straff,
adj. expansus, extensus; contentus; astrictus; str.
teso, steso, rigido, stringente ò stretto Kramer
dict. 2 (1702), 996
b;
nach Adelung '
in der anständigen sprechart' ('
in der gemeinen'
dafür stramm
üblich)
; erscheint erst mhd. als straf '
streng, hart' (Königshofen
chron. 912);
wohl nahe zusammengehörig mit mnd. stref '
angezogen'
von sehnen, schnüren u. s. w. (
vel don)
expansus Diefenbach
gloss. 217
c (
auch stref, doon, utgerecket
extensus 219
c); streve
vel stive 217
c;
über eine md. nebenform streb (
vel done)
ebenda; verwandtschaft mit unten streben
verb., vgl. dazu unter strafen
verb. (A)
die ostfries. gruppe strabben '
extendere'
und strabbig
adj., dort auch die ital. lehnwortgruppe strappare;
also möglichkeit eines ndd. ursprunges und a. a. o. erwogene verwandtschaft mit strafen
verb. in der steigerung vereinzelt mit umlaut: sträffer Gottsched
sprachkunst (1748) 105;
mit vocaltrübung stroff
bei S. Brant
narrenschiff 9, 20
Zarncke. 11)
straffes seil funis contentus Frisch 2, 342
c ( Adelung);
von der kunst des seiltänzers: auf einem straffen seile tanzen Campe;
vgl. die schwungbretter waren schon gelegt, das schlappseil an die pfosten befestigt und das straffe seil über die böcke gezogen Göthe 21, 150
Weim.; das seil, worauf so frech er tanzt, er hälts beständig straff! Platen
w. 1, 86
H.; vom tau eines schiffes u. s. w. Hoyer - Kreuter 1, 739; (
das hanfseil) spannte sich, wie er fortschritt, mehr und mehr an, bis es endlich ganz str. war Stratz
der weisze tod 12; was ist das für ein schrein und peitschenknallen? die fenster zittern von der hufe klang, zwölf rosse keuchen an dem straffen strang, und fuhrmannsflüche durch die gassen schallen G. Keller
w. 9, 108; das noch niemals vollkommen gebändigte rosz fühlte plötzlich den straffen zügel nicht mehr, dem es bis dahin wider willen gefolgt war Ranke
w. 16, 72; Priam stieg hinein und hielt die rosse mit straffen zügeln, neben ihn setzt sich Antenor im schimmernden wagen Stolberg
w. 11, 103;
[] bildlich: es (
das spiel: alles was fliegen kann, fliege hoch!) disziplinirt nämlich unsern geist und lehrt uns eine rasche und straffe zügelführung Fontane I 1, 124; (dein segensalter, o Cäsar,) bändigte die frech aus ordnung schweifende üppigkeit mit straffem zügel J. H. Vosz
Horaz od. 4, 15, 11;
zaum: es schlägt das schöne haupt zur brust mit schielem blick, und schnaubend zieht es schnell der straffe zaum zurück Lessing 1, 265
M.; hält der andre dafür straffer den hemmenden zaum Geibel
w. 2, 215.
auch: die straffe
saite eines musikinstruments (Müllner
dram. w. 2, 12;
schuld 1, 2);
von der sehne des bogens: und von den gespannten bogen rauschen wolken pfeile her, die von straffen
sehnen flogen Schönaich
Heinrich der Vogler (1757) 171; vertraut sie dir, dasz du mit manneskraft dereinst die straffe senne spannen wirst, so winkt sie dir zugleich, und hofft, dasz du nach würdgem ziel die pfeile senden wirst Göthe 11, 9 (
Elpenor)
W.; gegensätzlich: zuweilen straff, zuweilen schlap; das nützt die sehne nimmer ab Zesen
Helikon. rosentahl (1669) 77;
im vergleich: du, dem mit mir der frohste theil der frohen jugendlichen stunden so schnell, wie ein beschwingter pfeil der straffen sehn entfliegt, verschwunden: J. A. Ebert
ep. u. verm. ged. (1789) 76 (
an C. A. Schmid 1772);
gesteigert: pfeil von straffster sehne E.
