zweig,
m. herkunft und form. 11)
kontinentalwgerm. wort, ahd. zwîc
n.; mhd. zwîc
n. und m.; mnd. twîch
n.; mnl. twijch
m.; nl. twijg;
fries. twig,
*twīg
m. (
vgl. Siebs
z. gesch. d. engl.-fries. spr. 219).
mit dem ags. engl. twig
im ablaut stehend; mehrdeutig ist das im skandinavischen isolierte dän. tvege,
älter tvige.
auszerhalb des germ. ist verwandt alb. degε
f. '
ast, zweig, gebüsch'
aus *dvoighā (G. Meyer
alb. wb. 62).
zu grunde liegt in zweig
ein von der kompositionsform des zahlwortes zwei
*dui-,
*duei- (
s. unter zweifel)
abgeleitetes adject. *deigho-,
*digho-
in serb. (16.
jh.) dviz '
zweijährig', dvize
n. '
zweijähriges schaf',
lit. dveigỹs '
zweijähriges rind oder fohlen, vgl. auch gr. δίχα,
adv. '
in zwei geteilt, gesondert',
s. Solmsen
P.-B. beitr. z. gesch. d. dtsch. spr. u. lit. 27, 358, Walde-Pokorny 1, 819, Trautmann
bsl. wb. 64;
der von vielen vorgezogene vergleich von germ. *twiga-
mit ai. dvíka '
aus zwei bestehend'
wird durch alb. degε
unwahrscheinlich. —
das neben zweig
stehende ahd. zuog (
pl. zuga, zoagir, zuogun)
und zuocko (Schatz
ahd. gr. 244),
as. tôgo
verdankt seinen vokal wohl eher dem vorhistorischen nom. masc. idg. *dā,
germ. *t(w)ō '
zwei' (
s. unter zwei,
sp. 972)
als dem historischen nom. fem. —
die dritte form, [] ahd. zwî,
n. (
neben dem schw. m. zwîo,
vgl. zuuio
ahd. gl. 2, 382, 385, 404),
mhd. zwî,
n., frühnhd. zwei,
beruht ebenfalls auf einer adjektivischen weiterbildung von zahlwort aus: idg. *deo- (
oder dio-?),
vgl. lit. dvejì '
zwei' (
in verbindung mit pluralia tantum). —
unklar sind an. tjúga '
gabel',
schwed. tjuga,
dän. høtyv '
heugabel'. 22)
für zweig
ist im ahd. allein das neutrum gesichert, im mhd. steht es neben dem masc., im nhd. wird es schriftsprachlich selten, vgl. noch bei Grassäus
d. kleine baur (1618) 109, H. Braun
dtsch. orthogr.-gram. wb. (1793) 320
a,
F. Raimund
s. w. (1881) 2, 231,
in den maa. ist es heute noch lebendig, vgl. Schmeller-Fr. 2, 1174, Fischer
schwäb. 6, 1430, Frederking
Hahlen 33
u. s. w. —
schwach flektiertes zweig
bleibt vereinzelt: ein zahmer zwige (15.
jh.) Diefenbach
gl. 568
c; stieg vom pferd ab, band es an einen zweigen Happel
akad. rom. (1690) 2; lauter solche sauberen zweigen Zendorius a Zendoriis
t. winternächte (1682) 648. zwei (
mhd. zwî
n.)
als masc. ist nur gelegentlich bezeugt, vgl. grner zwy Frisius
dict. (1556) 586
b;
heute lebt zwei,
n., in südlichen obd. maa. weiter, vgl. Stalder
schweiz. id. 486, Weber
Zürcher oberland 66, Enderlin
Keszwil 58, Bühler
Davos 2, 43. 33)
im obd. finden sich zwei weitere suffixe: das -d-
suffix, vgl. zweid
sp. 983.
die ältesten belege stammen aus dem mhd., vgl. Hugo v. Trimberg
renner 12542 (
var. aus d. j. 1347)
Ehrism.; kl. mhd. erzählungen 276, 4
Euling. zweid
findet sich noch in bairischen dialekten, vgl. Schmeller-Fr. 2, 1173, Lexer
kärnt. 268.
das -l-
suffix in zweil, zwil,
vgl. Johann v. Würzburg
Wilhelm v. Österreich 1309
Regel, Diefenbach
n. gl. (
v. j. 1466) 277
b,
österr. weist. (
v. j. 1625) 30.
auch diese form lebt noch im bair., vgl. Überfelder
kärnt. id. 259, Schmeller-Fr. 2, 1173;
das l-
suffix ist auch auf nd. und nl. boden anzutreffen, hier aber nur bei der bedeutung des gabelastes, vgl. Schiller-Lübben 4, 646, Verwijs-Verdam 8, 824;
für neuere mundart vgl. brem.-ns. wb. 5, 141, Stürenburg
ostfries. 294. 44)
der plural der neutra zwîc, zwî (zweid)
wurde ursprünglich regelmäszig gebildet, vgl. surculos zui
ahd. gl. 2, 372
St.-S., palmites zui 1, 224,
gegenüber zoagir 1, 245 (
von zuog);
im mhd. treten -er-
plurale zwiger
und zwier
auf, bei denen auch die gruppe blätter, gräser
u. a. als begriffsverwandte wörter einflusz geübt haben könnten, vgl. beiträge 27, 255,
doch bleiben die belege wenig zahlreich, vgl. z. b. L. Thurneyszer
magna alchimia (1531) 9
a, Casp. Schröter
hausverwalter (1712) 1714;
in den lebenden maa. finden sich die -er-
plurale noch häufig, vgl. z. b. Schmidt-Petersen
nordfries. 143, Christa
Trier 266; Schmeller-Fr. 2, 1169, 1174; Lexer
kärnt. 268. 55) zweig
mit seinen nebenformen ist nur in obd., in teilen der westmd. und in den westnd. maa. beheimatet. zur verbreitung des wortes hat wohl die redensart auf keinen grünen zweig kommen
beigetragen, vgl. Schütze
holstein. id. 4, 293, Rovenhagen
Aachen 170, Dähnert
plattdt. 500,
lux. ma. 511.
