stadt,
f. urbs, oppidum. II.
formelles. ursprünglich identisch mit mhd. stat,
nhd. statt,
f. locus paratus, s. unten. daneben mhd. stete,
nhd. stätte,
f. (
s. unten).
die schreibung stadt
erkannte schon Adelung
als ein lediglich orthographisches unterscheidungsmittel gegenüber statt,
locus paratus. die bedeutungsentwicklung [] unseres wortes wurde wol nicht wenig durch die häufige nebeneinanderstellung von burg
und stadt
gefördert: wir gebietten und wollen, das alle, die in dieser frieheit sint oder sin sollent, sint schuldig zu behuden und zu bewaren unser burg und stat zu Sarbrucken.
weisth. 2, 2.
vgl. im übrigen die belege unter II, 1.
auch ist der streit der beiden in frage kommenden worte erst sehr spät entschieden: ci diu, daʒ diu stat desti hêror diuhte, wandi si ein sô wîse hêrduom irliuhte, unte diu sîn dugint desti pertir wêri, daʒ her einir sô hêrin stedi plêgi.
Annolied 118, 115. 118
Rödiger; wie man die hôrte clagen, sô daʒ man des wuofeswart in der stat geware. die edelen burgærekômen gâhende dare.
Nib. 977, 3
Lachmann; daneben: dô wart man des wuofes in der stede gewar.
hs. C. swer dirre stete reht hat, der sol geben ze sante Martins naht ahte heller, und sol daʒ jar alles fri sin zolles halp. (
aussage über Öringen von 1253). J. Grimm
weisth. 3, 607; wil der voit herbergen in die stat, daʒ sol er tun swelchen enden er wil an der stete schaden. 609.
noch Luther: so wil ich mit dieser stet und seinen einwonern umbgehen, das die stad werden sol, gleich wie Thopheth.
Jerem. 19, 12; wer dich angehöret in der stad, den füre aus dieser stet, denn wir werden diese stet verderben.
1 Mos. 19, 12;
wie denn auch noch im ndl. beide formen neben einander: stad, stede,
urbs, oppidum, civitas. Kilian 2, 625
a.
zu bemerken, dasz Eichstett, Höchstett (Höchst)
alte locative sind. Eichstetti
u. s. w., die noch die erinnerung an einen ursprünglich weiteren gebrauch des wortes bewahren (
vgl.-stetten).
die schreibung stadt
hat sich erst spät durchgesetzt, doch erscheint sie schon im anfang des 16.
jh., so stadt Alberus (
fab. 19, 4. 9, 12
u. ö., s. 80
Braune); stadt
bei Roth
obermoschler urkunden von 1507
u. 1533. Schm.
2 2, 794;
daneben aber noch bis in das ende des 17.
jahrh. hineindauerndes schwanken: stad, stat,
civitas. Dief. 125
a; stat, stayd,
opidum. 397
b; stad, staid, stat,
urbs. 630
a; wiler oder klein stat,
opidum. nov. gloss. 272
a; statt,
urbs, polis, oppidum, civitas. Maaler 385
a; statt,
f, ville, città. Hulsius (1616) 306
b;
città, terra (1618) 238
b; stat,
urbs, locus. Schottel 480
a;
dann aber seit Stieler die stadt, die städte,
urbs, civitas, oppidum. 2112.
niederdeutsch ist eigentlich stede
in geltung gewesen, s. die belege unten. schon andd.: sîs mi an got bescirmere in an stede fastero (
in locum munitum).
ps. 70, 3
bei Heyne
kl. altniederd. denkm. 33.
doch scheint die vom nhd. bevorzugte form schon früh einflusz geübt zu haben, muszte sich aber in der declination angleichung an das in den urkunden oft daneben stehende nhd. der rat,
nd. rad
gefallen laszen: tho des rades unde der meynen stades nut.
Lüb. quelle bei Schiller-Lübben 4, 368
b; wynmestere der stades .. der stades voghede .. der stades hantvestene ... der stades armboste.
ebenda; borghermeystere, scheppene unde raet der stades to Dursten.
quelle ebenda; eine angleichung, die zuletzt auch das geschlecht von nd. stad
beeinfluszt zu haben scheint: so welic man coren wert in then rad, the scal tughen (
kaufen) en perd to thes stades behove ... sterft et, thad ne scal the stad nicht gelden.
brem. quelle von 1303
ebenda; in des stades camere
ebenda; des stades muren
ebenda; des stades wal.
Oldenb. urk. von 1552
ebenda; des stades kelder.
münster. quelle ebenda; des stades knecht
ebenda. IIII.
bedeutung. II@11)
begriff der stadt.
ganz allgemein, wenn auch nur rein äuszerlich, ist der eines durch mauern, thürme, thore u. s. w. befestigten ortes. stadt, ein meistens ummaurter ort,
urbs, oppidum. Frisch 2, 314
c;
deshalb: eine stadt schleiffen, zum dorff machen,
demolire, atterrare, radere, it. smantellare, sfasciare, smurare etc. una città. Kramer
dict. 2 (1702), 900
c,
denn flecken und dörfer entbehren solcher bedeutenden befestigungen: alle diese stedte waren fest mit hohen maurenthoren und rigeln, on andere seer viel flecken on mauren. 5
Mos, 3, 5,
vgl. aber doch dagegen: die städte und flecken umbgeben die mawren, thämme, wälle, palewerck. Comenius 613.
deshalb die nebeneinanderstellung von stadt
und flecken: gott hat die menschen erschaffen zur weltlichen gemeinschaft und gesellschaft, ... dasz sie ... stätt und flecken bawen sollen. Gretter
erklär. d. ep. Pauli a. d. Römer (1566) 8.
bei Luther
scheint überhaupt die bedeutung von stadt
als [] locus munitus noch nicht so ausschlieszlich festzustehen: was fur stedte sind darinnen sie wonen, ob sie in gezelten oder festungen wonen.
4 Mos. 13, 20,
wenn hier gezelte
und festungen
als erklärende synonyme von stadt
gedacht sind. doch im allgemeinen steht die erklärung von stadt
nicht mehr allein als locus peratus, sondern auch als locus muris ac turribus munitus durchaus fest, deshalb die vergleichung mit kastell: kleine stat, castel,
opidum. Dief. 397
b;
dasz aber castel
hier mit recht der kleinen stadt
verglichen wird, zeigt: wan swie Jerusalem vor wêre gewesen ain hailigiu und ain künechlichiu stat. do sprach er ze ainer rehter fersmêhde sie were ain kastel und wolte si dez tagez niht haiʒen ain stat, wan daʒ er si hieʒ ein kastel. Grishaber
predigten 2, 128,
wo kastel
als kleinerer begriff wegwerfend gegenüber stadt
gebraucht wird. schon sehr alt ist die nebeneinanderstellung von stadt
und burg,
zugleich ein urkundliches zeugnisz für das alter der bedeutungsentwicklung von stat,
locus paratus zu locus munitus: ce Kolne was her gewîhet bischof. des sal diu stat iemir loben got, daʒ in der scônistir burge, diu in Diutischemi lande ie wurde, rihtêre was der vrumigisti man.
Annolied 117, 110
Rödiger; auch noch später: swaʒ sie vunden, das muost al des tôdes wesen, doch bleip vil volkes bî steten und ouch bî bürgen.
Lohengrin 2620
Rückert. auch stad
neben feste,
f.: wem enpfehlt ir iuwer lant, die stat und ouch die veste?
Virginal 11, 8
Zupitza. die den begriff stadt
aber erst vollständig ausfüllende erklärung findet sich bei Dasypodius: statt, das sein eygen stattrecht hat,
municipium; also die stadt
ein mit besonderen rechten der selbstverwaltung und jurisdiction begabter ort, wobei die befestigung etwas selbstverständliches, aber mehr oder weniger nebensächliches ausmacht. II@22)
die behandlung des eigennamens neben der begriffsbestimmung stadt
ist eine verschiedene. besonders alterthümlich und heute so gut wie ausgestorben ist die verbindung des nachgestellten eigennamens mit stadt
durch die präposition zu: (
Friedrich von Hattstein) der ein haubtman was der stede zu Limpurg.
Limburger chron. 52, 21; daʒ von dem starken wuofepalas unde sal und diu stat ze Wormʒeze beiden sîten lûte erschal.
Nib. 966, 4
Lachmann; in der stat ze Paʒʒouwesaʒ ein bischof. 1236, 1; dâ ze der stat ze Wienebereit man in die wât. 1102, 3; ê der edel Rüedegêrze Bechlâren reit ûʒ der stat ze Wiene. 1104, 2; in der stat ze Augspurg. J. Grimm
weisth. 6, 293; cheine man, der da zins, erbe oder hauser in unser stat zu Prag hat.
Prager stadtrecht 67, 109
Rössler. jünger nur noch in mehr alterthümlicher sprechweise: und die ubrigen flohen gen Aphek in die stad ... und Benhadad floch auch in die stad von einer kamer in die ander.
1 kön. 20, 30; (
er) ritt ohn aufenthalt, bis er in die stadt zu Wien kam.
brüder Grimm
deutsche sagen 505,
wie wir auch heute noch in einer art nachgeahmten chronikenstyls sagen können: so geschehen in der stadt zu Göttingen.
heute die stadt Berlin
u. ä. schon die statt Rom,
urbs Roma. Dasypodius; die stadt Rom, die stadt Paris,
la città di Roma, la città di Parigi. Kramer
dict. 2 (1702), 900
b. stadt
in appositioneller fügung dem eigennamen folgend: allenthalben schallenze Wormʒ in der stat hôrte manʒ gesinde.
Nib. 743, 1
Lachmann; zu Kades in der stad.
4 Mos. 20, 16; also ward Rehabeam der könig bekrefftiget in Jerusalem .. und regierete siebenzehn jar zu Jerusalem, in der stad, die der herr erwelet hatte.
d. chron. 12, 13; zu Freisingen in der stat.
Zimm. chron2 4, 135, 29; dô riten si von Tulneze Wiene zuo der stat.
Nib. 1301, 2
Lachmann; dô si ze Bechlârenkômen in die stat. 1105, 1; denn, o seht den alten knaben, unterwegs kam er nach Schwaben, kam nach Stuttgart in die stadt. Freiligrath 4, 25; zween Leipziger oder die beyde von Leipzig ausz der stadt seynd,
duo Lipsienses. Corvinus 155
b.
daneben auch: der hirss nam die flucht geen Horb der stat.
Zimm. chron.2 4, 142, 3.
[] II@33)
in verbalen wendungen. II@3@aa)
mit beziehung auf die stadtgründung: und du menschenkind, nim einen ziegel, den lege fur dich, und entwirff drauff die stad Jerusalem.
Hesek. 4, 1; und er (
Kain) bawete eine stad, die nennet er nach seines sons namen Hanoch.
1 Mos. 4, 17; wolauff, lasst uns eine stad und thurn bawen, des spitze bis an den himel reiche. 11, 4; da fur der herr ernider, das er sehe die stad und thurn, die die menschenkinder baweten. 5; also zerstrewet sie der herr von dannen in alle lender, das sie musten auffhören die stad zu bawen. 8; wir wollen nur schafhürten hie bawen fur unser vieh, und stedte fur unser kinder. 4
Mos. 32, 16; eine stadt bauen,
ponere urbem, condere, aedificare. Stieler 2112; eine stadt erbauen,
urbem condere. Steinbach 2, 653; gott hat diese stadt (
Nürnberg) gleich selber auferbauet. Rist 145, 101
Gödeke-Götze; kompt gen Hesbon, das man die stad Sihon bawe und auffrichte.
