wette,
f. (
in älterer spr. n.),
pfand; strafgeld; ratsbehörde; wetteinsatz, wettvertrag. verbreitung, herkunft, form. got. wadi,
n., ἀρραβών; an. veð,
n., pfand, (
spiel)
einsatz; norw. vedd, vad,
wetteinsatz, -vertrag; mschwed. vaþ,
[] vaeþ,
n., pfand, berufungsgebühr, wetteinsatz; schwed. vad,
n., wettvertrag, einspruch; dän. ved
nur in sl til veds
wetten; ags. wed(d),
n., pfand, zusicherung, vertrag; engl. (
veralt.) wed,
pfand, wetteinsatz; afries. wed, wedde,
n., pfand, vertrag, bürgschaft, strafgeld. mnl. wedde,
n., f., pfand, vertrag, preis, lohn, geldschuld; nl. wed,
f., wettstreit, wedde,
f., lohn, gehalt. as. weddi,
n.; mnd. wedde,
n., f.; ahd. wetti,
n., mhd. wette,
n., f. die germ. grundform *wadja(m)
führt auf eine vorgerm. wurzel *adh-
zurück, zu der auch lat. vas, vadis '
bürge'
und vadimonium '
bürgschaft',
lit. vadúoti '
etwas verpfändetes einlösen'
gehören, weiteres s. bei Walde-Pokorny 1, 216; Pokorny 1, 1109; Walde-Hofmann 2, 735; Falk-Torp 2, 1358; Feist
3539.
der verschiedentlich angenommene zusammenhang mit den wurzeln *edh- '
verbinden' (
so Gierke
schuld u. haftung 22)
oder *edh- '
führen' (Fick
Bezz. beitr. 28, 105)
stöszt auf lautliche schwierigkeiten und ist daher unwahrscheinlich, vgl. Uhlenbeck
PBB 30, 321.
das gleiche gilt auch von der zurückführung des germanischen wortes auf eine vulgärlat. kurzform *vadium (
zu lat. vadimonium,
so Bréal
mém. d. l. soc. d. ling. 7, 441).
mlat. vadia, vadium
ist, wie die selteneren formen guadia, guadium (
vgl. du Cange
gloss. lat. 8, 227)
zeigen, eine entlehnung aus dem germanischen (
s. u.A 2)
und entspricht im mittelalter dem deutschen wort wette
in den bedeutungen A
u. B. —
germ. *wadja-
wird als schuldrechtlicher terminus von den romanischen sprachen entlehnt: afrz. gage,
m., '
pfand',
seltener '
buszzahlung, sold'
; frz. gage '
pfand', -
s. pl., '
löhnung'
; aus dem frz. auch it. gaggio,
span., port. gage '
pfand, lohn' (
weiteres bei Meyer-Lübke
rom. etym. wb., nr. 9474);
im engl. überdauern die rom. lehnformen gage '
pfand'
und wage(s) '
lohn' (
a. d. nordfrz.)
das einheimische wed (
s. o.).
die erhaltung des auslautenden vokals im deutschen hat die inlautende doppelkonsonanz gesichert; nur vereinzelt begegnet (
die im nom. u. akk. sg. lautgesetzliche)
einfachschreibung in älterer sprache: uueti (9.
jh.)
ahd. gl. 2, 148, 43
St.-S.; wete (12.
jh.)
bei Müllenhoff-Scherer
denkm. 31, 319;
könig Rother 2996
Frings-K. auch bei gelegentlichem abfall des ausl. e
wird meist doppelschreibung beibehalten: wett (1349)
qu. z. gesch. d. st. Kulmbach 303
Meyer; (1374)
mon. Zoll. 1, 228;
weist. 6, 315.
hyperhochdeutsch ist wetzi
ahd. gl. 3, 687, 29
St.-S. der übergang vom neutr. zum fem. setzt bereits im 14.
jh. ein: der wette ... schuldig
Nürnberger polizeiordn. 20
Baader; als fem. weiterhin: (14.
jh.)
weist. 4, 91; (15.
jh.)
Mainzer gerichtsformeln 18
Hallein; (1455)
Quedlinb. urkundenb. 1, 437
Jan.; Steinhöwel
Äsop. 58
lit. ver. das neutr. vielleicht noch im 17.
jh.: ein wette Corvinus
fons lat. (1646) 825.
bedeutung und gebrauch. das in allen germanischen sprachen begegnende wort nimmt innerhalb der älteren rechtsterminologie eine bedeutsame stellung ein. die verwendung im bereich des schuldrechts (A '
pfand')
kann als gemeingermanisch angesehen werden. dagegen ist der jüngere gebrauch als strafrechtlicher terminus (B '
strafgeld')
im wesentlichen auf das deutsche sprachgebiet beschränkt; eine weiterentwicklung dieser bedeutung (C '
ratsbehörde, gericht')
gilt vorwiegend in den hansestädten. gegenüber der reichen bedeutungsdifferenzierung in früherer zeit erscheint der stark an formelhafte wendungen gebundene wortgebrauch in heutiger sprache (D)
nur noch als eine relikthafte fortsetzung einer älteren, wohl gemeingermanischen sonderbedeutung ('
pfand-, spieleinsatz'),
die sich allmählich von der rechtssprache löste. das wort verliert in allen germanischen sprachen seit dem mittelalter seine ursprüngliche bedeutung '
pfand' (
doch vgl. das lehnwort in den romanischen sprachen, s. o.).
im deutschen lassen mehrere häufig gebrauchte neuere zusammensetzungen (
z. b. wetteifer, wettbewerb, wettrüsten)
den übergang in den allgemeinen sprachgebrauch erkennen und zeigen zugleich die noch ungebrochene triebkraft dieses wortes. [] AA.
im schuldrecht: ein haftungsgegenstand (
pfand),
der für die erfüllung einer schuld gegeben wird; ein vertragssymbol (
vadium),
das bei nichterfüllung einer schuld den zugriff auf person oder vermögen des schuldners sichert; weiterhin auch das rechtsgeschäft selbst, die zusicherung, einer rechtsverbindlichkeit nachzukommen. —
seit dem 10.
jh. wird das wort in diesem bedeutungsbereich mehr und mehr durch das schon in den ältesten quellen neben wetti (
urspr. '
das gesetzte pfand')
bezeugte phant (
urspr. '
das genommene pfand')
verdrängt. in dieser zeit vollzieht sich auch eine umbildung des germanischen schuld- und pfandrechts, in dem wetti
ursprünglich noch als vergeiselungsvertrag (
vgl. 2 d),
meist aber als vorläufige hingabe an zahlungsstatt (
verfallspfand)
aufgefaszt wurde; demgegenüber bezeichnet mhd. pfant
in der regel eine zusätzliche sicherung eines formellen schuldversprechens (
verpfändung des sachwertes ohne besitzrecht am gegenstand, verkaufspfand),
vgl. Schröder-Künszberg
rechtsgesch. (1932) 68; 780; Gierke
schuld u. haftung (1910) 325.
im deutschen ist wette
im sinne von '
pfand'
seit dem 16.
jh. nicht mehr nachweisbar; dies steht im auffälligen gegensatz zur erhaltung der worte gage, gaggio (<
germ. *wadja)
für '
pfand'
in den romanischen sprachen und im englischen. für die bürgenstellung, die an die stelle des vergeiselungsvertrages tritt, wird wetti
schon im ahd. nur noch selten gebraucht (
vgl. ahd. burigo). —
im mhd. schlieszen sich bedeutungsvarianten von wette
an den älteren gebrauch im bereich des schuldrechts an. A@11)
angeld, pfand. got. wadi
übersetzt in den Paulusbriefen griech. ἀρραβών '
das angeld' (
in übertragenem gebrauch vom geist, der den menschen von gott gegeben ist als gewähr für künftigen heilsbesitz): jah sigljands uns jah gibands wadi ahman in hairtona unsara
2. Kor. 1, 22; jah gaf uns wadi ahman
2. Kor. 5, 5; izei ist wadi arbjis unsaris
Eph. 1, 14.
im anschlusz daran auch: jah ju þaþro swe wadi þairh ...
skeirins 6, 29
Streitb.; vgl. fernerhin wadjabokos
χειρόγραφον '
handschrift, pfandbrief'
Kol. 2, 14.
ahd. wetti
ist nur in glossen bezeugt, deren älteste dem gotischen wortgebrauch genau entspricht: (
dedit)
pignus (
spiritum) uuetti (8.
jh.)
ahd. gl. 1, 765, 22 (
zu 2. Kor. 1, 22);
ähnlich auch: (
spiritum sanctum, qui datus est nobis ...;
fides)
pignori (
prima debetur) uuetti (9./10.
