gewahren,
verb. ,
verstärktes wahren (
s. d.).
während das grundwort (
vgl. ahd. warôn, warên Graff 1, 912; warn
mhd. wb. 3, 507
b)
in der älteren sprache ausgebreitete verwendung aufweist, tritt das compositum (
vgl. gewarn
mhd. wb. 3, 509
b. Lexer 1, 978)
erst spät und mit spärlichen anfängen auf; seine eigentliche verbreitung erlangt es erst in der neuesten sprache, wo es sich auf das engste mit gewahr werden (
vgl. sp. 4768
ff. 4771
ff.)
berührt. wenig entwickelt ist eine andere bedeutung, die mehr mit den heutigen verwendungen des grundwortes und mit bewahren (
vgl. theil 1, 1762)
zusammentrifft. für die althochdeutsche periode ist es nicht immer leicht, die verbalableitung zu wâr =
verus, gewârên,
das bei Notker
viel gebraucht ist, von unserer wortgruppe fern zu halten, vgl. gewähren sp. 4820. 11)
von der breitesten grundlage heben sich die wenigen und vereinzelt gebliebenen verwendungen ab, die sich mit wahren, bewahren
berühren. 1@aa)
der ursprungsbedeutung am nächsten steht der intransitive gebrauch, der litterarisch jedoch erst spät zu belegen ist: die aufmerksamkeit auf etwas richten, auf der hut sein, vgl. gewährig (
s. d.). 1@a@aα)
mit angabe der zielrichtung: der munszmaister sol uns mit solchem probieramt das jar hinumb gewarn. Lori
münzrecht 1, 134 (1507). Schmeller 2
2, 969
denkt hier an einen schreibfehler für gewarten,
das in der that entsprechende verwendungen vielfach belegen läszt (
s. d.)
und das in manchen fällen auf das engste mit unserem verbum zusammentrifft. da jedoch gerade für diese entwicklung von gewarten
dieselben übergangspunkte vorausgesetzt werden müssen, aus denen sich das obige beispiel auf der grundlage von gewahren
erklären läszt, so liegt kein grund zu einer änderung vor. einen beweis dagegen bietet: gewahren eines dings,
advigilare ad aliquid. Spieser (
Basel 1700) 150
b;
vgl. dazu: schnell weisz der arm sein starkes recht zu nützen, er hebt den schild den schädel zu beschützen, das schwert gewahret seiner pflicht sogleich, lenkt kräftig ab und wiederholt den streich. Göthe (
Faust 10483) 41, 270. 1@a@bβ)
absolut gebraucht erscheint so das verbum in der participialform innerhalb des sprüchwortes: besser gewahrt, als geklagt. Wander 1, 1643; früher gewahrt ist halb bewahrt.
ebenda. 1@bb)
nahe kommt diesen verwendungen die reflexivconstruction: sich gewahren,
sich vorsehen, aufmerksam sein. Stalder 2, 429; seht kinder! was unnützes geschwätz für unglück bringt, und gewahret euch davor. Pestalozzi 12, 68;
Mephistopheles. wer sind die vögel in den aesten der stromes pappeln hingewiegt?
Sphinx. gewahrt euch nur! die allerbesten hat solch ein sing-sang schon besiegt. Göthe (
Faust II, 2.
vers 7154) 41, 119. 1@cc)
der transitive gebrauch schlieszt sich am engsten an bewahren, verwahren
an: gewart nâch ûrem mûte daz grab.
passional 81, 38
Hahn; ist es aber ains auszwendigen, vom selben soll man pfand nemmen, dasz der herrschaft umb das wandl und dem schadhaften umb seine schäden guet sei, wolte er aber solch pfand nit ausznemmen, sol es pfender bisz an den driten tag behalten auch stain in den nuesch (
die rinne, röhre, trog) und wasser auf dasz dach geben, als dan am driten tag soll ers dem gericht antworten und übergeben, die sollen es darnach gewarn, das niemand davon schäden geschechen. (
landrecht von Kessendorf 1625)
österr. weisth. 1, 35, 1; die nachrichten, welche ich von einigen, ehemals in meiner nachbarschaft angesessenen sängern gab, hatten zum zwek, meinen freunden zu zeigen wo und wie ich wone und die ansprüche dieses landes, für seinen anteil an der blütezeit alten teutschen gesanges, zu gewaren. Lassberg
vorrede zum liedersaal 2, 13. 22)
enger im umfang, aber ausgedehnter im geltungsbereich ist die bedeutung von animadvertere, gewahr werden. 2@aa)
für die mittelhochdeutsche periode sind wenig verwendungen belegt. diese zeigen dieselbe construction und auch sonst dieselben züge, die bei gewahr werden
zu beobachten waren. 2@a@aα) 2@a@a@11)) die gottes nüt gewaren werdent (
gott nicht schauen werden).
