gewahr,
adjectiv und adverb ,
verstärktes wahr (
s. d.).
das in den bedeutungen von verus, probus aus der älteren litteratur so viel belegte gewari, gewære
ist der neueren sprache ganz entschwunden, die letzten verwendungen gehören dem 16.
jahrh. an. innerhalb des bedeutungsgehaltes stehen sich zwei gruppen gegenüber, die freilich nur für dasjenige adjectiv in betracht kommen, das in beziehung zu einem persönlichen substantiv tritt. es sind dieselben gegensätze, die in dem bedeutungsgehalt des nahe verwandten recht
durch richtig
und rechtschaffen
sich kennzeichnen lassen. auch der begriff von wahr
entfaltet für die ältere zeit die vorstellung einer norm, einer richtungslinie, in der die anschauungen aller zusammentreffen. sachen und personen, die sich auf dieser linie befinden, sind wahr, gewære.
bei personen nun, denen die allgemeine anerkennung als objectives moment die existenz auf dieser linie zuerkennt, kommt noch das subjective moment hinzu, dasz sie durch ihre gesinnung und ihre handlungen von dieser linie nicht abweichen, sondern das bestreben zeigen, in ihr zu verharren. so entwickelt sich neben dem begriffe von verus, certus die vorstellung von probus. der erstere als dogmatischer begriff hat seinen verwendungskreis hauptsächlich in der geistlichen litteratur, der zweite, der dem ethischen gebiete angehört, wird in der weltlichen viel gebraucht als synonym zu gut,
während er in der verbindung getreu und gewære
zu den formeln gehört, die die rechtssprache entwickelt. in einigen verwendungen, so namentlich im adverb giwaro
streift unser wort nahe an das von anderem stamme abgeleitete adjectiv gewar =
cautus, providens, das in einigen verbindungen wie gewahr werden
u. a. (
vgl. sp. 4771
ff.)
der heutigen sprache noch als vielgebrauchtes wort angehört. die quantität des vocals (
dort kürze, bei unserm worte länge)
gab zwar für die ältere zeit anhaltspunkte zur sonderung;
die bedeutungsberührung und die lautliche annäherung (
verlängerung des stammvocals in gewar =
cautus)
lieszen jedoch die grenzlinien zurücktreten. so ist nicht blosz bei den lexikographen und grammatikern, sondern auch in der sprache selbst eine kreuzung der verwendungen zu beobachten. schon bei Otfrid
ist es nicht ganz leicht, unter den belegen, die Graff 1, 909. 910
für giwaro =
vigilanter, caute beibringt, diejenigen die für giwaro =
certe in anspruch zu nehmen sind, mit sicherheit herauszulesen, vergl. J. Grimm
gramm. 4, 757;
vgl. gawâr, gawâri
verum Graff 1, 916; gewære
mhd. wb. 3, 521
b. Lexer 1, 977;
nachtrag 207. Schmeller 2
2, 967;
in vocabularien wird das wort nicht aufgeführt, bei Kilian (K 4
b)
werden gewære
und gewar
unter der einen form ghewaer
gebucht. dagegen belegt Henisch (1594) gewar, gewisz,
certus, verus. aus der lektüre Geilers v. Keisersberg
schöpft später Frisch (2, 415),
wenn er gewahr =
verus einreiht. die schreibung mit dehnungs-h
gehört den späteren wörterbüchern an. 11)
das objective moment im bedeutungsgehalte des wortes, gewâr =
verus, certus. 1@aa)
das adjectiv. 1@a@aα)
mit beziehung auf personen. hier überwiegen attributive verbindungen. die prädicative verwendung ist ganz vereinzelt: das siben ziug gewærrer sint dan zwen.
rechtbuch von 1332 Westenrieder
beitr. 7, 139. 1@a@a@11)) dhazs ir Jesus wardh chinemnit in bauhnungum dhes chiwarin Jesuses. umbi dhen in psalmum chiscriban ist (
illum verum Jesum).
Isidor 32, 11
Hench; ime wart al der lip sin als ein nuwe geboren kindelin; her wart schone unde gesunt. der kuninc rief an der stunt, daz got gewisse were ein gewarer heilere.
Trierer Silvester 306
Kraus; got der gewere Crist der aller dinge schepfer ist und der hohen himel pfliget, deʒ craft für alle götte wiget, der ist dur dise maget mit siner guote uns betaget. H. v. Langenstein
Martina 181. 1@a@a@22)) ich geloube die drîe namin ain gewârin got unde incheinin andern. 3.