jh.) 2, 25, 3 (
zu Ambrosius, Luc. 1, 12).
in anderen fällen auch zur bezeichnung des ausbedungenen '
pfandes',
das später zurückgegeben wird: (
dedit ei pro arrabone. arrabona i.)
vadimonium uuetti (11.
jh.) 1, 307, 60;
arrabo pant
vel uueddi (11.
jh.) 1, 318, 41;
arrabo, pignus wedde (12.
u. 14.
jh.) 4, 251, 8 (
sämtl. zu Gen. 38, 17). —
weitere glossierungen zu lat. pignus: (
feminam ... quae)
septem pignoribus (
ad regnum praemissis ... pervenit octava) sibun uuettun edo fantun (8./9.
jh.) 2, 306, 40 (
zu Gregors hom. I 3, 1445);
pignora uuetti (9.
jh.) 1, 228, 37 (
Ra); (
custodem praemittit opum,)
quo pignore (
gazas incipiet proferre suas) pidemo vuette (10./11.
jh.) 2, 772, 8; bidemo uuetti (11.
jh.) 2, 28, 69 (
zu Arator, Vig. I 702);
so auch 2, 316, 63; 587, 75; 769, 12; 22; 4, 216, 60 (
sämtl. 9.—12.
jh.).
zu lat. arra(
bo):
arras (
gegenglosse zu aras) uuetti (8./9.
jh.) 1, 636, 24;
arrabotia (
l. arrabona) vuetzi (11.
jh.) 3, 687, 29 (
falsch verhochdeutscht für vuetti).
in folgenden übersetzungen von lat. vadimonium (
s. o.)
wohl als glossenwort aufzufassen (
doch vgl. 2 c): (
catillata geris)
vadimonia vuetti (11.
jh.) 2, 162, 2 (
zu Fulgentius, expos. serm.);
vadimonium uuette (12.
jh.) 4, 106, 5; wetti (13.
jh.) 164, 10 (
gloss. Salom.).
auch im mhd. und mnd. noch in der bedeutung '
pfand'
bezeugt. im anschlusz an die got.-ahd. übersetzung von 2. Kor. 1, 22 (
s. o.): zu der frǒde der engelischen mandunge, von der wir nu enphangin habin daz wetti des heiligin geistis
spec. ecclesiae 77
Mellbourn. '(
substanz-)
pfand': swer ime (
dem teufel) iht sol, der mac wol sorgen. ê ich im lange schuldic wære, ich wolt ê zeinem juden borgen. er swîget unz an einen tac: sô wil er danne ein wette hân, sô jener niht vergelten mac Walther v.
d. Vogelweide 100, 31
Kraus; [] ir müezet iuwer wete (
var. pfant) quiten von anderme bejage Konrad v. Fussesbrunnen
kindh. Jesu 1576
K.; und von edelen gesteyne heyz her iz wiren reyne und machen von so richer kost, daz men iz ymber hette gelost vor dhusent marc, sven iz hette gestan zo perseme oder zo wette (
var.: af et to pande hedde gestan)
braunschw. reimchron. 4552
Weiland; nymt her (
der jude) zu wedde (
var. phande) kelkhe oder bûche oder gerwe ..., men richtet uber ine alse uber eynen dief
Sachsenspiegel 112
Eckh.; 127; kundige wi, dat dat gut to wedde steit den vor twintusch marke min dan twe hundert (1292)
westf. urkundenb. 6, 472
W.-F.; dat wedde efte pande (1492)
Flensburger stadtrecht, cap. 31
Thorsen. so auch noch: vadimonium weth (
obd.), wedde (
md.), weedde (
nd.) Diefenbach
gloss. 604
c (
sämtl. 15.
jh.).
seit dem 16.
jh. in diesem sinne nicht mehr belegt; die angaben bei Adelung 5 (1786) 191
und Campe 5 (1811) 691,
dasz das wort in der bedeutung '
unterpfand'
noch im niedersächsischen üblich sei, sind wohl irrtümlich und beruhen vermutlich auf Dähnert
plattdt. wb. (1781) 541,
der diese verwendung aber als veraltet ('
aus urkunden')
bezeichnet. A@22)
zur bezeichnung einer persönlichen, durch vertragssymbol, bürgschaft oder gelöbnis gegebenen sicherheitsleistung; das vertragssymbol selbst; auch von bürgen und geiseln, durch die diese sicherheit gegeben wird. in diesem sinne bereits in frühen mlat. texten als rechtsterminus begegnend: si quis alii uuadia et fideiussorem de sacramentum dederit, per omnia, quod per uuadia obligauit, adinpleat (643)
edictus Rothari cap. 360,
in: ges. d. Langobarden 142
Beyerle; si quis amodo in presentia regis uel iudicis seu liberorum hominum qualecumque modo uuadia dederit, et postea negare uoluerit ille, qui uadia dedit, quod in tali tenore uuadia non dedisset, sicut ille, qui uuadia suscepit, queritur (746)
ges. Ratchis, cap. 5,
ebda 345;
vgl. auch Baesecke
d. dt. worte d. germ. gesetze PBB 59, 53; 65; 88; at ille veniam postulat de commisso scelere; illi vero falsa humilitate wadium suum in manum dare voluit (7.
jh.) Bobolenus
vita Germani, in: MGH, script. rer. Merov. 5, 38. A@2@aa)
symbolisches pfand, vadium; für die zahlung des muntschatzes (
vom handschuh): dâ ein frî Swêbenne êwet ain Swâb, der ist ain frî man, dâ muoz er im siben hantscuohe hâ
n. mitten gît er siben wete nâch dem swâbeschen rehte
schwäb. trauformel (12.
jh.)
in: Müllenhoff-Scherer
denkm. 31, 319; diu wete elliu diu nimet diu frouwe unde ir voget. nû nimet der voget, ir geborn voget, diu wete unde die frouwen unde ain swert ... unde sprichet
ebda 320. —
eine besondere ausprägung hat die symbolische pfandreichung (
vadiation)
im mittelalterlichen gerichtsverfahren, insbesondere beim gerichtlichen zweikampf, erfahren; das geben des pfandes (
meist eines handschuhs)
in die hand des gerichtsherrn hat hier die bedeutung eines beweiserfüllungsgelübdes, vgl. Coulin
gerichtl. zweikampf i. afrz. prozesz (1906) 72; Du Cange
gloss. lat. 8, 229
b (
s. v. vadium).
dieser rechtsbrauch begegnet häufig auf fränkischem gebiet (
s. afrz. gage Tobler-Lommatzsch
afrz. wb. 4, 31;
mnl. wedde Verwijs-Verdam 9, 1870),
ist aber auch in den langobardischen (
s. o.),
friesischen, angelsächsischen und nordischen volksrechten ausgebildet, vgl. Gierke
schuld u. haftung (1910) 315; 318; 322.
in diesem sinne begegnet mhd. wette
in der übersetzung des afrz. Lancelot-romans, offenbar unter einflusz des wortgebrauches der quelle (
s. auch gewette,
teil 4, 1, 3,
sp. 5701): gab dem konig einen hantschuch in die hant und sprach, er wolt selb fechten. 'herre ... seht hien myn wette (
tenez ... mon gaige) das ich nye verrettery zu uch gethet'
Lancelot 1, 24
Kluge; ir dri wolten den kampff nemen wiedder yn allein ... und buoden ... dem konig ir wette (
les gages). desglichen det Lancelot und bat yn das er die wette beidenthalb neme
ebda 526; 497; 525; darnach bot er sin wette, ob ymant da were der da wiedder yn
[] sprechen wolt als er zu recht solt, das ers off yn bereden wolt
ebda 515.
zur bezeichnung eines symbolischen pfandes (
als zeichen der bereitschaft zur eidesleistung)
auch in einer späteren mnd. quelle: beschuldigt einer den anderen mit eideshand, secht de beklagede nein, he lecht sin överst wedde, dat is einen hot, in. darup wert dem klager gefraget, efte he den eid hebben wil. secht he ja, de beklageder mot schweren und wert em sin hot ... wedder togestellet (16.
jh.)
rügisch. landrecht 16
Frommh. A@2@bb)
oft bleibt die überreichung eines symbolischen gegenstandes unerwähnt; das wort bezeichnet in diesem zusammenhang dann auch allgemeiner den symbolischen verpflichtungsakt durch handschlag (
treueverpfändung)
oder eine ehrenwörtliche versicherung (
zur verpfändung des wortes vgl. A. Heusler
inst. d. dt. privatrechts [1885] 2, 247;
zs. f. rechtsgesch., germ. abt. 26, 192;
s. auch mnl. wedde Verwijs-Verdam 9, 1871). '
förmliche zusicherung' (
wie unter d
auch von personen: promittentes): (
quotquot virginitatem)
promittentes vetti (
irritam faciunt)
sponsionem vetti, (
inter bigamos censeantur) (9.
