sonntag,
m. der erste tag der woche. II.
herkunft und form. I@11)
die benennung der wochentage nach den planeten ist wahrscheinlich babylonischen ursprungs und hat sich durch die astrologen nach dem abendlande verbreitet, während der orient (
nach jüdischem vorgange)
meist einfache zählung verwendet. auf griech. boden nur in beschränktem umfange und vorübergehend angewendet, ist sie in der römischen kultursphäre früh herrschend geworden. vgl. zeitschr. f. d. wortforschung 1, 150
ff. im griech. ist ἡμέρα Ἡλίου mit sicherheit erst im 2.
jahrh. nach Chr. nachzuweisen (
a. a. o. 169—171),
lat. dies Solis
schon im 1.
jahrh. (
s. 181. 184);
aus ihm stammen die albanes. (
s. 174)
und kelt. - britannischen formen: kymr. dyw (dydd) Sul,
corn. de sul, de zil,
breton. diçcul, disul (
s. 186
f.).
die gewöhnliche bezeichnung im griech. ist dagegen die specifisch christliche κυριακή (
s. 167
f.);
seit dem 4.
jahrh. wird das entsprechende dominicus (dies), dominica
auch im lat. herrschend (
s. 180
f. 184
f.);
aus ihm stammen die roman. und inselkeltischen benennungen: ital. domenica,
span. port. domingo,
prov. dimenge, dimergue,
franz. dimanche (Diez
4 122);
altir. domnach,
neuir. dia domhnaigh,
gäl. di-dómhnaich,
manx jy-doonee (
zeitschr. f. d. wortf. 1, 189).
innerhalb des germ. entspricht ihr altn. Dróttinsdagr (
ahd. frôntag
nur als übersetzung von dies dominicus
gebildet, gl. zu Notker
ps. 23, 1. Graff 5, 360).
weitere benennungen s. das. und Schrader
reallex. der idg. altertumsk. 963.
vgl. auch Wachter 1544. I@22)
sonst sind die germanischen namen dem lat. dies Solis
nachgebildet, jedenfalls vor beginn des christlichen einflusses (
nach Müllenhoff
d. alterthumsk. 4, 644
im 3.—4.
jahrh.),
s. Kluge6 368 (
von demselben ist ein aufsatz über die germ. namen der wochentage in der zeitschr. f. d. wortf. angekündigt).
sie finden sich in allen sprachen, nur im got. unbezeugt; doch nicht als feste zusammensetzungen, sondern als uneigentliche composita, zusammenstellungen mit dem genitiv, die erst in den jüngeren sprachstufen durch zusammenziehung das aussehen wirklicher composita gewonnen haben, vgl. Grimm gr. 2, 488.
altn. Sunnudagr (
aus dem westgerm., daher nicht sólardagr),
altschwed. sunnudagher,
norw. sundag, syndag, søndag Aasen 773
b,
schwed. dän. søndag (
vgl. W. Grimm
kl. schr. 2, 88. J. Grimm
kl. schr. 6, 113);
aus dem germ. stammen auch finn. sunnuntai,
lapp. sodna-bæjvve
und sodnu-peive,
s. Thomsen
einfl. 172.
altengl. Sunnandæg Bosworth-Toller 936,
engl. Sunday;
altfries. sunnandi, -dei (
pl. -dega), sunnen-, sonnendei Richthofen 1056,
vgl. Siebs
in Pauls
grundr.2 1, 1345, 3,
neu(
west)
fries. snæin (snān, snōn) 1415, sænde 1420, snāun 1430.
alts. sunnun-, sunnondag (
s. unten),
mnd. sunnen-, sun-, sondach Schiller - Lübben 4, 475
a,
mnl. sonnendach,
später sondagh
dies solis Kilian,
holl. zondag,
vgl. Franck 1213
f. ahd. sunnûn dag, tag, sunnon dag,
dies dominicus Graff 5, 361
f., mhd. sunnen-, sunne-, sun(n)-, sonnen-, son(t)tag (-tach, -dach),
vereinzelt sunnuntag, sungtag Lexer
handwb. 2, 1318:
dies dominica son-,
hd. sun-, sunnen-, sonnen-, sunnetag, sontthag Dief.
gloss. 180
c; sondach
nov. gloss. 134
a.
