[]sphinx ,
f. name eines fabelwesens der griechischen sage, als mischgestalt aus mensch und löwe gedacht und gebildet. 11)
formales. 1@aa)
lat. sphinx,
wofür mittallat. sphinga
und spinga
geschrieben, bezeichnet auch eine art affen, vgl.: spinx ... eyn merwunder, -katz(e), schedlich wunderthier, affengeschlecht. Dief.
gloss. 547
b; merspinne, -katz, ein hell vogel.
nov. gloss. 345
b.
daher stammt wol spinge
in Lamprehts
Alex., der es allerdings als vogel betrachtet: sitige unde spingen, di sprechent unde singen. 5559
Kinzel, vgl. die anm. von Zacher. (
die Straszb. handschr. hat übrigens springen,
die Baseler bearb. spengelin.)
es wäre dies der einzige beleg des wortes im älteren deutsch; sonst begegnet es erst nhd., und zwar ganz vereinzelt bei Fischart,
wo noch die alte schreibung neben der gelehrten steht: andere meynen, es komme von der rähters (
rätsel) aufgebende spynge zu Thebe, welche mörspinn sich ins mör gestürtzt hat, da jhr der blutschänderisch und vattermörderisch könig Oedipus jhr im auffgeben rähters vom thier, welches dreyzehen fuosz eins tages abwechsselet, auffgelöszt gehabt. ... das aber dise sphynx ein teuffelsgespenst gewesen sey, gibt es nit allein die jr angedicht scheutzliche gestallt, das sie ein haupt und händ gehabt wie ein jungfraw, ein leib wie ein hund, fluogel wie ein vogel, nägel wie ein löw, ein schwantz wie ein trache, und sprach und stimm wie ein mensch.
Bodin 67,
dazu am rande: spynx. daher das wort gspingst. sonst schreibet Albertus Magnus und Solinus dz sphynx ein affengeschlecht sey. (
die schreibung spinx
auch im ältern engl., s. Skeat 580.)
dann erst wieder vereinzelt bei Lohenstein,
regelmäszig erst seit der klassischen periode (Winckelmann, Lessing, Wieland
u. s. w.). 1@bb)
das geschlecht ist anfangs masc., so bei Lohenstein, Winckelmann, Lessing, Wieland, Herder, Göthe, A. W. Schlegel,
s. die belege. Schiller
und Platen
dagegen gebrauchen es als fem., und so heute ausschlieszlich; ersterer auch, ganz ungewöhnlich, als neutr.: in den egyptischen mysterien stiesz man ferner auf gewisse hieroglyphische götterbilder, die aus mehreren thiergestalten zusammengesetzt waren. das bekannte sphinx ist von dieser art. Schiller 9, 111. 1@cc)
der plural heiszt gewöhnlich sphinxe,
so bei Winckelmann, Lessing, Göthe, Schiller,
s. unten; seltner und weniger gut in nachahmung der gr.-lat. flexion sphingen: nenne sie lieber das missgeschöpf eines geschwächten gehirnes, mit den sirenen und sfingen verwandt. Wieland
suppl. 2, 357 (
br. v. verstorb. 5, 251); zwei sphingen ruhn an der verborgnen schwelle, das götterhaupt dem tierleib angefügt. Grillparzer
5 1, 228. 22)
bedeutung. 2@aa)
die heimat der sphinxe
scheint Ägypten zu sein. hier wurden sie gebildet als löwen mit manneskopf, der eine königsbinde trägt, zuweilen auch mit widderkopf; sie wurden in reihen zu beiden seiten der tempelstrasze aufgestellt, offenbar als wächter des eingangs, vgl. Perrot-Chipiez
gesch. der kunst im alterth. Ägypten bearb. v. R. Pietschmann (1884)
s. 665—7 (
s. das reg.),
s. ferner Jablonski 736
a. Eggers 2, 947. Jacobsson 4, 206
b f. Krünitz 157, 269
ff. diese ägyptischen sphinxe
sind also männlich (
ἀνδρόσφιγγες Herodot. 2, 175): der aus einem steine gehauene egyptische sphynx, dessen kopff 122. füsse dick, 143. lang, und 162. hoch seyn soll. Lohenstein
Armin. 1, 611
b; unter diesen (
thieren der ägyptischen kunst) sind sonderlich anzuführen ein groszer sphinx von basalt, in der villa Borghese, ein anderer groszer sphinx von granit unter den königlichen alterthümern zu Dreszden. ... gleichwohl sind die hieroglyphen auf der base des sphinx zu Dreszden ... deutliche anzeigen ägyptischer werke. die sphinxe an dem obelisko der sonnen ... sind in eben dem stil. Winckelmann
gesch. der kunst des alterth. (1764) 41; (
unrichtig ist die angabe:) die sphinxe der Aegypter haben beyderley geschlecht, das ist, sie sind vorne weiblich, und haben einen weiblichen kopf, und hinten männlich, wo sich die hoden zeigen. ... ich zeigete dadurch die erklärung der bisher nicht verstandenen stelle des poeten Philemon, welcher von männlichen sphinxen redet, sonderlich da auch die griechischen künstler sphinxe mit einem bart bildeten. 46,
vgl. dazu Lessing 11, 115
f.; wachend am tempel liegt der basaltene löw' und der granitene sphinx. A. W. Schlegel
poet. werke 2, 50.
