rippe,
f. costa. II.
Verbreitung und formen. das wort ist gemeingermanisch, und entspricht dem mit anderem suffix gebildeten altslav. neutr. rebro (Fick
3 3, 254).
man nimmt verwandtschaft an mit sanskr. rabh
fassen (Schade 2, 718
a). —
im goth. fehlt zufällig ein beleg, altn. rif,
dän. ribbe,
schwed. ref (
in refben),
ags. rib, ribb,
engl. rib,
altfries. reb, rib,
alts. ribb,
mnd. ribbe, rebbe,
nnd. ribbe,
ebenso mndl. und holländ.; ahd. ribbi, rippi,
n. (Graff 2, 356)
und ribba
f. (Schm. 2, 130),
mhd. ribe, ribbe, rieb, riebe, rippe,
f. und rippe, ripp,
n. (Lexer
mhd. wb. 2, 454).
die älteren sprachperioden zeigen vorherrschend neutrales geschlecht; man darf also annehmen, dasz das fem. erst secundär entwickelt ist (
vgl. gramm. 3, 553).
doch erhält sich neben dem fem. das neutr. noch lange, besonders auf oberdeutschem sprachgebiet. Maaler
hat als alleinige form das ripp 334
b,
ebenso Dasypodius; do er beschuofft den ersten man und macht usz synem ryb ein wip. Gengenbach 127
Gödeke; bisz er die Eva ausz seim ripp gemacht hatte. Wickram
rollw. 62
Kurz; und gott der herr bauwet ein weyb ausz dem rippe, das er von dem menschen nam.
Züricher bibel 2
a; von welchem ziehen das ripp herauffer gezogen würdt. Braunschweig
chir. 97
b (
bei demselben allerdings auch rippe
als fem.: das flaisch von der rippe entdecken. 98
b); das diaphragma rip ist das mittelst. Thurneisser
prob. d. harnen 25
b.
als scheltwort für ein böses weib hat sich das neutr. noch bis heute in oberdeutschen mundarten erhalten. Seiler 239
a. Hunziker 206.
für das fem. zeigt das ältere nhd. wie das mhd. wechselnde formen. Luther
hat stets die an das nd. erinnernde schreibung riebe (
belege s. unten);
ebenso: hernach darzu aus deiner rieb ein weib gemacht, die dir ist lieb. B. Krüger
anfang und ende der welt 1, 4 (
schausp. des 16. jahrh. 2, 30
Tittmann); got der liesz das schönste thier von der riebe werden. Rist
Parnasz 468
neben ribbe
friedejauchz. Teutschld. (1653) 212;
auch H. Sachs, Barth. Ringwalt, Günther
und das brüdergesangbuch von 1735
schreiben so (
belege s. unter 1,
c und 2),
ferner Stieler 1609
neben ribbe
und rippe,
ebenso Frisch 2, 122
b. —
bei Günther
neben riebe
auch rebe: nimm auch von deiner rebe (: lebe) die pflicht der ehrfurcht hin. 1082.
die md. und nd. form ribbe
begegnet vorzugsweise im 17.
und 18.
jahrh.: also schreibet er (
Moses), sey das weib ausz einer ribben oder einem bein gemacht worden. Variscus
ethogr. mundi 2, 43;
ebenda ribbengeschöpf 2, 47, ribbenkönigin 2, 46, ribbenweib 2, 44
neben riebenweib 2, 16; stach ihr die sporn weidlich in die ribben. Chr. Weise
erzn. 18;
bei Schottel
neben rippe 1386;
als schriftgemäsze form bei Gottsched
sprachkunst (1762) 136,
auch Lessing
schreibt ribbenstosz 1, 288
und Göthe,
der sonst stets die heute übliche schreibung hat, gebraucht ribbe
für schiffsrippe, gleichsam als term. techn. der vorzugsweise niederdeutschen schiffsbaukunst (
s. unter 6).
noch bei J. J. Engel: so klage auch du unsern gott nicht an, dasz er eine entbehrliche ribbe nahm.
schriften (1801
ff.) 1, 320
und öfter. bei Nemnich 1, 1257, Adelung
und Campe
neben rippe. —
diese letztere form findet sich in allen perioden des nhd. (
belege s. unten),
beginnt aber erst vom ende des vorigen jahrhunderts ab die allein schriftgemäsze zu werden. Adelung
hält rippe
für das richtige, bemerkt aber, dasz viele Hochdeutsche mit den Niedersachsen ribbe
schrieben und sprächen, woraus noch weichere mundarten sogar riebe
machten. IIII.