besonders volle formen bietet das alemannische: diz bi shach ... do nauch gotis geburte waʒ zwelph hundert iar niunzich iar in dem ahtoden iar an dem sunnun tage so man singet judica me.
urk. des St. Mich. klost. in der Wengen bei Ulm s. Mones
zeitschr. 23, 61; die (
sünde) han ich getan an dem sunnontage. Grieshaber
pred. 2, 72; swaʒ man dem sunnuntage birt lobes unde wirdecheit. Konrad v. Würzburg
Silv. 650.
sonst gehen im mhd. sunnen-
und suntac(h)
seit dem 12.
jahrh. gleichberechtigt neben einander her, während sunnetac
nur vereinzelt vorkommt. formen mit o
kommen erst im 15.
jahrh. mitteldeutsch auf, so sonnentag
d. städtechron. 3, 355, 16
neben gewöhnlichem suntag
in den Nürnberger chroniken, köln. sondach
s. Frommann 2, 453
a. Scherz-Oberlin 1522
belegt jedoch uf den naechsten sonnentag
bereits aus einer urk. v. 1351.
ganz ausnahmsweise und sehr auffällig ist schwache flexion: des suntagn morgens fruo ich reit von dan zwô mîl. Ulr. v. Liechtenstein 329, 25.
vgl. zum ganzen Weigand 2, 739. I@33)
im nhd. ist von anfang an son(n)tag
herrschend, so auch bei Luther.
doch finden sich im 16.
jahrh. noch zuweilen nebenformen. I@3@aa)
suntag: das si an sunttagen zu gepürlicher und rechter zeit ... aufsteen.
tir. weisth. 1, 226, 7 (
handschr. v. 1547); uff ein suntag was es. Frey
gartenges. 122, 8
Bolte (
cap. 106).
s. auch H. Sachs
unter II, 1,
b. ganz ungewöhnlich dagegen: an
santag Reminiscere in der fasten.
tir. weisth. 4, 605, 13 (
quelle von 1596,
abschr. v. 1721). I@3@bb)
die vollere form sonnentag herrscht bei Geiler v. Keisersberg;
ferner: nun hat der predicant auff nechstkünfftigen sonnentag ein sunderlich zusag gethon. Wickram
rollwagenb. 149, 20
Kurz. sonst wird jetzt sonnentag
von sonntag
unterschieden, vgl. jenes, sp. 1687.
daher wortspielend: das ist der rechte sonnentag,
str. 3
des liedes: gott lob, der sonntag kommt herbei.
s. hannov. gesangb. 7. I@3@cc)
auffällig ist sumptag, somptag,
die gewöhnliche form in der (
Augsb.)
chronik von Clem. Sender (
bis 1536),
s. d. städtechron. 23,
glossar, z. b.: an dem sumptag nach sant Tyburtii tag. 26, 12. I@3@dd)
in den tiroler weisthümern wechseln im plur. umgelautete formen mit den unumgelauteten, z. b.: alle sonn- und feirtäg gebihrend heilligen. 1, 43, 13; an sonntägen vor der kirchmenig öffentlich verruefen. 177, 34; weder an den sontegen, noch andern feirtagen und festen. 4, 265, 4.
auch sonst vereinzelt umlaut, wol mundartlich: heute, und so viele, viele sonntäge noch! Holtei
Lammfell 1, 74 (
in oberd. mundarten ist der umlaut jetzt theilweise in den ersten theil eingedrungen, s. 4). I@44)
formen lebender mundarten: schweiz. sùndìg Hunziker 267, sònnti(g),
pl. sönnti(g) Tobler 426
b;
bair. suntə' Schm. 2, 297,
österr. sundh Castelli 257, sunntig Schöpf 730, suntak
cimbr. wb. 238
b;
fränk. (
Handschuhsh.) suntaak Lenz 66
a, (
würzb.) sunntag Sartorius 122,
westerw. sonnig (
selten) Schmidt 220. Kehrein 1, 378,
unterfränk. sunntog Ruckert 179,
henneb. sonntig Spiess 235, sunntig, -ta, -te, sonntig, -te Frommann 3, 224, 5,
luxemb. sonndeg (
gen. sonndes) Gangler 419;
hess. Vilmar 388
f.; thür. sunntag Kleemann 23
a, sunntig,
auch in der litteratur: aber der herr vicares hat erst den letzten sunntig noch gepredigt, man soll nicht ansehn, was ein mensch thut. Ludwig 2, 67, sunntich 484,
s. unten; lausitz. suntg Anton 4, 15,
erzgeb. suntch Göpfert 115
a,
ebenso in Posen (
auch sountich, suntig) Bernd 302. —
im heutigen nd. meist sun(n)dag
brem. wb. 6, 355. Schambach 218
b. Woeste 263
a,
oder (
im osten)
mit umlaut sün(n)dag Dähnert 474
a. Danneil 216
b. Mi 89
b.