4 Mos. 21, 27; verflucht sey der man fur dem herrn, der diese stad Jeriho auffrichtet und bawen.
Jos. 6, 26; ein neuwe statt bauwen,
novam urbem condere. Maaler 385
a; eine neue statt bauen, stifften, aufbauen, pflantzen,
fondare, edificare, piantare una città. Kramer
dict. 2 (1702), 900
b; jr gott, denn er hat jnen eine stad zubereit.
Ebräer 11, 16; denn er wartet auff eine stad, die einen grund hat, welcher bawmeister und schepffer gott ist. 11, 10; eine stadt gründen: Romulus hat die stadt Rom gegründet.
vgl. auch: heilge ordnung, segenreiche himmelstochter, die das gleiche frey und leicht und freudig bindet, die der städte bau gegründet. Schiller 11, 315 (
glocke 310). II@3@bb) ein statt mit mauren umbgäben, einer statt mauren machen,
cingere urbem muris. Maaler 385
a; stadt befestigen,
urbem moenibus, muris ac vallis sepire, operibus cingere, munitionibus firmare. Stieler 2112;
passivisch gewendet: die stedte (
der söhne Enaks) seien gros und bis an den himel vermauret.
5 Mos. 1, 28;
vgl.: grosse stedte, vermauret bis in den himel. 9, 1. II@3@cc)
mit besonderer beziehung auf menschliches weilen und ziehen, ohne dasz jedoch unser wort begrifflich die reine räumlichkeit verläszt, im gegensatz zu unten: in der stadt wonen,
urbem incolere, tenere se in oppido. Stieler 2112; in einer stadt wohnen,
habitare, stare in (
esser' habitante di)
una città. Kramer
dict. 2 (1702), 900
b; in der stadt wohnen. Adelung; und Lot (wonet) in den stedten der selben gegend und setzt seine hütten gen Sodom.
1 Mos. 13, 12; also nam Israel alle diese stedte, und wonete in allen stedten der Amoriter.
4 Mos. 21, 25; die kinder Israel die in den stedten Juda woneten.
1 kön. 12, 17.
entsprechend: und da ... die kinder Israel nun in jren stedten waren.
Esra 3, 1; die heiden, die du hast her gebracht und die stedte Samaria da mit besetzt, wissen nichts von der weise gottes.
2 kön. 17, 26; und ob jr euch in ewre stedte versamlet, wil ich doch die pestilentz unter euch senden. 3
Mos. 26, 25; aus der stadt seyn,
id est in der stadt wonhaftig seyn,
essere della, cioè habitante della città. Kramer
dict. 2 (1702), 900
b; aus der stadt seyn,
essere della città, cioè esser' andato in viaggio. ebenda. in die stadt ziehen,
um künftig dort zu wohnen; in die statt ziehen,
correpere intra murum. Maaler 385
a; in eine stadt ziehen,
urbi se committere, deligere oppidum, in quo quis vivat. Stieler 2112; in die stadt ziehen. Adelung;
vgl.: last uns in die feste stedte ziehen und daselbs auff hülffe harren.
Jerem. 8, 14;
entsprechend: aus der stadt ziehen,
civitatem mutare, relinquere, ab urbe discedere. Stieler 2112; sich in die stadt ziehen, in eine stadt ziehen,
andar' à stare ad habitare in una città. Kramer
dict. 2 (1702), 900
b.
hiervon zu unterscheiden: darnach zoch Jacob gegen Salem, zu der stad des Sichem, ... und machet sein lager fur der stad. 1
Mos. 33, 18; und der da fleucht zu der stedte eine, sol stehen aussen fur der stad thor und fur den eltisten der stad seine sache ansagen, so sollen sie jn zu sich in die stad nemen und jm raum geben, das er bey jnen wone.
Josua 20, 4.
in einem lob des landlebens: wunderseliger mann, welcher der stadt entfloh! Hölty
ged. 112
Halm; mit einem dolch bewaffnet, floh er aus der stadt. 17;
[] die stadt verlassen,
urbem relinquere. Steinbach 2, 653; die stadt raumen müssen,
dover spacciare la città, haverne un bando secreto. Kramer
dict. 2 (1702), 900
c; einen nicht in die stadt lassen,
urbe aliquem prohibere. Steinbach 2, 653. in die stadt gehen,
um etwas zu besorgen; in die stadt gehen,
andar' in città, it. uscire, salire di casa Kramer
dict. 2 (1702), 900
b; du liefest was man laufen kann; du sprungest in die stadt. Gleim 4, 11. in die stadt reiten: der held von Falkenberg war eben rat zu schlagen geritten in die stadt. Rist 138, 62
Gödeke-Götze. ganz allgemein: in die stat sich huobenman magt unt wîp.
Nib. 91, 3, 3
Zarncke; wenn dein fus zur stad eintrit, wird das kind sterben. 1
kön. 14, 12; ich näherte mich der stadt, worin das vaterhaus lag, auf merkwürdigen wegen. Keller 3, 103. in die stadt kommen: wenn wir gleich gedechten in die stad zu komen, so ist thewrung in der stad, und müsten doch daselbs sterben.
2 kön. 7, 4; sie (
meine frau) wird nächstens zu mir in die stadt kommen. Weisze
kom. opern 3, 369; wieder in die stadt kommen,
in urbem redire. Steinbach 2, 653;
auch: die der winter geiszelt in ihrem leide, o sie war schön, eh' zur stadt sie kam; war des dorfes rühmen, der eltern freude. Freiligrath 3, 216. durch die stadt gehen, spatzieren, die stadt besehen,
passeggiare, spasseggiarsi per una città per vederla, mirarla à bell' agio. Kramer
dict. 2 (1702), 900
c; um die stadt herumspatzieren,
girare una città per di fuori, attorniarla spasseggiando. ebenda; dasz ein haufen auswanderer die stadt durchschwärmt habe, denen das kind wohl angehöre. Keller 3, 177; ich ... fand in der wohnstube den benachbarten müller vor, welcher mit einem leichten fuhrwerke meiner harrte, um mich mit nach der stadt zu nehmen. 1, 262; wer aus der stadt in die landschaft reist, der findet auch dort geringe spuren von wohlstand. Freytag 13, 246. einen in der ganzen stadt suchen: als der bediente ... verkündigte, der gouverneur lasse mich in der ganzen stadt suchen. Göthe 28, 215. in der stadt geschäfte haben, besorgungen machen
u. ä.: freylich, wer hätte aber anfangs gedacht, dasz mich meine geschäfte so lange in der stadt fesseln würden? Weisze
kom. opern 3, 370; ich .. wurde mit manchen geschäften betraut, welche in der stadt zu besorgen waren. Keller 1, 360. gegenstände aus der stadt beziehen: die damen des neuen pfarrers ... waren stolz, unzugänglich und bezogen ihren putz fertig aus der stadt. 207. gegenstände (
zum verkaufe oder sonstwie) in die stadt führen, bringen
u. ä.: kalck, den sie (
die bauern) zu der stat furen. Tucher
baumeisterb. 93, 1; man gibt von einem summer kalcks herein zu furen in die stat ... 92, 24; aus der stadt führen,
menare, condurre fuori, esportare della città. Kramer
dict. 2 (1702), 900
c; samle alle speise der guten jare, die komen werden das sie getreide auffschütten in Pharao kornheuser zum vorrat in den stedten.
1 Mos. 41, 35.
hierher auch: laug ins haus zu schaffen und sie inn der statt zu verkauffen. Sebiz
feldbau 63; wenn der kaufmann in fremder stadt verkaufte, so suchte er am liebsten waare gegen waare oder baares geld umzusetzen. Freytag 18, 235.
hierher auch wendungen wie: dies (
das verschwinden der kinder) hatte ein kindermädchen gesehen, welches ... darnach umkehrte und das gerücht in die stadt brachte.
brüder Grimm
deutsche sagen 245.
mit rücksicht auf die in den städten dargebotenen mittel der bildung und des genusses: ich ... erfuhr, dasz in dem hause eine kunstausstellung stattfinde, welche durch die städte zirkuliere. Keller 1, 264; er ging alle abende in einen lesezirkel unserer stadt, las dort die französischen und englischen blätter. 2, 52. in der stadt speisen,
pransare, cenare in città cioè da conviato, fuor di casa sua. Kramer
dict. 2 (1702), 900
c;
vgl.: die kochkunst jener zeit gedieh am besten in den groszen städten, die geschlechter hatten zu den heimischen gerichten fremde eingeführt. Freytag 18, 140. II@3@dd)
wendungen mit beziehung auf die besondere bedeutung der befestigten stadt in der kriegführung: die stadt bietet schutz gegen feindlichen überfall
u. s. w.; in jenen tagen,
[] wo das feindliche heer noch einmal in das land fluthete, bestand der senior darauf, sein liebes kind vor der gefahr in einer stadt zu bewahren. Freytag 13, 235;
deshalb: eine stadt befestigen, besetzen,
fortificare, presidiare una città. Kramer
dict. 2 (1702), 900
c; eine stadt mit mannschaft besetzen,
oppidum militum praesidio firmare. Steinbach 2, 653; und er legte kriegsvolck in alle feste stedte Juda.
2 chron. 17, 2. eine stadt belagern, bestürmen, angreifen, berennen: die statt ist belägeret,
cingitur urbs obsidione. Maaler 385
a; stadt belägern,
ad urbem castra ponere, obsidione cingere. Stieler 2112; eine stadt belägern,
assediare una città (
piazza),
porvi assedio. Kramer
dict. 2 (1702), 900
c; sie aber belagerten die stad, bis das ein eselskopff acht silberlinge und ein vierteil daubenmist fünff silberlinge galt.
2 kön. 6, 25; nimm eine eiserne pfanne, die las eine eiserne maur sein zwischen dir und der stad, und richte dein angesicht gegen sie, und belegere sie.
Hesek. 4, 3; aber Antiochus zog jm nach gen Dora ... und belagert die stad zu land und zu wasser, das niemand aus oder ein kund. 1
Macc. 15, 14; also ward die stad belagert bis ins eilfte jar.