Bedeutung und gebrauch. ursprünglich scheint dem worte der begriff des umfassens, umschlieszens inne zu wohnen. II@11)
einer der bogenförmig gekrümmten knochen bei mensch und thier, die von der wirbelsäule ausgehend die edlen inneren theile umschlieszen. II@1@aa) der dorn, der den rucken zesamen helt, ist auʒ vil painen, diu sint alliu ze mittelst durchlöchert und denselben painen sint diu ripp ze paiden seiten zuo gesellt. Megenberg 24, 11; wer weiteu ripp hât, daʒ bedäut sterken und hohvart und vil zorns. wer aber krummeu ripp hât, daʒ bedäut poes siten, und wer geleicheu ripp hât, daʒ bedäut ain klainichait des sinnes. wer aber weiteu oder braiteu ripp hât, daʒ bedäut guoten sin. 48, 5; item zuo wissen sey, das in der brust seindt syben bain, unnd dieselben bain seind behefftet mit syben rippen. Braunschweig
chir. (1539) 96
b; an dieses knochenwerk des rückens schlieszen sich vier und zwanzig rippen, zwölf auf jeder seite, so dasz man das zimmerwerk einer galeere zu sehen glaubt. Göthe 35, 379; und das nakte gefild begonn zu kreisen und aufzuwerfen schedel und rippen und kinnbacken und beine. Schiller
räuber 5, 1
schauspiel; hintene tet er ime den rucke, ab deme gênt rippe. piugent sich here fure deme herzen ze were, daz ime stôz noch slag nicht geweren ne mag. Massmann
d. ged. des 12. jh. 2, 239
a; man mochte an sînem (
des hungers) rucke sie rippe und bein metalle, als sie wolden valle. Albr. v. Halberstadt 20, 169. rippe und bein
ist eine auch im älteren nhd. nicht seltene verbindung: von ripp und bein sing ich allein, weg mit der feisten wampen, hochs gemüth, dein weib, den fetten leib, verjag bisz in Schlamppampen. Megalissus
deutsche jesuitenpoesie (1731) 142.
ebenso von thieren: diu slang hât dreiʒig rippe. Megenberg 260, 80; zwey (
der vertebrae lumborum des löwen) haben rippen. Göthe 55, 182; bey den vögeln und amphibien hängen auch rippen an den halswirbeln, aber sehr verkürzt. Oken 4, 24,
s. auch unter 1,
c. besonders häufig ist das wort natürlich mit beziehung auf die erschaffung der Eva: und nam seiner rieben eine und schlos die stet zu mit fleisch .. und gott der herr bawet ein weib aus der riebe, die er von dem menschen nam, und bracht sie zu jhm.
1 Mos. 2, 21. 22; ferner saget Moyses, wie gott .. jhm aus seiner seiten ein rippe nemme, ohn zweiffel nicht ohn fleisch mit dran hangend, wie denn Adam solchs selber erkleret, da er .. spricht: das ist bein von meinem gebein, und fleisch von meinem fleisch.
theatr. diabol. 346
a E; ein rippe er ime nam von der winsteren sîten. tet da ûʒ ein wîb. Massmann
d. ged. des 12. jh. 2, 242
b; auf das der mensch ain ghülfin het schuf gott, weil Adam schlafen thet, Evam, das weib, aus seiner ripp. Fischart
dicht. 2, 286
Kurz. mit schiefem vergleich schreibt Günther
zum troste einer witwe: er, der durch deinen schatz (
ihren mann) dir eine rieb' entreist, kan auch das wunden-mahl mit seegens-fleische füllen. 618.
der mann hat in folge dessen heute noch eine rippe weniger als die frau: darumb het noch ein ieglich man eines rippes minre denne eine frowe.
d. städtechron. 8, 235;
mnd. in tuchnisse desser gheschychte so heft noch ein itlick man in zyner luchteren zyden eines ribben min wen in zyner vorderen zyden. Schiller-Lübben 3, 471
a.
