wespe,
f. ,
vespa L., das bekannte insekt. herkunft und form. ahd. wafsi, wefsi, wefsa;
mhd. wefse, wefz, webse, wespe;
and. waspa, wespa, (h)wepsia (
belege s. u.)
; mnd. wespe, wispe Schiller-Lübben 5, 743; wopse
ebda 768;
mnl. wespe Verwijs-Verdam 9, 2352;
nl. wesp
f., dial. auch weps(ə), wips(ə) Franck-van Wijk
etym. woordenb. 789;
ags. wæps, wæsp, wæfs
m. Bosworth-Toller 1156
b;
engl. wasp,
dial. waps(e), wops(e) Murray 10, 2, 135
a;
schwed. dial. väffs, väspe, väss
m. Rietz
svenskt dialekt-lex. 825
b;
altdän. hwæfsæ,
älteres dän. vespe,
[] vispe,
ndän. hveps,
dial. hvevs(e)
ordbog over det danske sprog 8, 822;
norw. kveps, kvefs, kveks, veps (
u. anders)
m. Torp
nynorsk etym. ordbok 343.
dazu stellen sich avest. vawžaka-
m., etwa '
skorpion'
; baluči gvabz '
biene, wespe, hornisse'
; lat. vespa (<
*vospa);
abret. guohi,
corn. guhien;
lit. vapsà,
apr. wobse,
ksl. osa (<
*vopsa) '
wespe',
aus denen sich idg. *obh(e)so/ā (
zur wurzel *ebh- '
weben'
vom gespinstartigen wespennest)
ergibt, s. Walde-Pokorny 1, 258; O. Paul
wörter u. sachen 20 =
n. f. 2, 34
ff. daneben ist mit schon vorgerm. assimilation zu *opso/ā
zu rechnen. auf eine u-s-
ableitung von *ebh-
deutet möglicherweise der name Vabusoa
auf den Utrechter tafeln (Gutenbrunner
d. germ. götternamen der antiken inschriften [1936] 67
u. anm. 2);
über Specht
s annahme einer ableitung mit t
statt s
siehe unten. frz. guêpe
ist im anlaut vom germanischen beeinfluszt, vgl. Gamillscheg
etym. wb. d. frz. spr. 496; Meyer-Lübke
rom. et. wb. 39272.
and. huuepsia
vespa (11./12.
jh.)
ahd. gl. 4, 210, 42
St.-S., sowie altdän. hwæfsæ,
ndän. hveps,
norw. kveps
weisen auf eine nord.-nd. nebenform mit anlautendem h. —
unumgelauteten stammsilbenvokal zeigen nur uuafsi
vespas (
alemannisch 9.
jh.)
ahd. gl. 1, 554, 25
St.-S. und and. uaspe
fucos (10.
jh.) 2, 716, 44,
während die übrigen ahd. und and. belege e
bieten, z. b.: uuefsa
uuespa (
voc. St. Galli, 8.
jh.) 3, 6, 65; uuefsi
uespa (9.
jh.) 4, 176, 10.
in uuefsa
könnte dieses e
auch altes ë
sein (
dazu lat. vespa?),
da nach Lessiak
beitr. z. gesch. d. dt. konsonant. 242
z. b. die bair. maa., soweit sie noch ë
und e
scheiden, auf altes ë
weisen. dagegen deuten uuafsi, uuefsi
auf einen ja-
st. (
weniger wahrscheinlich jō-
st.),
and. (h)uuepsia
auf einen jō-
stamm. mundartliches a
ist teils aus ë
entstanden: bappšə Tschinkel
Gottschee 173;
teils bleibt seine herkunft offen: wafftz
oestrum (1440,
md.) Diefenbach
gl. 393
c; wašpə Martin-Lienhart
elsäss. 2, 875; waspə Martin
Rhoden 282.
rundung e > ö
zeigen: wösp Fischer
Samland 98; wöpse Keller
Thür. waldgeb. 48.