nd. korrespondenzbl. 14, 18, 13,
preusz. sinndag Frischbier 2, 345
a,
nur ostfries. sön(n)dag (
gegen sünne) Stürenburg 248
b (
alt sondi, saundi). ten Doornkaat Koolman 3, 257
b. I@55)
in den zusammensetzungen mit tageszeiten (abend, nachmittag
u. s. w.)
überwiegt die form der echten composition (
ohne s),
sonst findet sich diese nur ganz vereinzelt (
bei J. Paul),
während die genitivische bildung (sonntags-)
die regel ist. im folgenden ist diese letztere der übersichtlichkeit wegen überall der anordnung zu grunde gelegt. IIII.
bedeutung und gebrauch. II@11) sontag,
dies dominica, dies prima. Dasypodius;
dimenche Hulsius 300
b;
dies dominica, desz herrn (Christi) tag,
i. e. der sontag. Corvinus
fons lat. 213
b; sonn-tag,
giorno, di del sole cioè (
di)
domenica, giorno del signore. Kramer
dict. 2, 840
c,
vgl. Jablonski 730
b.
in zeitbestimmungen: II@1@aa)
von dem, was regelmäszig wiederkehrt oder allgemein gilt: am sonntag,
alla, nella Domenica. morgensegen, abendsegen
etc. am sonntag. Kramer
dict. 2, 840
c;
bestimmter: ain ieder pfarrer soll der herrschaft diener an aim ieden sonntag ... ain suppen und trinken geben.
tirol. weisth. 4, 765, 18;
unbestimmter, von häufig wiederkehrenden ereignissen: gibt es etwas trunkneres, als wenn er damals an schönen sonntagen, sobald durch den weiten himmel nichts als die schwere sonne schwamm, zum glockenstuhle des thurms aufstieg und überdeckt von den brausenden wellen des geläutes einsam über die tiefe erde blickte? J. Paul
Titan 1, 141.
mit näherer bestimmung am sonntag abend,
schweiz. am sundig z'obe, am morge. Hunziker 267.
für an
auch auf: das uff den sontagk zu abendt, wen die beteglocke zu S. Moritz geschlagen ist, die wircker in der halle underbussen (
heizen) solten. Spittend. 182. —
sehr gewöhnlich ist in diesem sinne der gen., mit oder ohne artikel: gar bald wurden unsere zusammenkünfte, die man seit mehreren jahren sonntags ununterbrochen fortgesetzt hatte, gestört. Göthe 24, 70,
im wechsel mit: als ältester enkel und pathe hatte ich seit meiner kindheit jeden sonntag bei den groszeltern gespeist. 71; ich wünsche, dasz sonntags jeder bauer sein huhn im topfe hat,
auf eine äuszerung Heinrichs IV. von Frankreich zurückgeführt, s. Büchmann
20 497; des sonntags in der morgenstund wie wandert's sich so schö
n. Reinick
sonntags am Rhein. mundartlich die sunntiges,
an den sonntagen Schöpf 730, sonndes Gangler 419.
der acc. besonders in der verbindung alle sonntag(e)
tutte le domeniche. Kramer
dict. 2, 840
c: der legat Bernhardinus ... fragt es, wie offt sie das hochwirdig sacrament enpfieng; sagt sie: 'alle sumptag'.
d. städtechron. 23, 117, 3; verkaufen sol nicht beschehen zu weinachten vierzehen tag vor und auch vierzehen tag hinnach; ... noch alle sunntag.
tir. weisth. 4, 484, 42;
mhd.: mîn herre Geôri, seht ir stân die sûl wunneklîche? allersunnetegelîche spricht her ûʒ der sunne
got. Reinbot v. Durne
Georg 3302. II@1@bb)
von einmaligen ereignissen, unbestimmt: an (auf) einem sonntag,
in una domenica. Kramer
dict. 2, 840
c;
von bestimmten sonntagen: anno domini 1528 an ainem sumptag am 12. tag januari hat man under dem ampt 11 bauren und 1 frauen von Bayren gefangen.
d. städtechron. 23, 194, 6; Saxenlandes ungeval, dher uf eynen sunnentach, an sente Sixtus tach gescach.
