reise,
f. iter, expeditio. 11) reise
gehört zu dem gemeingermanischen verbum rîsan (
s. unter reisen),
dem in den urverwandten sprachen nichts entsprechendes zur seite steht. die bildung selbst ist auf das deutsche im engeren sinne beschränkt: ahd. reisa,
mhd. reise,
starkes fem.; mnd. reise,
mnl. rese
und reise.
das altnord. fem. reisa
kommt zuerst in einer norwegischen urkunde von 1344
vor (Vigfusson 491
b)
und ist ein deutsches lehnwort, auch dän. reise
und schwed. resa.
ebenso ist das wort aus dem deutschen ins französische eingedrungen: altfranz. raise
und rèse.
die grundbedeutung ist die einer bewegung aufwärts, also '
erhebung, aufbruch'
; dann im engeren sinne '
aufbruch zum kriege' (
die im mhd. und älteren nhd. herrschende, im mnl. einzige bedeutung),
während bei Otfrid,
später im mnd., das wort schon auch im heutigen sinne verwendet wird. die ältere oberdeutsche gekürzte form reis
tritt auch in zusammensetzungen zu tage (
vgl. unten reiselaufen, -läufer
und reislaufen, -läufer
u. a.). 22)
die gewöhnliche bedeutung von reise
in der ältern sprache '
aufbruch zum kriege, der kriegszug selbst'
ist im 16.
jahrh. noch sehr gebräuchlich, dagegen kennt sie Stieler
nicht mehr: equitatus (
i. reysa) reyse, ain raisz
vel raisen, rais, raise, reisze, rese Diefenb. 207
a;
expeditio, rayse, usrihtung
vel reisz, rais
vel hoer. 218
a (
erhalten in reiselaufen, reislaufen, reisig, reisespiesz,
s. daselbst). 2@aa)
besonders klar hervortretend in stellen, wo ein sinnverwandtes wort daneben steht: so ist in dem nechst vergangen Nuremberger krieg oder reis ein lantwer mit schrancken auf peden seitten umb die stat gemacht worden. Tucher
baumeisterb. 210, 20; also gewonten die kinder von jugent auf der rais, krieg, arbait, und aller hertikait. Aventinus 1, 355, 16; das er (
der Türke) keine schatzung noch reise von dir foddert. Luther 4, 481
a; von raube, von brande unde reisen wirt vil witiben und weisen. Hugo v. Trimberg
Renner 6813; wan wittwan und waisen macht man vil in raisen, und tuond der rob nemen sovil, das ist gar ain süntlich spil.
des teufels netz 13245; waʒ sturm und rais da wart getan, da pei sô was der auʒerchorn. Suchenwirt 18, 400; dan do sie mancherley an ging von kriegs reysen und andren ding.
fastn. sp. 1255; untüchtig zur reisz und zur wehr.
froschmeus. Gg 4
a;
vgl. auch: darnach tuond si in das land rennen, die lüt rauben und brennen, und wirt darusz ain grosze raisz.
des teufels netz 7290. 2@bb)
es heiszt eine reise thun, vollbringen, dienen
u. s. w.: von manickvaltigen diensten die wir dem hailigen römischen reich und dem fride mit raisen, mit botscheften und mit andern sachen ... getan haben.
d. städtechron. 4, 158, 17; als nun der könig ein solches fürnemmen wider den ritter erdacht, ist er eylendts zu rath worden, eine reysz zu thun.
buch der liebe 253, 3; derselben zeit hat graf Eberhart von Kiburg vil frömbd volck versammet und tett ein reisz uff die von Bern. Tschudi 1, 326; ich wil eine reise. wünschet daʒ ich wol gevar. dâ wirt manic weise. diu lant wil ich brennen gar.
minnes. frühl. 145, 33; vil rais ward in daʒ lant getan. Suchenwirt 18, 368; wan ich wol ain rais wil machen gen meinen widersachen.