2 kön. 52, 2. ein statt anfallen, angryffen, anrennen,
adoriri civitatem. Maaler 385
a; stadt bestürmen,
scalis admotis urbem oppugnare. Stieler 2112; stadt beschieszen,
oppidi moenia tormentis quatere, globis arietare, verberare tormentis. ebenda; vor eine stadt kommen, sich vor eine stadt lagern, eine stadt berennen, angreiffen, beschieszen, bestürmen, aushungern, mit bomben ängstigen, ihr hart zusetzen,
assediare una città, accamparvisi dinanzi (
sotto),
investirla, attaccarla, assalirla, batterla ò cannonarla darle l'assalto, affamarla, stringerla, angosciarla con bombe e fuochi. Kramer
dict. 2 (1702), 900
c; so mach dich früe auff und uberfalle die stad.
richter 9, 33; darumb beschlossen sie, das sie morgens als bald dieselbige festen stedte uberziehen und stürmen wolten. 1
Macc. 5, 27; ein gröszerer anschlag war es, wenn man ein befestigtes haus oder eine stadt des feindes berennen wollte. Freytag 18, 292; einen ausfall aus der stadt machen,
den feind zurückzuwerfen. hierher auch die folgenden activischen wie reflexivischen wendungen: aber die kinder Israel sprachen, last uns fliehen, das wir sie von der stad reissen auff die strassen.
richter 20, 32; da furen die kinder Ben Jamin er aus, dem volck entgegen und rissen sich von der stad. 31; und sie jagten auch Josua nach und rissen sich von der stad eraus, das nicht ein man uberbleib in Ai und Bethel, der nicht ausgezogen were Israel nachzujagen, und liessen die stad offen stehen, das sie Israel nachjagten.
Josua 8, 17.
weiter: diese stad wird nicht in die hende des königs von Assyrien gegeben werden.
2 kön. 18, 30; und wil dich und dise stad erretten von dem könige zu Assyrien und dise stad beschirmen. 20, 6. eine stadt mit grosser gewalt stürmen,
oppidum summa vi oppugnare. Steinbach 2, 653; und Judas ... stürmet die stad Bosor, ehe sie sichs versahen, und eröbert sie und lies alle mansbilde erstechen, und plündert und verbrand die stad. 1
Macc. 5, 28; da brach man in die stad und alle kriegsmenner flohen.
2 kön. 25, 4; eine stadt zur übergabe zwingen,
urbem ad deditionem redigere. Steinbach 2, 653; eine stadt verrathen,
tradire la città. Kramer
dict. 2 (1702), 900
c; eine stadt verrathen,
urbem prodere. Steinbach 2, 653; stadt übergeben,
urbem deditione tradere. Stieler 2112; die stadt übergeben, aufgeben,
rendere la città a' nemici. Kramer
dict. 2 (1702), 900
c; da that man jm (
dem könige von Egypten) alle stedte auff und zogen jm entgegen und empfiengen jn herrlich. 1
Macc. 11, 2. eine stadt mit list, verrähterey bekommen, einbekommen,
forprendere una piazza per stratagema di, ò per tradimento, intelligenza. Kramer
dict. 2 (1702), 900
c. sich einer stadt bemächtigen,
urbe potiri. Stieler 2112; eine stadt einnehmen, erobern, gewinnen, bekommen, sich einer stadt bemächtigen, bemeistern,
prendere, forprendere, conquistare una città; impadronirsi d'una città (
piazza). Kramer
dict. 2 (1702), 900
c; eine stadt erobern,
urbem capere. Steinbach 2, 653; wenn du fur einer stad lange zeit ligen must, wieder die du streitest sie zu erobern.
5 Mos. 20, 18; und die mauren (
von Jericho) fielen umb und das volck ersteig die stad, ein jglicher stracks fur sich, also gewonnen sie die stad.
Josua 6, 20. eine stadt plündern, ausrauben
u. ä.: auch füret er aus der stad seer viel raubs.
1 chron. 21, 2; sie
[] beraubeten alle stedte, denn es war viel raubs drinnen.
2 chron. 14, 14; da kamen die söne Jacob uber die erschlagene und plünderten die stad.
1 Mos. 34, 27.
das letzte schicksal der eingenommenen stadt erhellen wendungen wie: stadt ümkehren, verwüsten,
delere, evertere, extinguere urbem. Stieler 2112; eine stadt umkehren, verwüsten, verbrennen, einäschern, verheeren, plündern, preisgeben,
desolare, distruggere, abbrucciare, incenerire, devastare, predare, dar' in preda una città. Kramer
dict. 2 (1702), 900
c; die stedte hastu umbkeret, jr gedechtnis ist umbkomen sampt jnen.
ps. 9, 7; sihe, ich habe auch in diesem stück dich angesehen, das ich die stad nicht umbkere.
1 Mos. 19, 21; und keret die stedte umb, die gantze gegend und alle einwohner der stedte. 25; denn da gott die stedte in der gegend verderbt, gedachte er an Abraham, und geleitet Lot aus den stedten, die er umbkeret. 19, 29; und wil ewre stedte wüste machen, und ewrs heiligthums kirchen einreissen.
3 Mos. 26, 31; weh, weh, die grosse stad, ... denn in einer stunde ist sie verwüstet.
offenb. 18, 19; und die stedte, so wol bewonet sind, sollen verwüstet und das land öde werden.
Hesek. 12, 20;
vgl.: ein fromer man kan einer stad aufhelffen, aber wenn der gottlosen gleich viel ist, wird sie doch durch sie verwüstet.
Jes. Sir. 16, 5. da streit Abi Melech wider die stad denselben gantzen tag und gewan sie, und erwürget das volck, das drinnen war, und zubrach die stad und seet saltz drauff.
richter 9, 45; er (
der herr) wird auch die Moabiter in ewre hende geben, das jr schlahen werdet alle feste stedte und alle ausserwelte stedte.
2 kön. 3, 19;
vgl.: darumb sol das schwert uber jre stedte komen, und sol jre rigel auffreiben und fressen.
Hosea 11, 6; das er gen Kegila kome, die stad zu verterben. 1
Sam. 23, 10; woltestu denn die gantze stad verderben? 1
Mos. 18, 28; (
im vergleiche:) was aber noch ubrig ist, von der tochter Zion, ist wie ein heuslin im weinberge, wie eine nachthütte im kürbisgarten, wie eine verherte stad.
Jes. 7, 8; euch aber wil ich unter die heiden strewen, und das schwert ausziehen hinder euch her, das eur land sol wüste sein und ewre stedte verstöret.
3 Mos. 26, 33; aber sie kamen hin ein und schlugen Moab, die stedte zubrochen sie.
2 kön. 3, 25; sihe so wil ich euch hin wegnemen und euch sampt der stad ... von meinem angesicht weg werffen.
Jerem. 23, 39; also wird mit einem sturm verworffen die grosse stad Babylon und nicht mehr erfunden werden.
offenb. 18, 21; sie ist gefallen, Babylon, die grosse stad. 14, 8; denn du machest die stad zum steinhauffen, die feste stad, das sie auff eim hauffen ligt, der frembden pallast, das nicht mehr eine stad sey, und nimer mehr gebawet werde.
Jes. 25, 2. eine stadt schleiffen,
urbem exscindere. Steinbach 2, 653; weil aber die stad verschlossen war, zoch er ab, in der meinung, das er bald widerkomen und die stad schleiffen wolt. 2
Macc. 12, 7; wird er sich aber in eine stad versamlen, so sol das gantz Israel stricke an dieselbige stad werffen und sie in den bach reissen, das man nicht ein kieselin dran finde. 2
Sam. 17, 13; wenn jr aber die stad eingenomen habt, so steckt sie an mit fewr.
Josua 8, 8; und verbranten mit fewr alle ire stedte jrer wonung und alle bürge.
4 Mos. 31, 10; aber die stad verbranten sie mit fewr.
Jos. 6, 24; du wirst jre feste stedte mit fewr verbrennen.
2 kön. 8, 12; das er dein land verwüste und deine stedte ausbrenne, das niemand drinne wone.
Jerem. 4, 7;
natürlich entsteht feuersnot auch sonst wol für eine stadt: da fieng an sich zurheben von der stad ein rauch stracks uber sich, ... und sihe, da gieng die stad gantz auff gen himel.
richter 20, 40; die stadt ist durch einen brandt sehr übel zu gerichtet,
civitas incendio corrupta et vastata est. Steinbach 2, 653; die kerle flogen wie pfeile, steckten die stadt an drey und dreysig eken zumal in brand. Schiller 2, 91 (
räuber 2, 3
schausp.); weh' denen, die dem ewigblinden des lichtes himmelsfackel leihn! sie leuchtet nicht, sie kann nur zünden und äschert städt' und länder ein. 11, 318 (
glocke 388).
in substantivischer wendung: möge nie der tag erscheinen, ... wo der himmel ... von der dörfer, von der städte wildem brande schrecklich strahlt. 316 (339);
[] vgl.: aufsteht mit des verbrechens wuth und des elends die menschheit und in der asche der stadt sucht die verlorne natur. 89 (
spaziergang 171). eitel wüstung ist in der stad blieben und die thore stehen öde.
Jes. 24, 12; eine stadt wieder bauen, wieder aufrichten,
riedificare, ristorare, rifabricare una città. Kramer
dict. 2 (1702), 900
c; sie werden die verwüsten stedte, so fur und fur zerstöret gelegen sind, vernewen.
Jes. 61, 4. wo der herr nicht die stad behütet, so wachet der wechter umb sonst.
ps. 127, 1. II@3@ee)
das alter der stadtgründung als zeitabschnitt der vergangenheit: so lang die stadt stehet,
dalla fondatione della città. Kramer
dict. 2 (1702), 901
a; zeitrechnungen der städte waren in Italien gewöhnlich. Niebuhr
röm. gesch. 1, 227.
bei ihr begann z. b. die jahreszählung in Rom: von erbauung der stadt,
dalla fondatione della città. Kramer
dict. 2 (1702), 901
a; die aera von gründung der stadt. Niebuhr
röm. gesch. 1, 275. II@44)
wendungen wie von stadt zn stadt, von einer stadt zur andern
u. ä.: von statt zu statt,
oppidatim, municipatim. Dasypodius; und so springts von haus zu haus, von stadt zu stadt, von reich zu reich und zuletzt von welttheil zu welttheil. Göthe 49, 26; die zeit sei längst vorbei, da die kunst mit dem handwerk verbunden gewesen und der scholare von stadt zu stadt habe wandern können wie jeder andere handwerksgesell. Keller 2, 99.
vgl. schon mittelniederd.: toch he van steden to steden.
quelle bei Schiller-Lübben 4, 368
b. von einer statt zu der andern,
opidatim. Corvinus 449
b; und die leuffer giengen von einer stad zur andern im lande Ephraim und Manasse.
2 chron. 30, 10; von einer stadt zur anderen ziehen. Freytag 18, 127; ich wil gern mit dir wandern von einer stadt zur andern, bis wir gen Paris komen.
fastn. sp. 908, 29
Keller. durch alle stätt,
oppidatim. Dasypodius. II@55) stadt
als zweites glied in zusammensetzungen. II@5@aa)
als bezeichnungen einzelner theile der stadt; altstadt,
s. theil 1, 274; neustadt
theil 7, 687; oberstadt
theil 7, 1102; unterstadt, vorstadt, auszenstadt, innenstadt. II@5@bb)
als zusammengesetzte bezeichnung einer ganzen stadt, gewählt nach den verschiedenartigsten merkmalen: groszstadt; kleinstadt; weltstadt; grenzstadt; bergstadt,
s. theil 1, 1518; meerstadt
theil 6, 1860; seestadt
theil 10, 1, 71; küstenstadt
theil 5, 2880; hafenstadt
theil 4, 2, 126; wasserstadt; geburtsstadt
theil 4, 1, 1, 1910; vaterstadt
theil 12, 38; pflanzstadt
theil 7, 1721; mutterstadt
theil 6, 2828. ackerstadt (
gerne deminut. ackerstädtchen,
n.),
deren bevölkerung von ackerbau lebt; gewerbestadt; fabrikstadt; handelsstadt
theil 4, 2, 383; kaufstadt
theil 5, 346,
vgl. auch hansestadt
theil 4, 2, 465; universitätsstadt; kornstadt,
kornreiche stadt, theil 5, 1831; wagenstedte,
plur. 2 chron. 8, 6;
vgl: also bauet Salomo ... alle stedte der kornheuser die Salomo hatte, und alle stedte der wagen und die stedte der reuter und wo zu er lust hatte zu bawen zu Jerusalem, in Libanon und im gantzen lande seiner herrschafft.