mit erklärung für die erschaffung des weibes aus der rippe: ouch ist zuo wissende, das die frouwe darumb wart usser eime ryppe gemacht und nüt us des mannes fssen, das sü nüt solte gerwe under dem manne sin, noch usser sime houbete, das sü nüt über in were: sunder si wart beschaffen usser eime ryppe, das ist ein glyt mitten in dem menschen, darumb das frouwen und man mittenander in mittel und in allen guoten dingen süllent mittenander glich und eis sin, also ob sü ein lip und zwo selen werent.
d. städtechron. 8, 235.
auch als grund für ihre zungenfertigkeit dient die erschaffung der frau aus der rippe: hievon ist nüt unbillich, do frowen bynander sint, ob sü me redent und klaffent denne die manne, wan die frowe ist zuom ersten us eime rippe und beyne beschaffen und der man us erden also vor ist geseit: der nu lützel beine duot in einen sag und in reget unde schüttelt, so tOenet es me denne der in vol erden stiesse.
d. städtechron. 8, 235, 15
ff. (
vgl. Variscus
ethogr. mundi 2, 44. 46,
wo die zanklust der weiber ähnlich begründet wird).
in der krümmung der rippe liegt der grund für die hinterlist der weiber: dan d'rip von Adam gnumen ist, hat in jr krumb vil hinterlist. Schmelzlin
hochzeit 20
b. II@1@bb)
benennungen der rippen. II@1@b@aα)
bezeichnungen der 7
oberen mit dem brustbein verwachsenen rippen (
costae superiores sive verae): ganze rippen: der (
rippen) seint siben gantz und 5 halb. H. Braunschweig
chir. (1539) 97
b; die 7 oberen (
rippen) verbinden sich vorn mit einem langen, flachen knochen, dem brustbein, und heiszen daher ganze oder brust-rippen. Oken 4, 23. lange rippen: Dresser
de partibus corp. hum. (1581)
bei Hyrtl 128;
auch mndl. langhe ribben Kilian;
ebenso Stieler 1609, Adelung
und Campe. obere rippen: Frisch 2, 122
b. Oken
a. a. o. rechte rippen: an yegklicher syten seind xii. ripp. vii. rechte und v. unrechte. Gersdorff
feldb. d. wundtarztney (1535) 18. vollkommene rippen: deren (
der rippen) die anatomici siben für die rechten volkomnen, oder waren rip, die ubrigen und underen fünf bastarten, oder falsche rip heiszen. Thurneisser
prob. d. harnen 24
b; und wenn das rückgrat vollkommene oder unvollkommene rippen zu nachbarn hat, so stehen am brustgrat nur knorpel gegenüber. Göthe 55, 211. II@1@b@bβ)
die 5
unteren rippen (
costae inferiores sive spuriae)
heiszen: halbe rippen H. Braunschweig
a. a. o.; den bauchrippen fehlt dieses vordere stück (
der knorpel), daher sie auch halbe rippen heiszen. Oken 4, 24. falsche rippen Gersdorff
a. a. o.; diese mitte (
des rückens) ist gewöhnlich vor der dritten falschen rippe. Göthe 55, 242. freie rippen: so wisze, dasz die fünf untersten freien rippen, wenn sich der körper dreht, oder vor und rückwärts biegt, unter der haut viele schöne erhöhungen und vertiefungen zeigen. Göthe 35, 380. kurze rippen: Dresser
a. a. o.; wir wollen in der beschreibunge der harnproben, etwas derselbigen kurtzen ripen (wie die jeder gemeiner man nennet) .. auch gedencken. Thurneisser
prob. d. harnen 24
b;
auch bei Adelung
und Campe;
mndl. corte ribben Kilian,
ebenso nd. brem. wb. 3, 485; under de korten ribben
nd. die weichen seiten unter den falschen rippen, hypochondria a. a. o. unechte rippen: Frisch 2, 122
b; unrechte ripp Gersdorff 18. untere Nemnich 1, 1258. unterste Göthe 35, 380. unvollkommene 55, 211.
nach Hyrtl 185
in anatomieen des 17.
und 18.
jahrh. auch weiche rippen.
