jahrh. lassen sie sich nur aus Bucholtz
nachweisen, im 18.
treten sie seit Bürger
und Voss
in der dichtersprache auf, wobei sich theilweise (
namentlich bei Voss, Fouqué, Rückert, R. Wagner)
einflusz der alten sprache geltend macht. 3@b@aα) Festus aber ohn einigen wank vorbey trabete, wiewol er recht auf die brust getroffen wahr Bucholtz
Herkuliskus (1665) 9; erkennet ihm den dank der allerschönsten tugend, in welcher seine jugend fest steht ohn allen wank.
Herkules (1676) 1, 318
b; drauf stürzt' er (
Frothal) voran. doch er traf auf einen felsen. Fingal stand ohne wank Bürger 277
a (
Ossian);
[] mit hand und fusz schnürt sie der scherg an ohne wank und nun beginnt das schneiden. Rückert
ges. ged. 3, 218 (1837); so seh' ich überall mich eingeladen zu ruh und aussicht, wo ich auf geraden berufes wegen wandelt' ohne wank. 6, 340; er glotzt sie, ohne wank und laut, mit feueraugen
an. Langbein
schriften 4 (1841) 113 (
vgl. oben 1
c α wank '
bewegung'). 3@b@bβ) wer sich nie der liebe scheute, liebe morgen sonder wank! Bürger 124, 6 (
var. aus der hs. zu der nachtf. der V.); der holdseligen sonder wank sing' ich fröhlichen minnesang. Voss
ged. (1802) 4, 24; 'da seie Gott vor!' riefen die drei ritter, wie aus einem munde. lieber wollen wir gut und blut daran setzen, bis auf das letzte, und wenn es seyn musz, auch das alles verlieren sonder wank Fouqué
zauberring (1812) 3, 80; das ist die deutsche treue, das ist der deutsche fleisz, der sonder wank und reue sein werk zu treiben weisz. Schenkendorf
ged. 177; sie schaun sich an, du nennst vielleicht es kalt, zwei starre stämme, aber sonder wank und sonder thränenquell, denn sie sind krank, ach, beide krank und alt! A. v. Droste-Hülshoff 3, 229
Kreiten; vergessens güt'ger trank! dich trink' ich sonder wank. R. Wagner
ges. schr. 7, 38 (
Tristan und Isolde).