M. Arndt
w. 5, 304
R.-M. 22)
theilweis auf einer begrifflichen erweiterung des vorigen (
von der sehne
zum bogen
in seiner gesammtheit)
beruht: sich hüten, den schon straffen
bogen ... zu überspannen Fontane
w. I 2, 251; auf! greift zum wurfgeschosz, zum straffen bogen Raupach
dram. w. ernster gattung (1835) 3, 43;
und in dichterischer freiheit sogar: wandle mit straffem geschosz und pfeilumfassendem köcher gegen den tückischen mann! J. H. Vosz
ged. (1802) 6, 319; 33)
im bereich des menschlichen oder thierischen körpers: 3@aa)
am stärksten in anlehnung an 1: straffes
haar (
im gegensatz zu wellig (
s. u.)
oder gelockt (
th. 6
sp. 1105;
unter locken
verb.)
bez. lockicht (
sp. 1113)
vgl. dazu: (haare,) die sich in gruppen von einiger völligkeit sammeln, diesz ist bei gelockten haaren der fall, deren wellen überdiesz ein viel freieres ... bild geben, als die straffen, die bei nordischen völkern so häufig sind und ... strohartig hart und struppig erscheinen Fr. Th. Vischer
ästhetik (1816
ff.) 3, 2, 420,
und früh in adverb. wendung: die haare und brauen der augenliede sind bei manchen menschen so weich und gelinde, dasz sie nicht straff, stracks oder gerade für sich wachsen
M. Bapst v. Rochlitz
wachholdergarten (1605) 19;
besonders bei der mongolisch-malayischen rasse: das haupthaar der Siamesen ist ... schwarz, straff, grob, reichlich Ritter
erdkunde 4, 1147; das straffe, lange, im querschnitt walzenförmige haar Peschel
völkerkunde (1874) 431 (
vgl. auch 369); straffes grobes haar 97; von der mongolischen straffen form der haare Ratzel
völkerkunde 2, 117; ihr haar ist weder so straff und glänzend wie bei den Malayen, ... 2, 222;
vgl. sonst noch: (
Hagens von Tronje) schwarzes haar, straff und etwas kraus Arnim
tröst einsamkeit 76
Pfaff; auf dem langen, straffen haar trug er einen cylinder Polenz
Büttnerbauer 1, 1; unterm mützchen hatte sich einer der festgeflochtenen zöpfe gelöst und hing ihr, stark und straff, über den rücken Viebig
schlafendes heer (1904) 1, 223;
bei thieren: die federn am kinn ... bilden einen etwas straffen federbart (
beim auerhuhn) Naumann
vögel (1822
ff.) 6, 278; (
beim löwen:) eine königskrone, wunderbar, sträubt sich der stirne straffes haar Freiligrath
dicht. 1, 40; sein (
des ebers) sehnger wanst, mit straffem haar bewehrt, stichfest und derb, braucht keinen speer zu scheun 6, 212.
[] 3@bb)
ähnlich von sehnen, muskeln u. s. w.: es gebe bey uns weder gelbes haar ... noch straffe sehnen (mehr) Wieland
Lucian 2, 199;
so bei Rameaus neffen: diese sehnen, alte darmsaiten, trockener, straffer, unbiegsamer als die an einem drechslersrad gedient haben Göthe 45, 35
W.; alle muskeln der arme und füsze sind straff J. J. Engel
schr. (1801
ff.) 7, 343; straff ward die muskel, mark erfüllt die knochen, die weichen glieder wurden fest und eisern Strachwitz
ged. (1850)
prol. xiii; sobald sie (
die finger) sich strecken, so sind alle nerven straff Schubart
ästhetik der tonkunst 293; aber eben die straffen nerven ... springen und reiszen unter der gewaltsamen faust des schicksals leichter Jean Paul 3, 156
H; auch: die straffen adern schwellt ein süszes grausen Pichler
marksteine (1874) 35. 3@cc)
ähnlich oben strack 1 (
sp. 591),
doch begrifflich mit mehr activität: straffer
arm: mit dem einen knie auf dem boden ruhend, stemmt Amor sich mit dem straffen arme gegen die vordere lehne des wagens Herman Grimm
Michelangelo (1890) 1, 158; er mit streben, drängen, drücken, arme straff. gekrümmt den rücken, wie ein Atlas an gebärde hebt er boden, rasen, erde Göthe 15, 1, 134 (
Faust 7537)
W.; da duckt es (
das kind) unter das wurzelwerk, vom weiszen gischt umringt; sie (
die göttin der zwietracht) aber teilts mit straffem arm, erglühend vorgebeugt: G. Keller
w. 10, 60;
vereinzelt auch: aus der mutter ängstlich straffer hand reiszen sie das gängelband Müllner
dram. w. 1, 5 (29.
