gewette,
gewett,
n. ,
in den hauptverwendungen verstärkte form zu dem früheren neutrum, dem jetzt in die reihe der feminina übergeführten verbalsubstantiv wette (
s. d.).
im mundartlichen gebrauch sind daneben formen zu beachten, die als substantivierungen des particips unmittelbar auf das verbum zurückführen (
vgl. unter 1
a).
für unsere form stehen sich zwei bedeutungen gegenüber: auf der einen seite die von dem begriff eines pfandes ausgehenden verwendungen, bei denen gewette
im gegensatz zu wette
nur die functionen eines nomen actionis entwickelt; auf der andern seite die in das engere gebiet des rechtes und der verwaltung fallende bedeutung eines strafgeldes. von hier aus zweigt eine auf landschaftlichen (
niederdeutschen)
gebrauch beschränkte entwicklung ab, die auch beim grundwort, mehr noch beim compositum belegt ist. sie überträgt den namen auf die behörde, die die strafe verhängt, vgl. das gewett
als amtsbezeichnung für polizeibehörden, vgl. die zusammensetzungen gewettsherrn, gewettgericht
u. a. nur bedingt gehört in den bereich unseres wortes das gewette
in heergewette
für heergewaete (
vgl. darüber 1)
c),
das den überlieferungen der wörterbücher angehört. ein innerer zusammenhang ist freilich auch zwischen gewaete
und gewette
anzunehmen, insofern beide bildungen auf die gleiche wurzel zurückführen, für die mit Mehringer (
indogerm. forschungen 17, 142)
die bedeutung von binden (flechten, weben)
anzusetzen ist. gegen die entwicklung des juristischen begriffes pfand
aus der grundbedeutung binden
liegen keinerlei bedenken vor, und unterstützt wird diese deutung durch die althochdeutschen participialbildungen (kawetan, kiwetan,
conjugatus, conjunctus Graff 1, 738),
die unsere wortsippe im gleichen bedeutungszusammenhang vorführen, und die sich in mundartlichen gebrauchsformen fortsetzen. 11)
älteste belege, concurrenzbildungen gleichen stammes und deren mundartliche ausläufer, heergewette. 1@aa)
das mit dem i
suffix gebildete neutrum (wette)
in der bedeutung von pfand, pfandsetzung
hat schon einen langen zeitraum des gebrauchs und der entwicklung durchlaufen, ehe es mit dem präfix ge
bezeugt ist. dasz das deutsche wort den lateinischen (vas, vadimonium)
und auch griechischen bildungen (
s. unten)
urverwandt sei, wird neuerdings allgemein angenommen. schon bei Ulfilas ist die form vadi
mehrmals bezeugt und ist dort durchweg übertragen gebraucht: jah siglands uns jah gibands vadi ahman in hairtona unsara 2.
Korr. 1, 22 (und in unser hertzen das pfand, den geist gegeben hat. Luther);
ebenso 5, 5;
ähnl. Ephes. 1, 14.
Skeireins 48.
in der althochdeutschen periode bieten die glossen vielfach zeugnisse sowol für die sachbedeutung als auch für die function des nomen actionis, vgl. wetti,
pignus, vadimonium, stipulatio, pactum, fenus Graff 1, 740;
vgl. mittellat. vadium (gage);
aus der groszen zahl der mittelhochdeutschen belege für wette (
mhd. wb. 3
b, 775)
ist vor allem die entwicklung hervorzuheben, die die bedeutung eines pfandvertrages
hier erfährt. allgemein als abmachung, der ein gegenseitiger einsatz von pfändern vorausgeht, im besondern als einleitung eines kampfes (
vgl.wettkampf),
liegt sie den mannigfaltigsten formeln zu grunde, mit denen die blüthezeit der mittelhochd. dichtung schaltet. das compositum mit dem präfix nimmt an diesem gebrauch erst bei den nachzüglern aus dem ende des 13.
jahrh. teil; vorher ist es ein einzigesmal in einer predigt aus dem 12.
jahrh. belegt, und zwar in einem gebrauche, der vielleicht dem übergang zur bedeutung von busze, strafgeld
als erklärung dienen kann: michel mêre suln die mennesgin gefrouwit werdin, den der fride gemachôt was an der erde. der fride chom an der cîte: wan diu gewette werete funftûsind jâre unde mêre, daz wir armennesgen newedir habetôn gotes hulde noch der engile minne.
s. Wackernagel
altd. lesebuch 194.
das genus des fem., das der artikel hier dem gewette
beilegt, entspricht dem mitteldeutschen gebrauch von wette,
das dort früh als fem. bezeugt ist. für die bedeutungsentwickelung des wortes ist der gegensatz bemerkenswerth, in den gewette
hier zu friede
tritt, es kennzeichnet die störung des friedens, die zeit des kampfes. da nun der juristische begriff von gewette
im sinne eines strafgeldes
vom gleichen anlasz ausgeht, vom friedensbruch (
s. u.)
und da das friedensgeld geradezu friede (fredus
vgl. Brunner rechtsgesch. 1
2, 230)
genannt wird, so wäre auch die entgegengesetzte benennung (
vgl.(fehde
für busze)
nicht ausgeschlossen. 1@bb)
lange vor diesem zeugnis ist das präfix ge
bei andern ableitungen vom gleichen stamme belegt. 1@b@aα)
schon in die sprache des Ulfilas reicht das verbum zurück: gavadjoda auk izvis ainamma vaira mauja svikna du usgiban Christau
2. Kor. 11, 2 (ich hab euch gemehelt aim man
cod. Tepl.; ich habe euch vertraut einem mann, dass ich eine reine jungfrau Christo zubrächte Luther).
die bedeutung von gavadjon (trauen, antrauen)
läszt sich von dem juristischen begriffe der pfandsetzung ableiten (
vgl. Schröder die verlobung als wettvertrag
rechtsgeschichte4 300)
oder aber mit Mehringer
a. a. o. auf den begriff conjungere
zurückführen. für die zweite erklärung spricht die bedeutungsrichtung des particips, das schon in den ältesten glossen überliefert ist, und das dort ebenso wie im sprachgebrauch Notkers
und einiger mittelhochd. dichter übertragene verwendungen entwickelt, die alle immer wieder auf die bedeutung ins joch spannen, conjungere, conjugare
zurückführen; conjugate, nupte, kiwetan,
Hrabanisch-Keronische glossen s. Steinmeyer-Sievers 1, 60; tiu zwei sint kewetiu. bediu heizet taz argumentum a conjugatis. Notker
Boethius 190
a Hattemer; mit clesinemo puluere, chleino gemalnemo unde gnôto gewetemo (
handschr. geuéutemo) 27
a.
die normale schwache participialform ist nur bei Notker
und in varianten zur genesis (
vgl. auch die substantivbildungen in β)
belegt, die mittelhochdeutschen zeugnisse zeigen wie die glossen nur starke flexion; do was des dritten werwort er hiete gechouffot funf gewet ohsin, er muose die besuchen.
Genesis und exodus 112, 32 Diemer (
handschr. gewetene,
Wiener handschr. gwet); unde flôch âne strît. doch er ûf Gringuljeten ze dem besten rosse wære geweten (geriten) daz ie ritter gewan, also snelle kêrte er dan rehte an die wider vart. Hartmann
Erec 4715
Haupt; ich vant an der fossiure den haft und sach die vallen. ich bin ze der kristallen ouch under stunden geweten. Gottfried v. Strassburg
Tristan 17117
Marold; ich
weiʒ wol, eʒ ist ein altez mære daʒ ein armez minnerlîn ist rehte ein marterære. seht, zuo den was ich geweten wâfen! die wil ich lân und wil inz luoder treten. Steinmar
bei Bartsch
schweiz. minnes. (19, 1)
s. 170 (
grosze Heidelberger handschr.: gewetten: tretten). in deʒ tievils ioch hatte er sich gewetten er wol de niht tretten von der helle stige. Hugo v. Langenstein
Martina s. 282
Keller; erhurnet abe ein man dem andern sinen ochsen der geweten ist oder ein rint, der ist schuldic ieme des daz rint gewæsen ist funf schillinge unde dem vogte drizzig phenninge.
stadtbuch von Augsburg 174
Mayer; der hofe cze Harde, wenne die maiger daruf säszen, so hettens mit der statt cze Dornhain nütt ze schaffene und hettin sunder waide und ban, wan das si mit gewetnan rindern durch die malatzgassen ab sont varen über den brunnen und wider uff.
weisthum zu Dornheim (
Württemb. Schwarzwald)
weisth. 1, 374 (
aus 1417). 1@b@bβ)
in eben diesen zusammenhang weisen auch substantivbildungen der althochdeutschen zeit, die von der schwachen form des präteritums abzweigen; sie leben noch heute mundartlich weiter und halten an der gleichen eng begrenzten bedeutung fest. 1@b@b@11))
auf das neutrum weisen: 1@b@b@1@aa)) jugis ... giwetun, giwetene
glossen zu 1. könige 19, 19 Steinmeyer-Sievers 1, 441 (er pflüget mit zwelff jochen Luther);
par, giwet
ebenda (ein joch rinder Luther);
jugales, giwet,
glosse zu Jeremias 51, 23 (joch Luther)
ebenda 1, 634.
dem entspricht auch die notiz bei Maaler: gewätt (
das), allerlei rüstung unnd band zum jochen dienlich,
jugamentum, compago 178
c.
das gleiche wiederholt bei Frisch 2, 444
c.
dazu vgl. die späteren mundartlichen feststellungen: das gewätt, das joch sammt zugehör zum einspannen ... ein g'wätt ochsen Stalder
schweiz. idiot. 2, 438; g'wet, das joch, das joch ochsen, auch die ochsenhörner, weil die ochsen daran eingejocht werden. Lexer
Kärnt. wb. 256;
ebenso gewette
bei Unger-Khull 290
a. 1@b@b@1@bb))
auf diese bedeutung könnte das folgende substantiv zurückgeführt werden, das andererseits sich auch aus gewett 2)
erklären läszt: darnach machentz ain gewett jeder man mit ainer zu bett da werdent si so gAemenlich die kutten zipfel ubent sich.
v. d. Barfüsser mönchen 139
in Laszbergs
liedersaal. 3, 394. 1@b@b@1@cc))
von einer allgemeineren fassung der bedeutung conjungere geht eine andere buchung Maalers
aus: wol in einanderen gefügte und gewättne blöcher,
trabes compactiles 178
c;
dem entspricht: gewätt ... gebäude, welches aus ordentlich gefügten balken besteht. Stalder 2, 438. 1@b@b@22))
auch im genus des masculinums zweigt das particip eine form der substantivierung ab, die die ersterwähnte bedeutung verallgemeinert und die im besondern den unter 1))
b))
angeführten beleg erhellt: gewete, genosse
vgl. mhd. wb. 3, 774
b; Lexer 1, 989; dâ prîs mit wârheit ist vernomn an im und ouch an Gahmurete. reht werdekeit was sîn gewete.
Parzival 326, 4; daʒ im Marjodô êre ûʒerhalp des herzen bôt und sîn gewete (
var.: geferte, geselle) petit Melôt, die sîne vînde ê wâren.
Tristan 16322
Marold u. a. in mundartlichen gebrauch ist diese verwendung nicht übergegangen. 1@cc)
die verbindung heergewette
an stelle von heergewaete
ist nur in wörterbüchern belegt und mag überhaupt auf schriftlicher überlieferung beruhen. den ausgangspunkt haben wir wol in der niederdeutschen form von gewaete
zu suchen. hierauf weist auch die älteste buchung —
bei Stieler —
hin: ab hoc wad
venit antiquum vocab. wette
et gewette,
quasi gewade,
propr. vestimenta aliaque supellectilia lintea: superest nobis adhuc vox heergewette Stieler 2406,
ähnlich Adelung 2, 1049
u. a. in einigen buchungen ist ein allgemeinerer begriff herausgearbeitet: gewette,
suppellex ... s. geräth Hederich 1, 1422: das gewett oder gewette kommt in älteren büchern nicht sowohl für kleid, als für ausstaffirung oder geräth vor. man hat davon noch das heergewette, wofür einige unrichtig hergeräth gebrauchen, weil jetzt dieses letztere eine viel weitere bedeutung hat. Heynatz 2, 55.
man könnte versucht sein, diesen begriff von supplex
mit den unter b)
β)
belegten verwendungen in beziehung zu setzen und von hier aus das heergewette
zu erklären; es würde sich hierbei auch eine neue parallele zu gewende (ein gewende pferde
sp. 5472)
ergeben. doch die eigenart der zeugnisse für diesen gebrauch von gewette,
die sich auf wörterbücher beschränken und die deutlich die abhängigkeit von einer eng begrenzten überlieferung verrathen, legt es uns näher, den ausgangspunkt für die entwicklung des allgemeinen begriffes in der parallele heergewaete, heergeräthe
zu suchen, vgl. auch gewette (
das, pro geräthe)
res; heergewette (
pro heergeräthe),
res expeditoriae Steinbach 2, 985. 22)
unter den verwendungen, die an die bedeutung von pignus
anknüpfen, hat die zusammengesetzte form gewette
anscheinend nur solche entwickelt, die die function eines nomen actionis bloszlegen. einige zeugnisse, die sachbedeutung verrathen, weisen auf eine spätere secundäre entwicklung hin (
vgl. das analoge bei ἀθλον,
wettkampf, kampfpreis). 2@aa)
die ältesten belege führen unmittelbar auf die bedeutung eines durch den einsatz von pfändern geregelten kampfes (wettkampf)
zurück, die in poetischen übertragungen und erweiterungen die bindung an einsätze mehr und mehr abstreift und dem allgemeineren begriffe kampf, streit
zustrebt. 2@a@aα)
zum einsatz eines pfandes als der vorbedingung des zweikampfes vgl. die schon von R. Schröder
rechtsgesch.4 759
angezogene stelle: ich bin ouch ein recke und solde krône tragen. ich wil daʒ gerne fügen daʒ si von mir sagen daʒ ich habe von rehte liute unde lant. dar umbe sol mîn êre und ouch mîn houbet wesen phant.
Nibel. 108, 1
ff. Lachmann. vgl. auch: de ûtbut den kamp, dat is dat recht, einen hantschen deme anderen to donde plecht; den hebbe gi hir, nemet to ju!
Reinke de vos 6125
ff. Lübben. dazu vgl. nun: da schickhet der Hunfrid dem herzog von Burgundien einen handschuech zu gewett, mit ihme im feld zustreitten & den handschuech namb der herzog von Burgundi auf.
bayrische chron. bei Freyberg 1, 122; Pontus antwurt jm (
dem heiden) darauf, wie er allein mit jm wolt fechten und wolt jm starck genuog sein. der kunig und die herren waren fast traurig und unmuotig daʒ Pontus sein gewette het getroffen und das fechten het versprochen.
Pontus u. Sidonia (1498) b 6
b. 2@a@bβ)
diesen belegen gehen die beispiele für den kampf selbst schon voraus, ebenso ist die erweiterung des begriffes in poetischer übertragung früher bezeugt: eʒ wart gesehen an Gamurette, und ouch an Dieterîch von Latrisette, an Îsenharte eʒ ouch geschach: der starp durch solch gewette; eʒ ist hie sam an Tschîônâtulander. Frauenlob 359, 9
Ettmüller s. 205. von der truoc er minnen last, des was si siner frovden gast, siner liebiu ain sendes lait, siner senfte unsenftekait ... ain ungunst sines herzen ger sines unwillen an wer, ain versagen sonder bette, siner sinne ain gewette, wan er wart ir niemer fri si wAer im zallen ziten bi. R. v. Ems
Willehalm 4364
Junk; daʒ ein maget einvaltic Alexandern also gewaltic mit worten ubir rette und sin hoh gewette mit magetlicher wipheit gebrochin unde hin geleit. Hugo von Langenstein
Martina 148, 28
Keller. 2@bb)
wie schon die unter a)
α)
angeführten belege zeigen, lassen die verwendungen, die in der übergangszeit zur neueren periode hervortreten, die vorstellung eines pfandes, eines einsatzes stärker wieder aufleben. 2@b@aα)
hier zuerst ist der rechtsbegriff rein gefaszt bezeugt: umb gewett gelt
Münchener stadtrechtbuch (
v. 1453)
vgl. Schmeller 2
2, 1050)
vgl.gewedde hant, gewette scult Verwijs
u. Verdam 2, 1904;
vgl. wei ock eghen slot hedde oder slot gheweddes
Hansische urkunde von 1352 (
urkundenb. 3, 113);
deponiren ... etwas zu treuen handen pfandsweisz underlegen. etwas wetten unnd umb ein gewett pfandt hinder ein dritten man legen. Simon Rot E
b β.
dazu vgl.: so han wir jedweder teil dem andern gelobt, und zu einem angewette ufgesetzt und gelobt, und verbrget 200. markh silbers Zrich gewicht, weder teil nit statt hette dasz die schildlt oder der obmann uszseiten, oder der merteil under inen, dasz er dem andern teile, der da gehorsam ist, des vorgenanten 200. march schuldig sig ze geben, und darzu gefallen sig, ab allem rechte siner sachen. Tschudi
Schweiz. chron. (
urk. von 1311) 1, 256
a Iselin. 2@b@bβ)
auch die bedeutung eines kampfes ist in der strengen bindung an einsätze (wettkampf)
bezeugt, die belege sind nur aus Wickram
übermittelt: sobaldt die junckfraw solchs geret, schickten sie sich zu dem gewet. (
wettlauf der Athalante u. des Hypomenes) Wickram (
Albrechts Ovid. 10.
cap. 13
v. 1172) 8, 79
Bolte; inn solchem zog der jüngling fort, fürlieff die magt am selben ort. das volck gmeinlichen rieffen thet dem jüngling zu an seim gewet. (
resonant spectacula plausu)
ebenda (10.
cap. 14.
v. 1228) 8, 81. 2@b@gγ)
reichlicher freilich flieszen die zeugnisse für die verwendungen, die sich mehr der heutigen bedeutung einer wette nähern. der einsatz eines pfandes bleibt im vordergrunde, während das moment des kampfes und streites sich mehr und mehr verflüchtigt: als sie nuon gehn Rom kumen sind, haben sie aller deren heuser, zo das gewett bestanden durchgangen, irer weiber thuon und lassen zuo erkundigen. Wickram (
von guten u. bösen nachbarn cap. 38) 2, 222.
vor allem zahlreich sind hier die belege aus H. Sachs: 2@b@g@11))
bauer. ja, wer wolt uns aber bescheiden, ob ich recht habe oder du?
Eulensp. der nechst mensch, welcher komt herzu, ... der bawer schlegt ims dar und spricht: ja wol, es gelt wol das gewett, wie du ietzt selber hast geredt. wo der saget, mein tuch sei blab, das hosztuch du gewonnen hab; wird aber das tuch grün zeigt an, acht thaler ich gewonnen han. H. Sachs (
Eulenspiegel mit dem blauen hosztuch und dem bauern) 21, 55
Götze; ains tages sagt der kafman fein, sein lebtag er die frawen sein kein mal het hOeren feisten oder krachen. der lanther ... sagt: 'es guelt ein guet fischmal! e wan zwai gancze monat thnd verlaffen, soltu dein frauen horen feisten nicht ain mal, snder ane zal'. das gwet schlgens mit den henden zu hauffen. (
das knarrzet weib)
fab. u. schw. 4, 240; der bawer schlegt das gewett dar und spricht. (
bauer mit dem plerr) 17. 48
Götze; 2@b@g@22)) pei dem ein piderman mag wol pedencken, was ungluecks trnckenheit ursacht, wa man umbget mit so nerischen schwencken, umb kelbert af der gassen pis af miternacht und anrichtet geferliche gewette. (
die bachanten im beinhause)
fab. u. schw. 3, 95;
genau so 2, 56; mit dem (
kaufmann) macht Ambrogilo haimlich ain gewet, im tausent gulden an funftausent seczen thet, er wolt in kuercz erpulen im sein frauen. (
d. poswicht im kasten) 4. 87.
ebenso 4, 112; 5, 239; wir drei detten vor acht tag ain gewette, das iegliche ain prech antrag nacht unde dag. welche sich thuoet verhawen, zalen sol die ein virtheil wein. (
burgerin mit dem pfaffen) 5, 149; des lachet der wirdig edel ritter und sprach zue dem keiser: 'losʒ, keiser, ich will ein gewett mit dir tuen: ist, daʒ ich dich überwind, also daʒ mir die martter unschedlich ist zue dem tod, daʒ du dan ann min got gelaubest ... des antwurt im der keiser unnd sprach: 'ich will kein gewett mit dir hann.'
buch v. heil. Georg bei Bachmann
u. Singer 321.
dazu vgl. auch ein gewett mit einem thun,
cum aliquo sponsionem facere Aler 936
a; Bayer 291
b. weil man aber vor hat vernommen das die geselschaft an solt kommen: auch etlich gwett drauf waren bschehen wa man sie heut würd kommen sehen, da stund von Gisen zwar herauf zum kaufhaus zu, ein solcher hauf von mann und weibern. Fischart
glückh. schiff 735
neudr. s. 22. 2@b@g@33)) ich pin dir ein warsager, das gwet hast gwis verloren du af diesen reters knaben. H. Sachs (
die juden vulva 22)
fab. u. schw. 5, 158; darumb ward erkannt, dasʒ er das gewett verloren, und jener redlich gewonnen hette. Bebel
facetiae (1589) 174
a. 2@b@g@44)) comedia von zweien fürstlichen rähten, die alle beede umb eines gewetts willen umb ein weib buleten.
titel eines stücks von Ayrer 1, 11
Keller. 2@cc)
in der neueren sprache ist es nur diese engere bedeutung von wette,
in der auch gewette
noch weiter lebt. ganz vereinzelt macht sich in den ältesten belegen dieser periode noch der allgemeinere begriff kampf, streit
geltend: d Hussiten wollt kaiser Sigmunð todt haben alle kurz und rund; das thäten d Hussiten verachten, gwunnen ihm ab etliche schlachten, viel tausend wägen in dem gwett, viel land und leut, dazu auch städt, das gwunnen d Böhmen, und zugleich verfolgt Ungern und Österreich.
ursachen ... diesem betrübten zustand in Deutschl. abzuhelfen (1620)
bei Opel
u. Cohn 52, 51. 2@c@aα)
in den wörterbüchern wird das compositum meist mit sponsio
gleichgesetzt und weist hierin auf eine ältere fassung des begriffs wette.
später verräth sich in manchen nachträgen eine wandlung dieses begriffes, und die jüngern wörterbücher setzen gewette
und wette
im neuern sinne einfach als identisch an, nur dasz an gewette
das verbalsubstantiv nach analogie von getreibe, gethue
herausgearbeitet wird: verheissung oder gewett,
audax sponsio Maaler 179
a; gewette, satz, verheiszung,
sponsio, sposum, omnis promissio stipulatioque, à wetten,
deponere Henisch 1598; gewett,
n., sponsio Gürtler 2, 74
b;
ebenso Aler 936
a; Bayer 291
b; Kirsch 2, 151
b; Matthiae 2, 181
a; gewett,
n., wett ...
gagûre Rädlein 1, 383
a; gewette,
n., la gageure, le pariement, sponsio Pomey 133;
ähnlich Veneroni 75
a (gewett); wette, oder gewette,
lat. sponsio, franz. gageure, ist ein contract, da man sich über die wahrheit oder den ausgang einer noch ungewissen oder unbekannten sache ... dergestalt vergleichet, dasz derjenige, dessen meinung mit der wahrheit oder dem ausgange übereinkommen würde, einen gewissen gewinn haben solle,
s.pact. Chomel 8, 2325; gewette, die wette (
a bet or wager), die wettung (
the laying of wagers or bets).
teutsch-engl. wb. (1716) 772;
ebenso Hilpert 1, 464
a; gewette, wettung, gewedde, wedding, wed-spiel Kramer 2, 97
a; ein gewett anlegen,
faire une gageure; das gewett gewinnen,
gagner la gageure Rondeau 2, Uu 3
b; das gewette,
n., das wetten (
im gemeinen leben; im oberdeutschen auch für) die wette; ein gewette anstellen ... es gilt ein gewette Adelung 2, 661; gewett, die wette Loritza
neues idiot. Wiennense 51; gewett ... wette. Martin
u. Lienhart
wb. d. Elsässischen mundarten 2, 879
a (um's gewett; was gilt's gewett? er hat e gewett gemacht). 2@c@bβ)
die litterarischen belege sind spärlich, sie entstammen dem schriftgebrauch älterer süddeutscher stilisten, vor allem aus der Schweiz: dieses gedicht war eine art eines gewettes: mein freund
d. D. Stähelin und andere werthe bekannte ... erhoben die Engelländer und rückten mir oft das unvermögen der deutschen dichtkunst vor. ich nahm die ausforderung an ... ich suchte in einem nach dem englischen geschmacke eingerichteten gedichte darzuthun, dasz die deutsche sprache keinen antheil an dem mangel philosophischer dichter hätte. Haller (
vorbericht zu den gedanken über vernunft) 43
Hirzel; das war ein spasz, wie ihr einst ein gewette mit ihm anstelltet, wer den schönsten fisch angeln würde, und euer taucher ihm einen eingesalznen fisch an seiner angel hieng, den er mit grossem eifer herauszog. Wieland
übersetzung des Shakespeare, (
Antonius und Cleopatra 2, 5) 4, 231 (
Schlegel: lustig war mit ihm das wetteangeln ...
't was merry when you wager 'd on your angling); dasz sie in diesem augenblick gegen untadelhafte männer dieses thun würden, schien so unwahrscheinlich, dass der hr. Tronchin und ich ein gewette darüber gegen die frau Tr. verloren haben, zu unserer gröszten schande, denn wir hatten fait les agréables à ses dépens. Joh. v. Müller (
briefe an Bonstetten) 13, 207. 33)
die bedeutung strafgeld
führt auf den dualismus zurück, der an den geldstrafen des älteren deutschen rechts wahrgenommen wird: neben dem sühngeld, welches der verletzten partei zuerkannt wurde, war in der regel auch ein bestimmter betrag an die öffentliche gewalt oder an das gemeinwesen zu entrichten, das friedensgeld, in den lateinisch geschriebenen quellen fretus, fredus, freda, gelegentlich auch pax oder poena pacis genannt Brunner
rechtsgesch. 1
2, 230;
vgl. auch R. Schröder
rechtsgesch.4,
s. 81.
dieses friedensgeld wird von der mitte des 13.
jahrh. ab in deutschen rechtsquellen auch wette, gewette
genannt und als solches der busze
gegenüber gestellt, später jedoch von ihr nicht mehr unterschieden. vgl. Schröder
a. a. o. 116.
vgl. auch: gewette, sachsenbusse Chomel
u. a. s. unten sp. 5706,
vgl. Verwijs
u. Verdam 2, 1871.
die deutung dieses gebrauchs darf aus lautlichen gründen nicht von wite (
althochd. wîze)
ausgehen, obwohl das angelsächsische und niederdeutsche auch diese wortsippe (wite
ursprünglich = peinliche strafe)
in den kreis der synonyma eingeführt haben, vgl. Brunner
a. a. o. vgl. wedde, geldstrafe
mulcta, sonst auch wite.
vers. eines brem. nieders. wb. 5, 209,
vgl. auch wite
bei Schiller - Lübben 5, 747
ff. die oben (
sp. 5701/2)
beigebrachten belege berechtigen dazu, auch für gewette
als strafgeld von der gleichung wette, pfand
auszugehen; vgl. auch die beitreibung von busze
und gewette
durch pfändung s. sp. 5705.
auch dafür lieszen sich gründe beibringen, dasz zuerst das friedensgeld und nicht auch die busze an diese gleichung gebunden wurde. vielleicht ist aber doch mehr gewicht auf die oben (
sp. 5699)
angeführte alte stelle zu legen, in der der gegensatz zwischen gewette
und friede
so scharf gefast ist. da die busze auch fehde (Schröder
a. a. o. 81),
das strafgeld sonst friede
genannt wird, so wäre mit gewette
die bezeichnungsart der einen form der geldstrafe auch auf die andere übergegangen. gewette
würde aber mit der bedeutung unfriede, streit, kampf
im letzten grunde ebenfalls auf die gleichung wette, pfand
zurückführen. in der bedeutung einer geldstrafe
ist nun gewette
vom 13.
bis zum ende des 15.
jahrh. aus denkmälern der verschiedensten deutschen landschaften belegt, nicht nur aus nieder- und mittel-, sondern auch aus oberdeutschen quellen. bei den belegen aus rechtsbüchern, wie dem schwabenspiegel oder dem spiegel deutscher leute, läszt sich der oberdeutsche gebrauch durch die übernahme der betreffenden stelle aus der niederdeutschen vorlage einfach erklären. dasz aber der rechtsausdruck auch tiefer in die süddeutsche rechtssprache eindrang, beweisen die belege aus österreichischen urkunden. später schrumpft der gebrauch freilich wieder zusammen und geht auf das ursprungsgebiet zurück. zu den formen vgl.: gewedde
im sachsenspiegel und im Berliner stadtb., gewetde
in Mainzer urk., gewatte, gewette
österr. urk. und gewett
in mitteldeutschen und oberdeutschen quellen. 3@aa)
die bedeutung strafgeld. 3@a@aα)
abgrenzung von gewette
und busze: umme iewelke disse sake weddet he deme richtere; unde umme alle scult, dar de man sine bute mede gewint, dar hevet die richtere sin gewedde
an. sachsenspiegel landrecht 1, 53, § 1,
Homeyer3 s. 206,
ebenso 3, 32, 10;
vgl.alle schulde, da der man sine buozze mit gewinnet, da hat der richter sein gewette
an. doch wettet man dem richter dikke umbe unzucht, die man tuot vor gerichte.
spiegel deutscher leute 73
Ficker; swer sô den anderen slêt âne vleischwunden oder roufet, wirt her gevangen mit gerûchte und vor gerichte brâcht, ez en gêt ime an den hals noch an sîn gesunt nicht, wenne gewette und bûze verburet her dar
an. sachsenspiegel 3, 37, 1
Weiske-Hildebrand; sprich en man gut an des ime sin herre nicht ne bekant, unde he der gewere dar an darvet, he mut deme herren borgen setten sines geweddes unde siner manne bute of he sie verboret, er ime die herre dach to lenrechte bescheidet.
sachsenspiegel lehnrecht § 52
Homeyer 1, 232; sprichet ein man guot an, und wirt er mit rehte dâ von gewîset, er belîbet âne buoze unde âne gewette, die wîle er sich des guotes niht underwindet.
schwabenspiegel (
landrecht 65)
Wackernagel s. 64 (
var. wette);
genau so spiegel deutscher leute 73; iewelk richtere hevet gewedde binnen sime gerichte unde nene bute, wen die richtere ne mach beide klegere unde richtere nicht sin.
sachsenspiegel landrecht 3, 53, § 2,
Homeyer3 s. 349;
vgl. auch 3, 45, § 10; over virteinnacht sal man scult gelden, de man vor gerichte gewint; gewedde over ses weken; bute na me gewedde over virteinnacht. 2, 5, § 2
ebenda s. 232;
vgl. auch lehnrecht § 68, 10; sve gewedde unde bute nicht ne gift to rechten dagen, de vrone bode sal en dar vore panden.
sachsenspiegel landrecht 1, 53, § 3
Homeyer3 s. 206; swer busze noch gewette nicht engît ze rehten tagen, der vrônbote sol in phenden.
schwabenspiegel (
landrecht 66)
s. 64 (
var. wette);
die gleiche stelle im Berliner stadtbuch 108; der so einen scheppen strafet uf der bank her gewinet sine buse einen vierdung und der richter sin gewette. beschuldiget abir ein man einen schepphen so das orteil gevolget ist, so haben si gewunnen all ire busse und der richter sin gewette. alse manche busse alse mannich gewette.
altes Kulm. recht 2, 3
s. 22 Leman. 3@a@bβ)
abstufung der geldstrafe je nach der stellung des strafenden oder nach der schwere des vergehens. 3@a@b@11))
zur abstufung nach der stellung des richters, vgl. Schröder
a. a. o. s. 130: (der graf) konnte nicht, wie der könig schlechthin kraft seines amtes beliebige geldstrafen auf die nichtbefolgung seiner gebote verhängen, sondern die strafe (das gewette) richtete sich nach stammesrecht. demgemäss betrug das gräfliche gewette bei den salischen Franken, ebenso wie bei den Sachsen 15 schillinge. in besonderen fällen waren dem grafen auch höhere strafbefehle gestattet, namentlich wurde unter den Karolingern eine reihe von ausnahmefällen festgesetzt, in denen der graf die strafe des königsbannes im betrage von 60 schillingen verhängen durfte;
dazu vgl. nun: Constantin de koning gaf deme pavese Silvestre werltlik gewedde to' me geistliken, die sestich schillinge mede to dvingende alle jene, die gode nicht beteren ne willen mit deme live, dat man sie dar to dvinge mit deme gude.
sachsenspiegel landrecht 3, 63, § 1
Homeyer3 359 (
var. gerichte).
die gleiche stelle im Berliner stadtbuch 25. 3@a@b@22)) dem richtere sal man erdelen up ine (
den, der einen in nothwehr erschlagen hat und sich selbst dem richter stellt) dat hogeste gewedde der penninge, die man ime pleget to weddene, unde den magen ir weregelt.
sachsenspiegel, landrecht 2, 14, § 1
Homeyer3 244; weigeret sie aver dar rechtes unde werdet sie dem overen richtere beklaget, ire burmeister mut vor sie alle wedden en gewedde, unde den geburen mit drittich schillingen büten, unde iren scaden gelden. 3, 86, § 2 (
var. en gemeine gewedde)
ebenda 384; de wedde dat sint acht schillinge gewonliker penninghe. dat gewedde sal man gelden over ses weken.
Berliner stadtbuch 108; was auch der richter richtet ader in geheigtem dinge thut, das sol er nach der scheppen verfolgten orteln richten und thun. er sol ouch für ein schlechte gewette einen schilling nemen landtpfenninge und nicht mer. vor ein freuel gewette funf schilling. vor hochste gewette dreissig schillinge landtpfenninge, die do im gerichte genge und gebe sindt, und die gewette sol ouch niemandt steigen noch höen; keiner der stadt inwonhaftig und besessen burger ader burgerin sol dem gerichte gewette nicht verbürgen.
Jenaer gerichtsordnung aus der 2.
hälfte des 15.
jahrhs. bei Michelsen
s. 75;
vgl. auch Wehner
observationes (1608) 215; welch man den andern vor gerichte ubel handelt und böse wort spricht, der wett dem richter fünff schilling, heisst öm der richter swigen, thut ers nicht, so wett er daz höchste gewett alzo dick er ez thut. wan di bürger siczen an örem follen rate, wirt ein orteil von on funden, wer daz strafft, findet er nicht ein bessers vonstunt er sal wetten dem richter unse höchste gewett und sal dem rate ieglichenen besondern zu buss geben fünff schilling.
statuten von Rudolstadt (1404)
bei Michelsen 214; demnach bedacht, seiner gnaden schultissen zu entpfelen, hinfurder von einem todtschlage, vier rinische gulden, von lemenisse und kampfir wunden zwen rinische gulden, und nicht darober, vor ein gewette und abetragk, der dem gerichte geboren moge, zu nemen.
revers des raths zu Halle (1499)
bei Z. Ch. v. Dreyhaupt
beschreibung des Saal-kreises 1 (1749), 673. 3@a@gγ) gewette
wird unter dem gesichtspunkt der einnahme betrachtet: nen recht ne mach he aver in (
der herr den bauern) geven noch sie selven kiesen, dar sie des landes richtere sin recht mede krenken, oder sin gewedde minneren oder meren mogen.
sachsenspiegel, landrecht 3, 79, § 1
Homeyer3 376; emendis & iuribus antiquis, que gewetde volgariter dicuntur, sibi salvis.
urk. v. 1315
bei Guden.
codex dipl. anecd. r. Mogunt. 3. 129; ob aber er ieman icht gelten solt. dem werd von dem guet vergolten. ob er mit einer gueten gezeugnuzz bewärn mag. daz der sein gelter gewesen sei. und waz des guets uber wirt. des gevallen zwai tail der hausvrown und den chinden. aber der drittail gewatte unserm richter.
urk. Friedrichs d. Streitbarn v. Österr. bei Senkenberg s. 271; diu hêrschaft hât verlihen hern Hûge unde sînem vetern ze lêhen, als si sprechent, alliu gerihte ze Dattenriet unde behuob ir selber niht mehr danne den drittren teil der gewettun.
habsb.-österr. urbarb. (14.
jahrh.) (5) 28, 19
Pfeiffer. 3@a@dδ)
von wörterbüchern wird diese bedeutung in der älteren zeit nur bei Kilian
und Henisch
verzeichnet: ghewette (
vetus sax) wette,
mulcta Kilian 146
b; gewette, straff, geldstraff,
mulcta ... höchste gewette, ... richteres gewette Henisch 1598.
bemerkenswerth ist schon hier die einschränkung des gebrauches auf Sachsen, die später immer wieder betont wird, namentlich auch seit die wörterbücher anfangen, ihre darstellungen geschichtlich zu vertiefen; gewette, emenda, amende. in Sachsen-recht die geld busz, so dem richter vor eine begangene frevelthat entrichtet wird. das höchste gewette in untergerichten sind 4 alte schock, oder 3 gulden 17
gr. Jablonski
allg. lex. d. künste u. wissensch. 247
a;
ebenso, nur ausführlicher bei Chomel 8, 543
unter sachsenbusse,
ähnlich Adelung 2, 661
u. a. dazu vgl. die aus urkunden schöpfenden darstellungen bei Haltaus 2089; Kehrein
samml. ahd. ausdr. 32;
vgl. auch Thiel 4, 429
a. 3@a@eε)
unter den rechtssprüchwörtern finden sich einige formelhafte verwendungen von gewette: so manche busze, so manch gewette (
s. o.) Graf
u. Dietherr
dtsche rechtssprichw. 322; nähme man kein gewette, so verginge das recht 314
u. a. 3@bb)
die übertragung des wortes auf die behörden, die eine so gekennzeichnete geldstrafe verhängen und einziehen, ist bei dem grundwort wette
mannigfach bezeugt, vgl. Frischbier 2, 465 (
für Danzig);
am compositum ist sie für das verwaltungsgebiet von Rostock belegt: in sachen amts der brockfischer, klegere, wider die fischer aus der straszen, beklagte, gibt ein wohllöbl. gewette diesen bescheid, dasz es hiemit bei dem vertrage von anno 1667 sein verbleiben habe.
publicatum im gewette 9. 1. 1679
bei Koppmann
beiträge z. gesch. der stadt Rostock I 4, 87; Voigts wunsch nach feststellung der arbeitszeit der gesellen ... wurde dahin beantwortet, dasz dies von se. rath dependire; wegen seines weiteren wunsches, dasz das rauchen der zimmergesellen bei der arbeit abgeschafft werde, sollte mit dem gewett gesprochen werden.
ebenda 4, 6; auf grund ... der bekanntmachung des bundesrats vom 4. märz 1896 ... wird hiermit für ... bäckereien und konditoreien in Warnemünde ... an folgenden tagen des jahres 1907 ... überarbeit gestattet ... gegeben im gewett. Rostock, den 22. dez. 1906. B .... gewettssekretär.
u. a. (
vgl. dagegen gewettgericht).
ebenso führt in dem von Rostock abhängigen Warnemünde die polizeibehörde den namen das gewett.
in anderen gegenden sind für ähnliche functionen zusammensetzungen mit gewett
üblich, vgl. gewettherrn,
gewettgericht.