des teufels netz 13388; von tugent sei der adel kumen, das sie pschüezten witwen und waisen, die armen pschirmten in den raisen. H. Sachs
fastn. sp. 2, 29, 92; es hett unsz ein gut gesell gebeten wir solten ihm ein reisz dienen (
reitersdienst thun). Götz v. Berlichingen 45; bracht ich sonst auch zwey knecht uff, und dienet ihm ein reisz. 46; hab vil necht im harnisch gehalten und manig gferlich rais gedient. H. Sachs
fastn. sp. 2, 7, 224; reise dienen
auch in übertragenem sinne: hie will ich vester Junncker, so vill in mir ist ewer vest eyn raisz dienen, unnd .. ewern christlichenn anlangenn .. zu willen werden. S. Franck
trunkenh. A 2
a; einer reise pflegen: die niderlendschen herren, die zugent ins oberlant. went si der selben reise pflegen, si sönt sich basz bewaren. Wackernagel
leseb. 1, 1287, 39 (
Sempacher lied). in der reise sein, in die reise laufen
u. s. w.: die andern, so anhaims pliben, muesten dieweil arbaiten, die so in der rais waren, auszhalten. Aventinus 1, 115, 6; die in die reisz lauffen und erstochen werden. Keisersberg
emeis 87
a; zu den zeitten muszt ein yegklicher, der in die reysz erwölt ward, auff sein eygnen kosten reysen und auszziehen ohn allen sold.
Livius deutsch (1557) 28
a; wann auch (
bei erhebung der Volsker und Sabiner) die burgermeister inn die reisz wolten, als jn zustund, so satzten sich die zunfftmeister darwider. 40
b; man zücht zereisz (
zum kriege) in alle lannd. Jacob Ruff
Etter Heini 2, 624. 2@cc)
von den kämpfen der thiere: eʒ begert auch iegleich pein (
biene) dem kaiser ze næhst sein in der rais. Megenberg 291, 4;
von personificationen: die Vorchte und der Vreise ir (
der Tobesucht) volgten an die reise. Albr. v. Halberstadt 11, 23.
im bildlichen sinne vom kampfe im weltgetriebe, oder um Christi willen: der, so do nach der verlosznen reisz der wält, ein münch oder ein geistlicher hat angehebt werden. P. Gengenbach
pfaffenspiegel 27; daʒ du nit den gewin der wält in der reysz Christi suochest. 221. 2@dd)
aus der bedeutung '
kriegszug'
ergibt sich ferner die anwendung auf das zu felde ziehende heer: an demselben jore samet künig Rudolf eine reise und zogete wider den bischof von Spire.
d. städtechron. 8, 47, 16; dî zô ime kêrten und sîne reise mêrtin.
Straszburger Alexander 1974.
den übergang vermitteln stellen wie die folgenden: ich (
der teufel) bedarf der gaistlichen an min raisz wol; wan so wirt die segi (
das netz) fol, wan si mugend die laien uffendhalten und tuond si in die segi schalten.
des teufels netz 13452; herr, die raisz solt mir geben, si ziehend mit den dinen nit eben! herr, die frouwen, die disz och pflegen, fügen mir in min raisz eben. 13499; sol ich die och nit in min raisz füren? 13509; es sigind weltlich wip ald nunnan, sond si nit all in min raisz gan, die doch nüt durch dich wend tuon noch lan? 13512. 33) reise,
allgemeiner eine bewegung von einem orte zum andern; schon bei Otfrid: er reit in milte, sô gizam,sô iʒ thô zi theru reisu biquam. 4, 4, 39 (
vom einzug Christi in Jerusalem),
auch mhd.: dô liebt in dô diu reise (
zum feste), daʒ si kômen in daʒ lant.
Nibel. 40, 4. 3@aa)
es bezeichnet zunächst einfach die handlung des reisens: der heiland sasze bei einem brunn müd und matt wegen der raisz. Abr. a S. Clara 2, 19.
dann mit rücksicht auf das, was man während der reise erlebt oder auf den erfolg der reise: Simplex vom Schwartzwald nach Moscau in Reuszen reiset, die reisz ist kurtzweilig zu heiszen.
Simpl. 2, 92; haltet mich nicht auff, denn der herr hat gnade zu meiner reise gegeben.
1 Mos. 24, 56; er hatte nichts von seinen reisen, als einen leren beutel, verterbten magen, und verleztes gewissen. Butschky
Patm. 156.
auch den ort des reisens angebend: und dasz sein hertz werd mehr ergötzet, so ist voll lehr, frucht, frewd, der weitten welt umbkraisz des menschen gaists, munds, leibs, betrachtung, nahrung, raisz. Weckherlin
psalm 8, 6 (
s. 27).
man unterscheidet reise zu wasser, zu lande, reise in fremde länder, reise zu fusze, zu pferde, zu wagen
u. s. w. (
vergl. auch die entsprechenden zusammensetzungen seereise, landreise, fuszreise, luftreise
u. a.): aber es muste also gehen ... auff das sie (
die Ägypter) vollend die straffe uberkemen, die noch dahinden war, und dein volck (
das volk gottes) eine wunderliche reise (
durchgang durch das rothe meer) erfüre.
weish. Sal. 19, 4. 5; Julienne entfernte sich, um die anstalten zur kleinen tag- und inselreise zu treffen (
man wollte den tag über die insel Ischia durchwandern). J. Paul
Titan 4, 153; all welt sucht freud und wonne mit reisen fern und breit.