februar 1).
deutlich in dem sinne von '
stark durchgedrückt': nennst du verdrehtes bein das angezogne knie, mit dem die Griechen ihre götter bilden, das so weit schöner ist, als unser jüdisch gemeines stehn auf straffem bein? O. Ludwig
w. 3, 313;
vgl. dazu: und die sinkenden knie machtest du straff J. D. Michaelis
Hiob 4, 4 (
bei Luther: die bebende knie hast du bekräftiget); das straffe gelenk ist ... (meist) noch weniger beweglich, als die ihm vorgesetzten halbbeweglichen verbindungen
allg. deutsche bibl. 109, 8; liegen die ziemlich ebenen gelenkflächen zweier knochen dicht aneinander, gleichsam straff angezogen, lassen sich nur mit gewalt ein wenig verschieben ... und bilden ein sogenanntes straffes gelenk (
amphiarthrosis) Sömmerring
vom baue d. menschl. körpers (1839
ff.) 2, 25;
von den vollen, muskelhaft geschwellten fleischtheilen: das niederbücken hatte auf sein straffes, markiges gesicht düstere, wilde schatten geworfen Jean Paul
Titan 3, 108
R; denn trotz der runzeln auf wangen und stirn war ... sein muskelfleisch straff Immermann
w. 1, 160
H.; (
des mannes) gesicht war kräftig gebräunt, das fleisch straff und fest Kürnberger
novellen 3, 139; als er aus dem weiszen thor getreten, schlug er auf des pferdes straffe hüften Gaudy
w. 16, 52.
auch: (die mundhaut) ist durch eine sehr straffe, dicke ... zellhaut (lederhaut) genau mit der beinhaut des gaumens verbunden Sömmerring
vom baue d. menschl. körpers (1839
ff.) 5, 26. 3@dd)
von der haltung, dem gange u. s. w.: dieselbe (
erscheinung) war ... stattlich; die haltung eine straff militärische Roon
denkw. (1892) 1, 46; der corporal ... in straffer haltung G. Freytag
ahnen 5, 316; über sein strafferes aussehen (complimente machen) Laube
schr. 15, 277; das pferd dagegen spitzt die ohren bei dem mutigen schmettern der trompeten, stolzer hebt es den nacken, und sein tritt ist fester und straffer W. Hauff
w. 2, 7; mit straffen schritten gieng er nach Odpals haus Fr. Th. Vischer
auch einer 1, 224; für eine alte frau ... waren die schritte merkwürdig straff D. v. Liliencron
w. (1896
ff.) 4, 46;
auch: sein straffes zielen im gange Fr. Th. Vischer
auch einer 2, 96;
gegensätzlich zu bequem: sein straffer marsch wird ein bequemer spazierschritt Kürnberger
nov. 1, 59. eine straffe sprungbereitschaft
[] in den schenkeln (
eines windhundes) H. v. Kahlenberg
Eva Sehring (1901) 133. 3@ee)
von der gesammterscheinung, so bei Schoch
studentenleben (1657): (
nicht glauben,) was Floridon für ein straffer kerl ist F 5
b;
ähnl. D 1
a; J 1
a; Chlopicki ist auch im äuszeren nichts weiter als ein straffer soldat Laube
schr. 8, 104; der alte ist noch immer eine straffe erscheinung Heyne. 3@ff)
auch mit bezug auf seelische beschaffenheit, den charakter u. s. w.; die schlaffheit bemächtigt sich auch der straffsten gemüther Laube
schr. 10, 125;
schon früh mit geschärftem beisinn: ein straffes gemüt
animo rigido, crudo, severo Kramer
dict. 2 (1702), 996
b; ein rauhes, störriges Adelung;
und so auch: straffer mensch
homo severus, austerior Stieler. 44)