häufig im nd., vereinzelt auch im md. geht ẹ
in i
über (
vgl. Sarauw
nd. forschg. 1, 98): wispe
vespe (13.
jh., westfäl.)
ahd. gl. 3, 721, 12
St.-S.; wispen (
pl.) Petri
d. Teutschen weiszh. (1605) I i 4
a (
aber: wespen
ebda Ppp 2
a); wispe (1414,
md.) Diefenbach
gl. 393
c; wipse Schmoeckel-Blesken
Soester Börde 336. —
auf ursprünglich offene silbe (
und damit alte dreisilbigkeit s. unten)
weist die im nd. begegnende dehnung des stammsilbenvokals: weespe (1420,
nd.) Diefenbach
gl. 615
c; vbs Mensing
Schleswig-Holstein 5, 596; wiəspe, wiəpse Woeste-Nörrenberg
westfäl. 323.
vereinzelt begegnet in maa. kontraktion des stammsilbenvokals mit dem folgenden labial: weussún Schmeller-Fr.
bair. 2, 830; weus Mensing
Schleswig-Holstein 5, 596; waus
ebda 548 (
vgl. Foerste in:
dt. philologie im aufrisz 2 [1954] 2038).
die konsonantengruppe labial (
urgerm. B
und f) + s
erscheint als fs
im ahd.: uuefsa
uuespa (
vocab. St. Galli, 8.
jh.)
ahd. gl. 3, 6, 65
St.-S.; uuefsa
uespello (9.
jh.)
ebda 4, 229, 21; uuefsi
uespa (9.
jh.)
ebda 176, 10;
im mhd.: wefse Hugo v. Trimberg
d. renner 19 743
lit. ver.; vefsen (
pl.) Konrad v. Megenberg
buch d. natur 309
Pfeiffer; vereinzelt noch im frühnhd.: weffs, wesp
vocab. theut. (
Nürnberg 1482) nn 3
b;
sowie mundartlich: wéfs Schmeller-Fr.
bair. 2, 830.
dafür tritt seit dem spätmhd. vor allem im schwäb.-elsäss., vereinzelt auch im md. fz
auf: wefz
vespa (
Heinrici summar. 13./14.
jh.)
ahd. gl. 3, 291, 24
St.-S.; weftz
vespis (1440
md.) Diefenbach
gl. 616
a; wefczen (
pl.) Steinhöwel
Äsop 211
lit. ver.; literarische quellen zeigen die form bis zum ende des 17.
jhs.: wefftzen (
pl.)
frantzös. Simplicissimus (1683) 2, 1;
heute ist sie (
vielfach mit einem g-
suffix)
mundartlich noch im schwäb., elsäss., pfälz. bewahrt: wefz(g)e Fischer
schwäb. 6, 530; wëfz Martin-Lienhart
elsäss. 2, 795; wefze (
Mannheim)
wörter u. sachen 20, 34. — ps-
formen zeigt zufrühest das nd.: uuepsia
cretobolus und huuepsia
vespa (11./12.
jh.)
ahd. gl. 4, 198, 50; 210, 42
St.-S.; mnd. wopse Schiller-Lübben 5, 768;
in den modernen nd. maa. ist die form (
gelegentlich mit einem [] k-
suffix vgl. Henzen
dt. wortbildung 143)
reich belegt: wepse Richey
id. Hamburg. (1755) 338; wepse, wepske,
auch wöpse
brem.-nieders. wb. 5, 231; wepse, weps Doornkaat Koolman
ostfries. 3, 536; wiəpske
f., wipse Woeste-Nörrenberg
westfäl. 323.
seit der spätmhd. zeit ist die ps-(bs-)
form auch im hd. belegt: websen (
pl.) Konrad v. Megenberg
buch d. natur 291
Pfeiffer; 293; 294; webssen (
pl.) Suchenwirt
w. 36, 68
Primisser; websen (
pl.) Hans Sachs 12, 59
lit. ver.; 21, 314.