Ambras. liederb. 20, 15;
in freierer verwendung von thieren und leblosen dingen: ist der junge lachs oder sälmling in das 2te jahr getreten, so schickt er sich zu seiner ersten reise nach dem meere
an. v. Siebold 300; der kometen ungemeszne reise. Gotter 1, 404.
das ziel der reise wird gewöhnlich mit nach
angegeben: so wolle er selbst eine reise nach dem Tissaphernes thun. Heilman
Thucyd. 1126; that er eine reise nach Ephesus. 1168.
selten mit auf,
z. b. setzte seine reise auf Bremen fort.
Weserzeitung 1859
nr. 4886 (
nach dem engl. upon?);
daneben als adj.: italienische reise; von denen italiänischen reise, sagt Janus Gruberus, bringen die Deutschen drey unheil gemeiniglich zurück nach hause. Butschky
Patmos 29. 3@bb) reise
im sinne eines kurzen ganges von einem hause ins andere, zum besuch u. s. w., ist besonders verbreitet in den mundarten: in die rais gên,
auf besuch, die nacht-rais, rocken-rais,
nachtbesuch, besuch mit dem spinnrocken. Schmeller 2, 138;
niederd. reise,
weg, kurzer gang nach einem benachbarten orte; als grusz beim begegnen: wô sal de reise hen gellen? wohin geht die reise? Schambach 170
a; jeder gepäckträger nennt seinen geschäftsgang eine reise, ebenso jeder droschkenkutscher seine fahrt. Frischbier 2, 221
a;
auch von einem gange ohne ein bestimmtes ziel: sie hatte von der zinne des altars seiner reise (
seinem umgange im tempel) zugesehen. Göthe 15, 253. 3@cc)
redensarten und stehende verbindungen von reise
in hinblick auf den ausgangspunkt oder das ziel: woher kommt die reise? wohin geht die reise? sie verzeihe meiner kühnheit, dasz ich fragen mag, wo die reise herkomme.
unw. doctor 318; Tybersohn, von wannen deine reise? Schiller 1, 131;
mit rücksicht auf die länge der wegstrecke oder die zeitdauer: eine grosze, weite, kurze, lange, schnelle reise, die ganze reise
u. s. w.; beide wollten eben die gröszere reise nach St. Yago von Compostell antreten, als die mutter mit tode abging. Göthe 27, 14; ehe dan sie ihre weite raisz vornemen, zue mir khomen haisz.
Endinger judenspiel 241; und diese unser kleider und schuh sind alt worden, uber der seer langen reise.
Josua 9, 13; der wandersmann ermattet auf stark und steter reis. Spee
trutzn. 20, 58
Balke; gerne gönnen wir die schnellste reise, gern die hohe fahrt dir. Göthe 2, 75; und Judas treib das volck fort, das sich da hinden seumet, und tröstet sie die gantze reise aus, bis er sie ins land Judea bracht. 1
Macc. 5, 53; und must die gantz reis, bisz er wider heim kam, also ir fatzman sein. Wickram
rollwagenb. 171, 14; sie hatten geld und versorgten sich an allen orten mit so vielem brandweine, dasz sie auf der ganzen reise fast nicht nüchtern wurden. Gellert 4, 384; es war ein schöner groszer ahorn, der erste der mir auf der ganzen reise zu gesichte kam. Göthe 27, 15;
in verbindung mit verben: eine reise thun, machen, vornehmen, unternehmen, beginnen, antreten, fortsetzen, fortstellen, zurücklegen. Adelung; doch weil euch rechte lieb thut treiben zu jr, so thut zu lieb ein reisz. H. Sachs
fastn. sp. 3, 104, 150; wenn jemand eine reise thut, so kann er was erzählen. Claudius 5, 113; trat um 6 uhr morgens meine reise
an. Hölty 225; dasz wir nicht werden nach unserm willen unsere reise fortstellen können.
unw. doctor 197; als nach verbrachten reisen bei frembden sternenbrand die könig drei, die weisen, gar fern aus morgenland dem kindlein neugeboren zum opfer brachten dar die dryfach auserkoren und auserlesen waar. Spee
trutzn. 155, 1
Balke; mit präpositionen: auf der reise sein; auf die reise sich machen, sich begeben, sich schicken, jemanden schicken
u. s. w.: also dasz ich mich wider meinen willen wieder auf die reise machen, mein altes vagieren aufs neue anfangen .. müssen.