von pflanzlichem: der ganz senkrechte, straffe ... stengel Schlechtendal
flora von Deutschland5 18, 305;
auch (
neben unten stramm): die blätter, wie sie sich zuerst entwickeln, gelangen zu bedeutender grösze, straff und stramm Göthe II 6, 336
W.; (
bei der trespe) rispe hangend oder straff, behaart oder kahl Ratzeburg
standortgewächse (1859) 71; straff (
strictus) ist eine hautfrucht (
utriculus),
weil sie den samen ganz dicht umgibt Campe; der bast, das fibrose, straffe, stricte zellgewebe Hegel
w. (1832
ff.) 7, 1, 507. 55)
auch sonst von flächenhaftem: 5@aa) '
stark und stramm nach allen seiten angezogen',
so von dem fell einer trommel: doch hauptsächlich schlägt der laut an die straffe trommelhaut Triller
betrachtungen (1750) 1, 43;
vgl. die erfindung und einführung des strumpfes ..., der ohne eine spur von falten, wie das fell einer trommel in straffer enge zu befestigen war Böhme
gesch. des tanzes (1886) 1, 88. 5@bb)
nach völliger ausfüllung einer hülle '
eng anliegend, ohne falten zu werfen',
so besonders von kleidungsstücken: einige wilde Westphalen in straffen, ledernen beinkleidern H. Steffens
was ich erlebte 4, 26; die weiten, bauschigen gewänder verschwinden gegen enge und straffe kleider, welche die geheimnisse des harems, krumme beine, verrathen Gutzkow
w. (1872
ff.) 9, 147; die strümpfe müssen straff, und glatt die krause sein Henrici
ernst-scherzh. u. sat. ged. (1727) 1, 222;
vgl. noch: die weisze decke ist so straff darauf gezogen Arnim
w. 16, 54
Gr. 5@cc) straffer beutel,
durch füllung mit münzen gespannt Heyne ( Campe); die straffe börse E.
M. Arndt
w. 1, 74
R.-M.; was hielt des grafen hand empor? ein beutel war es, voll und straff. 'zwei hundert pistolen sind zugesagt ...' Bürger 36
b Bohtz; dein straffer seckel, schwer von gold Geibel
w. 1, 234. 5@dd)
in dichterischer sprache mit anlehnung an den vorigen gebrauch und neben schwellend (
unter 5
f; th. 9
sp. 2503)
so bei Stifter: (
ich) ging auf dem straffen und schwellenden rasen dem hause zu
w. 4, 1, 166;
ja sogar: als ihm die straffe gebirgsluft schon längst die thräne von dem auge getrocknet hatte 3, 123. 66)
bildlich; 6@a
a) besonders in anlehnung an 1 (straffer zügel)
in der bedeutung '
durchgreifend, ernsthaft, ohne rücksichtnahme': frohen füllen gleich gebändigt, nicht besänftigt, zähmte sie (
räuber u. mörder) Quirinus, brauchte sie, den rossen gleich, in blutgen schlachten, hielt im straffen zwang sie streng Stolberg
ged. 5, 117; straffe unterordnung Häusser
deutsche gesch. 4, 304; die pferde, als empfänden sie die straffere führung ... Fontane
w. I 2, 21; die straffere zucht im lehrlingswesen Bennigsen
nationallib. partei (1892) 142; infolge einer straffen, einheitlichen leitung des ganzen wirtschaftlichen betriebes Wimmer
gesch. d. deutschen bodens 60;
und so allgemein: die straffe art und weise, wie in Preuszen regiert wurde Fr. L. Jahn
w. 1, xxxvii
Euler. so auch: straffe gerechtigkeit
rigida, rigorosa, strelta giustitia Kramer
a. a. o.; jus strictum Haym
jur. 1186
[] ( Adelung); (unter) der auch nicht straffen verwaltung der (
dänischen) reichsvorsteher E.