jh.)
ahd. gl. 2, 141, 33; 34 (
zu: canones conc. Ancyr. XXVIII);
sponsio uuetti (12./13.
jh.) 4, 122, 39; 160, 64 (
gloss. Salom.);
dederunt manus suas (
ut eiicerent uxores suas) gapun vuetti (7
hss., 10.—13.
jh.) 1, 471, 36 (
zu Esdr. 10, 19); (
accepi librum possessionis signatum et)
stipulationes mit vuette (3
hss., 10.—12.
jh.), vuette (11.
jh.) 1, 632, 36 (
zu Jerem. 32, 11);
vgl. hierzu auch die stabende rechtsformel mit wort und wette
im angelsächsischen: þaet we habbað ealle ægþer ge mid worde ge mid wedde gefæstnod (
um 1000)
gesetze der Angelsachsen 1, 236
Liebermann. förmliche verpflichtung zur übernahme einer bürgschaft: wer an gericht geborget wirt, enqueme der nit, als er solde, so muste ime der person, der ien an gericht geborget hette mit der wette, an gericht stellen (15.
jh.)
Mainzer gerichtsformeln (1891) 18
Hallein. A@2@cc)
von der verwendung des wortes im sinne einer förmlichen verpflichtung (b)
leitet sich die bedeutung '
übereinkommen, vertrag'
her; so vielleicht schon in Prudentiusglossen des 11.
jhs.: (
divisa ... ponto littora conveniunt nunc per)
vadimonia (
ad unum ... forum) vuette
ahd. gl. 2, 471, 67; uuette, uueitte 519, 61; uuette 529, 39; uuetti 571, 34 (
zu Prudentius, contra Symm. II 614).
weiterhin: pactum wette (12.
jh.) 3, 414, 38 (
gloss. Herrad.); 4, 217, 16;
emologium wedde (
Straszb. 1518) Diefenbach
gl. 207
a. A@2@dd) '
bürge, bürgschaftsleistung' (
vereinzelt): (
clericus)
fideijussionibus (
inserviens abjiciatur) uuettin (9.
jh.)
ahd. gl. 2, 141, 6 (
zu: canones apost. XX); (
qui)
vades (
se offerunt pro debitis) uuetti (10.
jh.) 1, 526, 39 (
zu Prov. 22, 26) 4, 106, 3; 164, 18 (12./13.
jh.); want ich durch dat beste, reyne maget ind vnbeleste, leuende mich uch begaff, ind verzey vp de heydenschaff, vp dat ich uch hedde zo burge ind zo wedde zo allen mynen noden
Karlmeinet 264, 12
lit. ver. von einer person, die als faustpfand (
geisel)
behalten wird: daz was der koninc Rother. vnde hat geuort ouer mere mine tochter vnde din ... si vil der listige man zo eineme wete han biz ime wirt gelonit
könig Rother 2996
Frings-Kuhnt. A@33)
an die gebrauchsweisen im bereich des schuldrechts schlieszt sich die verwendung des wortes im sinne von '
zins, darlehen': (
nec omnino cuiquam clericorum liceat de qualibet re)
fenus (
accipere) uuetti
vel prasma (9.
jh.)
ahd. gl. 2, 148, 43 (
zu: canones conc. Carth. V); (
reddat tibi dominus semen de muliere hac pro)
foenore (
quod commodasti domino) uuetti (9.
jh.) 1, 707, 9; vueddi (10.—- 12.
jh.) 1, 407, 12; 4, 267, 13 (
zu I.
reg. 2, 20).
noch mhd.: C.
F. sprach ..., daz er si ein formunt eins kindes,
[] vnd habe von ime in genumen sin cins vnd wette von etlicher gute wegen, di er im solt wern (1350)
Würzburg, stadtarch. standb. 506,
s. 123.
spärliche zeugnisse lassen erkennen, dasz das wort —
vielleicht unter einfluß des strafrechtlichen gebrauchs (B) —
auch für öffentliche leistungen anwendung fand: auch tun wir die genad der pfarr an iren widemgueten zu dem Windischenhaig, dasz wir noch unser erben noch niemant von unsern wegen wett noch stewer, fron noch fueter, noch keinerlei ander dinst an sie ewichen nimer gevoderen schullen (1349)
qu. z. gesch. d. st. Kulmbach 303
Meyer. in einem nsächs. verzeichnis von gütern u. gerechtsamen sind als öffentl. abgaben genannt ('
richterverpflegung f. d. königsdienst'): wedehonre, wedeeygere (
um 1300)
bei Kindlinger
gesch. d. fam. v. Volmestein (1801) 2, 297;
s. auch Minnigerode
königszins (1928) 81. A@44)
im anschlusz an die bei 1wetten A 2
nachweisbare bedeutung '
heischen, fordern' (
s. sp. 691)
für die vorladung vor ein (
auswärtiges)
gericht: optuli ea (
bona) cum omni iure ..., exempta ab omni exactione ...; ceterum vero ut ecclesia predicta bona in ampliori libertate possideat, ab euocationis iugo, quae wethe uocatur, libera dimitto (
um 1217)
meckl. urkb. 1, 217;
vgl.wettung 1,
sp. 792. BB.
im strafrecht: strafgeld (
mit dem eine schuld 'wett'-
gemacht wird),
das an den richter oder an das gemeinwesen zu zahlen ist, gleichbedeutend mit brüche, pene
u. dgl. (
meist im unterschied zur busze,
die dem verletzten gebührt);
in dieser bedeutung vor allem im '
ostfälisch-thüringischen, aber auch im friesischen, am Rhein und in Südwestdeutschland häufig', His
strafrecht d. dt. mittelalters (1920) 1, 610. wette
wird zu einem terminus des strafrechts, als mit der ausbildung der öffentlichen gewalt das ältere volksrechtliche friedensgeld mehr und mehr den charakter einer strafzahlung annimmt; diese fällt damit zusammen mit der älteren bannbusze, deren höhe sich auch nach der amtsgewalt richtete, durch die ein übertretenes gebot oder verbot erlassen wurde (
vgl. 1
u. 3).
der ansatz zu dem bedeutungsübergang (
pfand —
strafgeld)
liegt in der oft bezeugten symbolischen pfandreichung (
vadiation)
als urteilserfüllungsgelübde (
vgl. 1wett,
adj. u. 1wetten A 2);
von hier aus ging der name der wette
auf den versprochenen leistungsgegenstand über, s. Gierke
schuld u. haftung (1910) 327
u. vgl. folgende textstelle aus dem Karlmeinet. '
symbolischer akt (
vgl.A 2 b),
der die übernahme einer zahlung als genugtuungsleistung versinnbildlicht': sus so dede Dederich da syn son hadde sich versumet entgan synen heren (
Karl). da woulde hey id weder keren ind boit Karlle mit syner hant sin wedd ind hait bekant, wat syn sone hedde mysdæn, dar woulde hey vurstæn ... als Karlle der konynck riche van Ardanen Dederiche vur synen sone sich sach erbeden ind rechtz vur en woulde plegen, sin wedde Karlle do intfeynck. an eynen dat hey is geynck ind vragede, wat hey hedde verburt (
verwirkt) mit dem wedde. hey (
Karl) delde eme gerade ... van siluer bundert dusent marck
die genugtuungsleistung selbst: ... hey ouch mit syme swede bar vur uch eme syn houet speilt ind hey also vele neit dar vmb wedde noch en gaff
Karlmeinet 247, 35; 44; 47; 248, 29
lit. ver. (
zur stelle s. PBB 75, 54)
im nhd. begegnet das wort als strafrechtlicher ausdruck nur noch selten, vereinzelt hält es sich mundartlich: wedde
busze, strafe Köppen
Dortmund 66.
bedeutungsvarianten, die an wette
im sinne von '
urteilserfüllungsgelübde'
anknüpfen, leben in 1wett,
adj., und wettmachen,
vb., weiter (
s. d.).