die östliche grenze für das nd. gebiet bilden das mecklenburg.-vorpomm. und das märkische (
vgl. Mi 96, Danneil 229),
im md. zieht sich der streifen, der zweig
kennt, am Rhein entlang, im obd. ist zweig
allgemein geläufig. das übrige deutsche gebraucht synonyma, wie telge, zelge, zalch, zacken
u. a.; kompromiszform zwischen zwîg
und telg
ist ahd. zwelga,
mnl. twelch,
niederrhein. twelg (Frings
Germ. rom. 16
f.),
s. zwelch.
allen andern bildungen gegenüber hat sich zweig
schriftsprachlich vom beginn des frühnhd. an vollständig durchgesetzt. bedeutung und gebrauch. dem als grundwort anzusetzenden adj. idg. *dueigho- '
in zwei teile zerfallend'
zufolge bedeutet zweig
zunächst wohl den teil des stammes oder astes, der sich in zwei glieder gabelt, vgl. dazu noch dän. tvege '
gabelast' Falk-Torp 2, 1302
und twieg '
gespaltener weidenzweig zum korbflechten' Stürenburg
ostfries. 294,
wo aber auch sekundäre [] entwicklung vorliegen kann; für den gabelast verwenden obd. maa. heute vielfach das stammverwandte zwiesel (
s. dort),
nd. maa. twil (
s. oben).
in geschichtlicher zeit gilt zweig
mit seinen nebenformen bereits schlechthin für jedes aus dem stamm, den ästen oder andern zweigen hervorwachsende glied eines holzigen gewächses, namentlich der bäume und sträucher, und wird erst im nhd. —
im gegensatz zum ahd. und mhd. —
deutlich mehr und mehr auf den belaubten dünneren baumast, der einen bestandteil der krone bildet, eingeschränkt, während zweig
in früheren sprachstufen auch das pfropfreis, den setzling und den schöszling bezeichnen konnte; dafür schafft die jüngere sprache eine grosze anzahl übertragener bedeutungen. 11)
in eigentlicher bedeutung. 1@aa)
der blätter, blüten und früchte tragende teil belaubter gewächse. 1@a@aα)
von bäumen: surculus, ramus zuig
ahd. gl. (10.
jh.) 2, 740
St.-S., vgl. Otfrid IV 3, 22,
Tatian 116, 4 (
belege s. unten 3 b); da mit er (
der rabe) wol gebicken mac ab dem boum ein grozez zwî Enikel
weltchron. 2623
Str.; in vocab. häufig für frons zwig, zwick (
md. 15.
jh.), twich
vel äst
vel telghe (
nd. 15.
jh.)
bei Diefenbach
gloss. 248
c; twich (
nd. 15.
jh.)
n. gl. 183
a; czwig (1502
obd.)
ebda; zweid (
md. 15.
jh.), czway (
md. 1429)
gloss. 248
a; und wil der winter nicht gestehen, das man die zweig soll blühen sehen Rollenhagen
froschmeuseler (1595) n 3
b; (
der schnee) hat sich uff den nästen und boümen angehänkt, und solche dermaszen beschwert, dasz nit nur die zwey und klaine näsztlin, sonder grosze mächtige näst und ganze boüme zerrüszen und nidergetruckt S. Bürster
beschreib. d. schwed. kriegs 13
Weech; sie alle anfiengen ... alle ihre zweig und näst zu schütteln Fr. v. Spee
güld. tugendb. (1649) 378; grünet ihr zweige, kleidet die linden Ph. Zesen
verm. Helikon (1656) 2, 125; der stamm (
des kokosbaums) hat keine zweige, sondern oben rings umbher 15, 20 und mehr grosze blätter Neumark
neuspr. t. palmb. (1668) 60; bruch heiszet hier ein ... grüner und wol laubiger kleiner zweig v. Heppe
aufr. lehrprinz (1751) 309; von dir gesegnet giebt der baum ... ihm unter seiner zweige raum erfrischung ... J. A. Cramer
s. ged. (1781) 1, 195; es dringen blüthen aus jedem zweig Göthe I 1, 72
W.; schwer ist worden indes von früchten dunkel mein kirschbaum, und der pflückenden hand reichen die zweige sich selbst Hölderlin
ges. dicht. 1, 244
L.; schon sah er das dach seines hauses von weitem durch die entlaubten zweige der parkbäume W. v. Polenz
Grabenhäger (1898) 2, 72; die tiefhängenden zweige peitschten den alten fortwährend in das gesicht Stehr
d. heiligenhof (1918) 1, 144.
seit der frühzeit deutscher lyrik wird der vogel auf dem zweige besungen: ein vogellîn sô wol getân, daz ist der linden an daz zwî gegân Dietmar v. Eist
in: minnesangs frühl. 39, 21; die nachtigal sitzt auff dem zweig singt uns ein süsze melodei Forster
frische t. liedlein 122
ndr.; des taxus nacht umgab den fusz der eichen, nur vögel hüpften auf den zweigen Göthe I 37, 27
W.; vögel neigen aus den zweigen Platen
w. 1, 42
R. im bilde vom menschen: du sitzest als ein vOegelli uf dem zwie Seuse
dtsche schr. 287
B.; und springen also wie ... unrhwige vOegel von eim zweig auff den andern Fischart
binenkorb (1588) 60
a; Ariost sehn wir flirren und von einer erzählung zur andern hüpfen wie das
[] vögelein von zweige zu zweige J. J. Chr. Bode
Mich. Montaigne (1793) 3, 196; ich singe wie der vogel singt, der in den zweigen wohnet Göthe I 21, 206
W. 1@a@bβ)
von gesträuchen, vom unterholz: Japhet zertrannte mit müh die kreuzenden zweige der sträuche Bodmer
Noah (1752) 7; ... nach etlichen sekunden brach ein rehbock durch die zweige ... Holtei
erz. schr. (1861) 2, 156; und vor mir im gesträuch es knackt und bricht, die zweige schlagen feucht an mein gesicht Annette v. Droste-Hülshoff
ges. schr. (1878) 2, 108.