M. Arndt
f. u. an s. l. Deutschen 3, 17; unter straffem gemeinderecht (stehen) Dahlmann
dänische gesch. 1, 135; wo die staatsordnung straffer ist, wie hier und in England, ist die religion nie ein gesetz Gervinus
gesch. d. deutschen dicht. 4, 22; straffere heer- und staatsordnung Mommsen
römische gesch. 5, 34; man hatte eine solche straffe organisation und solche macht über die gemüther gewonnen Bismarck
reden 6, 211; die straffe centralisation aller militärischen und finanziellen kräfte Nitzsch
deutsche studien (1879) 23; die minder straffen und patriarchalisch bequemeren verhältnisse Deutschlands Häusser
deutsche gesch. 3, 216; bei der straffen einrichtung eines solchen technischen bureaus H. Seidel
Leberecht Hühnchen 25.
weiterhin: durch ein unwandelbar straffes geistiges lebensinteresse fürst Pückler
briefw. 6, 57; in dem straffen familienleben Gervinus
gesch. d. deutschen dicht. 3, 261; der straffe protestantismus mit seinem inhalt von positivem glauben L. v. Gerlach
briefw. mit O. v. Bismarck (1893) 311;
vgl. sorglos gehn wir unsern gang. frei von wahn und glaubenszwang! will mit straffen lehrsymbolen uns zurück die mutter (
die kirche) holen J. H. Vosz
ged. (1802) 6, 15.
zuletzt auch von geistigem und künstlerischem schaffen; dazu: straffe, schlaffe, lockre, dichte einbildungskraft Novalis
schr. 3, 179
M.: auch: straffe einengung eines gedankens
vgl. J. H. Vosz
krit. bl. (1828) 1, 483; wo der charakter straff wird und sich verhärtet, da sehen wir die wissenschaft streng ihre grenzen bewachen und die kunst in den schweren fesseln der regel gehn Schiller 10, 299
G. (H. Brunn
kl. schr. 3, 207); wenn sie (
die vase) auch in der zeichnung nicht ganz so straff ist B. Graef
die antiken vasen von d. Akropolis (1909) 1, 69, 590; die zeichnung der tiere ist straffer Hiller v. Gärtringen
Thera (1903) 2, 221; die ode, der hymnus, musz ein tüchtiges knochengerüste von gedanken haben, vom worte in straffen und doch edlen formen umkleidet D. Fr. Strausz
w. 9, 315; eine weniger straffe form O. Ludwig
schr. 5, 105; die erwartung eines strafferen zusammenhangs (erregen) 5, 217.
auch: hergegen fällt sie (
eine schmucklose stelle) recht wohl aus, wenn die ausgereckten, wackelnden hexametrischen in kürzere, straffere, jambische glieder zusammengezogen werden Bürger 243
b Bohtz (J. H. Vosz
zeitmessung 101); Jacobis straffe, kerndeutsche prose, musikalisch in jedem sinne Jean Paul
vorschule der ästhetik 2, 154
R. bb)
nur vereinzelt zurückgreifend auf 5,
so in hinblick auf straffer geldbeutel: straff von gedanken
reich an gedanken Campe; so füllt sich die leere, wird straff und stet, das schlotternde absolute konkret Grillparzer
w. 3, 190
S.; 77)
adverb. 7@aa)
entspr. 1: ein seil, eine sehne straff ausspannen Adelung; Campe; sowohl alle bogeninstrumente überhaupt, als auch insbesondere die violinen, müssen mit solchen saiten bezogen seyn, welche eine der grösze des instruments gemäsze stärke haben, damit die saiten weder zu straff noch zu schlapp angespannet werden Quantz
anweisung die flöte zu spielen (1789) 187; ein Assaph war mein freund, ein David mir gewogen, wenn sie zum süszen ton die saiten straffer zogen J. J. Schwabe
belustigungen (1741
ff.) 2, 466; die sehne brauchte dabei niemals str. angezogen zu werden G. Forster
schr. 1, 348; als der unscheinbare taffet zu einer riesenhaften kugel anschwoll und die mächtigen taue str. spannte, mit denen sie an die erde gebunden war Stifter
w. 1, 18; er schlang einen strick in einen der eisenringe an der wand und warf das andere ende, welches durch ein gewicht beschwert war, aus der fensterluke, das seil zog sich str. G. Freytag
w. 11, 164; zu locker das seil! ... straffer sei es gestreckt! R. Wagner
schr. 6, 182.