[] B@11)
strafgeld im allgemeinen sinne: wedde, wette
heisset die strafe, die man dem richter giebt, busz
giebt man dem kläger Schottel
v. unterschiedl. rechten (1671) 235; Stieler
stammb. (1691) 2407; swer wedde unde bûze nicht ne gibt zu rechten tagen, die vrône bode sal dâ vore phanden
Sachsenspiegel 47
Eckhardt; wint aber die man sîne bûze êr deme wedde, men sol se lêsten uber ses wochen
ebda 62; dar mide ne heuet he wedde noch bote verscult an neneme gerichte (1227)
urkundenb. d. st. Braunschweig 5
Hänselm.; districte precipimus, ut omnis iudex ... nemini, qui a proscriptione absolvitur, relaxet penam que dicitur wette (1235)
in: MGH, constit. 2, 246; swenne aber vorme rate umbe frevel wirt gewettet, so sol der schultheisse und der vogt han gewalt umbe das wette ze rihtenne, alse were es vor in geschehen an gerihte (1270)
Straszb. urkundenb. 4, 6; swaz pfande man den burgern nimt umbe ir wette von der stat wegen an allen sachen, die behelt man sehs wochen und verkauft sie denne (13./14.
jh.)
Nürnberger polizeiordn. 10
Baader; hat och der huober ein bette, er sols dar lihen, der es vordert: tete er des niht, er sols gebessern mit dem wette, er enswere denne ze den heiligen, das er sin niht enhabit (14.
jh.)
weist. 4, 91
Gr.; brengit eyn man den andirn vmme roub ... yn gevenknysse vnde kan yn der tzucht nicht obirwynden, so sal her yn myt wette vnd myt busse von rechte lossen (14.
jh.)
Kulmer recht 63
Leman; man sol dem underschultheiszen ein buoch machen und darin schriben allez waz von gerichtz wegen vellet, es sien frönungen, frevel, wetten (
um 1420)
Schlettstädter stadtr. 333
Gény; bitten die vom adel ... das
s. kf. gn. die wedde und broke ... ihne lassen widerum folgen, wie sie von alters gehabt (1540)
ständeakten Joachims II. 1, 93
Friedensburg. in hinsicht auf die bestrafung und verurteilung: sette se ... in konyngsban und wedde, in den hogesten unfrede, und macke ze ... rechtlois, vredelois und onwerdich alles rechts (1490)
bei Anton
beitr. z. den ... teutschen rechten (1777) 134.
in neuerer zeit nur noch in historischen darstellungen: so wurde ein aussergerichtlicher vergleich über ein verbrechen verbothen ... hat denn die obrigkeit nicht beständig seit den ältesten zeiten eine wedde bekommen?
allg. dt. bibl. (1765) 5, 136; dass schon von uralten zeiten her dieses die ordentliche strafe oder wette der fürsten gewesen
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen (1778) 3, 146; sowohl wette als busze richten sich gewöhnlich nach dem stande des richters Eichhorn
dt. staats- u. rechtsgesch. (1821) 2, 638. B@22)
oft speziell als '
versäumnisstrafe': swele dar niht enkeme, der were driier schillinge schvldich, vnd swaz ze den gedingen slehter wette gewetet wirt, daz ist dez hofes div zwei teil, vnd dez vogtes daz dritteteil (1279)
corp. d. altdt. originalurk. 1, 355
W.; welhesz jarsz der zinsz nit geriht wúrde in sölichem geding vnd vf daz zil alz vorgeschrieben stet, so hat ain jeklich priester ... gut reht vff diu vorgeschrieben gut wett vff slachen
mon. Zollerana 1, 228 (
nr. 367); vnd wels jars er vnd sin erben daz obgenant pfünt ... nit riht ... so mögen sie wette vff den obgenannten garten slahen
in: zs. f. gesch. d. Oberrheins 9, 126
Mone; wer von dem gotzhuse gut hat, zinset er das nút als er zerecht sol in den nún dingen ... die sol vnser herre ziechen in sinen gewalt für wette vnd fúr die zinse (
um 1400)
weist. 4, 106
Gr.; welcher sin zins oder gült jaerlich uf die zit wie das gefelt nit richtet und bezalt, so hat der zinsherr oder lehenherr recht wett anzuschniden (
anzurechnen) mit zwen masz wins
ebda 6, 315. B@33)
in verbindung mit attributen, die höhe und abstufung der wetten
bezeichnen (
dazu vgl. H. Sperling
z. gesch. v. busze u. gewette [1874] 17
ff.): unse richter sall boren van eynen slichten wedde (
simplici vadimonio) dat ... gheheyten is deghelikes wedde, veyr penninghe (1341)
bei Nigge
bilder a. Lünens verg. tagen (1914) 162; der schultheisz hatt das recht, das die schlechten wetden sin sint (15.
jh.)
weist. 4, 240
Gr.; minores pene, vulgariter dicte kleyne wette (1399)
niederrh. schöffenspr. [] 179; men weist ime zu die cleine wett (1413)
ebda 727; we dyt deyt, de brickt dat hogeste wedde: unde dat hogeste wedde is dyt: deme mestere 1 schill. unde iowelkeme gewerken 6 penn. (1393)
urkundenb. d. st. Wernigerode 112
Jak.; pene majores que appellantur vulgariter grœsze wedde (1447)
weist. 2, 740; die grosze wette die ist halbr phund phennig (1455)
Quedlinb. urkundenb. 1, 437
Janicke. CC.
vorwiegend in den seestädten die '
ratsbehörde, die die strafgelder einzieht',
dann auch '
gericht zur schlichtung von gewerbestreitigkeiten' (
im gleichen sinne auch gewette,
s. teil 4, 1, 3, 5706).
zunächst nur mnd., in den ordensgebieten aber auch schon früh im hd. kontext. diese bezeichnung geht vermutlich von den die strafgelder einziehenden personen aus (
vgl.wettherr, wettmeister);
für den bedeutungsübergang auf die behörde ist auch sekundärer einfluß von (
vorw. mnl.) wette '
stadtrat, senat' Lübben-Walther 579 (
vgl. 2wette)
zu erwägen. zur sache vgl. zs. d. ver. f. lüb. gesch. 1, 197; 27, 209;
zs. f. rechtsgesch., germ. abt. 26, 84.
belege: und kumpt he vor dat wedde und weddet he dat, dat he denne blive und were dat, dat he daar vorswere (14.
jh.)
in: mitt. d. ver. f. lübeck. gesch. 3, 62; Hans von Geseke was mit mir vor der wette unde her sprach, wie das myn herre denselben 6 gesellen die vorgeschreben summa qwit gegeben hette durch en (1420)
handelsrechn. d. dt. ordens 257
Sattler; von dehme sall die aussgedrückte busse dubbelt durch der stadt wette genommen werden (1540)
Danziger hochzeits- u. kleiderordn. 27
Günther; item so jemanth der schipperen ... stylle schwege, unnd nicht en clagede ... desulve schipper schall sick des vor deme wedde mith sinem ede purgeren und enthleggen (
Lübeck 1542)
bei Pardessus
coll. de lois maritimes (1834) 3, 437; wer da begriffen wird auff scheinbahrer that mit falscher masz zu wein, bier und allerley getränke ..., der ist der wette zehen thaler zu geben schuldig (1680)
lüb. stadtr. 4,
tit. 12, 1; würde einem dieb sein ... gut abgejaget, davon gehören der dritte theil demjenigen, welcher es ihm abgejaget hat, die andere zwey dritte theile gehören dem wette und dem gerichte
ebda 4,
tit. 1, 2; es erkennet aber die wette über alle sachen, so wieder der burger freiheit von fremden gehandelt Curicke
d. st. Dantzig hist. beschreib. (1688) 120
b; falls sie einigen mangel an solchem schiffe bespüren sollten, soll er gehalten sein, selbiges dem ... dirigirenden herrn deputirten zur wedde anzuzeigen (1709)
bei Baasch
börtfahrt (1898) 110; ich schwere ... dasz ich der wette treulich und fleiszig abwarten ... will
corp. constit. Prutenicarum 2, 325
Grube; vgl. noch: wette
heist in einigen see-städten das handwercks-gericht, vor welchen der handwercksleute ihre streitigkeiten abgethan, ihre privilegia conserviret, und ferner gute verordnungen zu der handwercker aufnahme und besten gemachet werden Hübner (
31717)
zeitungslex. 1759;
in der alten Danziger verfassung diejenige behörde, welche das polizei- und handelsgericht vorstellte Frischbier
pr. 2, 465;
weiterhin: wetten
handeln, handel treiben ebda 2, 466. DD.
im allgemeinen sprachgebrauch (
vor allem bei turnieren und spielen, aber auch beim meinungsstreit):
pfandeinsatz, der der gewinnenden oder recht behaltenden partei zufällt; auch die vertragliche vereinbarung, durch die ein preis eingesetzt wird; der wettstreit. in weiterführung älterer rechtssprachlicher ansätze (
vgl. 1)
entfaltet sich dieser bedeutungsbereich beim aufkommen der ritterlichen kampfspiele des mittelalters; wette '
pfand'
erhält dabei zunächst die speziellere bedeutung '
spieleinsatz',
vgl.wettes stan '
auf dem spiele stehen': von spile hebt sich manege zît fluoch, zorn, schelten, sweren, strît. ne spriche niht dazz ieman tuo: dâ hœret manec untriuwe zuo. sîn phant dicke wettes stât, der sich an die würfel lât Freidank 48, 17
Grimm (
s. u. 4 b
α).