gelegentlich vom krummholz, knieholz: ... begann dieser tag ... mit einem schweren kämpfen und ringen gegen das zähe gewirre verschlungener zweige und stämme mit keuchender anstrengung, das schwankende strauchwerk auf eines schrittes länge aus einander zu theilen ... H. v. Barth
Kalkalpen (1874) 321; gegen mittag kamen uns die letzten spuren der birke in 1-2 fusz hohen, mit ihren knorrigverflochtenen zweigen in weiten umkreis den boden bedeckenden, nach oben aber in einer ebene wie abgeschorenen sträuchern zu gesicht A. G. Schrenk
in: Nehring
tundren u. steppen (1890) 14. 1@a@gγ)
andere verwendungen sind begrenzter; von der weinrebe seit dem ahd. belegt, heute kaum gebräuchlich: palmis reba zui
ahd. gll. (9.
jh.) 2, 317
St.-S.; palmites zui
ebda 1, 224; und sy giengen untz zuo dem bach des trubes und des snitten ab ein zweig mit seiner bere, den truogen zwen mann an einer stangen
erste dtsche bibel 4, 51
Kurr.; ich sach vor mir ein rebe, in der waren 3 zweig (
propagines) gemechlich wachsen in den keimen
ebda 3, 180; ... und also gebuwen, gebiert er lang und starck zwain oder reben H. Österreicher
Columella 1, 133
lit. ver.; ich lasse meinen stokk viel junge zweige treiben und hoff in stoltzem glükk beharrlich grün zu bleiben Harsdörffer
gesprächsp. (1644) 6, D d 7
a.
vom rosenstock: wolt gott, ich solt ir wünschen drey rosen auff aim zweyg Forster
frische t. liedlein 126
ndr.; oder ich wäre die purpurne ros, und du mit dem händchen brächst vom zweige mich ab Herder 26, 26
S.; da steht ein rosenstock ... er war umgekommen bis auf einen zweig Cl. Brentano
ges. schriften 5, 303.
selten von staudengewächsen: (
der quendel) ist ein staud mit vil zweigen dem zamen maieron ganz änlich H. Bock
kreutterbuch (1539) 9
b; (
von den alpenbärwurzen) auf Alpenwiesen, auch auf dem Schwarzwald, schuhhoch, fast ohne zweige Oken
naturgesch. (1841) 3, 1654. 1@bb)
der junge trieb der bäume und gewächse, der im frühjahr hervorbricht. 1@b@aα)
in gleicher bedeutung wie schöszling: maniger nimpt ain jariges zwei von ainem wilden haselpaum Vintler
pluemen d. tugent 7923; es hatt wol fruchte, ehe denn die sonn kompt und zweyge brechen erfur in seynem garten Luther 1, 403
W. (
später korrigiert in reyser wachsen); dasz es ein zwiselchen oder zwifaches haselstäudigtes, ein jähriges junges spröszlein ist, so aus einem wipfel ... aus- und aufgeschoszen: und der ein zweig gegen auffgang der ander gegen untergang der sonnen stehet J. Prätorius
d. abenth. glückstopf (1669) 40; die zweige, die in jungen sprossen vor kurzem erst hervorgeschossen, sind oben roth und unten grün Brockes
ird. vergnüg. (1721) 8, 52.
die nebenordnung von zweig
und schosz
ist daher im frühnhd. ganz gebräuchlich: das geyssin fleisch, je jünger es ist, je gesünder ... so sy von den jungen schossen und zwyen feist worden sind Herold-Forer
Gesners thierbuch (1563) 59;
surculosus schoszreich, voll schossen oder zweigen Maaler (1561) 361;
germen ein zweig, ein schosz Calepinus
XI ling. (1598) 612
b;
surculus, germen schosz,
[] zweig
nomencl. lat.-germ. (1634) 70.
in heutigen maa. lebt zewig
in dieser bedeutung fort, vgl. z. b. Bühler
Davos 2, 43; Hunziker
Aargau. 315; Follmann
lothr. 563.
sprichwörtlich heiszt es vom jungen, noch biegsamen schöszling: ein junger zwyg sich biegen lot, wann man ein altten understat zu biegen, so knellt er entzwey S. Brant
narrenschiff 9
Z.; ein junger zweig ist zwar leicht gebogen Moscherosch
insomnis cura par. 82
ndr.; biege den zweig, während er jung ist, aber brich ihn nicht Dühringsfeld
sprichw. (1875) 1, 83
a. 1@b@bβ)
für den setzling, den man als jungen schosz von manchen pflanzen bricht und einpflanzt: ein ander zwi er ime gab und hies das seczen uf sin grab. von des todes bǒme nam er das ... nu wuochs ain schOener bǒm da von Wernher
Marienleben 9535
Päpke; seminarium ort, da man zwy züchtet Frisius (1556) 1196
b; zuchtgärtle, ein gärtle in einem geschirr oder umbgezünt fläckle, da man die jungen zwey oder kreüter in züchtet, bisz man sy auszsetzt und frey ledig stekt Maaler (1561) 523
b; darauf sie seet und setzt schöne zweig von basilicon salaritano
M. Montanus
schwanckbücher 93
Bolte; tandum fit surculus arbor aus einem kleinen zweige wird endlich auch ein baum Spannutius
sprichw. (1720) 568; wenn die zweige wurzeln schlagen, wachsen, grünen, früchte tragen Göthe I 2, 151
W. im bilde oder vergleich: ein zwî der kunst gestôzen hât ('
gepflanzt',
s. teil 10, 3, 510) her Vlec der guote Kuonrât Rudolf v. Ems
Alex. 3239
Junk; wan ir aber noch nút erstarcket sint, ... sont (
ihr) iuch selber umbzúnen als ein junges zwi vor dem vih Seuse
dtsche schr. 426
B.; und glycherwyse als die jungen zwy und schosse niderfallend und nit ufrecht belyben mugent, sy hangen danne an iren pfeln und stöcken mit den banden angeheft, also ...