literarische und lexikalische quellen zeigen sie bis ins 18.
jh.: eine wespe
vespa, quod alia dialecto dicunt wepse Stieler
stammb. (1691) 2566; wepsen (
pl.) Abr. a S. Clara
etw. f. alle 2 (1711) 286 (
aber wespen
ebda 413);
mundartlich ist sie (
ausser im nd., s. o.)
vor allem im bair.-österreichischen und ostmd., weniger im westmd. und nur vereinzelt im schwäb. verbreitet: wèpssún Schmeller-Fr.
bair. 2, 830; wẹps(e), weps(n) Schatz-
F. Tirol 699; wöps'n Castelli
Österreich unter d. Enns 267; wepse Müller-Fraureuth
obersächs. 2, 660; wëbs Crecelius
oberhess. 909; wE(ə)ps(ə) Fischer
schwäb. 6, 530. —
auch die sp-
form zeigt sich zufrühest im nd.: uuespa
vespa (10.
jh.)
ahd. gl. 3, 458, 51
St.-S.; so auch im mnd.: wespen (
pl.) Gerhard v. Minden 49, 167
Seelmann; und in den nd. maa.: wespe Damköhler
Nordharz 226; wepse, wespe Böning
Oldenburg 131.
im hd. ist sie seit dem 12.
jh. belegt: wespa
uespella (12.
jh., Salomon. gloss.)
ahd. gl. 4, 108, 31
St.-S.; wespen (
dat. pl.) Lamprecht
Alexander 3200
Massmann; websen oder vespen Konrad v. Megenberg
buch d. natur 292
Pfeiffer; von den mucken und bespen Arigo
decamerone 154
lit. ver.; vespa ein wesp Alberus
nov. dict. (1540) Xx 3
b.
in den literarischen quellen nehmen die sp-
formen ständig zu, haben sich aber erst zu beginn des 18.
jhs. endgültig durchgesetzt. mundartlich ist -sp-
im md., im südwesten des bairischen, im elsässischen, vereinzelt auch im schwäbischen bezeugt: wäsb
e Heinzerling-Reuter
Siegerland 321; wsbə Polenz
Altenburg 70; wšpm Insam
Burggrafenamt von Meran 24; wësp(e) Martin-Lienhart
elsäss. 2, 875; w'ẹsp Fischer
schwäb. 6, 531;
ferner (
beim diminutivum)
in den nördlicheren schweizerischen maa.: wæšpi
n. Weber
Zürcher Oberland 34;
dazu das wespe Maaler
teutsch spraach (1561) 490
b;
während südlichere maa. statt des labials in der konsonantenverbindung sp
guttural zeigen (
dissimilation zu anlautendem w?
vgl. Hotzenköcherle
Mutten 328): wæšgi
n. Wipf
Visperterminen 169; wæški
n. Brun
Obersaxen 33;
guttural erscheint (
noch ohne metathese)
auch sonst in obd. maa.: wæchsi
n. Stucki
Jaun 50; 187;
vgl.wächse
teil 13,
sp. 79
sowie unter 2wespel.
vereinzelt tritt st
für sp
auf (
dissimilation wie oben?): westen,
vulgariter websen,
vespa ... wespen
vocab. incip. teut. (
Speyer um 1485) nn 8
b; wäspe,
auch wäste Müller-Fraureuth
obersächs. 2, 660.
assimilation >ss
begegnet häufiger im bair.-österr. und im ostmd.: wessen Höfer
Österreich 3, 288; wessə Schatz
Tirol 36; wersche, wesse Unger-Khull
steir. 630; wæs Gerbet
Vogtland 296.
in verschiedenen bair.-österr. und ostmd. maa. finden sich —
anscheinend sehr alte —
dreisilbige formen: wéwəss(n) Schmeller-Fr.
