gezweigen,
vb. ,
gewähren, bewilligen, willfahren, erhören. ein nicht über das 17.
jh. hinaus bezeugtes wort. eins mit mhd. gezwîden (zwîden,
daneben noch gezwîdigen, gezwîen, zwîgen).
urspr. dental bestätigen auch die übrigen westgerm. sprachen: altsächs. twîðon,
mnd. twîden, getwîden,
mnl. twiden,
alle in gleicher bedeutung. der stamm liegt auch vor in ags. langtwīdig '
granted for a long time'.
zur sippe gehören noch einige ableitungen, s. u. ablautendes gezwiedig
und die dort angeführten formen, ferner mnd. twîdelik, twîder, twîdinge Schiller-Lübben 4, 645
f., mit ablaut auch mnd. getwēde '
willfährig'. —
die herkunft ist nicht gesichert, vielleicht zu einer wz. deu- '
gewähren'
in lat. duenos, bonus '
gut',
ai. duvas '
gabe', Walde-Pokorny 1, 778
und 816. —
zur form. die formen ohne dental können wegen ihres späten auftretens nicht auf die nur mit vokal erweiterte wurzelform dei-
zurückgeführt werden. vielleicht ist aus den formen mit dental in der endung 3.
sg. twīt,
part. getwît,
prät. getwîte (
durch ekthlipsis aus twîdet, getwîdet, getwîdete,
vgl. u. 2)
ein infinitiv zwîen
herausgesponnen worden, von dem aus die formen mit hiatustilgendem laut ohne weiteres verständlich sind, und zwar einerseits gezweihen,
andererseits, über ein vorauszusetzendes gezwîjen,
das im nhd. herrschende gezweigen. —
belege im part. prät. werden im folgenden nicht gegeben, da sie mit gleicher wahrscheinlichkeit vom simplex gebildet sein können. 11)
formen mit inlautendem dental (
mhd. gezwîden,
mnd. getwîden)
mit beispielen für die wichtigsten konstruktionen. mit einem akkusativ der person oder der sache: und swer dich icht bitet, den solt du gezviden
bei Schönbach
altdeutsche predigten 1, 37; eck wil getwiden dat gebeth Arnold Immessen
d. sündenfall 3750
Krage. mit einem akkus. der person und einem genit. der sache: wiltû mich des gezwîden Ebernand von Erfurt
Heinrich u. Kunigunde 3126
Bechstein; darumb sullen sie den probist zcu Buticz bethin, und der sal sie danne der bethe geczwidin (1416) Schöttgen-Kreysig
dipl. et. script. hist. Germ. med. aev. 2, 410.
mit einem akk. und einem präpos.-obj.: dû solt an in (
den beiden knaben) gezwîden mich, du solt sie mir ze gesinde geben Ulrich von Eschenbach
Wilhelm v. Wenden 5151,
vgl. auch passional 327
Hahn; beyde (
bäte) aver de rad os vor se, dad we dad gheld mynner makeden, mochte we se daran ghetwyden (1334)
Götting. urk.-buch 1 (1863)
nr. 131.
mit einem akk. und einem nachsatz: daz er (
Christus) uns gezwide, daz wir sine huosgenozen werden
bei Schönbach
altd. pred. 1, 180; meinster und herre, gezwide mich, was ich hude bitten dich
Alsfeld. passionsspiel v. 1600. 22)
formen mit ausgefallenem dental bzw. dafür eingeschobenem hauchlaut. gezwît, gezwi
ete (
s. die folg. belege)
vielleicht aus gezwîdet, gezwîdete,
vgl. oben die einleitung: genâde ich suoche: der lâ mich, herre, sîn gezwît Frauenlob 235, 4
E.; got vater en (
Daniel) gezwi
ete
Daniel 693
Hübner (
vgl. 2389); do disse rede vernam Malazar ir nicht irquam, sunder er gezwihete 251; bouge dine oren her gezwihende mine ger! 6386; ô mûtir, dich mir bîe und hulfe mich gezwîe Nikolaus von Jeroschin
kronike von Pruzinlant v. 318
Strehlke; da aber die frawe merckete, yhr hauszwirt würde schier kommen, saget sie zum gesellen, sie wolt eyn bitt an yhn thun, ob er yhr sie auch gezweyhen wolt Agricola
sprichw. (1534) t 5
b,
nr. 624 (
nach Schmeller-Fr. 1, 1175
in der ausg. v. 1530: gezweigen). 33) gezweigen.