Braunschw. reimchron. 4678.
mit bestimmendem zusatz: so sol man vor dem dritten suntag und auf dem dritten, wenn er will.
tir. weisth. 4, 358, 35; des ersten soll ain ieglicher richter ... alle jar an sant Gedrauten tag ... zu Schanzen lantsprach halten, und die des suntags vor durch all drei fronpoten ... offenlich verkunden. 3, 167, 24; am sumptag darnach hat der kaiser in der kirchen zuo unser liebe Frauen Hansen Freyburger, burgermaister zuo Überlingen, und Caspar Dorensperger, zunftmaister daselben, zuo ritter geschlagen.
d. städtechron. 23, 292, 15; als nn aüf den suontag hernach der paüren knecht sein kittel sach. H. Sachs
fabeln 1,
s. 429, 53
neudr.; des næhsten suntages fruo der bischolf von Gran des amtes began. Ottokar
reimchron. 41216; sanctus Mattheus sprach zuo jm, er solt eins thuon, und solt am nechsten sonnentag in die kirch kommen. Keisersberg
post. 4, 21
a; käm er daher am montag oder in der wochen, wann es wär, so soll im der richter auf den nägst kumenten suntag darnach ain recht besezen mit dreien geschwornen.
tir. weisth. 4, 203, 32; auff nechstkünfftigen sonnentag. Wickram,
s. unter I, 3,
b. der nächste, nächstfolgende sonntag ist auch gemeint, wo eine ausdrückliche angabe fehlt: auf den sonntag wird Palmira gegeben. Göthe 43, 23; ich kumm ufn sunntich weär (
wieder) un frahe weär nach. Ludwig 2, 484;
mhd. auch ohne artikel: du salt nu zu suntage mit mir zu dem clostere kumen.
pass. 299, 68
Hahn. ebenso nach bis,
ahd. unz: erda hialt uns thô in wârscazzo diurôston thar, dreso thâr giborgan,unz sunnûn dag in morgan. Otfrid 4, 35, 42; wen wir die fasnacht nit frölich fünden, die wolt wir pis suntag in pan künden.
fastn. sp. 2,
s. 734,
vgl. s. 745
u. 773; macht mir ain kittel! doch darpey, das er pis süntag fertig sey! H. Sachs
fabeln 1,
s. 429, 20
neudr. jetzt steht gewöhnlich der einfache acc.: er kommt sonntag
oder nächsten sonntag, sonntag früh, sonntag abend:
Petr. und kurz und gut: wir stimmen so zusammen, dasz nächsten sonntag unsre hochzeit ist.
Cath. eh will ich nächsten sonntag dich gehängt sehn.
Shakespeare der widersp. zähmung 2, 1.
in der erzählung vom letztvergangenen sonntage: er kam sonntag (abend)
u. s. w. der acc. auch bei wiederholten geschehnissen: darnach auf ain suntag soll er die phant dem fronpoten antworten und der fronpot soll si fail furen drei suntag an ainander.
tirol. weisth. 4, 202, 35 (
jetzt nach einander); ob ainer wär der do wolt versetzen oder hingeben, der sol es drei sontag vor der kirchen den poten verrüefen lassen.
steir. taid. 516, 19. II@22)
benennungen der einzelnen sonntage im jahre. II@2@aa)
einige werden gruppenweise zusammengefaszt, so: II@2@a@aα) die sonntage in der fasten, fastensonntage,
zwischen fastnacht und ostern: alle thie sunnondage. an thero vaston. Wadstein
klein. alts. sprachdenkm. 42, 11 (
Freckenhorster heber.);
sie werden als erster, zweiter
u. s. w. sonntag in der fasten gezählt: der drite sunnetach in der vasten.
zeitschr. f. d. alterth. 16, 284, 102,
oder auch rückwärts erster, zweiter sonntag vor ostern
u. s. w. II@2@a@bβ)
die 4
sonntage vor weihnachten heiszen advent(sonntage),
nach Campe
veraltet kunftsonntage: nach solichem haben die Lutherischen am ersten sumptag des advents ... auch gesungen.