bildlich (
vgl. oben 6
a): aber wir (
diplomaten), die wir die geheimen fäden kennen, sie nach umständen nur
[] lose zusammenhalten oder straffer anziehen Bauernfeld
ges. schr. 5, 117 (
ein deutscher krieger 1, 9); (
mit dem) zwölften takte möge das tempo ... etwas straffer angezogen werden R. Wagner
schr. 5, 166; wir brauchen nur die saiten etwas straffer anzuziehen Bismarck
reden 2, 131; Maria Theresia that den ersten schritt, die bänder dieser laxen formen, bei denen eine ausdrückliche regierung nicht möglich war, straffer anzuziehen Häusser
deutsche gesch. (1854
ff.) 1, 68; in der lehre vom ausdruck konnte er Winckelmanns sätze wörtlich herübernehmen, aber sie werden noch straffer angespannt Justi
Winckelmann (1866
ff.) 2, 2, 243;
auch: die gegensätze sind bei uns (
in Österreich) furchtbar straff gespannt G. Freytag
w. 15, 104.
besonders: je straffer ihren zügel sie (
die kathol. kirche) anzog, desto strenger pflegte sie erziehung und ... unterricht zu leiten Jac. Grimm
kl. schr. 1, 218; (
es) waren die zügel des staats auf das straffeste angezogen Ranke
w. 40/41, 90; um die zügel der hegemonie straffer anzuziehen Mommsen
römische gesch. 1, 323 (
auch 2, 94); darum unterlag der censorischen rüge nicht minder, wer die zügel des hausregiments zu lasch, als wer sie zu str. angezogen hatte Jhering
geist d. römischen rechts 2, 1, 221; um so straffer hiesz ihn Napoleon die zügel anziehen Treitschke
deutsche gesch. 1, 363;
auch: man spornte die nation nach allen richtungen mit dem rufe der freiheit und hielt dabei die zügel aufs straffste an, als ob man durch die extremen erscheinungen in Frankreich ... gewitzigt wäre Gervinus
gesch. d. deutschen dicht. 4, 172; während es Günthers art war ..., str. alle fäden des befehls in seiner hand zusammen zu halten Meinecke
generalf. v. Boyen 1, 43; (
Bonifatius hat) die bekehrten str. in die zügel genommen W. Scherer
litteraturgesch. 43. 7@bb)
entspr. 2: je straffer der bogen gespannt, desto schärfer der schusz! E. Th. A. Hoffmann
w. 10, 78
Gr.; Apollo hält nicht stets den bogen straff gespannet Gottsched
neuestes a. d. anmuth. gelehrsamkeit 7, 53; diese arme, die den bogen spannten streng und straff Schiller 11, 234 (
nadow. totenklage)
G. auch bei der geige: der bogen straffer gespannt, ... und dann darauf los gegeigt S. Brunner
erz. (1864) 1, 35.