N. v. Wyle
translat. 134
K. diese tugend ... es ist ein fremder zweig, mit nachgeahmtem süd in einem rauhern himmelsstrich getrieben Schiller 5, 1, 160
G. 1@b@gγ)
für das pfropfreis: ... waren seltzam und mancherlay zweig gepfropfft Schaidenreisser
Odyssea (1537) 27
b; dises jar schickt sich wol zu solcher impffung, da man die zweyg in das aug des baums stösset
M. Herr
d. feldbau (1551) 23
b; oder ein baumann, der zweigt und inseriert das zame zweig, welcher arth er will, dem wilden stamm ein J. Grassäus
d. kleine baur (1618) 109; einer klagt seinem nachbarn, wie er ein ungluckhafften baum in seinem garten hett, daran sich drey seiner weiber gehenckt, der nachbar bat ihn, er wolt ihm zweig davon zu impffen geben Lehman
floril. polit. (1662) 1, 160; welche zweiger von mittelmäszigen, gesunden und nicht gar alten bäumen ... genommen werden C. Schröter
hauszverwalter (1712) 114.
so in den maa. noch weit verbreitet, vgl. Follmann
lothr. 563; Martin-Lienhart
elsäss. 2, 923; Fischer
schwäb. 6, 1431; Tobler
Appenzell 463; Bühler
Davos 2, 43; Berger
St. Gallener Rheintal 69.
bildlich: demuot si der edel stam, uf den ein zwi heizit scham ... daz ander zwi willigiu armuot, diu machit daz obz allis guot Hugo v. Langenstein
Martina 225, 30; die ding werdent recht in úch geprüfet, als die ein zwig zwigent úf einen stok, und nach dem zwige so wirt alle die frucht Tauler
pred. 222
V.; ein junger zweig verbindet sich mit einem alten stamme gar leicht und gern, an den kein erwachsener ast mehr anzufügen ist Göthe I 20, 297
W.; der manichäismus ... war ein versuch des Manes, einen zweig des christentums auf den alten magismus zu pfropfen Görres
ges. br. (1858) 3, 164.
[] 1@cc)
der vom baum abgetrennte zweig, der zu verschiedenen praktischen zwecken benutzt wird; die belege hierfür sind mannigfaltig, aber wenig zahlreich; leimrute: ûf daz gelîmde zwî gestât Gottfried v. Straszburg
Tristan 844
B. scepter: er bot ir sin küniglich zwei ze küssen Heinrich v. Nördlingen
an M. Ebner 220
Strauch. wünschelrute: geh mit diesem zweige auf den nächsten hügel bei deinem wohnhause; gibt acht, ob sich der zweig in deiner hand bewegt und öffne, wo er sich von selbst zur erde neigt, den boden Langbein
s. schr. 31, 103.
besenreis: wenn alsdann des folgenden tages ausgekehret wird, so mag der besen mit denen zweigen ein wenig unter eine spitze eines splitters kommen J. G. Schmidt
gestrieg. rockenphilos. (1706) 1, 111.
zweige, die man zum bau primitiver wohnungen benutzt: als wir auf jenes berges erhabenem rücken eine hütte von grünen zweigen uns bauten S. Geszner
schr. (1777) 1, 125; die wohnungen der alten Dacier können sehr wenig von den elenden hütten aus zweigen und lehm ihrer enkel verschieden gewesen sein Moltke
schr. u. denkw. (1892) 1, 120.
zweige, die man als abwehrmittel gegen insekten aufstellt: dann sie die kammer fleiszig sprengt, igels schmaltz sie darein auch henkt, deszgleich viel junger ehrlin zweig, damit der floh behangen bleib, wann er ongferd springe daran Fischart
d. flöhhaz 17
ndr.; (
er) legt einen grünen zweig aufs bette (
um die mücken zu verjagen) Ramler
fabellese (1783) 1, 150. 1@dd)
in poetischer sprache steht zweig
gelegentlich für den baum: o tanne! du bist ein edler zweig, du grünest winter und die liebe sommerzeit A. v. Arnim
w. 21, 50; unter einem zweig, unter zweigen
kann soviel wie '
unter bäumen, im walde'
heiszen: mein her von Berge, der ist nit weit, er helt under einem grunen zweigh mit manichen, bergischen manne
hist. volksl. (1865) 1, 204
v. Liliencr.; ihr scherzt auf gras und unter zweigen ohn allen zwang und ohne zeugen (
lob d. zigeuner) Hagedorn
poet. w. (1769) 3, 64. 22) zweig
in übertragener bedeutung. 2@aa)
das äuszere bild der verzweigung, bei der sich schwächere baumteile von stärkeren abtrennen, hat eine anzahl von benennungen bestimmt. 2@a@aα)
manches bleibt in der sphäre des bildes: in des schreckens wahn lasz ich los der koralle umklammerten zweig Schiller 11, 225
G.; platten, die in zimmergrösze von den verästelten zweigen einer fossilen coralle überzogen sind H. v. Barth
Kalkalpen (1874) 135. 2@a@bβ)
dagegen feste übertragungen; die stangen des hirschgeweihs, das hirschgeweih; so schon in älterer sprache: sin (
des hasen) schepper dorch den sülven krich gaf em enes hertes twich, hirvan so wart he stolt genoch Gerhard v. Minden 87
L.; item 12 elendes twige
hansisches urk.-buch 8, 592
Stein; (
der fuchs zum bock) ... trit du fest an die mauren, und halt wol an mit deinen zweigen, so wil ich oben auf dich steigen B. Waldis
Esopus 1, 317
Kurz; bei einigen verflieszen ... die zweige oder zinken in eine breite schaufel Oken
naturgesch. (1839) 7, 1282.
in der anatomie: ihr (
der luftröhre) ende ist etwas enger, wird in zweige getheilt, welche alle durch die lunge ausgetheilt werden H. v. Fleming
t. soldat (1726) 347; gereizt vom frühling zur liebe durchstreichen mutige rösse den wald mit flatternden mähnen, der boden zittert und dröhnt, es strotzen die zweige der adern E. v. Kleist
w. 1, 192
Sauer; [] die oberen herzgeflechte werden durch zweige des sympathischen und des herumschweifenden nerven ... gebildet Sömmerring
menschl. körper (1839) 4, 495.