St. Galler glaube, denkmäler 1
3, 306; ain gwaire
got. alemannischer glaube. ebenda 307 (
in allen andern glaubensformeln wâre got); 'hore, Israhel, ich wil dich leren, ich bin din herre, ich bin din geware got; unde irfullis duo min gebot ich geben dir min riche.' nuo widirredis duo daz werliche unde wilt drie gote haben.
Trierer Silvester 773
Kraus; daz ist der gewere got dez gewalt und gebot die alten vinster het entliuhtet. H. v. Langenstein
Martina 179
c; Martina noch bekere dich von diner tumpheit unde sprich daʒ Dian ein gewerer got si und daʒ sin hoh gebot ob aller dinge wirde wege. 182
b; an dem ersten tage nach dem also der keiser getouffet und gesunt was worden, do gebot er, das men Christum über alle welt solte für einen geworen got haben. Königshofen
chronik von Straszburg, d. städtechr. 8, 362; hienoch vermüschetent sich die bösen geiste in die bilde und rettent usser in zuo den lüten. dovon wart men noch me gloubende an die bilde, also ob es lebendige gwore götte werent. 247. 1@a@a@33)) ich geloub daz er an dem driten tag erstuond gewâre got unt gewâre mensche.
alemannischer glaube, denkmäler 1
3, 307 (3.
St. Galler glaube und die andern formeln: wâre mensche); wan nâch der wîse, als er in dem sacramente ist ûf dem altâre in eime frömden kleide gewêrer got und mensche.
mystiker 1, 262, 25
Pfeiffer. 1@a@a@44)) tho santa got giwarangomon filu maran, man mit uns gimeinansinan drut einan (
Johannes). Otfrid 2, 2, 1; und sprochent zu Bonifacio: er were ein ketzer und ein unreht bobest und ein endekrist, und were ir herre Benedictus ein rehter geworer bobest, der ouch sin reht wol geturste lossen besehen und erkennen vor wisen pfaffen. Königshofen
d. städtechroniken 9, 603; dat si den egenanten hern Ruprecht mit in vur einen reichten gewairen Roemschen coening ind zokonftigen keiser heilten ind ieme gehorsam weren.
Kölner memoriale des 16.
jahrh., d. städtechroniken 12, 333. 1@a@a@55)) es wart auch Jhesus Christus das geware osterlam geoppert an das frone crutze.
aus einer Frankfurter handschrift (14.
jahrh.) Diefenbach-Wülcker 618; Christus ist ein gewar liecht.
postille des Heinrich v. Erfurt ebenda 618; daʒ hastu vatter wider tan geweres lîeht der warheit daʒ aller warheit lieht treit. H. v. Langenstein
Martina 227
c; er ist daz liecht der menschen, er ist das gewar liecht. Keisersberg
evangelia (1515) 17
a; Christus was das war liecht, du hast ein dreifeltig liecht, da keins ein gewar liecht ist (
der vernunft, des alten gesetzes und des neuen testamentes).
ebenda; es ist ein liecht deiner vernunft, das ist nit ein gewar liecht.
ebenda; Moses gab euch nit daz brot von dem himel, wan mein vater gibt euch daz gewer brot von dem himel; wan daz gewer brot gotz ist, daz da nidersteig vom himel, und gibt daz leben der werlt .. ich bin brot dez lebens, der zu mir kumt, den hungert nit.
codex Teplensis Johannis 6, 33,
ebenso Eggestein (
bei Koburger
und in der Augsburger bibel von 1487 das ware brot; mein vater gibt euch das rechte brot. Luther); wann mein flaisch ist geweres essen und mein pluot geweres trincken.
Joh. 6, 55 Eggestein,
ebenso codex Teplensis. 1@a@bβ)
mit beziehung auf sächliche substantiva. 1@a@b@11))
attributive verbindungen. 1@a@b@1@aa)) taz sint kewâriu argumenta. unde sus kewâriu sint alliu diu hinnân chomenen argumenta. Notker
Boethius, Hattemer 3, 167
b; er sprach, er wer des herren sin, das ich von anfang an das end wölt überlesen das buch behend, und was ich darinn geschriben fünd, darusz man werlich gelernen künd, wie die wirdig stat wer komen her das ich des machte ein schrift gewer.
reimchronik des Küchlin (
mitte 15. jahrh.)
v. 12,
d. städtechroniken 4, 343; wer disiu maget wære, des hœre gewæriu mære.