1 kön. 9, 19; peststadt
theil 7, 1567; kaiserstadt, königsstadt
theil 5, 45. 1715; fürstenstadt
theil 4, 1, 880; residenzstadt
theil 8, 819; pfalzstadt
theil 7, 1603; hauptstadt
th. 4, 2, 681; provinzstadt, provinzialstadt
theil 7, 2179; wahlstadt
theil 13, 589: reichsstadt
theil 8, 610; freistadt
theil 4, 1, 122; bundesstadt
theil 2, 520; kreisstadt
theil 5, 2160; marktstadt
theil 6, 1656; landstadt
theil 6, 142. II@66)
mit weiterer adjectivischer bestimmung; nach ihrer zugehörigkeit zu einer nation gewählter zusatz: deutsche, französische, italiänische stadt
u. s. w.: keine in der ebene gelegene deutsche stadt. Riehl
culturstudien 263.
sonst mit den verschiedenartigsten zusätzen: so sprechen die vier fluszgötter am Augustusbrunnen in der that auch für unsere zeit eine tiefe wahrheit aus: die wahrheit, dasz Augsburg die natürlichste und notwendigste stadt auf weit und breit für alle epoche sei. Riehl
culturstud. 265; dies (
das freundlichgesinntsein des Lechstromes) ist wiederum ein natürliches privilegium der natürlichen und gewordenen stadt, wertvoller vielleicht als alle die vielen kaiserlichen privilegien. 266; äuszere stadt; innere stadt (
vgl. 5,
a): in einem altertümlichen teile der inneren stadt, auf einem kleinen seitenplatze stand ein schmales
[] haus von geschwärztem backstein erbaut. Keller 2, 170; herrliche alte stadt,
antiqua urbs. Maaler 385
a; uralte stadt,
urbs vetustate famaque conditorum inclyta. Stieler 2112; eine alte, uralte stadt,
città antica, antichissima. Kramer
dict. 2 (1702), 900
a. (
als zusammensetzung altstadt, neustadt
im bestimmten sinne eines stadttheils, vgl. oben 5,
a): gen Prag, in die alten grossen stat odir in dy newe.
Prager stadtrecht 70, 117
Rössler; an einer binnenmauer, welche die alte stadt von einem neueren theile scheidet. Freytag 18, 121. als knabe stieg ich in die hallen verlaszner burgen oft hinan; durch alte städte thät ich wallen und sah die hohen münster
an. Uhland
ged. 223. eine mächtige, grosse, berühmte stadt,
urbs amplissima, ornatissima, florentissima, opulentissima. Corvinus 786
a; grosze, fürnehme stadt,
urbs maxima, clarissima, celebris, nobilissima. Stieler 2112; eine grosse, vornehme, vielbewanderte, wolbewohnte, volckreiche stadt,
città grande, famosa, celebrata, nominata, illustre molto frequentata, popolata. Kramer
dict. 2 (1702), 900
a; dis (
Ressen) ist eine grosse stad.
1 Mos. 10, 12; grosse und feine stedte, die du nicht gebawet hast.
5 Mos. 6, 10; weh, weh, die grosse stad Babylon, die starcke stad.
offenb. 18, 10; (
der engel) füret mich hin im geist auff einen grossen und hohen berg und zeiget mir die grosse stad, das heilige Jerusalem. 21, 10; in der groszen stadt kann man sich verstecken wie in dem Winzelwalde; jene hat ihre schatten, ihre geheimniszvolle lust und schauer, wie dieser. Raabe
d. leute aus d. walde 1, 161; man schuof in (
den fremden) herbergein der wîten stat zehant.
Nib. 1116, 4
Lachmann. es war eine kleine, ärmliche stadt. Freytag
verl. handschr. 1, 43; als wir durch das thor ritten, fanden wir die kleine stadt, welche nur einen mäszig groszen platz bildete, schon ganz belebt. Keller 1, 369. feste stadt,
urbs fortissima, munitissima. Stieler 2112; eine feste, wolgebaute, schöne, wolgelegene, nahrhafte, reiche
etc. stadt,
una città (
piazza)
ben' intesa, bella, ben situata, alma (
buona)
abbondante, ricca etc. Kramer
dict. 2 (1702), 901
a; eine feste, offene stadt. Adelung; er bawet auch obern und nidern Bethhoron, das feste stedte waren mit mauern, thüren und rigeln.
2 chron. 8, 5; wir haben eine feste stad, mauren und wehre sind heil.
Jes. 26, 1; on das starck volck drinnen wonet, und seer grosse und feste stedte sind.
4 Mos. 13, 29; es (
das böse maul) zubricht feste stedte und zerstöret fürstenthüme.
Jes. Sir. 28, 17; so macht Juda viel fester stedte, aber ich wil fewr in seine stedte schicken, welchs sol seine heuser verzehren.
Hos. 8, 14; (
Sanherib) zog in Juda und lagert sich fur die festen stedte und gedacht sie zu sich zu reissen.
2 chron. 32, 1; denn die feste stad musz einsam werden, die schöne heuser verstossen und verlassen werden, wie eine wüste.
Jes. 27, 10; nim du die knechte deines herrn und jage jm nach, das er nicht etwa fur sich feste stedte finde und entrinne aus unsern augen.
2 Sam. 20, 6; denn ich will dich .. zur festen stad, zur eisern seule, zur ehernen mauren machen.
Jerem. 1, 18. eyn gemawrte statt,
urbs. Dasypodius; unser kinder sollen in den verschlossen stedten bleiben.
4 Mos. 32, 17; da baweten die kinder Gad ... verschlossen stedte und schafhürten. 32, 36; auch waren wohlverwahrte städte, wenn sie nicht durch verrath oder innere zwietracht geöffnet wurden, in wahrheit für die angriffsmittel jener zeit (14.
u. 15.
jahrh.) zu stark befestigt. Freytag 18, 285. die stärkeste stadt im lande,
civitas longe firmissima totius provinciae. Steinbach 2, 653. volkreiche stadt,
urbs copiosa et incolis frequens, hominibusque affluens. Stieler 2112; von allen einwohnern der volkreichen stadt. Raabe
d. leute aus d. walde 161. in einer wolpolicierten statt (=
stadt mit guter polizei), da stille ruhe und sanftes wesen wohnen soll.
Berner ordnung von 1686
im schweiz. idiot. 4, 936. eine mächtige, herrliche stadt,
città reale, magnifica, superba. Kramer
dict. 2 (1702), 900
a; ein paar ansehnliche städte. Keller 1, 378. schöne stadt,
urbs ornatissima, florentissima. Stieler 2112; die schönste stadt in Deutschland. Riehl
culturstudien 261. eine vortreffliche stadt,
egregia urbs. Steinbach 2, 653; die berühmte stadt der armen (
die Frugerei in Augsburg). Riehl
cultur [] studien 276; die örtliche nothwendigkeit der weltberühmten stadt. 261. denn Gibeon war eine grosse stad, wie eine königliche stad.
Josua 10, 2; was sol dein knecht in der königlichen stad bey dir wonen.
1 Sam. 27, 5; auch der böhmische majestätsbrief sprach nur von den ständen und von den königlichen städten, deren magistrate sich gleiche rechte mit den ständen zu erringen gewuszt hatten. Schiller 8, 67. zu Weinsberg, der gepriesnen stadt, die von dem wein den namen hat. Uhland
ged. 319. wüste stadt,
urbs infrequens, deserta, inculta. Stieler 2112; eine wüste stadt, davon kaum mehr ein anzeigen vorhanden,
una città distrutta, rouinata, di cui appena ci sono più vestigii, ruderi, reliquie, rovina. Kramer
dict. 2 (1702), 900
a; er wird aber wonen in verstöreten stedten, da keine heuser sind, sondern auff einem hauffen ligen.
Hiob 15, 28; ich bin gleich wie ein rohrdomel in der wüsten, ich bin gleich wie ein kützlin in den verstöreten stedten.
ps. 102, 7; die lehre stad ist zubrochen, alle heuser sind zugeschlossen, das niemand hin ein gehet.
Jes. 24, 10; wenn er zu deinen thoren einziehen wird, wie man pfleget in eine zurissen stad ein zu ziehen.
Hesek. 26, 10; denn sie (
die glocken) läuten noch in versunkener stadt, tief unter der erde oder im wasser. Freytag 18, 129. II@77)
mit besonderer betonung des baulichen wesens und des aussehens einer stadt: von auszen sieht die stadt aus wie der prächtige steinpalast eines riesenkönigs. Freytag 18, 123; nachdem ich den hausherrn .. mit einer verbeugung gegrüszt, setzte ich mich neben ihn, entschuldigte mein auszenbleiben mit der weitläuftigkeit der stadt. Göthe 28, 216; wie mag er gleich die braut erkunden im labyrinth der groszen stadt. Uhland
ged. 242. und die stad liegt vierecket und jre lenge ist so gros als die breite.
offenb. 21, 16; die lenge und die breite und die höhe der stad sind gleich.
ebenda; die mauern, thore, thürme, umfriedigungen einer stadt: wer iʒ sach, daʒ he (
der neue bürger) die burgerschaft in deʒ jares zit ufgebe in argem willen, so solden die burgen behaft sin vor zwei phunt phenge, und die solde man wenden an der stad muren.
weisth. 5, 246; und die maur der stad hatte zwelff gründe.
offenb. 21, 14; darnach bawet er (
Manasse) die eussersten mauren an der stad David ... und machet sie seer hoch.
2 chron. 33, 14; und kamen und belegten jn zu Abel und Bethmaacha und schutten eine schut umb die stad und traten an die maure und alles volck das mit Joab war stürmet und wolt die mauren niderwerffen. 2
Sam. 20, 15; ländlich sind auch die umfriedungen der stadt, sogar bei kirchhöfen oft holzzäune. Freytag 18, 128; im anfange blieben die trüben sorglosen gedanken bei jedem ausmarsche innerhalb der alten mauern der stadt eingeschlossen zurück. Raabe
zum wilden mann 25. die thore der stadt; vor den thoren der stadt; zur lincken, wenn man zum thor der stad gehet.
2 kön. 23, 8; und sie giengen mit einander hinaus ... durch das lager und giengen umbher durch das tal, das sie heimlich ans thor der stad kamen.
Judith 13, 11; zu den thoren eingehen in die stad.
offenb. 22, 14; eine bewegung ..., welche den thoren der stadt zustrebte. Freytag 6, 41; war das thor der stadt nun auch eröffnet, und es regte sich der ganze plunder des bewegten marktes durch einander. Göthe 2, 103. da kamen sie nun ... unter der stad thor und redten mit den bürgern der stad.