besonders beliebt zum bildlichen ausdruck der übertreibung: man vermuthet, dasz die reformatoren doch anfangs sehr vorsichtig auftreten und den bogen nicht allzu str. spannen werden Moltke
schr. 4, 176: herr Raoul, spannt die sehne nicht zu str., der bogen möchte euch springen G. Freytag
w. 2, 48 (
brautfahrt 3, 1);
doch vereinzelt auch im begrifflichen umkreis von 1: zu straff nicht, herrin, ziehe das band, gar leicht ist die kette gesprungen Arent-Conradi-Henckell
moderne dichtercharaktere (1885) 38. 7@cc)
zu 3
a: allen mädchen waren ihre haare von den eltern str. zurückgekämmt worden Stifter
w. 4. 1, 265; ihr haar war an stirne und schläfen str. zurückgestrichen und hinten in einen starken zopf gebunden, wie es arbeitende frauen nötig haben G. Keller
w. 6, 33. 7@dd)
entspr. 3
b;
vgl. ehrt ihr mich, wohl, so eignet mich euch an, füllt eure adern straff mit meinem blute Grillparzer
w. 2, 189
S. entspr. 3
c: etwas str. halten Campe; sie hält das schlachtbeil in ihrer geübten faust str. und stark Gleim
briefw. 1, 341
K. 7@ee)
zu 3
d: plötzlich stand J. str. auf B. Auerbach
schr. 10, 173; erhob er sich str., wie um zu zeigen, jener triumphiere zu früh O. Ludwig
schr. 1, 189; unwillkürlich ... richtete er sich rasch und str. auf Th. Storm
w. 4, 139 (O. Ludwig
schr. 2, 40); (
er) richtete sich ... straffer auf B. Auerbach
schr. 16, 19; sich auf den zweigen str. zurecht (setzen) Immermann 3, 84
H.; von fortbewegung: der str. und mit aufrechtem gange eingetreten war Tieck 4, 290; er (
Varnhagen) kränkelte viel in den letzten tagen. ich glaube, er geht nicht str. genug in die luft hinein fürst Pückler
briefw. 6, 3; str. abgehen
vgl. Fr. Th. Vischer
auch einer 2, 358.
in refl. wendung: Wihlelm, der sich bis auf den augenblick recht str. und munter gehalten hatte, fühlte ... sich erschöpft Göthe 24, 184
W.; [] Elmar, halt dich straff im bügel! Fr. W. Weber
Dreizehnlinden 350; er nahm sich str. zusammen Fr. Th. Vischer
auch einer 1, 235 (Mommsen
römische gesch. 2, 229).
begrifflich gleichwerthig vereinzelte intrans. formung: doch machten wir nen kirchhof zum kastell und hielten straff Grillparzer
w. 9, 31 (
bruderzwist 2)
S. übertragen: die ohren str. halten
jemandem aufmerksam zuhören Campe; aber in diesem letzten stücke (
der buhlerei) verfahren sie gleichwohl so str. nicht Dapper
Africa (1671) 167
b.
bildlich '
rücksichtslos' (
vgl. auch unter 6
a straffe gerechtigkeit
u. s. w.)
und unpersönlich: es ging str. vorwärts W. Scherer
litteraturgesch. 442. 7@ff)
zu 5: ey sapperment, ich zog mir die rote weste str. und klopfte artig an die haustüre
Schelmuffskys wahrhaftige und curieuse voyage nach Berlin (1792)
bei O. Deneke
göttingische nebenstunden 3 (1927), 19; allons herr Martin! rühr er sich besser. im boudoir den teppich wieder str. anziehen, ... Kotzebue
dram. w. 22, 9; die falten des gewandes str. gezogen Welcker
alte denkmäler (1849
ff.) 1, 498; ihm die höslein mit der linken str. gezogen O. Ludwig
schr. 2, 12; lieblich, gleich dem klugen vogelsteller, muszt du nur dein netz auch überstreun, denn aus einem lamm verwandelt schneller keine wolke sich in einen leun als die gatten in tyrannen, wenn zu straff sie netz umspannen, die nicht sichtbar sollten seyn Gökingk
ged. 3, 110; der sturmwind dehnt die segel straff Leuthold
ged.4 357. ihre scenen straffer zusammenfassen (müssen) G. Freytag 14, 162; kurz und str. schreiben
im gegensatz zu breit und zerflieszend W. Scherer
kl. schr. 1, 468. 7@gg)
in verbindung mit einem adj. partic. als die hauptsache erschien ihm die straff
anliegende uniform Heine 7, 485
E. vgl. butzen
verb. 1 (
th. 2
sp. 592): studenten; sind das nicht caldaunenschluckers? seind es nicht kerl, sie gehen str.
gebutzt; so pflastertreter Schoch
studentenleben (1657) B 7
a.
gehalten: (
die) straffgehaltenen zügel der herrschaft E.
