zweien,
vb. ,
zu zwei
gebildet, ahd. zwiôn
und zweiôn;
mhd. zweien;
mnd. tweien, twien;
mnl. twien.
im ahd. ist zwiôn
die bei weitem häufigere form, im mnd. stehen tweien
und twien
nebeneinander, im mnl. ist letzteres hauptform, das schon im ahd. nachzuweisende g
hält sich schriftsprachlich bis ins 17.
jh., im mhd. und frühnhd. ist zweien
reichlich bezeugt, vom 17.
jh. ab wird es selten, vgl. Frisch 2, 486
c; Adelung 4, 1787. 11)
die grundbedeutung war '
in zwei teile zerteilen, zertrennen'. 1@aa)
ein ganzes wird geteilt: (
in pastu paludis virecta)
carpebant zuuioton (8./9.
jh.)
ahd. gl. 1, 274; (
ut ex massa dioecesium nulla)
carperetur kizuigot werde (10./11.
jh.)
ebda 2, 93; vnd al dat sultegud schal men nicht tweyen noch delen, mer id schal tosamend blyuen (
v. j. 1368)
Lüneburger urkd. 5, 130; die runstadern verainent sich wider, wenn sie gezweiet werden Konrad v. Megenberg
buch d. nat. 37
Pf.; zum andern zerschneidet oder zweiet er in jrem gemach die kammerbalcken, damit der boden ... auff sie fiele W. Bütner
epit. hist. (1596) 105
b; als das licht sich hat entzweiet, stieg, was leicht, und sank, was schwer, und das eine war gezweiet zwischen gott und Lucifer Brentano
ges. w. (1852) 3, 145; eheliche liebe mit irgend einem andern mann zweien oder theilen J. C. Dannhawer
katech.-milch (1657) 1, 120; theilet sich der stat in zwei religionen, so wird das intresz gemeiniglich auch gezweyt Wiedemann
hist.-poet. gefangensch. (1690) 48.
refl. von wegen '
sich gabeln': einen weg ..., der sich zweiete und in zwene wege sich deilte
pilgerfahrt d. träum. mönchs 6466
Bömer; aber es zweit der pfad sich Platen
w. 1, 214
H. von entwicklungen '
sich verzweigen': wenn aber ... die dinge in diesem sich immer weiter öffnenden verhältnisz sich mehr und mehr zu zweien streben J. Görres
mystik 1, 32; dann aber zweite sich die weitere entwicklung L. v. Ebengreuth
münzk. u. geldgesch. 74. 1@bb)
zwei oder mehrere personen trennen sich, oft reflexiv: sundert vater und die muter einen iren sun ... von in mit irme gûte, sie zweien sich mit der kost oder entûn
Sachsenspiegel 13
H.; so bald er sich dem (
gott), mit dem er sich etwa gezweiet hat, widerschenkt S. Franck
kriegsbüchl. d. fried. (1550) 23
b; man zweyt auf erden nicht, was gott im himmel bindet S. v. Birken
ostl. lorbeerh. (1657) 203. '
sich in zwei parteien aufteilen, scheiden': do tweiden sik de domheren an dem kore
chron. d. dt. städte 7, 160; die menge aber der statt zweyet sich, etlich hieltend es mit den juden vnd etlich mit den apostlen
Zürcher bibel (1531) 257; haben sich die brüder angefangen in erwellung der prelaten zweien und partheyen Stumpf
Schweizerchron. (1606) 365
b; es zweitend ouch sich die geistlichen selbs unter einandern, also dasz etwa in einer kilchen ... einer sang, der ander nit Äg. Tschudi
chron. Helv. (1734) 1, 308
a; erinnre deine kleine schar, die sich so leichte zweit, was deine letzte sorge war: der glieder einigkeit Zinzendorf
t. ged. (1766) 127.
bei abstimmungen, urteilsbildungen '
nicht einhelliger meinung sein',
vgl. gezweien 2,
teil 4, 1, 3,
sp. 7243: ist das der rat sich zweiget umbe ein urteil, so sol man deheinen scheffel vragen (
v. j. 1322)
chron. d. dt. städte 9, 954; wenne sich die urteil czweyot (
v. j. 1417)
weist. 1, 373. sich gleich zweien '
mit gleicher stimmenzahl abstimmen': allez daz stete ze haltene, daz ir ratlute ... oder die merre menge vnder in, vnd ob si sich gliche zwigen ...
mon. boica 38, 385.