d. städtechron. 23, 245, 10; am andern sumptag im advent. 249, 5; am ersten sonnentag des advents. Keisersberg
post. 1, 2
a. II@2@bb)
von den übrigen sind zunächst die groszen feiertage benannt, s. oster-,
pfingstsonntag (
theil 7, 1379. 1702).
die andern haben officiell lat. benennungen, die von darauf fallenden festen oder dem anfang von früher an ihnen gesungenen liedern und messen genommen sind. als feste werden gefeiert der sonntag epiphanias (
fest der erscheinung Christi),
der erste nach neujahr, und trinitatis (
deutsch dreifaltigkeitssonntag,
theil 2, 1380),
der erste nach pfingsten. nach diesen werden gewöhnlich die nicht festlichen sonntage gezählt und benannt, soweit sie nicht unter a fallen: erster, zweiter sonntag nach epiphanias (
bis fastnacht), nach ostern, nach trinitatis (
auch nach pfingsten,
kann bis 27
gehen): hye vohet an die ordenung der sonnentag noch pfingsten noch der zal, bisz zuo dem advent. und nammlich der erst sonnentag vohet an, noch dem sonnentag der heyligen dryheit, oder noch dem achtesten tag der pfingsten. Keisersberg
post. 3, 39
a.
doch sind für die sonntage vor und nach ostern auch die lat. sondernamen üblich, die Göthe
in den bekannten '
versus memoriales' (2, 285)
in reime gebracht hat. die 6 fastensonntage
heiszen: invocavit, reminiscere, oculi, laetare, judica, palmarum,
die 6 ostersonntage: quasimodogeniti, misericordias (domini), jubilate, cantate, rogate, exaudi,
s. Campe.
sie sind besonders in ältern quellen üblich: am sumptag reminiscere um die 12 ur ist hertzog Cristoff zuo Augspurg mit 60 pferden ausgeridten.
d. städtechron. 23, 45, 15; hetten etlich zuo inen geladen am sumptag letare. 94, 11; des suntages judica sîn êrste mess er sanc. Ottokar
reimchron. 23609, geben an Meran an eritag nach dem suntag quasimodogeniti (1407).
tirol. weisth. 4, 31, 34; am freitag nach dem sonnentag misericordia domini (1442) kam sein gnad gen Auszpurgk.
d. städtechron. 3, 355, 16. —
weniger fest sind bezeichnungen wie: van der ersten weken in der vasten wante an den sunnendach vor palmen.
deutsche chron. 2, 186, 39; als du hören würst ob got wil an sonnentag von der letsten empfencknisz. Keisersberg
Marie himelfart 11
c. II@2@cc)
daneben sind volksthümliche bezeichnungen in gebrauch; besonders üblich die mit farbennamen gebildeten: II@2@c@aα) der
weisze sonntag,
in verschiedenem sinne: II@2@c@a@aaaa)
im oberd. der erste sonntag in der fasten, invocavit, so schon mhd., s. Lexer
handwb. 2, 1318 (
in urkunden von 1291
und 1298): sô sol er mit im bûwetædingen zwischan der liehtmesse und dem wîʒʒen sunnen tag.
Schwabensp. 415, 3
Wackernagel; Kristein mein tochter ward geborn anno domini 1372 die 8 marcij, waz der weiss suntag.
d. städtechron. 1, 67, 13 (
vgl. indessen die anm.); desselben jars auf den weissen suntag ein der vasten heten etlich fürsten einen tag gen Nürmberg gelegt. 10, 260, 17; an dem weissen suntag in der vasten. 348, 19; das von des Hanns Feders ... wegen sind geladen auf den weissen sontag für den bischof von Freising hundert und vier mann. 22, 153, 18; in Sontheim ... zogen die bursche am weiszen sonntag abend ... hinaus auf die benachbarten höhen. ... weiszer sonntag = funkensonntag. Birlinger
volksthüml. 2, 72, 85.
vgl. jedoch cc. II@2@c@a@bbbb)
dagegen im nd. der fünfte fastensonntag (
vgl.β): des sondages vor Palmen, den man nennet den witten sondach (12.