man dachte sich solche wesen lebend in der wüste: o, was ich am liebsten sehen möchte, sagte eine von den basen, das
[] wäre ein lebendiger sfinx! — sie müssen deren wohl viele in Ägypten gefunden haben? Wieland 19, 107 (
Abderiten 1, 10). 2@bb)
weiter hat sich die gestalt der sphinx
nach Vorderasien und Griechenland verbreitet; hier gewöhnlich mit weiblicher bildung des kopfes und der brust, sowie mit flügeln; das geschlecht ist bei unsern ältern autoren trotzdem männlich (
vgl. oben): vor dieser pforte lag ein grosser sfinx von weissem marmor, in dessen offnen mund alle, welche die profetin um etwas befragen oder ersuchen wollten, ein papier steckten. Wieland 27, 131.
besonders bekannt ist die Sphinx
in der Oidipus-sage: sphinx, war ein weibliches monstrum, so die Echidna mit dem Typhone gezeuget, sein gesichte, hals und brust, war wie eines weibes, schwantz und füsse wie eines löwens, die federn aber gleich eines adlers. pflegte denen vorbey gehenden auf den sphingischen berge bey Thebas, viel rätzel vorzulegen
u. s. w. frauenz.-lex. 1877,
vgl. Büchmann
20 103
und Fischart
unter 1,
a: wie wenig hat der dichter (
Sophokles) diesen fürchterlichen stoff benutzt! ... sogar die sphinx gestrichen, die auf's publicum den tiefsten eindruck machen müszte. Platen 281
a (
der romant. Oedipus 1).
als griechische fabelwesen hat sie Göthe
in seine '
classische Walpurgisnacht' (
Faust II, 2)
aufgenommen: Mephistopheles (hat sich zwischen die sphinxe gesetzt). 41, 117; die sphinxe schamlos, unverschämt die greife. 116; ein sphinx wird sich daran nicht kehren. 138; Faust hat sich ins gespräch mit einer, auf den hinterfüszen ruhenden sphynx eingelassen, wo die abstrusesten fragen durch gleich räthselhafte antworten ins unendliche gespielt werden. ... nun erscheinen unzählbar vermehrt sphynxe, greife und ameisen.
paralip. 123 (15, II,
s. 204
Weim. ausg.),
vgl. Strehlke
Faust-wb. 128. 2@cc) sphinx
in der bildenden kunst, zunächst in darstellungen der Oidipus-scene: s. 267 gedenkt W. (
Winckelmann a. a. o.) des von dem grabmal der Nasonen noch übrigen gemäldes, als des einzigen, welches den Oedipus nebst dem sphinx vorstellt. Lessing 11, 119; Balemann hat auch eine kleine sammlung von gemmen, ... unter welchen ich einen onyx bemerkte, worauf ich den Oedipus mit seinen töchtern zu sehen glaubte. ... auf einem postamente steht ein sphinx; neben demselben ist ein alter mann hingesunken. 301.
doch auch sonst verwendet: steht nicht hier noch der dreyfusz auf schön geflügelten sphinxen? Schiller 11, 193 (
Pompeji u. Herkul. 36).
so noch in neuerer zeit. als siegel: der brief war mit einer sphinx gesiegelt. 4, 342.
im wappen, s. Siebmacher
wappenb. B (
herald. terminol.) 305
a ('
ungeheuer mit kopf und brust einer frau, löwenkörper und adlerflügeln'). 2@dd)
die sphinx
gilt, von der Oidipus-sage her, als symbol des rätsels und des geheimnisvollen: der sphinx war ein symbol des geheimniszvollen und sprach selbst räthsel. Herder 27, 17
Suphan; das schicksal selbst aber sandte ihr (
der Pallas) als der einzigen und besten ausführerin seiner rathschlüsse ein sinnbild edlerer art, den sphynx, das bild einer verborgenen weisheit. 28, 156 (
schlusz der paramythie der sphinx. eine erd- und menschengeschichte. 147).
daher übertragen, schon in der antiken dichtung: es hat jemand einen koch gemiethet, der sich in lauter Homerischen worten ausdrükt, die der, der ihn gemiethet hat, nicht versteht. ich habe einen männlichen sphinx, und nicht einen koch, nach hause gebracht: sagt dieser also von ihm ... eben, weil alle sphinxe für weiblich gehalten wurden, wird hier der unverständliche koch ein männlicher sphinx genannt. Lessing 11, 116; die köpfe alle, die dort auf den thoren zu sehen sind, gehörten prinzen an, die toll genug das abentheuer wagten, und kläglich ihren untergang drinn fanden, weil sie die räthsel dieser sphinx zu lösen nicht fähig waren. Schiller 11, 353 (
Turandot 1, 1).
in anderm sinne, weniger deutlich: die eigenliebe macht den menschen träge; und will der träge leben, zwinget er sich weise, mächtig, gut zu scheinen. er vernichtet was er ist, und wandelt sich in einen sphynx, reich-überdeckt mit ehren, und gold und schmeichelei. Herder 27, 336 (
Campanella). 2@ee)
in der zoologie bezeichnet sphinx
die dämmerungsfalter, d. h. schmetterlinge, die zur zeit der abend- und morgendämmerung fliegen. Campe
ergänzungswb. Behlen 1, 442. Krünitz 157, 271—9 (
gr.-lat. bezeichnung einer affenart, s. 1,
a).