von ratschlägen, zeugenaussagen '
sich widersprechen': sî daz diu mære zweient sich da von solt dû daz beste weln
Winsbeke 34
Haupt; zweigen sich die zeugen, das einem anderst wissentlich ist, dan dem andern
stadtrechte v. Gotha 226. 22)
sich streiten, vgl. sich entzweien,
dieses compositum setzt sich seit dem 17.
jh. mehr und mehr durch und verdrängt das simplex, vgl. Vilmar
Kurhessen 474;
teil 3, 673.
mit worten streiten, zanken: zancke, zweie, kippel, schilt und beisz dich nicht Mathesius
Syrach (1586) 48
a; die alle tugend hat, so auf ein weib gehört, sie redet nichts zu viel, pflegt ungern sich zu zweigen Opitz
op. poet. (1690) 2,
welt. poem. 81; warumb wollen wir uns zweien ... da der zungen scharffes schwert bisz durch herz und seele fährt S. Dach 715
lit. ver.; und nimpt einen mit sich unter denen beyden, die sich gezweyet hatten J. Prätorius
Blockesberg. verrichtg. (1668) 575.
vor gericht streiten: sich verwilkort haben vor deme selben sytzenden rate umme gelt, dorume St. und dy selbige vrouwe sych tzweyen
Culm. recht 19
Leman; dasz ... die liebsten freunde um ein geringes glasz ... sich dermaszen zweien, dasz sie ... wo nicht das leben, doch ihre wohlfahrt lassen Moscherosch
gesichte (1650) 1, 568.
sich um glaubensfragen streiten: die sich des zweien an dem gelouben sere, daz si recht immer mere nach disem libe ersten mugen Hesler
apokal. 17912
Helm; daz si in den dingen des geloubens etwenne sich zwaytent und nach iren argumenten nit ains weren
N. v. Wyle
translat. 227
Keller; sie zweieten sich also zuerst 1723 über den artikel von der gnadenwahl D. Cranz
alte u. neue bruderhist. (1771) 137.
handgreiflich werden: menlich wolde fullen sinen sac sie begonden sich zweien umbe die habe
kreuzfahrt Ludwigs 3905
Naumann; und zweieten sich zwei obwendig der Schweippach, also dasz ihr einer todt bliebe
weist. 6, 53.
krieg führen: in dem selven jair zweide sich der bischof van L. ... mit sinen burgeren und steden des lantz
chron. d. dt. städte 14, 743; erstlich habent sye (
die päpste) sich mit künig H. umb Neapolis gezweyet U. v. Hutten
opera 5, 371
Böcking. intransitiv. uneinig sein, streiten: und worden wortende und zweiende under in umb daz ingesigel (14.
jh.)
chron. d. dt. städte 17, 362. 33)
zu zweien zusammengehören, mhd. recht gebräuchlich als '
sich gesellen, sich paaren': die hatent sich ovch úber al gezwaiget mit gesellecheit Rudolf v. Ems
Willehalm 6025
Junk; ellú tierlú ... sich her fúr machent und sich frOewent und sich zweient H. Seuse
deutsche schr. 172
Bihlm.; viel besser frei zu sein, als sich zu zweyen, ich liebe keusch zu sein und nicht das freyen Stranitzky
ollapatrida 174
Wiener ndr.; verdoppeln: ob ihtes ê dem her gebrast, daz wart dô gebüezet sô daz ez wart gezweiet dô, daz man ê sold eine hân Rudolf v. Ems
Alexander 10768
Junk; mache keinem lange harren, dem du etwas zugesagt, denke, durch gezweites geben wird gezweiter dank erjagt J. Grog
dichter. versuchg. (1678) 32; es zweyet mir
was ich sehe, sehe ich doppelt ... schwindeln Stalder
schweiz. id. 2, 485. 44)
substantivierungen: streit, uneinigkeit: er gebôt in gelîches ... daz si solich zweien bræhten an ein einunge Ottokar
österr. reimchron. 12452
S.; und wart ein zweien under in
et schisma erat inter eos (14.
jh.) Schönbach
altdt. hss. in: Wiener sitzungsber. (1898) 159.
paarung: waz soll phaffen zweien daz si sich mit den nunnen tuont S. Helbling 2, 824
S.; für ... alle die freuden des fröhlichen maien wollt ich kein besser gelingen begehren als mit der lieben ein liebliches zweien Rückert
ges. w. (1868) 5, 134.