Münchener handschr. Schmeller 2
2, 969. 2@a@a@22)) da von kunt vil iubils. wan der tiuvel bechort muezige liute vil gerne; wan ummuezig liute die miugen siner bechorunge nicht gewaren.
bichtebuoch 70
Oberlin. 2@a@bβ) mit theme swerte er in erriet, then helm er ime verscarte. ther keiser thes gewarete, er kom ime an there rehten zît, vone theme tôthe neret er ime den lif.
Rolandslied 284, 30; Menelaus gewarte des und stach în uf den rinc daz im das blut dar uz ginc und floz uf den sant. Herbort v. Fritzlar 9940 Ulixes des gewarte daz Parys sime neben hette genumen daz leben. 5658. 2@a@gγ) Barlââm gewarte dô, daz Jôsaphât was unvrô.
Barlaam 186, 4
Pfeiffer. 2@bb)
die neuhochdeutsche periode. 2@b@aα) Klopstock
und ihm sich anschlieszend Göthe
und Schiller
haben das wesentlich auf die oberdeutschen mundarten beschränkte verbum in die neuere schriftsprache übergeleitet. heute scheint es geradezu der gewählten sprache anzugehören, während es ursprünglich in den niederungen der sprache lebte. die belege aus der übergangszeit vom mittelhochd. zum neuhochd. (
Zimmersche chronik, Fischart
und ähnl.)
sind hierfür ebenso charakteristisch wie die angaben der wörterbücher. 2@b@a@11))
von wörterbüchern sind es nur einige schweizerische vom anfang des 18.
jahrh. und einige neuere deutsch- englische, die das verbum aufführen: gewahren eines dings,
animadvertere aliquid Spies (
Basel 1700) 150
b; gewahr werden, gewahren,
observer, apercevoir, observare, animadvertere. dictionaire du voyageur (1704) 144
b; gewahren,
to perceive, discover Fick 2, 178,
ebenso Fahrenkrüger 2, 326. Hilpert 2, 1, 462
a verweist unter gewahren
auf gewahr werden. 2@b@a@22))
der Augsburger übersetzer von Tissots '
gesundheit der gelehrten' (1769)
beanstandet im vorbericht (
s. 3)
einzelne wendungen des Schweizer übersetzers (Füsslin
in Zürich)
und unter diesen auch gewahren: es ist doch wohl zu vermuthen, dasz sie (
die leser) bisher von vervollkommnung, unter die sinne fallen, örtern die man vorziehen oder weihen soll, .. man gewahrt .. und hundert andern dergleichen neuen hochdeutschen floskeln, wenig oder nichts werden gehöret haben. Heynatz
im Antibarbarus (2, 51)
erklärt das verbum für oberdeutsch und belegt es aus älteren drucken Wielands. Adelung,
der das verbum nur aus Bluntschli
kennt, fertigt es als veraltet und mundartlich in einer anmerkung zu gewahr werden
ab vgl. 2, 643. Campe (2, 356)
bezeichnet es als ein veraltetes wort, das von guten schriftstellern wieder erneuert sei. 2@b@a@33))
mundartlich ist das verbum in der Schweiz und im bairischen sprachgebiete belegt: gewahren,
mit den augen wahrnehmen, sehen Stalder 2, 429; gwara
erblicken, gewahr werden (
am liebsten in der vergangenen zeit gebraucht) Tobler,
Appenzell. sprachschatz 247
b, g'ware,
gewahren, wahrnehmen Seiler
Basler mundart 157; gewaren (gwa'en
Chiemgau),
gewahr werden Schmeller 2
2, 969: ha's glei' g'wascht; wenn i e webe (
weber) wa' und hêd e schês ga'n (
garn), schnid i e ell ausse' es müe'd me's nemd gwa'n (
gewahren). und wenn uns tat de küebue' gwa'n, der mechts 'n bauen sagng.
