verzweigen,
vb. , (
belege für vereinzelten transitiven gebrauch s. unter 1 a).
zu beginn des 19.
jhs. entstandene ableitung zu zweig (
s. d.).
nd. vertwîge Jensen
nordfries. 117; fertwīgi Schmidt-Petersen 41
b.
am geläufigsten in der form des attributiv wie prädikativ gebrauchten adjektivischen part. prät. 11)
in zweige oder zweigähnliche gebilde auseinandergehen, sich aufspalten, sich verbreiten. zu ver- in der bedeutung '
fort, auseinander',
vgl. ver- III. 1@aa)
von pflanzen, in erster linie von bäumen: üppig verzweigtes gebüsch Fouqué
zauberring (1812) 3, 85; die stengel aufrecht ... einige äste ..., welche sich gabelspaltig verzweigen und eine flache doldentraube bilden Röhling
Deutschlands flora (1823) 3, 86; bis sich die spitzen (
des astes) ganz zart verzweigten Göthe I 36, 54
W.; (
der baum) streckte seine viel verzweigten äste weit über die höhe des grünen laubschlosses hinaus Storm
s. w. (1899) 1, 123; die buchen ..., schlank und hoch und oben verzweigt und verästelt Paul Ernst
glück v. Lautenthal (1933) 23; der alte apfelbaum mit der runden, majestätisch verzweigten krone Langgässer
unauslöschl. siegel (1946) 351.
in transitivem gebrauch: doch wie des palmbaums köstliche frucht ... den keim befruchtet, die wurzel verzweigt Platen
w. 2, 29
Hempel; die einzige palme, welche abtrünnig dem familientypus ihren stamm verzweigt Peschel
völkerkunde (1874) 159.
bildlich: nach osten und westen hin trieb nun dieser stamm ägyptisch-griechischer sage seine ungeheuer verzweigten äste Gervinus
dt. dichtung (1853) 1, 215; ein baum der weltvernunft, verzweigt in seine ranken Rückert
ges. poet. w. (1867) 8, 601. 1@bb)
von anfang an reicher bezeugt in übertragenem sinne, von konkreten und von abstrakten gebilden. zuweilen durch adverbielle zusätze gefärbt, viel verzweigt, reich, fein verzweigt: bei den gliedern der so mannichfaltig verzweigten grossen familie Göthe I 46, 53
W.; blühend land, das sie (
die fluten) als schönen raub von den verzweigten bergen losgerissen Körner
w. 3, 186
Hempel; die blutgefäsze ..., welche vorzüglich an den drüsen sich verzweigen Sömmerring
menschl. körper (1839) 5, 30; sein leben, das sich in die begeisterung des witzes, der philosophie, des eifers und der experimentenlust verzweigt Bettine
Cl. Brentanos frühlingskranz (1844) 444; verzweigte, sternförmige ... formen der zellen Rossmässler
d. wald (1863) 99; der pfad ... durch legföhren und gehölze, vielfach verzweigt und wieder vereinigt Barth
Kalkalpen (1874) 550; dieses gefühl, ... ermannt von ihm aus jedes glied des weit und fein, ja zu fein verzweigten organismus (
der kirche) Nitzsch
dt. studien (1879) 40; das tragende, zustimmende, die impulse weitergebende und verzweigende leben (1925) Rilke
br. 351
inselverl.; vor allem aber das labyrinth, eine gewaltige grotte ... mit hunderten von engen, verschlungenen, endlos verzweigten gängen Feuchtwanger
d. falsche Nero (1947) 21; unterwegs aber wollte das ... (
armee-oberkommando) Dünaburg eine ziemlich verzweigte verschwörung bolschewistischer herkunft enthüllt ... haben A. Zweig
einsetzung e. königs (1950) 256.
im sinne von '
abspalten, vom mittelpunkt entfernen': die kunst ... verzweigte sich aus ihren einstigen kirchlichen zentren in vereinshäuser und bürgerstuben Dvořak
kunstgesch. als geistesgesch. (1928) 215.
mit hervorhebung einer besonders weitreichenden verästelung: die vereine verzweigen sich durch die länder bis in städtchen und dörfer als erziehungs- und unterrichtsanstalten Göthe IV 31, 97
W.; du weiszt, wie Rom ... die zweige seiner herrschaft selbst bis dahin verzweigte Raumer
gesch. d. Hohenstaufen (1823) 2, 42; es liegt ausser den grenzen ..., diesem weit verzweigten mythenkreis ferner nachzugehen
akad. abhandlungen (1866) 1, 19
E. Gerhard; eine vorstellung von dem ... weit verzweigten spinnennetze, das handel und verkehr über die ganze welt gesponnen haben H. Seidel
Leberecht Hühnchen (1899) 169; was für weitverzweigte, geheime verbindungen er ... in der stadt drinnen hatte O.
M. Graf
unruhe (1948) 344. 22)
mit zweigen oder zweigähnlichen gebilden ineinandergreifen, sich verflechten. zu ver-
in der bedeutung '
zusammen'
vgl. ver- III 6
teil 12,
sp. 55. 2@aa)
von pflanzen: verzweige dich, gesträuch, zu dichten wänden! Immermann
w. 16, 269
Hempel; wo dicht die bäume sich verzweigen A. v. Droste-Hülshoff
ges. schr. (1878) 1, 372; dort, wo nicht fern im heidegrund der linden dunkel sich verzweigt
ebda 2, 160; die wurzeln der begriffe sind weit von einander getrennt, aber die spitzen berühren sich und verzweigen sich oft Jhering
geist d. röm. rechts (1852) 2, 2, 356. 2@bb)
häufig übertragen, besonders von abstrakten dingen: da schon verzweigte sich unser geschick und wir wollen es fürder so innig verzweigen, dasz es keine menschliche gewalt zu trennen im stande sein soll Fouqué
ausgew. w. (1841) 8, 86; indem sie (
die vollständige erörterung) mit andern und schwierigeren untersuchungen verzweigt ist Savigny
werden u. werth d. dt. universitäten (1826) 12; die uns so nah anwohnenden mit uns verzweigten Slawen Varnhagen v. Ense
denkw. (1837) 5, 269; das gepräge ehemaligen hohen wohlstandes ... ist meiner vaterstadt so tief aufgedrückt und dermaszen mit ihrem ganzen wesen verzweigt und verwachsen J. Schopenhauer
jugendleben (1838) 1, 27; drein möcht ich verweben, verzweigen den ganzen tönenden drang Strachwitz
ged. (1850) 84; die wurzeln, mit welchen der aberglaube sich dem russischen volksleben verzweigt hatte
bei Sanders 2, 2, 1809; man war ein tief verzweigtes, wenn auch kleines glied der gemeinde H. Laube
ges. schr. (1875) 1, 35.