schwadern,
schwädern,
verb. (
auch schwedern, schwidern, schwudern),
in älterer sprache und in mundartlichem gebrauche. schwadern,
strepere Diefenb. 555
c,
ebenso Maaler 364
d. Schottel 1411. Steinbach 2, 532. 11)
die ursprüngliche bedeutung des wortes scheint sich auf plätschernde bewegung von flüssigem, auf das schwanken, überschwanken von flüssigem, schwappen zu beziehen (
vgl.schwabbern,
schwabbeln u. ä.).
es wird in den mundarten intransitiv und transitiv gebraucht; schwadern, schwedern, schwidern (
zunächst von flüssigkeiten)
überschwanken, überflieszen, plätschern Schm. 2, 624; schwudel (
Allgäu),
überflusz 625; schwadern,
plätschern, stark regnen; g'schwader,
n. starker regengusz; sehr verdünntes geistiges getränk Lexer 228 (
vgl. zweites schwader); schwadern,
beim baden plätschern Schmid 485; schwadern,
mit geräusche sich bewegen, von flüssigkeiten, wenn sie in einem gefäsze sich bewegen und mit einem klatschenden schalle an die seiten desselben anstoszen; im oder mit dem wasser planschen. Stalder 2, 357; schwadera,
von flüssigkeiten, sich plätschernd bewegen; von wasserthieren, sich unter geplätscher im wasser bewegen. Tobler 401
b; schwadere,
im wasser herumhantieren; öpis schwadere,
etwas im wasser umrühren, um es zu reinigen. die wäsche, nachdem sie durch die lauge gegangen und mit seife gewaschen worden, wird in reinem wasser g'schwaderet. Hunziker 234; schwadere,
im wasser herumfahren, mit den händen lebhaft kurze bewegungen machen, wie anfänger im schwimmen, gänse und enten mit schnäbeln und flügeln, wäscherinnen mit der wäsche. Seiler 266
a. schwadern, schwudern,
im wasser klatschen, plätschern; die wäsche ausschwemmen, schweifen. Weinhold 88
b; schwaddern,
überschwanken, überflieszen, vergieszen; stark regnen. Frischbier 2, 326
a; der wein schwadert im glase. Kramer
deutsch-ital. dict. (1702) 2, 694
a; schwadern,
profundere aquam, strepitum facere movendo aquam; schwadern, im nassen koth,
turbare aquas, in aqua coenosa versari Frisch 2, 239
c; sich schwadern: so kotzen sie (
die kuttelfische) viel der dinten herausz, schwaderen sich darin. Geszner-Forer
fischb. (1598) 112
a;
überschwanken lassen, vergieszen: wenn sie aus unvorsichtigkeit aus dem kelch schwadern.
Simpl. 3 (1684), 882; geschwädert voll,
zum überlaufen voll Frisch 2, 239
c; geschwadert, geschwidert voll Schmeller 2, 624;
vom regen: der wolken nasses schwadern tett mich im wasser pfladern.
Friz von Zolre, her. v. Laszberg. s. 35, 23.
von weicher, schwankender, schwappender masse: der mensch, das gras
etc. ist so fett, dasz 's all'n schwadert. Schmeller
a. a. o. von schwankendem gange: schweddern,
kraftlos einhergehen, z. b. von einem kränklichen, schwachen greise. Frommanns
zeitschr. 6, 482 (
Lippe). 22)
aus dem angeführten erklärt sich die anwendung von schwadern, schwedern
im sinne von ingurgitare, schlemmen, prassen, saufen: schwedern,
et schwadern,
potare, helluari, pergrœcari, popinari Stieler 1979,
vgl. 1962; nacht und tag schwadern
ò schwedern Kramer
deutsch-ital. dict. (1702) 2, 694
a; vom früen morgen bisz inn die sinckende nacht, und offt uber die halbe mitternacht in sich geschwedert. Mathesius
Sar. (1571) 11
b; schweddert und geuszet in sich, wie in einen laugensack.
Syrach (1586) 1, 116
a; so war doch des sauffens, schwederns, und uberflusz nicht so vil.
hochzeitpred. (1579) 25
a; schwedert in sich wie ein laugensack. Fischart
Garg. 165
a; es würde nun viel tag' anander weidlich müssen gepanketiret seyn, geschwadert und gezecht. W. Scherffer
ged. 60 (
und öfters, s. Drechsler
W. Scherffer 239). 33)
übergehend in die bedeutung schwatzen; in diesem sinne schwadern
und schwedern
bei Stieler 1979,
vgl. Frisch 2, 239
c; schwadern, schwedern, schwidern Schm. 2, 624, schwedern Höfer 3, 122, schwdern Hügel 145
b, schwadern, schwudern,
schwatzen; geschwader, geschwuder,
geschwätz Weinhold 88
b; schwaddern Schemionek
Elbingsche mundart 37. Frischbier 2, 326
a. Wander
sprichw.-lex. 4, 410; er mag nit betten, er hat ein blöd haupt und ein enge brust, ia zebetten. aber nitt sunst zesuaderen unnd zeclapperen. Keisersberg
narrensch. (1520) 172
a; obnen hyn schwadren.
postille (1522) 2, 7
b; vil schwetzen und klappern. als da ein mensch muosz geschwadert haben, und tadert und tadert on underlasz.
sünden des mundes (1518) 74
a; das man nit reden sol, so ist des schwadern zevil. 76
c; vil schwetzen unnd schwadern, daʒ im daʒ maul alwegen uff und zuo gang, wie der schwantz einer wassersteltzen. 81
b; schwaddert nit leichtlich herus.
brösaml. 2, 73
a (1517); so sie es selbs nit hören noch verstAend, eben dann wann sie es mit dem mund schwaderen. Franck
mor. enc. 59; dann so schwadert der pfaff ein vigilg hereyn, die weder er selbs, gott, noch die menschen verstehn.
weltb. 134
a; daher geschwadert und geschnadert.
Simpl. (1685) 1, 9 (1, 1, 2); schwadert man ohne auffhören daher. 271 (1, 3, 6); komm, eil und lasz uns nit lang schwedern. Sachs
fastn. sp. 3, 23, 242
neudruck; keine, die getreulich schwadert, gutten schwestern sich vergadert. W. Scherffer
ged. 558.
von schnatternden enten: im schilfe schwadert eine entenschaar und kündet frühen winter diesem jahr. K.
F. Meyer
Huttens letzte tage (1872) 119. 44)
die regelrechte hochd. form würde schwattern
sein, s. Lexer
mhd. handwb. 2, 1345;
vgl.schwatteln,
überschwanken, plätschern. Schm. 2, 652
aus Schmid 485; schwetten,
pferde schwemmen Stalder 2, 363;
vielleicht auch schwette,
piscina, abusive bei Dasypodius; schwättig, schwattig,
feucht-schwankend (
sumpfboden, weichere fleischtheile),
schwammig, feucht, faulig (
vom holze). Schmeller
a. a. o. s. auch
N. von Reuenthal
her. v. Haupt 110.
verwandt ist schwatzen;
ferner nld. zwadder,
geifer, schaum; zwadderig,
schmutzig (Franck
et. woordenb. 1225; zwadderen,
geifern, geifernd sprechen. ferner mundartlich im sinne von plätschern, verschütten, schlampen, schwanken u. ä.).
den nd. mundarten scheint swaddern
fremd zu sein. Woeste 265
a bezeugt swatertrine,
schwätzerin; vgl.: mit deins gleichen schwader greden. Sachs
fastn. sp. 2, 67, 266
neudruck.