bair. 2, 830; wöwəsa (
Kärnten)
PBB 28, 88; webes, webese Unger-Khull
steir. 621; wewise, wẹiwes Schatz-
F. Tirol 701; wǣbəs Gerbet
Vogtland 130; wēwəs (
veraltend)
ebda 179; wēws
ebda 280; wiwese Hertel
Thür. 257.
das verhältnis der verschiedenen formen der inlautenden konsonantengruppe zueinander ist nicht eindeutig klar. nach Kluge-Mitzka
etym. wb. 17857
ist von germ. *wafs- (<
vorgerm. *ops-),
*waBis- (<
idg. *obhes-)
neben *waBit- (
mit t-
suffix)
auszugehen. auf *wafs-
gehen die dt. formen mit -fs-
zurück, aus denen nach Wilmanns
dt. gramm. 31, 130
die ps-
und durch metathese die sp-
formen entstanden sind (
vgl. dieselbe erscheinung in den andern germ. sprachen sowie bei trespe
und mhd. refsen).
nach Kluge-Mitzka
a. a. o. hat sich die sp-
form im dt. unter einwirkung des lat. synonyms vespa
durchgesetzt, wohingegen ältere ansicht (
so J. Grimm
dt. gramm. 3
[] [1831] 366)
noch entlehnung aus lat. vespa
annahm. zu erwägen ist auch einflusz der synonyma 2wespel (
s. d.)
und 3wispel. Lessiak
beitr. z. gesch. d. dt. konsonantismus 242
führt auszer den dreisilbigen wortformen auch die ps-(bs-)
lautungen auf ein von ihm angenommenes urgerm. *wëBes-
zurück. zumindest für die nd. ps-
formen ist diese herleitung jedoch abzulehnen; nur wews Mensing
Schlesw.-Holstein 5, 596
liesze sich darauf zurückführen. —
vereinzelte schreibungen mit pfs
erlauben schwerlich eine besondere grundform: wepffgs
vespello (
vor 1476)
ahd. gl. 4, 108, 32
St.-S.; wepffcz
vespa (15.
jh.) Fischer
schwäb. 6, 531. —
formen ohne s
finden sich in wepf
vespa (15.
jh., obd.) Diefenbach
nov. gl. 380
a;
und weffe
crecapulus (1421,
obd.)
ebda 118
a.
ndl. wip,
westfries. wup
wird von van Haeringen
in Franck-van Wijk
etym. woordenb., suppl. 193
als singularisierung des als plural aufgefaszten wips, wups
gedeutet. —
wegen der seit dem spätmhd. belegten formen mit (t)z
und des lokal begrenzten thür. wēwetzche,
f. (
nördl. Jena; pl.-chen)
urg. *waBit-
anzusetzen (Kluge-Mitzka
a. a. o.; Specht
ursprg. d. idg. deklination [1944] 45
f.; 229; 234),
erscheint unnötig; als erweiterung zu thür. webetze
wird wēwetzche
wie dieses mit dem suffix -itz
gebildet sein Kluge in:
zs. f. dt. wortf. 1, 276. —
eine kollektivbildung liegt vielleicht vor in: wefsich
vespa (
Heinrici summ., 12.
jh.)
ahd. gl. 3, 89, 27
St.-S.; 263, 3.
in ahd. uuafsi, uuefsi
ist wahrscheinlich masc. genus anzuerkennen, das auch im spätmhd. und frühnhd. neben dem fem. steht: von dem wefsen Konrad v. Megenberg
buch d. natur 309
Pfeiffer (
variante des 15.
jhs.: von der wespen
ebda 534); ainen gar groszen weffczen Steinhöwel
Äsop 244
lit. ver.; so auch noch in einigen maa.: der wéss (
Bair. Wald) Brenner-Hartmann
d. maa. Bayerns 2, 447; dr weps Wenisch
Nordwestböhmen 157;
f., auch m. Fischer
schwäb. 6, 530;
f. und m. Mensing
Schleswig-Holstein 5, 596.
vgl. auch das masc. im ags., schwed. und norwegischen. —
der sg. flektiert bis ins 16.