febr. 1402). Sudendorf
urkundenb. 9,
nr. 152,
vgl. Schiller-Lübben 4, 475
b. 5, 746
b. II@2@c@a@cccc)
doch auch der sonntag nach ostern, quasimodogeniti, vgl. ebenda: also scholde dusse jegenwordighe nige upsate anghan, des mandages na dem witten sondage, achte dage na passchen.
d. städtechron. 16, 393, 31; witten-son-dagh,
vetus sicamb. dominica in albis: octava paschae; a candidis vestibus quibus veteres octo diebus a sabbatho paschae usque ad sabbathum sequens solent post baptismum uti. Kilian.
so nhd. gewöhnlich: der weisse sonntag,
la domenica in albis, la quasimodogeniti. Kramer
dict. 2, 840
c. Frisch 2, 287
b; 'der weisse sonntag,
eine noch im oberdeutschen übliche benennung des sonntags nach ostern, oder quasimodogeniti, welcher in den mittlern zeiten auch dominica in albis
genannt wurde, von den weiszen kleidern, welche man in den ältesten zeiten in den ersten acht tagen nach ostern zu tragen pflegte.' Adelung. Höfer 3, 148; der erste sonntag nach ostern heiszt der weisze sonntag. Leoprechting
aus dem Lechrain s. 176.
österr. da waissi sundh Castelli 257,
nd. de wite sunndag Schambach 218
b. II@2@c@a@dddd) witten-son-dagh,
vetus fland. dominica pentecostes. Kilian.
sonst nicht bekannt. —
vgl. auch unter weisz. II@2@c@bβ) der
schwarze sonntag,
der fünfte fastensonntag, judica, an dem die altäre schwarz verhüllt werden. Höfer 3, 147
f. schon mhd., s. Lexer
handwb. 2, 1318 (
häufig in urkunden); der gemeine mann nennet den sonntag judica den schwartzen sontag; denn in der historia von des herrn Jesu leiden wird gemeldet, wie die unbarmhertzigen Juden den herrn ins schwartze register und todtenbuch geschrieben haben. Herberger
hertzpostille 1
b, 313
bei Wander 4, 630, 61; 'der schwarze sonntag,
bey dem groszen haufen, der sonntag judica, weil derselbe vorzüglich unglücklich seyn soll' (?). Adelung;
österr. da schwoa
rzi sundh Castelli 257,
tirol. der schwàrzsunntig Schöpf 730. II@2@c@gγ) goldne, güldne sonntage,
die zunächst auf die 4
quatember folgen und nach verbreitetem aberglauben glückbringend sind. Adelung: item da ward pabst Baulus gekrOent am gülden suntag Michahelis.
d. städtechron. 10, 289, 8,
vgl. d. anm. noch im fuldaischen. Vilmar 388. — der goldene sonntag '
ist an einigen orten dominica trinitatis'. Höfer 3, 148; das salcz. musz am gulden suntag geweicht sein, ein ander suntag geh nit.
quelle bei Schm. 1, 896. II@2@dd)
mit andern adjectiven sind gebildet: II@2@d@aα) der
namenlose sonntag,
judica, so mhd., s. Lexer
handwb. 2, 1318,
und mnd.: dhes brif is gheven ... dhes sonnavendes vor dhem namelosen sonendache (1305).
mekl. urkundenb. 5,
nr. 2979,
s. Schiller-Lübben 4, 475
a und Koppmann
nd. korrespondenzbl. 2, 67; (
der sonntag,) den man heiʒsit den namenlosen suntag, als Frankinfurter nuwe merkit uʒ geit (
die fastenmesse, woraus sich die zeitbestimmung ergiebt).
s. Mones
anz. n. f. 16 (1869), 148. II@2@d@bβ)
österr. der
faiste sonntag,
vor aschermittwoch. Höfer 3, 147, fasta sundh Castelli 257. —
hess. fetter sonntag
für den weiszen, quasimodogeniti. Pfister 278. II@2@d@gγ) der
fröhliche sonntag
in einigen österr. orten für lätare, mittfasten. Höfer 3, 147. II@2@d@dδ)
preusz. groszer sonntag
für trinitatis. daneben aber auch für den (
beliebigen)
sonntag, an dem man das abendmahl nimmt. Frischbier 2, 345
a.
ferner: op em grôte sinndag, wenn twê ön ênem sön,
als versprechen ins ungewisse. ebenda. II@2@ee)
andre namen werden durch zusammensetzungen gebildet: