spanferkel,
n. ein junges noch saugendes oder eben abgesetztes schwein: spän - ferkel,
porcellus nefrens, delicus, a mammis depulsus, oder porcellus subrumus, das noch saugt. Frisch 2, 290
a; span-, saug-fecklin,
nefrendus. Dief.
nov. gloss. 262
b; spanferkel,
porcellus Dentzler 2, 267
b (
s. auch unter spansau, spankalb, spanvieh).
die bedeutungsgegensätze finden ihre erklärung in dem unter spänen,
lactare (
s. oben)
vorgetragenen. vgl. dazu Oken
naturgesch. 7, 1131.
über die behandlung des zweiten compositionstheiles vgl. theil 3, 1331. 1227. 1530. 1332:
oberd. spanfarch, spenefarch. Schm. 2, 670; spanfärkel
ebenda. nephrendus, item porculus vel porcula adhuc sugens spynverlin (
zu mhd. spünne, spüne
s. oben span,
mamma).
voc. des 16.
jahrh. bei Tobler 376
b; spanfrli
ebenda; ha mein freund, lang mir von dem spanfärlin. diauol, es ist nicht meh mostig, schmutzig und lederkrachig. Fischart
Garg. 242
b;
mit ausgefallenem r: aber wollen wir peide werden vol, so müesz wir haben darzu zwen ochsen und ain ku und darzu zwen spanfacken.
fastn. sp. 576
Keller; von den ersten bett einer schweinmutter ein spenfackel, von dem andern nichts.
tir. weisth. 3, 159, 42.
vgl. Schöpf 683. Lexer
kärnt. wb. 235.
nd. sponverken,
nefrendus. Dief.-Wülcker 856; 1 porcellum, quod dicitur spone verken.
urk. v. 1260. Lacomblet 2, 494; dy garbredere moghen hebben sponverkene, se syn luttik eder grot, dy mogen sy howen in achte stucken. (
v. j. 1369)
bei Schiller - Lübben 4, 339
a; wenn der bischof jährlich seine kirchen besuchte: so muszte ihm jedes kirchspiel .. drei spanferken .. darbringen. Möser
patr. phant. 3, 96.
gebraten als beliebter leckerbissen: spanferckel ist ein junges sog-schwein, welches noch nicht von der mutter abgesetzet ist. man pflegt solches vor ein niedliches essen zu halten, und mehrentheils entweder ledig, oder aber mit gebäheten in wein geweichten und gezuckerten semmelschnitten und citronen, oder mit einem gewissen teich gefüllt zu braten, oder auch zu kochen.
öcon. lex. 2303.
zuletzt beschränkt sich die bezeichnung fast ausschlieszlich auf die zum braten u. s. w. bestimmten jungen thiere: ein theil wird als spanferkel gegessen. Oken 7, 1134; dann in der selben (
küche) war protfrission von aller hand magenkräfftigem protviand unnd labsal ... eine festung von gesengten speckrimen und speckseiten ... pratfercken oder spanferlein aus Bayern. Fischart
Garg. 53
a; der ander kam und schenckt im ein sugferlin, ein spanferlin, das guot zuobraten was. Pauli
schimpf u. ernst 93; (
auf welsche weise zubereitet:) (
der könig) begehrte davon (
von dem cochon farci en haut goût) zu kosten, leerte einen teller nach dem andern ab und würde das ganze spanferkel aufgezehrt haben, wenn nicht eine anwandlung von wohlwollen gegen seine gemahlin ihn bewogen hätte, einige überbleibsel davon ihr zuzusenden. Musäus 3, 86; die gebratnen gänse, die enten, hühner, spanferkel ... schnatterten, krähten, grunzten ... flogen über dem tische und liefen auf dem tische. Klinger 3, 79 (
Faust 2, 4).
vom Schlaraffenlande: die spanferkel geraten dort alle jahre überaus trefflich, sie laufen gebraten umher, und jedes trägt ein tranchiermesser im rücken. Bechstein
märchenb. 106
Hendel. auf bürgerlichem und vornehmem tische: nunmehro aber wird sich der geneigte leser freuen auf die mahlzeit und wie sich der ausgehungerte magen ... ein paar spanferkel schlachten läszt und ein kalb. Hebel 2, 205; 'vater, der professor hat noch nie in seinem leben ein spanferkel gegessen' sagte die tochter. 'Ilse, wo denkst du hin, meine ferkel wegen des Tacitus!' rief der landwirth. Freytag
verl. handschr. 1, 19; ein alter mann von Stäfa, der allwöchentlich seine spanferkel in Zürich zu markte brachte, der honighändler ... waren stammgäste des geräumigen bootes. C.
F. Meyer
Jenatsch 84.
vgl.: dar nâch gab mir ein klunkel iuwer vrumer meier, sehs und drîʒec eier, zwên kæse und ein spanvarc, daʒ was veiʒt unde starc. Seifried Helbling 1, 403;
[] ... wie, wenn du hest bestelt zwey spenfercklein unsern gästen? die seind resch abbraten am besten. Ayrer 1789, 27
Keller; sih, wie mit brechen, schneiden, beissen, dem lieben feind wir machen grausz! lasz mich das spanfährlein zerreissen, stich dem kalbskopff die augen ausz. Weckherlin
ged. 505
Fischer; doch bald stillt diesen (
aufruhr) ein fett spanferkel in gallert: froher beäugelt selbst kein naturaliensammler durch die brille den wurm im künstlich geschliffenen bernstein als wir gäste das ferkel im helldurchsichtigen gallert. J. H. Voss
idyllen 12, 95 (
abendschmaus)
Sauer. im vergleiche, nach dem bräunlichen aussehen des gebratenen thieres: meiner seel, ein junge wie ein kleines spanferkelchen. Tieck 1, 158.