die form scheint vorwiegend oder ganz dem mitteldeutschen, im 16.
und 17.
jh. besonders dem ostmitteldeutschen, eigen zu sein. für die zahlreichen belege im schlesischen vgl. Frommanns
zs. f. dtsch. maa. 4, 192;
mitt. d. schles. ges. f. volksk. 16, 158. —
im folgenden werden die belege bei gleicher bedeutung nach ihrer fügung im satz geboten. zu beachten ist deren mannigfaltigkeit und freiheit oft innerhalb éiner quelle, vgl. unten. 3@aa)
mit einem akkusativ der person: Loas ... bath den vater, das er en wulde loisz geben. Beles getzwigite sinen soen und gab en ledig unde loisz (
um 1500)
bei Schmincke
mon. hassiac. 1, 112; (
ich) kan dir auch, wilt du mich nur gezweigen, sehr recht und wohl zur schwachheit artzney zeigen Opitz
Sidneys Arcadia (1638) 449;
erweitert durch einen genitiv der sache: unde alliz, daz do was betlich, des geczwigite her dy lute stetlich Johannes Rothe
passion 2047
H.; (
die Sachsen) boden en (
den kaiser) durch god, das er sie wulde erer rechten bede getzwigen
bei Schmincke
a. a. o. 143; Jupiter sich willig erzeigte, den Phöbus seiner bitt im augenblikk gezweigte W. Scherffer
leichgesänge (1646) 24;
oder durch einen akkusativ: so wellen wir das ... uff dysmal euch gerne geczweygen (1450)
acten d. ständetage Preuszens 3, 132
Töppen; er baith (
bat) umbe gracien den armen personen, das getzwigite der bobist sie alle
bei Schmincke
a. a. o. 2, 385; o herr gezweig uns unser bitt (
schles., 1602)
in Frommanns dtsch. mundarten 4, 192 (
woselbst weitere schles. belege); für euren wündschen werden euch die götter dasselbige (
glück) gezweigen Opitz
Argenis (1644) 1, 750.
erweitert durch ein präpositionalobjekt: erhore und gezwige mich in all dem das ich bitte, wunsche und begere
gebetbüchlein bei Scherz-Oberlin 1, 550. 3@bb)
mit dem dativ der person: der (
kaufmann) em gezcwigite alzcuhant
mitteldeutsches schachbuch, im anz. f. dtsch. altertum 17, 340;
mit abhängigem nebensatz: (
gott) im geczwyget volleclich waz er an ym begernde ist
Hiob 12514
Karsten; erweitert durch einen akkusativ der sache: ich fodre nichts, nur disz gezweiget mir, ruht diese nacht, und morgen bleibt auch hier A. Gryphius (1698) 1, 637; du auffgetanes paradeisz, gezweig mir eine bitte Angelus Silesius
seelenlust 80
ndr. (
vgl. auch 15);
eigenartig: du hast mich ja schon längst getröst, ... da du dein wasser und dein blut, die rosenfarbne gnadenflut dem harten speer gezweiget 262. 3@cc)
mit bloszem akkusativ oder genitiv der sache: die königin bekompt einen gnedigen lieben könig, der heiszt sie eine bitt an ihn legen, er wölle sie gewiszlich gezweigen Mathesius
hochzeitspred. 201
Lösche (
falls sich sie
auf bitte
und nicht auf königin
bezieht); seiner bitte nachlassen und gezweigen (16.
jh.)
mitt. d. schles. ges. f. volksk. 16, 158.