1 Mos. 34, 20; und sie gehorchten dem Hemor und Sichem seinem son, alle die zu seiner stad thor aus und eingiengen. 24; so solt jr sie alle beide zu der stad thor ausfüren und solt sie beide steinigen. 5
Mos. 22, 24. und Gaal trat fur die thür (
an das pförtchen) an der stad thor.
richter 9, 35; Abi Melech aber und die hauffen die bey im waren, uberfielen sie und tratten an die thür der stad thor. 44.
hierher wol auch: da er kam an die thur der stad.
1 kön. 17, 10; die thürme der stadt: aber was sunst der thürn umb die stat sein, darausz man zins gibt (
denn sie sind bewohnt). Tucher
baumeisterb. 103, 23; diese (
mauer)thürme, quadratisch oder rund, von ungleicher höhe und dicke, sind bei einer reichen stadt mit schiefer oder ziegeln gedeckt. Freytag 18, 121.
doch können die thürme der kirchen mit einbegriffen sein: die
[] thürme der stadt sind weithin sichtbar; von diesem berge aus sieht man die thürme der stadt; auf den hohen thürmen der stadt wachten die thürmer. Freytag 18, 287. die straszen und gassen der stadt sind winklig; in den straszen der stadt herrscht reges leben; die reinlichkeit und ordnung in den straszen dieser zerstörten stadt. Göthe 28, 217; sehr unähnlich moderner bauweise sind die straszen der stadt, sie ziehen sich in der mehrzahl enge gewunden dahin. Freytag 18, 125; die hauptstraszen der stadt sind hier und da gepflastert, längs der häuser besondere steinwege. 123; und jre leichnam werden ligen auff der gassen der grossen stad.
offenb. 11, 8; in den gassen der stadt traben die kühe, ein schäfer führt mit seinem hunde die schafherde auf die nahen höhen. Freytag 18, 123; auf den plätzen der stadt;
darnach auch: auf den straszen und plätzen der stadt; auf den plätzen der stadt standen bei laufenden brunnen schöpftröge von stein und metall. Freytag 18, 125; wurde auf einem platze der stadt ein fest gefeiert, ein stechen oder schauspiel, dann wurde der platz mit stroh belegt. 124. in den fluszarmen, welche durch die stadt führen, hat das vieh seine schwemmen. 123. die häuser der stadt: hier beginnen die ersten häuser der stadt; bis hierher reichen die häuser der stadt; das thal ist durchschritten ... hier ragen die nächsten häuser der stadt. Freytag
verl. handschr. 1, 5; soweit die deutsche sprache reicht, sind in den städten nicht viele häuser, in welchen seine (
Schillers) werke nicht stehen. Keller 3, 43; umb zins, er sey ewig oder nicht, auf heusern oder auff hoffsteten, di in unser stat zu Prag gelegen sint.
Prager stadtrecht 67, 109
Rössler. hierher auch: bis zu ihrem unglück hatten die templer ein haus in der stadt, jetzt noch die Johanniter und der deutsche orden, auch den Benedictinern gehört ein freihaus. Freytag 18, 127.
oft mit entsprechendem zusatze: im sichersten und festesten hause der stadt. Riehl
culturstudien 277. (
die alte linde vor dem rathaus) ist dem bürger eine erinnerung an eine zeit, wo seine stadt noch nicht war und wo die waldvögel in den zweigen sangen. Freytag 18, 128; hier (
in Augsburg) war nicht nur die gesammte stadt eine welt für sich, sondern jedes quartier, jede strasze verkörpert wiederum eine besondere phase des volkslebens. Riehl
culturstudien 271. II@88)
die stadt als theil der umgebenden landschaft. vgl. dazu auch oben unter 7: im angesichte der groszartigen landschaft, welche die stadt umgiebt. Keller 1, 263; die geographische lage der stadt. Riehl
culturstudien 265; die stadt liegt am meere,
civitas conjuncta est oceano. Steinbach 2, 653; ein stat bî Tuonouwelît in Ôsterlant: diu ist geheiʒen Tulnâ.
Nib. 1281, 1
Lachmann. stadt oder schlosz auff einem berg oder felsz,
acropolis. Corvinus 155
b; die stadt liegt in einer ebene,
oppidum in planitie positum est. Steinbach 2, 653. an einem berg, der lag gegen dem morgen der stad Bethel.
1 Mos. 12, 8; die herrliche aussicht ... der hinter der stadt aufsteigenden berge. Göthe 28, 226; aber zwischen ihm (
dem raubenden buschreiter) und der stadt steht auf einer anhöhe der rabenstein. Freytag 18, 121. das feld vor iren stedten sol man nicht verkeuffen.
3 Mos. 25, 34; was fur speise auff dem felde einer iglichen stad umbher wuchs, das theten sie hinein.
1 Mos. 41, 48; und sol den lebendigen vogel lassen hin aus fur die stad ins frey feld fliegen. 3
Mos. 14, 53; ein acker oder gut vor der stadt gelegen,
ager suburbanus. Corvinus 756
a; eyn meyerhoff nahe bei der statt,
suburbanum. Dasypodius; eyn dorff nahe bei der statt gelegen,
suburbana, plur. ebenda; alle dörffer, die umb diese stedte liegen.
Josua 19, 8; lasset alle arme und dürftige sammeln in einer scheune vor der stadt, ich will sie speisen.
brüder Grimm
d. sagen 242; in einem alten frauenklösterlein vor der stadt. Keller 1, 265; auch auszerhalb (
der mauern) hatte die stadt feste häuser ... und gemiethete burgen. Freytag 18, 288. ein gehölz, eine stunde von der stadt entfernt. Keller 1, 84. da liess er die kamel sich lagern, aussen fur der stad bey einem wasserbrun. 1
Mos. 24, 11; der leute töchter in dieser stad werden eraus komen wasser zu schepffen. 13; da aber Holofernes umbher zeucht, merckt er, das ausserhalb der stad gegen mittag ein brun war, welcher durch rören in die stad
[] geleitet war.
Judith 7, 6. die mistkauten in und auszer der statt haben die bürger zu gebrauchen, wie vor alters und jedermann bewust. J. Grimm
weisth. 6, 488; das haus sol man inwendig rings rumb schaben, und sollen den abgeschabenen leimen hin aus fur die stad an einen unreinen ort schütten.
3 Mos. 14, 41; hin aus füren fur die stad an einen unreinen ort. 45. II@99)
die stadt
als landschaftsbild (
vgl. auch oben 7
und 8): die stadt sihet nimmer aus wie vor diesem,
la città hà cangiato faccia. Kramer
dict. 2 (1702), 901
a; Augsburg ist eine stadt, die von auszen keine ansicht bietet. Riehl
culturstudien 261; ein landschaftsmaler? das heiszt, merkwürdige städte, gebirge und weltgegenden abbilden. Keller 1, 214; prangend verkündigen ihn (
den herrscher) von fern die beleuchteten kuppeln, aus dem felsigten kern hebt sich die thürmende stadt. Schiller 11, 85 (
spazierg. 69); hinter der landwehr zeigt sich die stadt, die morgensonne glänzt von hoher kuppel der stadtkirche, von dem riesigen holzgerüst des neuen doms, an welchem gerade gebaut wird, und von vielen groszen und kleinen thürmen der stadt. Freytag 18, 121; sonnenschein lag auf der stadt und dem ganzen lande. Keller 3, 78; über die stadt und weit über alles land war die weisze (
schnee-)decke gebreitet. Raabe
d. leute aus d. walde 2, 245; der dichte nebel eines dunkeln vorwintermorgens lag schwer über der stadt. 204; der himmel wogt in purpurnem gewühle, rückwärts die stadt in goldnem rauch. Mörike
ged. 137; (
in einer art von personificierung:) er, er (
der lüstling) warf die verlass'ne, die arme unter die füsze der dampfenden stadt. Freiligrath 3, 217; in den dunkeln, sternleeren nachthimmel, in welchen das röthliche leuchten der groszen stadt hinaufschlug, blickte er. Raabe
d. leute aus d. walde 73. II@1010) stadt
mit nebengeordnetem entsprechenden begriffe in einer collectiven verwendung: in stadt und dorf, in stadt und land,
d. h. überall im lande. in stadt und dorf bekannt sein; zeitung für stadt und land; während sich in dem pfarrhause ein stiller kampf vorbereitete, fuhr drauszen in stadt und land der frühlingssturm durch die seelen. Freytag 13, 197; in den kirchen von stadt und land. 215.
in ähnlichen zusammenstellungen: jre schafe, rinder, esel und was in der stad und auff dem felde war.
1 Mos. 24, 28; (
die alten geschlechter,) die auf diese zeit sind in wesen gesein in der stat und auch mechtig auf dem lant und in schloszen.
d. städtechron. 3, 95, 17; so geht es im triumph von der stadt aufs land, und von da wieder in die stadt. Bettine 214; sing' in stadt und feld das liedchen, das im Salamanker thal jeden abend ich gesungen. Uhland
ged. 282. II@1111)
die landleute nennen überhaupt die nächstbenachbarte stadt kurzweg die stadt. wir wollen in die stadt. wann gehst du einmal zur stadt? ich habe in der stadt zu thun. stadt ohne zusatz des namens sagen die inwohner des herum liegenden landes. Frisch 2, 314
c;
in Appenzell stadt,
die stadt St. Gallen. Tobler 405
b. stadt und land,
gegensätzliche begriffe. Hetzel
wie der Deutsche spricht 297,
vgl. dazu unter land 5,
b, theil 6, 93,
schon mhd.: sin mohten niht geherbergenalle in der stat: die niht geste wâren,Rüedigêr die bat daʒ si herbergenæmen in daʒ lant.
Nib. 1303, 1
Lachmann. II@1212) stadt
im vergleiche: ein man der seinen geist nicht halten kan, ist wie eine offene stad on mauren.
sprüche Salomon. 25, 28; das gut des reichen ist jm eine feste stad, und wie eine hohe maure umb jn her. 18, 11; ein verletzt bruder helt herter denn eine feste stad, und zanck helt herter, denn rigel am pallast. 19; zu der zeit werden die stedte jrer stercke sein, wie ein verlassen ast und zweig ... und werden wüste sein.
Jes. 17, 9; alle deine feste stedte sind wie feigenbewme mit reiffen feigen, wenn man sie schüttelt, das sie dem ins maul fallen, der sie essen wil.
Nahum 3, 12; die stad aber sol nicht ewr topff sein, noch jr das fleisch drinnen.
Hesek. 11, 11; diese leute haben unselige gedancken und schedliche ratschlege in dieser stat, denn sie sprechen,
[] es ist nicht so nahe, lasst uns nur heuser bawen, sie ist der topff, so sind wir das fleisch. 3.
in sprichwörtlichen redensarten: er sieht die stadt vor häusern nicht. Simrock 9802; es ist eine stadt wie sieben häuser im dorf. 9803
b; die stadt ist den feinden eine brille,
haec urbs est claustrum hostium. Steinbach 2, 653.
verkürzt wol aus der wendung: die stadt ist dem feinde eine brille vor der nase,
urbs est claustrum hostium, urbs est imposita cervicibus hostium. 1, 195. II@1313)
begriffserweiterung ist eingetreten, wenn stadt
auch kurzweg als bezeichnung der gesamtheit der stadteinwohner verwendet wird. II@13@aa)
noch auf dem wege zu dieser bedeutungsentwicklung liegen wendungen wie die einwohner dieser stadt, die leute aus dieser stadt
u. s. w., wo noch ganz die früher aufgewiesene bedeutung in geltung ist. vgl. auch noch: die leute der stad Sodom.