Barlaam und Josaphat 65, 4; der was Jôhannes genant, des gewære urkunde uns seit die gotlîchen wârheit. 71, 15. 1@a@b@1@bb)) ich gelôb ablaz mîner siunte nâch gewârer rûwe.
alemannischer glaube, denkmäler 1
3, 308 (
andere glaubensformeln nâch wâre riuwe); geweren riuwen got enphat, wenne er von ganzem herzen gat. Boner 34, 43; mit gewêrir bûze. Nicol. v. Jeroschin 9475; und gab der welte urkunde gewerer und niuwer sunde. H. v. Langenstein
Martina 235
b; daz ist gewar freud wann die sel .. wirt gewar einer kraft in ir.
postille des Heinrich von Erfurt, Diefenbach-Wülcker 618; aller gewarer tugende.
Münchner handschr. Schmeller 2
2, 967; von gewerer fruntschaft. (1382)
Germania 17, 53; Symeon ward mit glüenden eisen gebrant. darum das er nit wolt ufhören ze predigen den gewaren gelauben.
martyrologium (
Straszburg 1484) C 5
b. 1@a@b@1@cc)) auch das ist recht, das der richter dhainen, er sei armer oder reicher, umb chainerlai sach beswären sol, es sei dann umb offne, geware tAet, das ainer wissentleich verschuldet hab.
österreich. weisth. 6, 19 (
verbot und ordnung in Donnersbach 15.
jahrh.). 1@a@b@1@dd)) die ander natur (
des menschen) das ist ratio, die vernünftig sel, und das ist sein geware natur. Geiler v. Keisersberg
narrenschiff 45
a. 1@a@b@1@ee)) si gab auch uʒer handen ir mantel so gewere eîm armen bedelere.
leben der heil. Elisabeth 2681; begäb es sich aber, das es winterszeiten mit schnee ain gewären haufen anwurf, der über solchen panzaun gelanget, so sol der paur dahaimb am tenn ain leggenhuet ... fürsetzen.
österreich. weisth. 1, 95, 13 (
taiding im pfleg- u. landgericht Raschenberg, handschrift von 1671). 1@a@b@22))
das adjectiv als prädicat. 1@a@b@2@aa)) sillogismus netriuget. ube er legitime getân ist. sô ist er legitime getâ
n. wanda er in dialectica tria membra haben sol. taz tero zuei sô gewâriu sî
n. daz iro mannolîh iehen muge. unde siu ein andêren sô hafteê
n. daz siu daz tritta gewârê
n. ioh âne geiiht. Notker (
Boethius) Hattemer 3, 99
b; daz miniu noch waren getriu und geware so mohte ich urlob haben zedem aller hersten man.
specul. ecclesiae 146, 60
Kelle. 1@a@b@2@bb)) dû gæbest dînen kouf mit mâze oder mit wâge oder mit simmerin oder mit eln, daz sol allez gewis unde gewære sî
n. Berthold v. Regensburg 1, 148; ei wi herlich ist gewesen diz zeichen, daʒ wir han gelesen, gewere und alzu redelich, sa wirdec unde den meren glich!
leben der heil. Elisabeth 10403; ir streit der was geware, den törst ein zaghafftiger man do nimmer wol anschawen, der schweisz do von in beiden ran.
Sigenot a 86
c Schorbach. 1@a@b@2@cc)) nieman vur dem mêre, eʒ sî valsch ode gewêre, sich mac ûf erden bewar. Albrecht von Halberstadt 28, 26; daʒ ammet dirre ziere, der canoniziere geschach zu Peruse in des conventes huse, daʒ di predegere da haldent sa gewere.
leben der heil. Elisabeth 3918. 1@a@b@2@dd)) uʒʒen unde inne mit dem kalke man in bant so man in schonest fant rehte wiʒ als der sne daʒ geworte schein uber se als iʒ ein himel were das werg was gewere. Herbort v. Fritzlar
troj. krieg 1830; viere philere schone und gewere an den enden stunden. 9251; veste unde gewære ditze castel wære.
krone 248
a.
vgl. munitum praesidium giwari vesti, giwara vesti
glossen zu 2
Macc. 13, 19 Steinmeyer-Sievers 1, 704
a.
hier macht sich bedeutungsberührung mit dem subst. gewahr
geltend, vgl. sp. 4763
ff. 1@bb)
das adverb: was iz ouh giwarogotes drut ther maro, ther gote rihta filu framsine wega, sos iz zam. Otfrid 2, 7, 7
vgl. 3, 8, 12; 'ih' quad 'avur sagen iu,ther wib biscowot zi thiu, thaz sar in themo fristezi thiu nan es giluste: er huorot sia giwaroin herzen ju sar suaro mit unreinemo muate;nirgeit imo iz zi guate. 2, 19, 5; Abraham ther marother ist dot giwaro, thie forasagon guatethie sint ouh alle dote. 3, 18, 29.