wege, flüsse, gebirgsausläufer, die sich abtrennen: sobald also Tiburius damals zurückgehen wollte, gerieth er allemal in diesen deutlicheren zweig des weges und durch ihn in den ferneren wald A. Stifter
s. w. (1901) 4, 1, 46; ich seh den wörth, den du mit beyden zweigen umarmest und umringst Gottsched
neueste ged. (1750) 65; zweige des hessischen gebirges setzen über den Rhein fort und gehen in die vogesische kette über J. G. Forster
s. schr. 3, 15; das erzgebirge streckt einen seiner letzten zweige in das ländchen H. Laube
ges. schr. (1875) 8, 53.
in der technik ist die anwendung heute ganz gebräuchlich, man spricht von zweigen
der wasserleitung, der gasleitung, der elektrischen leitung u. s. w. 2@bb)
das wachstum des baumes, dessen zweige jahr für jahr neu treiben und das hervorwachsen neuer kleiner glieder aus den alten gröszeren veranschaulichen, führte im mhd. dazu, zunächst im bilde, dann in übertragener bedeutung vom menschen als einem zweig
zu sprechen. der begriff des stammbaums taucht erst viel später in der deutschen literatur auf, s. teil 10, 2, 645,
vgl. auch A. Heusler
institutionen (1885) 2, 587. 2@b@aα)
das älteste ist zweig
im bilde vom menschen als einem abkömmling: sus hat daz zwich dhes ersten bǒmes uzgelazen ver (
vier) blomen
brauschweig. reimchr. 7814
Weiland; du allerdurchleuchtigste fürstin ... ein ware auffhalterin des loblichen hausz von Bayern, darausz entsprossen seind fünff durmächtige zwey fürstlichs stams Hartlieb
Alex. (1473) 3
a; das diser ruembwürdige herr ohne zweig desz nachstammen verwelchet Frz. A. v. Brandis
ehrenkräntzel (1678) 103; briegische cedern ... steigen gen himmel mit jüngeren zweigen Logau
sinnged. 629
E.; lieber nicht ..., als dasz man zweige ohne saft, ... kinder ohne leben hat Hippel
über die ehe (1774) 164; an dem hofe wurde prinzessin Sophronie, der letzte zweig ihres astes, erzogen Göthe I 25, 199
W.; nun wohlan, was musz, geschehe! fallen seh ich zweig auf zweige, kaum noch hält der morsche stamm, noch ein schlag, so fällt auch dieser Grillparzer
s. w. 4, 15
Sauer. die verbindung von stamm
und zweig
ist früh belegt: welten ... brûdre Lûdêre, der an geburt des stammis zwîc was der herzogen von Brûnswîc Nicolaus v. Jeroschin 27647
Strehlke; und des Germanicus gedächtnis löscht nicht aus, auch nicht des heeres hold zu seines stammes zweichen Lohenstein
Agrippina (1685) 62; und aus seines (
Jubals) stammes zweigen alle pfeifer auferstehn Cl. Brentano
ges. schr. (1852) 3, 164; ich musz den einzgen guten zweig aus meinem stamme sorgfältig hüten Körner
w. 3, 168
Hempel. sprichwörtlich von der vererbung in gerader linie: alle gute zweigen kommen ausz einem guten stamm
lieder auf d. winterkönig 67
Wolkan; gleichwie der apfel nicht weit vom stamme fällt, also schlägt kein zweig aus seiner art Hoffmann
pol. Jesus Syrach (1740) 136.
anders: die zweige oft den tisch umpfangen, der stamm kann nicht zur schüssel langen
beleg in zschr. f. deutschkde 52 (1938) 182.
die zusammenstellung von stammbaum
und zweig
erscheint ziemlich spät: damit dein stammbaum ... sich durch viel zweige höher zieh Stoppe
Parnass (1735) 10.
[] aus religiöser überlieferung (
Jes. 11, 1)
stammend, zunächst für Maria und Jesus, vgl. Salzer
sinnbilder und beiworte Mariens (1886) 70: dú blgend ruot ist Maria, gottes muoter, dú ist daz blgend zwi von Yesse
St. Georgener prediger 197
Rieder; Maria, hoch geplumter zwey Hans Folz 51, 1
Mayer; vom besagten weib (
st. Anna) ein junger zweig treibt Mittler
dt. volksl. (1865) 298; wie nun die muoter gocz Marey ein reine junckfraw pliben sey in dem gepern des heilles zwey (
Jesus), des won uns vil mirackel bey Hans Folz 78, 13
Mayer; das zweyg Jesse, welches ist Messias, von einer jungfrawen geboren J. Ayrer
hist. proc. jur. (1600) 200. 2@b@bβ)
unter verblassung des bildcharakters synonym mit kind
oder nachkomme: anno 888 nimpt Arnolphus, der einig überige sun und zweig Caroli Magni, ausz einem kebsweib geporn, das reich an Seb. Franck
chron. Germ. (1538) 84; das ende vom stammgeschlechte des groszen Augustus mit diesem unartigen letzten zweig erfolgen solte A. U. v. Braunschweig
Octavia (1677) 1, 2; und widmete ... alle kräfte der erziehung des einzigen zweigs seiner glücklichen ehe Thümmel
reise in d. mitt. prov. v. Frankr. (1791) 8, 71; als ein junger zweig des von Rosenthalischen geschlechtes ... von universitäten zurückkehrte, ward ... ein ... bettag angeordnet Hippel
kreuz- u. querzüge (1793) 1, 5; seine gemahlin war der letzte zweig der nachkommenschaft des berühmten helden Rustan gewesen Novalis
schr. 4, 80
Minor; hast du nicht meinen todten nachgeweint so heisz, wie deines eignen blutes zweigen? A. v. Droste-Hülshoff
ges. schr. (1878) 1, 204.
im volkslied formelhaft edler zweig: ei jungfer, wärt ir ein wenig reich, wärt ir ein edler zweig, fürwahr ich wollt euch nehmen Mittler
dtsch. volkslied (1865) 231; ein magd ist weis und schone ... glück zu, mein edler zweig!