1 Mos. 19, 4; alle leute derselbigen stad.
5 Mos. 21, 21; und sie faren daher und werden das land auffressen mit allem das drinnen ist, die stad sampt allen die drinnen wonen.
Jerem. 8, 16; da sie aber dieselbe (
die bundeslade) umbher trugen, ward durch die hand des herrn ein seer gros rumor in der stad und schlug die leute in der stad, beide klein und gros.
1 Sam. 5, 9; verbanten alles was in der stad war mit der scherffe des schwerts.
Josua 6, 21; und die leute in der stad sprachen zu jm.
2 kön. 23, 17; aber die in der stad verliessen sich auff jre feste mauren und grossen vorrat von speise. 2
Macc. 12, 14; auch ist besaget von der meisten menge der stat.
weisth. 3, 363 (
d. h. von der mehrzahl der stadteinwohner); die stadt hat tapfere und getreue leute zu einwohnern,
cives fortissimi fidelissimique oppidum colunt. Steinbach 2, 653; die stadt ist von den einwohnern verlassen worden,
urbs a suis destituta est. ebenda; aber die einwohner der stadt haben sich damals verlaufen. Freytag 6, 151.
vgl. auch bestimmungen wie: ein statt mit leuten wolbesetzt, volckrych,
urbs celebris et copiosa, populosa, arcta urbs civibus, frequens populis urbs. Maaler 385
a; volkreiche stat. Schottel 412
b; eine sehr grosze und volckreiche stadt,
oppidum longe maximum et copiosissimum. Steinbach 2, 653; die stadt ist von groszen ansehen, und enthält vieles volck,
civitas magna auctoritate atque hominum multitudine praestat. ebenda; eine menschenreiche stadt. Freytag 18, 121. II@13@bb)
wichtiger für diese bedeutungsentwicklung war aber der umstand, dasz die stadt
im mittelalter die einzige politische gemeinde mit selbstverwaltung war, im gegensatz zum dorfe. vgl. v. Amira
in Pauls
grundr. 3, 125
und Schröder
3 612
und die dort angegebene litteratur, so dasz ein in seinem inneren gestaltungsreichthum ganz einzigartiges gemeinwesen mit der stadt entstand. vgl. auch oben unter II, 1
die definition von stadt.
hier mögen noch folgende belege verglichen werden (
für die entstehung der stadt
aus dem dorfe): ein statt in freyheit setzen,
abstrahere civitatem a servitio. Maaler 385
a; der vurgenante grebe Gerhart zu Ditze, der machte eine stat zu Camberg in sime lande, want eʒ vur ein dorf was.
Limburger chron. 44, 8
Wyss; unde darnach nit lange .., da machte he (
Kuno v. Falkenstein) ein stat zu Nidernbrechen, want eʒ vur ein dorf was, unde horte in di herschaft gen Mulsperg. 57, 4; wir behalten uns und unsern erben sture und bete zu thun in diesen zweyen steden, die wir gefriehet han. J. Grimm
weisth. 2, 7; Duitz, dat vurmails ein slos ind stat is gewest, und noch huide des dachs eine friheit is mit den vunf dorpern. 3, 4; item da man schreip 1300 unde 55 jar da wart Kirpurg in der graschaf zu Ditze begriffen zu einer stat.
Limburger chron. 43, 20
Wyss. hervorhebung dieser besonderen rechtsstellung der stadt: dit is unser herligkeit ind der stede freiheit ind des marts recht. J. Grimm
weisth. 6, 680; man sall da dingen umb unser herren herligkeit ind der stadt freiheit ind des marts recht.
ebenda; dat unser herren herligkeit, der stede freiheit ind des marts rechte also gelegen ist. 681; unser statt freyheitten sollen unnserm herren dem abbt noch dem gottzhausz khein schade sein an jhren rechten. 4, 191; alte statuten und gerechtigkeiten der statt Wangen. 5, 464;
vgl. auch: item vor alten zeiten hait ein dorf bey der badstuben inn die stat gangen, von demselben dorf an biss zu Sindorf gingk und geth noch die anwan der stat.
[] 3, 524,
wo verschiedenes recht in den verschiedenen theilen der stadt gilt. die eine hälfte der stadt hat schon stadtrecht, die andere gilt noch als dorf. ähnlich wol: tzum ersten han besaget uff den eyd die burgmannen, die scheffin, die burger gemeinlich in der stat tzu Luternbach, dasz der von Eysenbach nicht zu richten hat in der stat tzu Luternbach, also die graben umbfangen han. 3, 361;
grundherrliche rechte in einer stadt: sit die vorgenante stat zuo Selse, lit uffe deʒ vorgenannten closters eigen zuo Selse, und die burgere von Selse von rechte huldent einme abbete von Selse. 1, 759; ein apt hat auch ze Lucerron in der stat sin hofstatzins. 4, 367; die juden, die muntz, die muhlen half, die gruysz, die portzen zolle, ind viehetolle binnen der statt, ind an dem Ryne ... sint unsz herren von Cölne ind syns gestichts. 2, 747; es hat auch mein g. fraw abtissin die gerechtigkeit, das ein jeder, so huobguether in dörfferen und flecken und auch in der stadt in handt hat und todt verscheiden ist, das alsdan seine erben noch so vil zu vahl von jeder huob geben söllen, als vil zinss er bey seinen lebtagen geben hatt. 4, 79; die von Zwingenberg aber haben die besichtigung (
der aiche, masz und gewicht) und straffen in ihrer statt vor sich selbst gehabt. 1, 479; so haben die vorgemelten herrn einen freyen hoff zu Ruffach ynn der statt gelegen neben der pfarrkirchen. 4, 133; weiters hatt die fr. äbtissin auff dem landt ausserthalb dem gotshauss fünff amptleüth, als nämlich einen meiger in Obernthall, zwen banwarth in der stadtt, einen meiger zu Senten und einen zu Gewenheim. 4, 78; das ain her von Costentz unnser gnediger herr haben sol stock und galgen yn den zwing und bennen, als zu der statt Nuwkilch horend, und sol umb das plut richten. 1, 291.
aber auch freiheit der stadtbewohner vor ihnen (
vgl.stadtluft): item, welcher arm mann ein hus hät inn der dörfflin einem, die inn das gericht gehörent, gelust ihn, er mags abbrechen, unnd inn ein anders füehren ... gelangt in, er mags füehren inn die statt, da soll es denn inne beliben. 1, 383; diu stat Oringowe stet also. swer drin var, daʒ er haben sol schirm an libe und an gute von dem voite und dem schultheiʒen. 3, 607 (
aussage über Öringen von 1253); ettlich (
knechte) sind och so cluoger sinnen, das si ir herren tuond endtrinnen und werdend burger in stetten.
des teufels netz 12347
Barack; item wäre es sach, dasz ein wüster fleck oder hofstatt in der statt ungebawet lege, käme dann ein nachtbar oder frembder, der dieselbigen bauen wolt, solches soll man im günnen.
weisth. 6, 45; item auch ist ze wissen, wenn ainer in die stat zeucht und begert burger ze weren, bedünket dann die burger, das er in füg zu ainem burger und ratlich sei, so mugent in die burger wol aufnemen, doch das er vor ainem richter und vor dem burgern schwêr.
tirol. weisth. 4, 351, 41; so ainer in die statt kombt und sich darin ziecht und der statt freiheit und gerechtigkeit brauchen und geniessen welle, derselb soll burgerrecht bestehen und sich mit dem richter und burgern vertragen. 605, 31. 32.
doch nicht schrankenlos: mag der probst die gotshuslüt nemen und mag mit inen ... in die stätt einer varen und mügent da die gotshuslüt mit des probstes urloub, wissen und willen burger werden.
weisth. 5, 67; wer ouch, das ieman in dehein statt käme und da burger wurd, der des gotshusz eigen ist, daz sol dem gotshus an allen sinen rechten unschedlich sin. 5, 59.
auch freizügigkeit aus der stadt bestand: item es magk auch ein iglich burger von der stadt Meyningen ziehen, wann oder welche zeidt er wil. 3, 600; die burger von L(
uzern) hant ouch das recht, swenne ir keiner von der stat ziehen und varn wil, das den nieman dar an irren sol, und die herschaft sol im geleite geben sinem lib und sinem gute unz an sin gewarsami. 4, 367. aus der stadt verwiesen werden
ist wie des landes verwiesen werden
eine bedeutende strafe: eim die statt verbieten,
ejicere aliquem e civitate. Maaler 385
a; die stadt reumen,
civitate ejici, expelli, exterminari, fugere ex urbe. Stieler 2112; einen aus der stadt jagen, schaffen, verbannen, peitschen, jemandem die (der) stadt verweisen, einem die stadt verbieten,
cacciare, scacciare, bandire. sferzare uno dalla città. Kramer
dict. 2 (1702), 900
c; darnach so schol er (
der einen bürger auf dem rathause [] handgreiflich beleidigte) auf die stat zwainzik schok zu puʒʒe geben, oder er sei vier jar aus der stat bei zwainzik meilen von der stat.
Prager stadtrecht 54, 87
Rössler; der (
gegen die handelsgesetze der stadt verstoszende) leidet di pusse, das er sizen sol einen langen tag auf dem pranger und sol sein jar und tag aus der stat, und ym kein ampt nymmermer kumen. 72, 117.
entsprechend: eim wider in die statt helffen,
compotem urbis facere. Maaler 385
a.
diese so mit besonderen freiheitsrechten ausgestatteten einwohner der stadt
heiszen aber nicht städter,
sondern bürger,
noch eine erinnerung an die zeiten ältester stadtentwicklung (
vgl. oben II, 1): burger in stat,
civis. Dief. 125
a; burger, der in einer stat wonet,
opidanus. 397
a; wer bürger zu
s. Goar seie? alle die einwohner der stat
s. Goar und Biebernheimb und alle, die in der markt wohnen, die mit gutem wissen und willen der obrigkeit und des rats angenommen und eingezogen seind.
weisth. 6, 489; item darnach sol ain herr von Brichsen uns ainen richter setzen mit rat der burger, der selbig richter sol burger und erlich gesessen sein in der stat.
tirol. weisth. 4, 349, 3; item, binnen der freyheit sollen zwen städt sein, nemblich ein burgkmannsstadt und ein burgerstadt, und esz solle niemants binnen der freyheit wonen, er habe der zweier städt einen. 2, 560; item die zwen städt sollen haben zwen richter, nemblich die burgleut einen burgkmans richter und die burger einen burger richter.
ebenda; dô daʒ den burgærenvon der stat wart geseit daʒ dâ kæme Kriemhilt,des fürsten swester kint, diu wart wol enphangenvon den koufliuten sint.
Nib. 1238, 2
Lachmann; so soltu die bürger der selben stad schlahen mit des schwerts scherffe.