genau so 6, 51. 12, 12; ube diê got lêitet. unde siê gelêret kewâro gâ
n. so gânt sie in veritate (in warheîte) unde gant an imo ze imo. Notker
zu psalm 85, 11,
Hattemer 2, 308
a; daz unde alsô getânez. scriben sîd kewârôr Ambrosius in exameron. unde andere. be dîen iz Beda lirneta. 78
b; der furstinnen clare furen nu geware mit ganzer selikeide gein Duringen sa gereide.
Elisabeth 5928. 22)
das subjective moment begünstigt eine reichere entwicklung des bedeutungsgehaltes und weitausgreifende verbindungen. am allgemeinsten ist die bedeutung gewâre = wahrhaftig.
von dieser grundlage heben sich zwei gegensätzliche gruppen ab, je nachdem das verhalten der persönlichkeit aus ihr selbst oder aus dem verhältnis zu anderen menschen beurtheilt wird. mit dieser letzteren entwicklung tritt unser wort in die bedeutungsgemeinschaft mit probus, in gewissem sinne auch von getreu
ein und wird von dem einflusse juristischer formeln berührt. schon in den Reichenauer glossen zur bibel wird gewâre
mit foederatus in parallele gestellt, vgl. unter c; hier nähert sich das adjectiv einzelnen verwendungen, die unter gewähr (
fem. und masc. s. unten)
beobachtet werden. 2@aa) mêister wir wizzen daz dû gewâre bist unde gotis weg kewâro lêrest,
quia verax es et viam die in veritate doces. Notker
zu psalm 27, 3,
Hattemer 2, 93
a;
ähnlich zu 65, 17; got der gewære. nu vernim mich sundære. Diemer
gedichte 305, 3; Joseph, ein witewære alter, guot und gewære. Wernher
Marienlieder 78; trurik stuont diu gewære. 109; judisten und weibtrugener und ander valsche leute der herz gar sint tugende lære und went man ofte sie sin gewære.
renner 21734; dô er die vrâge wolde lân und wider in sîn klôster gân, do erweinde daz kint vil lûte und kunte dem gotes trûte daz ez dâ inne wære. dô sprach der gewære 'hie ist ein kint inne, sagt mir in der minne, wâ habet irʒ genomen? Hartmann v. Aue
Gregorius 1020
Paul; der guote und der gewære Marke nam eʒ und sah eʒ
an. der jâmer, den er dô gewan, der wart aber dô vester, Gottfried v. Strassburg
Tristan 4288; ich gelîche dem gesinde die reinen predigære. dîe guot und viel gewære sint, und uns enwiderstrît ladent an die hôhgezit, dâ vreude ân ende iemer wert, dâ got sîner briute gert.
Barlaam und Josaphat 89, 6; suz ist des fures anevanc darnach der mitel ane wanc kumit in dem der rihtere der rihte und der gewere kumit mit ordenunge. H. v. Langenstein
Martina 198
b; unde er was unsers ordens ein bruoder, unde was gerecht unde gewære mit allem sînem leben. Berthold v. Regensburg 1, 65; manch brûdir gewêre. Nicol. v. Jeroschin 27628; kneht .. die guot gewere sint.
Straszburger zunftordnungen 158
Brucker; er hôrte sprechen unde jehen, Pantaleon der wære ein arzât sô gewære daʒ er mît sînen listen künd alle siechen fristen von schedelîcher swære. K. von Würzburg
Pantaleon 494. 2@bb) 2@b@aα) tiu adversa ist aber gewâre. sô sie sich wehselôndo ouget. wîo unstâte sî ist (
haec semper vera est, cum se instabilem mutatione demonstrat). Notker (
Boethius) Hattemer 3, 92
b; der tiuvel ist ein lugenære und ist doch dâ bî vil gewære der im dienet, daz er dem nimmer ungelônet lât.
minnes. v. d. Hagen 3, 440
b. 2@b@bβ) cnâde mir, daz dû gewâre sîst an dînen worten,
ut justificaris in sermonibus tuis. Notker
psalm 50, 6,
Hattemer 2178
b; lêre mih kewâr wesen mînero worto.