jh. hinein schwach: von einer wefftzen
V. Schumann
nachtbüchlein 172
Bolte; danach ist gelegentlich ein nom. sg. mit n
gebildet: ein grosse wespen Carlstadt
von bepstlicher heylichait (1520) B 3
b.
für den pl. ist ein st. akk. belegt in uaspe
fucos (10.
jh.)
ahd. gl. 2, 716, 44
St.-S.; sonst flektiert der pl. schon seit ahd. zeit stets schwach: (
et misisti antecessores exercitus tui)
uespas uuefsun (
bair., 10./12.
jh.)
ebda 1, 557, 41.
bedeutung und gebrauch. im engeren sinne bezeichnet wespe
die kleineren, kriegerischen arten der gattung vespa L. aus der familie der faltenwespen oder echten wespen (
besonders vespa germanica F., vespa vulgaris L. vgl. Brehm
tierl. 42, 584
zur Strassen),
während die gröszere und gefährlichere vespa crabro L. hornisse
heiszt. vgl.: ainen hurnüssel, das ist ainen gar groszen weffczen Steinhöwel
Äsop 244
lit. ver.; grote wespen, päerwespen
hornisse Frederking
Hahlen 34.
im weiteren sinne werden aber auch andere insekten aus der ordnung der hautflügler (
hymenoptera) wespe
genannt. vgl. z. b. die komposita blattwespe
teil 2,
sp. 81; goldwespe
teil 4, 1, 5,
sp. 866; schlupfwespe
teil 9,
sp. 848.
in einigen mundarten vertauschen wespe (
im engeren sinne)
und hornisse
die bedeutung: hornessel
wespe (
vespa vulgaris) Heeger
tiere im pfälz. volksmund (1903) 2, 15; wefze
hornisse (
vespa crabro)
ebda (
so auch bei: crabro wespe [1417,
nd.] Diefenbach
nov. gl. 117
b;
tabanus wespe [15. jh.,
obd.]
gl. 570
a?);
oder hornisse
übernimmt den bedeutungsbereich von wespe
mit (
so im rheinischen südl. d. Mosel),
die dann kleine hornisse
zum unterschied von der groszen, dicken
oder langen hornisse
heiszt. vgl. rhein. wb. 3, 836.
da auch im mittleren Nordthüringen hornisse-
ableitungen für '
wespe'
gelten (
mitteilung d. instituts f. mundartforschg. d. univ. Jena),
scheint sich die auffällige beobachtung, dasz Luther
in der bibelübersetzung nur hornisse
gebraucht, aus seiner Mansfelder heimatmundart zu erklären; die erste dt. bibel dagegen scheidet zwischen wespe (
vulgata: vespa
weish. 12, 8)
und [] hornisse (
vulgata: crabro exodus 23, 28;
deuteronomium 7, 20;
Josua 24, 12),
wie es auch die Zürcher bibel (1531)
und Dietenberger (
Mainz 1534)
tun. volkskundliches zur wespe
in hdwb. d. dt. aberglaubens 9, 503
f. 11)
als insekt; auch im bildlichen gebrauch sowie in vergleich und übertragung auf den menschen. meist sind wohl die kleineren staatenbildenden arten von vespa L. gemeint, die oft zu vielen tausenden in nestern zusammenleben: vespe haizent wefsen. die machent nest in hoehen auz horw und handelnt ir leben gern pei mist, der von den tiern und von den läuten kümt Konrad v. Megenberg
buch d. natur 309
Pfeiffer; die wespen machen ire nester ... von koth Eppendorff
Plinius (1543) 191; über den mit gras bewachsenen steigen ... hatten die wespen ihre ... nester aufgehangen Storm
s. w. (1899) 1, 70.
gefährlich ist das wëspe
n stupfe
n die wespen in ihren höhlen reizen Martin-Lienhart
elsäss. 2, 875.
davor warnt die redensart: me maut niəne wiepsken tergen (
reizen), dann steket se em ok nitt Woeste-Nörrenberg
westf. 323.