ebenda. 2@b@bβ)
allgemeine verbindungen und verwendungen, die gewahren
mit gewahr werden (
s. d.)
theilt. 2@b@b@11))
der genetiv des objectes hält sich bei gewahren
noch länger als dort. 2@b@b@1@aa))
in bezug auf personen allerdings stehen nur wenig belege zu gebote. Göthe
und Schiller,
die für sächliche objecte den genetiv vorziehen, fügen personen im acc. an: Friderich der herzogin den brieff ihr verborgen uberantwortet, dasz sein niemands ... gewaret.
Galmy 117; sein (
Hektors) gewahrend erschrak Diomedes der schlachtenbelobte. Bürger (
Ilias 5, 595) 228
b. 2@b@b@1@bb))
in bezug auf sächliche objecte. die wahrnehmung concreter gegenstände wird in jüngeren belegen, diejenige von vorgängen und abstracten vorstellungen in älteren dargeboten. 2@b@b@1@b@aα)) dieser (
der adler), mit ausgespannten flügeln schwebend, schaut unverwandt auf Orpheus, und, des nahen hasens nicht gewahrend, hält er den schnabel geschlossen, eine wirkung der besänftigenden musik. Göthe 44, 136 (
nachträgliches zu Philostrats gemählden); und wie ich eines felsenriffs gewahre, das abgeplattet vorsprang in den see. Schiller 14, 375 (
Tell 4, 1); als nun des bades langes werk vollbracht, getrocknet angesicht und brust und wange, ging fröhlich singend sie ins haus zurück. also vertieft und so in sich verloren, dasz sie der blätter, die ich aus dem dickicht nach ihr warf, sie zu schrecken, nicht gewahrte. Grillparzer 2, 202 (
Sappho 3, 3). 2@b@b@1@b@bβ)) item ob ain prunst auf käm in seinem haus und gemachen, der sol das beschreien, alsobald ers gewort, und seins guets nicht ausztragen. (
öffnung von Schwaaz 17.
jahrh.)
tiroler weisth. 3, 366. 2@b@b@1@b@gγ)) die wallfahrenden hatten nach vorschrift den weg genommen und fanden glücklich die gränze der provinz, in der sie so manches merkwürdige erfahren sollten; bei'm ersten eintritt gewahrten sie sogleich der fruchtbarsten gegend, welche an sanften hügeln den feldbau, auf höheren bergen die schafzucht, in weiten thalflächen die viehzucht begünstigte. Göthe (
Wilh. Meister wanderj. 2, 1) 22, 3. 2@b@b@1@b@dδ)) als nun iederman zugeloffen, hat der apoteker seins schadens gewaret und den gueten, armen man, der von dieser ungewonlichen zech nichs gewist, vor der obrigkeit beclagt.