[] diese reale pfandsetzung ist der ausgangspunkt der wette
im heutigen sinne; das gilt auch für die beim meinungsstreit abgeschlossene wette,
obwohl sich hier sprachlich gewisse berührungen mit der beteuerungsformel beim symbolischen verpflichtungsakt (A 2 b;
vgl. auch 2wette 2
und 1wetten C 2 c)
ergeben; s. dazu O. Gierke
schuld u. haftung (1910) 328. D@11)
einsatz beim spiel oder meinungsstreit, siegespreis. im gegenständlichen sinne: bravium lon
vel wette (12.
jh.)
ahd. gl. 3, 419, 37
St.-S. (
gloss. Herrad.); sehet ... die da enwette loufent, ... wie die allesamt lovfen unt arbeiten, vnt wie si iedoch sumeliche uil harte uermissen. want si engewinnent umbe daz daz wette alle niht. want daz wette daz engewinnet niemen, niewan der eine, der da rehte hin ze dem zil chumt. nv lovfet ovch ir also ... daz iv daz wette werde (12./13.
jh.)
dt. predigten 36
Roth; ir endürfent niht belîben ungespilt umbe daz, ob ir enwizzent waz und welch wett ir setzent K. Fleck
Flore u. Blanscheflor 5213
Sommer; ich wil daz houbet mîn dar umbe lâzen wette sî
n. si habent ninder under in bezzer degene denn wir han
Biterolf 9449
Jänicke; dasz doctor
M. Luther, als ehr widder den Deczel ... angehoben offendlich zcu schreyben, gereydt ohn zuuor doctor ... gewest, dasz will
F. V. bey einer wette hundert rheinischer goldgulden (1538)
bei Luther
br. 8, 302
W.; als endlich die jünglinge von jhr die gewonnene wette gefordert Lehmann
floril. polit. (1662) 3, 309.
im bildlichen ausdruck: sollen denn die unvernünftige bestien, die leuen, uns, in der fürsichtigkeit, die wette abgewinnen? (
den rang ablaufen) Francisci
weh d. ewigkeit (1686) 885.
dichterisch auch vom einsatz des lebens beim kampf: die Littowen sie zû vrû triben ûz dem bette. dâ gab vil mancher wette, daz er dar umme tôt gelac
livländ. reimchron. 1532
Meyer. in verbindung mit attributen, die höhe und wert des einsatzes (
oder vertragsabschlusses)
bezeichnen: got herre, wie gewirbe ich mit dirre veigen lage? nu stat mir disiu wage (
wagnis) zeime hohen wette Gottfried v. Straszburg
Tristan 15 173
Ranke; einen silbernen teller ... nach welchem der könig mit seinen chanen ... zu schiessen und darbey grosse wetten zu setzen pflegen Olearius
persianische reisebeschr. (1696) 293; zwey solche feldherrn ... hatten im ganzen laufe dieses kriegs noch in keiner offenbaren schlacht ihre kräfte gemessen, eine so hohe wette noch nie die kühnheit geschreckt Schiller 8, 287
G. allgemeiner '
preis, wert': nun dörfft ich offentlich mit meinen brüdern gehn, und in der waffenkunst auf gleicher wette stehn Hohberg
d. habspurg. Ottobert (1664) C 1
b. D@22)
förmliche vereinbarung, durch die wechselseitig eine bestimmte leistung zugesichert oder ein gewinn eingesetzt wird; diese vereinbarung wird meist beim streit über eine ungewisse sache oder bei einem noch unentschiedenen ausgang abgeschlossen, seltener von den teilnehmern eines wettstreites, vgl.: wette ...
ist ein contract, da man sich über die wahrheit oder den ausgang einer noch ungewissen oder unbekannten sache, die einer für wahr, der andere aber für falsch hält, dergestalt vergleichet, dasz derjenige, dessen meinung mit der wahrheit oder dem ausgange übereinkommen würde, einen gewissen gewinn haben solle, Noel Chomel, öcon.-physic. lex. (1750) 8, 2325: daz ... ein iegleichz groszerz gescheft ..., es gescheh von spil oder von wetten ..., vor zwain oder vor menigerm der hundert mannen enden ... sol (14.
jh.)
Wiener Neustädter stadtr. cap. 73
Winter; seintmal die sachen ... antrift,
[] das tapelspil (
würfelspiel) und wett gleich ist, so sol darüber kein gericht geen (15.
jh.)
Leipziger schöffenspruchslg. 382
Kisch; wo twe luede wedden umme eine sake, wolde ein van den twen des weddes nicht thostaen, so mach eme dat de ander avertuegen mit unbeseten lueden (15.
jh.)
bei Hach
altes lüb. recht 570; darumb, das du gestern hast gewettet, du wöllest das gancze mer usztrinken und hast den ring ze zugnus der wett geseczet Steinhöwel
Äsop 58
lit. ver.; der richter sol vber wetten vnd falsche müntze nicht richten König
processus (1541) 64; darauf liesz ich ihm zuentbieten, er hätte ... die wette ... nicht erfüllet (1581) Schweinichen
denkw. 255
Öst.; sol diese wette also seyn, dafern du die vrsache meines betrübnis wissen wirst, ... so wil ich dir ... 2000 kronen geben
engl. comedien u. tragedien (1624) X 1
b; er entlehnte ... geld von Siegwart ... und gewanns ihm dann durch wetten und spiele ... ab Miller
Siegwart (1777) 1, 168; der ritter d'Eon ... gab wegen seines zweifelhaften geschlechts gelegenheit zu erstaunlichen wetten Archenholz
England u. Italien (1785) 1, 2, 292; schon gut! nur dauert es nicht lange. mir ist für meine wette gar nicht bange Göthe I 14, 23
W. (
Faust I); die aufgabe sei gelöst und die wunderliche wette entschieden Eichendorff
s. w. (1864) 3, 371.
beim pferderennsport hat sich ein besonderes verfahren der wettabschlüsse herausgebildet, vgl.: der abschlusz einer wette erfolgt mit hilfe staatlich konzessionierter buchmacher oder auf den rennplätzen durch totalisatoren
gr. Brockhaus 15 20, 272; bietet der buchmacher seinen kurs auf das rennpferd Achilles '4: 1 gegen Achilles' an, so verspricht er damit dem, der die wette annimmt und zu diesem zweck 50 mark einzahlt, 200 mark gewinn, wenn Achilles siegt
ebda 3, 463.
das wort kann in diesem zusammenhang seinen ursprünglichen sinn verlieren, wenn z. b. beim wettverfahren mit dem totalisator nicht um einen vorher festgesetzten gewinn gewettet wird, sondern dieser erst nachträglich aus den einsätzen errechnet wird (
bei neueren sportarten werden für das gleiche verfahren andere bezeichnungen bevorzugt, vgl. fuszballtoto).
in verbalen wendungen, die den abschlusz der vereinbarung bezeichnen; wette tun: eine wette tuhn
facere sponsionem, vel interponere Stieler
stammb. (1691) 2407; die droschel hat ain wett getan mit ainem alten rappen zu tichten auff des maien pan und gilt ain junge kappen Oswald v. Wolkenstein 28, 9
Schatz; ein wette wolte ich drauf thun, ewer heiligkeit solte mehr stercke haben, ein ruder zufhren, den gaben und kreffte ein bisthumb zu regieren Scherdiger
orbis hist. (1591) 290; P. und Ph. thaten offt eine kleine wette miteinander, welche am meysten fische fangen kondte Opitz
Sidney's Arcadia (1643) 159. w.
anschlagen: sponsionem cum aliquo facere mit einem eine wette anschlagen Faber
thes. (1587) 790
b; Hoffmannswaldau
redeübungen (1702) 53; einmal in einem tiefen thal der kukuk und die nachtigal eine wett thäten anschlagen, zu singen um das meisterstück Herder 5, 192
S. w.
anstellen: sind sie hernach in ihren gedancken der sache so gewisz, dasz sie zur andern zeit wohl gar wetten drüber anstellen, es werde so oder so werden J. G. Schmidt
gestrieg. rockenphilos. (1706) 1, 145; befahl mir euch wissen zu lassen, dass er eine grosse wette auf euren kopf angestellt habe
Shakespeare 3 (1798) 344 (
Hamlet); Ranke
s. w. (1867) 40/41, 273. w.