ähnlich: genug! wer wespen stört, kriegt beulen ins gesicht Canitz
ged. (1727) 92.
denn das tier ist sehr leicht reizbar: auffs letzt kam er an ... ein nest voll der grossen hornuseln und wespen, welche gantz unsinnig seyn, so sie erzürnet werden Kirchhof
wendunmuth 1, 298
lit. ver. daher häufig im vergleich oder bildlich von aufgebrachten menschen: als jhnen aber derselbige (
tribut) gäntzlichen abgeschlagen worden, sind sie ... wie die zornigen wepsen heuffig auszgefahren Megiser
annales Carinthiae (1612) 629; wenn die wespen über mich herfallen (
nach einem angriff auf das bestehende kirchenwesen), so wünschen sie mir geduld Schleiermacher
s. w. (1834) I 5, 43; und da die bauern wie rasende wespen sich nicht vertreiben lieszen, so wurden sie alle erschlagen Watzlik
pfarrer v. Dornloh (1930) 155.
die gereizte wespe sticht leicht: und (
die mücke) hat ein wessen (
scharfen) zagel lang, klein, spizig unde kranck, das ez nach der wespin site engit unde stichit mite und tuot den luten leidig vil Rudolf v. Ems
weltchron. 10 080
Ehrismann; also ist Gabriel ... mit listen uf ain wefzennest gehaiszen worden zu sitzen, welches er gethonn und übel von den wefzen gestochen worden
Zimmer. chron. 22, 296
Barack. sprichwörtlich: sieben wespen zusammen stechen ein rosz tot Scheffel
ges. w. (1907) 2, 94.
oft auf einen beharrlich stichelnden menschen übertragen: wo aber jemandt dise wefftzen (
die mönche) erzürnet, vnnd den hundt auffweckt, dann rechen sie sich fein auff offner cancel, vnd mit schelchen stichworten, treffen sie den feindt sogar verborgen, da niemandt nicht verstehet dann der gar kain verstandt hat, und hören nit auff zuo bellen S. Franck
morie encomion (s. l. e. a.) 56
a; was für ein lärm wird nicht unter ihnen aufgeschlagen, wann einer Winkelmannen, in nebendingen auf einem irrthume ertappt! arme wespen! Ayrenhoff
w. (1814) 6, 94.
ähnlich: wepsche '
keifiges frauenzimmer' Leithäuser
Barmen 170.
auch von stichelnden sentenzen oder beunruhigenden mitteilungen: nächsten mittwoch hoffe ich einen neuen musenalmanach zu schicken, wir lassen da, zu gleicher zeit, geflügelte naturen aller art, vögel, schmetterlinge und wespen ausfliegen Göthe IV 11, 213
W.; der (
herzog) könne nicht leiden, wenn einer seine ruhe hätte; der sekretär werde schon sehen, was für wespen des weiteren aus dem brief ausschlüpften Ricarda Huch
d. gr. krieg (1920) 2, 251. von wespen gestochen sein
heiszt '
beunruhigt sein': ob sie lustig ist, ob sie von wespen gestochen ist (1797) Caroline
br. 1, 195
Waitz. daher die drastische redensart: hest du wepsken im steerde
kannst du nicht still sitzen oder ruhig seyn brem.-niedersächs. wb. 5, 231; wäspi im hindere ha
kein sitzleder haben, nirgends still sitzen können Seiler
Basel 311.
dazu: da sie dasz horten, wurden sie fast zornig
[] und erbleichten und sahen wie die doten und kamen inen die websten in den hindern, und rütsten uff der benck hin und har (1530)
Basler chron. 1, 475; sie ruckte mit dem arss hin und wieder, als wann sie wespen drinn gehabt Grimmelshausen 2, 560
Keller. ähnlich erklärt sich die redensart: wepsen in de kop hebben
verdreht oder verrückt sein Doornkaat Koolman
ostfries. 3, 536.