Simpl. 2, 265, 14; ach, was für wunder würd ich hier auf meinen reisen sehn. P. Gerhard 249, 49
Gödeke; auf die rais schick dich, lieber sun. H. Sachs
hürnen Sewfr. 110; nebst andern wackern pilgersleuten, die sich auch auf die reis bereiten. Tieck
Octav. 110; wie Champagne! du schickst meinen onkel anstatt meines bruders auf die reise? Schiller 12, 176 (
neffe als onkel 3, 4); in die reise kommen: ich pin auch kumen in die rais, hat mir austrieben den angstschwais. H. Sachs
fastn. sp. 6, 51, 317. von der reise kommen, mitbringen
u. dergl.: er hette nichts von seinen reisen, als einen leren beutel, verterbten magen, und verleztes gewissen. Butschky
Pathmos 156; zur reise fordern, sich schicken: früh morgens gieng der gute mann mit seinen grillen zu rahte, wie er sich doch gut genug entschuldigen möchte, wenn er von den gästen zur reise gefordert würde. Weise
erznarren 12
Braune; derhalben bat er auch, man möchte an einem orte die zeit nicht so vergebens verlieren, sondern ehe heute als morgen sich zur reyse schicken. 211. 3@dd)
besonders zu beachten ist der plural im sinne einer gröszern reise, hauptsächlich in der verbindung auf reisen: auf reisen sein, auf reisen gehen
u. s. w., von reisen kommen: was man auf reisen erlebt! Tieck
Octavian. 138; im durst solls sein mein wasserquell, in einsamkeit mein sprachgesell zu haus und auch auf reisen. P. Gerhard 70, 78
Gödeke; ein guter dummer bauerknabe, den junker Hanns einst mit auf reisen nahm, ... gieng, kurz nach der vollbrachten reise, mit seinem vater über land. Gellert 1, 149; armer, wer jezt auf reisen hindurch musz, ferne der einkehr. Voss 2, 276, 79. 3@ee) reise,
bildlich, von dem verlaufe des lebens: möchtest du beglückt und weise endigen des lebens reise? Schiller 11, 14, 12.
besonders gern für den tod; auch mit ausdrücklicher angabe des todes reise: swer vil geloubet âne werc, der vert des tôdes reise. Frauenlob 13, 12; wann nach der menschen weise sie thun des todes reise. P. Gerhard 87, 35
Gödeke; oder reise in jene, in die andere welt: 'herz gefaszt, pater Joseph, Breysach ist unser!' schrie Richelieu dem kapuziner in die ohren, der sich schon zur reise in jene welt anschickte. Schiller 8, 379;
auch als letzte reise
bezeichnet: lasz mich bis zur letzten reis an leib und seele grünen. P. Gerhard 241, 86
Gödeke; das letzte sakrament empfiengen wir, und fertig sind wir zu der letzten reise. Schiller 12, 505 (
M. Stuart 3, 6);
auch ohne solchen zusatz steht reise
in diesem sinne: keine rettung, must jetzt schon dahin — aber sei ruhig. wir machen die reise zusammen. Schiller 3, 502 (
kabale 5, 7); eine lüge pflegt man doch sonst nicht auf diese reise zu nehmen?
ebenda; so auch in manchen sprichwörtlichen redensarten, z. b. die reise wird mit ihm fortgehen. Wander 3, 1644, 35; he mäkt en reis en et Piereland. Firmenich 1, 407, 398, ins reich der würmer,
d. i. er stirbt. 1645, 43. 3@ff)
man wünscht einem scheidenden viel glück zur reise
oder eine glückliche reise: ich wunsch euch vil glücks auf die rais! H. Sachs
fastn. sp. 6, 150, 19; der prinz (
Oranien) stand verstummt, und ohne des königs einschiffung abzuwarten, wünschte er ihm eine glückliche reise und gieng nach der stadt zurück. Schiller 7, 95;
oder man bittet
für sich selbst um eine glückliche reise: (
der götzendiener) flehet dem untüchtigen umb hülffe, und dem, so nicht gehen kan, umb selige reise.