verbinden: es wäre denn, dasz wetten mit ihm verbunden worden Hippel
über d. ehe (1792) 186. w.
eingehen: so hat dennoch keiner unter ihnen auf des grafen ferners zunöthigen die wette eingehen wollen (1715)
Berliner geschrieb. [] zeitungen 8
Friedl.; Schiller 3, 130
G.; Bismarck
ged. u. erinn. 1, 20
volksausg.; H. Mann
ausgew. w. 1, 582
Kant. w.
wagen: wil er eine wette wagen? Logau
sämtl. sinnged. 161
lit. ver.; Tieck
schr. (1828) 1, 354. w.
machen: wetten haben sie darauf gemacht (
dasz eine tugendhafte edelfrau verführt werde) W. Raabe
s. w. I 3, 464. w.
abschlieszen: für jede abgeschlossene wette ist eine steuer zu entrichten (
beim pferderennen)
gr. Brockhaus 203, 463; es fehlt nicht viel, dasz im getobe der begeisterung wetten abgeschlossen werden A. Zweig
Grischa (1953) 121; Kellermann
tunnel (1955) 308. —
weiterhin: denn ich selbst dergleichen hunde in meiner faust gehabt, auf welche ich ... ein grosse wette halten wollen, von weitem zu sagen, was sie ... suchten Göchhausen
notabilia venat. (1741) 13. D@33) '
wettstreit, wettspiel'
; nur gelegentlich bezeugt, meist in übertragenem gebrauch: certatim in kampffs weysz ... in wett weysz, wenn ye einer den anderen überwinden oder übertrAeffen wil, oder dem anderen vorthuon Frisius
dict. (1556) 213
a: Tristan der minnen blinde tete den poinder und die ritterschaft ze harte über sine craft: er spranc hin an daz bette und verlos ouch an dem wette, wan ime sin ader uf brach Gottfried v. Straszburg
Tristan 15 190
Ranke, sî tragin rittirlîch ir swert ... ûf ir huf gebunden ... an in ist ellenthafte wel (
wahl) zu strîtlîchir wette Nicolaus v. Jeroschin
kronike v. Pruzinlant 771
Strehlke; zur schönen wett nun beyde trett, mein Jesum last erklingen Spee
trutznachtigall 20
ndr.; vermildernd schien das helle abendroth auf dieses urwalds grauenvolle stätte, wo ungestört das leben mit dem tod jahrtausend lang gekämpft die ernste wette Lenau
ged. (1857) 1, 232. D@44)
in wendungen, die sich nicht einer einzelnen der oben angeführten bedeutungen (1—3)
anschlieszen, sondern wegen ihres z. t. formelhaften charakters mehrdeutig sind. D@4@aa)
verbale verbindungen. D@4@a@aα)
die höhe des einsatzes, die art der vereinbarung betreffend (
vgl. 1, 2); eine
wette schlagen auf jm.: der könig hat eine wette auf euch (
Hamlet) und auf dem jungen Leonhardo geschlagen ... ihr sollt zusammen ... fechten
schausp. engl. comöd. 182
Creizenach. die
wette bieten: kannst du mich mit genusz betrügen; das sey für mich der letzte tag! die wette biet' ich Göthe I 14, 81
W. (
Faust I).
es gilt eine wette u. dgl.: sacramento contendere es eine wette gelten lassen Corvinus (1646) 725; vnd wenn es sollte eine wette gelten, wer sich zum meisten in den Venus kampff brauchen köndte
schausp. engl. comödianten 24
Creizenach; C. Weise
erznarren 132
ndr.; dasz ... ein exercirter meister sich gar wohl obligiren kOente, eine jedwede arie, ... wenn es eine wette gelten solte, 5, 6 und mehr mahl ... zu componiren Heinichen
generalbasz (1728) 88; es gilt eine wette, sie müssen eine probe bestehn Göthe I 9, 150
W. mit der verbindung die wette gilt wird jedoch die gültigkeit der abmachung bezeichnet: hier meine hand zum pfande ... die wette gilt Arnim
s. w. (1853) 9, 115; die wette galt, ... und das geld wurde ausgesetzt Hebel
w. 2, 84
Behaghel. dagegen in der frageform was gilt die wette? auf die höhe des einsatzes bezogen: so kannst du nicht treffen. — ich kann, was gilt die wette? G. Freytag
ges. w. (1886) 2, 72.
oft nur als rhetorische frage: was gilt die wette, das hast du von ihm gelernt Meissner
skizzen (1778) 1, 175; man nenne mir das stück des grossen Corneille, welches ch nicht besser machen wollte. was gilt die wette?
[] Lessing 10, 296
L.-M.; es sind aber blumen ... was gilt die wette, dasz ich dir etwas hübsches zusammenstelle Fontane
ges. w. (1905) I 5, 191. D@4@a@bβ)
den ausgang der wette,
gewinn oder verlust des einsatzes betreffend (
vgl. 1, 2);
die wette gewinnen: solcher gestalten hatte Isidoro die wette schon gewonnen Zend. a Zendoriis
teutsche winternächte (1682) 65; das spiel ... ist gleichsam eine wette, welche derjenige gewinnen soll, der die meiste geschicklichkeit besitzt J. E. Schlegel
w. (1761) 3, 470; er schreibt, dasz unser almanach ihm eine wette von 6 champagnerflaschen gewonnen habe, denn er habe gegen einen andern behauptet, er würde gewisz keine xenien enthalten (1796) Schiller
br. 5, 290
Jonas; Mephistopheles darf seine wette nur halb gewinnen Göthe IV 34, 5
W.; irgend jemand schrieb: er gewinnt die wette! Renn
adel im untergang (1947) 295.
das, die wette verlieren: vorweddede einer sin ganze gut und vorlöre dat wedde, he mot sik mit dem, de gewunnen heft, seines gefallens vordragen (16.
jh.)
rügisches landr. 67
Frommhold; ich wollte meine wette verlieren, wenn man nicht oft den vers gelesen, ohne seinen sinn einzusehen, und zu bewundern Schönaich
ästhetik (1754) 8; wette nicht; denn sieh, ob du nicht die wette verloren hättest Lessing 2, 19
L.-M.; nein! frechere wette verliert man nicht, als an der Elbe ich dazumalen Göthe I 4, 244
W.; einige, die ihre erste wette verloren hatten, wollten durch eine zweite ... den verlust wiedergutmachen H. Mann
ausgew. w. 1, 586
Kant. —
ungewöhnlich: sonst ist auch bekant, das Eunomus, als er mit Aristone eine wette versingen wollen, sich zugleich seiner leyer gebraucht Butschky
Pathmos (1677) 165. D@4@bb)
präpositionale verbindungen; zu(r) wette; in, um (die) wette. D@4@b@aα) ze wette, zu(r) wette.
im mhd. oft in verbindung mit den verben stân
und setzen,
hier zunächst noch in der bedeutung 1 '
wetteinsatz' (
in deutlichem anschlusz an A 1 a '
pfand',
vgl. dieselbe wendung ze wette stân
braunschw. reimchron., ebda; ferner unten βαα in die wette setzen
und γ auf die wette setzen): sî minneten sunder bette: diu minne stuont ze wette, sweder nider gelæge (
im zweikampf) dem wart der tôt wæge (
bevorstehend) Hartmann v. Aue
Erec 9108
Haupt; sî sprach 'her Iwein, hœret ir? sî suochent iuch. nû volget mir, und enkumt niht ab dem bette. iu stêt ditz dinc ze wette niuwan umbe daz lebn
Iwein 1232
Ben.-Lachmann; ich getorste wol ze wette den lîp dar umbe setzen, daz ez beginnet letzen noch hînaht alle iuwer tage, geloubent ir niht mîner sage Heinrich v.
d. Türlin
diu crone 20 662
lit. ver.; ich sezze iu ze wette beide mîn guot unde lîp ob iuch daz minneklîche wîp iemer nîe an geschrîe
in: gesamtabenteuer 1, 222
v. d. Hagen; und wenn sie gleichsam was darauf zur wette setzen, wer von den beyden wohl am allermeisten liebt Henrici
ernst-, scherzh. u. sat. ged. (1727) 1, 312; da (
im turnier) steht haut und haar zur wette C. G. Cramer
turnier zu Nordhausen (1822) 102.
doch kann die gleiche wendung auch inhaltlich dem folgenden entsprechen: bis izt noch scheinen dichter und publikum gegen einander zur wette gesezt zu haben, welcher den andern, von seite der dichter an güte, von seiten des publikums an vernachlässigung übertreffen werde Kretschmann
s. w. (1784) 2, 22; ich will es zur wette setzen
ich will darauf wetten Vilmar
Kurhessen 451.