dem unruhig hin und her fliegenden tier vergleicht man '
ein lebhaftes frauenzimmer' Hügel
Wien 188.
die wespe geht auf raub nach süszigkeiten aus: vnd als die wespen sein gesindt, wie man dauon geschrieben findt, die fliegen für der binen hausz vnd fressen jhn das höng herausz, vnd rauben jhn jhren vorrad Alberus
fabeln 145
ndr.; wespen naschten vom zucker, womit die kirschkuchen dick bestreut waren Holtei
erz. schr. (1861) 13, 171.
daher gilt sie im vergleich und in der übertragung auf den menschen als gewinnsüchtiger schmarotzer: unzahlbarliche schmeichler und mitzecher, pflegen nit anderst als die wespen, umb sein hausz herumb zufliegen Schweickhart v. Helfenstein
Basilius Magnus (1591) 125; der einfältige mensch ... hielt alle die wespen, die ihm seine leber auffraszen, für freunde, die sich aus wohlwollen und gutem herzen zu ihm gesellten, da sie doch nur des fraszes wegen kamen Wieland
Lucian (1788) 1, 62.
im vergleich zu andern insekten ist die wespe stark und nur schwer zu bezwingen: dar umb schult ir nit wenkchen von ewrm müet; ir schult gedenkchen, das zechen taussent mukchen hundert wespen nider drukchen Seifrit
Alexander 2644
Gereke. auch jedes spinnennetz zerreiszt sie, wie der folgende beliebte vergleich zeigt: (
der papst) fleucht durch christlichen beuelh, wie ein grosse wespen ein fliehen netz odder spinnen garn durchfleucht Carlstadt
v. bepstl. heylichkait (1520) B 3
b; zimmermeister: mit fliegen mag das angehen (
sie zu fangen). die wespen (
Egmont) lachen eures gespinnstes. Vansen: nachdem die spinnen sind Göthe I 8, 251
W. die in der mitte gleichsam zusammengezogene körperform der wespe veranlaszt den vergleich mit der modisch eingeschnürten taille (
vgl. wespentaille): hinter ihm erschien holdlächelnd, mit der taille einer wespe, frisiert à l'impératrice, madame Angelika Schminkert W. Raabe
s. w. I 5, 329; sie war wohl schlank wie eine wespe Fontane
ges. w. (1905) I 2, 109. 22)
in vereinzelten übertragenen bedeutungen. 2@aa)
eine maulschelle, da sie gleichfalls '
sticht' (
s. jedoch auch unter waffe 2
teil 13,
sp. 288): und wie ich sagte, der brunn wäre unser, so gab mir einer eine wespe, dasz ich zu boden fiel Chr. Weise
opferung Isaacs (1682) 39; es ist wunder, dasz der medicus keine wespe davon getragen hat
ders., erznarren 209
ndr. hierzu auch wohl wopse,
f., schallender, derber schlag, backenstreich Knothe
Markersdorfer ma. 125.
vgl.: hornisse
ohrfeige Müller-Fraureuth
obersächs. 1, 530. 2@bb)
als '
geiszel': (
Notker d. stammler) kannte ... die buszwerkzeuge, die ihrem rang nach an der wand hingen, vom neunfältigen 'skorpion' herab bis zur einfachen 'wespe' Scheffel
ges. w. (1907) 1, 146. 2@cc) '
diese nebenschnüre (
an der angelhauptschnur) 40
cm lang und aus doppelgedrehter schnur bestehend heiszen wefzen
wespen' (
am Neckar bei Heidelberg)
zs. f. dt. wortforschung 6, 75. 33)
diminutiva: die wefftzlin und klainen mügklin (
unbedeutende feinde) Montanus
schwankbücher 138
lit. ver.; das selbe wefftzlein
V. Schumann
nachtbüchlein 172
Bolte; sumsend nähert ietzt ein wespchen ihr und schnappend fährt sie auf Harries
Thomsons jahreszeiten (1796) 81.