zu 140, 3,
Hattemer 2, 483
a; sî hât reinen hohen muot, si ist ir worte gar gewære, si ist vor valsche gar behuot. Hadlaub
Bartsch schweizer. minnes. 301, 54. 2@cc) 2@c@aα) du herro got .. gedultiger unde ioh fîlo armeherzer. unde dînero geheîzzo gewârer,
misericors et verax. Notker
psalm 85, 15,
Hattemer 2, 309
a (gedultig und grosser güte und treue. Luther; warhaftig
Trebnitzer psalmen); noch dan sal ich bedenken me den strengen rihtere sa mechtec, sa gewere, daʒ sin gerichte unde sinen dac zu mal nieman vermîden mac.
Elisabeth 8954; dâ gelobtes wider in daʒ sî alleʒ wâr lieʒ (
wahr machte): mit ir triuwen sî gehieʒ daʒ sî sîn wol gedæhte unde eʒ ze rede bræhte umbe sîne swære. so getriuwe und sô gewære was diu guote Lûnete daʒ sî daʒ willeclichen tete. Hartmann v. Aue
Iwein 5560; und bouwen wir die huobe; so kumst du in dîne gruobe mit grôʒen êren alsam ich. zwâre des versihe ich mich. ich bin getriuwe, gewære, niht ein verrætære.
Meier Helmbrecht 253
Keinz, vgl. 1545; daz ist grôziu nôtdurft, daz dû dâ mite getriuwe unde gewære sist (
beim verkauf von lebensmitteln), wan ander trügenheit diu gêt doch niuwan über daz guot: sô gêt disiu trügenheit über den lîp, den etelîcher umbe dise werlt niht gæbe. Berthold v. Regensburg 1, 150. 2@c@bβ) ze gote was er gewâre. er was reht rihtâre, er lêrte uns thie phahte.
Rolands lied 700; der snider sal getruwe unde gewer sin uf deme hantwerke deme armen also deme richen.
rechtsbuch nach distinctionen Ortloff 299; guter gewissen, freuntholt, trewe, gewar und zumal gutig was sie gen allen leuten.
ackermann aus Böhmen 6, 9
Kniescheck. 2@c@gγ)
certe foederatos cawisso kawaare
Reichenauer glossen zu 1
Sam. 11, 1 (mache einen bund mit uns. Luther), Steinmeyer-Sievers 1, 410,
vgl. ahd. wâra,
foedus, pactum Graff 1, 920; daz er siner herschefte getriu und gewer sî, und niht sage, wan daz diu rehte warheit sî.
Schwabenspiegel cap. 106, 2
Gengler; daz ich dem rate und der stadt getruwe unde gewer unde gehorsam wil sin an allen gescheften.
rechtsbuch nach distinctionen (
eid der ratsdiener) Ortloff 281; wir ... tuon chunt ... wann der hochgeborn Albrecht ... uns gelobt hat ... daz er uns getrewe, holt und gewaer sein wil. (
Passau 13.
juli 1353)
könig Karl verbindet sich mit herzog Albrecht, monumenta Wittelsbacensia 6, 434; wir schwören dem fürsten
V. getreu und gewär, auch undertänig und gehorsam zu sein.
huldigungseid der stadt Kelheim 1442, Krenner
landtagshandlungen 1, 146
ff.; it. in der haubtleut zetel zu setzen, allen iren undertanen ze sagen und zu gepieten, daz sie von allen iren knechten gelubde nemen, daz er einem erbern rat, seinem haubtman und gemeiner stat getreu, geweere und gehorsam sein wölle und alle schedliche ding warnen und eröffen wolle.
Nürnberger rathsmanuale von 1487,
d. städtechroniken 11, 529; ich wil getrewe, gewere und gehorsam sein.
Würzburger urkunde aus 1559 Diefenbach-Wülcker 618; nun, noch einmal. ihr versprecht mir denn getreu und gewehre zu sein. A. Gryphius
verliebtes gespenst 58 (1661).
vgl. die formeln unter getreu (
sp. 4501)
und gewärtig (
s. d.). 33)
die substantivbildung zum vorliegenden stamm starb früh aus. vgl. probitas kawari
althochd. glossen zum concil. Affric. 52 Steinmeyer-Sievers 2, 104,
ebenso 120
c.
an dem masc. gewähr (gewere,
der bürge)
s. d. machen sich einzelne züge bemerklich, die vielleicht den einflusz unseres adjectivs auf das von anderem stamm abgeleitete, in bedeutung und form aber nahekommende subst. darthun.