Zimmersche chronik 2, 361; zugleich ward ihm das glück in der zeit einer technisch hochgebildeten, allgemein verbreiteten und bis an eine gewisse gränze gelangten kunst zu leben. hiezu kam noch, dasz er eines höheren, ja des höchsten technischen vortheils in der mahlerei gewahrte. Göthe (
reise am Rhein und Main) 43, 417. 2@b@b@1@b@eε)) bin sicher nie so keck gewesen das ich mir solch leut hett erlesen zuo meinem weidwerck, dann allein als kindtbet dich die muotter dein, wolt ich umbsehen nach eim schleck, und thete mich von hinnen wegck, vermeint noch ferners zerfahren, mit meim schaden thet ichs gewaren, wiewol deîn muotter mich vast warnt, die dann sehr viel auch hat erarnt. Fischart
flöhatz v. 178
neudruck. 2@b@b@22))
accusativ des objectes. 2@b@b@2@aa))
beziehung auf personen: 2@b@b@2@a@aα)) wer taub (
wer als tauber) dann ihn gewahrt in der freude, den blinden, der trübt den blick vor mitleid mit sich selbst. und du möchtest das wundergebäude, worin die geregte luft zum laut' wird, den du liebst, wie gesunken dir denken, zerstöret, dasz nun sich ihr wallen dir umsonst naht, und wie stumm dir zerflieszt. Klopstock (
das gehör) 2. 92; und einen ritter, hoch zu rosz, gewahr' ich aus dem menschentrosz. Schiller (
kampf mit dem drachen) 11, 272; als sie gegen mir über waren rief Friedricke, die mich schon lange gewahrt hatte: George, was bringst du? Göthe 25, 354 (
dicht. u. wahrh. 10); so sendet gleich ein rosz einen boten, der mir's sagt, wenn er sie gewahrt vom weiten. Müllner
die schuld s. 8 (
Weiszenfels 1816); wie ich lauernd ringsum spähe, da gewahr' ich an dem weiher, der an eure mauern stöszt, einen schönen holden knaben. Grillparzer (
ahnfrau 4) 2, 104; bleib noch, du mann des bluts! hört diesz noch, herzog, rennt nicht in einem lauf bis hin zum walde; der raum ist grosz, und leicht gewahrt man euch. 4, 272 (
ein treuer diener 5, 1); erwacht, mit trunknen blicken, wie wer aus wolken fiel, gewahr' ich noch im rücken den sänger mit dem spiel. Uhland (
sängers vorüberziehn) 2, 63; plötzlich gewahrte er einen zwerg,
he was struck with the sight of a dwarf. Fahrenkrüger 2, 326; mitten in diesem katarakt von maschinenlärm gewahrte ich das junge mädchen, das Gritli, welches einen der webstühle zu bedienen hatte. J. Scherr
Michel 2, 157; die weisen sah ich und der künstler schaaren sich ewig mühn, und doch sich nie genügen; ich sah die höfe sich am prunk vergnügen, doch konnt' ich wenig glückliche gewahren. Geibel
juniuslieder 192; die königin und ihr gefolge kommen. in der nähe des prinzen Witte, der sie nicht gewahrt, bleibt sie stehen und betrachtet ihn lange. Sudermann
die drei reiherfedern 45 (
scenische bemerkung); wir standen unten, meine mutter hüstelte, dasz der bader uns gewahren möchte, er lugte auch zwischen den ästen einmal herab, ohne sich in seiner schmetterlingsjagd weiter stören zu lassen. Rosegger
idyllen aus einer untergehenden welt 310. 2@b@b@2@a@bβ))
reflexiv construction: mir hielt der tag den spiegel vors gesicht, und wie Rinald, gewahrt ich mich voll schaam jasminumgürtet, schwertumgürtet nicht. Platen 11
a. 2@b@b@2@bb))
sächliches object: 2@b@b@2@b@aα)) all ding waren wol gerichtet an, vil zälten stunden auff dem plan, an beider ziehlstatt gspannen auff. ich gwaret vast der büchsen lauff. Grob
ausreden der schützen (
ztschr. d. a. 3, 244) (
Zürich 16. jahrh.); doch sie (
Helena) gewahrte kaum den schönen nacken der göttin, und den lieblichen busen, und ihre strahlenden augen, so entsetzte sie sich, doch nahm sie das wort auf und sagte: Bürger
Ilias 3, 397 (
ἐνόησε); wo er lockere pfähle sieht, da musz er hämmern mit seiner streitaxt, musz neue einschlagen, wo die not es will, der mensch sie nicht gewahrt. J. Gotthelf 4, 46 (
die wassernoth im Emmenthal); er merkte erst jetzt, dasz die reizende frau ihr spiel trieb, und da er zugleich sein kleid gewahrte, mochte er der bedenklichen lage inne werden, in die seine schwäche ihn geführt. G. Keller (
grüner Heinrich) 2, 225. 2@b@b@2@b@bβ)) ein in sich versunkener beter in stiller kapelle, der aufschauend, nahe seinem auge einen gezückten dolch gewahrte, könnte nicht erschreckter sein, als Eugen bei diesen worten. Auerbach