ebda 305; 'frisch auf, mein edler zweig', wies im minneliede heiszt A. v. Droste-Hülshoff
br. an L. Schücking (1893) 144.
auch pluralisch für sämtliche glieder einer familie: also habe in Hibernien ein geschlechte geherrscht, dessen zweige fast alle vom henckerbeile abgehauen wurden Lohenstein
Arminius (1689) 1, 226
a; der fürst liesz die ganze familie in allen zweigen und abstufungen porträtiren Göthe IV 42, 106
W. 2@b@gγ)
durch abstammung zusammengehörende linie einer groszen familie: noch jetzt wird es (
Modena) vom letzten männlichen spröszling des italienischen zweiges vom hause Este beherrscht grafen Stolberg
ges. w. (1820) 7, 29; ... wiewohl die Schubarte sämtlich aus der Lausitz abstammen, von da aus sie sich in verschiedenen zweigen durch ganz Deutschland verbreitet haben Schubart
leben u. gesinnungen 1, 3; die ältesten söhne aus der familie tragen alle diesen namen, ... auch bei dem zweige derselben, der in die stadt übergesiedelt ist Storm
w. (1899) 1, 142. 2@b@dδ)
durch gemeinsames blut in sich abgeschlossener teil eines stammes, eines volkes, einer rasse; vereinzelt für '
familie': wann der buhl deines weibs ist etwan eins höhern zweigs ... mach guten magen und schlind den brocken H. Guarinonius
greuel d. verwüst. (1610) 399.
meist für gröszere gruppen: sondern sie sind ... der äthiopische zweig der neger, der ... sich bis zur grenze von Nubien ... hinzieht Ritter
erdkde (1822) 1, 158; die Westfalen ferner, dieser kernige zweig der Niedersachsen ... erinnern vielfach an die Schwaben H. Laube
ges. schr. (1875) 1, 158; aus den spärlichen überresten ihrer sprache und ihres götterglaubens schlieszen wir, dasz sie (
die heidnischen Preuszen) ein zweig des groszen litauischen stammes waren G. Freytag
ges. w. (1886) 18, 199; seit den tagen, wo dieser zweig alemannischen volkes sich hier festgesetzt G. Keller
ges. w. (1889) 1, 182.
wohl von [] hier aus auch auf die sprache der menschengruppen übertragen: ... weil uns die geschichte der alten stammsprachen fehlt, die sich in so viele zweige abgetheilet haben Joh. Kinderling
reinigk. d. dtsch. spr. (1795) 6; alle zweige unserer sprache haben dieselbe allgemeine benennung der gottheit gekannt J. Grimm
dtsche myth. (1875) 1, 81. 2@b@eε)
selbständiger teil einer menschlichen gemeinschaft, der sich in der entwicklung von einem urverband ablöste: ... stifter ihrer zwey berühmten bettelorden, die sich nachher in unzählige zweige vertheilten Zimmermann
über d. einsamkeit 4, 448; die barden waren im grund eigentlich ein zweig des druidenordens Fr. Th. Vischer
auch einer (1879) 1, 150;
hierher auch: in dem andern zweige der indischen religionen, dem buddhismus, trat ... eine neue entwicklung ein Ranke
s. w. (1867) 1, 132. 2@cc) zweig
wird auf die äuszerungen des geistigen und tätigen lebens übertragen; der konkrete sinngehalt tritt völlig zurück, doch bleibt in dieser verwendung das gefühl lebendig, dasz ein kleineres gebiet zu einem gröszeren gehört und seine unterabteilung bildet. allgemein anwendbar, insonderheit 2@c@aα)
für teilgebiete der wissenschaft, kunst und literatur; ganz allgemein vom wissen, das sich aufspaltet: ihr mögt nun wählen, welchen zweig menschlicher kenntnisse ihr wollt. so wird es euch nicht an den besten lehrern und ratgebern fehlen Novalis
schr. 4, 70
Minor; in allen zweigen (
der gelehrsamkeit) regte sich ein neues leben Ranke
s. w. (1867) 1, 189; so geht es durch alle zweige der geistesarbeit W. H. Riehl
d. dtsche arbeit 47.
von den einzelnen wissenschaftlichen disziplinen: der eifer, womit ... Gallizin sich mehrere jahre lang in allen zweigen der physik ... kenntnisse erwarb ... G. Forster
s. schr. (1843) 3, 315; der kantzler Bacon ... theilt die natürliche historie in drey zweige K. W. Ramler
einl. in d. schönen wiss. (1758) 4, 295; die vergleichende anthropologie ist nach dem vorigen ein zweig der philosophisch-praktischen menschenkenntnisz W. v. Humboldt
ges. schr. (1903) 1, 391.
von kunst und literatur: dann müszte für jeden zweig der kunst die sicherste ... art, zu werke zu gehen, angegeben werden S. Geszner
schr. (1777) 2, 192; ein sachverständiger würde sich hier also auch über die niedern zweige ... der gothischen baukunst hinreichende auskunft ... verschaffen können Fr. Schlegel
s. w. (1846) 6, 198; dasz in beiden zweigen der composition (
geistlicher und weltlicher) die entwicklung (
Mozarts) ... gleichen schritt hält, läszt sich ... annehmen O. Jahn
Mozart (1856) 1, 526; der wunsch, meinem vaterlande in diesem zweige der literatur ... keine schande zu machen Bürger
w. 327
b Bohtz. 2@c@bβ)
für teilgebiete der gesetzgebung, des verfassungslebens und der verwaltung: dieser schändliche despotismus verunstaltete bald alle zweige der gesetzgebung Schiller 4, 90
G.; bedenke man nun, dasz die beiden höchsten zweige der verfassung, alle functionen des religionskultus und der gerichtspflege sich am hellen tage ... das ganze jahr über entfalten, so begreift man ... Göthe I 41, 1, 76
W.; wenn der fürst ein solches gleichgewicht in den verschiedenen zweigen der staatsverwaltung einführte A. v. Haller
Alfred (1773)
vorr. 1; ich hätte ... gewünscht, dasz man deutlich ausgesprochen hätte, dasz eine vermehrung der staatseinnahmen in allen zweigen, welche einer steigerung fähig sind, nothwendig sei Bismarck
pol. red. 1, 197
Kohl. 2@c@gγ)
für einzelne gebiete, auf die sich die menschliche tätigkeit erstreckt; allgemein: in irgend einem zweig ihrer tätigkeit Göthe IV 41, 55
W.; es (
gebe) viele zweige des menschlichen handelns ..., auf welche die frömmigkeit keinen ... einflusz hat Schleiermacher
s. w. (1834) II 4, 1; die übermacht einer so uralten und in allen zweigen ... menschlicher thätigkeit ausgebildeten civilisation, als es die indische war, (
muszte) nationen ... nach sich reiszen W. v. Humboldt
ges. schr. 7, 7.