[] der ursprüngliche sinn verblaszt in formelhaften verbindungen mit verben, die eine auf den gewinn des wetteinsatzes gerichtete tätigkeit, ein sich messen im sportlichen leistungskampf bezeichnen (fechten, laufen, rennen
u. dgl.);
hier ist schon in den frühen belegen nicht immer zu entscheiden, ob tatsächlich ein gewinn eingesetzt war oder ob nicht vielmehr die gleichzeitige anstrengung zweier gegeneinander oder miteinander handelnder personen zum ausdruck gebracht werden soll: ir ros si ze wette ranten sô samenten sich die frowen ir scône spil ze scowen
kaiserchronik 114
Schröder; wâre daz irs phlâget: daz ir sanfte lâget an einem scônen bette, und wârez dâ ze wette daz vehten umb die minne dâ moht ir wol gewinnen ... dar umbe setze ich û min phant, einen trôischen bisant Heinrich v. Veldeke
Eneide 241, 22
Ettm.; dô sprach von Niderlandeder küene Sîfrit daz muget ir wol versuochen,welt ir mir loufen mit ze wette zuo dem brunnen
Nibelungenlied 973, 3
Bartsch; swâ dise zwêne solten leben ze wette umb êre, wem daz lop die wisen solten geben ... sô næme ich den ze kempfen, der sich vor untugenden kunde schamen Reinmar v. Zweter 81, 5
Roethe; welicher zewett loufft vnd zum zyl kompt, dem ist nit not sich wyter ze uben Riederer
spiegel d. waren rhetoric (1493) j 5
b; welche auch mit den göttern zu wet geschossen Schaidenreisser
Odyssea (1537) 32
a; zwar gab es auch musiker, die zu Delphis nicht zur wette mitspielen wollten Herder 12, 252
S.; stellt dem Antonus grad euch in den weg, wenn er zur wette läuft
Shakespeare 2 (1797) 12; so wird der trug zu nichte, wenn list mit list zur wette, kühnheit mit klugheit ringt Göthe I 12, 175
W.; hättst du sie dort gesehn im drachenhorst, wie sie sich mit dem wurm zur wette bäumte Grillparzer
s. w. 5, 167
Sauer. auch in zusammenhängen, in denen nur intensität und gleichzeitigkeit der handlung bezeichnet werden soll: do sie schieden von dem bette, sie kusten sich ze wette
gesamtabenteuer 2, 213
v. d. Hagen; man kam mit schallenklichen bracht vnd bracht in ze ezzent an daz bett gelückez wnst man in ze wett
liedersaal 3, 407, 294
Laszberg. ungewöhnlich zur wett (stellen) '
auf ungewissen ausgang': (
ich) musz alles sagen, alles hören, alles zur wett und wage stellen! — aufgehangen sind, Tyche, deine schalen! Immermann
w. 16, 287
Hempel. D@4@b@bβ) in, um die wette;
im mhd. in der artikellosen verbindung in-, enwette.
im 16.
und 17.
jh. überwiegt in die wette,
im 18.
jh. begegnen beide wendungen in annähernd gleicher häufigkeit; Adelung
bevorzugt schon die verbindung mit um: in (
besser um) die wette 5 (1786) 191.
im 19.
jh. wird um die wette
üblicher und ist im 20.
jh. schriftsprachlich allein gebräuchlich; anders nur noch mundartlich, z. b. inne wedde rönn
um die wette laufen Lademann
Teltow 278;
entsprechend Bauer-Collitz
Waldeck 261
a; Stürenburg
ostfries. 326
b. D@4@b@b@aaαα)
in diesen wendungen ist die beziehung auf einen wetteinsatz schon in den frühen belegen nur noch selten vorhanden (
vgl. auch D 1
oben, dt. pred. 36
Roth): wan eyn dre edder veer selen hedde, so mochte he eyne setten in de wedde; aver so ik hebbe eyne alleyne, so mod ik sorghe hebben umme de eyne
narrenschyp (
Lübeck 1497) 105, 52
Brandes. [] auch später nur gelegentlich in dichterisch freier sprache: trat doch die sau mit Athene zum wettkampf! siehe, das böcklein steht! auf, seze nun du ein gemästetes lamm in die wette Voss
Theokrit, Bion u. Moschus (1808) 49; o gewisz, wenn je sich ein mann darstellt, der mehr dich Demos vertheidigt, der mehr als ich die liebe beweist, gleich wag ich das haupt in die wett' hin
ders., Aristophanes (1821) 1, 150.
bisweilen auch in engerem anschlusz an 3 '
wettstreit': ... ehr und gut, das durch alt-seyn nicht vergeht, sondern mit der ewigkeit immer in die wette steht ('
d. i. besteht') Logau
sinnged. (1654) 3, 41; und hast du niemals nicht gehöret, was Amarillis thut? die eben auch so schön und die mit dir kan in die wette gehn an schönheit und gestalt Rheinbaben
poet. übers. (1711) 13; D@4@b@b@bbββ)
meist dienen diese wendungen zur bezeichnung einer bemühung zweier oder mehrerer personen, sich in ihrem eifer und in ihren leistungen gegenseitig zu übertreffen: si zwene waren under in alle stunde und alle zit inwette unde inwiderstrit wider ein ander dienesthaft. triuwe unde geselleschaft gelobeten si zwene Gottfried v. Straszburg
Tristan 18 746
Ranke; 16 897; einer der in wette lǒffet Tauler
pred. 303
Vetter; seine sorge stehet darauff ... das er vmb die wette erbeite (
concertatur) mit den goldschmiden Luther
weish. 15, 9; auff diese schreckliche snde folgeten auch die straffen, das er anhub mit andern inn die wett zu sauffen Menius
chron. Carionis (1560) 1, 172
b; reimeten vmb die wett, dichteten lieder auff allerley melodei Fischart
Garg. 304
ndr.; sie spinnt mit dem gesind' in dessen in de wette Opitz
teutsche poemata 238
ndr.; haben viel getreue patrioten die feder ergriffen und damit ... unsrem ... reichs vater ... daurhafftere papirne ehrenseulen und tempel aufzurichten sich in die wette befliszen Birken
ostl. lorbeerhayn (1657) )( 7
b; da eiferten wir in die wette, einander in honigwörtchen zu übertreffen Bräker
arm. mann i. Tockenburg 70
Wilbrandt; es strebe von euch jeder um die wette die kraft des steins in seinem ring an tag zu legen Lessing 3, 95
L.-M.; (
indesz) zehn tausend sklaven seiner üppigkeit in die wette eifern, um unerhörte und ungeheure wollüste zu erdenken Wieland
s. w. (1794) 1, 1388; die künstler und das volk überlieszen sich der reizbarkeit des gefühls und beeiferten sich in die wette, das verdienst ihrer mitbürger zu krönen J. G. Forster
ausgew. kl. schr. (1789) 148; zur übung wird der weitensprung am besten um die wette gemacht Jahn
w. (1848) 2, 33; (
der general) erzählt selbst die schönsten geschichten aus seiner leutnantszeit, wie er einmal um die wette würste gefressen ... hatte A. Zweig
eins. e. königs (1950) 177. D@4@b@b@ggγγ)
im vergleich: die gesellen der mêintate die ilten uil drate rehte alse umbe wette uon bette ze bette Wernher
Maria 4893
Wesle (
Berliner hs.); ja herre, da ist inne ein man und ein gotinne: diu ligent an einem bette und slafent alse inwette Gottfried v. Straszburg
Tristan 17 472
Ranke; da sich allerley geschwinde gutgeartete kOepf ... bemheten, mit den Griechen gleichsam vmb die wett von den tiefsinnigsten knsten zuschreiben Fischart
w. 3, 122
Hauffen; dann die erd selber ist im himmel, und laufft mitten zwischen Marte und Venere daher, als gleich in die wet Kepler
opera omnia 1, 508
Frisch; [] schafften sie ihre vorige prächtige weltliche kleider ... gleichsam in die wette ab Hahn
einl. z. d. teutschen staats-, reichs- u. kayserhist. (1721) 1, 147; denn ihr seyd die kleine welt, welche gleiche lust und freude mit dem grossen weltgebäude gleichsam umb die wette hält Chr. Weise
d. grün. jugend überfl. ged. 119
ndr. D@4@b@b@ddδδ)
oft wird die vorstellung des wettstreits auf gleichzeitige und vergleichbare vorgänge in der belebten und unbelebten natur übertragen: hastu nie gehort die fabeln, da der esel mit dem lowen in die wette schrey Luther 7, 202
W.; denn sie (
die nachtigallen) mit einander vnder ihnen um die wett singen, darmit man höre, welche die ander in lieplichheit des gesangs übertreffe Ryff
thierb. Alberti magni (1545) Q 2
a; frnAemlich aber schos jr stral die sonn auf vnser schiflin schmal, weil sie jm schir vergonnen thet, das es lif mit jr vm die wett Fischart
w. 1, 150
Hauffen; der terpentin-baum aber überträfe ... alle andere in der welt; als welcher ... mit der zeit in die wette zu tauren schiene Lohenstein
Arminius (1689) 2, 317
a; es scheint, ob prangt hier kraut und bluhmen in die wette Brockes
ird. vergnügen i. gott (1721) 4, 184; alle geschlechter der ... wolken, winde ... verbanden sich in die wette diesem kinde zu warten Zimmermann
v. d. nationalstolze (1758) 39; und stürme brausen um die wette, vom meer aufs land, vom land aufs meer Göthe I 14, 20
W. (
Faust I); und nun verschlossen in sich selbst, als hätte diesz herz sich nie geöffnet, selige stunden mit jedem stern des himmels um die wette an ihrer seite leuchtend nicht empfunden
ebda 3, 22 (
Marienbader elegie); die Dolomiten stehen in langen reihen drei und vier mann hoch über einander und strecken ihre haifischzähne in die wette empor, um sich gegenseitig zu ergänzen Steub
drei sommer in Tirol (1895) 2, 200; blanke messingkessel blitzten über dem herde mit einem mörser aus gleichem stoffe um die wette H. Seidel
Leberecht Hühnchen (1899) 177; seine wangen glühten um die wette mit den gestickten rosen auf seinem kleide A. Sperl
söhne d. hrn. Budiwoj (1927) 175; (
eines kranken mädchens) puls flog mit dem atem um die wette Carossa
schicksale dr. Bürgers (1930) 5.