in bezug auf die beiden untersten rippen: die andern zwo glaffen voneynander, und werden falsche unvollkummne rippen genannt. Ryff
anatomie 11
a.
bei Nemnich 1, 1258
heiszen sie auch schwebende
oder wankende rippen (
costae fluctuantes, côtes flottantes). II@1@b@gγ)
namen für einzelne rippen: wir werden aber auch hierinnen den leser vermanet haben, das jedes rip von den grösten und lengsten, als die rechten rip, nach den jnnerlichen gliedern, die denen am nechsten gelegen, genent und also beschrieben werden, als das hertz rip .. das miltz rip .. das diaphragma rip. Thurneisser
prob. d. harnen 25
b. II@1@cc)
besondere wendungen: die rippen brechen,
intransitiv und transitiv: so sie (
die rippen) brechen, so falten sie sich oder naigen sich ain tail hinain. H. Braunschweig
chir. (1539) 97
b; etwan werden sie (
die rippen) gebrochen.
ebenda; von den brüchen der rippen ist zu wissen.
ebenda; von zerbrechung der ripp 97
a; ich schweig' und wenn mir 'ne rippe bricht, der kerl ist massiv, dem trau ich nicht. Eichendorff (
werke 1841) 3, 355; und nächstens ist turnier zu meinem preis, magst du da lanzen brav und rippen brechen. 3, 412. rippen zerfallen, entzwei fallen, -schlagen, -treten: wann nun dise (
die rippen) von eusserlichen zufällen verruckt, zerfallen oder gebrochen sind. Wirsung
artzneyb. (1592) 232 A; die rippen im leib tret ich dir entzwey und ihrem bastart dazu! Wagner
kindermörd. 63
neudruck; und sluoc mir ein rippe mitten ûf der brust enzwei.
von d. übelen weibe 616
Haupt; er fiel wol über ein block, er fiel eine rippe im leib entzwei, darzu ein loch im kopf.
des knaben wunderhorn2 2, 204. die rippen biegen oder krümmen sich: etwan werden sie (
die rippen) gekrümpt unnd gebogen, das sie nitt brechen. H. Braunschweig
chir. 97
b.
in folge von geschwüren faulen
sie: wann nun dise (
die rippen) .. ausz langwerenden geschweren anfahen zu faulen, da gehört am meisten die handartzney zu. Wirsung
artzneyb. (1592) 232 A.
von einem druck, schlag oder stosz krachen
oder knacken
die rippen: mit den starken armen er in umbevie und druckt in, daʒ im rippe unt rücke erkrachet.
Lohengrin 2203; ich wil euch bald so wehen, dasz euch die ribben im leibe sollen krachen. Rist
friedejauchz. Teutschl. (1653) 212; ik wil ene drenghen up de want, dat eme alle syne ribben scholen knaken. Mone
schausp. des mittelalters 2, 40; dat em de ribben skölt im helen live knaken.
niederd. jahrb. 7, 170.
einem mageren thier oder menschen kann man die rippen zählen: man kann ihm alle rippen zehlen,
macer est Frisch 2, 122
b; auf einem rosz, dem man alle rippen unter der haut, alle knochen, alle gelenke zählen konnte. Hebel 2, 234; man het im (
einem pferd) wol durch hût gezelt elliu sîniu rippe gar.
Parzival 256, 19; dürrbacket, langdrüszelt unde hager (
vom wolfe), das man jm all sein rieb möcht zeln. H. Sachs
fastn. sp. 3, 121, 244
neudruck; trutz allen schimmeln, trutz, an ihm ist alles nutz. ich kann ihm alle rippen zählen.
des knaben wunderhorn2 2, 89; o die natur, die zeigt auf unsern bühnen sich wieder, splitternackend, dasz man jegliche rippe ihr zählt. Schiller 11, 150. einem den degen durch die rippen stoszen (Steinbach 2, 264)
oder jagen: dasz es heute nicht viel gefehlt, dasz ich nicht dem Vogelbach .. den degen durch die rippen jagte. Winckler
edelmann 61. durch die rieben reiszen,
innere schmerzen verursachen, bei Luther: und wollen dir (
dem teufel) ... durch die rieben reiszen, das du lieber (
als uns) soltest einen thurm, ja einen gantzen wald verschlungen haben. 6, 229
a. unter den rippen
trägt die mutter das kind: vrewe dich (
Maria)! under dînen rippen wart got mensche!