weish. Sal. 13, 18;
ferner als glückwunschformel in elliptischer form: gut nacht und glück zur reise! Uhland
ged. 369;
auch in ironischem sinne, um jemand abzufertigen, oder wenn etwas fällt, glückliche reise!
auch von der reise des todes (
vgl. unter e): und so mit — glückliche reise, herr bruder! Schiller 2, 141 (
räuber 4, 2). 44) reise
als maszbezeichnung. 4@aa)
länge des weges, wegstrecke: als die Spanier .. die Griegischen geschlagen, jhnen eine weite reisz uber das feldt gar hinnach geeilt. Fronsperger
kriegsb. 3, 137
a; die raysz nu nimmet ab, ihr muht nu nimmet zu. Weckherlin
ps. 107, 7 (
s. 241).
in der schifffahrt ist eine doppelte reise,
die reise oder fahrt von einem orte zum andern und von da wieder zurück, zum unterschiede von einer einfachen reise,
die blosz von einem orte nach einem andern geht Campe;
besonders klar tritt diese bedeutung zu tage in der zusammensetzung tagereise.
aber auch reise
allein erscheint im sinne einer tagereise oder eines reiseabschnittes: das sind die reisen der kinder Israel, die aus Egyptenland gezogen sind nach jrem heer, durch Mose und Aaron. und Mose beschrieb jren auszug, wie sie zogen, nach dem befelh des herrn, und sind nemlich dis die reisen jres zugs.
4 Mos. 33, 1. 2. 4@bb) reise,
mit zahlwörtern verbunden, in den begriff mal übergegangen (
vgl. dazu fahrt 10,
theil 3, 1265),
besonders im niederdeutschen brem. wb. 3, 467;
aber auch oberdeutsch: auf die rais,
diesesmal Schm. 2, 139;
schweiz. die reis,
diesmal Hunziker 203.
ebenso gebraucht man im holländischen reise
und im schwedischen resa. 4@cc)
von der bewegung wird reise
als maszbezeichnung auf die bewegte masse übertragen, indem es eine so grosze menge bezeichnet, wie auf einmal von einem orte zu einem andern befördert wird. so sagt man eine reise steine, kalk
u. s. f., eine fuhre Adelung; eine reise holz,
an der Elbe, eine schiffsladung, oder 40
gemeine fuder. ebenda, vgl. Frisch 2, 107
b, eine rais heu,
so viel man in einem tag führen kann Schm. 2, 140;
niederd. ne reise water,
zwei volle eimer, ne rëse geld (
in sagen und märchen),
zwei eimer voll geld Schambach 170
a;
im salzwerk zu Halle: (
wenn man) acht eimer heraus bringet (
soole aus dem brunnen), die heiszen sie eine kleine, zwölf zöber aber eine grosze reise. Hondorff
beschreibung des salzwerkes (1749) 32. 55) reise
steht auch für die erzählung oder beschreibung einer reise; man sagt eine reise schreiben, hören, lesen: um eine schöne, wenigstens gern gelesene reise schreiben zu können. Böttiger
lit. zust. 1, 108; ferner muszt du Mahals reisen bis ans ende anhören .. bin ich mit Mahals reisen fertig, so erzähle ich dir meine wanderungen durch Asien und Africa. Klinger 6, 19; seine zirkelnde reis' um die gürtel der erde zu hören. Bodmer
Noah 43;
auch auf büchertiteln, z. b. italiänische reise. Göthe 27, 1. 66) reise
in technischen ausdrücken. hierher gehören zum theil schon die unter 4,
c angeführten anwendungen, in denen reise
von einer bewegten last gesagt war; bei den webern eine reise zeug, leinwand
u. s. w., ein gewirk vom kamme an bis zum baume, oder so viel als gewirkt wird, ehe man den baum umdreht, um das gewirke darauf zu winden Frisch 2, 107
b. Adelung. Campe. eine reise röhren zu einer wasserleitung,
so viel röhren als erfordert werden das wasser eine gewisse strecke weit zu leiten, die wasserreise Campe;
in den zinnhütten reise
der strich in seifen, welcher bearbeitet wird, oder auch der graben, welchen das hineingelassene wasser in den boden macht. ebenda; reise,
gerüst, in welchem eine ramme, ein zugschlägel aufgezogen wird; balken, worauf schieflaufende rauchfänge in die höhe gebaut sind; bei uferverwerkung sind reisen
die längern stämme, die kürzern querhölzer heiszen greiner Schmeller 2, 140.