5 Mos. 13, 15; nun begab es sich, das ein burger in der stadt was, ein grobschmied, genant Eychardt. Spittendorff
denkwürdigkeiten 207; sein (
des grafen) schultheisz oder vogt sasz den schöppen der stadt vor, welche das recht fanden über bürger und in händeln des marktes. Freytag 18, 118; die bürger, welche in ihrer stadt den schild trugen. 194,
d. h. zu den patriziern gehörten; so strenge schied sich die stadt des bischofs von der stadt der bürger. Riehl
culturstudien 271;
und noch eine tiefere begründung des bürgerrechtes: item wer nicht teglich mit der stat leidet ubel und gut in allen sachen, losung und ander beswerung, der ist nicht burger und hat kein burgerrecht.
Prager stadtrecht 93, 135
Rössler; wil er aber purger sein, so sol er mit der stat leiden als ein ander purger. 70, 116. II@13@cc) stadt
und die in ihr wohnenden bürger
in stärker hervorgehobener gleichstellung: statt, burgerschafft,
civitas. Maaler 385
b; die bürgerschaft,
vulgo die stadt
id est die bürger in der stadt,
civitas. Corvinus 155
b; die rehte der stad und der burger zu Ortenberg.
weisth. 5, 246; item in diser zit stunt Limpurg die stat unde di burger in gar groszen eren unde selicheit von luden unde von richtome, want alle gassen unde alen (
winkel) waren vol lude unde gudes.
Limburger chron. 27, 15; aber die, die under euch seint, die euch reitzent und hetzent, die auflauf machent, die zusamenschweren anrichtent, das alles wider ruwe der burger ist und wider sicherheit der stat, die werden von solicher missethat mit dem tod nit ledig.
d. städtechron. 3, 140, 8; so las deme die stedte Juda und die bürger zu Jerusalem hingehen und zu den göttern schreien.
Jerem. 11, 12.
vgl. auch: und richtet der rat ir gesworn gerichte, und sezzent ouch in der stat, was dien burgerren ze nuze und ze eren komen mag.
weisth. 4, 367.
deshalb: II@13@dd) die stadt, die gemeine stadt,
la città, la republica, il commune, il publico. Kramer
dict. 2 (1702), 900
a; gemaine statt,
stadtgemeinde, res publica. Schm.
2 2, 794; sich um die gemeine stadt wol verdient machen,
farsi, rendersi ben meritevole del commune, della republica. Kramer
dict. 2 (1702), 900
a; mit der ganzen gemeine der grosern stat zu Prage.
Prager stadtrecht 45, 64
Rössler; wegen des rats und der ganzen gemeynde der stat Landaw.
weisth. 1, 769; schultheisz, burgermeister, gericht und ganze gemeind der statt Altenstaig. 6, 321; einem erbergen rate und gemeiner stat. Tucher
baumeisterb. 36. II@13@ee) ein statt regieren,
administrare civitatem. Maaler 385
a; ritterbürtige der stadt und kaufleute sind eng verschwägert, ihre blutsfreunde sind in anderen städten mächtig, sie
[] regieren die städte im frieden, führen häufig die bürgerlichen heerhaufen im kriege. Freytag 18, 116;
anders gewendet: alle und igliche regemente der stede Andernach das der rait gesatzt hette und noch setzen wird.
weisth. 2, 630; eine bürgerschaft, so fest gegliedert, in dem selbstgefühl des wohlstandes und physischer überlegenheit, konnte auf die länge nicht ertragen von der regierung der stadt ausgeschlossen zu sein. Freytag 18, 118; auch das regiment der stadt war in diesen stunden (
der abendruhe) gegenstand einer beurtheilung, die nicht immer wohlgeneigt blieb. 143;
vgl.: auch für ihr eigenes regiment baut die stadt gerade jetzt ein schönes rathhaus, zierlich und schmuckvoll, darin einen saal für die groszen feste der stadt und ansehnlicher bürger. 128. II@13@ff) stadt
kurzweg die stadtverwaltung in ihren gesamten verzweigungen: zu dem andern male wisen wir der stede Andernach zu kornmaisse, habernmaisse, mellemaisse, vllauchmaisse und alle fruchtmaisse, die zu dem echtel gehorent.
weisth. 2, 630; wenn auch ein abbt gesetzet würdt, der soll des ersten der statt und dem thalle schwören. 4, 191;
vgl.: wir der rath, die gemeinde der statt und des thalls.
ebenda; item sie sagen, dasz ein herr von Würzburg der statt das umbgeld daselbst geben habe, die statt damit zu bevestigen und bessern. 6, 45; (
der theilnehmer an heimlichem rat) der breche ... auch dem rat und der statt ihre freiheiten und policeien. 651; das (
die wahl eines capitelherren) sol das capitel tun mit rat der von Klausen mit sambt andern steten und gotshausleuten.
tirol. weisth. 4, 348, 20; (
der sich widersetzende) ist dem gericht verfallen zwai phunt perner und der stat zwai phunt perner. 352, 13; das bild des schutzheiligen, mit ... einem opferstock, in welchen der bürger, stolz auf seine stattliche brücke, freiwillig einlegt, damit der stadt die erhaltung der brücke leichter werde. Freytag 18, 122; damals (
im ausgehenden mittelalter) begannen die kleiderordnungen der städte und landesherren, die erst mit der französischen revolution aufhörten. 139; ritterschaft und städte von Geldern schrieben eine auszerordentliche steuer für das lösegeld aus. 217; er (
der ritterliche lehnsmann) wuszte etwas von ungeheuren forderungen, die einer seiner vorfahren an die stadt gehabt haben sollte. 303; denn wegen des durchziehenden französischen volkes hatte die stadt auch für den tag eine thorwache bestellt. 13, 183; es kam vor, dasz eine gröszere stadt die münze in einer kleineren erworben hatte. 18, 238; das silbergeld der verschiedenen landschaften und städte. 238; und da dieser kaiser (
Sigismund) neben andern gnaden der stadt auch das recht des thorzolles verbriefte. Riehl
culturstudien 266. farben der stadt,
des stadtregiments: die seiden umbheng auf baiden altarn mit der stat farb, rot, grien und weis gemachet, dessen die thuombherrn und vicarien toll werden wolten und vermainten, die von Augspurg wolten zuovil gerechtigkait in ir kirchen suochen.
d. städtechron. 23, 132
a, 4. banner der stadt: wenn man zu Dornstetten sturm lttet, so sollent denn die armmen lütt uss denn vorgenannten dörffern by dem aide ziehen zu der statt baner, wenn sye gemanet, oder wie sie dess innen werdent; wer aber nit zue dem baner khommen mOecht, der söllte zue der statt ziehen.
weisth. 1, 382 (
vgl. unten auch stadtbanner); amtbuch, rathsbuch der stadt: wiewol derselb schaffer alle jar zu dem newen ratte ob der stat amptbuch gehorsam thut, alsdann sein eid im newen eitbuch folio 25 auszweist. Tucher
baumeisterb. 32; alle jar zu dem newen rate ob der stat amptbuch ... gehorsam thun, als derselbe (
der rat) ir eide im amptbuch folio ... zu erkennen gibt. 34; und wenn er (
der kaufmann) credit (
in fremder stadt) gab, forderte er eine sicherheit in amtlich beglaubigter urkunde, indem er das geschäft in das rathsbuch der stadt eintragen liesz. Freytag 18, 235;
auch kurz der stadt buch (
vgl. auch unten stadtbuch): item wer ein ding anspricht in der stat puch, pringet er die ansprach nicht ein in jar und tag, als das ding ist gesprochen, so sol man die ansprach auftun (
nicht berücksichtigen).
Prager stadtrecht 93, 135; auff der statt buoch schreyben,
referre in commentarios. Maaler 385
b; güter so auff der statt buoch geschriben und verzeichnet sind,
fundi publicis commentariis consignati. ebenda; in der stat buch am vierden plat. Tucher
baumeisterb. 96, 16. der stadt siegel (
s. auch [] stadtsiegel): item der pfaffen brieff sal man sigelen mit der stat sigel.
Prager stadtrecht 92, 134
Rössler; neben der stadt buch
und der stadt brief (
vgl. unten stadtbrief): sunderlichen so meinen und wollen wir, das nieman wie der genant ist mit dem gewelbe darinn unser stat insigel, buch, brief und frihait beschloʒʒen sint nichtes ze tun noch ze schaffen sullen haben in dhein weis.
d. städtechron. 4, 137, 13. der stadt baumeister
u. ähnl.: darnach zu sant Niclastag soll der stat paumeister zu im vordern und besenden der stat werckleut den maurern und zimmermann. Tucher
baumeisterb. 34; der stat paumeister soll inen (
den steinmetzen) leihen, wenn sie mauren oder löcher prechen, zwispitzen und steinexte oder stecheisen, auch setzeisen und hauer und kellen, alles von der stat zeug. 40; der pflastermeister und sein gesellen ... sullen der stat paumeister geloben und ir trew geben, das sie das zukunftig jare an der stat arbeit beleiben. 48; so soll derselb ler jung geloben der stat paumeister und der stat werckmeister dreu jar, die nechsten, pei und an der stat arbeit zu bleiben. 37; es schol auch ein ycleich man, er sey burger oder gast, kein kaufmanschaft aus der stat furen, er hab denn ein zeich von der stat pholger.
Prager stadtrecht 72, 117
Rössler; es schol auch kein gast kein kaufmanschaft nicht vorkauffen bei der ellen, noch pei der wage, nur was der stat wegar und messer hinwegt und mist.
ebenda; dem paumeister hilflich zu sein wie er sein bedarf zu der stat nottorft, auch der stat arbeitter und pferde anschicken zu arbeitten nach eins paumeisters unterrichtung. Tucher
baumeisterb. 32; zuo Basel haben wir ein völcklin, die nent man die fryetzknaben, das sind von stat verordnete secktrager, die die frücht der obrikeit uff die kästen tragen.
weisth. 1, 819
anm.; was schafe, zuber, schuffen, stutzen und anders bei den maurrern zulechset oder die raiffe abspringen, das er soliche schafe und gefesze dann auf hebe und zu der stat puttner trag und bestell, das die wider gepunden werden. Tucher
baumeisterb. 41; der stat pflasterer (
plur.). 49; auch sol der schaffer das zimmerholtz, das der stat walthawer zu der stat pewen herein antwort, eigentlichen mercken. 33; wir sprachen zuweilen so lange und so laut durch die stille der nacht, dasz die scharwächter der stadt uns zur schonung der schlafenden bürger vermahnten. Keller 2, 174;
vgl.: der wächter, der die stadt bewacht, ging seinen gang in jener nacht. Uhland
ged. 319.
entsprechend dann auch: geloben .., das er (
der schaffer) das zukunftig jare bei und ob der stat pewen beleiben und der stat nutz und fromen getrewlich furdern und schaden bewaren wolle. Tucher
baumeisterb. 32, 21; alle stein, die von dem Reuhel perck zu der stat pewen komen und herein gefurt werden. 35; beschriben geben, wie vil aller arbeitter an der stat arbeit dieselben wochen sein. 28; es soll auch ein jeder tagloner der an der stat arbeit ist sein aigne schauffel haben. 44; wenn er (
der röhrenmeister) arbeit, es sei am schönprunnen oder an ander arbeit der stat nottorft. 47. II@13@gg)
hierher noch: ein mann bey der stadt,
ein angesehener, zu wichtigen geschäften brauchbarer mann, der gleichsam die stütze der stadt ist. Adelung;
welche formel auch ins scherzhafte schillern kann: ein mann bei der stadt,
ein angesehener mann, meist in scherzhaftem gebrauche. e ma~ bei de' stad. Schm.