häufiger für die verschiedenen sondergebiete der industrie und des erwerbslebens: der mann verdankt irgend einem zweige französischer
[] industrie ein hübsches auskommen E. T. A. Hoffmann
s. w. (1900) 14, 151; ausländer, die klug genug waren, sich diesen wichtigen zweig (
kunsthandel) zuzueignen Göthe IV 8, 85
W.; das macht, er hat sich auf diesen zweig seines blühenden geschäftes nicht sonderlich verstanden G. Keller
ges. w. (1889) 3, 162.
ähnlich: einen neuen zweig von hülfssendungen ausfindig ... machen Gerstenberg
recensionen 334
lit.-denkm. 33) zweig
in symbolischer bedeutung. 3@aa) der grüne zweig
als rechtssymbol. nach altem germ. rechtsbrauch wurde bei der symbolischen investitur dem erwerber u. a. ein von einem baum des gutes abgebrochener zweig und ein stück rasen überreicht, vgl. rechtsalterthümer4 180
ff.; die urkunden spiegeln diesen brauch bis ins 17.
jh. hinein in formeln wie bî (an, mit, ze) wasen und bî (an, mit, ze) zwî
wider, zweig
wird den andern sinnbildern des grundbesitzes zugeordnet: meine halbe huobe da ze Jongingen, ..., mit allem dem, daz dar zuo enholze und an velde bewasen und be zwi, besuocht und unbesuocht, höret (1293)
schwäb. urk. 9
Wilhelm; hebbe vorkofft unde vorkope ... den hoff, de geheten is de hoff to Bra ... myt al syner rechten tobehorincge unde myt allerslachtenut myt toppe mit twighe, weyde, watere, holte unde luden (1424)
ostfries. urk.-buch 1, 284
Friedländer; ... verkaufen dem
N. N. zwöyen schuopposzen zu L. gelegen mit husz, hof, acher ... zünen, zweien, högen, böumen ... (1624)
Aargauer urkde 2, 99
Merz. weitere alte belege s. Schiller-Lübben 4, 645; Lexer 3, 702
u. 1213; Verwijs-Verdam 8, 32.
altertümelnd: nun vernim: dein gut und erbe ist verstrickt und königseigen, haus und hof vom grund zum giebel, feld und wald mit zopf und zweigen Fr. W. Weber
Dreizehnlinden (1907) 136. 3@bb) grüne zweige
als festschmuck, vorwiegend nach biblischem (
Matth. 21, 8)
und antikem vorbild, seit dem ahd.: si druagun in then hantunpalmono gertun ingegen imo rumozwig ouh oliboumo (
ramos palmarum) Otfrid 4, 3, 22; sume hieuun zuuig fon boumon inti streuuitun in uuege
Tatian 116, 4,
vgl. bei Roth
predigten 53; dein zion streut dir palmen und grüne zweige hin Paul Gerhard
bei Fischer-Tümpel 3, 324;
sonst: Philomena schnelle zu dem olpaum lieffe, ein grünen czweige ab prache dar ausz ein schönes krenczlein gemacht ... Arigo
decam. 14
Keller; (
priester und priesterinnen) tragen grüne zweige in ihren händen maler Müller
w. (1811) 2, 225; viele jäger folgten ihm mit grünen zweigen auf hüten und kappen, die groszen hifthörner mit laubwerk umwunden G. Keller
ges. w. (1889) 2, 188. der grüne zweig
gilt im deutschen volksglauben als symbol der fruchtbarkeit und spielt als solches bei frühlings- und hochzeitsfesten eine rolle: wie denn kein häuszgen so klein ist in den städten ... drinnen nicht sollen grüne zweige gesehen werden (
zu pfingsten) J. Prätorius
ber. v. Katzenveite (1665) h 8
a; ... dann wird dem zu boden geworfenen winter seine hütte abgerissen, zerstreut und ein sommerlicher kranz oder zweig umhergetragen Scherer
lit.-gesch. 7 14; David klettert in die weiden am bach und bricht zweige heraus, die schönsten und weiszesten für den palmbusch des pfarrhauses K. Waggerl
d. jahr d. herrn (1933) 61; wenn die bauernmädgen von den dörfern in die städte kommen und denen hochzeitern eine grüne meye oder groszen zweig vom baum präsentiren J. Prätorius
winterflucht d. sommervögel (1678) 188;
hierher wohl auch: er brach ihr ab einen grünen zweig und machte das mädel zu seinem weib Erk-Böhme
deutscher liederhort 1, 442. 3@cc)
aus literarischer, biblisch-klassischer überlieferung stammt die vorstellung vom zweig
als symbol des friedens; nach 1. Mos. 8, 11: ach, Noe, myn leuwe gade ... de duwe kumpt nu mit einem gronen twige Immessen
sündenfall 1827
Kr.; [] allgemein: die heten alle genomen aller ritter gelîch eines olêes zwîch. daz bezeichent den fride und was in den zîten side Heinrich v. Veldeke
Eneide 169, 26
Ettm.; seind dem Annibal begegnet, zweig und kräntz tragend, dan solchs ist schier bei allen barbaren ein warzeichen der freundschaft W. Xylander
Polybius (1574) 152.