Mariengrüsze, Haupts ztschr. 8, 285. an
oder wider die rippen pocht
oder schlägt das herz: aber euer eigenes herz, das bey diesen beweisen ängstlich bebend wider eure rippen schlägt, straft euch lü
gen. Schiller
räuber 5, 1
schauspiel; an die rippen pocht das männerherz. 1, 231. aus den rippen schneiden
in sprichwörtlichen wendungen: er hatte hunger und durst, wollte sich einen milchweck kaufen und ein glas bier dazu, die mutter konnts ihm nicht geben, da wollt er ihr das geld aus den rippen schneiden. Wagner
kindermörd. 75
neudruck; aus den rippen kann ich mirs nicht schneiden,
von dingen, die man unmöglich beschaffen kann. Albrecht 192; ik kann et mi nich ût den ribben snîen. Woeste 214
a. hê hed (gôd) wat up de ribben,
er steht sich gut, hat vermögen Dähnert 379
a. ten Doornkaat - Koolman 3, 33
a; nig veel up de ribben hebben.
brem. wb. suppl. 253. van den ribben teeren,
armselig leben Dähnert 379
a. dat sleit bi ribben (
von einer nahrhaften speise)
brem. wb. 5, 449; das schlägt an die ribben,
macht fett Frischbier 2, 225
b; das geht an die ribben,
greift an, mattet ab a. a. o. sie hat 'ne fule ribbe Dähnert 379
a. die rippen zerprügeln: also habt ihr den teufelskerl zum sohne, der mir einmal .. fast alle rippen zerprügelt hat. Engel
der dankb. sohn (1771) 29. de ribben smeren,
peitschen brem. wb. 3, 485; he gift hum wat up de ribben,
er bläut ihn durch ten Doornkaat - Koolman 3, 33
a. dör de ribben rüken
brem. wb. suppl. 253; durch die rippen schwitzen,
durchbringen, verprassen Albrecht 193; etwas nicht durch die rippen schwitzen können,
es auf dem wege der natürlichen absonderung von sich geben müssen. Spiesz 196.
mittelalterlicher trinkerwitz: (
der trinker spricht zur seele:) ich rât iu sô ich beste kan, wan ich bin îuwer sippe, tretet ûf eine rippe, welt ir niht ertrinken: der wîn muoz in mich sinken, sam in die dürren erde.
Seifr. Helbling 1, 347 (Haupt
zeitschr. 4, 11);
und ähnlich: min sêle ûf eime rippe stât, wâfen! diu von dem wîne drûf gehüpfet hât. Steinmar 1, 5 (
minnes. 2, 154
Hagen). II@22)
für das aus der rippe geschaffene weib. den übergang veranschaulichen folgende stellen: Adam. kannst du so schöne sachen, o lieber gott und herr, aus meinen rippen machen, so nimm der rippen mehr! komm her mein liebe rippe, sei tausendmal willkomn.
des knaben wunderhorn2 2, 423; o herr, thut mich verschonen, ich kann ja nichts dafür, die rippe hats gethan. 424.
so in älterer sprache häufig Adams ripp
für Eva: dem ist der künec von Rôme gesippe von der alten Adams rippe.
Renner 13386.
dann allgemein für weib: dum wann,
canis de narr,
rodit onsinnig ist,
os uber Adamsz ripp,
odit er hasset,
socium synen mitesser,
quem diligit, den das freichin lieb hat.
de fide meretr. 71;
in gleichem sinne, ohne diesen zusatz: gruszt mir eure liebe coste und sagt, dasz sie werde ein gerade und gelenke riebe. Luther
briefe 3, 129; es mus noch das guthlin Wachsdorff dahinter stecken und das der guth fromme herr durch die riebe bewegt wirdet, dan wie ich Albertum hinauf zu seiner erwirden geschickt, ist dieselbe auch dabei gewesen. Dief.-Wülcker 821
a (
v. 1545); eine gute nacht mein lieber man .. gott zahl euch solche trew und lieb mit einer andern frommen rieb. B. Ringwald
tr. Eckart N 8
a; jetzt reicht dir deine riebe den letzten abschieds-kuss. Günther 1082; dasz ich meine theure riebe mög umfassen mit der liebe.
brüdergesangbuch von 1735 2114, 4.
mundartlich rip
als scheltwort für ein böses weib Seiler 239
a. Hunziker 206.
vielleicht spielt hier die bedeutung '
dürrer, hagerer mensch'
hinein, vgl. unter 3.
aus der anwendung von Adams rippe
beim ausdruck der verwandtschaft aller menschen von Adam her, wie z. b.: si sint mir alle sippe von dem Adâmes rippe.