auch auf (
personifizierte)
menschliche eigenschaften übertragen: dein witz und hoher muht die spielen in die wett' Rist
Parnasz (1652) 227; annehmlichkeiten und das allergenaueste gleichmasz aller glieder schmücketen um die wette ihre ganze person J. E. Schlegel
w. (1761) 3, 488; empfindsamkeit und fleisz erstrebten sich in die wette, den ganzen staat in eine so lebhafte als heilsame thätigkeit zu setzen Wieland
s. w. (1794) 6, 69.
ungewöhnlich von vergleichbaren fähigkeiten: meine schwester, sagte Hersilie, weisz sie (
die inschriften) sämmtlich auszulegen, mit dem custode versteht sie's um die wette Göthe I 24, 99
W. D@4@b@b@eeεε)
in anderen fällen nur noch zur bezeichnung der intensität, der gemeinsamkeit oder der gleichzeitigkeit des handelns (
des vorgangs),
ohne dasz hier noch ein bewusztes wetteifern zum vorstellungsinhalt gehört: die leiten sich ân allen zorn z'ein ander an daz bette und fröuten sich enwette mit herzen und mit lîbe Konrad v. Würzburg
trojan. krieg 9138
Keller; inn eynen ströen pett da schlaffens inn die wett Hans Sachs 5, 294
lit. ver.; ein sach wie die zwen umb wet lugen Murner
kl. schr. 3, 138
Pfeiffer-Belli; die fuhrleute aber als müde kerl
[] schliffen fort, also dasz sie auch miteinander umb die wette daher schnarchten Grimmelshausen
simpl. schr. 2, 291
Kurz; sonst gieng ich bald zu bette wenn nun der abend kam, vnd alles umb die wette mit sich zur ruhe nahm Chr. Weise
d. grün. jugend überfl. ged. 36
ndr.; die welt springt aus dem bette zur arbeit, die sie kan. es legt sich vmb die wette zugleich ein jederman mit kleid vnd sorgen an Simon Dach
bei Fischer-Tümpel
evang. kirchenlied 3, 97; das feld ist unser bette, der gottesacker auch. wir (
soldaten) leben um die wette und sterben auch also. wer härmet sich darum? Fleming
dt. ged. 1, 113
lit. ver.; wir kOennen nicht vergessen, ... was sie (
d. gestorbenen kinder) zu tisch und bette den eltern in die wette vor lustigkeit gemacht Chr. Weise
polit. redner (1677) 608; was brauchst du denn der väter überhaupt? wenn sie nun sterben? bey zeiten sich nach einem umgesehn, der mit uns um die wette leben will Lessing 3, 168
L.-M. (
Nathan); der hunger ... nahm bald überhand; menschen und pferde fielen um die wette um Hebbel I 9, 203
Werner; ich ... hungerte mit meinem schreiber Pinnemann um die wette W. Raabe
s. w. I 6, 18.
die vorstellung gegenseitiger steigerung klingt noch an: seine habe wieder zu erhalten, die man ihm in die wette geraubt hatte Seume
spaziergang nach Syrakus (1815) 1, 134; die ... gemeinden ... verkaufen ihre schönen plaggengründe um die wette J. Möser
s. w. (1842) 1, 91; Lehnert ... kam ... mit der alten um die wette ... in eine behagliche stimmung Fontane
ges. w. (1905) I 6, 200. D@4@b@b@zzζζ)
schlieszlich auch als blosze verstärkungsformel in zusammenhängen, in denen die beziehung auf eine vergleichbare handlung verblaszt ist: sus trâten si gimeine ûf hôher unde liezen dar die vrouwen aller wunne bar kêren zuo dem bette. des wart von ir enwette geweinet unde enwiderstrît si viel dâ nider an der zît ûf den tôten jungelinc Konrad v. Würzburg
Alexius 1124
Gereke; dô wart in zwein mit schalle geholfen an ein bette, daz mit gezierde enwette was nâch wunsche wol bereit
ders., trojan. krieg 28 972
lit. ver.; ein fauler schaffet nichts, und friszt doch in die wette J. Grob
epigr. 105
lit. ver.; die hochgeschätzte tulipan, das sinnbild auf dem bette, zieht ihre fremde kleider an und pranget in die wette Harsdörffer
bei Fischer-Tümpel
evang. kirchenlied 5, 12; die nacht ... ist eben die, die vmb die wett in mir mein elend mus ernewen Dietrich v.
d. Werder
buszpsalmen (1632) B 2
b.
ähnlich auch: durch der hände lange kette um die wette fliegt der eimer Schiller 11, 311
G. D@4@b@gγ)
selten auf die wette (setzen);
in annäherung an 1 '
wetteinsatz': viel groszmögende städt auf ungewisse wett setzen das ihre hin, ungewisz der gewinn
bei Opel-Cohn
dreiszigj. krieg (1862) 399; euren besten fingerhut setzet nicht so bald auf die wette Bucholtz
Herkuliskus (1665) 1170.
[] D@4@cc)
in der verkürzten formel die wette (
vgl. 2wett,
adv., und die kompositionstypen 1wette 2):
stadiodromus der die wett leufft, der sich mit lauffen übet Alberus
nov. dict. (1540) b 2
b; ich inweiz ab ich ûch betrîge ein swalbe solde dî wette vlîge so ich wêne wedir einen gouch
mitteldt. ged. 4, 351
Bartsch; (
etliche knaben) ir kürczweyle triben ... als mit ringen springen und die wette lauffen Arigo
Decameron 130
Keller; ach lieben kinder, nun schlaffend dwet! (
verkürzt für die wett)
Zimmer. chron. 24, 246
B.; die welt ist schon zu bette und hat die augen zu, wir schlaffen all die wette, das meer ligt auch zu ruh Opitz
teutsche poemata (1624) 63; liebe und rache kAempften in seiner seele die wette Lohenstein
Arminius (1689) 1, 282
a; est immer schimmlich brod. legt euch nicht satt zu bette ihr geitziges gesipp, lauft lauffet nun die wette nach blanck-gemüntzten koht Knittel
poet. sinnenfrüchte (1677) 132. der wette (
gen.):
prouocat ad certamen uini er wil der wet mit jm sauffen Alberus
nov. dict. (1540) qq 3
b.
vgl. noch: es ist nicht möglich, einen menschen zu mittag an die tafel des herrn zu ziehen, der abends in einem bierhause mit dem kutscher eine wette trinkt Sonnenfels
ges. schr. (1784) 5, 332; die todesangst, der hunger rennen wette Lenau
neuere ged. (1838) 81.