flehende nahmen daher einen zweig in die hand: statt eines zweigs der flehenden leg ich mich selbst zu deinen füszen Schiller 6, 2
G. 3@dd) der zweig,
oft vom lorbeer genommen, seit dem altertum ein zeichen des siegs, der unsterblichkeit, vgl. auch lôrzwî Gottfried v. Straszburg
Tristan 4653
Bechst.: neyn, Luther, wir wissens besser, wann du wurdst redlich antworten dem hochgelerten H. Emser ..., dann wöllen wir dir den zweig geben J. Dietenberger
wider d. unchristl. buch M. Luthers (1526) f 3
b; darumb er den zweig seins siegs, die martyr vom herrn empfangen Hedio
chron. (1530) 29; dein stolzer palmenbaum, der nächst dem prinzen thront, durch dessen zweig der sieg des kriegers schweisz belohnt J. J. Schwabe
belust. (1741) 1, 245; hast du ein lorbeerreis mir bestimmt, so lasz es am zweige weiter grünen und gib einst es dem würdigern hin Göthe I 1, 293
W. vergleichbar in anderer sinnbildlicher bedeutung: der sun (
Jesus) aber zu ame dich (
Maria) sunderlich anname, reicht dir das zwey der reinen jungfrauschaffte Hans Folz 4, 23
Mayer. 3@ee) der dürre zweig,
im mhd. symbolisch aufgefaszt als ein zeichen der trauer, beeinfluszt vom bild der turteltaube, die verwitwet nur auf dürrem aste sitzt, vgl. Burdach-Bernt
ackermann aus Böhmen 185
ff.: ir freude vant den dürren zwîc, als noch die turteltûbe tuot Wolfram v. Eschenbach
Parz. 57, 10; ich arme trûren sol nâch ime sam sich diu turteltûbe quelt ... si ... verbirt aller grüenen böume zwî Konrad v. Würzburg
Alexius 381
G. vereinzelt: mit dürrem zweig schlagen
hängen lassen: ich schlag dich zum ritter mit dürrem zweig, ein kettlein soll dir auch werden Mittler
dtsche volksl. (1865) 134. der dürre zweig,
der wieder blätter treibt, als symbol des wunders der göttlichen gnade (
vgl. die Tannhäusersage): der pabst hat einen stecken weisz, der ward von einem dürren zweig, wann dieser stecken blätter trägt, so sind dir deine sünden verziehen A. v. Arnim
w. (1853) 13, 100 (
d. knaben wunderhorn); diesen trocknen ast sollst du solange tragen, bis drei grüne zweige aus ihm hervorsprieszen Grimm
kinder- u. hausmärchen (1850) 554; ... der dürre stab kann zweige treiben in des glaubens hand Schiller 12, 560
G. 44) zweig
in unfesteren, meist poetischen bildern und vergleichen. namentlich dient das wechselnde leben am zweige
mit dem wachsen und vergehen der blätter, blüten und früchte als ausgangspunkt, vgl. auch mhd. wb. 3, 956, 46
ff.: vil mannicvalter wunne bluot wuohs ûf ir jugende zwîe Konrad v. Würzburg
trojan. krieg 8099; der jugendblüthen zweig ward mir verdorrt Körner
w. 2, 13
Hempel; Elisabeth ... nam ... Lûdewîge want von des adils zwîge wolde got gewinnen vrucht Nicolaus v. Jeroschin
reimchron. 1431
Str.; dein leben ... war wie ein zweig, welchen der wind umbwehet J. W. Zinkgref
auserles. ged. 35
ndr.; [] im blümelnden stil: wis ebene bi den ebenen din an art, an eren zwi Frauenlob 296, 10
Ettm.; der abgehauene, verdorrte zweig
dient als bild des leblosen, verdorbenen, unnützen; z. t. unter einwirkung von Luk. 23, 21
und Matth. 7, 18: recht als der schûr marbe zwîr sleht ab dem dürren boum, also tranten sie den soum, dâ botich und hals an einander stôzet Ottokar
österr. reimchron. 7291
S.; ich gie under den schOenen bluomen und sah ir nút, ich waz als ein túrrez zwi in dem szen meien tovwe Seuse
dtsche schr. 297
B.; ein yglicher tzweygk, der nit frucht bringt in Christo, der wurdet abgeschnitten H. v. Cronberg
schr. 54
ndr. 55)
redensartliches; seit dem ende des 15.
jh. auf keinen grünen zweig kommen '
nicht gedeihen, kein glück, erfolg haben',
vgl. bei grün
teil 4, 1, 6, 644.
der ursprung der redensart bleibt noch ungeklärt, doch ist ein zusammenhang mit dem grünen zweige
als dem sinnbilde der besitzübergabe (
s. oben 3 a)
denkbar; die redensart ist heute allgemein gebräuchlich, auch in maa., die sonst zweig
nicht kennen: erberkeyt muosz verr hynden stan und kumbt gar kum uff grünen zwig S. Brant
narrenschiff 80
Zarncke; sie (
die herrschaft) komet auch nit auff grünes zweig H. Sachs
w. 7, 152
K. variiert: auf einen grünen zweig helfen Mörike
ges. schr. (1878) 2, 265
Göschen; auf einen grünen zweig bringen G. Keller
nachl. 102; er kömmt auf keinen zweig, wo glück und segen grünen J. G. Neukirch
anfangsgr. z. t. poesie (1724) 282.
sonstiges: den herrn frchten ist die wurtzel der weisheit, und ire zweige grunen ewiglich Luther 5, 67
Bindseil; ist die wurzel heilig, so sind auch die zweige heilig Petri
d. Teutschen weiszheit (1604) 1, d 7
b; die fullerey und trunckenheit ist ... die wurtzel alles übels, der zweig aller laster Lehman
floril. polit. (1662) 4, 135. mit wurzel und zweigen ausrotten, '
ganz und gar vernichten': dasz der stand der bischöfe und prälaten radical, wie man sich ausdrückte 'mit wurzel und zweigen' ausgerottet werden müsse Ranke
w. 16, 29.
variiert: wir wollen stamm und zweige und wurtzel reuten aus A. Gryphius
trauersp. 172
Palm.