neues leben 2, 216; die leute in der stadt sehn von ihren fenstern immer nur auf die straszen und gewahren höchstens ein kleines stückchen himmel. Immermann
werke 5, 174; es folgte barfusz das arme weib durch sümpfe und baumgestrüppe. bei tagesanbruch gewahrten sie schon zu Hastings die kreidige klippe. Heine (
Romancero) 18, 86; hilf mir, führer, auf den pfaden wie das inn're heiligthum, weil man in der liebe wüste keine gränze je gewahrt. Platen 2, 358 (1847); sie war kaum zwei zoll kürzer als ihr mann, so dasz man erst jetzt, als das paar bei einander stand, den hohen wuchs derselben recht gewahrte. G. Keller (
Hadlaub) 6, 32. 2@b@b@2@b@gγ)) sterbliche wissen nicht, was gott thun wird: doch gewahren sie, wenn grosze dinge geschehn, jetzt sein langsames wandeln, jetzt donnernden gang der entscheidung, der mit furchtbarer eil' es vollbringt. Klopstock
oden 2, 128 (
der freiheitskrieg); nehmt ab den schmuck und löset mir die haare, den schleier gebt; selbst mein aug nicht gewahre, das gräuliche, entsetzlich-unnennbare! Grillparzer (
Melusine 2) 7
5, 252; wohl durch die verhängten fenster wirft die sonne neugierige blicke, doch wie sie gewahrt den alten spuk, prallt sie erschrocken zurücke. Heine (
Romancero) 18, 42; in dem augenblicke, als er (
Bodmer) wieder abwärts sah, gewahrte er eine seltsame scene, so dasz er plötzlich aufsprang und streng ausrief: was macht die närrin? G. Keller (
Züricher novellen) 6, 184; wie oft habe ich mich geschämt, wenn ich mir vorstellte, wie der herr am frühstückstische über meine faulheit und wortbrüchichkeit wetterte und ich im geiste als ein ergrautes armes sünderlein dabeistand und demütiglich das kopfschütteln der hausfrau gewahrte, die ihre heitere morgenstimmung getrübt sah. G. Keller (
an Rodenberg 1881)
bei Bächtold 3, 469; es brach sein grollend auge, der odem ihm verging über seine leiche hinweg fuhr könig Ring; den streitwagen lenkt' er auf Erek Harfenschall, der hatte wohl gewahret seines bruders fall. Geibel,
juniuslieder (
könig Sigurds brautfahrt) 346. 2@b@b@2@b@dδ)) er fährt auf, beklagt sich murmelnd und hält seine hand für's ohr, man gewahrt dieses und liest noch lauter. Füszlin
übersetzung von Tissots '
gesundheit der gelehrten' (
Zürich 1768) 26; wenn ich's recht betrachten will und es ernst gewahre, steht vielleicht das alles still und ich selber fahre. Göthe (
der neue Copernicus) 3, 62. 2@b@b@2@b@eε)) so war auch er (
Lavater) .. durch die scharf-zarte bemerkungsgabe, die er erst aus naturtrieb, nur obenhin, zufällig, dann mit überlegung, vorsätzlich und geregelt ausübte, im höchsten grade geeignet, die besonderheiten einzelner menschen zu gewahren, zu kennen, zu unterscheiden, ja auszusprechen. Göthe (
dicht. u. wahrh. 19. buch) 48, 145; als er nun aber weiter in Vittore drang ... gewahrte er eine unbeugsame strenge. Auerbach
neues leben 3, 112; er gewahrte oft unordnung und unsauberkeit. 1, 221. 2@b@b@2@b@zζ)) hier gewahre man den bezug des enkels zum groszvater, des spätgebornen erben zum überraschten zärtlichen vater. Göthe (
divan) 6, 149; als er jetzt diese eigenheit (
bei verschlossener thüre nicht schlafen zu können) wieder gewahrte, muszte er über deren sinnbildliche bedeutung lächeln. Auerbach
neues leben 1, 248. 2@b@b@33))
objectsätze: 2@b@b@3@aa)) werden wir nicht noch kennen die weise vollendung griechischer kunst? und den ausschmuck in der neuern? nie gewahren, wie hoch der wage vollere schale sich hebt. Klopstock
oden (
Delphi) 2, 71; wer sich in untersuchungen über die deutsche sprache begibt, und darin aushält, wird mit freuden gewahren, wie das wesen und die geschichte unseres volkes in den eigenschaften und schicksalen unserer sprache sich spiegeln. J. Grimm
gramm. 4, V (
neudruck); Eugen gewahrte, wie aus der vermoderten furcht eine zähe hartherzigkeit der sogenannten höheren stände gegen das volk aufgewachsen war. Auerbach
neues leben 3, 202; E. gewahrte, wie seine gedanken dem gefährten über das meer folgten. 2, 24; als die schule wieder begann, gewahrte E., was es heiszt, eine geistige arbeit .. eine zeit lang verlassen zu haben. 3, 65. 2@b@b@3@bb)) da aber der wolf gewar warde, dasz im sein rat so wol ersproszen hett, er ward frölich.