M. Arndt
w. 1, 246
R.-M. und steckt ihn in ein säckel, das gar grosz, und straff
gefüllt im winkel stand der truhe Grillparzer
w. 8, 10
S. (
vgl.schürzen
verb. 2;
th. 9
sp. 2064
ff.): es gab einen Strausz, einen wackeren, strengen und straff
geschürzten gelehrten, der uns eben so sympathisch war wie jeder, der in Deutschland mit ernst ... der wahrheit dient Nietzsche
w. 1, 249. (
vgl. oben 5
und schwellen
verb. 1
e, th. 9
sp. 2496): (
der knabe) hielt sich mit dem einen händchen an der rechten halb entblöszten brust (
seiner mutter) unter dem röthlichten gewand an und lächelte von der offnen str.
geschwellten jugendlichen linken ab mit seinem blonden köpfchen in die schöne natur Heinse
w. 4, 43
Sch. (Ludwig [1716] 1886); bewaffnet mit einem str.
gespannten bogen von ebenholz Klinger
w. 7, 156; lauter straffgespannte bogensehnen mit kernschüssen ins schwarze Kürnberger
literar. herzenssachen (1877) 267; seine beinkleider blendend weisz, die stege derselben so fest angezogen, dasz seine beine, vermöge der str. gespannten falten (wie dünne säulen aussahen) Brunner
erz. 2, 15; (ein band wird) durch ein gewicht str. gespannt erhalten Karmarsch-Heeren
3 4, 674. allzu: der allzu str. gespannte bogen der militärischen zucht Mommsen
römische gesch. 3, 70; die zu str. gespannte saite war gesprungen Spielhagen 2, 65.
bildlich: inzwischen ist doch so viel wahr, dasz die straffgespannte saite des konzils, wenn nicht springt, wie die heiszsporne hoffen, doch den beabsichtigten ton zu versagen scheint Kürnberger
siegelringe (1874) 119. die marmorne göttin mit den reinschönen gesichtszügen und mit dem straff
geteilten, edlen busen, der wie eine ... offenbarung aus dem hohen grase hervorglänzte Heine 4, 325
E. wie die schlange zuerst mit sanften bewegungen und zarten windungen beginnt, bis endlich der straff
gewundene todesstrang sich um die kehle des
[] raubes schlingt E.
M. Arndt
f. u. an s. l. Deutschen 3, 165; eben so gewisz ... als ein schwellender, duftiger kranz deutscher waldblumen tausendmal schöner ist denn jene str gewundenen lorbeerguirlanden, welche die bildwerke der alten schmücken Treitschke
hist. u. polit. aufsätze (1886) 1, 272.
gezogen: die straffgezogenen ... zügel der herrschaft E.
M. Arndt
w. 1, 246
R.-M.; durch sandbeutel str. gezogene schnüre Fr. L. Jahn
w. 2, 33
E.; er (
Göthe) spaltete es nicht, verschleuderte es nicht, er hielt alle zügel straffgezogen Gutzkow
w. 12, 68.
subst.: sie (
die des basses) sind töne, welche infolge der sie erzeugenden herbern friction etwas durchaus gespanntes, gedrungenes, straffgezogenes ... haben Fr Th. Vischer
ästhetik (1846
ff.) 3, 2, 1036; ihr satterer, straffer
modellirter leib 2, 153; den straff
schreitenden mann höflich anreden
vgl. J. Rank
erinnerungen 5, 282
bibl. deutscher schriftsteller a. Böhmen. (jene spannung,) welche in ... Alfieri mit noch schrofferer, noch straffer
zusammengefaszter leidenschaftlichkeit wiederkehrte Justi
Winckelmann 1, 456. 7@hh)
mit dem subst. inf. halten, n.: das straffhalten der fäden (
bei der baumwollspinnerei) Lueger 2, 122.