2 2, 794;
vgl.: die herren von der stadt,
mitglieder des magistrats. d' herrn vo~ de~ stad.
ebenda. II@13@hh) (
vgl. unten städtebund
und städtebündnis:) sie (
die Hansa) ist eine verbindung vieler städte zu gemeinsamem handel in der fremde, nicht zur vertheidigung, sondern zur eroberung. Freytag 18, 238; durch sie (
die kaufleute) werden die grossen bündnisse der fränkischen, schwäbischen, rheinischen städte, der Hansa möglich. 116; diese blüte des norddeutschen handels war aus dem freien bund einzelner städte erwachsen. 275; aber auch dieser verband (
von schwurgenossen) suchte zuerst vorrecht und verbriefte gunst und wuszte seine stadt oder einen bund von städten zu bestimmen, dasz sie seine handelsvortheile vertraten. 233;
vgl.: die norddeutschen städte suchten in dieser zeit der königslosigkeit sich selbst zu helfen, sie zogen die bande alter handelsgenossenschaft enger, in denen allmählich die Hansa zusammenwuchs. 92.
[] II@13@ii)
nicht nur mit betonung des verwaltungsgetriebes, sondern zugleich einen überwiegenden theil der stadteinwohner bezeichnend: statt mit krieg beleydigen,
quatere oppida bello. Dasypodius; ein statt in grosz angst und not bringen,
inferre calamitatem civitati. Maaler 385
a; einer statt dienst und guotthat beweysen,
in civitatem studia et beneficia conferre. ebenda; ein statt mit dienst unnd guotthat verbinden,
civitas officiis conjuncta. ebenda; di (
herren von Reifenberg) waren figende der stede Limpurg zu der zit.
Limburg. chron. 52, 23; auch vieng man ain von Riethain zuo werd, der was der stat veind.
d. städtechron. 4, 323, 24; das die stad auffrhürisch und schedlich ist den konigen von landen.
Esra 4, 15; die kirche und die rathstube, das zeughausz, die schatzkammer, die kornhäuser, speicher sind der stadt stärcke. Comenius 622; zu den geschenken der stadt an vornehme gönner gehörten ... auch pfeffer, zimmt, nägelein, muskatnusz. Freytag 18, 140; mehr als ein mal hatte er der stadt abgesagt, hatte bürger gefangen und in seinen thurm gelegt, bauern der stadt erschlagen und verstümmelt. 135; (
der freigegebene gefangene muszte schwören,) dasz er der stadt und ihren helfern nicht hasz und rache nachtragen werde. 292; jeder ansehnlichen stadt war vortheilhaft ihren erzeugnissen dadurch guten absatz zu verschaffen, dasz sie dieselben von sicheren leuten prüfen und bezeichnen liesz. 235;
und so schlechthin in die bedeutung der gesamtheit einer stadtbevölkerung verlaufend: die statt wird sich an jn keeren oder hencken, wirdt alle hoffnung zuo jm haben,
convertet se civitas in eum. Maaler 385
a; die stadt hat viel ausgestanden,
urbs multis casibus defuncta est. Steinbach 2, 653; er ... gab sich für einen rattenfänger aus, indem er versprach, gegen ein gewisses geld die stadt von allen mäusen und ratten zu befreien.
brüder Grimm,
deutsche sagen 245; begeht die stadt frohe weinlese, dann rücken bewaffnete in das feld, damit die schwärmenden städter vor einem überfall sicher sind. Freytag 18, 123; es war wochenmarkt in der fastnacht, das lustigste frühlingsfest der stadt. 11, 5; eine der gröszten sorgen wurde bei dauernder fehde die verpflegung der stadt, weil die wirksamste schädigung war zufuhren aufzuhalten. 18, 289; aber die stadt sorgte noch durch andere vögel dafür, dasz die frau vom lande heimisch wurde.
verl. handschr. 1, 220; denn städte und völker wie der einzelne suchen die ursache ihres miszgeschickes immer lieber auszer sich als in sich. Riehl
culturstudien 267;
so werden wendungen möglich, wie die ganze stadt weisz es. Adelung; die ganze stadt spricht davon; er ist im gerede der ganzen stadt
u. ä.; aber von einem kargen filcze redet die gantze stadt ubel und man saget recht daran.
Jes. Sir. 32, 29; wenn deine tochter nicht schamhafftig ist, so halt sie hart, das sie dich nicht deinen feinden zum spot mache und die gantze stad von dir sage. 12, 11; eine stad frewet sich, wens den gerechten wolgehet, und wenn die gottlosen umbkomen, wird man fro.
spr. Salom. 11, 10; ein statt von forcht und schräcken gantz erstaunet,
urbs lymphata horroribus, pavida urbs. Maaler 385
a; der tambour der bürgerschützen trommelt durch die straszen und ladet zum feste, aber die stadt ist dies mal nicht bereitwillig sich zu freun. Freytag 13, 169; da die ersten (
russischen reiter) mit ihren langen bärten, auf kleinen struppigen pferden zum ringe ritten, gerieth die stadt vor freude auszer sich. 211; die allgemeine stimmung der stadt war gegen den Türken. 247.
mit weiterer verstärkung des persönlichen elementes in dem begriffe stadt: und da der man in die stad kam, sagt ers an, und die gantze stad schrey.
1 Sam. 4, 13; heule thor, schrey stad, gantz Philisterland ist feige.
Jes. 15, 31; und welche leute nicht sturben die wurden geschlagen an heimlichen örten, das das geschrey der stad auff gen himel gieng.
1 Sam. 5, 12; und die stad Susan jauchzete und war frölich.
Esther 8, 15; und da sie zu Betlehem ankamen, reget sich die gantze stad uber jnen, und sprach, ist das die Naemi?
Ruth 1, 19;
dann sogar von sich bewegenden volksmassen: des quam der vurgenante Cone von Falkenstein von des vurgenanten stiftes wegen mit rittern und knechten und zoch mit der glocken usz mit der ganzen stat zu Limpurg.
Limburg. chron. 50, 1; der (
herr v. Falkenstein) zog usz mit der stat zu Limpurg unde gewan Aldendorf. 51, 18; und es kam die furcht gottes
[] uber die stedte die umb sie her lagen, das sie den sönen Jacob nicht nachjageten.
1 Mos. 35, 8; und zogen zwo, drey stedte zu einer stad, das sie wasser trincken mochten.
Amos 4, 8; alle stedte werden fur dem geschrey der reuter und schützen fliehen und in die dicken walde lauffen und in die felsen kriechen.
Jerem. 4, 29; denn der verstörer wird uber alle stedte, komen das nicht eine stad entrinnen wird. 48, 8; die ganze stad zog dem spektakel nach, reuter und fuszgänger durch einander und wagen, der lerm und galgenpsalm jolten weit. Schiller 2, 91 (
räuber 2, 3
schausp.).
mit entsprechendem adjectectivischen zusatze: herrliche und ryche stat,
lauta civitas. Maaler 385
a; eine unglückliche stadt,
urbs infelix. Steinbach 2, 653; die betrübte stad vermag sich nicht zu trösten, denn es wird das unglück vom herrn komen.
Micha 1, 12; du warest vol gedönes, eine stad vol volcks, eine fröliche stad.
Jes. 22, 2; ist das ewre fröliche stad, die sich jres alters rhümet? 23, 7; der herr Zebaoth hats also gedacht, auff das er schwechte alle pracht der lustigen stad. 9; ich hörte, wie ... die nachtruhe der kreatur eintrat, während das geräusch in der fröhlichen stadt herüber summte. Keller 3, 62; hart am saum einer rührigen stadt steht ein viereckt gebäude, massig und grau. Freiligrath 3, 218. es sey kund dem könige, das die Jüden, die von dir zu uns herauff komen sind gen Jerusalem, in die auffrhürige und böse stad, bawen dieselbige, und machen jre mauern und füren sie aus dem grunde.
Esra 4, 12; o der mörderischen stad, die ein solcher topff ist, da das angebrante drinnen klebt und nicht abgehen wil.
Hesek. 24, 6; du menschenkind, wiltu nicht straffen die mördische stad, und jr anzeigen alle jre grewel? 22, 2. II@13@kk)
personification der stadt
als frau, jungfrau: wie gehet das zu, das die frome stad zur hurn worden ist? sie war vol rechts, gerechtigkeit wonet drinnen, nu aber mörder.
Jes. 1, 21;
vgl.: alle die fur uber gehen, klappen mit henden, pfeiffen dich an, und schütteln den kopff uber der tochter Jerusalem, ist das die stad, von der man sagt, sie sey die allerschöneste, der sich das gantze land frewet?
klagel. 2, 15; die grosse stad, die bekleidet war mit seiden und purpur und scharlacken und übergüldet war mit gold und edelgestein und perlen.
offenb. 18, 10;
insbesondere in der soldatensprache um eine stadt werben,
sie belagern. über die nichtdeutsche herkunft aller dieser wendungen vgl. R. Köhler
kl. schr. 3, 371. Soltau
hist. volksl. 1, 509
anm. 2, 93. 372. Lilge (
Lille), du allerschönste stadt, du bist so schön und glatt, schaue meine liebesflammen, ich liebe dich vor allen damen, mein herzallerliebster schatz.
lied auf die belagerung der stadt Lille durch prinz Eugen 1708
bei R. Köhler
kl. schr. 3, 389.
von der eroberung Magdeburgs: er (
Tilly) und sein Pappenheim, die thaten sich bemühen, der guten stadt ihr heil und leben zu entziehen, und das so grausamlich, dasz sie den heiszen mut zu kühlen wünscheten im jungfreulichen blut. Rist 137, 30
Gödeke-Götze; damals brach an die stund' und das betrübte licht, die dir, o schönste stadt, dein lieblichs angesicht so sehr verwüstet hat. 138, 56; o, weh der guten stadt, die schon so manche not und angst erlitten hat. 145, 127.
vielleicht gehören hier auch wendungen her wie die folgende: ich will der stadt keine schande machen, herr vater. Freytag 11, 42,
wo die stadt etwa als mutter gedacht ist, vgl.: gleich mutterarmen schlieszet die stadt der pforte flügel auf, ihr himmlischer gesang begrüszet den sohn nach tapfrem pilgerlauf. Uhland
ged. 211.
anderer art sind personificationen wie die folgenden: aber die stadt, wie riesenhaft und toblustig sie sich gegen Ilse geberdete, war im grunde ein freundliches ungetü
m. Freytag
verl. handschr. 1, 220; da möchte man wohl Bellerophon sein, um dieses ungeheuer von aufschwellender stadt, dieses chimärische unthier von mörtel, ziegel, elend und essenqualm niederzureiten in den schmutz, aus dem es entstanden ist. Raabe
die leute aus dem walde 169.