Parzival 82, 2,
entwickelt sich im mhd. ein freierer gebrauch von rippe: lâ einen sîn geborn von küneges rippe: er enhabe friunt, waʒ hilfet daʒ? Walther 79, 20,
wo das wort einfach den sinn '
abkunft, geschlecht'
annimmt. II@33)
collectiv. in älterer zeit zur bezeichnung der gesamtheit der rippen an einer körperseite: so miʒ den ubir dîn herze in modum crucis unde von dem brust leffile zuo deme nabile. unde miʒ denne von eime rippe unz an daʒ andire. unde sprich alsus. Wackernagel
altd. predigten 76, 10;
mit schwacher flexion: die rieben er dô beide schiet, beid' er sie von dem rucke schriet.
Tristan 2905.
das ganze rippenwerk ist wol gemeint, wenn es heiszt: des wart Paris gewar und slûc einen phîl dar, in daʒ rippe er in schôʒ. H. v. Fritslar 5747; und mit deme schafte an dem rippe behafte. 6796. rip
n. für das gesamte knochengerüst Hunziker 206. II@44)
besonders in pluralischer anwendung nähert sich das wort häufig der bedeutung von pectus oder latus: riebe
etiam pro ipso latere hominum ponitur. Stieler 1609;
im Teutonista (1475)
glossiert weicke ribbe
hypochondria Dief. 276
b; einem in die rieben stoszen,
corpori ictus infigere. Stieler 1609; he stött hum in die ribben,
auch figürlich, er erinnert ihn an etwas, mahnt ihn ten Doornkaat-Koolman 3, 33
a; stosz ihm was in d'rippen,
besteche ihn mit geld Hügel 129
a; einem etwas in die rippen schmeiszen,
in gleicher bedeutung Spiesz 196; es hette raus gemust und wenns in ribben gesteckt hette. Schoch
studentenleben D; ich will dir das herz aus den rippen stampfen. Schiller
räuber 5, 1
schauspiel; ich soll meine rippen pressen in eine schnürbrust. 1, 4
trauersp.; die rippen wagen
soviel als das leben wagen: wollt ihr eure rippen für ihn wagen? Göthe 8, 244; doch strigelt mancher offt so ruch das jnn der hengst schmytzt in den buch oder gytt jm ein drytt jnn die ryppen. Brant
narrensch. 100, 27; oder drückt' an ihre rippen sie mich als den dudelsack. Hölty 207
Halm; auf, sklaven! reiszt das herz ihm aus den rippen. Wieland 22, 222; dem wassertrinker mit solcher kost schwellt auf die spakrigen rippen. E.
M. Arndt
ged. 45.
seltener ist in dieser bedeutung der sing.: ein andermal mach ichs ihm (
einem hunde) auch wieder so, und werf ihn mit einem stein so derb an die ripp, dasz er vor wuth von der kette reiszt. Schiller
räuber 1, 2
schauspiel. II@55)
freier gewendet für den ganzen menschen. als bezeichnung eines kleinen, zarten kindes: daʒ junge murwe rippe (
Christus) lac ûf dem herten houwe. H. v. Langenstein
Martina 27, 64.
als scheltwort: pack dich von mir, du schelm, du dieb, schad ists, dasz du, ein ganze rieb, hurensohn, mich um mein fasznacht bringst. Opel
u. Cohn 116, 116. II@66)
übertragen auf die krummen hölzer, an welchen die seitenbretter eines schiffs befestigt werden. ursprünglich wol nl. und nd. ribben van t'schip,
cinctus, subligaculum Kilian; rippen, innen im schiff,
ligna curvata, quae latera tenent Frisch 2, 122
b.
brem. wb. 3, 485. Dähnert 379
a.