Augsburger chronik des B. Zink,
d. städtechroniken 5, 229; bis man, nachdem man ihn gerufen und nachgehends gezerret, endlich gewahrte, dasz er alle bewegung und alle empfindung verlohren. Füszlin
übersetzung von Tissots '
gesundheit der gelehrten' 53; nun war er gewandt genug um einigermaszen zu gewahren, dasz hinter diesen tollheiten ein gewisser sinn verborgen sei. Göthe (
tag- und jahreshefte) 31, 240; bald gewahrt er, dasz in dieser groszen stadt nur wenige muselmänner hausen, ja, des feuerdiensts altäre sieht er. Platen 4, 237
Abassiden; (
ich) gewahrte, dasz sie (
die amorflügel) von blauem zindel waren. Auerbach
neues leben 3, 328; erst jetzt glaubte er zu seinem schrecken zu gewahren, dasz auch Fides unter den frauen gewesen und wie ein schatten verschwunden war. G. Keller (
Hadlaub) 6, 67; sah mich jetzt zum erstenmale mit offenen hellen augen in der welt um und was gewahrte ich? dasz die welt nur
eine grosze schwindelbude ist, in welcher die dummen den klugen den saldo bezahlen. J. Scherr
Michel 2, 6. 2@b@b@3@cc)) kreuzlahm, geknebelt hang' ich steif am weidenzweig. entsetzt gewahr' ich scharfgewetzt das messer nahn, des grauser schnitt hinraffen soll das zweigelein. Immermann (
gedichte 3) 11, 87; durch dornen und durch buschwerk drang ich kühn; und bald gewahrt' ich, rings vom wald umfangen, in hoher hall' ein schmiedesfeuer glühn. Geibel
gedichte 192. 2@b@gγ)
einzelne charakteristische verwendungen. 2@b@g@11))
die einfache sinnliche wahrnehmung kommt am verbum ebenso wie an gewahr werden
in der übertragung auf die thierwelt zum ausdruck: die fluszotter, sehr fein witternd und vernehmend übertrifft das meiste haarwild an scharfem gewahren. v. Thüngen
waidm. pract. 155; gewahren heiszt so viel als sehen. Behlen
forstl. reallexicon 3, 353. 2@b@g@22))
das unvollkommene der wahrnehmung wird gerade bei unserem verbum gerne hervorgehoben: denn unten in einiger nähe gewahrt man etwas von der mauer desselben bei einer kapelle. Mörike (
maler Nolten) 3, 12; doch nichts gewahrt er, als die waldige schlucht zu seinen füszen, ein unendlich meer von grünen wipfeln. Geibel,
juniuslieder 326.
hieher gehört auch die beliebte verbindung mit der negationspartikel: die menschen sind durch die unendlichen bedingungen des erscheinens dergestalt obruirt, dasz sie das eine urbedingende nicht gewahren können. Göthe (
Wilh. Meisters wanderj. 3.
buch) 23, 266. 2@b@g@33))
die nebenbedeutung des erfahrens (
vgl.gewahr werden
sp. 4774): wann sollen wir die wahrsagung gewahren, und wachen, was wir schlummern in gedichten? Platen 2, 24 (1847).