von den anwohnern des eismeers: dagegen wenden sie es (
das treibholz) als stützen ihrer hütten an, .. ferner zu den rippen ihrer fahrzeuge. Kant 9, 219; dränget nicht oft Poseidon den kiel des schiffes gewaltig nach der verderblichen Syrt' und spaltet planken und ribben? Göthe 40, 352. II@77)
im pflanzenblatt die costae oder venulae folii. mndl. ribbekens der blaederen,
fibrae Kilian; rippen in der haut der baumblätter,
venulae quae foliorum cuticulas distinguunt Frisch 2, 122
b;
z. b. im blatte der tabakspflanze. öconom. lex. (1731) 2030; doch breitet sich die fernere ausbildung unaufhaltsam von knoten zu knoten durch das blatt aus, indem sich die mittlere rippe desselben verlängert und die von ihr entspringenden nebenrippen sich mehr oder weniger nach den seiten ausstrecken. Göthe 58, 29; stille zieht sich der trieb der strebenden ränder zurücke, und die rippe des stiels bildet sich völliger aus. 1, 327. II@88)
allgemein für schmale, längliche, aus einer glatten oberfläche hervortretende streifen. Lübben
mnd. handwb. 300
a; rippen
oder ribben
auf blechernen geschirren Jacobsson 3, 424
b;
für schmale, längliche erhöhungen des bodens unter wasser 7, 71; die schalen (
der muscheln) sind weisz, zerbrechlich und auf der oberfläche mit rauhen gekerbten rippen versehen. Oken 5, 286.
hieraus erklären sich auch manche der unter 11
angeführten bezeichnungen. II@99)
wie das nord. rif (
von uns als riff
übernommen, s. oben sp. 955)
entwickelt in jüngerer zeit auch rippe
die bedeutung costa saxi: die aussicht wird in der nähe und ferne von kahlen und auch meistens mit schnee bedeckten rippen und klippen eingeschränkt. Göthe 16, 300; du muszt des felsens nackte rippen packen. 12, 206; auf der felsen nackte rippen klettert sie (
die gazelle) mit leichtem schwung. Schiller 11, 403; schäumend brach sich der flusz an des ufers steinernen rippen. Körner 2, 192. II@1010)
die sich kreuzenden bogen eines gothischen gewölbes. Jacobsson 3, 411
a.
freier gewendet: wie zuletzt jede rippe, jeder knopf als blumenknauf und blattreihe, oder als irgend ein anderer im steinsinn umgeformtes naturgebilde erscheint. Göthe 25, 268. II@1111)
verschiedene rein technische bezeichnungen: II@11@aa)
die eisernen schienen am treibhut im hüttenwerk, welche die bleche desselben zusammenhalten. Jacobsson 3, 424
b. II@11@bb)
in Jever- und Seeland rasenstücke, welche auf das watt gelegt, als schlickfänger dienen. Jacobsson 7, 78
a. II@11@cc)
die wagerechten hölzer in den siel- oder schleusenthüren. ribben Jacobsson 3, 411
b.
brem. wb. 3, 485. II@11@dd)
in der kriegskunst die balken, die zur unterlage der stückbettung dienen. Jacobsson 1, 152
a. II@11@ee)
die zeichnung des durchschnitts einer glocke. Jacobsson 3, 411
a. II@11@ff)
die starken einschlagfäden, wodurch gewisse zeuge erhabene fadenstellen erhalten. ribben Jacobsson 3, 411
a. II@11@gg)
eine kleine erhöhung am barte französischer schlüssel. Jacobsson 6, 629
a.
s. oben unter nase
th. 7, 409. II@11@hh)
in Waldeck ein werkzeug, um den flachs von knoten zu befreien. Curtze 494
b.
vgl. riffel oben sp. 956. II@11@ii)
bei der eintheilung des fleisches am geschlachteten rind ist die dicke rippe
das stück zunächst dem bug, die dünne rippe
ein stück des hinteren theils, die falsche rippe
das fleisch zwischen 2
rippen. öcon. lex. (1731) 2033. II@11@kk)
mnd. rippe
als stück der rüstung zum schutze der brust: it. III helme it. 1 pAer rippen. Schiller-Lübben 3, 486
b.